2 Cent zum Thema Token/Quotenpersonen

Wie viele von Euch vielleicht wissen, ist im März das Buch “Beissreflexe” von Patsy L’amour LaLove herausgegeben, erschienen. Darin kritisieren einige Leute die queerfeministische Szene und ihren Aktivismus. Ich habe mir das Buch gekauft und schreibe später vielleicht noch was dazu, aber wieso ich das nun schreibe, ist:

Es gibt so eine Debatte auf Twitter und im Netz zum Thema “Token”, die in diesem Buch auch aufgegriffen wird, und in der sich die Seiten inzwischen mehr und mehr verhärten zu reduzierten “ganz oder gar nicht” Standpunkten.

Token ist auf deutsch am ehesten “Quoten-…..” – z.B. “Quotenfrau” oder “Quotenqueer”. Sinngemäss jemand, der dabei ist, damit man sagen kann, etwas für Diversity getan zu haben. Oder jemand, der vorgeschoben wird, um zu beweisen, dass man ja nicht diskriminierend gegen eine bestimmte Gruppe sein kann, denn man hätte ja diese Person im Team, die dieser Gruppe selbst angehört. Oder es kann auch sein, dass die “Token” Person einfach nur ihren Standpunkt vertritt und der passt Anderen gut in den Kram, um ihn anzuführen gegen andere Leute, die derselben diskriminierten Gruppe wie die Token-Person angehören, aber Standpunkte vertreten, die man nicht so gut findet.

Was daran schon erkennbar ist: Token zu sein, macht sich nicht so sehr daran fest, was eine marginalisierte Person tut, sondern daran, was Angehörige der Mehrheit/dominanten Gruppe mit ihr tun. Klar haben wir alle etwas Einfluß, und manche finden die Aufmerksamkeit, den sie durch das Token-Sein bekommen, evtl auch gut – aber der Knackpunkt ist: Den meisten Einfluß haben diejenigen, die Leute erst zu Token-Personen machen.

Der Grund ist die unbewusste Auffassung, dass Angehörige von marginalisierten Gruppen stets für _alle_ in der Gruppe sprechen. Auch wenn man denkt, man denkt nicht so: Die meisten Menschen verhalten sich so, als läge ihren Handlungen so ein Denken zugrunde, und daran merkt man, dass es doch breit gestreut vorhanden ist.

Ansonsten käme niemand auf die Idee, die Meinung von z.b. der Schwarzen Person A mit der Meinung der Schwarzen Person B zu kontern. Wir würden nur sagen “Äh, so what? Und was hat A’s Meinung mit der Meinung von B überhaupt zu tun?”

Manchmal hab ich den Eindruck, viele Linke denken, sie hätten diesen Othering-Mechanismus, dass sich eine Person immer für ihre ganze Gruppe äussert, hinter sich gelassen. Oder sie denken, der betrifft sie als Linke nicht. (Othering – VeranderungOthering – Veranderung: Eine Gruppe gilt als “anders”, von ihr gibt es Klischees und Vorurteile, die auch positiv sein können)

In dem Buch “Beißreflexe” gibt es einen Teil zum Thema Betroffenheit. Darin äussert sich eine Fraktion, die sehr skeptisch gegenüber dem wichtig nehmen von Betroffenheit ist, um es mal möglichst neutral zu sagen. Das Ideal ist, dass nur zählt, was Menschen tun und sagen, und nicht so sehr, aus welcher Position und Perspektive heraus.

Vielleicht ist es deswegen so schwer, einzusehen, dass wir leider noch nicht im Zeitalter der “Post-Betroffenheit” leben und nicht selber “Post-Betroffene” sind. Dass ver-anderte Menschen nicht als neutrale Individuen, sondern immer auch als “typische” oder “untypische” Mitglieder ihrer marginalisierten Gruppen von außen bewertet und beurteilt werden, ist leider noch die tägliche Realität. Und auch Linke sind darüber nicht erhaben.

Also ist Token sein für mich kein Makel von einer marginalisierten Person, sondern zuerst mal eine zu erwartende Erscheinung in einer Welt, in der Menschen ausgegrenzt und ver-andert (geothert) werden. Ich denke, man kommt gar nicht drumherum, mal in der Situation zu sein, wo es heißt: “Jetzt sag doch du mal als Frau, ob das wirklich sexistisch ist.” oder “Wie findest du denn als Moslem, dass..” oder ich höre “Mein Schwarzer Nachbar findet das aber gar nicht rassistisch..” oder, oder, oder. Da fängt das Token sein eigentlich schon ganz klein an.

Ein(einer von vielen möglichen) Extremfall wäre es vielleicht, wenn eine Token Person Standpunkte vertritt, die ihr und ihrer marginalisierten Gruppe schaden, und Nichtbetroffene begründen damit, warum es okay ist, dieser Gruppe zu schaden. Zum Beispiel die Physikerin, die in einem komplett männlichen Umfeld sich beeilt, sehr frauenfeindlich und sexistisch zu reden, wodurch sie den Männern signalisiert, dass sie von ihr nichts zu befürchten haben, und im Gegenzug wird sie in den Reihen der Jungs in Ruhe gelassen oder besonders akzeptiert, denn “du bist ja nicht so wie die anderen Weiber”.

Ich finde das Thema Token sein und Token Personen interessant. Das Wichtige daran ist vor allem, die dahinter steckenden Strukturen zu erkennen, und nicht die Personen, deren Meinung gerade vorgeschoben wird, individuell dafür zu beschuldigen. Ich finde nichts langweiliger, als Leute, die z.B. sagen “Frauen sind ja selbst schuld an den sexistischen Verhältnissen, denn viele tun ja nichts dagegen und finden sie auch noch gut”. Mit dieser Art von Hinschauen komme ich doch nicht dahinter, wieso sich Unterdrückungsverhältnisse so gut halten. Das Mitmachen bei der Unterdrückung erscheint als verschrobene Gruppenbeklopptheit, und dass das als Erklärung überhaupt befriedigen kann, ist in sich wieder nur ein abwertendes Klischee.

Das Problem mit dem Begriff Token ist kein Problem mit dem Begriff Token, sondern für mich ist es ein Problem des falsch verstandenen Abhandelns von Strukturellem auf der persönlichen Ebene. Zwar ist das Private Politisch, aber deshalb sollte ich doch nicht die gesellschaftlichen Strukturen den Einzelnen persönlich anlasten. Weil das keine Befreiungsstrategie ist, sondern nur ein “Schuldige suchen”.

Wenn z.B. gesagt wird, “Ach, die ist ja sowieso nur Token Betroffene” um die Meinung einer Person als nicht gültig abzuwerten, führt das doch zu nichts. Das ignoriert, wer hier eigentlich jemanden zum Token hernimmt, und selbst wenn man diese Leute dafür kritisiert, sollte man immer noch auch an das Strukturelle denken und darauf aufmerksam machen.

Einzelne und ihr “Fehlverhalten” anzuschauen und abzuurteilen, anstatt den Blick auf die dahinter steckenden Strukturen zu richten, ist leider etwas, was ich öfter in der Linken und speziell auch in der queerfeministischen Bubble sehe.
Das sollte kritisiert werden und ich selbst würde mich sehr freuen, wenn wir (ich rechne mich selber zu jener queerfeministischen Bubble) da einfach weniger Fails verzeichnen würden und einfach öfter die Kurve zu konstruktiver Auseinandersetzung kriegen würden.

Begriffe wie Token oder das Phänomen, eine Quotenperson zu sein, komplett fallen zu lassen, weil sie zu sehr dazu einladen könnten, den Blick von den Strukturen weg zu nehmen, ist für mich ebenso der falsche Weg. Wir können doch besser mit Komplexität umgehen als das. Oder? Als ich anfing, “Beissreflexe” zu lesen, habe ich mich sehr geärgert, dass viele Begriffe in dem Buch quasi “verbrannt” werden, weil die Szene, die man auszog, zu kritisieren, oft mit ihnen hantiert.

Das sind im Grunde genommen auch nur der Versuch, das Sprechen zu kontrollieren. Und es ist so platt: “Du hast diesen und jenen Begriff benutzt, also gehörst du zu DENEN und DIE sind ja sowas von im Unrecht!” Inwieweit ist das denn nur einen Deut besser?

Token ist also jetzt so ein Reizwort. Wie Betroffenheit.
Man kann jetzt aufhören, über das, was es eigentlich bedeutet und die Strukturen dahinter nachzudenken. Sollte man aber nicht, finde ich.

PS: Mir erschließt sich aber auch logisch nicht, wieso Leute denken, dass allein der Begriff “Token” jemanden zu einer Marionette herunterqualifiziert. Ich kann doch annehmen, dass eine Handlung gleichzeitig autonom und legitim ist, und trotzdem kann sie von anderen taktisch vorgeschoben werden, um ihre Position zu begründen. Ja, manchmal benutzen Leute den Begriff “Token” so, um die Meinung von jemandem zu diskreditieren (s.o.) und die Person zu einer Marionette herunterzuqualifizieren. Das ist aber auch nicht die “Schuld” des Wortes. Ich bin einfach nicht für das “verbrennen” von Begriffen. Oder das Hernehmen von Begriffen als Beweismittel, dass etwas bestimmtes im Schilde geführt wird. Mehrdeutigkeit ist ein Ding.

PS 2: Weil ich Metal-Fan bin: Auch ein sehr gutes Beispiel von Token queer ist Rob Halford, der offen schwule Frontmann von Judas Priest, der von wirklich der gesamten Metalszene hochgehalten wird, wenn es die Kritik kommt, dass sie homofeindlich sei. Oder zumindest nicht sehr homofreundlich. Das heißt nicht, dass Rob Halford nur ein Quotenmetaller sei. Er ist vielmehr ein Metal-Urgestein, der den Metal mit erfunden hat, an ihm kommt man kaum vorbei. Aber dennoch ist es einfach ein Ding, dass es in der Metalszene zwei offen schwule Musiker gibt, (in Zahlen: 2!) und es geht einfach nicht, dass alle immer nur: “Aber Rob Halford” sagen und sich dann die Hände waschen und nichts mehr gegen Scheisse in der Metalszene tun müssen. So.

Dreadlocks und Weiß sein.. die Zweite

Content Note: Erwähnen rassistischer Klischeevorstellungen, Kolonialismus, Exotisierung. 

Ich hab schon mal über das Thema geschrieben. Aber ich war und bin mit dem Text unzufrieden. Und er überzeugt mich nicht..

Und immer wieder gehen Pingbacks ein von anderen Blogs, die die alte “ich lass mir nicht vorschreiben, wie ich auszusehen habe” Nummer bringen. Oder das “Was ist denn mit den Sadhus, oder mit den Kelten?” etc.

Vielleicht sollte ich den Text daher offline nehmen und einen anderen schreiben, denn vielleicht schadet der erste Text mehr, als er nutzt. Wegen der ausführlichen Diskussion zu dem ersten Text lasse ich ihn online. Aber ich versuche jetzt, trotzdem nochmal anders ranzugehen.

Meine persönliche Ansicht: Ich habe meine Whitie-Dreads 2011 abgeschnitten, und ich hatte recht schöne, für eine Weiße relativ gepflegte verfilzte Haare. Schon vorher war ich in einem Konflikt mit mir selbst wegen der Frisur. Ich hatte begonnen, mich mit weißen Privilegien und kultureller Aneignung als Thema zu befassen, und obwohl ich den Schritt, mich von meiner Frisur zu trennen, noch nicht hinbekam, war es halt auch nicht gut, sie zu tragen. Ich ließ mir die Haare kurz schneiden, als ich eine andere Veränderung in meinem Leben hatte, und ich merkte, das war gut. Ich fühlte mehr Einklang zwischen dem, was ich reflektiert hatte und dem, was ich nach aussen darstellte.

Warum?

