Reflektion und Räume dafür

Die Idee ist offen für Alle, richtet sich aber speziell an weiße Leser_innen. An Alle, die Bock darauf haben, sich mit ihren Privilegien zu beschäftigen. Es geht um Selbsterkenntnis und Verständnis.

Worterklärungen:
* People/Person of Color = PoC = von Rassismuss betroffene Person/Menschen, Menschen, die nicht die sozialen Privilegien haben, die Weiße haben. Man kann auch “Mensch of Color, Leser_in of Color, Irgendwer of Color sagen. Es gibt noch kein deutsches Wort dafür, was sich eingebürgert hat).
* Critical Whitness = kritisches Weißsein = eine Theorie über Rassismus, welche die soziale Position untersucht, die vom Rassismus begünstigt wird.

Also ihr Lieben! Ich war neulich auf einem Critical Whiteness Workshop und da kam auch raus, dass es für das kritische Reflektieren (reflektieren = bedenken, überdenken, hinterfragen) von Weißsein und den dazugehörigen Privilegien wenig Raum im Leben der Teilnehmenden gab.
Vielleicht geht Euch das auch so?
Vielleicht weil ihr wenig Weiße persönlich kennt, die das Thema wichtig finden. Auch weil ihr nicht öffentlich den Raum für das Äussern von “white guilt” (= Schlagwort für “weiße Schuldgefühle”) einnehmen wollt um nicht Anderen, euren Leser_innen of Color z.B., damit auf die Nerven zu gehen. Vielleicht sich mal zu fragen, wieso bin ich als Weiße überhaupt motiviert, gegen Rassismus zu sein? Und alles so um das Thema herum.

Meine Überlegung wäre, das in einem nicht öffentlichen virtuellen Raum zu machen. Der Grund, warum nicht öffentlich: Um mit der Situation “Weiße haben blöde Fragen und Luxusproblemchen” (relativ gesehen) nicht öffentlich zu nerven und den Raum zum Thema Rassismus nicht damit übermässig einzunehmen.

Was mir noch unklar ist, ist, wie das gewährleistet werden kann, dass das nicht kippt (und nicht z.B. Weiße anfangen, sich gegenseitig zu versichern ihr dominantes Verhalten wäre doch ganz ok.) Gut sind bestimmt Leuts mit Erfahrung mit dem Thema, die Lust darauf haben und dann “Stop” sagen.
Das Ganze würde auch sicher nicht schon sofort morgen entstehen. Wenn, dann eher im 1. Quartal 2013. Aber wir können ja jetzt schon überlegen ob und wie es überhaupt sinnvoll ist, so einen Raum zu schaffen.
Also analog zu ner kritischen Männergruppe, die sich mit Sexismus beschäftigt.

Mir fiel zuerst eine Mailingliste ein, z.b. eine Yahoo Group. Da ist die Frage, wer soll so eine Liste wie moderieren? Oder “Hangouts” wie bei google+? (habe ich noch nie ausprobiert). Was gibt es noch für “Social media” Möglichkeiten?
Was wäre nötig um sowas machen zu können?
Hat wer Interesse?
Dann kommentiert doch mal oder schreibt mir eine mail an distel (at) spiritvoices (dot) de.

Update am Samstag, den 27.10: Es hat sich niemand gemeldet, und ich denke, die berechtigte Skepsis ist einerseits zu gross und andererseits, ist dieser Beitrag auch eine unbedeutende Äusserung irgendwo im Internet und keiner liests ;-)) wenn ich so in die Statistik schaue, hatte dieser Eintrag auch nur knapp über 30 Views. Ich könnte ihn jetzt noch bischen bewerben (ich habe das einmal getwittert, sonst nix bislang) aber ich breche das nicht übers Knie. Zumal wenn, dann kann man das später immer noch tun. Das Thema läuft ja nicht weg. Und ich schätze auch, dass viele feministisch-antirassistische Blogger_innen zu weitaus besseren Reflektionsräumen, z.B. Seminaren an den Unis, Zugang haben oder hatten und das schon durch haben, das Thema. Ich mag auch nicht eine vielleicht schlechte Idee so forcieren. Ich hab das sehr zaghaft freigesetzt ins Netz, und wenn’s keinen Funken schlägt, dann war die Idee einfach nicht gut oder zur falschen Zeit am falschen Ort.

Update 2, am “Selbermachsonntag”: Dank Mädchenmannschaft klicken glaube ich, jetzt viele hier drauf. Ich möchte euch darauf hinweisen, dass ich nur konstruktive Kritik und Leute, die mit dem Thema respektvoll umgehen und/oder Interesse haben, freischalte. Trollerei + Dumme Sprüche gibbet nüscht, ok? Wir wollen hier das Thema “Hinterfragen” haben, da soll Platz sein für Unsicherheiten und Bedenken – ich hab keine Lust, meine Position hier gegen Angriffe durchfechten zu müssen, und das werde ich auch nicht tun, und auch niemand anderes soll das tun müssen.

Update 3, 30.10: Jetzt ist es genau eine Woche her, der Artikel hatte seine vielen, vielen Klicks (dank Mädchenmannschaft) und es besteht, so die Bilanz, kein Interesse an einer solchen Reflektion unter Weißen.(In dieser Form) Ich bedanke mich für die guten Kommentare und die Kritik an der Idee. Ich bin der Ansicht, dass es am besten ist, solche Reflektionen geschehen unter kompetenter Anleitung, zum Beispiel auf Workshops zu Rassismus. Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass es gut ist, wenn Weiße ihre Privilegien auch ausserhalb von Workshops – im Alltag – reflektieren, gerade, wenn sie antirassistisch arbeiten wollen und nicht nur in einer Blase unter lauter Weißen sein und leben und arbeiten wollen. Dabei wünsche ich allen weißen Leser_innen viel Erfolg!

