Meine 1. Critical Mass und der alltägliche Motorismus

CN für den Artikel: Gewalt, Tod, Victim Blaming, Übergriffe..

Critical Mass Vancouver 2007-06
Critical Mass Vancouver, Foto CC-BY-2.0 by Tavis Ford

Critical Mass (Linkliste, englisch) (wikia, deutsch) ist eine Aktionsform, wo sich Radfahrende die Strasse für eine kurze Zeit erobern. Von einigen Leuten habe ich gehört: Hä, was ist daran cool oder politisch?

Daran ist cool und politisch, dass es wenigstens für kurze Zeit aufbegehrt gegen den ständigen Motorismus. (Dieses Wort habe ich mir für den Artikel hier überlegt, um einen Begriff für den Zustand zu haben, damit ich nicht jedes Mal eine lange Erklärung schreiben muss). Motorismus ist (für diesen Text jetzt mal) die Machtverteilung auf der Strasse, der Zustand, dass die Strassen zuerst dem Fortkommen von Autos und grösseren Kalibern dienen, und dass alle anderen, die die Strassen benutzen, Benutzer_innen zweiter Klasse sind. Wer zu Fuss unterwegs ist, bekommt das zwar auch zu spüren, aber so richtig zu spüren bekomme ich es, wenn ich als Radfahrerin auf der Strasse mit Motorisierten unterwegs bin.

Krakow Critical Mass, June 2009
Critical Mass Krakow, photo by bartek, CC BY-NC 2.0

Übergriffe, Respektlosigkeit und gedankenlose Gefährdung

Radwege und Radstreifen werden nicht respektiert. Darauf wird oft geparkt (auch von der Polizei) oder sie als zusätzliche Fahrspur zum rechts abbiegen genutzt. Wenn du gezwungenermassen das Hindernis umfährst, wirst du oft von Motorisierten angehupt, genötigt und gefährdet.
Überhaupt werde ich als Radfahrerin oft genötigt und bewusst eng überholt, um mir klar zu machen, dass ich “weg soll von der Strasse”, dass ich störe, im Weg bin, dass ihr schnelleres Fortkommen wichtiger ist als meine körperliche Unversehrtheit, meine Sicherheit und letztendlich auch mein Leben.
Wenn es doch mal knallt, habe ich oft erlebt, dass Motorisierte sich mehr um Kratzer im Lack kümmern als um Verletzte oder um Menschen, die einen Schock haben. Fahrer_innenflucht wird von manchen nicht mal als solche wahrgenommen, wenn niemand blutet oder bewusstlos ist, ist “ja nichts passiert”.
Ich bin auch zweimal als Radfahrerin körperlich angegriffen worden, um es mir “zu zeigen”, beide Male hatte ich großes Glück. Die Täter waren beide Male Betrunkene, deren Reaktionsfähigkeit zu sehr herabgesetzt war, so dass ich entkommen konnte. Der eine Angriff war eindeutig gegen mich als Radfahrende gerichtet, wegen dem Radfahren, weil die Art und Weise, wie und wo ich fuhr, denjenigen nicht gepasst hat. (Obwohl es sie in keiner Weise beeinträchtigt oder berührt hat) Das andere Mal weiß ich es nicht, aber es kann sein.
Insgesamt erlebe ich Street Harrassment sehr massiv – aufgrund des Radfahrens.

Ein richtiger Knaller war ein Erlebnis in einer Winternacht. Der Radweg war vereist, verschneit, saugefährlich und unbenutzbar. ich fuhr auf der dreispurigen Prenzlauer Allee in Berlin auf der rechten Spur, die geräumt, enteist und sicher war. Ein Autofahrer, der ganz alleine nachts um drei die Strasse ebenfalls benutzte, fuhr an mir vorbei und öffnete ein Fenster, um mich wütend anzuschreien, dass ich gefälligst den Radweg benutzen soll. Dieses Erlebnis war für mich echt nicht schön, weil der Kerl zwei völlig leere Spuren für sich allein hatte und sich kein bischen in mich hineingedacht hatte, was es für mich heisst, über Eiswege zu schliddern. Nein, die Strasse mit mir zu teilen, das ist eine Zumutung für ihn gewesen. Immerhin hat er mich nicht physisch angegriffen. Aber da fühle ich mich immer so ungerecht behandelt und so mißachtet, und werde frustriert und wütend. Und diese Leute fühlen sich im Recht. Und glauben, ich wäre diejenige, die sie ins Unrecht setzt. Nicht zu fassen, aber das kommt öfter vor.

(Hier ist übrigens eine gute Gelegenheit, zum Vergleich die Nichtbeachtung durch Leute zu Fuß anzusprechen. Ich erlebe es sehr oft, das Leute auf Radwegen herumlatschen, oder vor Radelnden einfach über die Strasse gehen, oder sonst halt so tun, als wären Fahrradfahrende Luft. Das mag ja ein wenig nerven. Aber es gefährdet mich nicht. Das Schlimmste, was mir passiert, ist, dass ich halt 5 Minuten später am Ziel bin. Hier kann ich selber sehen, wie es ist, wenn du als “Stärkere” auf der Straße von “Schwächeren” ausgebremst wirst. Das ist absolut kein Grund, die Schwächeren zu gefährden oder ihnen gegenüber aggressiv zu werden.)

