Meine 1. Critical Mass und der alltägliche Motorismus

CN für den Artikel: Gewalt, Tod, Victim Blaming, Übergriffe..

Critical Mass Vancouver 2007-06
Critical Mass Vancouver, Foto CC-BY-2.0 by Tavis Ford

Critical Mass (Linkliste, englisch) (wikia, deutsch) ist eine Aktionsform, wo sich Radfahrende die Strasse für eine kurze Zeit erobern. Von einigen Leuten habe ich gehört: Hä, was ist daran cool oder politisch?

Daran ist cool und politisch, dass es wenigstens für kurze Zeit aufbegehrt gegen den ständigen Motorismus. (Dieses Wort habe ich mir für den Artikel hier überlegt, um einen Begriff für den Zustand zu haben, damit ich nicht jedes Mal eine lange Erklärung schreiben muss). Motorismus ist (für diesen Text jetzt mal) die Machtverteilung auf der Strasse, der Zustand, dass die Strassen zuerst dem Fortkommen von Autos und grösseren Kalibern dienen, und dass alle anderen, die die Strassen benutzen, Benutzer_innen zweiter Klasse sind. Wer zu Fuss unterwegs ist, bekommt das zwar auch zu spüren, aber so richtig zu spüren bekomme ich es, wenn ich als Radfahrerin auf der Strasse mit Motorisierten unterwegs bin.

Krakow Critical Mass, June 2009
Critical Mass Krakow, photo by bartek, CC BY-NC 2.0

Übergriffe, Respektlosigkeit und gedankenlose Gefährdung

Radwege und Radstreifen werden nicht respektiert. Darauf wird oft geparkt (auch von der Polizei) oder sie als zusätzliche Fahrspur zum rechts abbiegen genutzt. Wenn du gezwungenermassen das Hindernis umfährst, wirst du oft von Motorisierten angehupt, genötigt und gefährdet.
Überhaupt werde ich als Radfahrerin oft genötigt und bewusst eng überholt, um mir klar zu machen, dass ich “weg soll von der Strasse”, dass ich störe, im Weg bin, dass ihr schnelleres Fortkommen wichtiger ist als meine körperliche Unversehrtheit, meine Sicherheit und letztendlich auch mein Leben.
Wenn es doch mal knallt, habe ich oft erlebt, dass Motorisierte sich mehr um Kratzer im Lack kümmern als um Verletzte oder um Menschen, die einen Schock haben. Fahrer_innenflucht wird von manchen nicht mal als solche wahrgenommen, wenn niemand blutet oder bewusstlos ist, ist “ja nichts passiert”.
Ich bin auch zweimal als Radfahrerin körperlich angegriffen worden, um es mir “zu zeigen”, beide Male hatte ich großes Glück. Die Täter waren beide Male Betrunkene, deren Reaktionsfähigkeit zu sehr herabgesetzt war, so dass ich entkommen konnte. Der eine Angriff war eindeutig gegen mich als Radfahrende gerichtet, wegen dem Radfahren, weil die Art und Weise, wie und wo ich fuhr, denjenigen nicht gepasst hat. (Obwohl es sie in keiner Weise beeinträchtigt oder berührt hat) Das andere Mal weiß ich es nicht, aber es kann sein.
Insgesamt erlebe ich Street Harrassment sehr massiv – aufgrund des Radfahrens.

Ein richtiger Knaller war ein Erlebnis in einer Winternacht. Der Radweg war vereist, verschneit, saugefährlich und unbenutzbar. ich fuhr auf der dreispurigen Prenzlauer Allee in Berlin auf der rechten Spur, die geräumt, enteist und sicher war. Ein Autofahrer, der ganz alleine nachts um drei die Strasse ebenfalls benutzte, fuhr an mir vorbei und öffnete ein Fenster, um mich wütend anzuschreien, dass ich gefälligst den Radweg benutzen soll. Dieses Erlebnis war für mich echt nicht schön, weil der Kerl zwei völlig leere Spuren für sich allein hatte und sich kein bischen in mich hineingedacht hatte, was es für mich heisst, über Eiswege zu schliddern. Nein, die Strasse mit mir zu teilen, das ist eine Zumutung für ihn gewesen. Immerhin hat er mich nicht physisch angegriffen. Aber da fühle ich mich immer so ungerecht behandelt und so mißachtet, und werde frustriert und wütend. Und diese Leute fühlen sich im Recht. Und glauben, ich wäre diejenige, die sie ins Unrecht setzt. Nicht zu fassen, aber das kommt öfter vor.

(Hier ist übrigens eine gute Gelegenheit, zum Vergleich die Nichtbeachtung durch Leute zu Fuß anzusprechen. Ich erlebe es sehr oft, das Leute auf Radwegen herumlatschen, oder vor Radelnden einfach über die Strasse gehen, oder sonst halt so tun, als wären Fahrradfahrende Luft. Das mag ja ein wenig nerven. Aber es gefährdet mich nicht. Das Schlimmste, was mir passiert, ist, dass ich halt 5 Minuten später am Ziel bin. Hier kann ich selber sehen, wie es ist, wenn du als “Stärkere” auf der Straße von “Schwächeren” ausgebremst wirst. Das ist absolut kein Grund, die Schwächeren zu gefährden oder ihnen gegenüber aggressiv zu werden.)

Critical Mass - stop and go
Critical Mass in Berlin-Kreuzberg, Foto: Alper Çuğun, CC-BY-2.0

Das Nicht-darüber-reden-können

Und wenn ich mit Menschen, die nicht selber viel Rad fahren, darüber spreche, werden mir die Regelverstösse von Radelnden vorgehalten. (Victim Blaming wie es im Buch steht). Als ob ein Regelverstoss so schwer wiegt wie die Gefährdung von Menschenleben. Und apropos Regelverstoss: Ich nutze meist Radwege, Radstreifen und Fahrradstrassen. Ich habe viel mehr Berührung mit anderen Radfahrenden als Motorisierte. Und ja, sie nerven mich manchmal, fahren ohne Handzeichen, oder sind ungeübt. Aber ich hatte wegen ihnen noch nie Todesangst. Ich werde von ihnen nicht genötigt oder aggressiv behandelt. Ich fahre vorausschauend, und wenn dann eine Person doch mal unvorhergesehen und ohne Handzeichen abbiegt, bremse ich und fahre eben seufzend und kopfschüttelnd weiter. Aber wirklich: so schlimm ist das auch wieder nicht.
Wenn für die ganzen Gefahren und Angriffe uns Radelnden nicht die Schuld gegeben wird, gibts ganz oft Victim-Blaming “light”: Aber Radfahrende sind so unsichtbar! (Sind sie witzigerweise für mich nicht, ich kann sie sehen). “Sie tragen keinen Helm!” (Fast wie: Der Rock war zu kurz). “Auf einer so und so gebauten Strasse komme ich an Radfahrer_innen nicht vorbei, wenn ich sie nicht eng überholen kann” (Und? An einem anderen Auto erst recht nicht?) “Radfahrende nerven mich” (Ja, und wieder: nerven ist was anderes als Todesangst. Komm damit klar. Mich nervt der Gestank und das Platzwegnehmen von Autos auch extrem).

Dann kommen noch die Debatten unter Radfahrenden dazu, wie es “richtig gemacht wird”, also – wie ich richtig fahre, dass ich möglichst nicht umgekachelt werde, was ich anziehen soll, oder wie ich fahren soll, damit wir endlich zu unserem Recht kommen und respektiert werden. Manchmal verlieren andere Radelnde auch aus den Augen, dass nicht Alle von uns den Mut oder die Kraft haben, sich jeden Tag den Platz auf der Strasse zu erobern, Motorisierte zum korrekten Verhalten zu “erziehen” und sich ständig dafür noch anhupen und anschreien zu lassen. Auch wenn ihr was anderes richtiger findet: Wir müssen alle mit der Situation und dem täglichen Motorismus klar kommen, und es ist okay, sich z.B. für die Nutzung strassenferner Radwege zu entscheiden.

