One Billion Rising. Ihr wollt Kongo? Da habt ihr Kongo..

Triggerwarnung: Rassismus, Kolonialistische Verbrechen gegen die Menschheit.

Gestern war ich bei einer kurzen, aber netten Tanzdemo am Brandenburger Tor in Berlin, der Stadt, in der ich wohne. Das Ganze war veranstaltet vom Mädchensportzentrum “Centre Talma” in Wittenau im Rahmen von One Billion Rising. Diese Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen wurde von Eve Ensler initiiert, die den Auftakt des weltweiten Aktionstages in der DR Kongo mitgefeiert hat, um ein besonderes Zeichen zu setzen, weil im Ostkongo die Rate der sexuellen Gewalt gegen Frauen sehr, sehr hoch ist.

An der Kampagne gab es auch Kritik, so z.B. auch der Artikel “Why I won’t support One Billion Rising” von Natalie Gyte. Nadine Lantzsch hat gefragt, ob OBR nicht einfach nach dem gleichen Schema wie die Slutwalks 2011 abläuft und nicht auch an den selben Problemen krankt:

heute fiel mir auf, dass one billion rising eigentlich nur eine wiederholung der slutwalks ist, mit all ihren re_produzierten machtverhältnissen, ausschlüssen, diskriminierungen, un_sprechbar_machungen und ent_konzeptualisierungen. nur halt mit weniger wut.

Ich hatte die Diskussion um die Slutwalks 2012  ja mitgekriegt, und damals gab es das Argument “Aber es gibt auch einen Slutwalk im Kongo”.  (Slutwalks sind die “Schlampendemos” die 2011 weltweit stattfanden, nachdem ein Polizeioffizier in Toronto bei einem Vortrag Studentinnen sagte, sie sollten sich nicht wie “Sluts” – Schlampen – anziehen, um Vergewaltigungen zu vermeiden).

Anlässlich dessen habe ich mich letzten Herbst mit der Situation von Menschenrechten von Frauen im Ostkongo befasst. Ich kriege das Amnesty Magazin, da ist das auch regelmässig Thema. Im Osten des Kongo, in Nord-Kivu, die Hauptstadt ist Goma, ist seit vielen Jahren Krieg. In diesem Krieg wird Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt, von den Rebellengruppen und auch der offiziellen Armee. Nord-Kivu ist reich an Gold und Coltan. Coltan ist ein Erz, das zur Herstellung von Handys gebraucht wird. Die DR Kongo ist der weltweit zweitgrösste Lieferant von Coltan. 50% des weltweit abgebauten Coltans werden von einer Tochterfirma der Bayer AG aufgekauft. Quellen: Amnesty Magazin, Wikipedia

Das heisst ja nichts anderes, dass die Frauen, die in der DR Kongo vergewaltigt werden, für unsere Handys vergewaltigt werden. Bedroht mit Waffen, die wir ihnen liefern. Das Embargo wurde 2008 gelockert, und seit 2009 werden die Zustände immer schlimmer.

Aber das ist noch nicht alles. Der östliche Kongo grenzt an Ruanda und Burundi, und in den Bürgerkrieg sind jeweils oft Hutu- bzw. Tutsi-Milizen verwickelt, auch im Ostkongo. Was in diesem Zusammenhang interessant ist: Die Hutu bzw. Tutsi waren, auch laut Wikipedia, einmal Stände in der Gesellschaft des vorkolonialen ruandischen Königreichs. Es waren die Deutschen kolonialen Besatzer, die Hutu und Tutsi als “Rassen”, basierend auf der in Europa damals populären rassistischen Einteilung von Menschen in solche, interpretierten. Jahrzehntelang zementierten die Kolonialherrscher, erst Deutsche, dann Belgier, rassistisch Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi, was bis heute nachwirkt. Darauf wies mich Momorulez bei Facebook hin, als ich dort schrieb, ich befasse mich gerade mit den Gründen für den Krieg im Ostkongo.