Critical Mass - stop and go
Critical Mass in Berlin-Kreuzberg, Foto: Alper Çuğun, CC-BY-2.0

Das Nicht-darüber-reden-können

Und wenn ich mit Menschen, die nicht selber viel Rad fahren, darüber spreche, werden mir die Regelverstösse von Radelnden vorgehalten. (Victim Blaming wie es im Buch steht). Als ob ein Regelverstoss so schwer wiegt wie die Gefährdung von Menschenleben. Und apropos Regelverstoss: Ich nutze meist Radwege, Radstreifen und Fahrradstrassen. Ich habe viel mehr Berührung mit anderen Radfahrenden als Motorisierte. Und ja, sie nerven mich manchmal, fahren ohne Handzeichen, oder sind ungeübt. Aber ich hatte wegen ihnen noch nie Todesangst. Ich werde von ihnen nicht genötigt oder aggressiv behandelt. Ich fahre vorausschauend, und wenn dann eine Person doch mal unvorhergesehen und ohne Handzeichen abbiegt, bremse ich und fahre eben seufzend und kopfschüttelnd weiter. Aber wirklich: so schlimm ist das auch wieder nicht.
Wenn für die ganzen Gefahren und Angriffe uns Radelnden nicht die Schuld gegeben wird, gibts ganz oft Victim-Blaming “light”: Aber Radfahrende sind so unsichtbar! (Sind sie witzigerweise für mich nicht, ich kann sie sehen). “Sie tragen keinen Helm!” (Fast wie: Der Rock war zu kurz). “Auf einer so und so gebauten Strasse komme ich an Radfahrer_innen nicht vorbei, wenn ich sie nicht eng überholen kann” (Und? An einem anderen Auto erst recht nicht?) “Radfahrende nerven mich” (Ja, und wieder: nerven ist was anderes als Todesangst. Komm damit klar. Mich nervt der Gestank und das Platzwegnehmen von Autos auch extrem).

Dann kommen noch die Debatten unter Radfahrenden dazu, wie es “richtig gemacht wird”, also – wie ich richtig fahre, dass ich möglichst nicht umgekachelt werde, was ich anziehen soll, oder wie ich fahren soll, damit wir endlich zu unserem Recht kommen und respektiert werden. Manchmal verlieren andere Radelnde auch aus den Augen, dass nicht Alle von uns den Mut oder die Kraft haben, sich jeden Tag den Platz auf der Strasse zu erobern, Motorisierte zum korrekten Verhalten zu “erziehen” und sich ständig dafür noch anhupen und anschreien zu lassen. Auch wenn ihr was anderes richtiger findet: Wir müssen alle mit der Situation und dem täglichen Motorismus klar kommen, und es ist okay, sich z.B. für die Nutzung strassenferner Radwege zu entscheiden.

Critical Mass London 5/09
CM London 2009 – Foto: Nico, CC-BY-NC-2.0

Von der Obrigkeit: Ignoranz und beschissene Behandlung

Dazu kommt die Verwaltung und die strukturelle Lenkung des Radverkehrs. Wenn ich für jedes Schild “Radfahrer absteigen” 5 Euro hätte! Wenn Baustellen sind, werden Radstreifen einfach überbaut, oft ohne Lösungsmöglichkeit, wohin. Oder es werden Situationen so gebaut oder konstruiert, dass ich nur unter großer Selbstgefährdung weiterfahren kann, Radwege werden plötzlich auf stark befahrende Schnellstrassen “geschubst”, ohne dass für die Motorisierten Zeichen oder Warnungen aufgebaut werden. Du musst sehen, wo du bleibst. Oder ganz oft werden Radfahrende einfach auf Gehwege umgeleitet, im Extremfall auf sehr stark benutzte Gehwege. Soll ich einfach in die Leute reinbrettern? Wo soll ich denn hin? Ich soll einfach verschwinden. Auf der Strasse ist für mich von der Stadt kein Platz vorgesehen. Und ich möchte keine zu Fuß gehenden Menschen belästigen, die haben auch zu wenig Platz in der Stadt. Was soll das.
Radwege und Radstreifen werden oft nicht mitgeräumt im Winter, wenn Radrouten unterbrochen werden, gibt es keine Umleitungsschilder (das ändert sich gerade punktuell) und es gibt zu wenig öffentliche Aufklärungskampagnen, die die motorisierte Bevölkerung informieren, was für Regeln sie gegenüber Radfahrenden einhalten müssen. Auch zu wenig Kampagnen gegen Fahrer_innenflucht oder für mehr Bewusstsein für die Wucht, die ein Auto nun mal entwickelt, und dass damit verantwortungsvoller umgegangen werden muss. Oder Kampagnen, die bewusst machen, wofür das Hupen eigentlich gedacht ist.
In Zeitungen wird manchmal radfahrfeindlich berichtet: Die Eltern eines totgefahrenen jungen Mannes hingen einen Zeitungsartikel an die Laterne bei seinem Unfallort aus, auf dem stand “der Radfahrer fuhr ohne Licht”. Mit einem dicken Marker hatten die Eltern dazu geschrieben: “Es war um diese Zeit noch nicht dunkel!!” Oft dreht sich der Diskurs in den Medien, wenn es um Fahrradunfälle geht, darum, Radfahrende zu mehr Vorsicht zu erziehen. Helmpflicht und so. (Nix gegen Helmpflicht, aber der Diskurs ist halt sehr einseitig). Als weiteres Beispiel hat der ADFC davon geschrieben, dass rücksichtsloses Verhalten gegenüber Radfahrenden statistisch die meisten Unfälle verursacht, während Staatsorgane (Verkehrsminister, z.B.) Radfahrende als Problem darstellen, sie z.B. “verrohte Kampfradler” nennen oder – wieder mal – lediglich über Helmpflicht diskutieren.