Critical Mass London 5/09
CM London 2009 – Foto: Nico, CC-BY-NC-2.0

Von der Obrigkeit: Ignoranz und beschissene Behandlung

Dazu kommt die Verwaltung und die strukturelle Lenkung des Radverkehrs. Wenn ich für jedes Schild “Radfahrer absteigen” 5 Euro hätte! Wenn Baustellen sind, werden Radstreifen einfach überbaut, oft ohne Lösungsmöglichkeit, wohin. Oder es werden Situationen so gebaut oder konstruiert, dass ich nur unter großer Selbstgefährdung weiterfahren kann, Radwege werden plötzlich auf stark befahrende Schnellstrassen “geschubst”, ohne dass für die Motorisierten Zeichen oder Warnungen aufgebaut werden. Du musst sehen, wo du bleibst. Oder ganz oft werden Radfahrende einfach auf Gehwege umgeleitet, im Extremfall auf sehr stark benutzte Gehwege. Soll ich einfach in die Leute reinbrettern? Wo soll ich denn hin? Ich soll einfach verschwinden. Auf der Strasse ist für mich von der Stadt kein Platz vorgesehen. Und ich möchte keine zu Fuß gehenden Menschen belästigen, die haben auch zu wenig Platz in der Stadt. Was soll das.
Radwege und Radstreifen werden oft nicht mitgeräumt im Winter, wenn Radrouten unterbrochen werden, gibt es keine Umleitungsschilder (das ändert sich gerade punktuell) und es gibt zu wenig öffentliche Aufklärungskampagnen, die die motorisierte Bevölkerung informieren, was für Regeln sie gegenüber Radfahrenden einhalten müssen. Auch zu wenig Kampagnen gegen Fahrer_innenflucht oder für mehr Bewusstsein für die Wucht, die ein Auto nun mal entwickelt, und dass damit verantwortungsvoller umgegangen werden muss. Oder Kampagnen, die bewusst machen, wofür das Hupen eigentlich gedacht ist.
In Zeitungen wird manchmal radfahrfeindlich berichtet: Die Eltern eines totgefahrenen jungen Mannes hingen einen Zeitungsartikel an die Laterne bei seinem Unfallort aus, auf dem stand “der Radfahrer fuhr ohne Licht”. Mit einem dicken Marker hatten die Eltern dazu geschrieben: “Es war um diese Zeit noch nicht dunkel!!” Oft dreht sich der Diskurs in den Medien, wenn es um Fahrradunfälle geht, darum, Radfahrende zu mehr Vorsicht zu erziehen. Helmpflicht und so. (Nix gegen Helmpflicht, aber der Diskurs ist halt sehr einseitig). Als weiteres Beispiel hat der ADFC davon geschrieben, dass rücksichtsloses Verhalten gegenüber Radfahrenden statistisch die meisten Unfälle verursacht, während Staatsorgane (Verkehrsminister, z.B.) Radfahrende als Problem darstellen, sie z.B. “verrohte Kampfradler” nennen oder – wieder mal – lediglich über Helmpflicht diskutieren.

Das Auto als kulturelles Symbol

Das hier zu beschreiben, würde völlig die Grenzen sprengen. Aber es ginge hier einfach noch weiter, mit dem Stellenwert, den “das Auto” in der Gesellschaft hat, wie das “den Führerschein machen” zum “normalen Lebensweg” in diesem Land dazugehört, wie Autos Statussymbole sind und benutzt werden, um Menschen einzuschüchtern, zu beeindrucken, Gewalt gegen andere Menschen auszuüben, wie die Gesellschaft tausende von Unfalltoten jährlich schlicht als Normalität hinnimmt und damit lebt, und was das eigentlich alles über uns und Autos aussagt.
Hier müsste auch geredet werden über die verinnerlichte Höherwertung von Autos, egal, ob wir selber (gerade) Auto fahren oder nicht. Und auch über die Konnotation von Radfahren als “Kindersache” (also, bevor mensch alt genug für den Führerschein ist), als “Hobby” oder als “kein richtiges fahren”. Letzteres zeigt sich sowohl darin, dass Radwege nicht wie Strassen behandelt werden, und darin, dass z.B. Betrunkene das Auto zwar stehen lassen, aber Radfahren tun sie dann sehr wohl noch.

Critical Mass Gent-juni 2015-24
Critical Mass – Gent (Belgien) 2015, Foto: Frank Furter, CC-BY-NC-ND-2.0

Es ist ja nicht alles schlecht

Ja, sicher, es gibt auch soviel Gutes. Die meisten Motorisierten fahren rücksichtsvoll. Ich kann auch mit einigen Menschen über das Radfahren reden, ohne dass sie mit Victim Blaming und Bagatellisierungen ankommen. Und zunehmend kriegt die Stadt es auch hin, grade bei neu konzipierten Strassen, Radfahrende besser einzuplanen und es für Alle sicherer zu machen. Leider seh ich keine Veränderung/Hoffnungen bei der Behandlung des Radfahrens durch Medien, und auch das Auto als Status- und sonstiges Symbol hat einfach diesen Stellenwert. Der nicht so leicht ins Wanken gerät.

Aber obwohl die Mehrheit sich okay verhält: Die paar, die es nicht tun, und das mangelnde Bewußtsein für diese Situation, und die wahrnehmbare öffentliche Ignoranz und das Wegsehen sind noch stark genug, um manchmal ganz schön genervt und gefrustet zu sein, vor allem, wenn du dir selber durch jahrelange Erfahrungen und Beschäftigung mit dem Thema ein Bewußtsein dafür geschaffen hast.
In diesem Aufruf der Kampfradler_innen ist eigentlich das meiste, was ich geschrieben habe, schon mal super gesagt worden. Und da schließe ich mich klar der Forderung an, dass schwächere im Verkehr berücksichtigt werden müssen. Das heisst für Radfahrende: Alle, die zu Fuß, mit dem Rollstuhl, Kinderwägen etc. unterwegs sind. Für Platz-da-Verhalten gegenüber Fußgänger_innen hab ich kein Verständnis!

Ein paar Worte zu den “bööösen Radler_innen”

Wie schon anklang: Auch Radler_innen sind manchmal nervig und manche sind leider gegen Schwächere rücksichtslos.
Da entsteht bei mir Scham und Ärger, aber auch der Gedanke, dass es “DIE Radfahrer_innen” eigentlich nicht gibt, und trotzdem das Verhalten jedes Arschlochs auf zwei Rädern auf ALLE von uns zurückfällt.
Radfahrer_innen können die oben genannten Besoffenen sein, die das Auto stehen lassen, aber denken, mit dem Rad wärs ja kein Problem, herumzufahren. Es können rücksichtslose Autofahrer_innen sein, die den Führerschein verloren haben und nun Rad fahren müssen, die Rücksichtslosigkeit ist dann ja nicht einfach weg. Statt Unmotorisierte terrorisieren sie dann halt die noch weniger “berittenen” Leute. Es können auch einfach Ungeübte sein, leider gibt es gesellschaftlich als Folge der “Minderwertigkeit” des Radfahrens auch keine Ansprüche und die Auffassung, du setzt dich aufs Rad und machst halt irgendwie los. Und das tun Leute dann eben auch.

Ich fuhr einmal früh morgens im Berufsverkehr Rad. Zu dieser Zeit sind die Betrunkenen, Touris und Unerfahrenen einfach nicht auf der Strasse. Was ich erlebte, war: Viele Leute nutzen das Rad. Die allermeisten tragen Helme. Sie fahren zügig, umsichtig und geben Zeichen. Es ist für mich eine richtige Freude, mit ihnen unterwegs zu sein.

Fahrradfahren ernst nehmen und zu respektieren bedeutet für mich auch, es als etwas zu behandeln, was du lernen musst, und was mit Wissen und Regeln und Rücksichtnahme verbunden sein muss. Und eben nicht als sinnloses Freizeitvergnügen, wo alle machen, was sie wollen.

Es muss aber auch gesehen werden, dass auch geübte und rücksichtsvolle Radfahrende die Regeln oft brechen müssen, wenn sie überhaupt auf der Strasse existieren wollen. Eben weil die Stadt/die Verwaltung sie schlicht “wegdenkt” oder in unmögliche Richtungen umlenkt, oder einfach ein “Radfahrer absteigen” Schild hinnagelt. Manchmal finde ich es sicherer für mich und Fußgänger_innen, über bestimmte rote Ampeln zu fahren, aber das darf ich ja nicht offen sagen, und tun schon gar nicht.

Critical Mass September 2011 16
CM Magdeburg (Sachsen-Anhalt), Foto: Zeitfixierer, CC-BY-SA 2.0

Also: Critical Mass

Also, dann mal endlich zur Critical Mass.
Ich war auf meiner ersten Critical Mass!
Juhu!
Es war kalt, es war dunkel, es war November, aber geil!
Um 20:00 Uhr trafen sich alle auf dem Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg, und irgendwann fuhren die ersten los und die ganze Sache kam in Bewegung. Ich hatte ausser auf ADFC Sternfahrten, nie an Raddemos oder Aktionen teilgenommen. Die CM ist, im Unterschied zu Demos, keine angemeldete Veranstaltung und es gibt auch keine Ordner_innen oder Veranstalter_innen, es ist ein Flashmob.
Das “Rowdy-Radel-Narrativ” steckt in mir selber ja auch etwas drin, so dass ich soooo begeistert war, als ich erlebte, wie glatt und gut es funktionierte, in einer Gruppe mit mehreren hundert Leuten radzufahren. Wir waren ja nicht nur langsam. Alle um mich herum fuhren so umsichtig und einfach sehr, sehr schön. Es war das Gefühl, dahinzufliegen (bei guter Musik). Die Strasse war unser.
An Kreuzungen fanden sich immer welche, die sich vor die Autos als Schutzspalier aufbauten, damit keiner einfach in die Gruppe reinbrettern kann.
Wir waren auch eine richtig schöne Lightshow. Viele hatten ihre Räder geschmückt und sich verkleidet, tolle Eigenbau-Räder waren da…

Was ich schade finde, ist, dass die Critical Mass und die Radfahrbewegung sehr weiß und sehr männlich ist, einfach von den Mehrheitsverhältnissen her. Während ich auf der Strasse täglich erlebe, dass Räder mehrheitlich von weniger Privilegierten benutzt werden: PoC, Frauen, Kinder.
Wenn ich überlege, warum das so ist, denke ich, dass Radfahren als “Lifestyle” statt als Notwendigkeit eher ein weiße-Männer-Ding ist. Die nicht so privilegierten Radler_innen haben vielleicht auch viel weniger Zeit, um aus dem Radfahren politischen Aktivismus zu machen. Die Fahrradfreakszene schreckt Leute mit billigen, alten Rädern oder mit dem City-Bike vom Aldi ab, und beim Fahrradschrauben triffst du oft auf sexistische Klischees. Und dann ist natürlich die alltägliche Dominanz weißer Menschen, die von Männern, die von Wohlhabenden und Kinderlosen auch in der Fahrradbewegung sichtbar und spürbar.