Daher habe ich beschlossen, etwas geschichtliche Nachhilfe zu nehmen über den Kongo in der Kolonialzeit und las die entsprechenden Wikipedia-Artikel. (Geschichtlich gesehen wurde mir und wahrscheinlich auch den meisten anderen hier in Deutschland zur Schule gegangenen Menschen, was den Kolonialismus angeht, so gut wie keine Bildung nahegebracht.) Was ich da fand, ist unvorstellbar: Zwischen 1888 und 1908, nachdem auf der berüchtigten Berliner Konferenz der belgische König Leopold den Kongo als persönliche Kolonie zugesprochen bekam, hat dieser in einem grausamen Ausbeutungsregime etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung umgebracht. Der Grund war Kautschuk – Leopold hatte 20 Jahre lang, bis neu angepflanzte Kautschukplantagen in Südamerika anfingen, sich zu rentieren, quasi ein weltweites Monopol. Er wurde zum zweitreichsten Mann der Welt. 10 Millionen Menschen mussten dafür sterben. Die halbe Bevölkerung des Landes!

Das Kolonialregime konnte die Zwangsarbeiter nicht einsperren oder in Ketten legen, weil sie zum Kautschukernten weite Strecken durch den Urwald wandern mussten. Also nahmen sie die Frauen und Kinder der kautschuksammelnden Männer in Geiselhaft. Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Viele Frauen starben in Geiselhaft. Wenn nicht genug Kautschuk gebracht wurde oder die Männer sich verspäteten, wurden die Frauen getötet.

König Leopold wurde, als das rauskam, nicht bestraft, er musste lediglich seine private Leibkolonie dem belgischen Staat übergeben. Zu dem Zeitpunkt waren die Kautschukplantagen, die 20 Jahre zuvor angepflanzt worden waren, konkurrenzfähig geworden und es hätte sich für ihn eh nicht mehr gelohnt.

Heute erinnert sich scheinbar niemand in Europa mehr daran. Die Menschen aus dem Kongo werden sich aber sehr wohl dessen bewusst sein, und ich finde es einfach nur beschämend und furchtbar, dass europäische Völkermorde und Schreckensregime wie dieses so derartig verschwiegen und vergessen werden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was das für ein langwährendes gesellschaftliches Trauma darstellt, wenn eine Generation lang ein Regime wütet, das die halbe Bevölkerung vernichtet, Familien auseinanderreisst, den Kindern die Hände abhackt, die Frauen vergewaltigen lässt.
Dafür hat das Land nie irgendeine Entschädigung erhalten.

(Boah, mir steht das bis hier. Und ich bin noch nicht mal bei der Ära 1908-1960 angekommen, als der Kongo unter belgisch-staatlicher Kolonialherrschaft stand.)

So wie ich das verstehe, wurde die Gesellschaft im Kongo in der Kolonialzeit tiefgreifend zerstört und traumatisiert, danach noch weitere 50 Jahre ausgebeutet, danach die Selbstbestimmung durch die Freiheitsbewegung torpediert, indem einem Diktator geholfen wurde, sich an die Macht zu putschen, nur 5 Jahre nach dem Ende der Kolonialbesatzung. Noch schnell ein Link zu einem Artikel über die Ermordung Patrice Lumumbas.

Also, unterm Strich.. wer sich ein wenig für Kolonialverbrechen, afrikanische Geschichte und dergleichen interessiert, findet in dem Land ein Fass ohne Boden der europäischen Verbrechen, und ich muss keine Politikwissenschaft studieren um zu dem Schluss zu kommen, dass viele der heutigen Probleme im Kongo, auch die Menschenrechtssituation der Frauen im Kriegsgebiet, sehr viel damit zu tun haben.

Zur gleichen Zeit kommen Feministinnen aus Europa und den USA und erklären den kongolesischen, im Bürgerkrieg um Rohstoffe vergewaltigten Frauen, sie sollen aufstehen und tanzen, sich die Gewalt nicht mehr bieten lassen, wir seien doch alle im gleichen Boot, alle Frauen, weltweit, und jetzt tun wir uns zusammen. Ohne dass sich auf die Ursachen der sexuellen Gewalt auch nur kurz bezogen wird. Gleichmacherisch. Ich kann diejenigen verstehen, die da mitgemacht haben, weil jede Publicity im mächtigen Westen vielleicht Hoffnung bringt – es schauen einfach schon viel zuviele viel zu lange weg. Auf dem One-Billion-Rising Event sprach auch Dr. Denis Mukwege, der mit vielen Friedens- und Menschenrechtspreisen für seine Arbeit für vergewaltigte Frauen ausgezeichnet ist. September 2008 zitierte ihn das Amnesty Magazin:

“Was mich wundert, ist, dass alle Welt weiß, was hier passiert, und niemand etwas tut”, sagt Mukwege.

