Schnaps zur Hand..?

..fragte Accalmie auf Twitter und verlinkte diesen Artikel von Che samt Kommentaren. 

In Kürze: Schon wieder ein Blogpost (ganz kurz) aus der Serie “Ich raffe Eure Gegensätze nicht”.

Naja, zunächst denke ich mir: blöd dass ich als prinzipielle Abstinenzlerin diesen Link angeklickt habe, ohauerha. Ich mag auch nicht wirklich gross was aufdröseln versuchen, dazu hab ich auch grad keine Energie übrig. Was mir aber so auffiel ist das da:

“Es sind ja eben solche akademisch-mittelschichtigen, die feministische Linguistik zwanghaft noch im breitesten Biertischgespräch gebrauchenden (und zugleich meine kurdischen und persischen Freund ausgrenzenden) StudentInnen gewesen, aus deren Gesellschaft ich damals geflüchtet bin, und zwar in die Gesellschaft von Geflüchteten hinein.” (Zitat Che, Direktlink dazu)

Schönes Wortspiel, aber davon abgesehen, und das schien mir so in mehreren Postings in verschiedenen Blogs und auch in der “Critical Whiteness Debatte” in Deutschland 2012 ein wenig so zu laufen: Es wird wieder mal so einsortiert in “Geflüchtete, die total locker und selbstironisch sind und die _echte Probleme_ haben und keine Zeit für so Pillepalle wie “Alltagsrassismus”” und “Critical Whiteness-Linke StudentInnen, die total verwöhnt und überakademisch mit _eingebildeten Problemen_ Pillepalle statt den _echten_ Rassismus (TM) thematisieren.”

Folgerichtig nennt Che dann auch die Leute, die er so kennt “realiter Diskriminierte” (die “Anderen” sind dann nur eingebildet diskriminiert).

Diese Unterscheidung sagt doch am meisten über diejenigen aus, die sie unbedingt machen müssen. Ich raffe sie nicht. Ich komme zu diesen Critical Whiteness-Geschichten nämlich andersrum als Che: Ich hatte mit Geflüchteten zu tun und Jahre mit Geflüchteten zusammengelebt, und durch die Perspektive, die bei mir dadurch ganz schön zurechtgerückt worden ist, komme ich ja dahin, in “kritischem Weißsein” und der Beschäftigung damit eine große Chance zu sehen.  So abstrus und akademisch-lebensfremd finde ich kritisches Weißsein gar nicht, im Gegenteil, ich befasse mich (leider sehr langsam und schleppend) gerade theoretisch damit und erinnere mich an Dinge, die Schwarze geflüchtete Freunde seinerzeit sagten, deren Tragweite ich damals noch nicht erfassen konnte, aber wo der Groschen jetzt, beim Theorie “nachbüffeln” erst so richtig fällt.

In dem Buch “Mythen, Masken und Subjekte. kritische Weißseinsforschung in Deutschland” gibt es den “vierstimmigen Prolog” der Herausgeberinnen, darunter “Ein Schwarzes Wissensarchiv” von Maureen Maisha Eggers. Darin schreibt sie, dass subalterne Schwarze Subjekte schon lange vor der “kritischen Weißseinsforschung” Weißsein erforscht und Wissen darüber gebildet und weitergegeben haben. Sie schreibt: “Schwarze Menschen haben Weiße immer ganz genau – wenn auch unauffällig (…) observiert, taxiert und analysiert”.

Das ist vielleicht ein akademischer Text, und ich habe einige Sätze darin mehrmals lesen müssen, bis ich sie halbwegs verstanden habe, aber da gehts nicht um akademische Dinge, sondern um die Realität von Menschen, die sich in einer Gesellschaft befinden, wo Weiße Macht über sie haben. Ich lese diese Dinge und sehe darin die Vorgänge beschrieben und analysiert, die damals zwischen weißen Linken und Schwarzen Geflüchteten im scheinbar “Privaten” abgegangen sind. Und wie sich das anschliesst an Dinge, die ich von Schwarzen Menschen  gehört und gelesen habe, und wie das gar nicht zwei verschiedene Bereiche sind, der “alltägliche Rassismus” und die “realiter-Diskriminierung a la Che (=Diskriminierung von Geflüchteten)” und wie es vielleicht gar nix gebracht hätte, sich vor den “lästigen Diskursen” in die Gesellschaft von Geflüchteten zu flüchten, weil da die Diskurse genauso fällig sind. (Ich könnte mir heute noch bei dem Gedanken in den Arsch beissen, dass einige dieser weißen Linken bis heute noch denken, sie hätten den Geflüchteten damals doch gut geholfen und alles wäre chic gewesen. Letztendlich war der Kram nur innerhalb einer Mediation thematisierbar und diese hat auch nur bewirkt, dass ich den gelaufenen unbewussten Rassismus einmal kurz thematisieren durfte, ohne kollektiv in den Boden gematscht zu werden, bzw. die Mediatorin hat die aufkommende Empörungs-Stampede dann gestoppt. Aber geschnallt hat trotzdem keiner was.). Vielleicht stört die meisten auch nur ein bestimmter Kommunikationsstil oder eine bestimmte Szene-Umgangsweise. Aber Critical Whiteness ist weder ein Kommunikationsstil noch eine Szene-Subkultur und wenn, dann soll sich diese Szenesubkultur ein anderes Wort dafür suchen was sie macht.

Dann verlinke ich am Schluss die Texte, die vor dem von Che in der Reihenfolge kommen (und die eh jede_r kennt, nehm ich mal an) und die ich gut fand:

28 thoughts on “Schnaps zur Hand..?

