Dreadlocks und Weiß sein.. die Zweite

Content Note: Erwähnen rassistischer Klischeevorstellungen, Kolonialismus, Exotisierung. 

Ich hab schon mal über das Thema geschrieben. Aber ich war und bin mit dem Text unzufrieden. Und er überzeugt mich nicht..

Und immer wieder gehen Pingbacks ein von anderen Blogs, die die alte “ich lass mir nicht vorschreiben, wie ich auszusehen habe” Nummer bringen. Oder das “Was ist denn mit den Sadhus, oder mit den Kelten?” etc.

Vielleicht sollte ich den Text daher offline nehmen und einen anderen schreiben, denn vielleicht schadet der erste Text mehr, als er nutzt. Wegen der ausführlichen Diskussion zu dem ersten Text lasse ich ihn online. Aber ich versuche jetzt, trotzdem nochmal anders ranzugehen.

Meine persönliche Ansicht: Ich habe meine Whitie-Dreads 2011 abgeschnitten, und ich hatte recht schöne, für eine Weiße relativ gepflegte verfilzte Haare. Schon vorher war ich in einem Konflikt mit mir selbst wegen der Frisur. Ich hatte begonnen, mich mit weißen Privilegien und kultureller Aneignung als Thema zu befassen, und obwohl ich den Schritt, mich von meiner Frisur zu trennen, noch nicht hinbekam, war es halt auch nicht gut, sie zu tragen. Ich ließ mir die Haare kurz schneiden, als ich eine andere Veränderung in meinem Leben hatte, und ich merkte, das war gut. Ich fühlte mehr Einklang zwischen dem, was ich reflektiert hatte und dem, was ich nach aussen darstellte.

Warum?

Weil für mich Locs, ebenso wie viele andere Styles und Körpermodifikationen, für uns Weiße zu allermeist einen anderen Kontext stehen und eine andere Bedeutung haben  wie sie das für Schwarze haben. Und diese Bedeutungen und der Hintergrund davon ist bedenkenswert. Und die Logik, die dahintersteckt, ist kolonial.

Die (weiße) Suche nach der verlorenen “Ursprünglichkeit”, dem “Primitiven”.

In einer Periode ihrer militärischen Übermacht haben europäische Mächte den Großteil der bewohnten Welt erobert und unterjocht. Im ideologischen Gepäck hatten sie (falsch verstandene?) Ideen der Aufklärung, nach denen sie selbst zivilisierte Menschen im Dienst der Vernunft darstellten, und andere Menschen stellten unzivilisierte Primitive dar, die entweder gar nicht zählten oder der europäischen Herrschaft bedürften. Sie gaben vor, die Vernunft und den Fortschritt allen anderen Leuten auf der Welt bringen zu wollen. Was aber tatsächlich stattfand, war Unterdrückung und Ausbeutung, denn für so vernunftbegabt hielten die Kolonisierenden ihre Opfer nicht. Deshalb war es für sie okay, sie nicht wie Menschen, sondern wie Tiere zu behandeln. Sie selber, also die “Zivilisierten”, sollten überall siedeln, überall an der Macht sein und alles sollte ihnen gehören. Damit war der Ausbreitung der “Zivilisation” in alle Welt in ihren Augen Genüge getan.

Die selbsternannten Vernunfts- und Fortschrittsmenschen entwickelten in ihren europäischen Machtgebieten und in Nordamerika, wo sie sich riesige Länder angeeignet und die ursprüngliche Bevölkerung fast ausradiert hatten, ihre Gesellschaften weiter. Die sahen dann entsprechend aus. Verwertung, Ausbeutung, die Abhängigen fertig machen, Erobern und Krieg führen und dabei von Freiheit und Demokratie reden, oder von Gott, Kaiser und Vaterland. Je nachdem.

Es gab dann auch Gegenbewegungen, zur Aufklärung zum Beispiel, die Romantik. Oder zum Kapitalismus – die Kommunist_innen. Diese beeinflussten sich durchaus gegenseitig. Ich habe mal viel zum Thema modernes Heidentum und moderne Hexen gelesen, und da kam ich auf die Romantik und auch auf Friedrich Engels. Der Zusammenhang ist so: In der Romantik wurde viel nach dem Wunderbaren, dem Zauberhaften, aber auch dem Ursprünglichen und der Natur gesucht, im Gegensatz zur Zivilisation und den modernen Gesellschaften mit allem, was einem daran nicht gefällt. Friedrich Engels zum Beispiel dachte über ein ursprüngliches, urkommunistisches Matriarchat nach, das er in der Steinzeit lokalisierte. Es gibt z.B. kleine Heimatmuseen in Brandenburg, die ihre “Steinzeitecke” mit den Gedanken von Friedrich Engels versehen haben.

Aus der Romantik speiste sich die Jugendbewegung der 1920er in Deutschland, aber auch die heidnischen und martialischen Rückbesinnungsideen der Nazis. Und später, teils in personeller Kontinuität aus der Nazizeit, die neuheidnischen Gruppen in Deutschland, und etwas anders, viel mehr linksgerichtet, aber auch romantisch und auf der Suche nach dem “verlorenen Glück”, Hippies und Alternative in den USA und Europa.

