Zwischenblogeintrag.

Ich habe seit Tagen super viel Lust zu podcasten. Vielleicht schnappe ich mir heute mein Shownotesbuch und bereite eine Episode vor. Am Wochenende ist auch noch Wolle-Fest.

Aber erst mal dachte ich mir, ich blogge zwischendurch – seit ich aufgehört habe zu bloggen und bei Facebook auch nicht allzu viel persönliches schreibe, kann mensch mir, und was so in meinem Leben vorgeht, eigentlich nur noch folgen, indem eins meine Podcasts anhört. Und das ist verständlicherweise nicht jedermenschens Sache, und angesichts deren Länge ein ziemlicher Zeitfresser, vielleicht interessierst du dich auch nicht für Stricken oder für Gelaber über Stricken.

Also. Was läuft derzeit im Hause Distelfliege?

Eine Freundschaft, die in der letzten längeren Zeit etwas gelitten hat unter wenig Kontakt, anderen Lebensproblemen, wenig Zeit und leider auch keine Energie, das anzusprechen, wurde in eine andere Bahn gesetzt, die aus einer (naja, empfind ich halt so) Sackgasse endlich wieder herausführt. Oder auf einen anderen Weg gebracht. Gehen müssen wir den halt schon noch. Aber das hat mich ziemlich in Anspruch genommen und ich bin jetzt sehr froh, wenn Auseinandersetzungen geführt werden, anstatt dass es “ohne Angabe von Gründen” immer mehr abkühlt. Ich bin in der Vergangenheit manchmal (selten, zum Glück) von Freundinnen (und Freunden) ohne Rückmeldung und ohne einen Grund zu erfahren “abserviert” worden, d.h. es war halt einfach aus und ich erfuhr nie, was eigentlich war, ob irgendwas, was ich getan habe, die andere Person verletzt oder enttäuscht hat… und das war immer scheiße. So möchte ich selber nicht sein, zumindest nicht gegenüber Leuten die mir wichtig sind oder es waren.

Ein_e Freund_in von mir hatte sich neulich in eine politische Diskussion verstrickt und sich darüber geärgert, und ich hatte auch neulich eine Debatte darüber, ob polytheistische Heid_innen in Deutschland diskriminiert sind oder nicht. Auch mit leider unerfreulichem Ergebnis: Wir gingen wütend und ohne Verständigung unserer jeweiligen Wege.

Manchmal frage ich mich, ob meine Sensibilität für Diskriminierungsthemen einen Punkt erreicht hat, wo manche einfach nicht mehr mitkommen. Dann frage ich mich, ob ich irgendwie sektiererisch wirke. Vielleicht ist das auch so. Es ist auch nicht mein Job, mir Gedanken zu machen, wie andere Leute damit umgehen, dass es sehr unterschiedliche Perspektiven auf eine Sache geben kann. Ich kann für mich damit umgehen. Wenn Andere dafür einen Weg finden, ist das für mich okay. was nicht okay ist:

Persönlich angegriffen zu werden, als irrational, verblendet und fanatisch abgetan zu werden.

Unterschiedliche Blickwinkel erfordern immer Arbeit. Wenn dann noch ein Machtgefälle reinkommt, d.h. eine Perspektive kommt von einem privilegierten Standpunkt her, dann kann das schon schwierig werden. Weil die Arbeit des Entgegenkommens einer Person oft unsichtbar wird, während ein Nichtentgegenkommen der anderen Seite schon als Bemühen und Toleranz bewertet und honoriert wird. Siehe “Wir sind doch heute soooo tolerant zu Schwulen, immerhin sperren wir sie nicht mehr ein und stecken sie nicht mehr ins KZ wie unter Adolf, das muss doch langsam reichen.” (sinngemäss der Inhalt vieler Kommentare zu der homophoben Petition des schwäbischen Lehrers aus Dingensdingen)

Naja, äh, aber das ist ein Extrembeispiel. Trotzdem ist das spannend sich zu vergegenwärtigen: Ein völlig okayes zwischenmenschliches Verhalten ist schon des Lobes wert, und das Unterlassen von Verbrechen gegen die Menschenrechte ist schon “Toleranz”, und das ist die Meinung eines Teils der Gesellschaft (“bürgerliche Mitte”) in diesem demokratischen Land.