  1. Ja, in dem was Du über Linke und Geflüchtete sagst und andeutest, erkenne ich mich leider wieder. Erst war ich diejenige, deren Sprachkenntnisse und Wissen über Deutschland gebraucht wurde, und dann hat sich das so fortgesetzt, obwohl die Personen, denen ich immer noch zu helfen glaubte, inzwischen ganz gut ohne mich klargekommen wären.
    “Bestimmter Kommunikationsstil”: ich gebe zu, dass ich damit Schwierigkeiten habe. Und zwar weniger mit dem gerechten Zorn mancher oder vieler POC, sondern eher mit einer gewissen Arroganz von (manchen, nicht allen) weißen Critical-Whiteness-Bewegten gegenüber anderen Weißen, also mit dieser ganzen Holier-than-thou-Haltung. Ich habe gerade unter Linken schon einige Säulenheilige fallen sehen, deshalb neige ich dazu, ihnen zu misstrauen, was aber eher mein persönliches Problem ist. O.k., von den Rechten erwarte ich auch gar nichts, darum bin ich den eigenen Leuten gegenüber wahrscheinlich kritischer.
    Was die Theorie betrifft, ja, muss ich auch nachlernen. So viele Bücher, so wenig Zeit…

    • Ich glaub ja, dass z.B. der Che, dessen blog ich hier verlinkt habe, bestimmt ein hervorragender Refugee-Aktivist ist. Ich las wo, ich glaube auch bei Momorulez, dass er einen sehr guten Ruf hat was das angeht, und wie er über Geflüchtete schreibt, merkt man auch, dass da Freundschaften, ein Vertrauensverhältnis besteht. Und wenn so was besteht, und ich hatte seinerzeit auch die Ehre, dass Vertrauen und ein paar Freundschaften entstanden, dann merkst du das schon daran, dass sowas, wie du das erzählst.. hm.. (“Linke bevormunden Geflüchtete/Geflüchtete manipulieren Linke”) gar nicht mehr vorgekommen wäre.
      Und ich glaube, das ist gar nicht die private “Schuld” der Leute, die involviert sind, sondern da wirken krasse Machtverhältnisse, und gerade was Geflüchtete angeht, die so gut wie rechtlos sind, bestehen krasse Machtunterschiede. Ich war mal dabei, wie weiße, bieder aussehende Bildungsbürger_innen aus der “Theaterszene” einem bitter armen, illegalisierten Menschen sein allerletztes Geld aus der Tasche gepresst haben und sich dafür nicht geschämt haben! Die haben Lunte gerochen, dass der Mann keinen Aufenthaltsstatus hat und sie nur die Polizei zu rufen brauchen, und das haben sie brutal ausgenutzt. Und wenn du sowas erlebst, (und als Geflüchtete_r wirst du sowas sicher gelegentlich erleben, dass rechtlich abgesicherte Menschen deinen Status ausnutzen), wirst du vorsichtig sein mit Informationen rausgeben, mit Abhängigkeiten, mit allem. Und das erleben dann rechtlich abgesicherte Menschen als Manipuliererei, aber da gehts tatsächlich ums Überleben. Da können wir erstmal gar nix für und das muss man aushalten, dass bei krassen Unterschieden in der rechtlichen und finanziellen Situation von Menschen das Vertrauen erst mal nicht da sein kann.
      Naja, mir hat jedenfalls diese Perspektive die ich durch die Freundschaft mit Geflüchteten und “sans papiers” haben durfte, gezeigt, dass es nicht um “Schuld” geht und nicht um “Holier than thou”, wirklich echt gar nicht. Darum geht es nicht und die theoretischen Texte in dem Buch “Mythen, Masken und Subjekte” drehen sich auch gar nicht darum. Die drehen sich konkret um Macht, Privilegien, Perspektivenwechsel. Und darum gehts ja, nicht um weiße Kommunikationsstile und linke Säulenheilige. Bei allem Verständnis für das Unbehagen mit Linken Moralpredigten, Säulenheiligen und “sittenchristlichen” Vorstellungen, aber wieviel Raum wollen wir diesem Unbehagen eigentlich noch geben bzw. ist das noch verhältnismässig?

      • “Popanz” ist ein gutes Wort. Von Zeit zu Zeit.

        Ich meine damit: Es ist wichtig genau hinzugucken, was jemand tatsächlich tut. Das Führen von Gesprächen in gebloggter oder getwitterter Form ist in meinen Augen zu wenig. Das gilt auch dann, wenn die eigenen Texte und Ansichten mit ganz viel Theorie übergossen werden wie ein an sich mäßiger Kuchen mit Zuckerglasur. Denn am Ende zählt nicht die Inszenierung, sondern das tatsächliche Tun – und die tatsächlichen Verhältnisse. Mit Rufmordmethoden zu operieren, halte ich auch aus diesem Grunde für fragwürdig, und zwar ganz egal, ob zu diese Behufe CWS-Begrifflichkeiten zitiert werden – oder halt nicht.

        Sorry, das klingt vielleicht härter als es sein soll. Als armer Mensch, “religiös Randständiger” und generell als Mensch, der seit einigen Jahren Abfall und Biotonnen durchwühlend am Rand lebt, fehlt mir jedenfalls die Einsicht dafür, wafür es gut sein soll, jemand verächtlich zu machen, der in nicht zu knappen Ausmaß AntiFa- und Flüchtlingsarbeit geleistet hat – und als Mensch in hohen Maße umgänglich ist.

        Ich habe zunächst Respekt für jeden, der wirklich etwas tut, und sich damit deutlich aus der eigenen Komfortzone heraus bewegt. Meinungsunterschiede können jedenfalls auch ohne Verächtlichkeit ausgetragen werden. Das gilt imho für diejenigen in ganz besonderen Maße, bzw. sollte für diejenigen besonders gelten, die eben tatsächlich Bildungsbürger und Wohlstandsbürger sind.

        Oder? Ich mein ja nur.

        (auch wenn sich das “in akademisch” bestimmt überzeugender formulieren lässt)

        • Ich weiss jetzt nicht, ob du mich meinst und meinen Artikel mit der Verächtlichkeit, aber wenn ja, dann verstehe ich das nicht so ganz. Wie du darauf kommst. Ich versteh auch nicht, wer für dich hier “Bildungsbürger” und “akademisch” sein soll. Was du mit Rufmord meinst, ist mir völlig unklar.

          Edit: Danke für die Erklärung, ich habe dir eine Mail geschickt!
          Edit 2: Leute, gebt doch bitte funktionierende Emailadressen an; diese werden nicht veröffentlicht, d.h. sie werden nicht von Spamsammlern aufgegriffen, aber ich kann euch wenigstens mailen, wenn es um Fragen der Moderation geht.

          • CWS ist in meinen Augen eher ein Mittel zu Selbstüberprüfung und Selbstkritik.