Und das ist im Großen und Ganzen der Hintergrund, vor dem ich hier Gegen- und Subkulturen von Weißen sehe, die sich “primitiver” oder “ursprünglicher” oder “ethnischer” Styles und Symbole bedienen.  Als Nachfolge-Subkulturen der Romantik, gespeist aus einer entsprechenden Sehnsucht nach dem, was der Kapitalismus noch nicht zerstört und ausgebeutet hat.

Diese immer wieder auftauchende Idee ist: Wir haben in unserer Gesellschaft irgendwas verloren, das wir wieder finden wollen. Die Ursprünglichkeit, das Wahre, die “natürlichen”, guten Menschen, die verlorene Unschuld. Das wird nicht nur, aber oft auch, symbolisiert durch den “edlen Wilden”. Das ist eine Person, die es gar nicht gibt. Man stellt(e) sich vor, dass es diese Person mal gab, aber eben früher, bevor man die “Wilden” in Grund und Boden kolonisiert hatte.

Das erlaubt es dann, diese Projektion “edler Wilder” zu benutzen, um sich selbst in den eigenen Gegenbewegungen davon inspirieren zu lassen, alles mögliche, was man im “edlen Wilden” sieht, nachzuahmen oder sich zusammenzufantasieren, aber gleichzeitig die Kolonisierten weiter nicht ernst zu nehmen. Ihnen wird nicht auf Augenhöhe begegnet.  Weil sie ja “kontaminiert” und nicht mehr “authentisch” sind heutzutage, oder “verwestlicht” (wie es heute heißt). Rituale und Symbole sind laut diesem Denken in westlichen Händen besser aufgehoben, weil nur die weißen Westler_innen wissen Bescheid, wie die “edlen, ursprünglichen Traditionen” so richtig gehandhabt werden sollten.

In diesem Forum, das sich mit Plastik-Schamanismus und New-Age-Betrug beschäftigt, kann man Diskussionen nachlesen, in welchen amerikanische Natives europäischen Esoteriker_innen mehrfach erklären, dass nein, sie keineswegs ausgestorben sind, und ja, dass es ihre Religionen und Traditionen schon noch gibt, und nein, europäische New-Ager seien nicht vonnöten, um die “Traditionen zu bewahren”… es ist bezeichnend. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Bestseller “Traumfänger” von Marlo Morgan, das sich zu der krassen Fantasie steigert, eine “letzte” Gruppe “authentischer” Aborigines hätten sich entschlossen, absichtlich auszusterben, aber vorher noch ihr ganzes Wissen einer ihnen völlig unbekannten weißen Amerikanerin anzuvertrauen.

Es gibt auch weniger extreme Formen von Imitation, aber die weiße Idee des “ursprünglichen, edlen Wilden, den es nicht mehr gibt” ist gut, um deutlich zu machen, dass die kolonisierten Menschen, die ihre Wurzeln suchen, gar nicht von Interesse sind für Weiße, und dass diese auch etwas anderes machen als Weiße auf dem Selbsterfahrungs-trip.

Damit will ich nicht sagen, dass Traditionen von Kolonisierten alle toll sind oder das Ausüben von jeglicher “authentischer” Tradition ein Wert an sich ist, denn darum geht’s hier grade nicht. Aber was ich sagen kann: das Exotisieren von Menschen und sie als Projektionsfläche benutzen ist auch Rassismus.

Sollen Weiße dann bei “weißer Kultur” bleiben? Wie jetzt.. Seitenscheitel??

Nein. Aus meiner Sicht wäre das Besinnen auf “das Ursprüngliche” auch dann bedenklich, wenn es um das “eigene” “Usprüngliche” geht.  Die Romantik, die auch völkische Bewegungen wie die Nazis angeschoben hat, besann sich ja genauso auf das “authentische” in der eigenen Kultur. Das selbe in Grün, halt “das Gute von Früher”. Die Leute haben in ihren eigenen Vorfahren genau so eine Art von “edlen Wilden” gesehen und dann eben die imitiert. Mit germanischen Götterbildern, Erntekranz und Seitenscheitel. Zwar werden durch so einen weißgermanischen Ringelpiez keine rassistisch marginalisierten Menschen nachgeäfft, aber unbedenklich ist das deshalb noch lange nicht. Ich sage nicht, dass man das unterlassen sollte. Aber es bedarf echt eines selbstkritischen und politisch sensiblen Umgangs damit.

Und: kein Ethnopluralismus für mich, das ist rechte Kacke und überhaupt nicht der Punkt.

Aber wir haben doch voneinander zu lernen, oder?

Aber klar. Voneinander lernen – auf Augenhöhe und mit Respekt – ist für mich eins der besten Dinge, was im Leben ablaufen kann.

Leider wird das erschwert oder verunmöglicht durch andauernden Rassismus, andauernde Ausbeutung (durch Fortsetzung des Kolonialismus im heutigen neoliberalen, globalisierten Kapitalismus) und fortbestehende Machtverhältnisse. Von Menschen zu erwarten, dass sie alle Verhältnisse mal beiseite lassen, und man sich mal eben frei und sorglos über alles austauschen und voneinander lernen kann, ist bestenfalls naiv und unsensibel.