Das Auto als kulturelles Symbol

Das hier zu beschreiben, würde völlig die Grenzen sprengen. Aber es ginge hier einfach noch weiter, mit dem Stellenwert, den “das Auto” in der Gesellschaft hat, wie das “den Führerschein machen” zum “normalen Lebensweg” in diesem Land dazugehört, wie Autos Statussymbole sind und benutzt werden, um Menschen einzuschüchtern, zu beeindrucken, Gewalt gegen andere Menschen auszuüben, wie die Gesellschaft tausende von Unfalltoten jährlich schlicht als Normalität hinnimmt und damit lebt, und was das eigentlich alles über uns und Autos aussagt.
Hier müsste auch geredet werden über die verinnerlichte Höherwertung von Autos, egal, ob wir selber (gerade) Auto fahren oder nicht. Und auch über die Konnotation von Radfahren als “Kindersache” (also, bevor mensch alt genug für den Führerschein ist), als “Hobby” oder als “kein richtiges fahren”. Letzteres zeigt sich sowohl darin, dass Radwege nicht wie Strassen behandelt werden, und darin, dass z.B. Betrunkene das Auto zwar stehen lassen, aber Radfahren tun sie dann sehr wohl noch.

Critical Mass Gent-juni 2015-24
Critical Mass – Gent (Belgien) 2015, Foto: Frank Furter, CC-BY-NC-ND-2.0

Es ist ja nicht alles schlecht

Ja, sicher, es gibt auch soviel Gutes. Die meisten Motorisierten fahren rücksichtsvoll. Ich kann auch mit einigen Menschen über das Radfahren reden, ohne dass sie mit Victim Blaming und Bagatellisierungen ankommen. Und zunehmend kriegt die Stadt es auch hin, grade bei neu konzipierten Strassen, Radfahrende besser einzuplanen und es für Alle sicherer zu machen. Leider seh ich keine Veränderung/Hoffnungen bei der Behandlung des Radfahrens durch Medien, und auch das Auto als Status- und sonstiges Symbol hat einfach diesen Stellenwert. Der nicht so leicht ins Wanken gerät.

Aber obwohl die Mehrheit sich okay verhält: Die paar, die es nicht tun, und das mangelnde Bewußtsein für diese Situation, und die wahrnehmbare öffentliche Ignoranz und das Wegsehen sind noch stark genug, um manchmal ganz schön genervt und gefrustet zu sein, vor allem, wenn du dir selber durch jahrelange Erfahrungen und Beschäftigung mit dem Thema ein Bewußtsein dafür geschaffen hast.
In diesem Aufruf der Kampfradler_innen ist eigentlich das meiste, was ich geschrieben habe, schon mal super gesagt worden. Und da schließe ich mich klar der Forderung an, dass schwächere im Verkehr berücksichtigt werden müssen. Das heisst für Radfahrende: Alle, die zu Fuß, mit dem Rollstuhl, Kinderwägen etc. unterwegs sind. Für Platz-da-Verhalten gegenüber Fußgänger_innen hab ich kein Verständnis!

Ein paar Worte zu den “bööösen Radler_innen”

Wie schon anklang: Auch Radler_innen sind manchmal nervig und manche sind leider gegen Schwächere rücksichtslos.
Da entsteht bei mir Scham und Ärger, aber auch der Gedanke, dass es “DIE Radfahrer_innen” eigentlich nicht gibt, und trotzdem das Verhalten jedes Arschlochs auf zwei Rädern auf ALLE von uns zurückfällt.
Radfahrer_innen können die oben genannten Besoffenen sein, die das Auto stehen lassen, aber denken, mit dem Rad wärs ja kein Problem, herumzufahren. Es können rücksichtslose Autofahrer_innen sein, die den Führerschein verloren haben und nun Rad fahren müssen, die Rücksichtslosigkeit ist dann ja nicht einfach weg. Statt Unmotorisierte terrorisieren sie dann halt die noch weniger “berittenen” Leute. Es können auch einfach Ungeübte sein, leider gibt es gesellschaftlich als Folge der “Minderwertigkeit” des Radfahrens auch keine Ansprüche und die Auffassung, du setzt dich aufs Rad und machst halt irgendwie los. Und das tun Leute dann eben auch.

Ich fuhr einmal früh morgens im Berufsverkehr Rad. Zu dieser Zeit sind die Betrunkenen, Touris und Unerfahrenen einfach nicht auf der Strasse. Was ich erlebte, war: Viele Leute nutzen das Rad. Die allermeisten tragen Helme. Sie fahren zügig, umsichtig und geben Zeichen. Es ist für mich eine richtige Freude, mit ihnen unterwegs zu sein.

Fahrradfahren ernst nehmen und zu respektieren bedeutet für mich auch, es als etwas zu behandeln, was du lernen musst, und was mit Wissen und Regeln und Rücksichtnahme verbunden sein muss. Und eben nicht als sinnloses Freizeitvergnügen, wo alle machen, was sie wollen.

Es muss aber auch gesehen werden, dass auch geübte und rücksichtsvolle Radfahrende die Regeln oft brechen müssen, wenn sie überhaupt auf der Strasse existieren wollen. Eben weil die Stadt/die Verwaltung sie schlicht “wegdenkt” oder in unmögliche Richtungen umlenkt, oder einfach ein “Radfahrer absteigen” Schild hinnagelt. Manchmal finde ich es sicherer für mich und Fußgänger_innen, über bestimmte rote Ampeln zu fahren, aber das darf ich ja nicht offen sagen, und tun schon gar nicht.