Ich möchte eigentlich nicht zwischen Feminismus und Fahrradbewegung wählen, wenn ich auf eine CM gehe. Ich möchte nicht meinen feministischen oder rassismuskritischen Blick abschalten, wenn ich auf der CM bin. Es tut aber auch weh, dass in den feministischen Kreisen in sozialen Netzwerken die Situation von Radfahrer_innen so wenig ein Thema ist. Dass mir in feministischen Kreisen das selbe Victim Blaming, die selbe Bagatellisierung und das selbe Wegsehen wie sonst auch entgegenkommt.

Das ist doch krass, oder?

Von den Mehrheitsverhältnissen abgesehen habe ich die CM aber nicht sexistisch oder anderweitig scheisse erlebt. Für die Dauer der Aktion oder wenigstens die 10km, die ich mitfuhr, bevor ich mich auf den Heimweg machte. Ich habe sie so erlebt, dass diese gegenseitige Rücksichtnahme, das gegenseitige Empowerment und die Freude, dass wir uns durch unser Viele-Sein diese Fahrt ermöglichen, sehr überwiegt.
Ich fühlte mich so gut und frei auf der Strasse. Nicht machtlos, herumgeschubst und beschimpft.

Das war sicher nicht meine letzte CM!

critical mass
CM Berlin Juni 2015, Foto: gitti la mar, CC-BY-NC-ND-2.0

Rassismus ausüben ist okay, Rassismus kritisieren nicht: Girlfag-Guydyke-Forum, ade.

Es geht um das Girlfag-Guydyke-Forum hier, von dessen Besuch ich ausdrücklich abraten möchte.

Ich möchte später dazu noch ausführlicher bloggen.
Aber heute hat mir die Administration des Forums ein wunderbar anschauliches Beispiel geliefert, dass sie die Benennung von Rassismus als persönliche Beleidigung auffasst, und diese unterbindet, während der Rassismus selbst geduldet wird.

Bei Rassismus handelt es sich um die Benutzung des rassistischen Begriffes “N…” für Schwarze Menschen, für die Benutzung von Gebäcknamen, die Schwarze Menschen rassistisch bezeichnen und das Behaupten, es gäbe biologisch begründete “Rassen” von Menschen. Ich und eine andere Person haben interveniert, auch viel erklärt und Links gegeben, diskutiert, und nachdem erst versucht wurde, uns zu erklären, dass diese Dinge keinen Rassismus darstellen würden, wurde das Gespräch durch Themen sperren, dann löschen, und Androhung von Rauswurf, sollten wir dies nochmal tun, unterbunden.

Ich habe mich gestern mit diesem Beitrag aus dem Forum verabschiedet:

Das Posting vor der Veränderung durch die Administration

Das Posting vor der Veränderung durch die Administration. Der Text lautet: “Ich werde nicht in Räumen mitwirken, in denen meine Freund_innen sich aufgrund von nicht reflektiertem Rassismus nicht aufhalten könnten.
Das N-Wort ist ein rassistisches Gewaltwort, und ich sehe mir dessen Verwendung nicht tatenlos an.
Kritik ist nicht möglich. Also Tschö.”

Heute sehe ich, dass in meinem Beitrag herumeditiert wurde:

Beitrag nach dem Verändern durch die Administratorin

Beitrag nach dem Verändern durch die Administratorin: “Dieser Beitrag wurde moderiert:
Ich werde nicht in Räumen mitwirken, in denen meine Freund_innen sich aufgrund von nicht [zensiert] nicht aufhalten könnten.
Das [zensiert]Wort ist ein [zensiert] und ich sehe mir dessen Verwendung nicht tatenlos an.
Kritik ist nicht möglich. Also Tschö.
Grund für die Moderation:
Wieder einmal sind hier vorwürfe verwendet worden die ich so nicht tolerieren kann.
Wenn du dich nicht sowieso hiermit vertschüssen würdest, würde ich dich jetzt verwarnen. Wenn du deinen Account gelöscht haben möchtest, dann melde dich bitte.”

Typischer und krasser kann das Beispiel eigentlich nicht sein:
Die Administratorin löscht das “N”, während sie dieses Wort in voller Länge (an anderer Stelle) and ausschreibt.
Auch “nicht reflektierter Rassismus” ist für sie so schlimm, dass sie das löschen muss.

Ich werde sie nicht um Löschung meines Accounts bitten, die sollen mich schon selbst rauswerfen. (Ausserdem ist es evtl gut, mitzukriegen, was da noch so dazu geschrieben wird). Aber ich kann vor diesem Forum nur warnen: Es ist kein Raum, wo menschenfeindliches und abwertendes Verhalten und Sprechen kritisch gesehen wird, und die “Freiheit” des Sprechens wie man will nicht da endet, wo die Freiheit anderer Menschen beginnt.

Nachtrag: Durch Spit n’Glitter bin ich aufmerksam gemacht worden, dass ich in meinem Blogpost gar nicht den Antiromaismus, (durch Verwendung abwertender Begriffe gegen Roma), drin habe, der ebenfalls in der Diskussion vorkam. Das soll also hier nachträglich erwähnt sein. Es ging nicht nur um Gebäck, auch Schnitzel und Sauce wollten sich die Beteiligten nicht nehmen lassen..

Nachtrag 2: Ich schalte hier keine Kommentare frei, die rassistische Begriffe enthalten. Z.b. dieses Wort, dieses Wort und dieses Wort, oder diese Wörter. Danke fürs zur Kenntnis nehmen.

Nachtrag 3: Und da ist er, der Rauswurf:

lustiger screenshot

“Sie sind aus diesem Forum verbannt worden, bis 8.8. 2016. Aus folgendem Grund: Lügen über unser Forum verbreiten, unbelehrbar sein”.

LOL

Paßnamenzwang: Facebook als Seite benutzen

Facebook zwingt in letzter Zeit massiv Leute, ihre Identität mit Ausweisdokumenten zu beweisen, oder sperrt ihnen die Accounts. Entgegen von Aussagen des Facebook Chefs Zuckerberg, dass selbstgewählte Namen auch “echte Namen” für Facebook sein können, gelingt es einigen Leuten nicht, ihren Namen dort führen zu dürfen, weil er nicht in deren Ausweis steht.

Bei mir z.B. hat der Kundendienst von Facebook nach 2x antworten einfach aufgehört, mit mir zu reden, und ich kann jetzt meinen Account dort entweder löschen, oder ich muss den Namen benutzen, in den Facebook mich zwangsweise umbenannt hat.

Einige Leute möchten vielleicht Facebook deshalb nicht mehr verwenden, kommen aber nicht so ganz drum herum.
Mal ganz davon abgesehen, dass diese diskriminierende Politik von Facebook meiner Ansicht nach geändert gehört, möchte ich hier kurz darüber schreiben, wie ich Facebook als Seite benutze. Facebook-Seiten sind dafür vorgesehen, dass sie von Firmen, Institutionen oder Personen des öffentlichen Lebens benutzt werden, aber jede_r kann so eine Seite anlegen, z.B. als Blogger*in. Oder einfach nur so. Seiten dürfen heißen, wie du willst. Dein Internetname, dein Blogname, zum Beispiel so.

Zuerst legst du eine Seite an. Das geht im Menü rechts, unter “Seiten”. Hier ein Screenshot:

Screenshot: “Seite Erstellen”

Einfach mehr oder weniger dem Menü folgen, Nutzungsbedingungen akzeptieren, usw, und die Seite gestalten, das ist auch so ähnlich wie mit dem persönlichen Profil. Seiten sind allerdings öffentlich, und ich weiß nicht, ob auf Seiten gepostete Inhalte irgendwie nur bestimmten Kreisen gezeigt werden können. Ich glaube es eigentlich nicht. Jedoch sollte auf Facebook sowieso nichts gepostet werden, was nicht genauso an eine öffentliche Wand plakatiert werden könnte, ohne dir oder anderen zu schaden.

Ich möchte hier über die Benutzung berichten.
Facebook als Seite funktioniert nämlich sehr ähnlich, wie Facebook als Person zu benutzen. Deine Mitspieler_innen sind in dem Fall nicht andere Personen, sondern andere Seiten. Mit denen lässt es sich prima vernetzen.
Wenn du die Seite erstellt hast, kannst du zwischen deiner Identität und der der Seite hier oben wechseln:

oben im Menü: Facebook als Seite verwenden

oben im Menü: Facebook als Seite verwenden

Wenn du Facebook wieder als dein Personenprofil benutzen willst, kannst du an der selben Stelle wieder zurück “umschalten”. Sobald du auf deine Seitenidentität umgeschaltet hast, kommst du auf die Startseite deiner Seite.
Um jetzt eine Timeline (oder einen Stream) zu erhalten, brauchst du keine Freund_innen, sondern Abos von anderen Seiten. Diese kannst du z.B. oben im Suchfeld suchen und dann, wenn du auf der Seite bist, klickst du auf “Gefällt mir”.
Dieses “Gefällt mir” wird dann von deiner Seite aus gemacht, weil du Facebook gerade als Seite verwendest. Es erscheint nicht bei den Likes deines persönlichen Profils. Die Seite wird dann in deinen Seiten-Stream hinzugefügt.