Weil für mich Locs, ebenso wie viele andere Styles und Körpermodifikationen, für uns Weiße zu allermeist einen anderen Kontext stehen und eine andere Bedeutung haben  wie sie das für Schwarze haben. Und diese Bedeutungen und der Hintergrund davon ist bedenkenswert. Und die Logik, die dahintersteckt, ist kolonial.

Die (weiße) Suche nach der verlorenen “Ursprünglichkeit”, dem “Primitiven”.

In einer Periode ihrer militärischen Übermacht haben europäische Mächte den Großteil der bewohnten Welt erobert und unterjocht. Im ideologischen Gepäck hatten sie (falsch verstandene?) Ideen der Aufklärung, nach denen sie selbst zivilisierte Menschen im Dienst der Vernunft darstellten, und andere Menschen stellten unzivilisierte Primitive dar, die entweder gar nicht zählten oder der europäischen Herrschaft bedürften. Sie gaben vor, die Vernunft und den Fortschritt allen anderen Leuten auf der Welt bringen zu wollen. Was aber tatsächlich stattfand, war Unterdrückung und Ausbeutung, denn für so vernunftbegabt hielten die Kolonisierenden ihre Opfer nicht. Deshalb war es für sie okay, sie nicht wie Menschen, sondern wie Tiere zu behandeln. Sie selber, also die “Zivilisierten”, sollten überall siedeln, überall an der Macht sein und alles sollte ihnen gehören. Damit war der Ausbreitung der “Zivilisation” in alle Welt in ihren Augen Genüge getan.

Die selbsternannten Vernunfts- und Fortschrittsmenschen entwickelten in ihren europäischen Machtgebieten und in Nordamerika, wo sie sich riesige Länder angeeignet und die ursprüngliche Bevölkerung fast ausradiert hatten, ihre Gesellschaften weiter. Die sahen dann entsprechend aus. Verwertung, Ausbeutung, die Abhängigen fertig machen, Erobern und Krieg führen und dabei von Freiheit und Demokratie reden, oder von Gott, Kaiser und Vaterland. Je nachdem.

Es gab dann auch Gegenbewegungen, zur Aufklärung zum Beispiel, die Romantik. Oder zum Kapitalismus – die Kommunist_innen. Diese beeinflussten sich durchaus gegenseitig. Ich habe mal viel zum Thema modernes Heidentum und moderne Hexen gelesen, und da kam ich auf die Romantik und auch auf Friedrich Engels. Der Zusammenhang ist so: In der Romantik wurde viel nach dem Wunderbaren, dem Zauberhaften, aber auch dem Ursprünglichen und der Natur gesucht, im Gegensatz zur Zivilisation und den modernen Gesellschaften mit allem, was einem daran nicht gefällt. Friedrich Engels zum Beispiel dachte über ein ursprüngliches, urkommunistisches Matriarchat nach, das er in der Steinzeit lokalisierte. Es gibt z.B. kleine Heimatmuseen in Brandenburg, die ihre “Steinzeitecke” mit den Gedanken von Friedrich Engels versehen haben.

Aus der Romantik speiste sich die Jugendbewegung der 1920er in Deutschland, aber auch die heidnischen und martialischen Rückbesinnungsideen der Nazis. Und später, teils in personeller Kontinuität aus der Nazizeit, die neuheidnischen Gruppen in Deutschland, und etwas anders, viel mehr linksgerichtet, aber auch romantisch und auf der Suche nach dem “verlorenen Glück”, Hippies und Alternative in den USA und Europa.

Und das ist im Großen und Ganzen der Hintergrund, vor dem ich hier Gegen- und Subkulturen von Weißen sehe, die sich “primitiver” oder “ursprünglicher” oder “ethnischer” Styles und Symbole bedienen.  Als Nachfolge-Subkulturen der Romantik, gespeist aus einer entsprechenden Sehnsucht nach dem, was der Kapitalismus noch nicht zerstört und ausgebeutet hat.

Diese immer wieder auftauchende Idee ist: Wir haben in unserer Gesellschaft irgendwas verloren, das wir wieder finden wollen. Die Ursprünglichkeit, das Wahre, die “natürlichen”, guten Menschen, die verlorene Unschuld. Das wird nicht nur, aber oft auch, symbolisiert durch den “edlen Wilden”. Das ist eine Person, die es gar nicht gibt. Man stellt(e) sich vor, dass es diese Person mal gab, aber eben früher, bevor man die “Wilden” in Grund und Boden kolonisiert hatte.

Das erlaubt es dann, diese Projektion “edler Wilder” zu benutzen, um sich selbst in den eigenen Gegenbewegungen davon inspirieren zu lassen, alles mögliche, was man im “edlen Wilden” sieht, nachzuahmen oder sich zusammenzufantasieren, aber gleichzeitig die Kolonisierten weiter nicht ernst zu nehmen. Ihnen wird nicht auf Augenhöhe begegnet.  Weil sie ja “kontaminiert” und nicht mehr “authentisch” sind heutzutage, oder “verwestlicht” (wie es heute heißt). Rituale und Symbole sind laut diesem Denken in westlichen Händen besser aufgehoben, weil nur die weißen Westler_innen wissen Bescheid, wie die “edlen, ursprünglichen Traditionen” so richtig gehandhabt werden sollten.

In diesem Forum, das sich mit Plastik-Schamanismus und New-Age-Betrug beschäftigt, kann man Diskussionen nachlesen, in welchen amerikanische Natives europäischen Esoteriker_innen mehrfach erklären, dass nein, sie keineswegs ausgestorben sind, und ja, dass es ihre Religionen und Traditionen schon noch gibt, und nein, europäische New-Ager seien nicht vonnöten, um die “Traditionen zu bewahren”… es ist bezeichnend. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Bestseller “Traumfänger” von Marlo Morgan, das sich zu der krassen Fantasie steigert, eine “letzte” Gruppe “authentischer” Aborigines hätten sich entschlossen, absichtlich auszusterben, aber vorher noch ihr ganzes Wissen einer ihnen völlig unbekannten weißen Amerikanerin anzuvertrauen.

Es gibt auch weniger extreme Formen von Imitation, aber die weiße Idee des “ursprünglichen, edlen Wilden, den es nicht mehr gibt” ist gut, um deutlich zu machen, dass die kolonisierten Menschen, die ihre Wurzeln suchen, gar nicht von Interesse sind für Weiße, und dass diese auch etwas anderes machen als Weiße auf dem Selbsterfahrungs-trip.

Damit will ich nicht sagen, dass Traditionen von Kolonisierten alle toll sind oder das Ausüben von jeglicher “authentischer” Tradition ein Wert an sich ist, denn darum geht’s hier grade nicht. Aber was ich sagen kann: das Exotisieren von Menschen und sie als Projektionsfläche benutzen ist auch Rassismus.

Sollen Weiße dann bei “weißer Kultur” bleiben? Wie jetzt.. Seitenscheitel??

Nein. Aus meiner Sicht wäre das Besinnen auf “das Ursprüngliche” auch dann bedenklich, wenn es um das “eigene” “Usprüngliche” geht.  Die Romantik, die auch völkische Bewegungen wie die Nazis angeschoben hat, besann sich ja genauso auf das “authentische” in der eigenen Kultur. Das selbe in Grün, halt “das Gute von Früher”. Die Leute haben in ihren eigenen Vorfahren genau so eine Art von “edlen Wilden” gesehen und dann eben die imitiert. Mit germanischen Götterbildern, Erntekranz und Seitenscheitel. Zwar werden durch so einen weißgermanischen Ringelpiez keine rassistisch marginalisierten Menschen nachgeäfft, aber unbedenklich ist das deshalb noch lange nicht. Ich sage nicht, dass man das unterlassen sollte. Aber es bedarf echt eines selbstkritischen und politisch sensiblen Umgangs damit.

Und: kein Ethnopluralismus für mich, das ist rechte Kacke und überhaupt nicht der Punkt.

Aber wir haben doch voneinander zu lernen, oder?

Aber klar. Voneinander lernen – auf Augenhöhe und mit Respekt – ist für mich eins der besten Dinge, was im Leben ablaufen kann.

Leider wird das erschwert oder verunmöglicht durch andauernden Rassismus, andauernde Ausbeutung (durch Fortsetzung des Kolonialismus im heutigen neoliberalen, globalisierten Kapitalismus) und fortbestehende Machtverhältnisse. Von Menschen zu erwarten, dass sie alle Verhältnisse mal beiseite lassen, und man sich mal eben frei und sorglos über alles austauschen und voneinander lernen kann, ist bestenfalls naiv und unsensibel.

Am ehesten geht das noch, wenn ein ehrliches Interesse da ist für die Situation “der Anderen” (der Ver-Anderten). Wenn privilegierte Leute in der Lage sind, sich Kritik von Marginalisierten an dem, wie es gesellschaftlich läuft, anzuhören. Wenn die privilegierten Leute bereit sind, ihre eigenen Privilegien wenigstens wahrnehmen zu lernen und mitzudenken. Wenn Bereitschaft zur Solidarität da ist. Solche Menschen hat es immer gegeben und deshalb hat Austausch mit Respekt wohl auch immer stattgefunden, trotz aller Ausbeutung und Aneignung, die insgesamt vorherrscht.

Kein Vorschreiben, wie jemand rumlaufen möchte

Ich hab mich entschieden, gar nicht über Einzelheiten zu reden. Nicht über Locs, oder geweitete Ohrläppchen, nicht über Tattoos oder Yoga. Sondern über das, was man da eigentlich grade performed als weiße Person: Auf welcher Bühne man steht und welches Stück man spielt.

Ich würde auch nicht sagen, dass das das einzige ist, was es spielt. Da gibt es bestimmt noch einige andere Handlungen als die Story vom “edlen Wilden von Früher”.  Aber das ist eine wichtige Story, und es gibt viele Varianten davon. Romantisieren und Exotisieren und dann “sich inspirieren lassen” findet abgewandelt statt.  Und oft ist eine Abgrenzung von der Mainstream-Gesellschaft und dem, was einem nicht gefällt, dabei. Und die Suche nach dem, was man in der Mainstream-Gesellschaft vermißt.

Gesellschaftskritik, ja bitte!

Ich befürworte ja Abgrenzung, Gesellschaftskritik und Suche nach etwas Hilfreichem, um eine bessere Gesellschaft hinzukriegen.

Aber bitte mit sensiblem Blick für das, was man da eigentlich grade macht. Nicht auf Kosten von Schwarzen/PoC. Nicht mit exotisierenden, rassistischen Vorstellungen von den “Anderen”, auch wenn die Vorstellungen noch so verehrend und positiv daher kommen.

Und bitte mit Skepsis gegenüber von antimodernen, romantischen “Usprünglichkeits”-Mythen.

disclaimer am ende:

Ich bin kein Profi, ich schreib hier nur in meiner begrenzten Freizeit ein privates Blog. Was ich hier schreibe, habe ich grossteils von anderen gelernt. Bewusst geworden über diese Dinge bin ich mir durch zuhören und zulesen bei Schreibenden People of Color. Ich habe sehr wenig Texte verlinkt, und auf wenig hingewiesen, weil ich die aktuelle Debatte nicht gut kenne und naja, Zeitmangel. Ich will mir keine Arbeit anderer Leute aneignen. Ich sehe dennoch die Notwendigkeit mich wegen meinem verkrachten anderen Text nochmal zu positionieren. Ich will mich bei allen bedanken, die mir ermöglicht haben, Zeug zu reflektieren.

Zweitens sind meine Inhalte in diesem Text nicht mit Quellen/Links belegt, wie z.B. Wikipedia Artikel, aber ich hab auch keinen hohen Anspruch hier an mich selbst, sondern privates Blog blablabla. Bei Interesse könnt ihr in die angesprochenen Themen selber eintauchen, ich bin da auch mitnichten irgendwie expertisch oder kompetent.

Startpunkte:

start small and revive your blog

Hello!