Am ehesten geht das noch, wenn ein ehrliches Interesse da ist für die Situation “der Anderen” (der Ver-Anderten). Wenn privilegierte Leute in der Lage sind, sich Kritik von Marginalisierten an dem, wie es gesellschaftlich läuft, anzuhören. Wenn die privilegierten Leute bereit sind, ihre eigenen Privilegien wenigstens wahrnehmen zu lernen und mitzudenken. Wenn Bereitschaft zur Solidarität da ist. Solche Menschen hat es immer gegeben und deshalb hat Austausch mit Respekt wohl auch immer stattgefunden, trotz aller Ausbeutung und Aneignung, die insgesamt vorherrscht.

Kein Vorschreiben, wie jemand rumlaufen möchte

Ich hab mich entschieden, gar nicht über Einzelheiten zu reden. Nicht über Locs, oder geweitete Ohrläppchen, nicht über Tattoos oder Yoga. Sondern über das, was man da eigentlich grade performed als weiße Person: Auf welcher Bühne man steht und welches Stück man spielt.

Ich würde auch nicht sagen, dass das das einzige ist, was es spielt. Da gibt es bestimmt noch einige andere Handlungen als die Story vom “edlen Wilden von Früher”.  Aber das ist eine wichtige Story, und es gibt viele Varianten davon. Romantisieren und Exotisieren und dann “sich inspirieren lassen” findet abgewandelt statt.  Und oft ist eine Abgrenzung von der Mainstream-Gesellschaft und dem, was einem nicht gefällt, dabei. Und die Suche nach dem, was man in der Mainstream-Gesellschaft vermißt.

Gesellschaftskritik, ja bitte!

Ich befürworte ja Abgrenzung, Gesellschaftskritik und Suche nach etwas Hilfreichem, um eine bessere Gesellschaft hinzukriegen.

Aber bitte mit sensiblem Blick für das, was man da eigentlich grade macht. Nicht auf Kosten von Schwarzen/PoC. Nicht mit exotisierenden, rassistischen Vorstellungen von den “Anderen”, auch wenn die Vorstellungen noch so verehrend und positiv daher kommen.

Und bitte mit Skepsis gegenüber von antimodernen, romantischen “Usprünglichkeits”-Mythen.

disclaimer am ende:

Ich bin kein Profi, ich schreib hier nur in meiner begrenzten Freizeit ein privates Blog. Was ich hier schreibe, habe ich grossteils von anderen gelernt. Bewusst geworden über diese Dinge bin ich mir durch zuhören und zulesen bei Schreibenden People of Color. Ich habe sehr wenig Texte verlinkt, und auf wenig hingewiesen, weil ich die aktuelle Debatte nicht gut kenne und naja, Zeitmangel. Ich will mir keine Arbeit anderer Leute aneignen. Ich sehe dennoch die Notwendigkeit mich wegen meinem verkrachten anderen Text nochmal zu positionieren. Ich will mich bei allen bedanken, die mir ermöglicht haben, Zeug zu reflektieren.

Zweitens sind meine Inhalte in diesem Text nicht mit Quellen/Links belegt, wie z.B. Wikipedia Artikel, aber ich hab auch keinen hohen Anspruch hier an mich selbst, sondern privates Blog blablabla. Bei Interesse könnt ihr in die angesprochenen Themen selber eintauchen, ich bin da auch mitnichten irgendwie expertisch oder kompetent.

Startpunkte:

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7 thoughts on “Dreadlocks und Weiß sein.. die Zweite

  1. Pingback: Samstagslinks / los enlaces del sábado – Geschichten und Meer

  2. Nur mal ein Tip “People Of Color” sagt man nicht,weil es geschichtsrevisionistisch ist. Die free people of color in Louisiana und die gens de couleur libres auf Saint-Domingue waren Sklavenhalter. Nur sehr wenige aus dieser Klasse schlossen sich dem Kampf der afrikanischen Sklaven gegen die französische Kolonialmacht an. Als Louisiana den USA zugeschlagen wurde, fürchteten viele um ihre komfortable Stellung und integrierten sich in Massen in das Militär. Diese Stellung nutzten sie um entlaufende schwarze Sklaven zu jagen.

    Die Nachkommen der free people of color beleben heute ihre ursprüngliche katholische, frankophone Identität wieder. Der Pariser Zungenschlag wird aber nicht wieder kommen in Louisiana. Einige schwarze Historiker versuchen die free people of color als frühe schwarze Bürgerrechtler darzustellen. Das ist Geschichtsrevisionismus. Es gab einige,aber es war bestimmt nicht die Masse – eben wegen dem Eigeninteresse einer Sklavenhalterschicht.

    Die Kariben spielen übrigens eine besondere Rolle in der Politik der US Schwarzen – auch wenn sie in ihrer Identität nicht von den anglophonen Schwarzen anerkannt werden. Marcus Garvey und eine ganze Reihe von “Schwarzenführern” stammen aus der Karibik, wo sie eine frankophone oder britische Ausbildung empfingen. Das Bedürfnis Schwarz als politische Positionierung zu markieren und nicht als primordiale Identität kommt nicht von ungefähr. Die karibischen Amerikaner denken auch tatsächlich, dass sie nicht schwarz sind im Sinne eines schlichten Schwarz/Weiß Gegensatzes.