Einfach hier liken, wie immer:

“Gefällt mir” klicken: Jetzt machst du das als deine Seite. (z.B. bei der ISD)

Als Seite ist es, ähnlich wie als Person, witzlos, wenn du dich nicht mit anderen vernetzt. Ohne Vernetzung passiert eigentlich auch nichts auf Facebook. Oder auf sozialen Netzwerken überhaupt. Ich habe mich, als mir mein persönlicher Account noch nicht gesperrt worden war, immer gefragt, wieso ich die Seiten anderer Leute liken muss, wo ich mit denen doch eh befreundet bin. Ich denke inzwischen, Seiten sollten mehr genutzt werden.
Wir könnten eine Seiten-Parallelgesellschaft auf Facebook haben, in der auch diejenigen mitmachen könnten, die durch Namepolicing ausgeschlossen werden.

Wenn ich dann einige andere Seiten geliked habe, kann ich aus diesen Seiten einen ganz ähnlichen Stream bauen, wie aus dem, was meine Freund_innen teilen. Ich verwende Facebook als Seite und klicke einfach links oben auf das kleine blaue “f”.

das kleine f.

das kleine f.

Jetzt bekomme ich einen Stream von Beiträgen aller meiner abonnierten (gelikeden) Seiten angezeigt, der ganz ähnlich aussieht, wie der Stream eines persönlichen Profils.
Seiten dürfen keine Menschen abonnieren, d.h. sie können nur mit anderen Seiten interagieren. Menschen dürfen aber Seiten liken. Personen können also auf deiner Seite liken, kommentieren und mitmachen, aber du als Seite kannst dich nicht genauso ihnen gegenüber verhalten. Das finde ich als ein Mensch, der gerne auch zurückgibt, sehr schade.

Deshalb wäre es ja besser, wenn mehr Leute ihre Facebook-Aktivität auch auf Seiten verlagern würden, dann könnte ich mit meiner Identität als Seite (Distelfliege) auch mal bei euch liken und kommentieren. Hier ist ein Ausschnitt aus meinen Stream als Seite:

Mein Seiten-Stream und das Menü. Hier ist z.B. ein Posting von Ekhartyoga zu sehen.

Mein Seiten-Stream und das Menü. Hier ist z.B. ein Posting von Ekhartyoga zu sehen.

Das mit den Nachrichten ist etwas unbefriedigend. Personen können einer Seite eine Nachricht schreiben:

So sieht eine Person meine Seite, und findet einen “Nachricht schreiben” Button.

Ich kann auf diese Nachrichten auch antworten.
Als Seite kann ich einer anderen Seite leider keine Nachricht schreiben.
Ich habe das für mich jetzt so gelöst, dass ich einige sehr wenige gute Freund_innen bei meinem persönlichen Profil als Freund_innen hinzugefügt habe, eben um hin und wieder Nachrichten auszutauschen.
Meine sonstige Facebook-Kommunikation läuft dann über die Seite und den Seiten-Stream.

Was Apps angeht, gibt es auf mobilen Geräten von Facebook den “Seiten-Manager (Apple)” oder hier für Android, der allerdings, der Göttin sei’s geklagt, keinen Seiten-Stream hat. Damit kann ich also Facebook nicht richtig als Seite nutzen, ich kann nur meine Seite managen, posten, und die Kommentare auf meiner Seite beantworten. Vielleicht kommt da in Zukunft noch etwas Besseres.

Nach zwei Wochen, in denen ich Facebook ausschließlich als Seite nutze, muss ich sagen: Gar nicht mal so schlecht. Es ist weniger ein Zeitvertreib (Umfragen, Psychotests, Sprüchlein, Bilder, Bettelbriefe… alles, was die meisten Leute eher ärgert), und damit auch weniger Zeitfresserei als früher. Und das, was in meinem Seiten-Stream ist, ist tatsächlich sehr viel mehr eine Mischung aus Neuigkeiten, Informationen, und spannenden Links.
Einige Personen vermisse ich in meinem Stream, vieles vermisse ich nicht.

In diesem Sinne, ich würde mich sehr freuen, euch dort mehr über diese Funktion zu lesen!

Und zu guter Letzt: Nieder mit dem Ausweisnamenzwang!

Edit am 7.7.: Ein großes Minus von Seiten ist, dass Facebook die Inhalte nicht allen Leuten, die die Seite abonniert haben, anzeigt. Das machen die, damit man Geld bezahlt, um den eigenen Beiträgen auf der Seite mehr Reichweite zu verschaffen. Allerdings sagte eine Freundin, dass selbst bei bezahlten Beiträgen das mit dem Anzeigen nicht so gut klappt. Ich weiß allerdings nicht, ob das nur Personen betrifft, die Seiten liken, oder ob das den Seiten-Stream selber auch betrifft.
Was Personen machen können, ist, Seiten in sogenannte “Interessenslisten” einteilen. Dann bekommen sie angeblich alles angezeigt, wenn sie diese Listen anklicken. Das würde hier aber zu weit führen, und ist auch keine Lösung, wenn du Facebook als Seite benutzt.

Letztendlich ist Facebook meiner Meinung nach einfach ein Kackverein, und wer ganz ohne auskommt, hat es am besten getroffen!

Body positive Practice Month

Ich wollte eigentlich hier einen Text über meinen aktuellen Stand mit Yoga, kultureller Aneignung und so weiter veröffentlichen. Das wird sich aber noch etwas hinziehen. Ich will zuerst noch was von kompetenter Seite dazu lesen.
Trotzdem möchte ich schon mal zwei Dinge verlinken, die in den ersten Wochen dieses Jahres auf decolonizingyoga.com gepostet worden sind:

https://yogaappropriation.wordpress.com/ – You are here – Exploring Yoga and the Impacts of Cultural Appropriation mit Nisha Ahuja

Decolonize your Yoga Practice – Susanna Barkataki

Besonders der erste Link, ein wunderbarer Film, bringt sehr viele Sachen in einem kurzen Vortrag gut auf den Punkt.

In der Zwischenzeit soll es erst mal um einen anderen Aspekt gehen, nämlich und körperliche Vielfalt und Körperarbeit/Sport/Yoga/Bewegung. Deshalb wollen Joy und ich einladen, im März einen Body Positive Practice Month zu machen und darüber zu bloggen.

Yoga bringt mir so viel, was das Gefühl für meinen Körper und meine persönlichen Einschränkungen und Herausforderungen angeht, was aber auch psychisches zur Ruhe kommen und inneren Frieden angeht. Anna Guest-Jelley von “Curvy Yoga” hat in einem Video mal gesagt, dass Yoga für Menschen mit Behinderungen und für dicke Menschen super ist, weil es beim Yoga nicht darauf ankommt, möglichst sportlich die kompliziertesten Yogahaltungen (Asanas) zu machen, sondern darauf, sich selbst besser wahrzunehmen und zu kennen und mehr in Einklang mit sich zu kommen. Deswegen kann Yoga eine gute Möglichkeit sein, sich mit körperlichen Einschränkungen oder mit einer nicht der Norm entsprechenden Körperform zu bewegen.
Leider ist das bei der modernen Fitness-Asana-Überei keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur sind weiße Frauen* im Yoga sehr überrepräsentiert, es sind auch meistens nur sehr schlanke und sportliche Körper, die gefeiert werden, die immer, wenn es um Yoga geht, ausschließlich abgebildet werden, und das ist schade.

Hier gibt es eine tolle Sammlung von wunderbaren Body positiven Yoga-Selfies.

Ich habe für sowas meinen tumblr-Blog, den ich nutzen werde, um meine Gedanken über body positive Yoga zu schreiben und ein wenig Tagebuch über meine Yogapraxis im März zu führen.

practicemonth

Joy hat das so beschrieben, ich kopiere das einfach mal hierher:

In diesem Monat, März, soll es also darum gehen, wie wir mit unseren verschiedenen körperlichen Vorraussetzungen Yoga machen, was dazu für Gedankengänge entstehen- wie Yoga vielleicht auch unsere Sicht auf unseren Körper verändert / hat. Jede_r die_der Lust hat, kann gern mitmachen. Ihr dürft die Grafik gern mitnehmen und auch etwas dazu posten oder sie einfach einbinden und auf diesen Artikel hier verlinken. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid! <3

Wir haben das auf Twitter diskutiert und beschlossen, aus dem “Yoga Month” einen “Practice Month” zu machen, weil einige kein Yoga machen und andere Dinge machen, aber Lust haben, sich über Bewegung, Körperakzeptanz, und Körper-Vielfalt auszutauschen.

Wer also mitmachen möchte schreibe doch bitte einen Kommentar im Blog von Joy!

Das Schwierige mit den Dreadlocks von Weißen

(Notiz zum Inhalt) kommt zur Sprache: Gewalt + rassistische Verbrechen gg. die Menschheit. Was ich in dem Text zum Teil sage, schreiben Schwarze, People of Color und solidarische Weiße seit Jahrzehnten. Ich schreibe es also nicht, weil es neu ist, sondern weil ich ein winziger Teil der kritischen Masse sein will, die bewirkt, dass endlich zugehört wird. Auch der Text hier ist schon etwas länger im Entwurfe-Ordner gewesen, und jetzt ist der Zeitpunkt, ihn zu veröffentlichen, grade günstig, weil Ella und Jasna eine Diskussion über kulturelle Aneignung angestossen haben – ein sehr lesenswerter Text, da es auf deutsch einfach noch viel zu wenig zum Thema gibt: Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe.

Ich habe das Gefühl, wir müssen hierüber noch ganz viel reden. Ich habe den Eindruck, es gibt jetzt ein paar weiße Linke, die aus Gründen des Respekts vor der Geschichte von Dreadlocks aufhören, diese selber zu Tragen, aber dass gleichzeitig die meisten anderen weißen Linken/Alternativen darüber überhaupt nicht nachdenken.