            Und eben nicht: Eine überlegene Ideologie, mit der sich die fundamentale Falschheit von politisch Andersmeinenden beweisen lässt, die man dann in grundfalscher Anwendung von CWS (bzw. dem, das man für CWS hält) geringschätzig “reaktionär” nennt.

            Ich weiß nicht, ob ich damit die Angelegenheiten richtig beurteile. Das ist aber im Moment meine Sichtweise dazu.

            Wobei ich (zumal als “PoC”) noch anmerken möchte, dass CWS nur ein theoretisches Werkzeug unter vielen darstellt.

            Die Welt ist viel größer.

            (Diesen Beitrag habe ich in Absprache mit Lothar editiert, im Prinzip alles Persönliche und innerlinks-Konflikt-bezogene rausgenommen und ein paar Aussagen/Thesen zu Critical Whiteness stehen gelassen, die meiner Meinung nach den Kern des Kommentars bildeten. Distel)

  2. “sondern eher mit einer gewissen Arroganz von (manchen, nicht allen) weißen Critical-Whiteness-Bewegten gegenüber anderen Weißen, also mit dieser ganzen Holier-than-thou-Haltung”

    Was dann ja eben mit Mitteln der “Critical Wihiteness” auch wieder kritisiert werden kann, das ist doch die Pointe. Ebenso, Flüchtlinge mit akuten Traumatisierungserfahrungen mit Akademikersprech zu belegen, wäre mittels “Critical Whiteness” zu unterlassen.

    Das sind doch Popanze, die da aufgebaut werden, um wieder PoC ignorieren zu können – indem man auf die teils imaginierte Haltung anderer Weißer Bezug nimmt. Da wird ja auch der oben verlinkte Text einfach selbstwidersprüchlich (habe nur das Zitat gelesen, ansonsten lese ich da nicht mehr – man findet da aber unzählige Diagnosen über meine schwer pathologische Psyche, das ist ganz lustig :D ); was der ja fordert, ist das Ablassen von “White Supremacy” Flüchtlingen gegenüber.

    Nur das in einem Kontext des reinen Ichismus: “ICH musste flüchten vor den Feministinnen, weil sie MIR den Stammtisch versauen”. Das ist ja eine merkwürdige Verknüpfung, die da statt findet, dass nun auf einmal die “feministische Linguistik” da auftaucht. Weil wohl wer von der Mädchenmannschaft zu fasziniert ist.

    Da werden die Flüchtlinge ja schnell wieder ziemlich egal, wenn es um “noch die breitesten Biertischgespräche” geht, wo der deutsche Mann ja auch mal die Sau raus lassen sollen können dürfen darf. Und dann wird auch noch irgendein “vor” oder “jenseits der Frauenbewegung”, also der “feministischen Linguistik”, in das Zusammensein mit Flüchtlingen hinein gelesen, was nun selbst hart an Rassismen vorbei schrappt – das eröffnet, wohl ungewollt, aber doch, den Kontext des Gegen68, ein ’68, das mit Black Panther, Stonewall und Frauenbewegung eher us-amerikanisch verstanden sei. In diesem Sinne wird in genau den Ecken der “linken Veteranen” im Zuge der PC-Kritik ja auch gegen die Schwule und Lesben polemisiert, vor allem gegen letztere.

    Da kippt das dann halt um ins Reaktionäre; und das ist ja eine hochaktive Gruppe von Altlinken rund um die Flüchtlingsräte, die gerade sehr lautstark gegen PoC-Konkurrenz, die mit mit viel Engagement mittels US-Ansätzen die Diskussion in Deutschland überhaupt erst mal anschlussfähig machen, agitiert. Weil sie es gewohnt sind, paternalistisch einen verkürzten Aktionismus mit ein paar weißen Platzhirschen zu pflegen, und nun ausrasten, wenn sie auf einmal auf Augenhöhe mit PoC diskutieren sollen, die deren eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen.

    Das sind teils imposante Sachen, die Che und solche wie er auf die Beine gestellt haben, was die Historie betrifft, war das notwendig und verdient allen Respekt. Nur dass mittlerweile ja alle in Jahrzehnten aufgebaute Netzwerke bis in die Mainstream-Medien hinein genutzt werden, um PoC (und Lesben wie auch Feministinnen im Allgemeinen) das Maul zu stopfen. Und das ist nicht mehr komisch, sondern spielt direkt der Neuen Rechten in die Hände.

    PS: Vermutlich habe ich Dir gerade keinen Gefallen getan, Distefliege, weil es zu befürchten steht, dass hier gleich eine ganze Horde ehemaliger Mistdiskutanten einfällt. Aber vielleicht hast Du Glück und sie bleiben weg ;) … und den Kontext finde ich erwähnenswert.

    • Mach dir da mal nix draus ;) ein oder zwei sind ja schon mal hier gewesen und haben kommentiert. Ich kann nicht versprechen, dass ich die gleiche Geduld aufbringe wie du immer in deinem Blog – wenn das hier zum Gruppenerlebnis zu werden droht, kann das sein, dass ich einfach aus Zeit- und Ressourcengründen hier den Saft abdrehe oder die Kommentare temporär schliesse, weiss ich noch nicht.

      Du hast völlig recht, dass CW ein solches ausgrenzendes Verhalten eigentlich an sich schon verbietet oder genau das doch hinterfragt wird!
      Das Thema Antirassismus und Queer_Feminismus finde ich in dem Zusammenhang auch super interessant, denn ich bin von weißen Linken damals, als ich mit oben erwähnten Geflüchteten und Illegalisierten zusammenlebte, total oft gefragt worden, wie ich als Feministin mit “denen” das eigentlich aushalten würde. Wo ich gemerkt habe, wie diese weißen Linken (meist Heteromänner) ihre Projektion von “chauvinistisch” auf die “Fremden” projiziert haben. Da bin ich echt froh dass wir da heute (jedenfalls in der queerfeministischen Szene) mal ordentlich einen Schritt weiter sind als diese billigen Projektionen weiter auszuwalzen, dank Schwarzem Feminismus. Der Göttin sei’s gedankt.

  3. Keine Sporge, ich bin gleich wieder weg. Nur so viel dazu:

    @”Es wird wieder mal so einsortiert in “Geflüchtete, die total locker und selbstironisch sind und die _echte Probleme_ haben und keine Zeit für so Pillepalle wie “Alltagsrassismus”” und “Critical Whiteness-Linke StudentInnen, die total verwöhnt und überakademisch mit _eingebildeten Problemen_ Pillepalle statt den _echten_ Rassismus (TM) thematisieren.”