    Die Begriffsaneignung in den 1960er war den politischen Erfordernissen des Tages geschuldet. Die USA und Frankreich war in Vietnam und Laos. Briten und Buren kämpften gegen die Kubaner, Bolschewiken, Chinesen, Kubaner und “Schwarze” in Angola, Namibia und Südafrika. Die Black Panthers, Young Lords, Red Brigade, Brown Berets, I Wor Kuen, East Wind,…waren marxistisch inspirierte Gruppen und nicht einfach anti-kolonial oder identitätspolitisch motiviert. Ihr Untergang begann als sich der gemäßigte schwarze Bürgerrechtsflügel durchzusetzen begann.

    People Of Color bezeichnet eigentlich Kolonialmigranten. Das sind Menschen mit europäischer Erziehung, die als Satrapen für die Kolonialmächte fungieren soll. Die multikulturelle Pädagogik hat koloniale Wurzeln. Wie immer wendet sich immer ein Teil der “herrschenden Klasse” gegen die Herrschaft. Ein Teil der Kolonialmigranten läuft zu den Sklaven und Proletariern über. Das ist vergleichbar mit Adligen, die zu Bürgerlichen gehen oder Bürgerlichen die zu den Proletariern halten. People of color klingt ein bisschen so wie Querfront oder Volksfront in den Ohren der meisten so Bezeichneten gegen die “Weißen”.

    Der politische Terminus People Of Color wird heutzutage heftigst von Jared Sexton in seinem Aufsatz “People-Of-Color Blindness” kritisiert. Denn er unterstellt eine rassifizierende Interessens-Homogenität unter nicht-dominanten Minoritäten. Jared Sexton glaubt der People Of Color Diskurs könnte die Debatte über Negrophobie marginalisieren.

    Die indigenen Gruppen sind sicher ebenfalls eher unglücklich über den Begriff People Of Color, weil sie die ursprünglichen Besitzer des Landes waren. Ihre Beziehung zum Staatsvolk der USA (auch (!) die Amerikaner Of Color) sind eher als Beziehung zwischen Souveränen zu beschreiben. Andrea Smith Aufsatz “Heteropatriarchy and the Three Pillars of White Supremacy” stellt die politische Positionierung der “Native American” gegenüber den People Of Color vor.

    Eine Querfront zwischen den Kolonialmigranten (People Of Color) und den Gastarbeiter-Kinder und Enkel wird es nicht geben – schon allein weil die Gastarbeiter Folge-Generationen aus NATO Staaten kommen. Der Diaspora Nationalismus kommt nicht von ungefähr und stimmt nicht immer mit dem anti-kolonialen Impuls überein.

    • Hello,

      vielen Dank für all diese spannenden Hintergründe und geschichtlichen Zusammenhänge. Ich kenne die Texte nicht, die du nennst, aber klingt nach Dingen die interessant wären, weiter zu verfolgen. Müsste ich halt versuchen einzuordnen, ich habe da einfach zu sehr ne Bildungslücke.

      Was ich aber zurückweisen muss, ist dein “das sagt man nicht” und “dies ist, was der Begriff _eigentlich_ bezeichnet”. Begriffe und ihre Verwendung wandeln sich, und oft kommt es auf den Kontext an, den man halt einbezieht und dann erkennt, was Begriffe im jeweiligen Kontext bedeuten. Ich glaub, du weißt schon, was der Begriff in meinem Fall in diesem Kontext bedeutet.

      Kritik am Begriff zu verlinken oder darauf hinzuweisen: Super! Da sag ich nix dagegen.

      Schönes Wochenende dir!

  3. Die Debatte über kulturelle Aneignung kommt nicht voran, weil man sich nicht einig ist über die Eck-Koordinaten. Bevor ich zu meinen Haupt-Argument komme. kulturelle Aneignung ist auch ein Urheber-Rechtsthema. Denn Pharma-Konzerne eignen sich indigenes Heilwissen an, um neue Medikamente zu entwickeln. Das ursprüngliche Allmende-Wissen wird dann mittels Patenten privatisiert und so teuer gemacht, dass die eigentlichen Wissensträger sie selbst nicht bezahlen können.

    Ein anderes Beispiel ist Yoga: die indische Regierung hat 1500 Yoga Übungsformen mit dem Traditional Knowledge Digital Library erfasst, damit Nordamerikaner und Europäer nicht auf den Gedanken kommen Yoga zu patentieren. Auch für sogenannte isolierte “Völker” (besser Gruppen) steht mit dem Urheber-Recht enorm viel auf dem Spiel. Die unerschlossenden Potentiale der “Regenwald-Apotheke” sind nämlich gleichzeitig auch die Lebensräume der isolierten “Völker”. Diese Menschen sind wahrscheinlich vom Immunsystem sehr empfindlich gegenüber Viren und Bakterien der kontaktsuchenden Ethno-Botanisten und Missionare.

