7. Tag des Vestkyststien: Von Fjaltring nach Lodbjerg Fyr

Es ist der 19. Mai 2018. Wir wachen erst gegen halb acht auf, es ist wieder mal ein sonniger Morgen in Fjaltring an der Westküste Dänemarks. Leider hat mein Partner starke Kopfschmerzen. Wir beschließen, nicht auf dem Platz zu frühstücken, sondern direkt alles einzupacken und loszufahren. Der deutsche wilde Campingplatz ist auch erwacht und mir ist das alles zu intim. Leute führen ihre Hunde Gassi und spülen Geschirr am Strandklo und es wird alles sehr geschäftig.

Im Kaufmannsladen von Fjaltring kaufen wir Paracetamol und fahren dann gemütlich los. Zuerst verfahre ich mich und führe uns in die falsche Richtung, uns kommt eine Radwanderin entgegen, die, wie ich später feststelle, in die selbe Richtung fährt wie wir. Wir hätten ihr eigentlich hinterher fahren sollen. Aber diese kleinen Verfahrer kommen halt vor. Wir fahren am Dorf Trans vorbei, aber ich vergesse leider, das Ortsschild zu fotografieren.

Wir holen die Radwanderin ein, sie ist aus Amsterdam und will noch zum Nordkap fahren. Sie verwendet auch eine deutsche Bikeline Karte, weil die einfach am besten sind, sagt sie. Sie versteht zwar den Text nicht, aber die Karte ist gut. Wir unterhalten uns ein wenig beim Fahren und trennen uns beim Leuchturm Bovbjerg Fyr.

dänemark tour 2018

Bovbjerg Fyr, ein roter Leuchtturm, kommt am Horizont in Sicht. Davor sind grüne Weiden mit Löwenzahnblumen und einem flachen Teich.

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Bovbjerg Fyr hat neben seinem roten Turm auch rot gestrichene Nebengebäude und kleine, mit roten Klinkern versehene Gebäude. In einem ist ein Cafe untergebracht.

Es ist ein schönes, rot gestrichenes altes Gemäuer mit Cafe im Nebengebäude. Ein Schild hängt am Zaun: Wenn das Cafe nicht geöffnet ist, können Leute gerne die Cafetische zum Rasten und Picknicken verwenden, steht darauf. Wir fühlen uns freundlich eingeladen (gerade hat das Cafe noch nicht geöffnet) und kochen Porridge, was wir im Garten des Leuchtturmcafes frühstücken.

Danach gehen wir zurück an die Steilküste und bewundern die Aussicht. Runterklettern an den Strand wollen wir aber nicht. Wie immer an diesen Steilküsten sind wir dazu zu faul, ich ziehe es dann doch vor, auf Stränden rumzuwandern, für die ich keine hunderte Stufen klettern muss.

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die Steilküste bei Bovbjerg Fyr fällt tief zum Meer ab. Heute ist nicht soviel Wind, und der Himmel knallblau.

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Die Felsen bestehen aus bröckeligem Gestein, aus Kies und Geröll, das während verschiedener Eiszeiten aufgetürmt wurde. daher ist es auch gefährlich, nahe am Rand herumzustehen.

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Einige Leute sind zum Strand heruntergeklettert und sehen sich die Kieselsteine an.

Nach Bovbjerg kommen wir nach Ørum und Ferring, und folgen der Beschilderung auf einen sandigen Weg am westlichen Ufer des Sees entlang. Erst verspätet sehen wir, dass die Bikeline Route uns östlich um den See herum geführt hätte. Weil der Weg sehr, sehr sandig ist (manchmal müssen wir die Räder durch schieben) hatten die sich vermutlich eine asphaltierte Ausweichroute überlegt. Wir sind aber den Schildern nach auf der Originalroute.

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Der Weg ist, abgesehen vom Sand, sehr schön und malerisch, es fahren dort keine Autos, er führt quasi auf der Krone der Dünen zwischen wilden Rosenbüschen durch, und wir können auf der einen Seite auf den See schauen und auf der anderen Seite auf das Meer.

Als wir auf einen kleinen Weg zum Nordseestrand treffen, machen wir eine Pause und ich tauche kurz in den kalten, erfrischenden Wellen unter. Es ist wirklich sehr, sehr kalt und frisch. Ich bin nicht mehr so eine Wasserratte wie früher, und das ist tatsächlich mein einziges Bad in der Nordsee auf der ganzen Reise.