Nachdem ich über ein Jahr hier nichts geschrieben habe, und ehrlich gesagt auch etwas an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert bin, habe ich mich gefreut, Somlus Blogwiederbelebung zu lesen. Vielleicht lief in letzter Zeit zu vieles über Twitter, und vielleicht brauchte es erst einige gescheiterte Diskussionen dort, um mich zu fragen: Wieso blogge ich eigentlich nicht mehr?

Ich habe einen Text gefühlte 100 Jahre in der Warteschleife und dann unter Passwortschutz zum Testlesen stehen gehabt, der aus der sogenannten “Bi-Debatte” aus dem Sommer 2015 (so lang her…) entstanden war. Ich habe ihn nie freigeschaltet. Zu konfus, zu wenig konnte ich klar machen, was aus einer paradoxen und schwierigen Zwischenposition  zwischen straight und queer heraus für mich dazu zu sagen ist.

Seitdem (vielleicht komplett unabhängig davon) sind Diskussionen meinem Eindruck nach zurückgeschliddert auf Punkte, wo ich die Zeit zu schade finde, sie immer noch diskutieren zu müssen. Es dreht sich z.B. regelmässig auf Twitter unter Linken um den Punkt, ob die “Critical Whiteness” Fraktion quasi schon identitäre Nazis sind und intersektionaler Feminismus eine menschenverachtende Ideologie. Unter Linken. Ich bin selbst der Ansicht, dass sich die queerfeministische Szene mit einigen Punkten selbstkritisch befassen sollte. Die lächerlichsten Anwürfe und aufgeblasensten Nazivergleiche als Diskussionsgrundlage funktionieren als Startpunkt aber sicherlich nicht.

Und was mich auch geschockt hat, ist, wie hoffähig TERFs wieder geworden sind in der deutschsprachigen feministischen Szene. (Ich bin grad etwas verstört, dass Sancznys Terf-101-Text nicht mehr online zu sein scheint. Insofern muss ich auf was englisches verlinken: TheTerfs.com – falls wer nicht weiss, was TERFs sind.) Ich fasse es echt nicht, wie cissexistische Feministinnen mit allen Mitteln auf Frauen einschlagen, die ihnen nicht Frau genug erscheinen. Und wie biologistisch argumentiert wird. Dass wir uns damit überhaupt noch rumschlagen müssen. Vielleicht ist das alles etwas, was zu der Entwicklung mit beigetragen hat:

Was ich vor Jahren nicht für möglich gehalten hatte, weil ich dachte, wir seien besser als das: Einige Diskussionen innerhalb meiner queer_feministischen Bubble sind stark abgeflacht. Mir wird manchmal zu sehr nur auf die Positionierung der Personen (WER sagt was?) geschaut, als auf das, was gesagt wird und welche Strategie gerade läuft. Und dann gibt es diese Topcheck-Positionierungen aus denen heraus du eh alles gecheckt hast, oder Privilegien-Mathematik ersetzt die Analyse.  Selbstverständlich können auch einige Leute nach wie vor anderen an der Nase ablesen, wie diese positioniert sind und ob sie ihre Privilegien auch genug reflektieren.

Vielleicht habe ich das vor 2-3 Jahren nur nicht so sehr mitbekommen. Ich hatte zu tun damit, den ganzen Kram überhaupt erst zu lernen. Und die grundlegenden Gedanken und Texte sind ja meistens etwas Anderes als hinterher die Praxis. Da hört sich alles einleuchtend an, da wird reflektiert und alles auch in einen Zusammenhang gestellt mit linken, feministischen Bewegungen und gesellschaftlichen Strukturen..  Und dass im Praktischen meistens, immer, Verkürzungen und Vereinfachungen passieren, ist auch klar. Klar muss ich, um mich für eine Handlung zu entscheiden, um Aktionen zu machen, aktiv zu werden, erstmal einen Punkt raus suchen. Und eine von mehreren Möglichkeiten von Deutung wählen, und da irgendein Handeln ansetzen. Ich glaube, so wie ich nichts so heiß essen kann, wie es gekocht ist, kann ich auch nichts so komplex be_handeln, wie es gedacht worden ist. Und trotzdem. Ich finde, zu heftige Shortcuts schaden am Ende mehr als sie nützen. Denn was nützen schnelle Resultate, wenn es nur oberflächliches Nachgeplapper ist?

Naja. Das soll sich eigentlich nicht so pessimistisch anhören, ist es aber. Jedenfalls gerade. Es ist ja nicht so, als hätte ich die Scherben, die solche Vereinfachungen machen können, nicht gesehen. Immensen Schaden habe ich passieren sehen. Und war selbst nicht in der Lage, dagegen mit irgendwas anzusprechen. Nur die Trümmer mit beseitigen helfen, das war alles, was möglich war.

Ja, da sind noch die Bücher die bei Themen in die Tiefe gehen. Und da sind diejenigen, die Widersprüche in der Komplexität zulassen können und mit bedenken. Da sind gute Gespräche.  Ich habe diese geschützten Räume, in denen Widersprüche, Komplexität und viele “Vielleichts” existieren dürfen. Sie haben es mir ermöglicht, Dingen einen Namen zu geben, mich statt in meiner unbeschriebenen, unbenannten Anormalität irgendwo zu hängen, mehr zu verstehen: Wo ich in diesem Netz aus Bedeutungen, Normen und Machtstrukturen stecke, und was das für mich bedeutet. Das war und ist für mich sehr wertvoll.

Vielleicht ist es logisch, wegen den oben genannten erbitterten Kämpfen in linken und feministischen Bewegungen, sich wirklich erst mal vom Rumgrübeln abzuwenden und zu versuchen, wenigstens erst mal die Facts und Basics hinzukriegen. Und sich erst mal nicht um Eventualität, Vielleicht, und 0ffene Ränder und Widersprüche zu kümmern. Würde aber trotzdem nicht gehen, weil es halt dann auch wieder Leute gibt, die dann entnannt und übersehen werden. Es muss leider doch alles unter einen Hut passen und alles muss leider doch irgendwie gleichzeitig laufen. Wir müssen das auch nicht alle zusammen und am gleichen Ort machen. Aber schön wär’s halt, zu sehen, dass wir schon noch die gleichen Dinge wollen und dafür was tun, so aussichtslos es auch manchmal aussieht.

Meine 1. Critical Mass und der alltägliche Motorismus

CN für den Artikel: Gewalt, Tod, Victim Blaming, Übergriffe..

Critical Mass Vancouver 2007-06
Critical Mass Vancouver, Foto CC-BY-2.0 by Tavis Ford

Critical Mass (Linkliste, englisch) (wikia, deutsch) ist eine Aktionsform, wo sich Radfahrende die Strasse für eine kurze Zeit erobern. Von einigen Leuten habe ich gehört: Hä, was ist daran cool oder politisch?

Daran ist cool und politisch, dass es wenigstens für kurze Zeit aufbegehrt gegen den ständigen Motorismus. (Dieses Wort habe ich mir für den Artikel hier überlegt, um einen Begriff für den Zustand zu haben, damit ich nicht jedes Mal eine lange Erklärung schreiben muss). Motorismus ist (für diesen Text jetzt mal) die Machtverteilung auf der Strasse, der Zustand, dass die Strassen zuerst dem Fortkommen von Autos und grösseren Kalibern dienen, und dass alle anderen, die die Strassen benutzen, Benutzer_innen zweiter Klasse sind. Wer zu Fuss unterwegs ist, bekommt das zwar auch zu spüren, aber so richtig zu spüren bekomme ich es, wenn ich als Radfahrerin auf der Strasse mit Motorisierten unterwegs bin.

Krakow Critical Mass, June 2009
Critical Mass Krakow, photo by bartek, CC BY-NC 2.0

Übergriffe, Respektlosigkeit und gedankenlose Gefährdung

Radwege und Radstreifen werden nicht respektiert. Darauf wird oft geparkt (auch von der Polizei) oder sie als zusätzliche Fahrspur zum rechts abbiegen genutzt. Wenn du gezwungenermassen das Hindernis umfährst, wirst du oft von Motorisierten angehupt, genötigt und gefährdet.
Überhaupt werde ich als Radfahrerin oft genötigt und bewusst eng überholt, um mir klar zu machen, dass ich “weg soll von der Strasse”, dass ich störe, im Weg bin, dass ihr schnelleres Fortkommen wichtiger ist als meine körperliche Unversehrtheit, meine Sicherheit und letztendlich auch mein Leben.
Wenn es doch mal knallt, habe ich oft erlebt, dass Motorisierte sich mehr um Kratzer im Lack kümmern als um Verletzte oder um Menschen, die einen Schock haben. Fahrer_innenflucht wird von manchen nicht mal als solche wahrgenommen, wenn niemand blutet oder bewusstlos ist, ist “ja nichts passiert”.
Ich bin auch zweimal als Radfahrerin körperlich angegriffen worden, um es mir “zu zeigen”, beide Male hatte ich großes Glück. Die Täter waren beide Male Betrunkene, deren Reaktionsfähigkeit zu sehr herabgesetzt war, so dass ich entkommen konnte. Der eine Angriff war eindeutig gegen mich als Radfahrende gerichtet, wegen dem Radfahren, weil die Art und Weise, wie und wo ich fuhr, denjenigen nicht gepasst hat. (Obwohl es sie in keiner Weise beeinträchtigt oder berührt hat) Das andere Mal weiß ich es nicht, aber es kann sein.
Insgesamt erlebe ich Street Harrassment sehr massiv – aufgrund des Radfahrens.

Ein richtiger Knaller war ein Erlebnis in einer Winternacht. Der Radweg war vereist, verschneit, saugefährlich und unbenutzbar. ich fuhr auf der dreispurigen Prenzlauer Allee in Berlin auf der rechten Spur, die geräumt, enteist und sicher war. Ein Autofahrer, der ganz alleine nachts um drei die Strasse ebenfalls benutzte, fuhr an mir vorbei und öffnete ein Fenster, um mich wütend anzuschreien, dass ich gefälligst den Radweg benutzen soll. Dieses Erlebnis war für mich echt nicht schön, weil der Kerl zwei völlig leere Spuren für sich allein hatte und sich kein bischen in mich hineingedacht hatte, was es für mich heisst, über Eiswege zu schliddern. Nein, die Strasse mit mir zu teilen, das ist eine Zumutung für ihn gewesen. Immerhin hat er mich nicht physisch angegriffen. Aber da fühle ich mich immer so ungerecht behandelt und so mißachtet, und werde frustriert und wütend. Und diese Leute fühlen sich im Recht. Und glauben, ich wäre diejenige, die sie ins Unrecht setzt. Nicht zu fassen, aber das kommt öfter vor.

(Hier ist übrigens eine gute Gelegenheit, zum Vergleich die Nichtbeachtung durch Leute zu Fuß anzusprechen. Ich erlebe es sehr oft, das Leute auf Radwegen herumlatschen, oder vor Radelnden einfach über die Strasse gehen, oder sonst halt so tun, als wären Fahrradfahrende Luft. Das mag ja ein wenig nerven. Aber es gefährdet mich nicht. Das Schlimmste, was mir passiert, ist, dass ich halt 5 Minuten später am Ziel bin. Hier kann ich selber sehen, wie es ist, wenn du als “Stärkere” auf der Straße von “Schwächeren” ausgebremst wirst. Das ist absolut kein Grund, die Schwächeren zu gefährden oder ihnen gegenüber aggressiv zu werden.)