    Die heute zu beklagende Verwestlichung des Yogas ist auf das Betreiben der indischen Diaspora zurück zu führen. Yoga erhielt so richtig Auftrieb um 1893 beim Erste Parlament der Weltreligionen. Vivekananda erfand auf diesem Kongress den Hinduismus und Yoga für westliche Ohren. Ähnliches kann man auch für den Zen Buddhismus von Soyen Shaku und seinen Schüler Daisetz Teitaro Suzuki sagen. Im Nachhinein kann man von einer Indigenisierung des Hinduismus und des Zen Buddhismus reden. Die Indigenisierung des Christentum im Rastafari Glauben kann als ethno-religiöse Selbstvergewisserungs-Strategie angesehen werden, die man problematisieren sollte. seit der paulinischen Revolution ist das Christentum für das Heil der ganzen Menschheit gedacht. Rastafari ist eine regressiver Rückschritt. Die Identifizierung der Rastafari mit Äthiopien steht auf wackeligen Grundlagen. Jamaikaner kommen aus allen Ecken Afrikas. Der religionspolitische Gegner sind auch nicht die Weißen, sondern britische christliche Bekenntnisreligionen. Der Messias Haile Selassie der Rastafari wurde später vom Kommunisten Mengistu Haile Mariam aus dem Weg geräumt.

    Die Black Panthers und ihre Nachahmer waren übrigens eine maoistisch inspiriert und nahmen Geld mit dem Verkauf der Roten Mao Bibel ein. Die maoistisch-marxistische Ideologie steht dem schwarzen Nationalismus eines Marcus Garvey (übrigens ein bekennender Faschist) diamentral entgegen. Marcus Garvey war ein Jamaikaner und macht viel Wind 1920, als er die Krönung eines schwarzen Königs in Afrika prophezeite. Er hatte einen nicht geringen Anteil an der Entstehung der Rastafari Ideologie.

    Dreadlocks werden in einer ganzen Reihe von Kulturen verwendet. Es macht sehr wenig Sinn die Frisur exklusiv für Jamaikaner oder Afro-Amerikaner zu reservieren. Denn Hindus und Sufismus Anhänger begannen schon weit früher Dreadlocks als religiöses Erkennungszeichen zu verwenden. Die Rastafari sind erst um die 1930 entstanden. Die Black Power Bewegung erst in den 1960er. Beim aztekischen Priesterstand waren Dreadlocks ein Statussymbol. Diese vier Glaubensrichtungen würden sich gegenseitig der Blasphemie bezichtigen. Das heißt es ist eine Debatte unter Religionsgemeinschaften.

    • Hm. könntest du vielleicht dich mit dir selbst auf einen Namen einigen, wenn du kommentierst? Ich finde, du weisst sehr viel – über den Rastafarianismus habe ich selbst was gelesen und hier sind mir die Namen und Daten nichts Neues – aber ich verstehe grade nicht, wo du mit deinen Kommentaren hin willst.

      Die Aneignung traditioneller Pflanzensorten, die Befürchtung, Yoga könnte patentiert werden etc. ist nochmal ein sehr spannender Aspekt.

      In meinem Text geht es nicht im Rastafari, sondern eher um die Ära der Romantik, das Bild des “edlen Wilden” und u.A. “urban Primitive” Subkultur in weiß-westlichen Gesellschaften.

  4. Die kulturelle Aneignung ist so wie sie geführt wird meiner Meinung nach falsch. In der englischsprachigen Welt wird im Binnenverhältnis zwischen Dominanzkultur und minorisierter Kultur als eine Gerechtigkeits-Debatte geführt zwischen weißen Liberalen, weißen Kommunitaristen und weißen Multikulturalisten. Die Argumente der Multikulturalisten wurden in den letzten Dekaden bereits durchgekaut, und wir wissen wie der Import der multikulturalistischen Rhetorik dem kulturellen Rassismus Vorschub geleistet hat. Multikulturalisten sind für Gruppenrechte. Liberale lassen nur das Individuum und Interessensvereine zu.

    Der Utilitarismus möchte beim Konflikt um die kulturelle Aneignung die persönliche Freiheit aller maximieren. In den Staaten mit weißer Dominanzkultur bedeutet das kulturelle Aneignung ist ok, solange die Summe des symbolischen Nutzen der Befürworter größer als der Disnutzen der Gegner. Die sich geschädigt fühlenden kulturellen Minderheiten sind dann immer die Verlierer.

    Beim Rawlschen liberalen Nationalismus ist ein Staat dann gerecht, wenn der Nutzen der am meisten stigmatisierten Gruppe maximiert wird (Maxmin Regel). Rawlscher Liberalismus denkt sich ganz in der Tradition des Kontraktualismus eine hypothetische Vertragssituation aus, bei der die Vertragspartner hinter einem Schleier der Unwissenheit ihre Entscheidung treffen müssen. Bei der Aushandlung wessen Nutzen oder Disnutzen überwiegt gewinnen die kulturellen Minderheiten immer. Denn jeder Weiße stimmt dann immer für eine restriktive Handhabung der kulturellen Aneignung. Hinter dem Schleier der Unwissenheit weiß er nicht, dass er als Weißer geboren wird. Da er risikoavers ist stimmt er für das Gesetz das die Würde der kulturellen Minderheiten maximiert.