Ich kann aber auch verstehen, wenn es Aktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen im Kongo gibt, die sagen: Wie arrogant und geschichtsvergessen ist das denn? Wie in dem Artikel von Natalie Gyte erwähnt.

Ich war bei OBR, und ich finde es unterm Strich gut, dass überhaupt Öffentlichkeit geschaffen wird für Gewalt gegen Frauen* und Mädchen*. Aber ich habe durch diese “Wir Frauen – Weltweit” Aktionen, anlässlich der Kritik an ihnen, auch mal nur kurz über den Tellerrand geguckt und bin einfach nur entsetzt und beschämt deswegen, was an Verbrechen, die im Kolonialismus geschehen sind, mir schon bei diesem kurzen Blick entgegenkam – und wie sehr das hier in der weißen europäischen Gesellschaft beschönigt, verdrängt, verschwiegen bleibt.

Da gibt es noch viel zu tun.

Ich bin nur ein Mensch, eine Person, die nur wenig und seit kurzem darüber weiß, keine Expertin, sogar eklatant ungebildet, was diesen Teil der Geschichte angeht. Leider auch zu ungebildet, um Euch gute Links zu wirklichen Expert_innen zu geben. Was ich mir angelesen habe, kann man sich auch an einem Abend anlesen, wenn man entsprechend Wikipedia liest und bei Amnesty sucht. Daher kann das eigentlich nur eine Aufforderung an mich selber sein und an Leute, denen es so wie mir geht, dran zu bleiben, sich zu informieren, zuzuhören und das was geschehen ist, anzuerkennen und nicht zu vergessen und zu verschweigen wie bisher.

6 thoughts on “One Billion Rising. Ihr wollt Kongo? Da habt ihr Kongo..

  1. DANKE DISTEL. für die viele zeit und kraft und liebe, die du in das hier steckst.

    darf ich?

    ich bin weiß, weiblich, halb deutsch, halb österreichisch (kann sein, dass meine uroma vom fahrenden volk war, aber das weiß man nicht so genau). nie getauft worden, jahrgang 74, nach wie vor konfessionslos aus überzeugung, und wär lieber als tier zur welt gekommen. der vater hat seit frühester kindheit und bis ins erwachsenenalter meine familie massiv durch z.t extreme häusliche gewalt zerrüttet, meine mutter hat es sich gefallen lassen. und wir hatten nie geld.

    dass sie den menschen im kongo die hände abgehackt haben (beide!), weiß ich schon seit vielen jahren (das ist keine kritik, ich mein nur, was hilfts, ändert es was? was ändert was? irgendwas muss es doch geben, das was ändert) das muss man sich mal vorstellen. und dass mit dem kautschuk-geld die belgischen prachtstraßen gebaut wurden, in denen die abstämmlinge von buuren bis heute ihre aufmärsche machen, ohne dass jemals überhaupt eine entschädigung auch nur angeboten wurde (abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man sowas ent-schädigen soll – genausowenig wie ich mir einfach unmöglich vorstellen kann, wie man sowas überhaupt machen kann). statt dessen fährt das belgische königshaus hin und macht große gesten und winkt mit den armen und ein paar humanitären geldscheinen und macht ein fernsehgesicht, das gut zu haustieren und kleinen dunkelhäutigen babies aus sos-kinderdörfern passt.
    ah, und wusstet ihr: in BRÜSSEL ist das hauptquartier der eu. sicher zufall. jaja, das leben schreibt eben die witzigsten geschichten. wenn ich kongolesischer abstammung wär – ich glaub, ich hätt irgendwie einen hals.

    amerika hält sich immer noch seine indianer-ureinwohner in reservaten. stellt euch mal vor, es gäbe judenreservate in deutschland. ich bin deutsch und konfessionslos und absolute pazifistin (aber nicht gegen freiheit, meinung, wut und aggression, die anständig begründet und vetreten werden kann), ich darf das sagen, oder? dahinten in israel können sie auch nicht einfach mal aufhören mit dem scheiß.
    wo sind eigentlich die kollektivschulden anderer länder? als deutsche weiße unterschichten frau, die inzwischen promoviert ist und tagtäglich mit dem männlichen weißen akademischen und ökonomischen überheblichkeitsgetue konfrontiert ist, darf ich das glaub ich mal fragen.