Critical Mass - stop and go
Critical Mass in Berlin-Kreuzberg, Foto: Alper Çuğun, CC-BY-2.0

Das Nicht-darüber-reden-können

Und wenn ich mit Menschen, die nicht selber viel Rad fahren, darüber spreche, werden mir die Regelverstösse von Radelnden vorgehalten. (Victim Blaming wie es im Buch steht). Als ob ein Regelverstoss so schwer wiegt wie die Gefährdung von Menschenleben. Und apropos Regelverstoss: Ich nutze meist Radwege, Radstreifen und Fahrradstrassen. Ich habe viel mehr Berührung mit anderen Radfahrenden als Motorisierte. Und ja, sie nerven mich manchmal, fahren ohne Handzeichen, oder sind ungeübt. Aber ich hatte wegen ihnen noch nie Todesangst. Ich werde von ihnen nicht genötigt oder aggressiv behandelt. Ich fahre vorausschauend, und wenn dann eine Person doch mal unvorhergesehen und ohne Handzeichen abbiegt, bremse ich und fahre eben seufzend und kopfschüttelnd weiter. Aber wirklich: so schlimm ist das auch wieder nicht.
Wenn für die ganzen Gefahren und Angriffe uns Radelnden nicht die Schuld gegeben wird, gibts ganz oft Victim-Blaming “light”: Aber Radfahrende sind so unsichtbar! (Sind sie witzigerweise für mich nicht, ich kann sie sehen). “Sie tragen keinen Helm!” (Fast wie: Der Rock war zu kurz). “Auf einer so und so gebauten Strasse komme ich an Radfahrer_innen nicht vorbei, wenn ich sie nicht eng überholen kann” (Und? An einem anderen Auto erst recht nicht?) “Radfahrende nerven mich” (Ja, und wieder: nerven ist was anderes als Todesangst. Komm damit klar. Mich nervt der Gestank und das Platzwegnehmen von Autos auch extrem).

Dann kommen noch die Debatten unter Radfahrenden dazu, wie es “richtig gemacht wird”, also – wie ich richtig fahre, dass ich möglichst nicht umgekachelt werde, was ich anziehen soll, oder wie ich fahren soll, damit wir endlich zu unserem Recht kommen und respektiert werden. Manchmal verlieren andere Radelnde auch aus den Augen, dass nicht Alle von uns den Mut oder die Kraft haben, sich jeden Tag den Platz auf der Strasse zu erobern, Motorisierte zum korrekten Verhalten zu “erziehen” und sich ständig dafür noch anhupen und anschreien zu lassen. Auch wenn ihr was anderes richtiger findet: Wir müssen alle mit der Situation und dem täglichen Motorismus klar kommen, und es ist okay, sich z.B. für die Nutzung strassenferner Radwege zu entscheiden.

Critical Mass London 5/09
CM London 2009 – Foto: Nico, CC-BY-NC-2.0

Von der Obrigkeit: Ignoranz und beschissene Behandlung

Dazu kommt die Verwaltung und die strukturelle Lenkung des Radverkehrs. Wenn ich für jedes Schild “Radfahrer absteigen” 5 Euro hätte! Wenn Baustellen sind, werden Radstreifen einfach überbaut, oft ohne Lösungsmöglichkeit, wohin. Oder es werden Situationen so gebaut oder konstruiert, dass ich nur unter großer Selbstgefährdung weiterfahren kann, Radwege werden plötzlich auf stark befahrende Schnellstrassen “geschubst”, ohne dass für die Motorisierten Zeichen oder Warnungen aufgebaut werden. Du musst sehen, wo du bleibst. Oder ganz oft werden Radfahrende einfach auf Gehwege umgeleitet, im Extremfall auf sehr stark benutzte Gehwege. Soll ich einfach in die Leute reinbrettern? Wo soll ich denn hin? Ich soll einfach verschwinden. Auf der Strasse ist für mich von der Stadt kein Platz vorgesehen. Und ich möchte keine zu Fuß gehenden Menschen belästigen, die haben auch zu wenig Platz in der Stadt. Was soll das.
Radwege und Radstreifen werden oft nicht mitgeräumt im Winter, wenn Radrouten unterbrochen werden, gibt es keine Umleitungsschilder (das ändert sich gerade punktuell) und es gibt zu wenig öffentliche Aufklärungskampagnen, die die motorisierte Bevölkerung informieren, was für Regeln sie gegenüber Radfahrenden einhalten müssen. Auch zu wenig Kampagnen gegen Fahrer_innenflucht oder für mehr Bewusstsein für die Wucht, die ein Auto nun mal entwickelt, und dass damit verantwortungsvoller umgegangen werden muss. Oder Kampagnen, die bewusst machen, wofür das Hupen eigentlich gedacht ist.
In Zeitungen wird manchmal radfahrfeindlich berichtet: Die Eltern eines totgefahrenen jungen Mannes hingen einen Zeitungsartikel an die Laterne bei seinem Unfallort aus, auf dem stand “der Radfahrer fuhr ohne Licht”. Mit einem dicken Marker hatten die Eltern dazu geschrieben: “Es war um diese Zeit noch nicht dunkel!!” Oft dreht sich der Diskurs in den Medien, wenn es um Fahrradunfälle geht, darum, Radfahrende zu mehr Vorsicht zu erziehen. Helmpflicht und so. (Nix gegen Helmpflicht, aber der Diskurs ist halt sehr einseitig). Als weiteres Beispiel hat der ADFC davon geschrieben, dass rücksichtsloses Verhalten gegenüber Radfahrenden statistisch die meisten Unfälle verursacht, während Staatsorgane (Verkehrsminister, z.B.) Radfahrende als Problem darstellen, sie z.B. “verrohte Kampfradler” nennen oder – wieder mal – lediglich über Helmpflicht diskutieren.

Das Auto als kulturelles Symbol

Das hier zu beschreiben, würde völlig die Grenzen sprengen. Aber es ginge hier einfach noch weiter, mit dem Stellenwert, den “das Auto” in der Gesellschaft hat, wie das “den Führerschein machen” zum “normalen Lebensweg” in diesem Land dazugehört, wie Autos Statussymbole sind und benutzt werden, um Menschen einzuschüchtern, zu beeindrucken, Gewalt gegen andere Menschen auszuüben, wie die Gesellschaft tausende von Unfalltoten jährlich schlicht als Normalität hinnimmt und damit lebt, und was das eigentlich alles über uns und Autos aussagt.
Hier müsste auch geredet werden über die verinnerlichte Höherwertung von Autos, egal, ob wir selber (gerade) Auto fahren oder nicht. Und auch über die Konnotation von Radfahren als “Kindersache” (also, bevor mensch alt genug für den Führerschein ist), als “Hobby” oder als “kein richtiges fahren”. Letzteres zeigt sich sowohl darin, dass Radwege nicht wie Strassen behandelt werden, und darin, dass z.B. Betrunkene das Auto zwar stehen lassen, aber Radfahren tun sie dann sehr wohl noch.

Critical Mass Gent-juni 2015-24
Critical Mass – Gent (Belgien) 2015, Foto: Frank Furter, CC-BY-NC-ND-2.0

Es ist ja nicht alles schlecht

Ja, sicher, es gibt auch soviel Gutes. Die meisten Motorisierten fahren rücksichtsvoll. Ich kann auch mit einigen Menschen über das Radfahren reden, ohne dass sie mit Victim Blaming und Bagatellisierungen ankommen. Und zunehmend kriegt die Stadt es auch hin, grade bei neu konzipierten Strassen, Radfahrende besser einzuplanen und es für Alle sicherer zu machen. Leider seh ich keine Veränderung/Hoffnungen bei der Behandlung des Radfahrens durch Medien, und auch das Auto als Status- und sonstiges Symbol hat einfach diesen Stellenwert. Der nicht so leicht ins Wanken gerät.

Aber obwohl die Mehrheit sich okay verhält: Die paar, die es nicht tun, und das mangelnde Bewußtsein für diese Situation, und die wahrnehmbare öffentliche Ignoranz und das Wegsehen sind noch stark genug, um manchmal ganz schön genervt und gefrustet zu sein, vor allem, wenn du dir selber durch jahrelange Erfahrungen und Beschäftigung mit dem Thema ein Bewußtsein dafür geschaffen hast.
In diesem Aufruf der Kampfradler_innen ist eigentlich das meiste, was ich geschrieben habe, schon mal super gesagt worden. Und da schließe ich mich klar der Forderung an, dass schwächere im Verkehr berücksichtigt werden müssen. Das heisst für Radfahrende: Alle, die zu Fuß, mit dem Rollstuhl, Kinderwägen etc. unterwegs sind. Für Platz-da-Verhalten gegenüber Fußgänger_innen hab ich kein Verständnis!

Ein paar Worte zu den “bööösen Radler_innen”

Wie schon anklang: Auch Radler_innen sind manchmal nervig und manche sind leider gegen Schwächere rücksichtslos.
Da entsteht bei mir Scham und Ärger, aber auch der Gedanke, dass es “DIE Radfahrer_innen” eigentlich nicht gibt, und trotzdem das Verhalten jedes Arschlochs auf zwei Rädern auf ALLE von uns zurückfällt.
Radfahrer_innen können die oben genannten Besoffenen sein, die das Auto stehen lassen, aber denken, mit dem Rad wärs ja kein Problem, herumzufahren. Es können rücksichtslose Autofahrer_innen sein, die den Führerschein verloren haben und nun Rad fahren müssen, die Rücksichtslosigkeit ist dann ja nicht einfach weg. Statt Unmotorisierte terrorisieren sie dann halt die noch weniger “berittenen” Leute. Es können auch einfach Ungeübte sein, leider gibt es gesellschaftlich als Folge der “Minderwertigkeit” des Radfahrens auch keine Ansprüche und die Auffassung, du setzt dich aufs Rad und machst halt irgendwie los. Und das tun Leute dann eben auch.

Ich fuhr einmal früh morgens im Berufsverkehr Rad. Zu dieser Zeit sind die Betrunkenen, Touris und Unerfahrenen einfach nicht auf der Strasse. Was ich erlebte, war: Viele Leute nutzen das Rad. Die allermeisten tragen Helme. Sie fahren zügig, umsichtig und geben Zeichen. Es ist für mich eine richtige Freude, mit ihnen unterwegs zu sein.

Fahrradfahren ernst nehmen und zu respektieren bedeutet für mich auch, es als etwas zu behandeln, was du lernen musst, und was mit Wissen und Regeln und Rücksichtnahme verbunden sein muss. Und eben nicht als sinnloses Freizeitvergnügen, wo alle machen, was sie wollen.

Es muss aber auch gesehen werden, dass auch geübte und rücksichtsvolle Radfahrende die Regeln oft brechen müssen, wenn sie überhaupt auf der Strasse existieren wollen. Eben weil die Stadt/die Verwaltung sie schlicht “wegdenkt” oder in unmögliche Richtungen umlenkt, oder einfach ein “Radfahrer absteigen” Schild hinnagelt. Manchmal finde ich es sicherer für mich und Fußgänger_innen, über bestimmte rote Ampeln zu fahren, aber das darf ich ja nicht offen sagen, und tun schon gar nicht.