    Kommunitaristen wie Michael Walzer kritisieren die atomistische Sichtweise auf das Individuum, die im Anglo-Westen vorherrscht. Diese Gruppe will vom rational choice eines atomistisch gedachten Individuum nichts wissen. Das Individuum erhält seinen Lebenssinn erst durch seine Einbettung in eine kulturelle, religiöse,weltanschauliche (oder nationale ?) Gemeinschaft. Michael Walzer möchte das Güter, Status, Ämter,…nach der Eigenlogik jeder Sphäre verteilt werden. Er zählt 11 Sphären auf:

    1. Mitgliedschaft und Zugehörigkeit, 2. Sicherheit und Wohlfahrt, 3. Geld und Waren, 4. Ämter, 5. harte Arbeit, 6. Freizeit, 7. Erziehung und Bildung, 8. Verwandtschaft und Liebe, 9. Göttliche Gnade, 10. Anerkennung sowie 11. Politische Macht.

    Praktisch bedeutet das für jedes Gut muss eine Rechtssphäre eingerichtet werden mit einem eigenen Gesetzbuch, das Allokationsverfahren festlegt und bei rechtsverbindliche Konflikten Urteile ausspricht.

    Um zum Beispiel der Dreadlocks zurück zu kommen. Verschiedene Religionsgemeinschaften und kulturelle Gemeinschaften reklamieren Dreadlocks für sich: z.B. die indischen Sadhus, die christlichen Rastafaris und New Age Hippies. Dreadlocks kann man mit dem semiotischen Dreieck analysieren:

    Der Rastafari sagt der Begriff Frömmigkeit (theistische christliche Trinität gedeutet) wird mit dem Ding Dreadlock Frisur verknüpft und Dreadlocks werden assoziativ mit der Mähne des Löwen von Juda assoziiert. Wenn postmoderne Bricolage Religionen wie New Age uns daran hindern symbolischen Tausch mit dieser Fixierung des semiotische Dreieck in der Gemeinschaft weiterzunutzen dann, zerfällt die Gemeinschaft und damit auch das Über-Ich des in ihr eingebetteten Individuums.

    Der Sadhu sagt der Begriff Frömmigkeit (polytheistische “hinduistische” Trinität) wird mit dem Ding Dreadlock-Frisur verknüpft, der Symbol Bezug verweist auf die “hinduistische” Legende laut Wikipedia:

    “Eine Legende der Hindus zeigt die wichtige Rolle, die Shivas Haaren zugesprochen wird: Um für die toten Söhne des Königs Sagara ein erlösendes Totenritual zu vollziehen, war es nötig, die Flussgöttin Ganga (abgeleitet von dem Fluss Ganges) vom Himmel auf die Erde herabzuholen. Ein Nachfahre Sagaras, Baghiratha, gelang es nach vielen Jahren der Askese, die Göttin zu überreden, wieder auf die Erde zu fließen. Sie warnte jedoch davor, denn ihre herabstürzenden Wassermassen würden die Erde zerschmettern. Allein Shiva sei in der Lage, das Wasser sanft aufzufangen. Nach tausend Jahren Askese sagte Shiva seine Hilfe zu. Als die Wassermassen herabstürzten, bremste er den Aufprall mit seinen heiligen Haaren und ließ den Schwall über seine sieben langen magischen Locken in sieben Strömen auf die Erde fließen.”

    “Hindus” und Rastafaris wollen den Zusammenhalt untereinander durch Rituale und symbolischen Tausch stärken. Dafür brauchen sie die Bedeutungsfixierung der Frömmigkeits-Symbole. Die Dreadlocks stehen aber für entgegengesetzte Konzepte von Frömmigkeit. Rastafari meinen Theismus und Hindus verweisen auf Polytheismus, bekanntlich sind das ausschließende Konzepte.

    Durch die Kolonisation, Orient-Reisen kommt es in den Kontaktzonen der imperialen Metropolen zur Zeitgenossenschaft konfligierender Frömmigkeits-Konzepte. Freiluft Konzerte wie Woodstock und die Fusion wären z.B. Kontaktzonen.

    Die symbolische Macht der weißen New Age Anhänger besteht darin, dass sie sich den symbolischen Wert der Dreadlocks aneignen wollen, den die Sadhus und die Rastafaris durch ihre Diskurs-Praxen aufgebaut haben. In den Kontaktzonen Woodstock und Fusion ist nicht unmittelbar klar, ob die Bedeutungsfixierung des semiotischen Dreiecks der Rastafaris oder der Sadhus ausgetauscht wurde. Denn New Age verweist mit ihrer Bricolage auf mehrere kulturelle Felder gleichzeitig.

    Bourdieu identifizierte in seiner Soziologie mehrere Kapitalsorten zwischen denen er eine Konvertierbarkeit annahm: soziales Kapital, ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital und symbolisches Kapital.

    Die uneindeutige postmoderne Bricolage Religionspraxen hindern minorisierte Religionsgemeinschaften symbolisches Kapital aufzubauen und als Nebenfolge fällt auch der Tauschwert des symbolischen Kapitals in andere Kapitalsorten innerhalb der minorisierten Religionsgemeinschaft.

    Bourdieus Kapitalsorten Konzept wäre z.B. eine Erfüllungsvariante von Michaels Walzers Forderung für jedes Gut eine eigene Rechtsphäre und Eigenlogik für die Allkation einzurichten. Bourdieu hat nämlich Meßinstrumente für sein Kapitalsorten Konzept geliefert.