Critical Mass September 2011 16
CM Magdeburg (Sachsen-Anhalt), Foto: Zeitfixierer, CC-BY-SA 2.0

Also: Critical Mass

Also, dann mal endlich zur Critical Mass.
Ich war auf meiner ersten Critical Mass!
Juhu!
Es war kalt, es war dunkel, es war November, aber geil!
Um 20:00 Uhr trafen sich alle auf dem Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg, und irgendwann fuhren die ersten los und die ganze Sache kam in Bewegung. Ich hatte ausser auf ADFC Sternfahrten, nie an Raddemos oder Aktionen teilgenommen. Die CM ist, im Unterschied zu Demos, keine angemeldete Veranstaltung und es gibt auch keine Ordner_innen oder Veranstalter_innen, es ist ein Flashmob.
Das “Rowdy-Radel-Narrativ” steckt in mir selber ja auch etwas drin, so dass ich soooo begeistert war, als ich erlebte, wie glatt und gut es funktionierte, in einer Gruppe mit mehreren hundert Leuten radzufahren. Wir waren ja nicht nur langsam. Alle um mich herum fuhren so umsichtig und einfach sehr, sehr schön. Es war das Gefühl, dahinzufliegen (bei guter Musik). Die Strasse war unser.
An Kreuzungen fanden sich immer welche, die sich vor die Autos als Schutzspalier aufbauten, damit keiner einfach in die Gruppe reinbrettern kann.
Wir waren auch eine richtig schöne Lightshow. Viele hatten ihre Räder geschmückt und sich verkleidet, tolle Eigenbau-Räder waren da…

Was ich schade finde, ist, dass die Critical Mass und die Radfahrbewegung sehr weiß und sehr männlich ist, einfach von den Mehrheitsverhältnissen her. Während ich auf der Strasse täglich erlebe, dass Räder mehrheitlich von weniger Privilegierten benutzt werden: PoC, Frauen, Kinder.
Wenn ich überlege, warum das so ist, denke ich, dass Radfahren als “Lifestyle” statt als Notwendigkeit eher ein weiße-Männer-Ding ist. Die nicht so privilegierten Radler_innen haben vielleicht auch viel weniger Zeit, um aus dem Radfahren politischen Aktivismus zu machen. Die Fahrradfreakszene schreckt Leute mit billigen, alten Rädern oder mit dem City-Bike vom Aldi ab, und beim Fahrradschrauben triffst du oft auf sexistische Klischees. Und dann ist natürlich die alltägliche Dominanz weißer Menschen, die von Männern, die von Wohlhabenden und Kinderlosen auch in der Fahrradbewegung sichtbar und spürbar.

Ich möchte eigentlich nicht zwischen Feminismus und Fahrradbewegung wählen, wenn ich auf eine CM gehe. Ich möchte nicht meinen feministischen oder rassismuskritischen Blick abschalten, wenn ich auf der CM bin. Es tut aber auch weh, dass in den feministischen Kreisen in sozialen Netzwerken die Situation von Radfahrer_innen so wenig ein Thema ist. Dass mir in feministischen Kreisen das selbe Victim Blaming, die selbe Bagatellisierung und das selbe Wegsehen wie sonst auch entgegenkommt.

Das ist doch krass, oder?

Von den Mehrheitsverhältnissen abgesehen habe ich die CM aber nicht sexistisch oder anderweitig scheisse erlebt. Für die Dauer der Aktion oder wenigstens die 10km, die ich mitfuhr, bevor ich mich auf den Heimweg machte. Ich habe sie so erlebt, dass diese gegenseitige Rücksichtnahme, das gegenseitige Empowerment und die Freude, dass wir uns durch unser Viele-Sein diese Fahrt ermöglichen, sehr überwiegt.
Ich fühlte mich so gut und frei auf der Strasse. Nicht machtlos, herumgeschubst und beschimpft.

Das war sicher nicht meine letzte CM!

critical mass
CM Berlin Juni 2015, Foto: gitti la mar, CC-BY-NC-ND-2.0

13 thoughts on “Meine 1. Critical Mass und der alltägliche Motorismus

  1. Neben mir steht einer, der deinen Artikel gelesen hat und die ganze Zeit “Kenn ich zu gut!” murmelte :( Selbst hier aufm Dorf erzählt mir Tochterherz wöchentlich von rücksichtslosen Autofahrenden, die ihr die Vorfahrt nehmen, sie anmotzen, einfach Türen aufreißen und die anhupen. Fahrradspuren werden ignoriert bzw. darauf fahrende Radler*innen angehupt. Und wenn ich als Autofahrerin einen großen Bogen beim Überholen schlage und mich nicht einfach vorbeiquetsche (fahre schließlich selber viel Rad), dann bekomme ichs mit aggressiven Autofahrer*innen zu tun, die mir im besten Fall den Vogel oder Stinkefinger zeigen. und es wird mehr. Die Rücksichtslosigkeit. Ich weiß da auch nicht weiter und finde CM eine ziemlich coole Aktion.
    (und wichtig, dass das Thema auch überall immer mal auftaucht – ich hab das fürs Blog auch nicht so aufm Schirm, ich reg mich auf und gut. Mist.)

    grüßlix Irka

      • Was noch für ein Gedanke heute Nacht kam: du schreibst, dass du die “Critical Mass und die Radfahrbewegung sehr weiß und sehr männlich” wahrnimmst. Ich sehe das ähnlich, nur möchte ich einen Gedanken anbringen: wenn ich als Mutter das Rad nutze (mit Kind hinten drauf oder Kind dabei), dann sind das nicht die großen Wege oder auch keine CM-VA nach 20 Uhr. Da hätte ich nämlich weder Kraft noch Lust zu. Und wenn ich neben Job noch Kind zu fahren habe, dann lass ich das dann doch mit dem Rad und nehme des ÖPNV oder das Auto. Es ist ein strukturielles Problem. Andere Elter sehe ich auch eher mit Auto oder Bus/Bahn, weil es mit Kind eben nicht schnell geht und noch unsicherer ist. Ich nehme das Radfahren als weitgehend “kinderlose” Geschichte wahr. Vielleicht auch aus finanziellen Gründen, ich weiß es nicht. Aber ich denke darüber nach und beobachte mal in der nächsten Zeit mit wacheren Augen.