Critical Mass September 2011 16
CM Magdeburg (Sachsen-Anhalt), Foto: Zeitfixierer, CC-BY-SA 2.0

Also: Critical Mass

Also, dann mal endlich zur Critical Mass.
Ich war auf meiner ersten Critical Mass!
Juhu!
Es war kalt, es war dunkel, es war November, aber geil!
Um 20:00 Uhr trafen sich alle auf dem Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg, und irgendwann fuhren die ersten los und die ganze Sache kam in Bewegung. Ich hatte ausser auf ADFC Sternfahrten, nie an Raddemos oder Aktionen teilgenommen. Die CM ist, im Unterschied zu Demos, keine angemeldete Veranstaltung und es gibt auch keine Ordner_innen oder Veranstalter_innen, es ist ein Flashmob.
Das “Rowdy-Radel-Narrativ” steckt in mir selber ja auch etwas drin, so dass ich soooo begeistert war, als ich erlebte, wie glatt und gut es funktionierte, in einer Gruppe mit mehreren hundert Leuten radzufahren. Wir waren ja nicht nur langsam. Alle um mich herum fuhren so umsichtig und einfach sehr, sehr schön. Es war das Gefühl, dahinzufliegen (bei guter Musik). Die Strasse war unser.
An Kreuzungen fanden sich immer welche, die sich vor die Autos als Schutzspalier aufbauten, damit keiner einfach in die Gruppe reinbrettern kann.
Wir waren auch eine richtig schöne Lightshow. Viele hatten ihre Räder geschmückt und sich verkleidet, tolle Eigenbau-Räder waren da…

Was ich schade finde, ist, dass die Critical Mass und die Radfahrbewegung sehr weiß und sehr männlich ist, einfach von den Mehrheitsverhältnissen her. Während ich auf der Strasse täglich erlebe, dass Räder mehrheitlich von weniger Privilegierten benutzt werden: PoC, Frauen, Kinder.
Wenn ich überlege, warum das so ist, denke ich, dass Radfahren als “Lifestyle” statt als Notwendigkeit eher ein weiße-Männer-Ding ist. Die nicht so privilegierten Radler_innen haben vielleicht auch viel weniger Zeit, um aus dem Radfahren politischen Aktivismus zu machen. Die Fahrradfreakszene schreckt Leute mit billigen, alten Rädern oder mit dem City-Bike vom Aldi ab, und beim Fahrradschrauben triffst du oft auf sexistische Klischees. Und dann ist natürlich die alltägliche Dominanz weißer Menschen, die von Männern, die von Wohlhabenden und Kinderlosen auch in der Fahrradbewegung sichtbar und spürbar.

Ich möchte eigentlich nicht zwischen Feminismus und Fahrradbewegung wählen, wenn ich auf eine CM gehe. Ich möchte nicht meinen feministischen oder rassismuskritischen Blick abschalten, wenn ich auf der CM bin. Es tut aber auch weh, dass in den feministischen Kreisen in sozialen Netzwerken die Situation von Radfahrer_innen so wenig ein Thema ist. Dass mir in feministischen Kreisen das selbe Victim Blaming, die selbe Bagatellisierung und das selbe Wegsehen wie sonst auch entgegenkommt.

Das ist doch krass, oder?

Von den Mehrheitsverhältnissen abgesehen habe ich die CM aber nicht sexistisch oder anderweitig scheisse erlebt. Für die Dauer der Aktion oder wenigstens die 10km, die ich mitfuhr, bevor ich mich auf den Heimweg machte. Ich habe sie so erlebt, dass diese gegenseitige Rücksichtnahme, das gegenseitige Empowerment und die Freude, dass wir uns durch unser Viele-Sein diese Fahrt ermöglichen, sehr überwiegt.
Ich fühlte mich so gut und frei auf der Strasse. Nicht machtlos, herumgeschubst und beschimpft.

Das war sicher nicht meine letzte CM!

critical mass
CM Berlin Juni 2015, Foto: gitti la mar, CC-BY-NC-ND-2.0

Do you practice your sexuality on Cis-Hetero-Terms? choose ONE: ( ) yes ( ) no

Dieser Text ist eine Nachwirkung der sogenannten “Bi-Debatte”, die hauptsächlich auf Twitter anhand von ein paar Texten geführt wurde, von dem ich einen neulich nochmal las, nämlich “Mistaken identity?” von Accalmie. Ich hatte schon im Sommer vorgehabt, das nicht genau so stehen zu lassen, aber einfach keine Zeit zum Nachdenken und Schreiben.

Hier ist eine Linkliste zu verschiedenen Beiträgen der Bi-Debatte. Diese Texte brauchen nicht vorweg gelesen zu werden, um diesen Text zu verstehen. (Nur der Text von Accalmie, weil dieser eine Antwort darauf darstellt). Da die “Bi-Debatte” viel auf Twitter stattfand, können die Texte in Blogs das nicht wirklich wiedergeben, was abgelaufen war, aber sie können auf jeden Fall Punkte diskutieren, die aufgetaucht sind.
1. unpopular Opinion: If you only date men, you don’t get to call yourself queer (CN Bifeindlich)
2. Eine Antwort darauf: Biphobic XOJane Article Takedown
3. Es interessiert mich nicht, mit wem du schläfst (auf dem Blog “Don’t degrade Debs, Darling”, CN sehr bi-feindlich, Benutzung von -Phobie)
4. “Still Loving Bi” von @Sunny Zitrone auf dem Blog “Queerdenken”

Vorweg ein paar persönliche Befindlichkeiten: Ich habe die Diskussion als sehr verhärtet empfunden, es war mein Eindruck, dass die meisten Beteiligten schon viel Bullshit gehört und erlebt hatten, und das tat mir alles auch ziemlich leid.
Viele haben etwas geschrieben, und in all diesen Texten gab es Punkte, wo ich wirklich volles Verständnis hatte, warum da zwei Seiten aufeinander klatschen. Was für verschiedene Kämpfe und Situationen da (nicht) gesehen wurden. Ich selbst fühlte mich auch in dieser Debatte betroffen: Selbst verortet als “halbqueer”, auf dem Spektrum “Girlfag/schwule Frau” und gleichzeitig mit vielen sozialen Privilegien der Heterosexualität lebend, bin ich eigentlich zwischen zwei oder drei Stühlen. In der Debatte wurde (nicht nur) ich auf einen Stuhl gesetzt und dort angenagelt, was ich schon recht scheiße fand.

Zur Einleitung in das Thema: Diskutiert wurde darüber, den Queer(-Identitäts)-Begriff enger zu fassen, so daß Personen, die keine Diskriminierung als offen homosexuell oder als offen transgender Lebende erfahren, nicht mehr darunter fallen.
Argumentiert wurde, daß dies die Konsequenz aus einer Machtanalyse sein soll, die Privilegien und marginalisierte Positionen nicht unter den Tisch kehrt, während eine offene und unscharf definierte “Queer Identität” eben beliebig, unpolitisch und nicht gesellschaftliche Unterdrückungsstrukturen benennend, und damit nicht empowernd, sogar entmächtigend wäre.

Ich stimme dem nicht zu.
Queer ist eine Kategorie, die nötig wurde, weil bisherige Kategorien zu eng waren, um die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Ausdrucksformen abzubilden. Queer ist unscharf, weil im Fluß sein, in Bewegung sein, Veränderungen und Unvollständigkeiten keine scharfen Grenzen erlauben, und Unschärfe ist etwas anderes als Beliebigkeit. Ein offener Begriff von Queerness ist nicht weniger politisch radikal, und ist alles andere als ignorant gegenüber Machtstrukturen.

Okay. Lasst uns das mal diskutieren. Ich zitiere ich einen Absatz aus dem oben verlinkten Text von Accalmie, der ein Aneignen einer queeren Identität durch “Cis/Hetero” Personen als unehrlich und ignorant gegenüber politischer Verfolgung von Schwulen und Lesben bezeichnet.

Cis-women claiming they are “queer” but have only ever dated cis-men or are married to cis-men, for example, confuse me. Yes, it’s your identity. I get that. But leading a life of heterosexual privileges hardly relates to lives of lesbian or gay people; it hardly relates to experiences of heteronormativity, of heterosexist violence. Your identity does not correspond with the lived experiences of people whose sexuality, whose lives are policed, sanctioned, and legally restricted. So publicly and forcefully placing yourself within the bigger framework of LGBTQ folks, within a marginalized group, is insincere, if your sexuality is only ever practiced on cis-hetero terms.

(Übersetzungsversuch von mir: Cis-Frauen, die behaupten, sie seien “queer”, aber die bisher nur mit Cis-Männer ausgegangen sind, verwirren mich zum Beispiel. Ja, es ist eure Identität. Verstehe ich. Aber eine Lebensführung voller heterosexueller Privilegien steht kaum in Verbindung mit dem Leben von lesbischen oder schwulen Leuten; es steht schwerlich in Verbindung mit (Unterdrückungs-)Erfahrungen durch Heteronormativität, durch heterosexistische Gewalt. Deine/Eure Identität korrespondiert nicht mit der gelebten Erfahrung von Leuten, deren Sexualität, deren Leben policed, bestraft, und gesetzlich beschnitten wird. Also ist es unehrlich, sich öffentlich und mit Nachdruck in dem weiten Netzwerk von LGBTQ Menschen zu platzieren, wenn deine/eure Sexualität nie ein einziges Mal anders als unter Cis-Hetero Bedingungen praktiziert wird.)

Das klingt an und für sich ja schlüssig, erstmal. An dem einen Punkt bricht es aber: Wie möchte eine außenstehende Person beurteilen, ob Personen, die auf den ersten Blick gesehen heterosexuell daten oder anscheinend heterosexuell verheiratet sind, ihre Sexualität im Rahmen von “Cis-Hetero-Bedingungen” praktizieren?

Gut, vielleicht verstehe ich das falsch. Das steht doch anders in dem Zitat: “Cis Frauen, die Cis Männer daten/heiraten” = “Cis-Hetero-Bedingungen”. Alle anderen sind automatisch nicht gemeint.
Bi/Pan liebende Menschen sind also nicht gemeint.
Menschen auf dem Trans Spektrum sind damit auch nicht gemeint.
usw.

Dann wäre ja alles gut.
Leider ist es das aber nicht. Es bleibt bei diesen Diskussionen meist im Unklaren, wer genau diese Cisheten sind, die sich das Label “queer” aneignen, obwohl sie sozial gar nicht so positioniert sind.
Und dann trifft die Kritik (z.B. auch in der Kommentardiskussion) diejenigen, die ohnehin in der queeren Szene ausgegrenzt oder unsichtbar gemacht werden: Personen, die sich zu mehr als einem Gender hingezogen fühlen. Personen, die nicht “rein homosexuell” sind. Personen, die questioning sind. Und Personen, die nach langem Zweifeln an ihrer Heterosexualität und/oder sexuellen Orientierung merken, dass sie schwule Frauen oder lesbische Männer sind, oder dass sie herausfinden, dass sie genderqueer sind. Manche sind aus schwullesbischen Räumen rausgeflogen oder dort nicht mehr erwünscht gewesen und erleben eine solche Kritik als Wiederholung der Geschichte. Oder sie hatten ein Coming out, das von queerer Seite zurückgewiesen wurde.

Da sehen sich Bi/Pan/queer liebende und Trans Menschen auf einmal in der Situation, dass sie als Hetero oder Cis Menschen eingeteilt werden, über den Umweg des “aber du LEBST als cis und hetero Mensch, also BIST du – unabhängig von deiner Identität und Selbstverortung – ein sozial cis/hetero positionierter Mensch.”
Mein Eindruck ist: So findet keine Machtanalyse statt, sondern durch die Hintertür eben doch eine “queerer than thou” oder “not trans enough” Debatte. Es ist ein “queerpolicing” – ein Ausgrenzen von Personen, die als nicht “richtig queer” angesehen werden.

Eine Machtanalyse müsste zum einen “innere Identitäten” mit einbeziehen, warum, versuche ich nachher zu begründen, und zum anderen finde ich es sehr problematisch, die Selbstverortungen von Menschen mit dem Hinweis auf (passing-) Privilegien vom Tisch zu wischen. Dazu jetzt mehr:

Trans Aktivist_innen in der Queerszene haben oft gesagt: Geschlecht ist nicht etwas, was du Menschen ansehen kannst. Letzten Endes kannst du Geschlecht von Personen nur kennen, wenn du diejenigen nach ihrem Geschlecht gefragt hast. Dass dies wenigstens in queer_feministischen Kreisen immer mehr zum Konsens wird, finde ich richtig und sehr wünschenswert, weil es endlich die Selbstdefinition stärker gewichtet als das Einsortieren von Außen nach bestimmten Merkmalen, die in Zusammenhang mit einem von zwei genormten Geschlechtern gedacht werden.

