8. Tag Vestkyststien: Von Lodbjerg Fyr nach Vigsø Bucht

Heute ist der 20. Mai 2018. Wir sind an der dänischen Nordseeküste unterwegs. Gestern sind wir am Lodbjerg Fyr nördlich von Agger gelandet und verbrachten die Nacht auf dem Naturzeltplatz am Leuchtturm.

Ich wache um sieben Uhr erst auf, das heißt, ich habe 9 Stunden durchgeschlafen! Ich mache Kaffee und locke damit meinen Reisegefährten aus dem Schlafsack. Ganz in Ruhe machen wir uns Porridge zum Frühstück und bauen dann alles ab.

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In der Morgensonne steht unser Zelt und ein Paar Packtaschen.

Wir fahren in der Morgensonne durch duftende Heidewälder und pausieren kurz an einem stillen Waldsee. Die Wege sind sandig, aber angenehm zu fahren. Wir können leider nicht direkt durch den Nationalpark Thy fahren, denn der “Redningsvej” ist zu unwegsam für die Fahrräder. Deshalb geht es einen kleinen Umweg über ein paar Dörfer.

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ein kleiner Waldsee umgeben von niedrigen Sträuchern.

Irgendwann sind wir wieder in der offenen Dünenlandschaft. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend, da durch zu fahren. Es geht Wind, aber nicht so stark, und nicht so frontal wie neulich. Sehr gut.

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weite Dünenlandschaft mit wilden Strandrosen, Heidekraut, Strandhafer und gelben Blüten, dahinter das Meer.

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Wir sind auf einen kleinen Bunker geklettert und blicken auf unsere Fahrräder hinab.

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Am Fischfangplatz von Stenbjerg

Wir fahren bei Stenbjerg zu einem alten Fischereiplatz. Er ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, und ein kleines Museum erinnert an die Küstenfischerei hier. Es gab eine Winde, um die Boote hereinzuziehen, und Hütten, die nicht zum wohnen dienten, sondern nur dazu, die Fische zu verarbeiten und zu verpacken. Warum sich hier die Fischerei nicht mehr lohnt, aber an anderen Stellen der Nordseeküste schon, habe ich nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall ein beschauliches Fleckchen, wo man sehen kann, wie es früher abgelaufen ist. Historische Fischerkähne liegen auch am Strand. Wir machen eine Mittagspause und fahren dann weiter.

Viele Leute hier sind mit Wanderrucksäcken unterwegs. Darauf hätte ich ja auch mal Lust. Wir fahren durch Vorupør und folgen dem “Kystvej” durch eine Dünenlandschaft nach Klitmøller. Diese Gegend nennt sich auch “Cold Hawaii” und ist ein Zentrum des Surfsports. Wir sehen in Klitmøller überall Surfläden, Surfbrettverleihe, und Menschen die mit Surfausrüstung durch die Stadt wandern. Am Strand ist viel los, eine Menge Leute haben es sich gemütlich gemacht und einige andere versuchen sich im Wellenreiten. Wir machen eine Pause und bereiten uns Heißgetränke auf unserem Kocher zu. Dabei schauen wir uns die Surfversuche an, und ich bekomme den Eindruck, Surfen besteht zu 90% daraus, im Wasser zu liegen und auf eine Welle zu warten. Und die restlichen 10% der Zeit versucht man dann, nicht ins Wasser zu fallen. Für mich wär das nix, glaube ich.

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Nicht viel Wellengang in Klitmøller, aber die Surfer warten trotzdem auf eine günstige Welle.

In Klitmøller liebäugelt die Surfszene mit der Verwandtschaft zu Hawaii und auf den Autos sind Aufkleber mit der Aufschrift “Æloha”. Haha.

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kleine Fischerboote liegen auch am Strand, aber sehr kommerziell sieht das nicht aus.

Wir fahren weiter am Kystvej entlang. ein angenehm asphaltierter Radweg neben der Strasse schlängelt sich durch die Dünen. Es ist hügelig, aber immer noch sanft genug, um mit dem Schwung von der Abfahrt das nächste Hügelchen erklimmen zu können.

Dann nähern wir uns Hanstholm, wo es schon wieder Bunker zu sehen gibt. Diesmal liegen sie nicht am Strand, sondern sind in die Hügelkette hinter der Küste eingebaut. Die sogenannte “Batterie Hanstholm” war dazu vorgesehen, das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen abzusperren. Verwendet wurde sie nie, angeblich wurde nur einmal fälschlich ein Schuß auf ein Fischerboot abgefeuert, der zum Glück nicht getroffen hat.  Ich finde für das keine Quelle im Netz, ich meine, ich habe das auf einem Informationsschild bei den Bunkern dort gelesen.

