Verständlichkeit von Texten, Klassismus, Ressourcen, + mein Geschwafel..

Ich hab jetzt nicht die zeitlichen Ressourcen, um die ganzen Links zusammenzutragen und ich kann auch gerade nicht die ganzen Texte und Kommentare dazu lesen. Also hier keine Links. Aber gerade gibts ein paar Postings zu Klassismus und Textverständlichkeit bzw. wie akademisch dürfen/sollen feministische Texte in Blogs sein?

Also. äh, zuerst mal, grundsätzlich, finde ich deutsche akademische Sprache unsäglich. Das ist so künstlich unverständlich und aufgebläht, dass es ja nur ein Spezialpublikum verstehen _darf_. Englische akademische Texte sind meistens nicht so. Ich raff nicht, wieso das so sein muss.

Ich machte beim Rumhängen und Rumlesen in der feministisch-queeren Blogosphäre die Beobachtung: Ich bin jetzt definitiv aus dem Uni-Milieu raus. Seit 10 Jahren hab ich keine wissenschaftlichen Texte mehr gelesen, arbeite als Handwerkerin und lebe halt so.. vor mich hin. Ich habe letztes Jahr mal “das Unbehagen der Geschlechter” von Judith Butler vorgeknöpft und bin gescheitert, ich verstand ja so gut wie gar nix daran. (Nun ist das wohl auch das härteste, was man sich vorknöpfen kann in Punkto Unverständlichkeit, aber selbst mit Googlen, nachschlagen und 2/3 aller Absätze 20 mal lesen ging echt – gar – nix!!)

Jetzt lese ich ein Buch, das sich nicht nur an Wissenschaftler_innen richtet – “Mythen, Masken und Subjekte”, und einzelne Texte fallen mir wirklich schwer.
Also, auch wenn mich akademische Texte wahrscheinlich 5x soviel Zeit kosten, wie jemanden, der_die gerade studiert und “im Flow” ist.. Als ich mal ein paar Semester studiert hatte, hab ich gemerkt, man wird schneller im Lesen und Verstehen. Aber man wird auch wieder langsamer, wenn man das Hirn nicht ständig weitertrainiert. Auf dem Niveau von dem, was ich oft so lese, kann ich selbst nicht schreiben, und wenn ich das tun wollte, müsste ich dafür erstmal Urlaub nehmen, um die Zeit und Energie zu haben.

Aber ich merke, das Problem ist (für mich) nicht die Verständlichkeit der Texte im Netz, (das eher bei gedruckten Texten) sondern die schiere Menge an Texten, die gerade entstehen. Und die schiere Menge an Kommentaren, die es gibt.
Zudem merke ich, dass ich diese Woche an die 12 Stunden gelesen habe. Im Netz hauptsächlich. Dadurch habe ich einiges an meinen Aufgaben und an meinen anderen Beschäftigungen nicht geschafft, konnte meinen Strickpodcast nicht aufnehmen und weniger Saxophon üben.

Mir gehts ja noch halbwegs “gut” da ich keine “Vollzeit” arbeite. Wenn ich das täte, könnte ich mir die ganze Debatte eh von der Backe kratzen, weil ich dann zu geschafft wäre, um überhaupt in Diskussionen einzusteigen.

Und jetzt merke ich: Nach meinem “Ausflug” in die Politdiskussionen (hauptsächlich lesenderweise) in der gerade zu Ende gehenden Woche, werde ich 2 Wochen mindestens “Pause” machen müssen – es ist schon genug liegen geblieben. Ich hab die Ressourcen nicht, mich so reinzuhängen. Was sehr sehr schade ist, denn es war eine interessante Woche, eine die für mich total lehrreich war. Aber auch ein bischen überfordernd. Ich bin gerade total groggy.

Dann denke ich “Das Sein bestimmt das Bewußtsein” und so, ich bin zwar klassenmässig würd ich sagen, Mittelklasse von der Herkunft her, finanziell gehts meinen Eltern schon ganz gut, ja. Bis so Mitte/Ende 20 hab ich das mit dem Mittelklasse-Kiddie auch durchgezogen, dann habe ich irgendwann entschieden, ein Handwerk zu lernen und darin zu arbeiten. Ich bin von meiner Ausbildung her und wie und wo ich arbeite und was ich verdiene und was ich so für Ressourcen habe, eher arm und “working class” inzwischen, und weil das, was ich arbeite, ein echter Knochenjob ist, also körperlich ziemlich hart, geht auch viel meiner Freizeit dafür drauf, das auszugleichen. Sonst geht alles kaputt, der Rücken, die Arme, die Hände. Wenn ich nur arbeite und in der Freizeit am Rechner sitze oder sitze und lese, dann geht das nicht dauerhaft, das geht nur ausnahmsweise. Ich schätze mal, laut Bourdieu bin ich trotzdem noch ganz schön middle class, aber – haha, meine Situation ist halt nicht mehr so wie sie mal war als ich noch mehr “Middle Class” war und schön an der Uni rumschlunzen konnte und nebenher gejobbt habe. Zu tun hatte ich damals auch, so isses ja nicht, aber irgendwie ist das jetzt was Anderes. Damals war theoretisch was dazulernen und studieren Eins. Und der Putzjob, da konnte ich hin, arbeiten, und wieder heim, fertig.

Für mich ist es, neben verständlicher Sprache, auch sehr wichtig, wenn es darum geht, Menschen, die nicht gerade im Uni-Dunstkreis sind, einzuschliessen und die nicht abzuhängen, dass es möglich sein soll, sich ab und an einzuklinken, obwohl mensch vielleicht nicht alles lesen konnte und nicht die Ressourcen hat, sich täglich mit Politkram zu befassen. Aber ich glaube, das geht sich schon aus. Es ist halt gerade jetzt etwas viel. Und etwas schnell. Das ist alles super spannend. Aber poah, ich brauch ne Pause.

Und jetzt werde ich versuchen abzuschalten, abzustumpfen und glotze im Internet “The voice of Germany”. Und dabei stricke ich. Haltet die Ohren steif, macht euch mal nicht so fertig und lasst euch auch nicht fertigmachen und ich hoffe, die Diskussionen gehen eher erfreulich weiter.

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