Meine erste Camping-Radtour 2015

Ich weiß nicht, wie es immer so kommt, aber dieses Jahr hatte ich immer alle Hände voll zu tun. Seit Monaten habe ich nicht richtig frei, und mir nur mal im April ein Wochenende frei genommen, um zum Wolle-Fest Leipzig zu fahren.

Umso besser: Jetzt hatte ich eine ganze Woche frei (zwei Tage davon habe ich sogar noch vor mir) und wir wollten das ausnutzen, um rauszuradeln, irgendwo zu zelten, und dann wieder zurückzufahren.

Am Montag haben wir uns entschieden, das Ganze Mittwoch/Donnerstag zu machen, denn für Dienstag waren mehrere schwere Gewitter angesagt, die von mittags bis in die Nacht hinein immer wieder vorbeiziehen sollten.

Letztendlich waren es nur zwei Schauer mit etwas Donner am Dienstag abend, naja, haben wir nicht gewusst.

Mittwoch und Donnerstag sollte es dafür bewölkt und kalt sein.

Wenigstens der Mittwoch war fast immer sonnig und noch recht warm.

Wir sind um 10 Uhr zuhause los, und fuhren zunächst zum Plänterwald, weil ich wusste, dass da der Europaradweg R1 vorbeiführt, der bis in die märkische Schweiz direkt weitergeht. Am S-Bahnhof Baumschulenweg haben wir allerdings den Weg verloren, die Beschilderung war nicht mehr vorhanden, oder wir haben ein Schild übersehen. (Wir sind das meiste nach der Ausschilderung gefahren).

Also sind wir so nach Gefühl Richtung Müggelsee gefahren, weil wir wussten, dort unten ist auf jeden Fall der R1 wieder. Unterwegs kamen wir an dieser seltsamen Industrieruine vorbei:

Radtour

Kurz vor dem Müggelsee sahen wir dieses schwimmende Haus:

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Ich glaube, es ist ein Restaurant.

Wir fuhren dann wieder auf dem R1 nach Erkner, wo am See entlang eine Ansammlung von architektonischen Sünden aufgereiht ist. Jemand hat sich eine Ritterburg gebaut. Daneben hat sich jemand so eine Villa gebaut, die aussieht wie die Badezimmergestaltung der 90er Jahre, und danach kommt ein Schwarzwaldbauernhof, usw. usw… nach dem Motto “Ausgefallen? Kann ich besser als der Nachbar!”

Ab Erkner fand ich den Weg sehr gut ausgeschildert, wobei er leider viel an der Autostrasse entlang führt. Wir wollten lange eine Pause irgendwo im Grünen sitzend machen, aber der Weg führte immer durch Orte und an der Strasse lang. Wir sind dann in Kagel beim Straußenhof von der Strasse abgewichen und ein bischen einen märkischen Sandweg entlang, wo wir dann am Rand eines Wäldchens eine schöne Stelle zum relaxen fanden.

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Und neugierige, aber ängstliche Kühe gab es auch

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Relativ bald danach hatten wir dann die märkische Schweiz erreicht. Die Pyramide von Garzau haben wir uns erspart, da waren wir schon mal gewesen – sie ist ein ziemlich hässliches Bauwerk, das ein Graf damals als Grabstätte für sich geplant hatte, und dann aber bankrott ging und seine Ländereien verkaufen musste, also nix mehr mit Grafengrab.

Die Rapsfelder blühten, ich find den Geruch ja gut, und die Landschaft ist wirklich sehr sehr schön dort. Bald waren wir am Ziel.

Eine Kollegin hatte mir einen Zeltplatz in Waldsieversdorf empfohlen. Nach dem Motto “das war nur so ne Wiese, und wir waren auch die einzigen da, total ruhig”. Und so war es dann auch. Die Zeltwiese war sehr verlassen und ruhig, das Schild der Wiese etwas in die Jahre gekommen:

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Auf einer Hinweistafel wurde eine Adresse genannt, wo wir vor der Platzbenutzung eine Gebühr bezahlen sollten. Aber in dem Gasthof war niemand und die Tür verschlossen. Ein Nachbar hat uns dann geraten, einfach auf den Platz zu gehen und morgen zu bezahlen. Ich rief den Platzwart an, die Nummer stand auch auf der Tafel dabei, aber es ging niemand ran. Wir sind dann erst mal um den kleinen Däbersee gefahren/gewandert. Ausser vielen vielen Vogelstimmen war es total ruhig, die Sonne kam auch raus, und wir entspannten uns am Seeufer.

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Auf dem Rückweg zum Platz rief mich der Campingplatzbesitzer auf dem Handy zurück, und wir machten aus, dass wir unser Zelt aufbauen und am nächsten Tag die Gebühr bezahlen. Er wollte wissen, ob er die sanitären Anlagen aufschliessen soll, aber wir meinten, er bräuchte nicht extra nochmal kommen. Direkt neben dem Platz ist ein öffentliches Klo. Wir wollten sowieso nur ne Wiese zum zelten, und die war ja da.

Gleich Gelegenheit, das Zweitzelt zu testen. Letztes Jahr hatten wir uns ein ziemliches Edelzelt angeschafft, das für mehrwöchige Touren und viele Wetterlagen und Jahreszeiten geeignet ist. Für so Eintagestouren, oder mal ein Festival, oder mal eine Städtereise, einfach sehr überdimensioniert, und ich hätte auch Angst, es allein stehen zu lassen. Also doch noch ein Zelt kaufen. Als Zweitzelt sollte es kleiner sein, aber auch leicht, und zwei Eingänge haben, also so, dass eine Person raus kann, ohne über die andere klettern zu müssen.

Also wurde es ein Eureka Spitfire Duo.

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Vom Verhältnis Platz/Gewicht ist es schon super. Ausserdem sind die zwei Eingänge wirklich klasse. Ich habe tagsüber zu wenig getrunken, und das nachmittags nachgeholt, bzw. auch abends noch viel Wasser getrunken. Das machte sich leiiider dann bemerkbar. Ich musste nachts vier mal aufs Klo. Und konnte auf meiner Seite gut aussteigen, ohne den Partner zu stören.

Auch nett ist, dass ich mich z.b. im Stehen umziehen kann, indem ich aus dem Zelt schon draussen bin, aber mit dem Füssen aber noch im Zelt stehe. Schon nett, wenn ich nicht mit Socken auf den Erdboden muss, oder mir irgendwie behelfen.

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Abends gab es lecker Maccaroni mit Pilz-Tomaten-Sojahack-Soße.

Ich schreibe mal das Rezept auf, es reicht für 2 hungrige Personen, die grosse Portionen essen können.

– 250g Maccaroni

– 50g Sojagranulat

– 2 Tomaten

– 4 Champignons

– 1 Zwiebel

– 2 Knoblauchzehen

– 1/2 Tube Tomatenmark

– etwas Olivenöl

– Salz

– Pfeffer

– Thymian

Ich habe einen Spirituskocher, damit geht das ganz gut so:

Das Sojahack war aus Sojagranulat. Davon habe ich ca. 50g in eine Schüssel getan und mit soviel Wasser bedeckt, dass alles bedeckt war. Das weicht so ca. 10 min. ein.

Die Nudeln in gesalzenem Wasser kochen. Wir fanden, die Maccaroni sind sehr schnell gar. Auf der Packung stand 7 minuten, aber die waren locker nach 5 min gar. Die Nudelmenge klappte in dem grösseren Topf des Trangia-Kochers ganz gut.

In der Zwischenzeit wurden die Zwiebeln, der Knoblauch und die Pilze in Scheiben geschnitten. Die Tomaten irgendwie in Stücke, vielleicht Achtel und die nochmal halbieren.

Wenn die Nudeln fertig sind, diese abgießen und den zweiten Topf auf die Flamme stellen, dann Olivenöl reingeben und die Zwiebeln und den Knoblauch anschwitzen. Danach die Pilze und Tomatenstückchen dazugeben und ein bischen anbraten. Zuletzt haben wir das Sojahack samt Einweichwasser, eine halbe Tube Tomatenmark, noch mehr Wasser, Salz, Thymian und Pfeffer dazugetan und alles ein bischen köcheln lassen. Das kann schon auch 5-10 min köcheln.

Am Schluss die heiße Soße mit den Maccaroni mischen.

Und natürlich essen.

Ausserdem habe ich am Strassenrand einen Tisch mit Marmeladen und einer “Kasse des Vertrauens” gesehen und hocherfreut zwei (übrigens sehr leckere) Marmeladen mitgenommen:

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Der Rückweg am Donnerstag führte über Strausberg und Altlandsberg, also “oben rum”. Es ist Himmelfahrt und wir hatten schon einiges befürchtet, aber so schlimm war es dann gar nicht. Am Strassenrand standen Grills und Gulaschkanonen, und halb Brandenburg war auf mehr oder weniger fahrtüchtigen Fahrrädern unterwegs. Männer, Frauen, Kinder und Alte hatten sich die Räder mit Flieder- und Birkenzweigen dekoriert und alle grüßten uns. Wir fuhren nur leider als einzige Richtung Berlin, alle anderen fuhren raus, und deshalb grüßten wir dann ein paar hundert Leute.

Brandenburg am Herrentag. Die Insel der Glückseligen (Weißdeutschen)

In Altlandsberg haben wir auf dem Marktplatz was gegessen, zwei Entertainer mit Vollplayback sangen “Country Roads” und “I sing a Liad für di”, und es war nicht mal so voll. Dann fuhren wir weiter Richtung Hönow. Gerade als wir den Marktplatz hinter uns hatten, bretterte eine Gruppe eher jüngerer Typen heran, die eklig laut gröhlten und herumschrien. Einzeln und im Chor. Einige hatten schon gesagt, die allermeisten würden am “Herrentag” ja mit der Familie grillen oder einen Ausflug machen und ganz brav sein.

Das mag ja fein sein, aber die wenigen, die laut sind, gröhlen und anderen irgendwas “zeigen” wollen, sind halt auch bedrohlich. Ich habe nichts von der Info, dass 90% der Männer friedlich mit der Familie grillen, wenn ich von Angehörigen einer absoluten Minderheit belästigt oder bedroht werde. Das ist leider auch das Argument mit dem “not ALL Men”. (Es sind ja nicht alle). Natürlich sind es nicht alle. Natürlich sind die meisten brav. Die Frage muss aber lauten: Reicht der Terror von den wenigen, die sich danebenbenehmen, aus, damit andere Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, sich lieber zuhause verkriechen, oder sich mit Angst im öffentlichen Raum bewegen? Wenn ja, dann besteht ein Problem mit der Mackerkultur. Und nicht erst dann, wenn es die meisten oder fast alle machen.

In dem Sinne war ich dann schockiert, als ich zuhause war, diesen Blogeintrag schrieb, und Musik und lautes Typengegröhle durchs offene Fenster hörte. Ich wohne ja in einem alternativen Hausprojekt. Als dann die zweite Bierflasche klirrte und ich rausguckte, sah ich einen betrunkenen gröhlenden Typen in die Blumenkästen der Dachterrasse pinkeln. “Ihr seid echt so eklig da oben” brüllte ich und knallte das Fenster zu und ärgerte mich. Nach der dritten zerbrochenen Bierflasche bald darauf spurtete ich mit dem Mann zusammen hoch, und da war auch schon ein anderer Mitbewohner, und wir hielten den Jungs (Es waren alles Jungs, junge Männer, Kumpels von einem der hier wohnt und auch noch nicht volljährig ist) eine Strafpredigt. Da wirkten sie erstmal ganz klein.

Aber grade tippe ich das hier zu Ende, und das Gegröhle hat schon wieder angefangen.

Boah ey. Scheiss Patriarchat. Scheiss rumgemackere. Scheiss männliche Heteropubertät.

Ich bin froh, wenn der Tag vorbei ist. Ich will nicht die Anstandstante für Jungmacker sein. :-((

Naja. Ich werde die Fenster zumachen, die Geräusche ignorieren und diesen Text lesen: Über Frauen(Lesben)-Räume, (Queer-)Feminismus und nicht-binäre Genderverortung_identifikation

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