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Die grusligen Bunker starren uns hohläugig aus der Hügelkette an.

Wir fahren am Fischereihafen von Hanstholm vorbei. Dass sich die Küstenfischerei hier noch lohnt, lässt sich daran bemessen, dass Hanstholm den grössten Fischereihafen Dänemarks hat, gemessen an der Fischmenge, die hier angelandet wird. Fischfabriken aus allen möglichen Ländern haben ihre Hallen in diesem Hafen aufgebaut.

Unsere Fahrradroute führt von hier in die Stadt hinauf, aber der Nordseeküstenradweg verläuft unten am Meer. Wir haben ja schon am Samstag genug eingekauft, und haben keine Lust den steilen Weg raufzuschieben. Später lese ich im Fahrradbuch, dass es in Hanstholm eine komplette Trennung von Autoverkehr vom unmotorisierten Verkehr gibt, und bedauere ein wenig, dass wir das nicht live gesehen haben.

Stattdessen fahren wir auf einem angenehmen Sandweg am Meer entlang.

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Zwischen Land und Strand schlängelt sich der schmale Radweg, am Fahrrad hängt die Wäsche zum trocknen.

Nach Hanstholm ist es nicht mehr weit nach Vigsø, wo wir einen Zeltplatz am Meer auserkoren haben. Falls dieser besetzt ist, können wir noch in einen nahegelegenen Wald, der zum Zelten freigegeben ist.

Wir treffen einen älteren Schwaben, der von Stuttgart losgeradelt ist und zum Nordkap will. Komisch, wieso alle zum Nordkap wollen? So ambitioniert sind wir nicht, aber wir haben auch nicht so viel Zeit.

Die Wege nach Vigsø sind super schön und malerisch. Im Internet stand, dass es am Zeltplatz kein Wasser gibt, deswegen wollen wir bei der Kirche welches holen. Aber ach, sie liegt auf dem Berg! Wir strampeln also hoch um aufzutanken. Was wir nicht wussten: Es hätte eine Abkürzung gegeben, die unten am Strand lang führt und an einer Toilette mit Trinkwasser für die Badegäste vorbei geführt hätte. Nun ja.

Da, wo der Zeltplatz sein soll, ist wieder alles mit Wohnmobilen zugeschissen, und wir beschließen, in das Zeltwäldchen zu fahren. Dabei biegen wir einen Feldweg zu früh ein, und finden uns in einer Sackgasse wieder. Es ist ein von Bäumen umstandenes Wiesengrundstück, in der einen Ecke stehen zwei Picknickbänke. Als ich mit dem Telefon genau schaue, wo wir uns befinden, zeigt es an, dass wir mitten in einem Bauernhof stehen. Nur ist dieser inzwischen völlig verschwunden.

Erst denke ich, dass uns das Telefon falsch lokalisiert, aber bei genauerem Abschreiten des Grundstücks sieht man noch einzelne Reste: Da war die Güllegrube, und da steht noch der Baum, der sich einst an das Haus gelehnt hat, ganz alleine. Wir beschließen, dass wir einfach hier zelten, es sieht gemütlich aus, und wahrscheinlich stört es niemanden. Dass der Picknicktisch mit Bänken hier herumsteht, ist auch äusserst bequem und praktisch.

Es ist noch nicht so spät und ich will noch mal zum Strand runter fahren. Dabei bemerke ich mit geübten Augen, dass der vermeintliche Zeltplatz eher ein Parkplatz ist, und der Platz ist eigentlich ein Shelterplatz am Waldrand. Aber da sind schon Leute, die sich feine Matratzen mitgebracht und im Shelter ausgerollt haben. Das macht aber nichts, wir sind ja inzwischen auch gut angekommen.

Ich schaue zum Strand runter und dort kann ich einen Haufen Bunker bestaunen, die nach und nach vom Meer überschwemmt werden.

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Ein Bunker versinkt im Meer.

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Mit dem Fahrrad am Strand: Etwas unpraktisch, ich habe aber meinen Fahrradschlüssel vergessen.

Ich schiebe mein Fahrrad über den Strand und mache viele Fotos.

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Noch mehr Bunker, die am Strand verwittern

Es wäre schön, wenn alles Kriegsgerät irgendwann so obsolet wäre wie diese Bunker.

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die Sonne geht hinter der Baumreihe unter, und bald werden wir es uns im Zelt gemütlich machen. 

Ich fahre zurück zum Zeltplatz und wir lassen den Abend mit einem warmen Essen und Tee ausklingen.

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