5 thoughts on “Reflektion und Räume dafür

  1. Hi. gerade hier hinein gestolpert. Ich muss sagen, das was ich hier lese gibt mir ein ziemlich ungutes Gefühl. Also ein Raum von Weißen für Weiße um über Weißsein nachzudenken. Finde ich total schizophren. Ich verstehe nciht wie so neue Erkenntnisse gewonnen werden sollen. Ich sehe zwar das Problem, dass es sehr wohl nervig ist, wenn man auf White Guilt trifft. Schlimmer finde ich aber den mangelnden Austausch überhaupt. Die meisten Vorurteile (und damit fehlende Awareness) entsteht meiner Meinung nach deshalb, weil viele weiß positionierte einfach nur mit anderen weiß positionierten abhängen. Beispiel Uni: Ich erlebe es selten, dass Angehörige verschiedener “Ethnien” einfach mal miteinander reden oder gar befreundet sind. Warum eingetlich diese Angst? Wenn ihr euch für die anderen interessiert, warum sucht ihr nicht das Gespräch MIT People of Colour anstatt ÜBER sie (wie so oft) oder nur über euch (wie hier vorgeschlagen) nachzudenken? Einfach mal mit dem Nachbarn nen Kaffee trinken gehen. Wenn man befreundet ist und ein Verhältnis hat, das auf Vertauen und Wertschätzung aufbaut, kann man dann durchaus auch mal Fragen stellen und White Guilt Issues diskutieren. Ich habe einfach das Gefühl, hier (in diesem Blogbeitrag) wird nur die Angst bzw vielleicht sogar das Desinteresse mancher Weißer maskiert. Das können sich weiß positioneirte auch leisten, weil sie nunmal nicht auf das miteinander mit Minderheiten angewiesen sind. Ich finde aus diesem Grund sollte man vielleicht eher das Miteinander suchen. Das wäre zumindest ein Signal und es gibt trotz des Nervpotentials sicherlich Kontexte in denen sich People of Colour gerne mit euch auseinandersetzen.

    • Huhu! Danke für den Kommentar!
      Das mit dem Miteinander suchen finde ich auch superwichtig und richtig. Ich glaube, das meiste, was ich mir bezüglich Rassismus bewußt gemacht habe in meinem Leben, ist auch eine direkte Folge davon, dass Bekannte, Freund_innen und Kolleg_innen of Color mich dazu angeregt haben.
      Ich habe auch 2-3 weiße Freund_innen, mit denen ich so Themen wie Weiß sein und Rassismus besprechen kann. Also, ohne dass die das abtun, die Augen verdrehen oder abwinken. Und ich finde das gut und wertvoll. Mit denen berede ich dann schon die Sachen, mit denen ich die People of Color, die ich kenne, einfach nicht nerven möchte. Also White Guilt Issues – Weiße Schuldgefühle – sind da schon das Paradebeispiel. Klar, wenn man befreundet ist kann man der Freund_in mit allem möglichen kommen, sogar mit weißen Schuldgefühlen eventuell. Aber ich bin schon froh wenn ich weiße “Luxusproblemchen” mit anderen “kritischen” Weißen bereden kann.
      Tja, noch eine Falle – Reflektionsräume unter Weißen als Vermeidung von “echtem Miteinander” und sich trotzdem nen Persilschein ausstellen können “etwas getan zu haben” – kann ich mir gut vorstellen, dass das abgleiten kann.
      *seufz*

  2. Gute Anregung, aber ich muss noch darüber nachdenken. Ich habe meine Schwierigkeiten mit manchem, was (aus unterschiedlichsten Blickwinkeln) zum Thema Critical Whiteness im Interet gesagt wird und möchte mich erst noch weiter informieren. Auf jeden Fall wollte ich nicht, dass Deine Initiative weiterhin ins Leere läuft und wenigstens eine Antwort schreiben.

    • Danke dir! Ich mach das eh völlig Ergebnisoffen. Vielleicht ist es auch einfach nicht so eine gute Idee, und vielleicht ist es auch interessanter, über die Bedenken, die es dazu gibt, zu reden, als einfach eine Mailingliste aufzumachen, die dann gegen die Wand fährt.

  3. Forum im Internet aufmachen?
    Da könnte man mit erlaubnis (Blog)Artikel oder ggf freie Artikel posten, diskutieren &auswerten.
    Eigenen IRC -channel aufmachen und verabreden um zu diskutieren.

    Das wäre offen und deutlich übersichtlicher als eine maillist, Moderation ist idr gut zu handeln, man kann schauen wen man zulässt und Trolle
    schnell wieder entfernen.
    Manche threads könnten öffentlich zum Lesen frei gegeben werden und anmelden könnte sich jeder und man könnte das thematisch weiter fassen damit das ganze nicht zu mono wird.

    Allerdings befürchte ich nunja, Streit.
    Daher würde ich aber schon eine gute streitkultur haben wollen, ein Hinweis worauf zu achten ist UND inhaltliche niedrigschwelligkeit-nicht jeder hat Studium.

    -ohne gegenseitiges vorwerfen(schon weil das nichts löst imho)
    Sowas fände ich gut

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