    Ein von Bourdieu beeinflußter Richter könnte einen Wissenschaftsgerichtshof anrufen um den Tauschwert der Kapitalsorten zu taxieren, um Strafen für die kulturelle Aneignung ansetzen zu können. Damit sie Schritt hält mit dem zeitgenösssichen Verständnis wäre nach dänischen Vorbild eine consensus Konferenz einzurichten als Wissenschaftsgerichtshof. Eine Loswahl wählt zufällig Laienmitglieder aus den betroffenden Religions- und Kulturgemeinschaften aus und bringt sie mit Würdenträger der Religionsgemeinschaften zusammen, die dann das Gericht beraten beim Strafmaß für das Vergehen der kulturellen Aneignung.

    Die New Age Hippies könnten sich auf dem Wissenschaftsgerichtshof auf die relationale Soziologie (besonders Harrison White) berufen mit dem Argument: durch ihre kulturelle Aneignung haben sie in der Kontaktzone Woodstock für marginalisierte Religionsgemeinschaften eine massenkompatible weak culture geschaffen, innerhalb derer marginalisierte Gruppen nützliche Kontakte (Granoswetter weak ties) maximieren konnten. Das soziale Kapital ist also gestiegen und der Tauschwert in andere Kapitalsorten ist faktisch gestiegen. Harrison White hat Gutachtern mit dem Blockmodell und dem catnet Konzept eine Analyse Werkzeug geliefert.

    Übrigens ist catnet und das Blockmodell ein weit überlegendes Analyse-Werkzeug als der rektifizierende Intersektionalitäts- Diskurs. Beim Intersektionalitäts Diskurs muss man nämlich auf rassifizierende Zensus Kategorien und Verfassungstexte rekurrieren, was Rassismus reproduziert und akademische Experten Macht stärkt.

    Bei Consensus Konferenzen müssen Experten Begründungslasten tragen vor einem zufällig ausgewählten betroffenden Laienpublikum, um ihre Gutachter Tätigkeit zu legitimieren. Das Auswahlverfahren der Laienrichter für den Wissenschaftsgerichtshof kann zweistufig erfolgen. Erste Stufe ein prozedural gerechtes Losverfahren, damit die Mehrheit nicht ihre Würdenträger, Meinungsmacher, Akademiker und Politiker in Anschlag bringen kann, und auf der zweiten Stufe ein Siebverfahren auf Basis der geschichteten Stichprobe um die Bevölkerungsanteile der Minderheiten und Mehrheiten bei den Laienrichter abzubilden. Nach der ersten Auswahlstufe kann die “Loskammer” entscheiden, wer überhaupt zu den Betroffenden gehört. Diese Kriterien werden dann als Filter-Kriterien für die geschichtete Stichprobe genommen für die zweite Stufe.

    Minorisierten Religionsgemeinschaften ist durch kulturelle Aneignung religiöser Symbole nicht einfach ein privatrechtlicher Schaden entstanden, daher sollten sie auch keine Prozeße wegen Beleidigung anstrengen. Die Durchexerzierung des Blasphemie Paragraphen gäbe aber auch konservativen Würdenträger innerhalb einer minorisierten Religionsgemeinschaft zuviel Macht. Für die gesellschaftliche Wirklichkeit des Synkretismus im religiösen Verständnis müssen Laien einer Religion eine Stimme gegeben werden in einem ordentlich formalisierten Wissenschaftsgerichtshof. Es ist nicht einfach die Angelegenheit der Theologen.

    Die Debatten unter den Liberalen,Multikulturalisten und Kommunitaristen sind aber Debatten unter Varianten des Nationalismus. Für den tatsächlichen Schutz von minorisierten Religionsgemeinschaften hilft das wenig. Nehmen wir das als Beispiel die Dreadlocks der Umweltschützer Gruppe “Fuck for Forest”. Diese Truppe dreht Pornos und spendet die Einnahmen für die Rettung des Regenwaldes. Die Assoziation des Symbols für Frömmigkeit mit Pornographie provoziert die minorisierten Religionsgemeinschaften. Da die Serverbetriebsstätte im Ausland untergebracht ist können die minorisierten Religionsgemeinschaften nicht klagen vor einem nationalen Gericht. Der Beleidigungs- und der Blasphemie Paragraph ist völlig nutzlos.

    Der Diskussionsstrang um die Gruppe Fuck for Forest verschränkt sich um den Kampf um die ethnobotanischen Ressourcen den Regenwald Apotheke. Einige anglo-westliche Umweltschutz Gruppen glauben, dass man die Pharma Industrie gegen die Holzindustrie und die Minen-Konzerne ausspielen sollte um den Regenwald zu retten. Die Profitrate von neuen Medikamenten ist nämlich sehr hoch. Sie kann höher ausfallen als die Renditen der Holzindustrie oder der Minen-Betreiber. Daher wollen diese Umweltschützer Gruppen das Recht auf geistiges Eigentum als Gruppenrecht definieren und Soft Laws durch supranationale Organisationen wie die WIPO, die WTO und TRIPS durchdrücken, um Druck auf die Regenwald-Staaten zu machen. Dabei kommt es den anglo-westlichen Umweltschützern sehr gelegen, dass die WIPO von Lobbyisten der Pharma Konzerne belagert wird. Diese Profitinteressen tarnen sich als Anwälte der indigenen Völker mit dem Argument ihren Lebensraum vor Holzfällern und Minen-Betreiber schützen zu wollen. Es werden dann einfach so wieder neue Ethnien “indigene Völker” erfunden, um eine Gruppe zu konstruieren um ihnen geistiges Eigentum als Gruppenrecht geben zu können.