    Folgerichtig nennt Che dann auch die Leute, die er so kennt “realiter Diskriminierte” (die “Anderen” sind dann nur eingebildet diskriminiert).” —— Was ich bei mir drüben schreibe geschieht vor dem Hintergrund eigener Erlebnisse. Den Anspruch Allgemeingültiges zu schreiben habe ich nicht. Und ich erlebte, dass die Geflüchteten die in meinen engen Bekanntenkreis gehören/gehörten keine diskriminierungsfreie politisch aufgeklärte Sprache sprechen, sondern rassistische und sexistische Stereotypien in beißendem Sarkasmus auf die Schippe nehmen, und zwar den ganzen Tag lang. Ich habe keine Ahnung, ob Geflüchtete das sonst auch tun, meine Erfahrungen beschränken sich auf eine Gruppe KurdInnen aus dem Irak, die vor deutschem Giftgas nach Deutschland geflüchtet sind, eine afrodeutsche Bekannte in Bremen mit Rotlichthintergrund und späterem Studium, einen indischen Geschäftspartner und einen kleinen Kreis deutschtürkischer KollegInnen. Ich verstehe mein Blog nicht als politisches Projekt, sondern als eine persönliche Plauderseite, auf der außerdem Kampagnenaufrufe aus dem Antirabereich gepostet werden. Das Ichbezogene meines Blogs ist also zwangsläufig.

    Ich bin auch nicht vor Feminismus geflüchtet, sondern vor der ätzenden Moralinsäure einer ganz bestimmten Männergruppe und der Tatsache, dass unter der Maßgabe oben ist wer die korrekteste Sprache gebraucht und die tollsten Theoriezitate möglichst oft bringt neue Hierarchien gezimmert und sehr sehr schnell Leute ausgeschlossen wurden (und zwar zuerst die Dropouts, der erste Ausgegrenzte war der einzige Bisexuelle in der Gruppe). Wenn ich allerdings diese Debatten um MM verfolge und mir dabei die Tonalität ansehe fühle ich mich an das damals erlebte erinnert. Kann auch völlig unberechtigt und reiner Irrtum sein; das Internet krankt daran, dass es so etwas wie Gestik, Mimik, Tonfall, Haltung, Sprechgeschwindigkeit nicht gibt.

    Ansonsten haben die Flüchtlingsräte nichts mit dem Nobordercamp zu tun, und Tsianos, Bernau, Rönicke kennen einander nicht mal, vielleicht wissen die gar nicht, dass es die jeweils Anderen überhaupt gibt.

    So, das wars von meiner Seite, habe keine Lust, wieder in alten Gräben zu liegen.

    • Moin Che! Danke für deine Stellungnahme. Ich denke, ich kann das einfach mal so stehen lassen. Dass ich die Sache anders erlebe und halt diese abschreckenden Erlebnisse mit “Moralinlinken” scheinbar gar nicht so habe, hab ich ja schon beschrieben.
      Wenn du beißenden Sarkasmus und Ironie magst, dann müsstest du eigentlich auf das Blog der MM-Autorin Accalmie stehen – http://stoptalk.wordpress.com. Ich komme da immer sowas von auf meine Kosten.

  4. Wobei ich nicht gesagt haben wollte, dass ich mich als von Geflüchteten “manipuliert” empfunden habe. Eher sehe ich den Fehler bei mir, weil ich vorneweg geprescht bin, statt mal abzuwarten oder zu fragen, was die Geflüchteten selbst für eine Lösung für ein Problem hätten. Darauf wollte ich eigentlich hinaus, sorry, wenn das anders rübergekommen ist.

    • Ach so ist det.. na dann brauchst du dich eigentlich gar nicht wiedererkennen, weil was ich meinte, waren eher Linke, die dachten, sie hätten da mords sich was aus den Rippen geschnitten (sie haben Geflüchtete für lau in einem Hausprojekt wohnen lassen, das sowieso nicht soviel Miete gekostet hat und wo viele Zimmer sowieso leer standen oder dauerhaft unbewohnbar waren aufgrund des Bauzustandes) und dafür könnten diese ja noch bitte etwas dankbarer sein, ein bischen ordentlicher sein, weniger Besuch haben, weniger Lebensäusserungen von sich geben und überhaupt möglichst wenig existieren und dafür aber bitte öfter auch mal danke sagen. (Öhmja, das war jetzt sowohl überspitzt als auch krass verkürzt dargestellt).

  5. Hi Distelfliege, danke für den Tipp Ich hatte Accalmies Blog schon mal überflogen, aber so richtig den Zugang noch nicht gefunden. Dass die besonders ist habe ich aber schon gemerkt.

    • Hi Identitäskonstruktion..

      Ich will deinen Kommentar nicht veröffentlichen, da er hauptsächlich einen persönlichen Konflikt mit Momo enthält, für den mein Blog nicht die Arena darstellt.
      Wenn du die Teile des Kommentars, die sich um Mehrfachdiskriminierung drehen, aus deinem Kommentar extrahierst und sie so formulierst, dass sie auch für Leute interessant sind, die weder dich, noch Momo, noch Che kennen, kannst du das als Kommentar zu meinem Artikel bei mir im Blog ja nochmal posten.Ich habe dir den Kommentar an die Adresse gemailt, die du angegeben hast, damit du bei Bedarf und wenn du möchtest, die Stellen rausziehen kannst, die ich hier stehen lassen würde – die Mail kam aber eben als unzustellbar zurück.

      Ansonsten kann ich dir empfehlen, selbst ein Blog zu eröffnen, wenn du überall so oft gelöscht wirst, dort musst du dich an keine Kommentarregelungen Anderer halten und kannst obendrein noch selber welche aufstellen. Ich werde hier auf keinen Fall meine knapp bemessene Freizeit und Kraft reinballern, einen jahre alten Konflikt zwischen Blogger_innen anderer Blogs und deren Kommentator_innen zu moderieren. Respektier das bitte.