        • Ja, das hatte ich im Artikel auch schon angedacht, nur nicht in Zusammenhang mit der Uhrzeit. Dass Mütter oder eben weniger Privilegierte, die sich kein Auto leisten können, aber mal Erledigungen mit dem Rad machen, nicht unbedingt Zeit und Kraft für eine CM Mitfahrt haben.
          Ich hatte meine Nichte eine Weile mit dem Rad von der Schule abgeholt, und zu dem Zweck eine Tandemkupplung angeschafft. Das lief sehr gut, weil sie dann keine Schlenker fahren kann, hähä.
          Aber jetzt fährt sie ein grösseres Rad, das ich nicht mehr ankuppeln kann. Sie fährt aber wirklich sehr gut Fahrrad, ich bin begeistert von ihrer Umsicht und auch, wie ruhig und ohne Schlenker sie fährt, mit 8 Jahren. *stolz*

  2. Manchmal verlieren andere Radelnde auch aus den Augen, dass nicht Alle von uns den Mut oder die Kraft haben, sich jeden Tag den Platz auf der Strasse zu erobern, Motorisierte zum korrekten Verhalten zu “erziehen” und sich ständig dafür noch anhupen und anschreien zu lassen”. die perfekte Zusammenfassung meine Gründe nicht mehr Radzufahren…

  3. Hallo Distel,

    ich überlege seit einigen Wochen mein Auto zu verkaufen und mir wieder ein Rad anzuschaffen. Weil mein Arbeitsweg mittlerweile so kurz geworden ist daß ich das Auto ohnehin nur kaputt fahre da bis zum Büro der Motor nicht mal richtig warm wird. Allerdings führt mich der Weg durch die Felder denn mit dem Rad darf ich nicht über das kurze Stück Autostraße fahren (würde ich freiwillig auch nicht selbst wenn ich es dürfte …). Der Weg ist nicht beleuchtet, ziemlich eng und es hält sich prinzipiell niemand an die eigentlich vorgeschriebenen 30 km/h. Man wird da tatsächlich angehupt und überholt wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält als Autofahrer.

    So gerne ich auch im Ruhrgebiet lebe, wir haben hier eine grottige Infrastruktur für Fahrradfahrer. Teilweise haben sie die Radwege von den wirklich breiten Fußgängerwegen (also eine Seite Fußgänger, andere Seite Radweg und schön durch Bäume voneinander getrennt) auf die engen Fahrbahnen verlegt. Es muß also rein theoretisch hinter dem Radfahrer hergefahren werden bei Gegenverkehr. Praktisch schaut das dann so aus daß der Mensch auf dem Rad dem Autofahrer die Rückspiegel putzen könnte wenn der sich vorbeidrängeln muß.

    Ich bin lange Zeit mit dem Roller gefahren. Ist zwar ein Zweirad, allerdings ein motorisiertes. Die Dinger fahren 45 km/h und damit ist man nicht schnell genug sondern wird direkt als Verkehrshindernis eingestuft. Was mir in den drei Jahren alles an, pardon, idiotischen Rüpeln hinter dem Steuer untergekommen ist … Mittlerweile glaube ich, daß Rücksicht im Straßenverkehr – egal wer auf wen Rücksicht nimmt oder eben nicht – mittlerweile echt auf dem Rückzug ist. Egal ob Stadt, Land oder Autobahn, egal ob Fußgänger, Radfahrer oder wie auch immer motorisiert wird gefühlt immer weniger Rücksicht aufeinander genommen je mehr Menschen sich von A nach B bewegen.

    Vielen Dank für Deine ausführlichen Gedanken zu dem Thema, es ist wichtig daß man auch als Autofahrer ab und an dran erinnert wird wie der Straßenverkehr auf der anderen Seite der Windschutzscheibe aussieht.. Ich würde mir den Text am liebsten ausdrucken und ihn den Studenten in die Finger drücken, die mir regelmäßig auf meinem Arbeitsweg im Dunklen auf ihren Rädern begegnen. Ohne Licht, ohne Reflektoren und mit dunkler Kleidung. Und mich in meinem Auto anschreien wenn ich sie fast über den Haufen fahre, im letzten Moment bremse und dann mit meinem Auto im Graben sitze. Da war ich zu geschockt um den Radfahrer noch anzupöbeln. Selbst wenn ich nicht mal die vorgeschriebenen 30 km/h fahre hat der Radfahrer die schlechteren Karten wenn ich ihn mit dem Auto umfahre. Das Ding wiegt ja schon 1.3 Tonnen. Da hat so ein bißchen Fahrrad mit Mensch drauf einfach keine Schnitte.

    Wäre schön wenn wir alle etwas gelassener im Verkehr unterwegs wären. Und Rücksicht aufeinander nähmen. Ich glaube, ich kaufe mir zusätzlich ein Fahrrad und fahre wenn es morgens und abends wieder hell ist damit zur Arbeit. Dann sehen mich die Autofahrer wenigstens bevor sie mich schimpfend überholen :-)

    Liebe Grüße,
    Mirtana

    • Das ist ja nicht schön, dass du gar nicht zur Arbeit fahren KANNST, ohne über die Feldwege zu hoppeln.
      Radstreifen auf der Strasse sollen sicherer sein, weil sich dann alle besser sehen, wenn die Streifen sehr schmal sind, taugt es aber nichts! Wenn die Autos sich eng am Radstreifen vorbeidrängen, müsste ich eigentlich neben dem Streifen fahren – so, dass Autofahrer_innen mich nicht eng überholen können. Und das würde dann wieder als absolute Frechheit gewertet und ich müsste mit Gewalt und Aggressionen rechnen.
      In Berlin mache ich das bei engen Strassen zunehmend: Ich fahre nahezu mitten auf meiner Spur, damit sich keiner mit dem Auto noch vorbeiquetschen kann. Letzteres ist nämlich gefährlich und verboten, und wenn kein Gegenverkehr ist, kann ich ja ganz normal überholt werden. Ja – das schaffe ich nicht täglich. Da hole ich mir nämlich regelmässig meine Portion an Radfahrer_innenhaß ab. Ich denke mir dann immer: Lieber angebrüllt werden als angefahren werden, wenn beim engen Überholen ein Fehler passiert. Aber aushalten kann ich das nicht jeden Tag.