Deswegen wundert es mich, wenn dieser Respekt vor Selbstdefinition/Selbstbezeichnung nicht für die sexuelle Orientierung gleichermaßen gilt. Es wundert mich immer wieder, die magische Fertigkeit, Menschen ihre Sexualität von außen anzusehen. Es wundert mich, wieso sich von einigen in der Queerszene so schwer getan wird, die (nach eigenem Urteil gefundene) Verortung von bi/pan orientierten Menschen als queer zu respektieren. Auf einmal wird mit der Lupe geschaut, wie sehen diese Leute aus? Wie leben diese Leute? Wie kann am präzisesten abgelesen werden, von Außen, dass diese Leute queer, und nicht vielleicht doch cishetero, (die Göttin bewahre) verortet sind?

Dass dieser Abgrenzerei auch schlechte Erfahrungen mit unsolidarischem Verhalten oder Opportunismus zugrundeliegen, verstehe ich. Aber was bedeutet das denn, Theorien zu formulieren, die als Folge von individuellem Opportunismus bisexuelle Menschen oder andere “heterosexuell Kontaminierte” grundsätzlich aus dem Queer-Begriff ausklammern? Was sind denn die Konsequenzen davon, ein derartiges Gatekeeping zu betreiben?

Das wird auch dadurch nicht besser, wenn die queere Selbstverortung in eine “selbstgewählte Fantasie-Identität” umgedeutet, dann scheinbar akzeptiert wird (“mach doch, was du willst”) und gleichzeitig der Zusammenhang mit Diskriminierungsstrukturen in der Gesellschaft negiert wird. (Dazu später mehr).

Im Gegensatz zum Hinweggehen über die Selbstverortung von Menschen finde ich es verwunderlich, wieso das ausgedrückte Geschlecht/der geschlechtliche Ausdruck, (auf englisch “Gender Expression”, was ich ab jetzt lieber verwende) wiederum bei Manchen als irrelevant angesehen wird. Wenn für eine Machtanalyse wichtig ist, wie Menschen durch Beurteilung von außen positioniert werden, ist bemerkenswert, wie das unter den Tisch fällt:
Wenn Frauen* z.B. maskulin performen oder Männer* feminin, oder wenn ihre Gender Expression nicht in vorgesehene und normative Muster passt, sie ansonsten aber cis und hetero leben, ist das ein Thema, das gar nicht besprochen wird. Varianter Ausdruck in Sachen “Gender Expression” wird oft nur als “Nebenwirkung” des queer oder trans seins betrachtet. Dies erschafft neue Normen, die von nicht-heterosexuellen Menschen verlangen, gleichzeitig bitte auch eine mehr oder weniger androgyne Gender Expression haben zu sollen. Gleichzeitig werden androgyne Gender Expressions bei Heterosexuellen nicht gesehen, oder, wenn es sich nicht mehr wegdenken lässt, daß sie existieren, als Anbiedern, Fake oder Aneignung beurteilt.

Illustration (c) Anna Heger

Illustration (c) Anna Heger -> Link: Anna Heger Comics

In ihren Büchern hat Julia Serano dafür plädiert, die Ebenen Geschlechts-Identität (was sie unterbewußtes Geschlecht nennt), sexuelle Orientierung und Gender Expression als voneinander unabhängig, und als intrinsische (=nicht vom Selbst abtrennbare) Neigungen (intrinsic inclinations) zu betrachten. Das stelle ich mir vor wie ein Mischpult mit vielen Reglern, die unabhängig voneinander verschieden hoch oder tief eingestellt sein können.
Dadurch wird es möglich, eine weniger voreingenomme Sichtweise auf das große Spektrum an möglichen menschlichen Lebensformen im Zusammenhang mit Gender einzunehmen.
Es würde auch möglich, die Widersprüche und Vorannahmen eigener normativer Vorstellungen zu erkennen und bislang unsichtbar gemachte Identitäten wahrzunehmen und ihnen einen Platz in der Erzählung zu geben.
Ein weiterer Pluspunkt dieser Sichtweise ist, dass die nervige Hierarchisierung von Queerness entlang der Abweichung von Normen kritisiert werden kann: Bestimmte Identitäten gelten als subversiv und damit als feministischer oder queerer, andere als stützend für die Norm und damit als etwas Reaktionäres. (Serano nennt das Subversivismus).

Es ist mir bewußt, dass dies eine andere Ebene ist, Gender zu betrachten, als als Unterdrückungsverhältnis und Machtstruktur mit Marginalisierungen und Privilegien. Ich bin aber nicht der Ansicht, dass das diese Betrachtungsebene unnötig oder ungültig macht. Sie ist nicht ungültig, sondern lediglich unvollständig. (wenn wir hier stehen bleiben würden, was Serano übrigens keinesfalls tut!)

Deswegen, weil die Ebene der Machtstruktur und das Analysieren von Privilegien, unbedingt dazugehören. Ansonsten wird das Einstehen für Gerechtigkeit im Bereich Gender unmöglich. Denn wir sind ja nicht “alle ein wenig anders, macht ja nix, egal” – sondern es existieren systematische Ungerechtigkeiten und Herrschaftsverhältnisse, und das hat in queerfeministischen Kämpfen Priorität vor persönlichem Sich-So-und-So-Empfinden (Und so muß es auch sein!).

Aber Machtanalyse ist nicht gleich Machtanalyse.

Wenn ich die soziale Positionierung auf das öffentliche Standing und den juristischen Status runterbreche, und befinde “Cis (gelesene) Frauen, die mit Cis (gelesenen) Männern verheiratet sind, leben daher unter Cis-Hetero-Bedingungen und erleben keinerlei Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung”, ist das eine unvollständige Sicht, denn je nach der Gender-Identität oder Orientierung der Personen entstehen verschiedene Ausgangslagen, die in der queeren Szene sehr verschieden bewertet werden:

In die Unsichtbarkeit gezwungene Schwule und Lesben, die heterosexuell verheiratet leben (müssen)? Da würde kein Mensch auf die Idee kommen, ihnen zu unterstellen, sie wollten eben heterosexuelle Privilegien ausnutzen. Äußerlich “genießen” sie die Vorteile heterosexistischer Strukturen, aber um den Preis, daß sie verstecken müssen, was sie wirklich leben möchten.

Wenn es Bi/Pan Menschen in cishetero gelesenen Beziehungen passiert, daß ihre queerness unsichtbar wird, dann wird unterstellt: Ach,  ihr könnt ja eure Bisexualität dafür ausnutzen, um Heteroprivilegien abzugreifen.

Was ist, wenn in einer bisher als Hetero gedeuteten Beziehung auf einmal rauskommt, dass eine oder mehrere Menschen darin nonbinary trans oder genderqueer sind? Auf eine Art und Weise, die nicht gleich von außen abgelesen werden kann? Sind diese Personen dann heterosexuell sozial positioniert und damit ist alles klar?

Ich verstehe nicht, wieso es so ein “ganz oder gar nicht” sein muß. Denn es gibt auch in Hinblick auf Machtstrukturen einen nennens- und analysierenswerten Unterschied zwischen gendervarianten Heteros und gender-konform lebenden Heteros, zwischen Bi/Pan Personen in hetero gelesenen Beziehungen und Heteros, zwischen cisgender Heteros und transgender Heteros, und letztendlich auch zwischen heterosexuellen Frauen und heterosexuellen Männern. (Heterosexualität ist nicht um die Bedürfnisse von Frauen herum gebaut, sagte das eine Freund_in von mir sehr schön).

Ich bin so sehr für Machtanalysen. Aber wegen der Frequenz, mit der mir ein Ausblenden von Machtebenen unterstellt wird, sobald ich laut drüber nachdenke, trotz Hetero-Privilegien gender-variant zu sein, komme ich ins Grübeln. Was ist der Ruf nach Machtanalysen wert, wenn erstmal aufgrund von normativen Vorstellungen entschieden wird, ob die Analysebrille oder die Abgrenzbrille aufgesetzt wird?

Es ist halt nicht nur die legal-juristisch-offizielle Seite, die ins Gewicht fällt, wenn es um soziale Positionierung geht. Innere Verortungen sind genauso wichtig für eine Machtanalyse. Innere Verortungen prallen auf Normen, bevor irgendwas von Außen sichtbar ist, und das hat Auswirkungen auf Menschen. Nicht einfach gedanken- und sorglos in der eigenen Geschlechtsidentität, mit der eigenen Gender Expression oder sexuellen Orientierung leben zu können, weil es irgendwo gehörig clasht, ist eine soziale Auswirkung, das ist eine negative Erfahrung von Heteronormativität.
Vor einem jeglichen Coming out ist schon allein die Tatsache, ein solches machen zu müssen, um nicht falsch gegendert zu werden, oder damit nicht falsche Dinge über die eigenen Vorlieben automatisch angenommen werden, eine Unterdrückungserfahrung. Als queere Person in heteronormativen Kreisen ungeoutet zu verkehren und dabei all die Vorurteile und Abwertungen über Queers mit anhören zu müssen, ist eine Unterdrückungserfahrung. (Und es gäbe noch viel mehr Beispiele).

“Situational privilege”, “Hetero-gelesen-werden-privileg” usw. betrifft auch lesbische oder schwule Menschen. Und umgekehrt werden Heter@s bisweilen queer gelesen.   Ich bin beispielsweise äußerlich manchmal lesbisch passend (passend = vom englischen passing = durchgehend als etwas), manchmal trans passend, manchmal schwul passend. Ich bin damit in der Öffentlichkeit potentiell heterosexistischer Gewalt ausgesetzt.

Bi/Pan Menschen in heterosexuell gelesenen Beziehungen, oder genderqueere, hetero gelesene Menschen haben sowohl mehrheitsgesellschaftlich als auch in der queeren Szene eine andere soziale Verortung als z.B. schwule cis Männer oder lesbische cis Frauen. Das macht ihre Verortung aber nicht zu einer cis-heterosexuellen Verortung. Oder wenn schon, dann sollten wir es gedanklich auf die Kette kriegen, daß “cis” oder “heterosexuell” jeweils ein großes Spektrum ist, das mit “nicht heterosexuell” bzw. “trans” Überlappungen und Übergänge haben kann und muß, an den Kanten quasi ausfranst, und dass das so sein muss, weil die sozialen Kategorien, die wir angelegt haben, ungerecht, unpassend und absurd sind.

Fazit: Von sozialen Machtpositionen (die verkürzt gedacht werden als äußere Lebensumstände, egal wie ein Mensch sich innerlich fühlt) auszugehen, führt, wenn wir nicht aufpassen, zu einer sehr langweiligen und verletzenden Reduzierung der queeren Vielfalt auf einige wenige, im Licht dieses Rasters eingeblendete Gruppen. Soziale Machtpositionen entstehen durch das Aufzwingen eines sehr verkürzten, beschränkten binären Systems. Laßt uns nicht die Beschränkungen dieses Systems noch fortschreiben.

Deswegen würde ich lieber von einer Sichtweise wie z.B. der von Julia Serano vorgeschlagenen ausgehen, und schauen, was es tatsächlich für eine große Vielfalt an möglichen Identitäten und Ausdrucksformen gibt, und gleichzeitig betrachten, wie diese in dem heteronormativen System positioniert, privilegiert, und marginalisiert sind.

