Goodbye, Leslie.

Heute habe ich erfahren, dass Leslie Feinberg, feministische Transgender Aktivist*in und revolutionäre_ Kommunist*in, letzte Woche am Samstag gestorben ist.

Ich habe immer noch kein Buch von Leslie Feinberg gelesen, obwohl “Stone Butch Blues” seit ich weiß nicht wann auf der Zu-lesen-Liste steht. Vielleicht, weil ich eigentlich keine Romane lese (autobiographische aber dann wieder schon).
Trotzdem hat Leslie Feinberg mich sehr berührt und beeinflusst. Ich war 15 Jahre jünger als jetzt, ich war “herkömmliche Feministin” in einem Uni-Projekt über Frauenräume, in dem einige Leute über Gender*fuck, Trans*, etc Themen Bescheid wussten und in denen es die queerfeministische Fraktion gab und die “oldschool-Feminismus-Fraktion”. Also oldschool in dem Sinne, als dass sowas wie Sexismus und Gewalt gegen Frauen das Hauptthema dieser Gruppe war. Und die Unterdrückung und Ausschlüsse durch binäre Zweigeschlechtlichkeit das Thema der anderen Fraktion.
Wir waren es so angegangen, dass die “Genderfuck”-Gruppe Referate gehalten hat zum Thema Sexismus (weiss ich eigentlich gar nicht mehr so genau) und “wir” Referate zum Thema Transgender. Und damals “gab es ja nichts” – jedenfalls nicht die Vielfalt an Aktivistischen Kreisen, Texten und Ressourcen wie heute. (Vielleicht gab es damals auch genug, und wir waren bloss zu jung, zu hetero und zu privilegienblind, um uns zurecht zu finden!) Damals suchten wir also nach Stoff für unser Referat und fanden Leslie Feinberg.

Und in dieser Person fanden wir das, was wir dachten, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Leslie Feinberg hat sich das ganze Leben lang als Sozialist_in gesehen, hat antikapitalische Kämpfe von Arbeiter_innen, antirassistische Kämpfe, Kämpfe gegen Sexismus und gegen Cissexismus als zusammengehörend gesehen. Das hatten wir noch nie in der Form vorher gehört. (also ja, zu jung, zu het, zu unerfahren..) Leslie Feinbergs Aktivismus war eine der Brücken zwischen unseren beiden Fraktionen, und ich habe seitdem danach gestrebt, sowohl gegen Sexismus als auch gegen Zwangsjacken aus Zweigeschlechtersystemen zu sein. Auch wenn mir das viele Jahre noch nicht gelang, das praktisch zu machen, und heute bin ich auch noch am Lernen. Auch wenn Intersektionalität erst noch später auf mein Tablett kam, war das, was da kam schon nicht mehr komplett neu. Ich erkannte wieder, was Leslie Feinberg damals vertreten hatte.

Vor ein paar Jahren habe ich gedacht “Guck mal was Leslie Feinberg eigentlich grad macht”. Auf Leslies Webseite fand ich heraus, dass Xier chronisch ziemlich krank ist. Hin und wieder checkte ich Leslies Seite, aber es war um sie_ihn still geworden, und ich glaube, manche jüngeren queer_trans_feministischen Leute kennen xien noch nicht mal.

Jedenfalls: Danke von meinem weißen cishetera-Herzen, Leslie Feinberg, für deine politische Arbeit. Ich rechne dich zu den spirituellen Ahn_innen und bin dankbar, dass wir auf deinen Schultern stehen mit dem, was wir heute bewegen wollen. Du hast bewirkt, dass ich etwas wichtiges geschnallt habe, damals.
Und ich werde dein Buch lese, versprochen.
Goodbye.
Sei gesegnet.

spaziergang feb14

Achja und PS: Es sind echt beschissene Backlash-Zeiten, es wird immer kälter.. und es ist noch ein kleines Stückchen kälter geworden ohne dich. Es wäre viel kälter, wenn es dich nie gegeben hätte. <3

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