      Ich weiß eigentlich nicht, was in meinem Text steht, das diese Studenten zur besseren Sichtbarkeit erziehen würde, weil ich mich hier mal NICHT auf das Thema “Verfehlungen von Radfahrenden” gestürzt habe. Zu Radler_innen, die sich falsch verhalten, gibts weiß Göttin genug im Netz… natürlich ist das kacke, wenn du mit dem Auto im Graben landest, weil die so schlecht zu sehen waren. Aber dass die dann schreien, wenn du sie fast mit dem 1.3 Tonnen Blechungetüm überfährst, ist hoffentlich klar.
      Ich habe ja inzwischen sowas wie ein Verkehrstrauma. Wenn ich bestimmte unvorhergesehene Autobewegungen im Augenwinkel wahrnehme, die auf mich zukommen/mir nahekommen, schreie ich schon reflexartig los (und laut). Da haben sich schon ein paar Leute im Auto erschrocken. Aber hey, ich erschrecke von dieser extrem lauten Huperei auch ganz schön, die bei jeder Gelegenheit und Bagatelle exzessiv betrieben wird in Berlin. Und sie haben mich dann immerhin wahrgenommen.

      Eine von mehreren Ursachen des Verkehrstraumas: Mal ist eine Linksabbiegerin mit verträumtem Blick in mich rein gefahren, während sie mich/uns (da waren noch andere Menschen) direkt ansah. Sie fuhr ja recht langsam, aber ihr Auto hat mir trotzdem das Rad unter dem Hintern weggerissen und das war dann ganz schön verbeult und verbogen. Ich kam mit dem Schrecken davon.
      Für die Unmotorisierten ist der Verkehr halt ungleich viel gefährlicher, und da ist schnell auch Angst da, und auch Wut, und daher bewerte ich das anders, wenn ich schreie, als wenn ich aus dem Autofenster heraus angeschrien werde. Eben weil es für uns ums Überleben geht und nicht um mal unbequem hinterherzockeln müssen.

      Damals haben wir übrigens nicht die Polizei gerufen. Für sie ein super Deal, sie musste mir nur das Geld für ein neues Vorderrad geben. Ich war damit zufrieden, weil ich a) körperlich ja unverletzt war, und b) ich fuhr im Schritttempo bei Grün über eine Fussgängerfurt (hätte absteigen müssen) und verhielt mich damit auch nicht völlig korrekt. Zwar verhielt ich mich total nachvollziehbar und habe niemanden gefährdet (ich hätte bei meinem Tempo genausogut schieben können) aber ich kann leider nicht damit rechnen, dass die Polizei dann fahrradfreundlich eingestellt ist. Ich wollte nicht noch zu dem Unfall hinzu eine Strafe wegen einer völlig unwichtigen Sache aufgebrummt kriegen, daher hab ich mich mit ihr damals so geeinigt.. und das ist leider auch sonst so.
      Ich beschwer mich im Text darüber, dass bei jedem Kratzerchen die Polizei gerufen wird, Verletzte aber zurückgelassen werden. Und selber bin ich auch froh, wenn es ohne Polizei geht, weil ich Dinge befürchte, die mir die Cops obendrein noch reindrücken.
      Wobei zur Zeit schauts extrem gut für mich aus: Mein Fahrrad ist so verkehrssicher, alles nach Vorschrift, ich fahre ziemlich korrekt. Was soll mir dann seitens der Polizei schon passieren, bin ja weiß… :/

      Aber es freut mich sehr, dass du den Text gut fandest um an die Perspektive von Radfahrenden erinnert zu werden. Dafür habe ich den Text geschrieben.

      Gruß Distel

  4. Hallo Distel,

    erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich würde ja gerne über die Feldwege zur Arbeit hoppeln wenn es denn welche gäbe. Die Straße durch die Felder ist befestigt (oder war es mal bevor die Schlaglöcher dort eigene Postleitzahlen bekamen …). Gibt dort halt gar keinen Radweg und bei Gegenverkehr hat man eigentlich gar keine Chance einen Radfahrer zu überholen. Wie die Autofahrer ihre Überholmanöver dort immer alle schaffen ohne frontal in den Gegenverkehr zu brettern oder den Radfahrer umzubügeln ist mir echt ein Rätsel. Im Winter hätte ich auf der Strecke echt einfach zu viel Angst :-/

    Ich muß gestehen, ich freue mich darüber wenn Radfahrer mitten auf dem Streifen fahren und so den Raum einnehmen der ihnen wie jedem anderen Verkehrsteilnehmer auch gebührt. Einen Radfahrer so eng zu überholen gefährdet schließlich jeden, der in der Nähe ist. Den Radfahrer, den Gegenverkehr und schlußendlich mich selber. Dann fahre ich halt hinter dem her, ich komm ja trotzdem da an wo ich hin will. Vielleicht ist das selektive Wahrnehmung doch für mein Empfinden wird der Umgang auf der Straße immer ruppiger. Ich halte zum Beispiel an wenn ich an einer Verkehrsinsel ohne Zebrastreifen (wer denkt sich eigentlich sowas aus?!) vorbei komme und da stehen Fußgänger oder Radfahrer, gerade heute z.B. im strömenden Regen. Ich bin ja selber lange genug zu Fuß gegangen, Rad gefahren oder mit dem Roller unterwegs gewesen um zu wissen daß es echt Schöneres gibt als im wahrsten Sinne des Wortes im Regen zu stehen. In neunzig Prozent der Fälle werde ich dafür angehupt. Oder auf dem nächsten Parkplatz angepöbelt und angespuckt … Auch Autofahrer sind untereinander nicht freundlicher …

    Deinem Absatz “Ein paar Worte zu den bösen Radler_innen”, da stimme ich Dir zu. Und das ist genau das, was ich auch den Studenten (ich fahre an der FH vorbei, die liegt mitten in der Pampa und da radeln halt viele Studierende) gerne mal verständlich machen möchte. Denn es sind leider nicht die Radfahrer, die sich regelkonform verhalten, auch diejenigen, die einem hinter dem eigenen Lenkrad so auffallen. Sondern eben die unbeleuchteten oder rücksichtslosen, die fahren als gäbe es für sie kein Morgen. Von denen wird dann auf alle geschlossen und weil da ja mal einer unbeleuchtet rum gefahren ist sind gleich alle Menschen aufm Drahtesel scheiße … Weil einer nicht darüber nachdenkt daß so ohne Licht vielleicht doch nicht so die prickelnde Idee ist sind doch nicht gleich alle Radfahrer scheiße.