Ich möchte eine Machtanalyse, die mehr Rücksicht darauf nimmt, dass wir uns unsere Geschlechter, unsere Ausdrucksformen und unsere Identitäten nicht taktisch aussuchen und wie die Kleidung wechseln, sondern dass diese zu tun haben mit intrinsischen Neigungen. Wir sind uns hoffentlich einig, dass wir gegen Unterdrückung sexueller Minderheiten kämpfen, dass keine Person für ihre Neigungen verfolgt oder benachteiligt werden sollte. Und das bedeutet zu erkennen, dass die Normativität und Vormachtsstellung einer speziellen Neigung (nämlich der Heterosexuellen) Gewalt gegen alle Anderen ist und beendet werden muß.
Und das “Alle Anderen” beinhaltet sehr diverse Menschen, die alle irgendwie unter dem “Queer-Regenschirm” gesehen werden können, und trotzdem unterschiedlich privilegiert sind. Das können situationsmässige Passing-Privilegien sein. Oder das Privileg von “straight acting” Schwulen, die der Feminitätsfeindlichkeit und Transfeindlichkeit entgehen, die Schwule mit femininerer Gender Expression erleiden. Oder bisexuelle Menschen, die den rechtlichen und steuerlichen Schutz genießen, die ein Trauschein ihrer Familie mit Kindern ermöglicht. Oder, oder, oder.
Es gibt mehr und weniger Teilhabe an Privilegien. Auch gravierend mehr oder weniger davon. Es gibt solche krassen Unterschiede in der sozialen Positionierung von Menschen innerhalb der Gruppe LGBTIQ*, dass es Sinn macht, bestimmte Kämpfe nicht gemeinsam zu führen, oder sich bestenfalls als alliiert zu begreifen.
Das ist trotzdem kein logischer Grund, bestimmte Menschen aus der Gruppe der “Queers” auszuschließen und diese zu homogenisieren. Und das seh ich als keine in sich stimmige Machtanalyse.

PS: Überschneidungen mit anderen Ebenen wie Ableisiert sein, Weiße Privilegien, Schönheitsnormen, und Klasse habe ich da jetzt leider komplett weglassen müssen. Obwohl all diese Ebenen auf die Art und Weise, wie Gender aussieht und ausgedrückt wird, einen bedeutenden Einfluß haben. Ich befürchte aber, dass es nötig ist, nur die Ebene Gender anzusehen. Denn ich habe in der letzten Zeit so oft gehört, dass Marginalisierung auf einer anderen Ebene als Gender als Feigenblatt benutzt wird, um zu vernebeln, dass z.B. Heterosexualität verkürzt als einheitlicher, eintöniger “Block” gedacht wird. (“Wieso, es gibt ja auch race, class, ability etc, also ich seh ja Heten durchaus als nicht NUR privilegiert an…”). Und mir ging es genau darum: Heten sind nicht so lange ein eintöniger Einheitsblock, bis auch Klasse, Weißes Privileg, Ableismus, Körperform, Religion etc einbezogen werden. Es geht bei Gender schon los.

PS 2: Ich nenne sie/euch/uns (also die Heten) trotzdem “Heten” und hab kein Prob, wenn ihr das auch macht ;)

PS 3: Ja, ich habe im Kommentarstrang bei Accalmie gelesen, dass unsichtbar lebende queers eigentlich nicht ihr Thema sind und auch nicht gemeint sind, sondern eben diese “Hipster-queer-Heten”. Äh… aber.. wie oft habe ich das in der Debatte gehört? Dem gegenüber steht: Ich habe keine einzige bisexuelle Frau* oder als Frau gelesene Person getroffen, die mir nicht an irgendeinem Punkt von Ausgrenzung in der lesbischen Szene erzählt hat, während der sie als vermeintliche Mode-Hete behandelt worden war. Ich selbst habe auch erlebt, wie mehr oder weniger hintenrum über mich als nervende, aneignende Hete geredet worden ist. (jftr, bin weder heterosexuell noch eigne ich mir irgendwas an.) Ich möchte ja glauben, dass diese Menschen nicht gemeint sind mit der Kritik – aber die Umsetzung ist schlecht. Und genau da würde eine differenziertere Betrachtung von Kategorien wie cis oder Hetero helfen, die Kritik genauer an die Adressat_innen zu bringen, anstatt die falschen damit zu verletzen. Und es würde imho auch sehr helfen, diese nutzlose Trennung von innerer Neigung und äußeren Lebensumständen zu unterlassen.

PS 4: Ich habe anscheinend einige Dinge wiederholt, die Natanji in den Kommentaren im verlinkten Text von Accalmie auch gesagt hat. Seh ich grad erst… Ups ;)

PS 5: Ich möchte noch kurz was dazu sagen, dass ich über den Aspekt von Schwarzsein und das Beispiel Rachel Dolezal in Accalmies Text hinweggegangen bin und darauf nicht eingegangen bin. Ich sehe schlicht nicht, inwiefern bei den sozialen Kategorien Weiß/of Color/Schwarz ähnliche innere Neigungen in den Menschen vorhanden sind, wie bei Gender/sexual Orientation/Gender Expression. Da Accalmie individuelle Neigungen nicht in den Blick nimmt, sondern sozial positionierte Gruppen, erscheinen Entscheidungen, sich cis, trans, hetero, queer etc zu positionieren, taktisch, sobald sie zu Privilegien und persönlichen Vorteilen führen. So wie Rachel Dolezal taktisch vorging. Ich teile diese Herangehensweise aber nicht, und deshalb kann ich mit dem Vergleich wenig anfangen. Daher verurteile ich Dolezals taktisches und ausbeuterisches Aneignen. Ich sehe bei Menschen, die  Bi oder “irgendwie queer” sind, ohne in die gängigen LGT* Identitäten reinzupassen, jedoch keine solche Taktik.

Interessant ist auch in diesem Zusammenhang:
Genderperformance vs. Selbstdefinition (Natanji) und Kommentare von Ra(n)ge, Farthen und Natanji.
In vieler Hinsicht auch interessant:
Julia Serano: Considering queer and trans appropriation

 

Rassismus ausüben ist okay, Rassismus kritisieren nicht: Girlfag-Guydyke-Forum, ade.

Es geht um das Girlfag-Guydyke-Forum hier, von dessen Besuch ich ausdrücklich abraten möchte.

Ich möchte später dazu noch ausführlicher bloggen.
Aber heute hat mir die Administration des Forums ein wunderbar anschauliches Beispiel geliefert, dass sie die Benennung von Rassismus als persönliche Beleidigung auffasst, und diese unterbindet, während der Rassismus selbst geduldet wird.

Bei Rassismus handelt es sich um die Benutzung des rassistischen Begriffes “N…” für Schwarze Menschen, für die Benutzung von Gebäcknamen, die Schwarze Menschen rassistisch bezeichnen und das Behaupten, es gäbe biologisch begründete “Rassen” von Menschen. Ich und eine andere Person haben interveniert, auch viel erklärt und Links gegeben, diskutiert, und nachdem erst versucht wurde, uns zu erklären, dass diese Dinge keinen Rassismus darstellen würden, wurde das Gespräch durch Themen sperren, dann löschen, und Androhung von Rauswurf, sollten wir dies nochmal tun, unterbunden.

Ich habe mich gestern mit diesem Beitrag aus dem Forum verabschiedet:

Das Posting vor der Veränderung durch die Administration

Das Posting vor der Veränderung durch die Administration. Der Text lautet: “Ich werde nicht in Räumen mitwirken, in denen meine Freund_innen sich aufgrund von nicht reflektiertem Rassismus nicht aufhalten könnten.
Das N-Wort ist ein rassistisches Gewaltwort, und ich sehe mir dessen Verwendung nicht tatenlos an.
Kritik ist nicht möglich. Also Tschö.”

Heute sehe ich, dass in meinem Beitrag herumeditiert wurde:

Beitrag nach dem Verändern durch die Administratorin

Beitrag nach dem Verändern durch die Administratorin: “Dieser Beitrag wurde moderiert:
Ich werde nicht in Räumen mitwirken, in denen meine Freund_innen sich aufgrund von nicht [zensiert] nicht aufhalten könnten.
Das [zensiert]Wort ist ein [zensiert] und ich sehe mir dessen Verwendung nicht tatenlos an.
Kritik ist nicht möglich. Also Tschö.
Grund für die Moderation:
Wieder einmal sind hier vorwürfe verwendet worden die ich so nicht tolerieren kann.
Wenn du dich nicht sowieso hiermit vertschüssen würdest, würde ich dich jetzt verwarnen. Wenn du deinen Account gelöscht haben möchtest, dann melde dich bitte.”

Typischer und krasser kann das Beispiel eigentlich nicht sein:
Die Administratorin löscht das “N”, während sie dieses Wort in voller Länge (an anderer Stelle) and ausschreibt.
Auch “nicht reflektierter Rassismus” ist für sie so schlimm, dass sie das löschen muss.

Ich werde sie nicht um Löschung meines Accounts bitten, die sollen mich schon selbst rauswerfen. (Ausserdem ist es evtl gut, mitzukriegen, was da noch so dazu geschrieben wird). Aber ich kann vor diesem Forum nur warnen: Es ist kein Raum, wo menschenfeindliches und abwertendes Verhalten und Sprechen kritisch gesehen wird, und die “Freiheit” des Sprechens wie man will nicht da endet, wo die Freiheit anderer Menschen beginnt.

Nachtrag: Durch Spit n’Glitter bin ich aufmerksam gemacht worden, dass ich in meinem Blogpost gar nicht den Antiromaismus, (durch Verwendung abwertender Begriffe gegen Roma), drin habe, der ebenfalls in der Diskussion vorkam. Das soll also hier nachträglich erwähnt sein. Es ging nicht nur um Gebäck, auch Schnitzel und Sauce wollten sich die Beteiligten nicht nehmen lassen..

Nachtrag 2: Ich schalte hier keine Kommentare frei, die rassistische Begriffe enthalten. Z.b. dieses Wort, dieses Wort und dieses Wort, oder diese Wörter. Danke fürs zur Kenntnis nehmen.

Nachtrag 3: Und da ist er, der Rauswurf:

lustiger screenshot

“Sie sind aus diesem Forum verbannt worden, bis 8.8. 2016. Aus folgendem Grund: Lügen über unser Forum verbreiten, unbelehrbar sein”.

LOL

Body positive Practice Month

Ich wollte eigentlich hier einen Text über meinen aktuellen Stand mit Yoga, kultureller Aneignung und so weiter veröffentlichen. Das wird sich aber noch etwas hinziehen. Ich will zuerst noch was von kompetenter Seite dazu lesen.
Trotzdem möchte ich schon mal zwei Dinge verlinken, die in den ersten Wochen dieses Jahres auf decolonizingyoga.com gepostet worden sind:

https://yogaappropriation.wordpress.com/ – You are here – Exploring Yoga and the Impacts of Cultural Appropriation mit Nisha Ahuja

Decolonize your Yoga Practice – Susanna Barkataki

Besonders der erste Link, ein wunderbarer Film, bringt sehr viele Sachen in einem kurzen Vortrag gut auf den Punkt.

In der Zwischenzeit soll es erst mal um einen anderen Aspekt gehen, nämlich und körperliche Vielfalt und Körperarbeit/Sport/Yoga/Bewegung. Deshalb wollen Joy und ich einladen, im März einen Body Positive Practice Month zu machen und darüber zu bloggen.

Yoga bringt mir so viel, was das Gefühl für meinen Körper und meine persönlichen Einschränkungen und Herausforderungen angeht, was aber auch psychisches zur Ruhe kommen und inneren Frieden angeht. Anna Guest-Jelley von “Curvy Yoga” hat in einem Video mal gesagt, dass Yoga für Menschen mit Behinderungen und für dicke Menschen super ist, weil es beim Yoga nicht darauf ankommt, möglichst sportlich die kompliziertesten Yogahaltungen (Asanas) zu machen, sondern darauf, sich selbst besser wahrzunehmen und zu kennen und mehr in Einklang mit sich zu kommen. Deswegen kann Yoga eine gute Möglichkeit sein, sich mit körperlichen Einschränkungen oder mit einer nicht der Norm entsprechenden Körperform zu bewegen.
Leider ist das bei der modernen Fitness-Asana-Überei keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur sind weiße Frauen* im Yoga sehr überrepräsentiert, es sind auch meistens nur sehr schlanke und sportliche Körper, die gefeiert werden, die immer, wenn es um Yoga geht, ausschließlich abgebildet werden, und das ist schade.