      Gruss Distel

  6. Ist schon OK, ich gehe wieder. Bin ich ja nicht anders gewöhnt. Vielleicht werde ich dann morgen mal einen eigenen Blog aufmachen, für den sich dann eh niemand interessieren wird, oder wo ab und zu mal ein paar Nicht-Psychiatrisierte reinschauen, um ihr Gewissen zu beruhigen und mir zu helfen.

  7. Sorry, das war echt gemein von mir. Dein letzter Satz war ein Trigger. Ich bin ein Leben lang darüber belehrt worden, dass ich doch bitte die Grenzen anderer zu respektieren hätte, wenn ich über meine eigene Traumatisierung spreche. Natürlich respektiere ich die – aber ich kann doch auch nichts dafür, wenn sich andere bedrängt fühlen (oder ich anfange das zu glauben und es dann immer nur noch schlimmer mache, weil ich immer das Gefühl habe, ich müsste mich dafür entschuldigen oder rechtfertigen) – sobald ich nur mal den Mund aufmache und ehrlich sage, “woher ich komme”.

    • Dass du hier nicht freigeschaltet wirst, liegt nicht daran, dass du Psychiatrieerfahrung hast, sondern dass mein Blog nicht dein Blog ist und eben nicht für deine persönlichen Themen und Geschichten da ist, sondern für meine und für das, was mich persönlich interessiert. Ich habe das hier nämlich aufgezogen. Ich hab hier Arbeit reingesteckt. Ich mach mir hier die ganze Zeit ne Birne.
      Ich glaubs ja kaum, dass ich mal mit der “Ich kenne auch Leute” Nummer hier ankomme, aber: Glaub bloss nicht, dass du die einzige Person mit Psychiatrieerfahrung und Trauma bist, die hier rumgurkt. Es gibt leider viele andere. Viele.

      • Jetzt bin ich in einem Konflikt, weil ich Deinen letztes Posting als sehr laut und verletzend empfunden habe. Als schizophren gelabelt zu sein, fühlt sich dann vielleicht doch noch ein bissl anders an, was den Schamfaktor betrifft. Und traumabedingt hochsensibel zu sein und sämtliche Außenreize mit all ihren Untertönen ohnehin schon hundertfach verstärkt wahrzunehmen, heißt auch, dass man sich von lauter Sprache manchmal sehr schnell bedroht und ausgegrenzt fühlt. Daher habe ich es ja auch in etlichen Selbsthilfegruppen nie lange ausgehalten. Ich war immer das stille kleine Mäuschen – und sobald ich den Mund aufgemacht habe – egal wie und wo – haben das viele als grenzüberschreitend erlebt, wenn ich sie aus meiner mehrfach stigmatisierten Position heraus (schwul und auch noch “psychotisch”) kritisiert habe. und natürlich weiß ich, dass es anderen genauso geht. Von daher ist es ja auch völlig OK, dass Du mich löschst, und natürlich weiß ich, dass Du in diesen Blog viel Arbeit gesteckt hast und dass psychiatrische Stigmatisierung hier nicht das Thema ist, auch wenn es natürlich etliche Querbezüge gibt. Das hier habe ich ja jetzt auch nur noch deshalb geschrieben, weil Du mich angeschrieen hast oder ich das zumindest so wahrgemommen habe. Übrigens ist das Ausreden eigener Wahrnehmungen – immer wieder kollektiv durch (fast) alle anderen – einer der Hauptgründe dafür, dass Menschen psychotisch werden. Bei mir ging es ja damit los, dass sich lauter männliche Heten von mir sexuell belästigt fühlten, sobald ich sie nur mal nett angelächelt habe – und dass mir vorgeworfen wurde, ich würde die Tatsache, dass ich diskriminiert werde, nur erfinden und instrumentalisieren, um meine Mitmenschen zu manipulieren und ihnen Schuldgefühle einzureden. So viel also nur zu dem Thema, was Stigmatisierung und Diskriminierung aus Menschen machen kann. Und spätestens, wenn Du in dieser Nummer einmal drinhängst, kommst Du da eh nicht mehr raus. Weil selbst diejenigen, die Dich nicht expressis verbis pathologisieren, Dir immerhin noch zu verstehen geben, dass mit Deiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Ich lasse mir das nur nicht mehr einreden – das ist der einzige Grund, warum ich heute wieder weitgehend gesund bin. Ich mache nämlich auch nichts anderes, als um mein Überleben zu kämpfen – und von außen betrachtet sieht das manchmal natürlich ganz schön pathologisch aus. Ich weiß aber, dass Du das so nicht gemeint hast – und natürlich hast Du Recht, dass Dein Blog dafür nicht da ist. Daher texte ich Dich hier ja auch nicht in dem Maße zu, wie ich es vorher aus lauter Verzweiflung mit anderen gemacht habe, die mir gar nicht zuhören wollten. Du hast mich ja weitaus besser verstanden.

        • Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute mit deinem eigenen Blog, so du eins erstellst und schreibst. Selbst wenns keiner liest, kann das ja für einen selber was bringen. Ich blogge ja auch deshalb, weil es mir selbst was bringt, meine Gedanken zu ordnen.

          Und ja: Mein letzter Kommentar war ablehnend, ich habe dich damit in Schranken gewiesen, und das fühlt sich für dich sicher scheisse an. Das ist mir klar, aber ich hoffe, dir ist auch klar, dass du nicht von den Schranken abhängig bist, in die ich dich hier weise. Nur in diesem einen Raum in diesem Blog – aber die Welt ist nicht mein Blog, und das ist ja auch gut so.

          • Es ist nur ein bissl Scheiße, wenn man nirgendwo mitreden darf, selbst wenn man Ahnung vom Thema hat. Als mehrfachdiskriminierter Schwuler darf ich ja noch nicht mal in schwulen Blogs mitdiskutieren – weil es als übergriffig empfunden wird, wenn ich anderen Schwulen vorwerfe, dass sie aus historischen Gründen ziemlich psychophob sind und ein zwanghaftes Bedürfnis verspüren, sich von Leuten wie mir maximalst möglich abzugrenzen. In den Selbsthilfegruppen der Psychiatrisierten war es ja dann zum Teil nicht anders – obwohl die Toleranz da zum Teil schon weitaus größer war – auch erfahrungsbedingt. Dann schickt man mich also in mein eigenes Blog, lässt mich dort heilsame Selbstgespräche führen und wundert sich dann darüber, warum Leute wie ich schizophren geworden sind. Wer ein bisschen was von Schizophrenie versteht, weiß ja auch, wie viel das mit “autistischem” Rückzug zu tun hat und warum es einsam, depressiv und suizidal macht, wenn man irgendwann nur noch Selbstgespräche führen kann.