In diesem Klima ist das ein bischen schwierig, sich manchmal auf Augenhöhe entgegenzukommen und gleichermassen sich die Arbeit zu machen, die andere Person zu verstehen.

Da verstehe ich Menschen gut, die politische Diskussionen eher meiden. Und selber würde ich mich gerne auch mehr zurückhalten, nur ist meine Klappe dafür einfach meistens zu groß. Auch das hier zu schreiben, fällt mir schwer. Dieses Herumhinterfragen macht alles schwerer. Nur das Rad der Zeit zurückzudrehen geht nicht und ich wollte auch nichts ungelernt und ungehört und ungesehen machen. Dass etwas schwierig ist, heisst ja nicht, dass es nicht wert wäre, getan zu werden.

Wieder ein anderes Thema:

Eine Person aus meinem Bekanntenkreis ist an Krebs erkrankt und es hat sich herausgestellt, dass es doch ein gefährlicherer Krebs ist, und dass es doch ein fortgeschritteneres Stadium ist. Ich habe gegooglet und die 5-Jahres-Überlebensrate liegt immerhin noch bei über 80%, aber eben leider nicht bei 99% wie bei dem 1. Stadium dieser Krebsart. Ich stricke eine Mütze, weil aufgrund der Chemo bald die Haare ausfallen.

einpflegestau ravelry april 14

Das Mützenmuster ist Excess by Anat Rodan und die Mütze ist aus dünner Wolle, also Sockenwollstärke. Wenn man im Sommer Glatze hat, dann will man bestimmt keine so fette dicke warme Mütze auf dem Kopf haben.

Ich habe ja Haar-Issues. Also, seit Jahren habe ich eine Stelle an meinem Kopf, wo meine Haare sehr dünn geworden sind. Es wurde dann ein Eisenmangel festgestellt, und dessen Herkunft könnte sein, dass ich aufgrund anderer Probs einen höheren monatlichen Blutverlust habe als früher. Ob das der Grund ist für den Haarausfall, ist aber unklar. Möglicherweise habe ich mir auch durch das zu lange tragen von zu schlecht gepflegten Dreadlocks meine Haarwurzeln an Stellen ruiniert. Jedenfalls brachten Eisentabletten keine Besserung, des Eisenmangels schon, aber nicht des Haarausfalls.

Ich habe eine Weile mal gerne eine Punkerfrisur getragen, wo die Seiten abrasiert waren und man deswegen den Haarausfall an der Seite sowieso nicht so sah, und dann habe ich gedacht, ich steh einfach dazu und so Kurzhaarfrisuren getragen, wo die kahle Seite halt dann aufgefallen ist.

Neulich haben sich mehrere Kollegen und eine Kollegin die Haare ratzekurz geschnitten, und ich habe ja noch meinen Langhaarschneider, und dann habe ich gleich Lust gekriegt auch ganz ganz kurz zu haben, und hab mir die heute abrasiert:

ab

Zum Thema Kreativität, DIY, und “unfuck your Habitat” ging es hier auch etwas weiter. Vor meiner Wohnung im Treppenhaus stapelte sich seit vielen Jahren Zeug, das ich mal irgendwann verbasteln wollte. Namentlich Kartonpappe und ein Spiegel, und ein paar Dinge die zu verschenken waren.

Die Kartons verbastele ich zu maßgeschneiderten Aufbewahrungsboxen, die ich dann mit Decoupagetechnik bzw. Collage und Artjournalingtechniken aufhübsche.

Dem Spiegel habe ich mit den selben Mitteln endlich einen Rahmen verpasst.

einpflegestau ravelry april 14

einpflegestau ravelry april 14

Bei der Gestaltung habe ich einen Tip von Jademond verwendet: Mit Stempeln auf weiße Servietten stempeln und diese dann mit dem Serviettenkleber aufkleben. Ich habe mir hier ein wenig Ordnung in meine Art Journaling Sachen gebracht.

projekt kitschiger spiegel

Der Spiegel ist seit vorhin sogar aufgehangen.

spiegel

Ansonsten so… ich habe meinen Featherweight Cardigan fertig und bin sehr zufrieden damit, Fotos habe ich bei Ravelry eingestellt – dieser Beitrag hat schon genug Fotospam – und ich mache relativ regelmässig Yoga-Asanas und bin damit auch ganz zufrieden. Auf Twitter enstand so eine Aktion namens #50tageyoga, die toll war, sie lief für mich von 5.2. bis Ende März. Danach gab es die Idee, Motto-Tage zu machen und sich gegenseitig damit vollzutwittern, aber das hat nicht geklappt, bzw. nutzt es keine, ich habe ein paar halbseidene Versuche gemacht, aber da ist glaub ich niemand drauf eingestiegen. Das macht aber nichts.