Dann geht es weiter nach Vrist und Harboøre, wo wir im Aldi für heute, Sonntag und Montag einkaufen. Angeblich ist in der Touristengegend auch an Pfingsten alles offen, aber wir wollen sicher gehen. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen! Dann fahren wir auf die nächste Nehrung in Richtung Thyborøn.

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Inzwischen ist es Mittag geworden und wir machen nochmal eine Pause in den Dünen. Wir haben uns Energy drinks mit Limettengeschmack gekauft, die auch echt ganz lecker sind, und dazu gibt es belegte Brote. Es ist 13 Uhr und wieder sehr sonnig und zum Glück nur mäßig windig. Als wir weiter fahren, merke ich, dass von den zwei Socken, die ich zum Trocknen an den Radtaschen hängen habe, nur noch eine da ist. Die andere habe ich in den Dünen vergessen! Zum Glück muss ich nur 600m zurück fahren und die Socken werden wiedervereint.

Die Landschaft auf der Nehrung ist wunderschön, es sind fast alles naturnahe Feuchtgebiete, mit einer Vielzahl von Pflanzen und Vögeln. Der Radweg entfernt sich von der Straße und führt als schmaler Pfad mitten durch das Naturschutzgebiet. Wir sind jetzt auf dem Gebiet der Kommune Thisted und fahren zwischen dem Meer und dem Limfjord.

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Das Sneglehuset (Schneckenhaus) in Thyborøn. Die Wände außen sind mit tausenden Muscheln und Schneckenhäusern dekoriert, und innen soll es ähnlich aussehen.

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Auf einem kleinen Torbogen des “Sneglehuset” sind nicht nur Muscheln angeklebt, sondern auch runde Deko Kugeln aus grünem Glas.

Wir kommen nach Thyborøn und fahren durch den Ort. Wir folgen den Schildern zum “Sneglehuset”, einer Sehenswürdigkeit, wo ein malerisches Haus mit Türmchen mit tausdenden von Muscheln und Schnecken bestückt worden ist. Außer uns sind noch andere Touris dort, und wir müssen etwas warten, bis wir Fotos knipsen können, auf denen keine anderen Touris drauf sind. Dann fahren wir auf einem Fußweg am Strand entlang und gehen kurz ein paar Blicke auf die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg erhaschen. Wir wollen uns nicht so lange damit aufhalten.

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Mein Tourbegleiter klettert auf einem Bunker herum. Ich glaube, er bindet sich den einen Schuh.

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Bunker am Strand von Thyborøn. Sie verwittern langsam und versinken im Sand.

Weil damals Nazideutschland sehr viele Bunker die ganze nördliche dänische Küste entlang gebaut hat, ist es auch nicht schlimm, dass wir nicht so lange damit zugebracht haben, denn es wird noch genügend Gelegenheiten geben. Wir drehen danach eine Runde durch die Ortsmitte, und fahren dann zur Fähre, die uns zur Landzunge von Agger rüberfahren soll, durch eine eher langweilige Neubausiedlung. Dann überqueren wir die große Straße, und bingo – Glück gehabt! Die stündlich fahrende Fähre kommt genau passend und wir können fast ohne zum Stillstand zu kommen an Bord rollen.

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eine kleine Auffahrt führt zu Fähre. Sie kommt gerade herein und sieht sehr klein aus, aber alle wartenden Autos, ein LKW und wir passen drauf.

Die Überfahrt ist kurz, und auf der anderen Seite gibt es ein kleines Naturcenter mit einer Ausstellung über die Tiere und Pflanzen auf der Agger Landzunge. Hier kann man Seehunde sehen, aber leider kann ich keine erspähen. Das ziemlich neue Mini-Naturcenter ist schön eingerichtet, es gibt Toiletten, einen Tisch und Bänke, Wifi und Windschutz. Aber niemand muss darauf aufpassen, anscheinend gibt es in Dänemark kein Vandalismusproblem.

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Unser Kaffeetisch am Naturcenter: Das Solarpanel versorgt die Telefone, bald gibt’s heißes Wasser aus dem Kocher und die Tassen und die Plundertorte stehen schon bereit.

