Nordseeküstenradweg in Dänemark (Vestkyststien) Teil 1

Jetzt ist wieder ein halber Monat vergangen, seit ich von der Radtour zurück bin. Es wird Zeit fürs Bloggen, sonst vergesse ich noch die Hälfte.

In Dänemark Radfahren und zelten ist für mich ein super praktischer Urlaub, weil es gut zu erreichen ist von Berlin aus, weil es ein sehr fahrradfreundliches Land ist und weil es ein sehr wander- und campingfreundliches Land ist. Und hiermit meine ich nicht nur die motorisierte Variante. Es gibt ein gutes Netz von Naturlagerplätzen, die für Wandernde kostenlos nutzbar sind, bei manchen fällt eine kleine Gebühr an. Und die Radwege sind gut ausgebaut und die Menschen sind freundlich und rücksichtsvoll gegenüber Radfahrenden. Wenn man wirklich alles selber auf dem Feuer oder Campingkocher macht, ist Dänemark auch nicht mal teuer.

Die Hinfahrt soll stressfrei sein, ein Intercity Zug, der ohne Umsteigen nach Niebüll in Nordfriesland durch fährt. Von da aus wollen wir die 30km nach Højer fahren, wo die Tour dann “so richtig” startet. Alles klappt auch ganz gut, ein freundlicher Schaffner zeigt uns unsere Fahrradplätze und hängt die Räder sogar noch in die Halterungen. Die sind so beschaffen, dass das gar nicht so einfach geht, also bin ich ihm schon sehr dankbar. Wir bekommen auch feine Sitzplätze. Und ich bekomme unterwegs Angst, als der Zug auf offener Strecke stehen bleibt und eine Durchsage “technische Probleme” erwähnt. Letztes Jahr mussten wir unsere Tour früher beginnen, weil der Zug komplett kaputt ging. Diesmal haben wir Glück: Sie starten das Computersystem neu (und machen das fortan alle 20 Minuten) und dann fährt der Zug wieder ein Stück weiter. Im nächsten großen Bahnhof hängen sie einen Diesellok davor und wir kommen später als geplant, aber immerhin, in Niebüll an.

Dort plagen wir uns über unausgeschilderte Umleitungen bzw. durch totalgesperrte, sich im Bau befindende Straßen, aber finden dann doch noch auf die Route. Es ist sonnig und heiß, und etwas windig. Wie flach das Land hier ist! Es ist eben wie eine Tischplatte. Der Duft von blühenden Rapsfeldern steigt uns in die Nase und ich kleistere mich brav mit Sonnenschutz ein.

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Unsere bepackten Räder und mein Tourmitfahrer vor dem Bahnhof in Niebüll. Das Wetter ist klasse, und da ist auch schon das Schild, das uns den Weg nach Højer weist.

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Endlich auf dem platten Land! Eine schmale, asphaltierte Strasse führt durch grüne Wiesen, und vorbei an blühenden Hecken. weiter hinten steht ein Fachwerkhaus.

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Es ist wirklich, wirklich flach. Eine Wiese, ein Ortsschild, ein paar Bäume und grüne Wiesen und ein gelbes Rapsfeld liegen vor uns.

Wir fahren ein Stück über Landstrassen, auf denen zum Glück wenig Autoverkehr ist. Denn Autoverkehr in Deutschland bedeutet oft (und das bekommen wir gelegentlich zu spüren) dass jedes 3. Auto wie ein Bolide an dir vorbeiböllert, als wollten die Insassen ein vorzeites Ableben riskieren und dabei noch jemanden mitnehmen. Es ist schon erstaunlich, wieviel Lärm ein Auto bei höheren Geschwindigkeiten erzeugen kann. Da läuft dein ganzes Leben vor dir ab, wenn du sie von hinten heranschießen hörst.

Links von uns sehen wir dann den Nordseedeich, und der Weg kommt ihm immer näher. Dann liegt auch schon die Grenze zu Dänemark vor uns, und wir gönnen uns im alten Zollhaus, das heute ein Cafe ist, große Tassen mit Kaffee und hausgemachte Kuchen. Die sind wirklich gut. Einkehren ist etwas, das in Dänemark unerschwinglich ist, deswegen hauen wir hier noch mal rein.

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In diesem Cafe im früheren Grenzkrug/der Zollstation gibt es mit weißen Tischtüchern bedeckte, gemütliche Tische und eine Bücherwand bis zur Decke hoch. Darauf steht ein Schild “offener Bücherschrank”.

Dann geht es über die Grenze. Früher lag hier ein Bauernhof, der bei der Ziehung dieser Grenze so ungünstig weg kam, dass der Bauer jeden Tag die Grenze übertreten musste, um aus dem Hof zu den Feldern zu kommen. Der war darüber nicht erfreut und ließ öfter mal den Schlagbaum offen stehen. Auf den Wiesen zwischen dem Deich und dem Meer tummeln sich unglaublich viele Schafe und Zugvögel.