    und ich bin auch nur ein mensch. jeder mensch, oder? ist doch jeder mensch auch nur _ein_ mensch. dann sollte sich jeder mensch vielleicht auch so benehmen und nur das benutzen, was er selber tatsächlich braucht und sein gehirn zum miteinander anständig umgehen benutzen,
    jetzt, wo man so langsam sieht, was die folgen des klimawandels und anderer umweltschäden sein werden (in dem bereich kenn ich mich ganz gut aus, weil ich da arbeite), was passiert jetzt? werden die grenzen und netze erst recht dicht gezogen. auf der straße muss frau sich immer noch dumm anquatschen lassen. die wirtschaft und die konzerne kassieren weiter ab, es gibt längst ausgeprägte neue strukturen von sklaverei und die staaten in ihrer unendlichen dreistigkeit und verlogenheit verplempern die letzten jahre, die noch bleiben, um das mit der temperaturerhöhung, den daraus resultierenden folgen und das artensterben (von dem kein einziger wissenschaftler weiß, was das noch für folgen haben wird) wenigstens einzudämmen, geschweige denn zu stoppen.

    die machen mit absicht nichts anders. weil sie sich die reste, die der inquisitions-kolonial-kapitalismus (das hat nie aufgehört) übriggelassen hat, unter den nagel reißen wollen. und alle anderen “niederen” menschen, die nicht “fit” genug for survival sind, sollen sterben, dann reicht es nämlich auch wieder für alle. ich fürchte, so denken die. und das ist aktuell der status.
    soweit ich das beurteilen kann, aber ich beschäftige mich damit nun auch schon seit geraumern jahren. und ich find einfach keine andere antwort. denn so schwierig ist das nun auch wieder nicht zu durchschauen und so schwierig ist das nun auch wieder nicht, etwas zu ändern, vor allem dann nicht, wenn man sich doch selber dauernd auf die fahnen schreibt, dass man alles erreichen kann, eins der oder das mächtgste land der welt ist oder nichts unmöglich ist und der mensch als krone der schöpfung ja ach so intelligent ist.
    man müsste einfach nur freiwillig die machtpositionen abgeben bzw. entakkumulieren. und einfach alle gleichwichtig nehmen. popeleinfach. weiß jedes kind.

    prost mahlzeit. europäer dieser welt, kolonialherren und amerikanische und sonstige weltmachtideologen vereinigt euch und zieht ihr doch den karren aus dem dreck. ihr wisst doch so genau, wie alles geht. macht es selber. macht euern dreck selber weg.

    mir erklärt keiner die welt, der das verursacht hat. kein staat, kein herrscher, kein krieg und kein wasweißichwas hat das recht dazu, diese sachen, von denen alle leben und die für alle wichtig sind, weiter zu stehlen und kaputt zu machen. und dann noch rumzuprahlen damit, dass das fortschritt sein soll und mit dieser begründung anderen reinreden und weiterhin bestimmen, was das gute, wahre, schöne und die hochkultur dieser welt ausmacht. schreddern, entsorgen oder kompostieren und alles neu machen.

    • Natürlich ändert es was, wenn das Wissen um dieses Menschheitsverbrechen Allgemeingut wird. Das wäre der erste Schritt. Danach sollte eine Entschuldigung erfolgen. Und danach sollten Reparationen erfolgen – auch wenn natürlich Verbrechen in diesem Ausmaß nie angemessen entschädigt werden könnten. Ich habe gelesen, dass deutsche Diplomat_innen absichtlich in Namibia nie das Wort “Entschuldigung” in den Mund nehmen, stattdessen “Versöhnung” usw. sagen, weil das Wort “Entschuldigung” zu Reparationsforderungen führen könnte, es ist ein Schuldeingeständnis. Ja klar, und zahlen will ja niemand.
      Ich bin ja auch total für “macht euren Dreck selber weg”. Aber es sieht wohl so aus, als müssten wie immer, wir denen in den Arsch treten, damit auch nur von weitem der Handfeger und das Kehrschaufelchen angeguckt wird. Und leider blöd, dass “wir da unten” für mehr nicht die Macht haben, also dass “die da oben” hingehen und echt den Dreck wegmachen müssten. Aber das ist halt das alte linke Dilemma, auch wenn nicht viel Aussichten sind, gar nichts tun ist auch keine Option.

