9. Tag des Vestkyststien: von Vigsø in die Kollerup Plantage

Es ist Montag, der 21. Mai 2018. Wieder ein wunderschöner Morgen. Ich wache um halb sechs schon auf und sehe Nebel über die Wiesen ziehen. Wir stehen auf, trinken einen Kaffee und dann fährt mein Partner sich noch die Bunker am Strand anschauen, und macht einen Ausflug zum Strandklo. So lange packe ich die Sachen zusammen.

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Morgennebel an unserem Zeltplatz

Später wollen wir gerade frühstücken, da fährt ein Auto auf das Wiesengrundstück, wo jetzt kein Bauernhof mehr steht. Oweh, nicht dass wir jetzt Ärger bekommen, dass wir einfach hier zelten. Aber das Auto fährt eine Runde, dann parkt der Typ etwas abseits von uns und lässt einen kleinen Yorkshire Terrier Hund aus dem Auto, der dann mit sich selbst Gassi geht. Irgendwann kehrt der Hund zum Auto zurück, steigt ein, und dann fahren die beiden wieder weg. Beim Rausfahren winkt der Typ noch einen Gruß zu uns herüber. Gut, das war also eine distanzierte, aber freundliche Begegnung.

Als wir losfahren, kommt der Wind aus Ostsüdost, ausgerechnet.. wieder den ganzen Tag Gegenwind. Wieso kann er nicht mal aus Nordwestern kommen, wie vor ein paar Tagen, als wir in nördliche Richtung unterwegs waren, hä?

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Wieder geht es durch eine Dünenlandschaft, vor uns liegt der Rücken vom Bulbjerg.

Dafür ist es durchgehend sonnig, was ja auch sehr wertvoll ist. Wir fahren heute viel auf Schotterwegen, aber die meisten sind okay, und nicht mit dem nervigen, losen groben Schotter belegt. Diese groben Schotterwege sind eigentlich das einzige, was ich an dieser Route nicht mag.

Mitten in der Dünenlandschaft liegt eine Hügelkette, die in einem der seltenen Vogelfelsen Dänemarks endet, dem Bulbjerg. Der imposante Felsen wurde im zweiten Weltkrieg ebenfalls mit deutschen Bunkern verschandelt, die heute ein kleines Museum sind: Über den Vogelfelsen, die Natur und die Bunker. Am Bulbjerg gibt es einen Parkplatz, aber als wir kommen, ist es noch früh und niemand ist dort. Wir machen eine Pause und genießen die Aussicht, ich wandere noch zur Spitze des Bulbjergs und schaue mir das Museum an.

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Blick vom Bulbjerg auf eine Mondsichelförmige Bucht 
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Wir haben die Räder an einen Picknicktisch gelehnt und genießen die Aussicht aufs Meer. 
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Der Vogelfelsen, von oben leider nicht so gut erkennbar.

Danach kommen wir nach Thorup Strand, ein Fischerdorf, wo im Gegensatz zur Westküste noch die Küstenfischerei läuft. Mir ist unklar, wieso sich das hier lohnt und dort nicht, aber dafür gibt es wahrscheinlich einleuchtende Gründe. Obwohl wir noch nicht lange unterwegs sind, hauen wir uns aus reinem Appetit ein Hotdog rein.

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Die Fischerboote vom Thorup Strand. Sie werden mit Seilwinden an Land gezogen. 

Nach Thorup kommt lange nichts und wir folgen einer langen, etwas eintönigen Strasse. Wir machen einen Abstecher nach Fjerritslev, der Weg dahin ist leider noch viel eintöniger, und wir haben immer noch Gegenwind. Heute tut mir der Hintern weh und meine Tagesform ist grundsätzlich sehr schlecht. Manchmal gibt es so Tage. Aber ich lebe im Moment und irgendwann ist die Strecke doch noch bewältigt. Wir wollen Wasser auftanken für den Shelterplatz und kaufen Joghurt, Energy Drinks und Bananen ein, eigentlich haben wir noch genug Lebensmittel dabei. Als wir in der Stadt kein Wasser finden, fällt Björn ein, dass wir am Waldparkplatz, wo der Weg zu unserem auserkorenen Zeltplatz abzweigt, ein Wasserhahn gewesen ist.

WIE BITTE? Und ich musste trotz meiner Tagesschwäche sinnlos nach Fjerritslev strampeln, oh mann. Wir fahren also wieder zurück und tanken am Waldparkplatz auf. Von dort aus ist es nicht mehr weit zum Shelter. Der liegt wunderschön auf einer Anhöhe, wo wir auf den Waldweg herunterschauen können. Wegen der Mücken bauen wir unser Zelt direkt daneben auf, obwohl ich sehr gern in dem hübschen Shelter gepennt hätte. Wir brauchen halt eine Art Moskitonetz.

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Wunderschön liegt der Shelter im Wald. 

Es ist erst 17 Uhr und wir verbringen einen entspannten Abend im Wald, spazieren herum, ich stricke was, wir lesen und machen ein Nickerchen.

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Bei einem Waldspaziergang fotografiere ich junge Zweige 
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..und einen abgestorbenen Nadelbaum, der mit grauen Flechten überzogen ist. 
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Das Chili schmurgelt auf dem Feuer 

Am Abend kochen wir Chili con Soja auf dem Lagerfeuer, aber irgendwas machen wir falsch: Es gibt hier kaum Holz, das einzige, was wir finden, ist Kiefer und Fichte, das nicht heiß genug verbrannt wird, und unsere zwei Töpfe sind danach mit einer dicken, klebrigen, widerspenstigen Schicht Teer/Ruß/Bitumen überzogen. Wir schrubben eine halbe Stunde mit Sand und harten Gräsern, bis die Schicht wieder ab ist, es ist ein Horror. Aber das Essen wird sehr lecker.

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Am Lagerfeuer in der Dämmerung sitzen, so schön. 

Nachdem die Dunkelheit hereingebrochen ist, flüchten wir vor den Mücken ins Zelt und schlafen auch bald ein.

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Das Zelt neben dem Shelter im Morgengrauen..
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