Hier gibt es eine tolle Sammlung von wunderbaren Body positiven Yoga-Selfies.

Ich habe für sowas meinen tumblr-Blog, den ich nutzen werde, um meine Gedanken über body positive Yoga zu schreiben und ein wenig Tagebuch über meine Yogapraxis im März zu führen.

practicemonth

Joy hat das so beschrieben, ich kopiere das einfach mal hierher:

In diesem Monat, März, soll es also darum gehen, wie wir mit unseren verschiedenen körperlichen Vorraussetzungen Yoga machen, was dazu für Gedankengänge entstehen- wie Yoga vielleicht auch unsere Sicht auf unseren Körper verändert / hat. Jede_r die_der Lust hat, kann gern mitmachen. Ihr dürft die Grafik gern mitnehmen und auch etwas dazu posten oder sie einfach einbinden und auf diesen Artikel hier verlinken. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid! <3

Wir haben das auf Twitter diskutiert und beschlossen, aus dem “Yoga Month” einen “Practice Month” zu machen, weil einige kein Yoga machen und andere Dinge machen, aber Lust haben, sich über Bewegung, Körperakzeptanz, und Körper-Vielfalt auszutauschen.

Wer also mitmachen möchte schreibe doch bitte einen Kommentar im Blog von Joy!

Das Schwierige mit den Dreadlocks von Weißen

Anmerkung: Ich sehe diesen meinen Text inzwischen als veraltet an und stehe nicht mehr dahinter. Der neuere Text dazu ist “Dreadlocks und Weiß sein, die Zweite“. Die Kommentare hier sind geschlossen, vielleicht ergibt sich eine Diskussion unter dem anderen Text.

(Notiz zum Inhalt) kommt zur Sprache: Gewalt + rassistische Verbrechen gg. die Menschheit. Was ich in dem Text zum Teil sage, schreiben Schwarze, People of Color und solidarische Weiße seit Jahrzehnten. Ich schreibe es also nicht, weil es neu ist, sondern weil ich ein winziger Teil der kritischen Masse sein will, die bewirkt, dass endlich zugehört wird. Auch der Text hier ist schon etwas länger im Entwurfe-Ordner gewesen, und jetzt ist der Zeitpunkt, ihn zu veröffentlichen, grade günstig, weil Ella und Jasna eine Diskussion über kulturelle Aneignung angestossen haben – ein sehr lesenswerter Text, da es auf deutsch einfach noch viel zu wenig zum Thema gibt: Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe.

Ich habe das Gefühl, wir müssen hierüber noch ganz viel reden. Ich habe den Eindruck, es gibt jetzt ein paar weiße Linke, die aus Gründen des Respekts vor der Geschichte von Dreadlocks aufhören, diese selber zu Tragen, aber dass gleichzeitig die meisten anderen weißen Linken/Alternativen darüber überhaupt nicht nachdenken.

Gleichzeitig fordern Gruppen von People of color, dass Weiße mit Dreadlocks (ich beschränke mich hier mal auf Dreads) aufhören, solche zu tragen und machen bekannt, dass das kulturelle Aneignung ist, wenn Weiße Dreads tragen. Aber, mein Eindruck, diese Gruppen sind klein und die weißen Linken sind viel mehr und im Großen und Ganzen halten die meisten Leute es nicht für nötig, sich irgendwie nach den Forderungen von ein paar wenigen Leuten zu richten. Vielleicht ist das so diese “Mehrheitsträgheit”, es gibt keine kritische Masse, die die allgemeine Sichtweise der Mehrheit zum kippen bringt, und deswegen schlunzt die Mehrheit behäbig auf dem Stand herum, den es halt grade gibt.

Gleichzeitig gibt es mega-unterschiedliche Wissensstände, die, glaub ich jedenfalls, dazu beitragen. Gerade in Deutschland sind bestimmte Dinge nicht gelaufen. Zum Beispiel gibt es ganz wenig Bildung der Mehrheitsbevölkerung über die Kolonialgeschichte, und zum anderen gibt es wenig Bildung über Maafa als etwas, das uns in Deutschland, als Europäer_innen, etwas angeht, was auch _unsere_ Geschichte ist und unsere Verantwortung. Es gibt ganz wenig Bewusstsein dafür, dass Maafa etwas ist, was durch Globalisierung und Kapitalismus fortgesetzt wird.

Wie oft hört mensch: “Das ist doch heute kein Thema mehr”. “Deutschland hatte eh kaum Kolonien”. “Das ist doch nur eine Sache, die in den USA Bedeutung hat”.

Ich weiß nicht, ob mehr Wissen über diese Geschichte und ihre Bedeutung für die heutigen politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse helfen würde, sich als weiße Person über Dinge bewusster zu werden. Für mich persönlich ist es auf jeden Fall so ein Prozeß. Vor einigen Jahren habe ich selbst noch mein Haar in verfilzten Strähnen getragen. Ich liebte den Style sehr und mochte mich damit sehr, sehr, sehr. Umso schmerzlicher war das, als ich anfing, mitzukriegen, dass Dreads bei Weißen uncool sind, und auch darüber las, warum. Das sah ich alles ein und habe mich doch eine Weile lang nicht davon getrennt. Ich hab es verdrängt, mich mit mit Ausreden beruhigt (z.B. Schwarze Freund_innen, die meine Frisur cool fanden), und ich habe es prima ausgesessen – weiße Privilegien at play. … Zumindest kam ich in einen Zustand von Dissonanz, von Widersprüchlichkeit, von Unbequemlichkeit. Ich bin ganz froh, dass ich hier wenigstens die Widersprüchlichkeit beseitigt habe:  Inzwischen sind die Filzzöpfe ab und es lässt mich verschämt zusammenzucken, wenn Weiße sich Dreadlocks filzen und das feiern.

Also, Privilegien: Ich glaube nicht, dass allein Wissen und Sensibilisierung dazu führen wird, dass Weiße sich von ihren Filzhaaren verabschieden. Weil wir halt das Privileg haben, drauf zu pfeifen. Wahrscheinlich macht’s irgendwann nur der gute alte Gruppendruck, oder anders ausgedrückt: Es wird out und du machst dich zum Gespött, wenn du es immer noch nicht kapiert hast.

(In diesem Abschnitt gehts explizit und graphisch um das, was versklavten Menschen von Europäer_innen angetan wurde)

Es gibt einen Haufen gute Gründe, wieso sich die meisten Weißen das Tragen von Dreads klemmen sollten. In dem oben verlinkten Text über Dreadlocks und kulturelle Aneignung steht zum Beispiel, dass die verschleppten afrikanischen Menschen, als sie von den Schiffen heruntergezerrt wurden, verfilzte Haare hatten, die voller Blut, Exkremente, Urin und Schmutz waren, und dass dies von den Weißen “dreadful” genannt wurde (schrecklich) und die Locken “Dreadlocks”. Das ist schon eine Geschichte, die einem etwas Ehrfurcht gebieten sollte! Es gibt auch Gründe aus der jüngeren Geschichte, dass z.B. die Rastafaris diese Frisur als Empowerment trugen und als Zeichen des Widerstands, und dass das Tragen der Frisur als reines Modeaccessoire ihre politische Bedeutung verwäscht. Oder daß das weiße Privileg, die ganze Welt und alle darin befindlichen Kulturen als Selbstbedienungsladen benutzen zu können, einen Umgang erfordert, der überlegt und verantwortungsvoll und respektvoll ist. Und wenn schlicht genügend Schwarze sagen, sie hätten es gern, wenn Weiße das Tragen von Dreadlocks lassen würden, dann wäre es überlegt, verantwortungsvoll und respektvoll, es sein zu lassen.

*Pling* Hier ist er also, mein Standpunkt:

Trage keine Dreads, wenn du weiß bist, es sei denn, du hast dich sehr eingehend mit deren Geschichte, Black Power, Rastafarianismus, Critical Whiteness und Schwarzer Kritik daran beschäftigt. Hint: Ich kenne keine weiße Person, die danach mit lustiger Leichtigkeit noch ihre Filzlocken spazieren trug.

P.S. Liebe Grüsse aus der Welt der Widersprüche: Vieles, was ich tue, und viele Dinge, die ich benutze, sind nur deshalb für mich zugänglich oder nutzbar, weil sie durch gewaltsame Aneignung hierher kamen. Selbst wenn etwas nicht gewaltsam angeeignet wurde, sondern in einem freien Austausch in den Westen gebracht wurde, wie z.B. das moderne Yoga, wird die Art und Weise, wie Yoga heute gelehrt wird und wer darin repräsentiert wird, durch Strukturen von Aneignung und weißen Privilegien geformt. Mit der Zeit ist aus dem Yoga, was in den Westen vermittelt wurde, ein abgelöstes Konstrukt geworden, welches die Deutungshoheit über das, was Yoga ist, beansprucht und alle anderen Stimmen überdeckt.   Es gibt aus diesen Strukturen kein Entkommen, und ich bin davon keineswegs frei und kann auch nie davon frei sein. Die Kritik an kultureller Aneignung ist keine Kritik an kulturellem Austausch. Ich bejahe kulturellen Austausch sehr. Trotzdem wird jeder kulturelle Austausch, wo Menschen die Augen vor Privilegien und Machtstrukturen verschliessen, zwangsläufig von diesen Strukturen beeinflusst werden. Deshalb ist mir ein Bewusstsein dafür wichtig.

Zum Yoga machen habe ich hier schon mal etwas geschrieben. Ich zucke auch jedesmal verschämt zusammen, wenn ich von meiner eigenen Yogapraxis rede, weil ich mir bewusst bin, was ich damit für Repräsentationen verstärke und was damit wieder überdeckt wird, aber dafür habe ich keine wirkliche Lösung gefunden. Ich kann auch nicht jedesmal einen Riesendisclaimer machen, wie reflektiert ich versuche zu sein. Es bleibt kompliziert.

Ich danke fürs Lesen und bin offen für Kommentare. Bitte kein Derailing.

Zur Schreibweise:

Ich habe hier eine Schreibweise aus dem Buch “Dies.: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland” (Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (2009)) verwendet.
Ich schreibe “Schwarz” immer groß, um auf Schwarzes Empowerment hinzuweisen. Weiße benötigen kein Empowerment, weil sie eh schon privilegiert sind in unserer Gesellschaft, aber das Wort “weiß” wird auch hervorgehoben, und zwar durch kursive Buchstaben: Das dient dazu, klar zu machen, dass “Schwarz” und “weiß” keine natürlichen Verschiedenheiten bei Menschen sind, sondern rassistische gesellschaftliche Konstruktionen. Aus politischen Gründen werden also diese Begriffe benutzt, nicht, weil ich glaube, es gäbe tatsächlich “Rassen”.
(Vgl.: Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (2009): Konzeptionelle Überlegungen, in: Dies.: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland)
nen besseren Disclaimer zur Schreibweise gibts bei Laufmoos, hier:
http://laufmoos.de/?p=86

Nochmal die Links aus dem Text gesammelt: (Plus einen, auf den ich durch Diskussionen aufmerksam gemacht wurde. Dafür danke Nadi)


Why It Isn’t “Just Hair” Hair for So Many Black Women.

Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe.
Story Time: Dreadlocks and Cultural Appropriation
Maafa
Refugee Tribunal against Germany
Schwarze Widerstandssymbole auf weißen Köpfen
Die Politik Schwarzer Haare
Schwarzrund: Plüschsofa und Beton
Wurzelfrau – Haare, Menschliche Grenzen und Mixed People
Lichterkarussell: Wider dem weißen Wursthaar-Wahn
Dread Drama – Note-a-bear
“but the CELTS wore dreadlocks/tattoos/body mods!!!11!!1” – DYSAETHESIA AETHIOPICA

Aktuell, aus der Oscar-Nacht:

“Die Dreadlocks von Zendaya Coleman riechen nach Patschuli oder Weed”