Gleichzeitig fordern Gruppen von People of color, dass Weiße mit Dreadlocks (ich beschränke mich hier mal auf Dreads) aufhören, solche zu tragen und machen bekannt, dass das kulturelle Aneignung ist, wenn Weiße Dreads tragen. Aber, mein Eindruck, diese Gruppen sind klein und die weißen Linken sind viel mehr und im Großen und Ganzen halten die meisten Leute es nicht für nötig, sich irgendwie nach den Forderungen von ein paar wenigen Leuten zu richten. Vielleicht ist das so diese “Mehrheitsträgheit”, es gibt keine kritische Masse, die die allgemeine Sichtweise der Mehrheit zum kippen bringt, und deswegen schlunzt die Mehrheit behäbig auf dem Stand herum, den es halt grade gibt.

Gleichzeitig gibt es mega-unterschiedliche Wissensstände, die, glaub ich jedenfalls, dazu beitragen. Gerade in Deutschland sind bestimmte Dinge nicht gelaufen. Zum Beispiel gibt es ganz wenig Bildung der Mehrheitsbevölkerung über die Kolonialgeschichte, und zum anderen gibt es wenig Bildung über Maafa als etwas, das uns in Deutschland, als Europäer_innen, etwas angeht, was auch _unsere_ Geschichte ist und unsere Verantwortung. Es gibt ganz wenig Bewusstsein dafür, dass Maafa etwas ist, was durch Globalisierung und Kapitalismus fortgesetzt wird.

Wie oft hört mensch: “Das ist doch heute kein Thema mehr”. “Deutschland hatte eh kaum Kolonien”. “Das ist doch nur eine Sache, die in den USA Bedeutung hat”.

Ich weiß nicht, ob mehr Wissen über diese Geschichte und ihre Bedeutung für die heutigen politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnisse helfen würde, sich als weiße Person über Dinge bewusster zu werden. Für mich persönlich ist es auf jeden Fall so ein Prozeß. Vor einigen Jahren habe ich selbst noch mein Haar in verfilzten Strähnen getragen. Ich liebte den Style sehr und mochte mich damit sehr, sehr, sehr. Umso schmerzlicher war das, als ich anfing, mitzukriegen, dass Dreads bei Weißen uncool sind, und auch darüber las, warum. Das sah ich alles ein und habe mich doch eine Weile lang nicht davon getrennt. Ich hab es verdrängt, mich mit mit Ausreden beruhigt (z.B. Schwarze Freund_innen, die meine Frisur cool fanden), und ich habe es prima ausgesessen – weiße Privilegien at play. … Zumindest kam ich in einen Zustand von Dissonanz, von Widersprüchlichkeit, von Unbequemlichkeit. Ich bin ganz froh, dass ich hier wenigstens die Widersprüchlichkeit beseitigt habe:  Inzwischen sind die Filzzöpfe ab und es lässt mich verschämt zusammenzucken, wenn Weiße sich Dreadlocks filzen und das feiern.

Also, Privilegien: Ich glaube nicht, dass allein Wissen und Sensibilisierung dazu führen wird, dass Weiße sich von ihren Filzhaaren verabschieden. Weil wir halt das Privileg haben, drauf zu pfeifen. Wahrscheinlich macht’s irgendwann nur der gute alte Gruppendruck, oder anders ausgedrückt: Es wird out und du machst dich zum Gespött, wenn du es immer noch nicht kapiert hast.

(In diesem Abschnitt gehts explizit und graphisch um das, was versklavten Menschen von Europäer_innen angetan wurde)

Es gibt einen Haufen gute Gründe, wieso sich die meisten Weißen das Tragen von Dreads klemmen sollten. In dem oben verlinkten Text über Dreadlocks und kulturelle Aneignung steht zum Beispiel, dass die verschleppten afrikanischen Menschen, als sie von den Schiffen heruntergezerrt wurden, verfilzte Haare hatten, die voller Blut, Exkremente, Urin und Schmutz waren, und dass dies von den Weißen “dreadful” genannt wurde (schrecklich) und die Locken “Dreadlocks”. Das ist schon eine Geschichte, die einem etwas Ehrfurcht gebieten sollte! Es gibt auch Gründe aus der jüngeren Geschichte, dass z.B. die Rastafaris diese Frisur als Empowerment trugen und als Zeichen des Widerstands, und dass das Tragen der Frisur als reines Modeaccessoire ihre politische Bedeutung verwäscht. Oder daß das weiße Privileg, die ganze Welt und alle darin befindlichen Kulturen als Selbstbedienungsladen benutzen zu können, einen Umgang erfordert, der überlegt und verantwortungsvoll und respektvoll ist. Und wenn schlicht genügend Schwarze sagen, sie hätten es gern, wenn Weiße das Tragen von Dreadlocks lassen würden, dann wäre es überlegt, verantwortungsvoll und respektvoll, es sein zu lassen.

*Pling* Hier ist er also, mein Standpunkt:

Trage keine Dreads, wenn du weiß bist, es sei denn, du hast dich sehr eingehend mit deren Geschichte, Black Power, Rastafarianismus, Critical Whiteness und Schwarzer Kritik daran beschäftigt. Hint: Ich kenne keine weiße Person, die danach mit lustiger Leichtigkeit noch ihre Filzlocken spazieren trug.

P.S. Liebe Grüsse aus der Welt der Widersprüche: Vieles, was ich tue, und viele Dinge, die ich benutze, sind nur deshalb für mich zugänglich oder nutzbar, weil sie durch gewaltsame Aneignung hierher kamen. Selbst wenn etwas nicht gewaltsam angeeignet wurde, sondern in einem freien Austausch in den Westen gebracht wurde, wie z.B. das moderne Yoga, wird die Art und Weise, wie Yoga heute gelehrt wird und wer darin repräsentiert wird, durch Strukturen von Aneignung und weißen Privilegien geformt. Mit der Zeit ist aus dem Yoga, was in den Westen vermittelt wurde, ein abgelöstes Konstrukt geworden, welches die Deutungshoheit über das, was Yoga ist, beansprucht und alle anderen Stimmen überdeckt.   Es gibt aus diesen Strukturen kein Entkommen, und ich bin davon keineswegs frei und kann auch nie davon frei sein. Die Kritik an kultureller Aneignung ist keine Kritik an kulturellem Austausch. Ich bejahe kulturellen Austausch sehr. Trotzdem wird jeder kulturelle Austausch, wo Menschen die Augen vor Privilegien und Machtstrukturen verschliessen, zwangsläufig von diesen Strukturen beeinflusst werden. Deshalb ist mir ein Bewusstsein dafür wichtig.

Zum Yoga machen habe ich hier schon mal etwas geschrieben. Ich zucke auch jedesmal verschämt zusammen, wenn ich von meiner eigenen Yogapraxis rede, weil ich mir bewusst bin, was ich damit für Repräsentationen verstärke und was damit wieder überdeckt wird, aber dafür habe ich keine wirkliche Lösung gefunden. Ich kann auch nicht jedesmal einen Riesendisclaimer machen, wie reflektiert ich versuche zu sein. Es bleibt kompliziert.

Ich danke fürs Lesen und bin offen für Kommentare. Bitte kein Derailing.

Zur Schreibweise:

Ich habe hier eine Schreibweise aus dem Buch “Dies.: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland” (Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (2009)) verwendet.
Ich schreibe “Schwarz” immer groß, um auf Schwarzes Empowerment hinzuweisen. Weiße benötigen kein Empowerment, weil sie eh schon privilegiert sind in unserer Gesellschaft, aber das Wort “weiß” wird auch hervorgehoben, und zwar durch kursive Buchstaben: Das dient dazu, klar zu machen, dass “Schwarz” und “weiß” keine natürlichen Verschiedenheiten bei Menschen sind, sondern rassistische gesellschaftliche Konstruktionen. Aus politischen Gründen werden also diese Begriffe benutzt, nicht, weil ich glaube, es gäbe tatsächlich “Rassen”.
(Vgl.: Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (2009): Konzeptionelle Überlegungen, in: Dies.: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland)
nen besseren Disclaimer zur Schreibweise gibts bei Laufmoos, hier:
http://laufmoos.de/?p=86

Nochmal die Links aus dem Text gesammelt: (Plus einen, auf den ich durch Diskussionen aufmerksam gemacht wurde. Dafür danke Nadi)


Why It Isn’t “Just Hair” Hair for So Many Black Women.

Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe.
Story Time: Dreadlocks and Cultural Appropriation
Maafa
Refugee Tribunal against Germany
Schwarze Widerstandssymbole auf weißen Köpfen
Die Politik Schwarzer Haare
Schwarzrund: Plüschsofa und Beton
Wurzelfrau – Haare, Menschliche Grenzen und Mixed People
Lichterkarussell: Wider dem weißen Wursthaar-Wahn
Dread Drama – Note-a-bear
“but the CELTS wore dreadlocks/tattoos/body mods!!!11!!1” – DYSAETHESIA AETHIOPICA

Aktuell, aus der Oscar-Nacht:

“Die Dreadlocks von Zendaya Coleman riechen nach Patschuli oder Weed”

Ich bin nix für Ungut. (Coming-Out für Heten)

Dieser Text ist eine Momentaufnahme aus einem sich noch im Fluss befindenden Prozess. Der inzwischen weitergegangen ist. In diesem Text springe ich hin und her zwischen meiner Gender Identität, meiner Sexualität, meiner sexuellen Orientierung, queerer Verortung und dem sicher und gar nicht sicher sein, was eigentlich los ist. Eigentlich sollte der Text anfänglich zum Thema “queere Heten” sein und ich wollte darin klar kriegen, was will ich, was bin ich eigentlich als Hetera, die mit Heteronormativität, heteronormativen Beziehungen, heteronormativer Sexualität, und heteronormativen Geschlechterrollen sehr wenig und mit queeren Theorien, queeren Infragestellungen und queerem Leben von Uneindeutigkeiten und Ausprobieren von Alternativen sehr viel anfangen kann. Dann kam ich durch Podcasts, Gespräche, und Austausch auf Twitter dazu, mehr den Finger drauf legen zu können, was “mit mir ist”. Weil Selbstfindungsprozesse während man der Lohnarbeit nachgeht, aber schwierig sind, wird dieser Text immer älter und älter, während ich mit Schlafnachholen, Haushalt und liegengebliebenen To Do’s beschäftigt bin – also mach ich mal einen Anlauf, ihn vielleicht doch in seiner Unfertigkeit und Nicht-Einfachheit raus zu hauen.

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Ende der 90er Jahre saß ich mit einer lesbischen Mitstudentin lässig auf einem Bordstein in Berlin und wir redeten davon, dass wir es toll finden, braungebrannt und muskulös zu sein. Vor allem muskulös.

Seit ich von zuhause ausgezogen bin, habe ich den Anspruch gehabt, mein Fahrrad selbst reparieren zu können. (Mein Tip: Werft das “Einfälle statt Abfälle – Fahrrad reparieren” – Heft weg! Werft! Es! Weit! Weg!!) Auch wenn ich nicht so weit gekommen bin: Ich führe Fahrradwerkzeug mit und habe kettenölverschmierte Hände. In Fahrradgeschäften wirke ich, als könne ich mir selber helfen – was offenbar mit einer maskulinen Genderperformance einhergeht. Ich bin die Person, der die Mechaniker_innen sagen, wo der Kompressor steht und der freundlich das Werkzeug in die Hand gedrückt wird. Wenn es doch mal vorkam (in einer Zeit, als ich femininer aussah) dass mir nichts zugetraut wurde und mir mein Fahrrad helfend und nett gemeint aus der Hand genommen worden ist, stieg in mir immer große Wut auf.

Ich bin nah am Wasser gebaut und mir kommen sehr schnell die Tränen – was etwas ist, das ich ganz ganz schwer akzeptieren und lieben kann. (Es bleibt mir eh nix anderes übrig.) Ich fühle mich davon immer zurückgeworfen auf einen Platz, wo ich schwach und hilfsbedürftig wirke, etwas, was ich nicht bin und nicht sein will. Ich weine möglichst “wie ein Mann” – so mit runterlaufenden Tränen, aber ansonsten voller Ignoremodus – bitte mit ja keinem Zittern in der Stimme.

<– Insert irgendein beliebiges Kindheits-Tomboy Narrativ here –>

Mein ganzes Leben lang fühlte ich mich von heterosexuellen femininen Rollenvorstellungen nicht nur eingeschränkt, sondern auch als Mensch abgewertet. Hübsch sein. Gefallen wollen und gefällig sein. Beschützt werden wollen. Kinder haben wollen. Einen Mann glücklich machen. Gut im Bett sein. Schmerzende Schuhe und unpraktische Kleidung, Haltung bewahren, nicht zu viel essen, nicht zu laut lachen, die biologische Uhr ticken hören.  Horror.

Es ist aber nicht nur der Wunsch, dem Sexismus durch Verweigern der weiblichen Rollenklischees ein Schnippchen zu schlagen. Zumal das eh nicht klappt. Als maskuline Frau erlebe ich andere Dinge als früher, als ich zumindest eindeutig als Frau gelesen wurde, aber ich erlebe längst kein männliches Privileg. Zwar wird mir nicht ins Mäntelchen geholfen (oder eine andere mir entmündigend erscheindene Behandlung), aber es wird mir dafür ganz oft irgendein Erlebnis oder eine Agenda  unterstellt, die zu meiner Entscheidung, nicht feminin zu sein, geführt haben muss/was ich damit erreichen möchte. Oder es wird mir eine Meinung, eine sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität unterstellt und das Ganze dann mehr oder weniger mit Toleranz behandelt.

Demnach ist es für mich so, dass maskulin sein/androgyn sein keinen Ausstieg aus dem sexistischen System ermöglicht. Es erlebt sich dann nur anders. Ich würde auch nicht sagen, dass das der Grund ist, wieso ich mich auf eine bestimmte Art und Weise ausdrücke (oder Gender performe). Ich bin nicht eine maskuline Frau, weil ich dann weniger Sexismus erlebe. Ich drücke mich so aus, weil ich mich selbst dann als zu mir selbst passend/stimmig/echt empfinde, wenn ich androgyn wirke. Ich mag Androgynität sehr. Ich finde maskuline Frauen* und feminine/queermaskuline Männer* sowie alle möglichen maskulinen Trans*menschen attraktiv und schön. Und ich empfinde mich selber als richtig und schön, wenn ich androgyn bin. Vielleicht würde ich sagen, ich fühle mich von queeren Maskulinitäten angezogen und ich identifiziere mich als eine Person, die gut mit queerer Maskulinität resoniert. Das und andere Dinge, die ich, weil ich nicht Single bin, nicht berechtigt bin, öffentlich zu diskutieren, würden mich lose ins Girlfag-Spektrum plazieren. (Link: Uli Meyer – “Almost Homosexual” – Schwule Frauen/ Schwule Transgender (GirlFags/Trans*Fags))

Ich identifiziere mich aber nicht als Agender/Genderqueer/Androgyn/Non-Binary. Ich identifiziere mich als Frau*.

In dem Text Why I’m still a Butch Lesbian  schreibt Lea DeLaria:

Not only do I dislike feeling pretty and prefer arguing to nurturing, I don’t even particularly like eating chocolate. Popular culture, and women themselves, often imply that I lack many of the most essential qualities of womanhood.

“die gesellschaftliche Kultur, auch Frauen selbst, geben mir oft zu verstehen, dass mir viele der grundlegendsten Qualitäten von Weiblichkeit fehlen”. This: Es ist nicht mein Problem, wenn ihr mich als Mann/männlich lest. Ich hab damit kein Problem. Ich habe aber auch kein Problem damit, mich als Frau zu identifizieren.

In our culture, the impulse to distance oneself from negatives associated with women and femininity is endemic. When we insult men, we do it by comparing them to women. When we compare women to men, we’re generally praising them. In fact, I’ve probably known more straight, cis-gendered women who’ve bragged about how they’re “one of the guys” than I’ve known lesbians.

Übersetzung: “In unserer Kultur ist der Impuls endemisch, sich von dem Negativen zu distanzieren, dass mit Frauen* und Feminität verbunden wird. Wenn wir Männer* beleidigen, geschieht das, indem wir sie mit Frauen* vergleichen. Wenn wir Frauen mit Männern vergleichen, dann üblicherweise um ihnen Anerkennung zu zollen. Tatsächlich habe ich wohl mehr heterosexuelle Cis-Frauen* getroffen, die damit angaben, “wie die Kerle” zu sein, als ich Lesben getroffen habe.”

Aus diesen Gründen bemühe ich mich aktiv darum, andere Frauen* und Feminität – auch wenn ich selbst einen anderen Genderausdruck habe als traditionelle Feminität – zu respektieren und mich eben nicht von ihnen abzugrenzen. Ja, ich habe das früher getan. Denn ich erleb(t)e Feminität als etwas, was mir ständig gegen meinen Willen aufgenötigt wurde, etwas, was mir alternativlos als Vorbild präsentiert wurde, etwas, das ich eben nicht bin und das mich eben nicht repräsentiert. Das war schmerzhaft und dagegen habe ich mich abgegrenzt, abgelehnt, rumgetrotzt – als es aktuell war.

Inzwischen bin ich 40 Jahre alt geworden, und spätestens in weiteren 10-15 Jahren wird mein Umfeld seine restlichen Erwartungen, dass ich noch einen Brutinstinkt entwickle, aufgeben müssen. Möglicherweise krieg ich das Unfruchtbarsein noch dieses Jahr schwarz auf weiß. Ich lebe langzeitmonogam mit einem Mann zusammen (nächstes Jahr 20 Jahre) und dadurch, daß meine Heterobeziehung länger hält als die meisten Heterobeziehungen, die ich kenne, führen sich Ratschläge, wie der Mann zu “halten” sei und dass ich so schliesslich keine Beziehung führen könnte, auch langsam selbst ad absurdum. Da hab ich also auch so langsam meine Ruhe.

Ich will solidarisch sein mit femininen Frauen*, ich will aktiv Feminität respektieren und aufwerten. Ich muss nicht mehr dagegen aufbegehren und kann inzwischen sehen, dass nicht Feminitäten es sind, die unterdrückend wirken, sondern nur deren Durchprügeln als Norm für Alle.

In queeren und/oder lesbischen Kulturen findet inzwischen ein sehr wünschenswertes Femme-Empowerment statt. Das macht im Kontext von Femme-Feindlichkeit und subkulturellen Normen, die maskulinere Weiblichkeiten als etwas normaleres setzen, auch viel Sinn. Aber auch bei heterosexuellen Feministinnen* ist es längst nicht so, dass es eine Latzhosen-Norm gäbe, und Feminität ist viel öfter anzutreffen, und wird auch, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach, nicht mehr fälschlich als Symbol von Unterdrückung abgelehnt. Ich begrüsse das alles sehr!