            Wahrscheinlich wirst Du (oder Ihr) mir aber viel besser erklären können, was mit mir nicht in Ordnung ist.

            Ich werde also nun nicht in meinen eigenen Blog gehen. Ich werde nur im Leben keinen Ort mehr aufsuchen, so sich nur einfach Stigmatisierte austauschen. So viel dann dazum Thema “Probleme der Mehrfachdiskriminierung” – das war ja das, was Du von mir hören wolltest. Das hast Du jetzt gehört. Und jetzt bin ich hier weg. Auch wenn Du es viellecht nicht glauben magst: Es gibt mittlerweile genügend Menschen in meinem Leben, die es sogar mit Leuten wie mir in einem Raum aushalten, und die mich sogar gerade dafür mögen, dass ich so bin, wie ich bin. Da verhalte ich mich dann nämlich eigenartigerweise auch viel “sozialer”. Ich habe es nur aufgegeben, solche Menschen in politisch aktiven Kreisen zu suchen – denn da geht es am Ende doch immer nur um Macht und Privilegien.

            • Wie du meinst. Ich habe meinen Teil gesagt, und wenn du dir keinen Ort schaffen möchtest, wo du die Dinge, die du zu sagen hast, ungestört von mir und Anderen und ungestört von dem, was wir in unseren (!!) Blogs schreiben und besprechen möchten, ausformulieren kannst, dann ist das deine Sache. War ja nurn Tip, weil du so traurig mit der Tatsache bist, dass die Blogs andere Leute nicht geschaffen wurden, um dir und deinen persönlichen Problemen eine Publikationsplattform zu sein. Die wurden nämlich von mir und anderen geschaffen um uns und unseren persönlichen Problemen eine Plattform zu sein. Überraschend, gell. Ist aber so.

              Und nur damit wir uns verstehen: Das war der letzte Kommentar von dir, den ich hier unter diesem Beitrag freigeschaltet habe, es sei denn, du hast noch was zum Thema meines Beitrags auf Lager, was ich aber nicht glaube.
              Howdy.

  8. Mein einziger Beitrag zum Thema Critical Whiteness wäre, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es ziemlich nach hinten losgehen kann (nicht muss), wenn Privilegierte bzw. NIcht-Diskriminierte anfangen, sich für die Rechte der Unterdrückten einzusetzen. Das kann dann nämlich so bizarre Formen annehmen, dass die Privilegierten anfangen, den Nicht-Privilegierten erklären zu wollen, dass sie irgendein Problem mit internalisierter struktureller Gewalt hätten, wenn sie nicht bereit sind, sich von ihnen die Welt erklären zu lassen. Dass – um beim Beispiel Critical Whiteness zu bleiben – die “selbstkritischen Weißen” es eben auch als Abwehr benutzen können, wenn sie den PoC erklären, dass die ein Problem mit internalisiertem Rassismus hätten, wenn sie den Weißen nicht glauben, was Rassismus ist. Zum Beispiel weil sich ein Weißer so im Hinterkopf denkt: “Ich habe ja hier in Europa eine viel bessere Schulbildung genossen – und wenn eine PoC z.B. aus einem afrikanischen Land nach Europa gekommen ist, kann sie ja gar nicht wissen, was Rassismus ist – weil da ja die Bildung viel geringer ist als hier”. Natürlich sagt so was niemand explizit – aber im Hinterkopf spukt es rum. Und im Hinterkopf spukt eben so einiges rum, wenn politisch linke Privilegierte mit Nicht-Privilegierten zusammentreffen. Z.B. auch, dass es OK ist, Leute mit anderen Diskriminierungserfahrungen (Heterosxismus, Sexismus, etc.) hier zu Wort kommen zu lassen – Menschen mit Psychiatrierfahrung aber nicht. Weil der menschliche Geist eben sehr flexibel ist und sich dann auf einmal tausend gute Gründe zurecht legt, warum man diesen Menschen jetzt hier partout nichts schreiben lassen darf – an die man dann natürlich auch felsenfest glaubt. Vielleicht ist die Wahrheit aber auch eine ganz andere: Vielleicht werden diese Gründe nur vorgeschoben, z.B. weil man als NIcht-Psychiatrisierter das Bedürfnis verspürt, diesen “unmündigen” und “unberechenbaren” Menschen vor sich selbst zu schützen. Oder weil man z.B. niemals bewusst denken würde: “Der ist ja paranoid und fühlt sich nur grundlos von mir gelöscht” – sondern weil man es dann eben aners formuliert, damit aber dennoch zum Ausdruck bringt, dass mit der Wahrnehmung dieser Person etwas nicht stimmen würde. (“Du bildest Dir nur ein, dass ich ein Problem damit hätte, Psychiatrieerfahrenen zuzuhören. Ich habe sogar Freunde, die psychiatrierfahren sind – also kann ich Dich gar nicht diskriminieren. Der wahre Grund, warum ich Dich hier nicht haben will, ist doch, dass Psychiatrieerfahrung hier nicht das Thema ist.”)

    Nur dass eben Heterosexismus, Sexismus, etc. hier auch nicht das Thema ist – und Du diese Leute hier trotzdem auch zu diesen Themen schreiben lässt – weil Du da nämlich dann auf einmal den indirekten Bezug zu Critical Whiteness erkennst. Bei der Frage, wie Du als antidsikriminatorisch Aktive hier die ganze Zeit dabei bist, eine diskriminierte Person nicht zu Wort kommen zu lassen – und tausend gute Gründe dafür zu erfinden – da erkennst Du den Bezug zu Critical Whiteness (bzw. fehlgeschlagener Critical Whiteness) natürlich nicht, wenn ich mich darüber beschwere. Du findest es auch völlig OK, einer diskriminierten Person wie mir ins Gesicht zu sagen, dass Du sie hier nicht haben willst und sie bitte in die Ecke gehen soll, um Selbstgespräche zu führen, damit die nicht von dieser Art der Diskriminierung Betroffenen (die Nicht-Psychotiker) sich hier weiter austauschen können.