 

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Der Deich und dahinter eine grüne Wiesenlandschaft, wo Schafe mit kleinen Lämmchen rumlaufen. Im Hintergrund sind noch Windräder und Büsche.

 

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Ein Asphaltweg führt über den Deich, vorbei an einem großen Bauernhof und vielen Weiden.

Kurz nach Überqueren der dänischen Grenze höre ich vor mir ein Fluchen, und es stellt sich heraus, dass die Gangschaltung meines Reisegefährten sich verabschiedet. Erst schaltet sie nur noch mit viel Glück, dann bleibt sie im 4. Gang stecken. (Immerhin der mittlere Gang). Nun fährt er Single-Speed.

Ich ärgere mich, weil wir die Räder vor der Tour immer zur Inspektion bringen. Trotzdem geht bei ihm jedes Jahr etwas grösseres kaputt, und jedes Mal gleich am ersten Tag. hmpf. Bei mir ist, seit ich die Werkstatt des Vertrauens gefunden habe, auf Tour nie mehr was kaputt gegangen. Gut, da ist natürlich auch Glück dabei, aber in dem Fall ist es einfach auch Vernachlässigung.

Der Wind wird immer stärker, je weiter der Nachmittag fortschreitet. Als wir die Vidå überqueren, bläst mich der Wind fast von der Brücke. Ich habe natürlich meinen Loopschal, den ich mir sonst über die Ohren gezogen hätte, zwar gesucht, aber nicht gefunden, sonst hätte ich ihn eingepackt.

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Der Fluß Vidå bei Højer wird vom Wind gepeitscht.

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Bei der alten Windmühle in Højer finden wir Trinkwasser, denn an unserem heutigen Lagerplatz gibt es keins. Die Mühle ist weiß gekalkt und hat hübsche Fenster mit ganz vielen winzigen Unterteilungen.

In Højer steuern wir erst mal die Kirche an, um Trinkwasser für die Übernachtung zu tanken. Am Lagerplatz gibt es nämlich keins. Doch die Kirchentoiletten sind gerade in Renovierung. Der nächste Versuch: die alte Windmühle von Højer. Die hat geschlossen, aber zwei ältere Damen sehen, wie wir suchend herumlaufen und fragen nach, ob sie helfen können. Wasser? Na klar. Hinten am Nebengebäude gibt es einen Wasserhahn, den zeigen sie uns und wir füllen unseren Wassersack auf.

Den Platz finden wir ohne Probleme, die Ladies beschreiben uns auch nochmal, wie wir am besten hin kommen. Es ist ein richtig schönes Shelterplätzchen am Rande eines großen Pfadfinderlagerplatzes. Der ist aber gerade leer.

Dann zur Diagnose der Gangschaltung: Wir schrauben den Gripshift Schalter am Lenker auf, wo wir schnell sehen, dass darin alles mehr oder weniger Matsch ist. Plastikteile sind verbogen, zernudelt oder verdreht,  und alles sitzt am falschen Platz, es ist auch gar nicht reparierbar.

B. schwört, dass er zur Not die ganze Tour im 4. Gang fährt. Aber weil das nicht so prickelnd ist, suchen wir Werkstätten. Die nächste ernstzunehmende Werkstatt, die auf unserem Weg liegt, ist in Ribe, 70km von hier. Falls es dort nicht klappt, müssen wir in Esbjerg unser Glück versuchen, die größte Stadt in der Gegend, wo es viele Werkstätten gibt.

statt im Shelter zu schlafen wird gezeltet, wegen der Mücken. Als das Zelt steht, machen wir noch einen Spaziergang durch die Wiesen. Dann machen wir ein Lagerfeuer am Shelterplatz und es gibt ein leckeres Abendessen, Nudeln mit Zucchini und Tomatensauce. Ich habe mir aus Spaß eine nur 6cm hohe Parmesanreibe gekauft, und sie funktioniert wirklich. Juhu, Parmesan auf Reisen!

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Abendessen vom Lagerfeuer: Pasta mit Gemüse und Tomatensauce.

Morgen brauchen wir dänisches Geld, mal schauen, ob wir es in Ribe umtauschen können.

Ich schlafe schon in der ersten Nacht wunderbar, was ungewöhnlich ist, weil früher musste ich mich immer ans Zelten 2 Tage gewöhnen. Aber hey, ich will darüber sicher nicht meckern!

 

 

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2 thoughts on “Nordseeküstenradweg in Dänemark (Vestkyststien) Teil 1

  1. Ich kann für den Unterwegsparmesan auch einen Sparschäler empfehlen. Ist nicht ganz so toll wie von der Reibe, aber dafür ist er ist noch etwas kleiner als die Minireibe und auch für anderes mal bequemer als das Messer.

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