Wir kochen uns einen Instant-Matcha-Latte und essen eine dänische Plundertorte (sie nennt sich “Dagmartorte”), die ich für 25 Kronen beim Aldi in Harboøre mitgenommen hatte. Sie ist super lecker. Eine Gruppe älterer dänischer Sportradler__innen kommt vorbei und wartet auf die Fähre. Sie bewundern unser Solarpanel, mit dem wir gerade die Telefone nachladen. Normalerweise laden wir die Telefone nicht direkt am Panel, sondern laden eine Powerbank, aber die ist dank viel Sonne schon wieder voll geladen und während der Pause kann man dann gut noch ein wenig die Endgeräte dran hängen.

Ich kleistere mich voll mit physikalischem Sonnenschutz, was dazu führt, dass ich auf alles abfärbe. Alles wird vollgekalkt, meine Hose, meine Taschen… suboptimal.

Die Fahrt über die Agger Landzunge ist etwas langweilig, der Radweg führt schnurgerade an einer schnurgeraden Straße entlang, und wir können gar nicht auf die Landschaft achten, weil es auf dem Radweg ganz viele kleine Aufbrüche gibt. Irgendwelche Sträucher brechen da durch, und die Aufwölbungen sind ganz schön hoch und kreisrund. Es ist, anders als bei Wurzelaufbrüchen, einfach, dazwischen durch zu fahren, aber man muss halt gucken.

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Ein schnurgerader Radweg auf der Agger Landzunge.

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Hinter der Landzunge liegen Dörfer und gelbe Rapsfelder leuchten in der Sonne.

Dann geht es weiter durch das Dorf Agger, am See vorbei, und dann sind es nur noch 3km zum Leuchtturm, wo wir übernachten wollen. Wir holpern über eine der dänischen Schotterstraßen durch eine Heidelandschaft und fluchen darüber. Dann führt ein schöner Sandweg in den Wald hinein zum Leuchtturm, und wir checken den Platz dort. Er ist sehr leicht zu finden. Es ist ein wunderschöner Platz, mit mehreren Feuerstellen, Zeltmöglichkeit und einem Shelter. Der ist schon besetzt, auch sonst sind einige Leute da. Es ist ja Wochenende. Zwei Jungs aus Süddänemark haben ein Tipi aufgestellt und schnitzen, ein Pärchen mit dem Motorrad hat den Shelter in Beschlag genommen, und zwei ältere Herren mit einem winzigen Tunnelzelt machen eine Wanderung.

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Der Naturzeltplatz mit dem Leuchtturm.

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ein sonniger, milder Abend im Wald von Lodbjerg.

Wir sind relativ früh da, ich möchte noch nicht das Zelt aufbauen, damit es nicht in der Sonne steht. Wir relaxen ein wenig auf dem Platz, kochen uns ein leckeres Abendessen und bauen das Zelt erst auf, als unser Plätzchen im Schatten liegt.

Als ich mir den physikalischen Sonnenschutz abwaschen will (Am Leuchtturm gibt es ein kleines Bad, das man kostenlos benutzen darf) gestaltet sich das schwierig und mein Handtuch ist voller weißer Titandioxid Partikel. Macht nichts, dann wasche ich das Handtuch eben schnell durch.

Am späten Abend kommt noch eine einzelne Radlerin und spricht uns in einer Sprache an, die wir nicht verstehen. Es stellt sich heraus, dass sie Deutsche ist und dänisch mit einem so harten deutschen Akzent spricht, dass mein dänischsprachiger Reisegefährte es schlicht nicht als Dänisch erkannt hat. Sie ist ein sehr quirliger Typ und erzählt uns ihre Route, sie ist von Trelleborg nach Göteborg geradelt und dann mit der Fähre nach Frederiksborg gefahren, und folgte der Nordseeküste bis hierher. Dann kommentiert sie, dass wir ja ein riesiges Zelt dabei hätten. Auf die Art, in der Outdoorfreaks zu erkennen geben, dass sie finden, man hätte unnötig viel Gepäck dabei. Da hatte sie bei mir dann verloren. Ich mag das große Zelt, und ich mag die Bequemlichkeit, die es auf Reisen zu zweit bietet. Sie baut ein “Vaude Power Lizard” auf. Ja, ja. Poserin.

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Der Shelter, das Tipi, die Dackelgarage und unser Zelt stehen schon.

Wir legen uns schon um 22 Uhr hin, es ist noch hell. Aber wir schlafen sofort ein. Nachts muss ich einmal raus und sehe das beeindruckende goldene Licht des Leuchtturms über uns strahlen.

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