    Aus meiner Diskriminierungserfahrung heraus ist mir völlig klar, warum Du hier allen anderen Diskriminierten zuhören kannst, nur nicht jemandem, der das Label “Schizophrenie” auf der Stirn kleben hat. Weil Du nämlich Deine eigenen Stereotype gegenüber Schizophrenen nicht reflektierst und meinst, wenn Du ein paar Leute mit “harmloseren” psychischen Störungen in Deinem Freundeskreis hast, hättest Du damit doch schon genug Toleranz bewiesen. Du hast überhaupt keine Ahnung davon, wie es sich wirklich für mich anfühlt, hier weggeschickt zu werden – weil Du ja nicht die Erfahrung machen musstest, wirklich ÜBERALL und IMMER WIEDER mit so fadenscheinigen Argumenten aus Diskussionen ausgeschlossen zu werden, die “vernünftige”, nicht-psychotische Menschen eben lieber unter sich führen würden.

    Und wenn Du jetzt erwidern solltest, dass Du mich doch noch hier wegschickst, weil ich die ganze Zeit am Thema vorbeischreiben würde: Dann darf ich Dich freundlich darauf hinweisen, das Du mich am Anfang unserer Kommunikation darauf hingewiesen hast, dass ich hier auch zum Thema Mehrfachdiskriminierung an sich (und nicht nur explizit zu Critical Whiteness) etwas schreiben dürfte und dass das dann auch hier stehen bleiben würde, solange es sich eben nicht nur um den Konflikt mit Momo drehen würde (wobei ich ja in meinem ersten gelöschten Posting gerade in diesem Zusammenhang die Brücke zu Critical Whiteness und zu Ches Beobachtungen geschlagen hatte, dass Mehrfachdiskriminierte – wie ich – bin ja auch noch schwul – als erstes überall rausfliegen).

    Dann forderst Du mich also auf, etwas Interessantes über die Erfahrungen von Mehrfachdiskriminierten zu schreiben – aber dass ich hier mit meiner Mehrfach-Diskriminierten-Perspektive aus einem Blog nach dem anderen rausgeflogen bin (und die Leute vielleicht auch nur deshalb so verzweifelt zutexte, weil mir bislang nirgendwo zugehört worden ist) – das reicht Dir als Erfahrungsbericht nicht aus. Dann schreibe ich noch mehr explizit über Mehrfachdiskriminierte – nachdem Du mich eben dazu aufgefordert hattest – und dann schickst Du mich trotzdem weg.

    Weißt Du, ich habe gar kein Problem damit, ein eigenes Blog aufzumachen. Ich nutze im Moment Facebook, um mich u.a. auch mit anderen Betroffenen auszutauschen, und da schauen auch Nicht-Betroffene rein und liken unsere Beiträge. Das ist also gar nicht das Problem.

    Das Problem ist vielmehr, dass doch mehr als offensichtlich ist, warum Du mich hier rauskickst, ganz egal was ich schreibe. Du sagst, weil es Dein Blog ist und Du hier das Moderationsrecht hast. Klar hast Du das. Aber dann sei doch wenigstens so ehrlich, dass der wahre Grund ist, dass Du hier mit tausend anderen Diskriminierungserfahrenen (ob PoC, Frauen, Schwule, Lesben, Transgender) über Critical Whiteness philosohieren willst – aber einen “Psycho” wie mich da nicht dabei haben möchtest .- weil Du Angst vor extrem verwirrten oder “geisteskranken” oder “manipulativen” Beiträgen hast (so wie auch Momo). Nicht weil meine Beiträge das wirklich wären oder ich Dir irgendeinen Hinweis darauf gegeben hätte (dann könnte ich es ja noch verstehen) – sondern nur weil Du meine Diagnose kennst (die ja noch nicht einmal mehr aktuell ist) – weil ich sie Dir dummerweise verraten habe. Und natürlich sagst Du dann: “Nein, lieber Martin, das bildest Du Dir nur ein. Ich diskriminiere Dich doch gar nicht.”

    Und genau da siehst Du doch, warum um Selbstkritik bemühte Weiße PoC auch oftmals bevormunden und versuchen, die darüber zu belehren, was Rassismus sei und was nicht. Da spielt sich doch das Gleiche in Grün ab, was Du hier mit mir abziehst. Du sagst mir ja auch, dass Du mich nicht diskriminierst, dass ich Deine Motive ganz falsch einschätzen würde, dass das alles doch in Wahrheit ganz andere Gründe hätte, etc. Dass Menschen sich ihrer eigenen Motive aber oftmals gar nicht beuwsst sind, muss ich Dir wohl nicht erklären. Du nennst mich auch nicht explizit paranoid, bemerkst aber gar nicht, dass eben diese Stereotype unausgesprochen in Deinem Kopf herumgeistern und Dich dazu veranlassen, mir ständig zu erzählen, dass ich mich zu Unrecht von Dir diskriminiert fühlen würde. Genau wie ein/e selbstkritische/r Weiße/r (im Sinne von Critical Whiteness) einer/m Schwarzen ja auch nicht ins Gesicht sagt, dass er sie über Rassismus belehren will, weil er als Weißer eine bessere Schulbildung genossen hätte. Die Stereotype spuken aber trotzdem in seinem Kopf herum – und genau deshalb versucht er, die PoC eines besseren zu belehren.