      Ich denke ja nicht so in Nationalitäten sondern lieber in Machtverhältnissen, und deshalb ist für mich nicht die Frage nach “Kollektivschulden anderer Länder” vs. “Kollektivschuld in Deutschland” , überhaupt finde ich “Kollektivschuld” und “Schuld” keine konstruktiven Begriffe. Verantwortung, Machtverhältnisse, das sind für mich Begriffe wo man was mit machen kann. Klar gehört, wie schon gesagt, zur Übernahme von Verantwortung auch ein Schuldeingeständnis, aber das dient ja nicht dazu sich nun in der Schuld zu suhlen. Es dient dazu, dass denen, die Unrecht erlebt haben, endlich einmal, und zwar von den Verantwortlichen oder wenigstens von deren Erben, gesagt wird: “Was euch angetan wurde, war Unrecht.” Alles andere schreibt die Verachtung der Menschen, denen Unrecht getan worden ist, weiter und weiter fort!

      • Hallo Distel, Habe mir nur deinen ersten Eintrag zu OBR und den Anfang des Kommentars von “rrr” gelesen.
        Zu deinem Eintrag: OBR geht tatsächlich nicht nur die Frauen und Kinder und Männer im Kongo was an! Du scheinst dich nur darauf zu konzentrieren. Sind Vergewaltigungen überall auf der Welt, und Missachtung der Würde von Frauen und Kindern (und Männern auch in einigen Fälle) nicht mindestens genauso schlimm?
        Der Kolonialismus hat viel Schaden angerichtet. Nur gibt’s da auch zu wissen, dass viele Afrikanische Stämme schon immer verfeindet gewesen sind, und es heute noch sind, und das -was schon bestand- haben die Kolonialisten gnadenlos ausgenutzt. Die Existenz der Stämme und deren Feindseligkeit haben sie (wir) aber nicht erfunden. Auch Nordafrikaner, also Araber, haben sich fleissig an den Sklavenhandel bereichert, und zwar zum Teil lange vor den Kolonialisten.
        Aber zurück zum Punkt: Vergewaltigung, Missbrauch und auch Missachtung bestehen leider ständig und überall, auch wo kein Krieg ist, auch wo es fast allen relativ gut geht. Darum ist OBR SEHR GUT, dr sich an die breite Masse wendet, an alle wendet. Es ist eine überall grassierende Mentalität, die zu bekämpfen ist.

        • Ja, weil das mit der damaligen Schreckensherrschaft doch total krass ist. Darauf hab ich mich dann konzentriert und darüber hab ich was geschrieben, ja. Dass es andere Dinge gibt, die “genauso schlimm” sind, ist nicht mein Thema gerade. Deshalb mag ich jetzt auch nicht über das andere reden.
          Aber hast du das gewusst, was im Kongo vor 100 Jahren geschah?
          Leute, ich bitte darum: Ich schrieb hier von der Ermordung von 10 Millionen Menschen.
          Jede_r einzelne Kommentator_in kam an mit Relativierungen. Ist anderes nicht genauso schlimm? Sind afrikanische Gesellschaften nicht auch beteiligt gewesen? USA, sind die nicht auch schlimm? Etc. pp.
          Ich finde das sehr schade und schmerzlich.

          Und nicht ich habe angefangen, den Kongo “vorzuschieben” wo es usprünglich um eine weltweite feministische Aktion ging. Sondern wiederholt, (erst die Slutwalks 2012, jetzt OBR) wurde, ohne dass ich das gefordert habe, der Kongo angeführt, gefeatured und ich würde fast sagen, instrumentalisiert als Argument oder um herauszustreichen, wie wichtig, wie legitim die jeweilige Aktion ist. Deshalb ist meine Überschrift auch “Ihr wollt Kongo? Da habt ihr Kongo.” Ich hab mir das nicht ausgesucht. Jetzt wo ich das recherchiert habe, habe ich etwas gefunden, was mir erstmal viel näher gegangen ist und das habe ich mir als Thema gewählt in meinem Blog.