Daran merke ich aber auch, dass mein Wunsch, Androgyn zu sein, eigentlich nichts mit dem Wunsch, der Abwertung zu entkommen, zu tun hat. Feminität bei Frauen* ist für mich nach wie vor einfach nichts, was mich anzieht, was mich sehr interessiert und was ich an mir selber haben möchte. Also auch jetzt nicht, wo es Empowerment und positive Beispiele für feminines Frau* sein in meinem Umfeld gibt. (Ich mag mal der Einfachheit halber female-to-femme aussen vor lassen, weil ich darüber auch noch zu wenig weiß, sorry).

Und was mich nachdenklich macht und auch stört: Es gibt nicht wirklich eine empowerende Selbstbezeichnung für Heteras, deren Genderperformance von der weiblichen heterosexuellen Norm dermassen abweicht. Dieses “endlich einen Namen haben für das, was eins die ganze Zeit erlebt” kenne ich in dieser Hinsicht nicht. (Nicht mehr; siehe das PS am Ende des Textes) Am ehesten fand ich mich in feministischen Vorbildern, und da wirklich in dieser “Latzhosen-Emanze” wieder. Aber die – es gibt sie inzwischen anscheinend gar nicht mehr. Vielleicht gab es sie gar nie, vielleicht war das immer ein Klischeebild, was als Abschreckung für “normale Frauen*” von den Medien geschaffen wurde. Fällt aus.

Es gibt auch Probleme damit, dieses Abweichen einfach unter dem Queer-Begriff mitlaufen zu lassen – obwohl es sicherlich laut einigen Definitionen völlig legitim wäre. Trotzdem ist für viele “queer” eben mit “nicht Hetero sein” verbunden, und wenn Queer für Heten überhaupt  geöffnet wird, dann lediglich für Heten, deren sexuelles Begehren oder deren Sexualität von der Norm abweicht (BDSM, Polyamorie, usw.) und nicht für Heten, die eine monogame Vanillesexualität leben. (Bei Licht betrachtet ist meine Sexualität nicht typisch heterosexuell, ich dachte immer, jegliche Sexualität zwischen Frauen* und Männern* sei zwangsläufig heterosexuell, und dachte halt, ich/wir hätten da halt “unser privates heterosexuelles Ding” gefunden – aber in dieser Ausgabe der Queerulantin über Girlfags und Guydykes (PDF Link) sprechen schwule Frauen z.B. davon, wie sie nicht heterosexuell begehrt werden wollen und nicht “als Frau” Sex haben wollen. Und da klingelt es ganz gewaltig bei mir.)

Also ja: ich bin halt die Hete. Punkt. Scheiss drauf, dass ich und mein Freund auf der Strasse für zwei schwule Männer gehalten werden. Egal, ob ich mich in der gängigen Definition von Cisgender nicht repräsentiert sehe, genauso wenig in der von Trans* oder Genderqueer. Dass ich mehrmals die Woche nicht als das Geschlecht gelesen werde, als das ich mich identifiziere.  Weil ich mich weigere, mich so zu geben, wie es die Gesellschaft Frauen* zugesteht. Wenn ich mit anderen Heteras rede und ich gefragt werde, wie wir verhüten, und ich ich überlege, nicht zu sagen, dass wir nicht verhüten, weil wir nichts praktizieren, was Verhütung erforderlich macht.

In meinem Lehrbetrieb nannte mich jemand – obwohl ich damals lange Haare trug – immer “Franz”, und ein anderer Kollege kommentierte quartalsmässig “She’s like men”, in meinem Meisterkurs tauschten die anderen Anwärter, während ich daneben saß, ihre Youporn-Links aus,  weil sie vergaßen, dass sie nicht in einer Männerrunde waren, und ich fühlte mich bei alledem zwar ein bischen befremdet, aber irgendwie auch stimmig.

Im Frühling/Sommer 2014 habe ich mich in meinem queeren Freundeskreis darüber mehrmals ausgetauscht, ob und wie es eigentlich einen Platz gibt für Menschen wie mich in der queeren Szene, ohne dass ich “nur Gasthete” bin. (Nicht, dass es damit ein Problem gäbe, wenn ich “nur Gasthete” wäre! Dazu später noch was.) Wir haben über unsere Annahmen und die Annahmen anderer geredet, z.B. weil einige auch Bi sind und mit Mann und Kindern in einer Kleinfamilie leben und deshalb inzwischen als “typische Hete” gelesen werden. Da ging es darum, wo eins hingehören kann und welche Vorurteile es in der queeren Szene so gibt. Diese Gespräche waren alle sehr gut, fand ich. Leider ergaben sie für mich immer erst mal so ein: “Ja, die anderen hatten immerhin schon mal homosexuelle Beziehungen und/oder sind wenigstens Poly. Du bist  eine untypische Hete, aber untypisch sind viele Menschen irgendwie. Du bist unterm Strich eine Hete.”

Nicht falsch verstehen: Ich steh gern dazu Hete zu sein. Ich steh auch dazu, Cis zu sein. Warum sollte ich meine diesbezüglichen Privilegien, die ich ja habe, verleugnen wollen? Bin für Awareness echt zu haben. Es ist nun mal Fakt, dass ich mit meiner Hetenbeziehung in normative Bilder passe, dass ich mich nicht überall erklären muss… Privilegien, ganz klar. Aber da sind diese Erfahrungen, da ist diese Orientierung, da ist dieses Selbstbild. Ich hätte halt einfach gerne einen Austausch dazu mit Menschen, denen es ähnlich geht.

Als ich dann vor kurzem mal öffentlich anfing, über queere Heten, das nirgends-reinpassen, und die Suche nach Begriffen twitterte, erlebte ich viel berechtigte Ängste, dass Heten sich Queerness und Selbstbezeichnungen von LGBT* aneignen könnten. Am Ende wurde über mich von einer Person in einigen Nonmentions hergezogen: als Diskriminierungsneiderin, Enthetungswünsche hegend und ich sei Trans*misogyn.

Meine Fresse, natürlich halte ich mich nicht für queer, weil ich mir die Haare kurz gemacht habe! Genau so wenig würde ich mich für eine Person of Color halten, weil meine Haut schnell bräunt und ich keine dt. Staatsbürgerschaft habe. OMG. oO

Ich halte mich für queer, weil ich gendermässig anders präsentiere als es das System von hetero-binär vorsieht, weil ich die Regeln dieses Systems nicht befolgen kann ohne mich die ganze Zeit zu verbiegen, weil meine Heterobeziehung und die darin stattfindende Sexualität fast komplett neu erarbeitet werden musste, weil ich mit den traditionellen heterosexuellen Gepflogenheiten nicht “kann”, weil das, was ich bei mir selbst in Punkto Gender/Sexualität vorfinde, als krank und behandlungsbedürftig galt oder noch gilt, (ich hab mich vor 20 Jahren dagegen entschieden, mich deshalb therapieren zu lassen), weil ich den Kram nicht erfinde um irgendwie besonders zu sein, sondern ich versuche meine Wege zu finden, in einem System das mir halt auch aufgezwungen wird, wie vielen anderen Menschen auch.

Ich muss nur eben Begriffe suchen für das, was ich bin/wie ich mich verorte. Und das ist schwierig.

Ich bin demisexuell, das ist eine Abstufung von Asexualität, die irgendwo zwischen Sexualität und Asexualität liegt. Es bedeutet, ich fühle mich zu Menschen hingezogen, zu denen vorher schon eine innige freundschaftliche Beziehung besteht. Neulich hatte ich mit einer Freundin* über heterosexuelle Männlichkeiten gechattet und dass hegemoniale Männlichkeitsnormen innige Freundschaften eigentlich ausschließen, und das einzige, was “erlaubt” ist, ist sowas wie eine sich ständig neu voneinander distanzierende Kumpanei. Alles Andere würde zu viel Nähe bedeuten. Als demisexuelle Person bedeutet das für mich, dass sich bei mir  Begehren, wenn schon, dann auf Männer* ausrichtet, die oft dadurch zu “Verrätern” an der herkömmlichen Männerrolle werden, dass sie Wärme und Nähe nach aussen zeigen, dass sie tiefer gehende Freundschaften eingehen und sich dafür auch nicht schämen. Die offen schwul sind und daher nicht die heterosexuelle Distanzkumpanei praktizieren müssen, oder heterosexuelle/bisexuelle Männer, die für schwul gehalten werden, genau weil sie an dem Punkt aus ihrer Rolle herausfallen.

Das ist ein Problem, weil ich schwule Männer* nicht nerven will, indem ich sie als Hete anschmachte, und ich verbrachte manche Freundschaften als Teenager damit, mir das bitteschön aktiv zu verkneifen. Und es ist dann wieder ein Glücksfall, denn es bringt mich mit “Genderrollen-Verrätern” zusammen, für die es weniger ein Skandal ist, wenn ausser diesem noch andere Rollenvorgaben unterlaufen werden.

Was mir als demisexueller Person eher fehlt, ist diese Begeisterung für Begehren und begehrt werden, ich finde z.B. manche schwule Subkulturen oft ziemlich sexualisiert, und das ist schon ein Faktor, wo ich denke: “Ich, Girlfag, never!” Mir geht ja manchmal schon das Ganze Begehren/Orientierungs/Sexualitäts-Gewichte in der Queerszene auf den Geist. Weil ich mit meinem Langzeitmonogamismus halt nicht mehr am Suchen bin. Es hat sich ausgesucht. (So die Göttin will. Ich kann die Zukunft natürlich nicht kennen.)