    Ich für meinen Teil denke einfach daß jeder Mensch noch so umsichtig mit seinem gewählten Verkehrsmittel (und sei es Schusters Rappen) umgehen kann, niemand kann für all die Menschen mit denken die für ihre Umgebung keinerlei Verständnis oder Rücksichtnahme übrig haben und deren Welt an der eigenen Nasenspitze, dem eigenen Lenker oder der Windschutzscheibe endet. Ich bin über zwei Jahre Kurierdienst gefahren, hauptsächlich Autobahn … Da entwickelt sich nach einer Zeit auch so eine Art Reflex – ich kann heute noch voraussagen wer gleich ohne blinken die Spur wechselt, wer plötzlich ausschert, meint rechts überholen zu müssen oder sich sonstwie daneben benimmt. Und ich ärgere mich auch jedesmal wenn ich – gerade jetzt im Winter – Autos sehe mit kaputten Leuchten vorne oder hinten. Jeder hat doch dafür zu sorgen daß sein Verkehrsmittel verkehrstüchtig ist da gehört Beleuchtung zu. Aber bei Autos wird da drüber weg gesehen … “Och, das ist schon seit Wochen kaputt … reparier ich mal wenn ich Zeit hab” … Wehe, ein Radfahrer sagt so etwas … Oder wird gar von der Polizei angehalten weil sein Rücklicht nicht funktioniert.

    Gut daß Dein Unfall glimpflich abgegangen ist. Ich für meinen Teil bin da jemand, ich würde immer die Polizei rufen in so einer Situation. Gut, ich bin auch so deppert die Polizei zu rufen wenn ich beim Ausparken einen angetitscht habe. Weil ich halt gelernt habe das sich das so gehört: für einen Fehler einzustehen. Sprich, wenn ich jemanden angefahren hätte dann läge der Fehler eindeutig bei mir – auch wenn demjenigen nix passiert wäre.

    Was mich allerdings jetzt interessieren würde: hattest Du denn schon viele schlechte Erfahrungen mit der Polizei als Radfahrerin? Ich selber wohne an einer Hauptstraße und ich wünsche mir immer daß die Polizei mal die ganzen Rennfahrer mit ihren tiefer, höher, weiter Karren anhalten würde statt die Fahrradfahrer zu belästigen. Die stören niemanden und soweit ich weiß gab es hier auf der Straße auch noch keinen tödlichen Unfall zwischen Radfahrer und Fußgänger. Von Autounfällen mit tödlichem Ausgang kann ich hingegen alle drei Monate wieder was in der Zeitung lesen …

    Komm heil von A nach B!
    Mirtana

    • Ach, ich finde unser Kommentargespräch so toll. Leider hab ich jetzt was anderes vor, sonst könnte ich stundenlang schreiben :-)

      Deine Einstellung zum Fahren, zur Rücksicht usw. gefällt mir sehr gut. Ich bin auch eine, die einen schöneren Tag hat, wenn sie im Strassenverkehr Anderen bischen was Gutes tun kann, so wie du die Leute vorlässt, die im Regen warten, um über die Strasse zu kommen. Wenn hinter mir ein schwerer Lastzug den Hügel hochschnauft, fahr ich auch gern mit dem Rad rechts ran und winke den vorbei. Da freuen die sich und ich freue mich, das hebt gleich von Allen die Laune!

      Zur Polizei: Ich habe selber so mittelschlechte Erfahrungen. Nichts dramatisches. Aber mir sind schon Cops hinterhergefahren, haben auf nen Vertoß gelauert, den auch gekriegt und mir dann 89 Euro Bußgeld reingedrückt. Wegen nichts (also – aus meiner Sicht). Bis die dann auch alles Formelle geklärt haben, dauert es auch ewig. Und wenn sie deine Nase nicht mögen, kontrollieren sie halt alles am Rad, auf dass sie was finden, was unkorrekt ist. Ich seh auch heute nicht mehr so arg nach Chaotin aus, das kann auch mal zu ner miesen Behandlung durch die Cops führen.

      Aber es stimmt schon: Bei Unfällen sollte ich wirklich immer konsequent die Polizei einschalten, auch wenn nicht sooo viel passiert ist, einfach, damit dieses Kavaliersdelikt-Bewerten aufhört, nur weil Radfahrende involviert sind.

      hab einen wunderschönen Abend!

  5. Danke für diesen Artikel, Distel! Ich kann jede einzelne Zeile unterschreiben. (OK, eine Critical Mass bin ich noch nicht mitgefahren, nur mal eine ADFC-Sternfahrt.)

    Ich habe auch ein paar Jahre in Berlin intensiver das Fahrrad genutzt und das nicht nur wegen der Entfernungen als echt anstrengend erlebt. Dann bin ich nach Freiburg gezogen, und hier ist das Radfahren viel angenehmer, unter anderem, weil so viele Leute radeln. (Autofahrende beschweren sich dann, die Freiburger Radler_innen seien so viele und so frech. Kommt noch jemandem die Dynamik bekannt vor?) Ein anderer Grund ist, daß es hier vergleichsweise viele und gute Radwege gibt.