    Die Versuche der indischen Regierung 1500 Yoga Übungsformen vor dem anglo-westlichen Patentrecht zu schützen schützen nicht davor, dass in den Offshore Jurisdiktionen mittels pornographischer Inhalte Yoga lächerlich gemacht wird. Der weiße männliche Blick demütigt nämlich gerne weiße Frauen gern mit Pornographie und inszeniert die Demütigung weißer Frauen gern vor exotisierender Kulisse. Tabu Brüche steigern nämlich die sexuelle Erregung. Es macht auch nicht vor Yoga halt.

    Der weiße männliche, exotisierende, pornographisierende Blick breitet sich bevorzugt aus von Offshore Jurisdiktionen, die während der Kolonialzeit in den Besitz der Kolonialmächte gekommen ist. Übrigens nutzt auch die organisierte Kriminalität für den Frauenhandel gern die Jurisdiktionen in den Offshore Jurisdiktionen, weil es den Geldfluß damit verstecken kann. Dem Britischen Empire sei dank !

    Es wäre doch mal interessant zu untersuchen wie sich Gender, Rasse, Ableismus, Alter, Beruf, Religion und Klasse verschränken zur Machtausübung über die rassifizierte Prostituierte und die Porno Actrice auswirken. Die weißen porn studies in den USA feiern sich selber für die Durchsetzung feministisch orientierter, sex-positiver Pornographie für die weiße Frau, die es nicht mehr nötig hat das Stigma der unterf*ckten Feministin zu tragen.

    Innerhalb des Völkerrechtes ist das Christentum mit dem Heiligenstuhl und dem Malteser Orden privilegiert mit zwei partiellen Völkerrechtssubjekten. Das Christentum kann ohne mit dem Blasphemie Paragraphen bewaffnet Prozesse gegen die Offshore Jurisdiktionen anstrengen. Rastafaris, “Hinduisten”, Taoisten, Buddhisten,Konfuzianer, Pantheisten,… können das nicht.

    Mein Problem an der Nachbildung des us-zentrischen Critical Whiteness vs. People Of Color Diskurs ist eben, dass man sie als Dethematisierungs Strategie erkennen muss. Angeblich wollen diese Leute die Folgen und Nebenfolgen des Kolonialismus mit der prätenziösen Schreibe postkolonialer Autoren thematisieren. Effektiv geraten dekolonisierende Anliegen der damals kolonisierten Gruppen in den Hintergrund und werden unsichtbar gemacht. Gastarbeiter Kinder und Kolonialmigranten weden als Opferidentität erschaffen und es werden alberne Ablass-Rituale inszeniert. Es gibt ja nicht umsonst die Parole den Postkolonialismus und den People Of Color Diskurs zu entkolonialisieren und seine materiellen Voraussetzungen offenzu legen. Es ist ja kein Zufall, dass die hyper-imperialistische USA Postkolonialismus, Whiteness und verschiedene Diaspora Versionen des Panasianismus, Panafrikanismus im akademischen Raum Zucker gibt, während in den entkolonialisierten Staaten Postkolonialismus eher abseits steht, Die akademische postkoloniale Intelligentsia Jet-Set geht der Intelligenz in den entkolonialisierten Staaten inzwischen gehörig auf die Nerven. Wir wollen keine postkoloniale Intelligentsia die den Kolonialmächtenhilft mit ihrer eigenen Gräuelgeschichte ins Reine zu kommen. Die People Of Color und der Postkolonialismus sind das Problem nicht die Lösung. Es gibt hervorragende öffentliche Intellektuelle in den entkolonisierten Staaten und sie sollen aus dem Schatten der postkolonialen Intelligentsia geholt werden. Es geht nämlich um deftige Konflikte.

    • Ich finde es interessant, wie du zuerst argumentiert hast, dass kulturelle Aneignung am Beispiel von Dreadlocks gar kein Problem sei, denn Rastafarianismus sei zu jung und in sich zu wenig moralisch unterstützenswert und zu inkonsistent, um seinen Symbolen, die noch dazu von anderen Kulturen ebenfalls verwendet werden, irgendwie einen Schutz/Respekt zu zollen.

      Dann argumentierst du bei deinem Referieren über verschiedene ethische Modelle, dass beim Rawlschen Modell Weiße kulturelle Aneignung “restriktiv” handhaben würden, denn sie könnten ja die Leidtragenden sein, bzw. einen “Disnutzen” haben. Damit stellst du wieder ein Denkmodell in den Raum, nachdem kulturelle Aneignung doch auf einmal ein Problem sei, durch das einer Minderheit ein “Disnutzen” entsteht.

      Der Rest: Ich verstehe immer noch nicht, wieso du das hier alles schreibst. Du kommst vom Hundertsten ins Tausendste und wieder zurück und dein ständiges Gerichts- und Bestraf-Thema kommt mir auch bizarr vor.
      Du wirfst eine traditionell feministische Angel aus und konstruierst am Schluss, dass die imperialistische Macht USA hinter Critical Whiteness steckt, mit finsteren Absichten.
      Das finde ich alles reichlich verschroben.

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