Ich habe gerade nicht das Gefühl, dass ich Motivation von aussen brauche oder durch eine Gruppe, weil das Online-Yoga-Üb-Portal wo ich bin, wirklich sehr motivierende und abwechslungsreiche Programme zum mitmachen anbietet, und jeden Monat ist etwas anderes dort los.

Ich mache nach Lust und Laune Videos die für alle Levels geeignet sind, dh. auch Anfänger_innen, und zwischendurch nehme ich mir eins der “Beginners” Programme durch. Da habe ich neulich mit Anusara Yoga angefangen, weil ich in einem Text las, bei Knieproblemen sollte man das, oder Iyengar Yoga machen. Anusara Yoga basiert auf Iyengar Yoga, und dieses wiederum ist ein System von B.K.S. Iyengar, der selbst eine Wirbelsäulenverletzung hatte und Yoga für alle möglichen Einschränkungen mit Hilfsmitteln entwickelt hat, ausserdem wird bei diesen Richtungen sehr viel Gewicht auf eine korrekte Ausrichtung (Alignment) gelegt, was Gelenke und Rücken vor Verletzungen und falscher Abnutzung schützen soll.

Gerade habe ich auch eine Woche Urlaub, und die ist schon fast halb vorbei, aber ich habe die ersten drei Tage nicht geschafft in meinem Urlaub anzukommen. Bis heute mittag war ich eigentlich in “Bereitschaft”, habe auch organisatorisch was für den Betrieb gemacht, und wenn jetzt nichts weiter schief geht, ist meine Bereitschaft vor ein paar Stunden zu Ende gegangen. Das fühlt sich schon urlaubiger und entspannter an jetzt. Am Wochenende fahre ich ja dann weg. :)

Was leider konstant hinten runter fällt, ist Saxophon spielen. Ich liebe es und es macht mir Spass, aber irgendwie ist es immer auch Druck, vielleicht, weil ich zum Üben nur ein enges Zeitfenster habe, zwischen 15 und 20h jeden Tag. Wenn ich in dieser Zeit Termine habe oder grad was anderes vor, ist das schon schwierig. Die Wochen rauschen dann so an mir vorbei, und ich habe dann wieder eine Stunde und kaum dafür geübt. Seufz.

Trotzdem war die Entscheidung, das Saxophon aus dem Pflichtprogramm rauszunehmen, richtig. Ich fühle mich mental stark und kann mich auf das konzentrieren, was wichtig ist. Ich komme zwar in Verzug mit meinem Projekten, aber weniger als letztes Jahr, und ich habe tatsächlich nur zwei Dinge, die ich machen muss: Die Bäckerei und Yoga. Ersteres weil ich darauf einfach die Priorität gesetzt habe, und zweiteres auch wegen der Bäckerei, als Ausgleich zu einseitig belastenden Bewegungen auf der Arbeit. Im Prinzip ist der Betrieb einfach grade meine einzige Priorität, und das bringt mir eine Klarheit, die mir auch Kraft gibt. Das letzte Jahr habe ich viel gehadert mit nötigen Entwicklungen und meinen Zweifeln, ob das noch etwas wird mit diesen Entwicklungen. Ich habe meine eigene Planung, und meine Perspektiven abhängig gemacht von eventuellen Chancen eventueller Entwicklungen, und das hat mir sehr viel Kraft weggenommen. Jetzt habe ich einfach beschlossen, was ich plane und will und wo ich sein möchte, und dann lass ich das mal auf mich zukommen, welche eventuellen Entwicklungen laufen und welche nicht.

Vielleicht ist das ja auch “Kopf in den Sand” – also, ich kann ja den Kopf in den Sand stecken aus Pessimismus und Angst, oder auch aus Optimismus und verfrühter Freude. Sollte letzteres der Fall sein, fühlt sich das wenigstens gut an.

Tja, also so läuft der Hase!

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