    Aber auch hier gilt, daß es unangenehm(er) wird, sobald der Radverkehr nicht mehr vom Autoverkehr getrennt ist und daß Radweg-Zuparken als läßliche Sünde gehandhabt wird. Auffallend oft sind es Paketdienste und sonstige Lieferfahrzeuge, die mit völliger Selbstverständlichkeit auf dem Radstreifen stehen.

  6. Ja, das ist eine schöne Unterhaltung via Kommentar :-)

    Nett sein hinterläßt viel mehr Resonanz und gibt halt ein besseres Gefühl. Ich kann mich auch wie ein schäbiges Arschloch verhalten, das läuft mir dann aber den ganzen Tag nach, vermiest mir nachhaltig die Laune und sorgt dafür, daß ich mich selber nicht gut leiden kann. Find ich jetzt keinen erstrebenswerten Zustand :-P

    Ich muß gestehen, ich fahre gerne Auto. Ich bin auch genauso gerne mit dem Roller gefahren. Oder mit dem Rad. Die Hauptsache ist, ich muß nicht Bus und Bahn fahren. Öffentliche Verkehrsmittel finde ich ganz furchtbar, erst recht morgens im Berufsverkehr. Allerdings ist mein Auto auch kein Status-Symbol, sondern mein Transportmittel. Wenn einer eine Beule reinfährt, tja dann ist das halt so, Hauptsache keinem ist dabei was passiert. Gut, mein zwanzig Jahre altes Auto taugt jetzt auch nicht zum Status-Symbol, da könnt ich nicht mal mit angeben wenn es ich wollte.

    Das Auto als Status-Symbol ist ohnehin eine Kiste, die erschließt sich mir nicht. Ich hab halt immer mal wieder mit Menschen zu tun, die sich echt darüber definieren wie teuer, wie neu, wie groß, wie viel PS ihre Autos haben und die einen Heidenaufstand veranstalten wenn ihnen beim Ausparken einer an die Stoßstange ditscht. Mit der Polizei habe ich auch die skurrilsten Erfahrungen gemacht: angefangen vom komplett auseinander nehmen des Autos bis hin zum Angehalten werden weil ich zu langsam (!) gefahren bin. Ich hab halt ein 70 Schild übersehen und bin Samstags früh morgens mit 50 zur Arbeit gezockelt :-D Und die Polizei auch bei vermeintlichen Bagatellschäden zu rufen würde ich wirklich immer empfehlen.

    In Kopenhagen ist das Fahrrad übrigens mit einem ganz anderen Stellenwert versehen als bei uns. Da ist das ein gleichwertiges Verkehrsmittel. Ich hab darüber mal eine sehr interessante Doku auf Arte gesehen (die ich auf die Schnelle, muß gleich ins Büro, nicht bei Youtube wieder finde). Die Kopenhagener haben ein ganz anderes Verhältnis zum Fahrrad. Ein bißchen kann man dazu bei Wikipedia finden:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Radfahren_in_Kopenhagen

    So etwas wünsche ich mir für das Ruhrgebiet auch. Statt schmaler Streifen auf der Straße, die zugeparkt werden oder Radfahrer mehr gefährden als alles andere. Wobei, man kann hier eine Menge schöner Radtouren auf ausgebauten Strecken machen. Aber das ist halt Freizeit und nützt mir nix für meinen Arbeitsweg wenn ich auf der Erzbahntrasse ungestört vom Autoverkehr quer durch den Pott radeln kann. Ich fände ein gut ausgebautes Netz von Radschnellwegen prima. So etwas gibt es in den Niederlanden mit dem niedlichen Namen “Fietssnelweg” und das funktioniert hervorragend. Allerdings haben die Autofahrer bei uns eine viel größere Lobby von daher kriegen wir höchstens die besser ausgebauten Autobahnen statt vernünftige Infrastruktur für Radfahrer. Damit dann vierspurig im Stau gestanden werden kann ;-)

    Hab einen schönen Tag!
    Mirtana

  7. Pingback: Episode 127: 2016, ich mag dich nicht. | Die urbane Spinnstube

  8. Hallo Distelfliege,

    ich hab jetzt überlegt ihn ztu kopieren, aber ich lasse meinen Kommentar einfach “drüben”, es stand ja nichts wirklich einschneidendes drin.
    Bei uns im “Dorf” ist kommenden Monat die erste CM – ich freu mich wie Bolle. Mal schaun.
    Ist ja leider überall das selbe Lied. Bei uns sogar ganz offensiv, dass Sätze fallen wie “Ich will keinen Radfahrer auf der Strasse oder der Fußgängerzone sehen”…. :(
    Ich bin sicher es wird sich, muss sich, irgend wann etwas ändern. Es kann doch nicht sein dass die nicht merken, dass die Autos mittlerweile schon zu groß geworden sind, um überhaupt irgendwo hin zu passen….
    Bei uns im “Dorf” haben sie aus der gesamten Fußgängerzone die Bügel entfernt, an denen Du Räder festmachen kannst. Es wirkt so lächerlich und grotesk, dass jeder Baum, jede Bank und jeder Bauzaun jedoch genau dafür genutzt wird. Und wir haben eine total überteuerte Radstation in Bergisch Gladbach. Hammer. Und da kommst Du noch nicht mal hin, weil in der Fußgängerzone ist ja Durchfahrt für Radfahrer verboten :-)
    Es ist einfach zum schießen. Tandems sollten in Bahnen verboten werden – zu groß. Aber der Aufschrei der Menschen mit Einschränkungen und Besonderheiten war zu groß. Denn der Bline fährt halt hinten, und nicht allein auf dem Rad.

    Liebe Grüße
    Beltane

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s