          Bitte, macht doch mit den Relativierungen Schluss. Ich mag keine Aufrechnerei mehr lesen müssen, also was andere Länder an “genau so schlimmen” oder “noch schlimmeren” Verbrechen auch begangen hätten, kein Herumschieben der “Mitschuld” an afrikanische Völker, und auch kein Aufrechnen von Sexismus gegen Rassismus oder Kolonialismus. Dieses Menschheitsverbrechen, um das es hier geht, hat nie angemessene Erinnerung erfahren. Ich wünsche nicht, dass es weiterhin so behandelt wird, als wäre es das nicht wert und man könne es im gleichen Atemzug schon wieder relativieren. Ich bitte euch zunächst mal um ein bischen Respekt vor den Toten. Danke im Voraus!

          Ach ja, und PS: Ich habe an OBR selbst teilgenommen und den Tanz geübt, ein Schild gemalt etc. Ich kritisiere manche Sachen trotzdem. Und hier wollte ich nur sagen, wie ich darauf kam, und das Hauptthema ist tatsächlich die Schreckensherrschaft im Freistaat Kongo und der Umgang mit der Erinnerung daran, und nicht mehr OBR.

  2. nee, genau, zahlen will ja niemand. dann ist eine entschuldigung eine lüge, weil man weiß, dass die verschuldung sich unter anderem in geld und waren für die verschulder niederschlug (abgesehen von “zahlungen” für verschuldete leiden).

    “kollektivschuld” war eher polemisch gemeint. weil das für die deutschen so ein gängiger begriff ist (aber es ist halt ein begriff, wie ein sack oder orden, den man jemandem anhängt. und damit hat sich das doch meistens. und das eigentlche problem spaziert munter weiter herum).

    wie wärs mit: “es tut uns unendlich leid, das geht auf keine kuhhaut, was damals passiert ist, wollt ihr mit uns dasselbe machen zum augleich und das geld geben wir euch auch alles wieder, natürlich – weil wir haben ja jetzt verstanden, dass das nicht in ordnung war? würde euch das was bringen? oder macht einen vorschlag, was unser staat oder volk statt dessen für euch machen soll.”
    was ich damit meine ist: diese unrechte haben grenzen und spielräume verschoben, geringe untere bereiche und höhere bessere bereiche ausgeprägt und etabliert (das versteh ich unter machtstrukturen und staatengebilde sind darin meiner ansicht nach untrennbar und z.T. sehr explizit verstrickt, u.a. weil sie diese verhältnisse mittels gesetzen, ökonomien und allen möglichen anderen gremien in wirklichkeit betonieren).
    anständig wäre meiner meinung nach mindestens sowas wie: die definitionsrechte über diese grenzen und gefälle freizugeben. so ne art quellcode für die regeln nach denen das spiel funktioniert.

    wie issn das eigentlich mit macht? das frag ich mich oft. wo fängt das an, was damit endet, dass der oder die eine etwas kriegt und ein oder eine andere etwas verliert (und sei es nur ein verhandlungserfolg, eine entscheidung in einer diskussion). oder was ist das, was entsteht, weil alle was gewinnen? wer ist alle, wenn bestimmte leute von vornherein schon viel bessere voraussetzungen haben?

    was ich eigentlich blöd finde ist von “uns” und “denen” zu sprechen. ich finde es eigentlich blöd kategorien zu ziehen. andererseits hab ich keine lust dazu, dass hart erkämpfte räume immer wieder aufgebrochen werden, nur weil es leute gibt, die die infrastruktur, über die sie verfügen, dazu einsetzen, für “ihresgleichen” so viel rauszuholen wie es nur geht – ungeachtet dessen, welche ausbeutung das für andere oder die ressourcen bedeutet, bzw. ungeachtet dessen, wieviel sie selber tatsächlich brauchen.

    internet und so ist ja auch so ein thema. informations- und austauschfreiheit. fast sowas wie reisefreiheit.

  3. Es kann einem schwindelig werden, wenn man bedenkt, dass unser relativer Wohlstand zu einem großen Teil auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren und natürlichen Ressourcen beruht. Man müsste sich für so vieles engagieren und weiß kaum, wo man anfangen soll. Zeit, Kraft und Geld reichen einfach nicht…hört sich auch wieder blöd an…ich habe kein Lösung, schon gar keine klugen Ratschläge für andere.

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