    Genauso betrachte ich dann auch die paternalistischen Versuche von Leuten wie Momo, beurteilen zu können, wann PoC internalisierten Rassismus produzieren und wann nicht. Nicht dass es so etwas wie internalisierten Rassismus nicht gäbe – und nicht dass es nicht auch wichtig wäre, sich als Weißer davon zu distanzieren – aber ob man das dann wirklich so offensiv machen muss, dass man als weißer Mann in seinem eigenen Blog darüber schreibt, dass diese oder jene PoC doch nicht wirklich verstanden hätte, was Rassismus ist und wie er funktioniert – das finde ich dann schon nicht mehr in Ordnung. Ich meine, man kann sich auch innerlich davon distanzieren, ohne PoC in der Öffentlichkeit darüber zu belehren, dass sie keine Ahnung von Rassismus hätten. Und nichts anderes hat Momo in seinem letzten Beitrag zu Critical Whiteness ja gemacht. Ich sage ja nicht, dass er sich dazu keine Meinung erlauben dürfte – ich mache mir ja z.B: auch ein Bild davon, was jüdischer Antisenitismus oder internalisierte Islamophobie ist – aber deshalb würde ich niemals versuchen, als Nicht-Betroffener mitreden zu wollen, wenn Diskriminierte sich mit ihren eigenen Lebenserfahrungen auseinandersetzen. Aus diesem Grunde würde ich mich ja z.B. auch niemals einmischen, wenn eine Muslima sagt, dass sie Kopftücher Scheiße findet – geschweige denn ihr unterstellen, dass sie damit die deutsche Mehrheitsgesellschaft gegen Muslime aufhetzen würde. Diese Frau hat ja dann selber multiple Diskriminierungserfahrungen (als Muslima und als Frau) – und wer wäre ich, dass ich als weißer Mann versuchen würde, ihr die Welt zu erklären. Ich kenne ja ihre Motive gar nicht – vielleicht wurde sie auch zum Kopftuchtragen gezwungen und hat Gewalt erlebt – da sollte ich als weißer Mann doch dann auch einfach mal still sein können und empathisch zuhören. Natürlich würde mich das aber nicht dazu veranlassen, dann in die Welt hinaus zu ziehen und zu erzählen, dass Kopftücher grundsätzlich immer ein Symbol der Unterdrückung wären, dass keine Frau sie freiwillig tragen würde, und dass muslimische Männer ihre Frauen unterdrücken würden. Das würde ich niemals sagen, weil ich es noch nie so gesehen habe, und weil mir solche pauschalistischen Rundumschläge zuwider sind. Deshalb muss ich aber noch lange nicht der Muslima, die von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Kopftuch spricht, den Mund verbieten.

    So sehe ich es dann auch mit CW: Klar ist es wichtig, dass ich als Weißer mich damit auseinandersetze. Aber wenn das dann am Ende dazu führt, dass ich mich hinstelle und voller Stolz verkünde, dass ich ja jetzt selber weiß, was Rassismus ist und was nicht, und dass ich daher das Recht hätte, einer weiblichen PoC internalisierten Rassismus zu unterstellen, weil sie Kopftücher Scheiße findet (und das dann noch als weißer Mann, der von dieser Thematik in überhaupt keiner Weise betroffen ist) – dann ist da doch wohl gewaltig was schiefgelaufen mit meiner Critical Whiteness.

      • Siehst Du, das sehe ich nämlich genauso. Ich bin immer bereit zuzuhören und mir von anderen erklären zu lassen, warum ich sie vielleicht diskriminiere, ohne es zu merken. Ich bin sogar ein Leben lang derat offen für alles gewesen, was andere, die irgendwie in Not waren, mir gesagt haben (solange ich gespürt habe, dass keine Gewalt von ihnen ausgeht), dass ich irgendwann schizophren geworden bin – denn wer für alles offen ist, ist eben irgendwann auch nicht mehr ganz dicht. In welcher Weise Du nun glaubst, dass mein Beitrag für sich sprechen würde, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest konnte ich mit direkter Kommunikation immer beser umgehen als mit irgendwelchen in den Raum geworfenen Andeutungen – diese Art der Kommunikation kann nämlich auch schizophren machen. Und jetzt warte ich nur noch darauf, dass Du mir ins Gesicht sagst, dass ich nie schizophren gewesen wäre – weil Schizophrene ja niemals gesund werden können (- weiß ja jeder -) und ich hier nur einen auf schwul und auf Psycho machen würde, um mir Zugang zu DIskussionen zu verschaffen, die mich gar nicht betreffen – weil ich natürlich gar kein Opfer sein kann und so was sowieso nur behaupte, um mich wichtig zu machen – weil ich halt in Wahrheit nur ein böser, böser, machtgeiler Mensch bin, der gerne andere manipuliert. Wenn Du natürlich bereit sein solltest, die Zeit dafür zu opfern, mir zu erklären, was an meinen Statements z.B. aus Deiner Sicht rassistisch war, oder wovon Du Dich vielleicht sogar persönlich diskriminiert gefühlt hast – dann bin ich doch der erste, der bereit ist, Dir zuzuhören und mich selbst kritisch zu hinterfragen. Ich habe doch ein Leben lang nichts anderes gemacht als mich selbst radikal kritisch zu hinterfragen (Psychosen können ja auch durch einen schlagartigen Zusammenbruch sämtlicher Abwehrmechanismen ausgelöst werden – bei mir war es der zwanghafte Versuch, meine Abwehr zu unterdrücken, in Kombination mit meiner Intelligenz und meiner emotional hochsensiblen Persönlichkeit) – nur dass ich eben mittlerweile auch nicht mehr über meine ganz persönliche Schmerzgrenze hinausgehe. Das habe ich dann eben doch gelernt. Die Schmerzgrenze hat sich aber im Laufe der Zeit immer mehr “geweitet” – das heißt, mir tut immer weniger weh, und ich kann mich heute weitaus radikaler selbst hinterfragen, als ich das früher konnte – und zwar ohne durchzudrehen. Insofern kannst Du mir hier auch so ziemlich alles an den Kopf knallen, was Du willst, und ich werde mich immer noch damit auseinandersetzen können. Weil ich ja auch gelernt habe, die Aggressionen und Verletzungen, die von anderen ausgehen, als Teil deren überlebensnotwendigen Empowerments zu begreifen. Nichts anderes habe ich ja auch getan. Wir müssen uns bisweilen aber natürlich auch alle mal voneinander abgrenzen (selbst von Diskriminierungsopfer zu Diskriminierungsopfer), um nicht vor die Hunde zu gehen. Du genauso wie ich. Insofern ist es ja auch völlig OK, wenn Du meine Beiträge löschst (was Du ja netterweise bislang äußerst selten getan hast). Es ist ja auch wirklich Dein Blog. Lösche diesen Beitrag, wenn Du willst, und ich werde in Deinem Blog nie wieder etwas schreiben. Du musst halt nur DIREKT mit mir kommunizieren – gut gemeinte Höflichkeitsfloskeln irritieren mich, wenn da noch andere Untertöne mitschwingen.

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