Bei Heterosexuellen, die sich mit queeren Themen noch gar nicht beschäftigt haben, ist es dann wieder so, wenn wir über Identifikation, Sexualität und Selbstfindung reden würden: Genausogut könnte ich mit Leuten von einem anderen Planeten reden. Ich mache es meistens gar nicht erst.

(…)

Hier könnte jetzt noch einiges stehen, aber ich mach hier mal einen Punkt und komme zum Ende, weil der ganze Text so unsortiert und unvollständig sein soll und darf, wie dieser ganze Nachdenk- und Orientierungsprozess ist und sein darf.

Ich will diesen Text trotzdem nicht schreiben ohne meine femininen (also hier, was gesellschaftlich als feminin zählt; irgendein Wort muss ich halt verwenden) Seiten hervorzukehren, weil ich es für maskuline/schwule Frauen* völlig okay finde, feminine Seiten zu haben. Genauso wie niemand darüber zu befinden hat, ob Grrrls/feminine Feministinnen oder Femmes Dinge mögen oder tun, die männlich konnotiert sind. So here goes: Ich stehe auf Körperpflegeprodukte (obwohl ich mich, ohne z.B. eine Gesichtsoperation oder Hautkrankheit überdecken zu wollen, nie schminken würde), mache gerne Asanas (körperliche Yoga-Übungen) was ja angeblich so ein Frauending sein soll, Handarbeiten, koche gerne, weine schnell, trage auch mal Röcke, habe einen weiblichen Habitus (wobei – hm… keine Ahnung??) und vieeeeeeeles mehr. Weil: Eine Androgynität/Maskulinität, bei der ich dieses ständig sich abgrenzende, ja kein bischen Sissyhafte, ja nicht feminine, einhalten muss, wäre für mich nämlich auch nichts wert. Ich bin nicht darauf aus, ein Mackerarschloch zu sein und dieses Konkurrenz/Schwanzvergleichsding ist mir viel zu anstrengend.

Also bin ich irgendwie, irgendwo auf dem Kontinuum schwule Frau*, maskuline halbqueere Hete, irgendwo so, verortet, oder halt auch nicht. Ich habe da noch viel nachzulesen und bin eigentlich ganz froh, diesen Text zu schreiben – weil ich mir nicht im Nachhinein alles so hinreden will, dass ich “besser reinpasse”. Ich will mir Worte aneignen, die bezeichnen was ich bin. Ich will nicht, dass Worte bestimmen sollen, womit ich konform zu gehen habe.

So, Bittschön. Das war mein Coming out als Nichts. Nichts für Ungut.

PS 1: Inzwischen ist es nicht mehr “Nichts”. Inzwischen klärt sich, dass ich mich eben irgendwo in die Richtung Girlfag/schwule Frau* verorten kann/werde/will. Als ich anfing mit dem Text, war das noch nicht so. Die Ereignisse, die sich dieses Jahr seit Wochen/Monaten entwickeln, überschlagen sich in dem Moment, wo ein Durchbruch zu Anderen stattfindet, die Ähnliches beschreiben wie ich das erlebe. Und dieser Moment war genau während der Entstehung des Textes. Ich lasse das “Nichts” noch stehen, aber es ist erkennbar, dass es veraltet und überholt ist.

PS 2: Zu „ALMOST HOMOSEXUAL“ – Schwule Frauen/ Schwule Transgender (GirlFags/Trans*Fags) von Uli Meyer – http://www.liminalis.de/artikel/Liminalis2007_meyer.pdf. Ich habe den in den Text schon reinverlinkt, aber erst nach Fertigstellung des meisten Textes hier gelesen. Ich möchte den Artikel sehr empfehlen, weil er super spannend ist und generell eine Menge über den ganzen Genderkram zu sagen hat.

DANKE an diejenigen, die den Text vorweg gelesen und Feedback dazu gegeben haben! <3 <3

Alle sind Charlie, keiner ist Jude?

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Und ja, ich schaffs einfach zeitlich nicht, so kurz nacheinander zwei Blogeinträge zu schreiben. Aber es kommt halt dann doch soweit, dass die Gewalt und Morde an jüdischen Menschen in der Solidarität-für-Charlie-Kampagne untergehen. Und das will ich nicht.

Ich bin Charlie, aber ich will nicht Charlie sein.

Ich lebe in einem Land, in dem diese feindselige Stimmung herrscht, die die Menschen aufteilt in den “freien Westen” und die “Islamisten”. Die wird schon so lang geschürt. Schon so lang sitzen viele von uns zwischen den Stühlen. Einerseits lehne ich diesen überheblichen, sich selbst nicht hinterfragenden, islamfeindlichen Rassismus ab, der alle arabisch aussehenden Menschen zu rückständigen Feinden stilisiert, zum anderen lehne ich die fundamentalistischen Bewegungen ab, die Menschenrechte dort mit Füssen treten, wo immer sie genügend Macht dazu haben.

Es ist einfach nicht möglich, sich auf eine von zwei Seiten zu stellen, ohne sich unter “falschen Freunden” wiederzufinden. Schon die ganze Zeit bei dem Thema. Jetzt auch wieder. Und jetzt, das heisst: nach dem Mordanschlag auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo. Sich solidarisch zu Charlie Hebdo zu stellen, heisst, die teilweise echt scheiss rassistischen, sexistischen etc. Cartoons zu befürworten, die in diesem Magazin erschienen sind. Sich nicht solidarisch zu Charlie Hebdo zu stellen, stellt dich wiederum in eine Ecke mit Fanatikern und Autoritären, die meinen, ihre religiösen Gefühle über die Freiheit (und hier sogar das Leben) von Anderen hinweg durchdrücken zu dürfen.

Dabei gibts doch eigentlich eine ganz logische und einfache Reaktion: Für die Meinungsfreiheit zu sein, Punkt aus. Und das bedeutet, dass es okay gehen muss, über Charlie Hebdo zu sagen “das und das ist Rassismus und ich lehne das ab”. Ich finde es schon sehr bemerkenswert, wie im Namen der Freiheit die Freiheiten von Menschen anrüchig werden, ihre Meinung zu sagen – “sei für rassistische Cartoons, oder bist du etwa auch für die Terroristen?” Im Namen der Freiheit machst du dich verdächtig, wenn du nicht die selbe Meinung hast.. hallo? Wer nicht konform geht mit uns, ist gegen uns? Nein, so einfach geht das nicht.

Ich bin wirklich bestürzt über den Mord an den Zeichnern von Charlie Hebdo. (Und nicht zu vergessen die Menschen, die dabei waren und mit dem Anschlag zum Opfer fielen). Bestimmt waren das auch total nette Typen, und obwohl ich die Cartoons teilweise echt kacke finde, bin ich überzeugt, dass die Urheber dieser Cartoons nicht annähernd übel waren. Wenn es nur um die Menschen ginge, ich würde die ganze Zeit im “Je suis Charlie” Tshirt herumlaufen!
Die Leute von Charlie Hebdo waren wahrscheinlich genauso nette, linke Typen wie ich auch genügend kenne, die es eigentlich gut meinen und die gar nicht schnallen, dass sie gerade Anderen, die weitaus mehr Unterdrückung erfahren wie sie selber, grad auf die Füsse und ins Gesicht treten. Weil ist doch alles lustig und Satire und Kritik an Autoritäten und wir sind doch alle gegen die da oben. Weil so einfach ist es ja schliesslich (Ironiemodus). Es existieren ja auch (Ironiemodus) keinerlei Unterdrückungsachsen ausser der, die ein weißer linker Durchschnittstyp erlebt. (Und *-istische Strukturen begünstigen und erzeugen diese Blindheit und Ignoranz gegenüber Sexismus, Rassismus usw.)

Aber nur weil wohlmeinende linke Männer etwas als Satire gegen mächtige Fundis verstehen, wird es davon nicht weniger rassistisch. Gut gemeint heisst, nicht dass es auch gut ist. Die Menschen betrauern, und trotzdem ihre Publikation kritisch sehen, das ist für mich Meinungsfreiheit.

Nach diesem berühmten Zitat von Evelyn Beatrice Hall zu gehen, welches lautet:

“Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.”

Oder laut Elliot Higgins: (Via Hakan Tee)

“I defend your right to say stupid shit, but it’s still stupid shit.”

In diesem Sinne: Ich bin Charlie. Ich bin solidarisch mit den Ermordeten. Ihr Leben ist ausgelöscht und sie werden nie mehr mit anderen an einem Tisch sitzen und reden und dazu lernen können, darüber, wieso ihre Satire nicht, wie sie dachten, gegen die Mächtigen gerichtet war, sondern nach unten getreten hat.
Aber ich bin nicht Charlie, ich würde nicht diese Cartoons zeichnen, stattdessen sitz ich hier und ärgere mich, dass wieder einmal rassistische, (hetero-)sexistische und klassistische Cartoons viel zu unkritisch als das Sahnehäubchen der westlichen Meinungsfreiheit hingestellt werden.
Aber die Leute von Charlie können es jetzt nicht mehr anders oder besser machen, oder etwas daraus lernen. Jedes ausgelöschte Leben bedeutet so viel zerstörtes Potential. Das ist einfach nur endlos traurig. R.I.P., Jungs.

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U.A. zu dem Thema auch gelesen: