Zero Waste Hate Post

Weil heute bei meiner “Zero Waste Challenge” im Januar Monatshygiene dran wäre, und das für mich kein Thema ist, habe ich gedacht, ich spreche mal was anderes an. Und zwar, warum mich diese Szene auch ganz schön nervt.

Ich mag ja den Begriff “Zero Waste” an sich schon nicht. Denn das ist mir zu hoch gesteckt. “Weniger Müll” wäre das, was ich tatsächlich mache. Egal.

TL; DR Was ich an Zero Waste wirklich hasse, ist diese auf Hochglanz polierte Szene, die ZW-Ikonen, die mit ihrem ignoranten, heteronormativen, wohlhabenden, weißen privilegierten Mittelklasse-ZeroWaste-Lifestyle durch die Welt trampeln und glauben, sie retten die selbige dadurch.

Ich will nicht Leuten vorwerfen, dass ihre Instagram Accounts zu poliert sind. Privat nervt es mich, wenn alle nur noch selbstoptimiert alles auf Hochglanz halten. Aber wenn Leute das machen wollen, meinetwegen.

Ich will Leuten auch nicht vorwerfen, dass sie gängigen Schönheitsidealen entsprechen und eine weiße, mittelständische Hetero-Kleinfamilie haben, deren “glückliches” Leben sie online promoten. Es muss ja auch Leute geben, die weiß, heterosexuell und mittelständisch sind und den Kleinfamilien-Lifestyle halt für sich optimal finden.

Aber was mich nervt, ist: Dass es immer die selben Ladies wie aus dem Magazin geschnitten sind, die zu Zero Waste Ikonen werden, und dass sie sich verhalten, als hätten sie überhaupt keinen Begriff von ihrer privilegierten Position. (Auch wenn ich es erfreulich finde, dass die deutsche Zero-Waste Ikone, Shia Su, diesen Klischeebildern mal nicht entspricht und ihre Posts auf ihrem Blog finde ich z.B. recht bodenständig. Yay.)

Was mich gerade genervt hat, ist: Ich stolperte über die Webseite von Bea Johnson, die US-Amerikanische ZW-Ikone, weil sie einen “Bulk Store Finder” hat, der oft verlinkt wird. Ok, gucke ich mich da mal um und las… über ihre “Speaking Tour” nach “Afrika“. Es ging eigentlich nach Südafrika, aber macht ja nix, Afrika ist ja ein Land. Kein Kontinent, gell.

Die ganze Zeit gehts im Artikel über die coolen Dinge, die sie da macht.. Drachenfliegen, Schnorcheln, Safari, Ballonfahren, Berge und Strände besichtigen.. in den luxuriösesten Resorts wohnen.. und über Zero Waste reden. Auf den Fotos sind die meisten Leute im Publikum weiß. Sie besucht eine Paralellgesellschaft und reflektiert darüber gar nicht. Auch nicht darüber, dass all die Luxus-Unternehmungen, die ihr kostenlos organisiert werden, eben auch einen Co2 Fußabdruck haben.

Sie trifft die “südafrikanische Zero-Waste Ikone”, ebenfalls eine weiße Frau aus England, die allerdings gar nicht in Südafrika, sondern in Sambia lebt. So sagt zumindest ihr eigener Blog. Aber egal, Afrika – ist eh alles das selbe, gell. Gemeinsam besuchen sie Unverpacktläden und fliegen mit Mini-Flugzeugen und Ballons herum und essen unverpackte Nüsse zusammen.

Sie gehen auch in ein Cafe, wo sich Johnson darüber auslässt, dass ihr Tee in einem Teebeutel kommt. Und dass sie daran arbeitet, dass Tee nicht mehr in Teebeuteln kommt. Seriously? Sie hat gerade ihr Co2 Budget der nächsten 6 Jahre mit Fliegen verballert und der Teebeutel ist jetzt das Problem?

Sehr schön und romantisch findet sie es, dass sie einen weiteren “Engel” treffen darf, eine weiße Frau, die eine Organisation hat, die sich für das Pflanzen von Bäumen und das Anpflanzen von Feldfrüchten “in Afrika” einsetzt. Sie darf mit einer schwarzen Gärtnerin in einer Township zusammen einen Baum pflanzen, die von der Organisation Geld zum Gärtnern bekommt.

Dass sie ständig weiße “Macherinnen” trifft und Schwarze Menschen, die “in Need” sind oder unterstützt werden von ihnen, und warum das so ist, wird gar nicht hinterfragt. Oder vielleicht war’s auch nicht so? in ihrem Artikel sieht es nur so aus. Sie war auf einem tollen Adventure-Speaking-Urlaub und trifft viele supertolle Weiße, die ganz doll den armen Schwarzen helfen und überhaupt auch sehr ökologisch leben.

Sie besucht in einer Township einen Laden, in dem die armen, mehrheitlich Schwarzen Einwohner_innen Wertstoffmüll abgeben können, den sie auf der Straße aufgesammelt haben, und dafür erhalten sie Punkte, mit denen sie gespendete Kleidung oder Haushaltsgegenstände dort kaufen können. Sie findet das klasse, so wird Müll eingesammelt und die Armen bekommen Dinge, die sie brauchen. Ich finde das eher entwürdigend. Oft haben Arme genug zu tun, um einfach nur über die Runden zu kommen, da wäre eine Kleiderkammer besser, die nicht erst verlangt, dass man rausgeht, um Müll zu sammeln.

Und das ist alles kein Zufall, das die Verhältnisse so sind. Die Reise von Bea Johnson ist ein ignorantes Durchjetten durch eine Welt, die von Europa aus kolonisiert und ausgebeutet worden ist, und immer noch ausgebeutet wird. Wo die Folgen davon verheerend sind und klar vor unseren Augen liegen, und das wird von ihr nicht nur ignoriert, sondern da wird noch fröhlich dran mitgemacht. 

Wir machen alle irgendwie mit, es ist unmöglich, dem System zu entkommen. Aber man könnte es wenigstens sehen. Wenigstens beim Namen nennen. Und versuchen, es im ganz Kleinen und hier und da ein wenig besser zu machen. 

Wenn ich sowas lese, schäme ich mich, ein müllvermeidendes Weißbrot zu sein. Können wir bitte, BITTE, ein wenig weiter denken als dass wir keinen Teebeutel benutzen? Ökologie nutzt gar nichts ohne soziale Gerechtigkeit. Dass das genau die Leute sind, die sich als “Experten” präsentieren und Vorträge auf der ganzen Welt halten.

Ich cringe so hart.

PS: Ich habe jetzt den Blogpost von Bea Johnson nicht haarklein analysiert, und bin selbst als weiße nicht die erfahrenste Person für Rassismus und weißprivilegiertes Verhalten, deshalb ist das nur so ein grober Eindruck. Ich finde nur, wir sollten nicht so tun, als gäbe es in der Zero-Waste-Community diese Ignoranzhaltungen nicht. Ich möchte gern meine weißen Privilegien sehen lernen, sie hinterfragen und zumindest 1 gute Verbündete für People of Color sein. Und da habe ich mich gehalten gefühlt, so was auch mal zu thematisieren.

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2 thoughts on “Zero Waste Hate Post

  1. Autsch, diesen Bericht von Bea Johnson hatte ich noch gar nicht gesehen. Das tut echt weh.
    Mir waren bei ihr schon andere Augenauswischereien aufgefallen, aber das ist schon echt fett, sowohl die Rassismusschiene als auch der Balken im Öko-Auge…
    Auch dass sie zum Abschluss noch meint, wenn sie noch Platz im Koffer gehabt hätte, hätte sie sich welche von den dort weggeworfenen Aktenordner eingepackt und mit nach Hause genommen. Kein Gedanke an das Zusatzgewicht im Flieger und das verbrauchte Kerosin…
    Beim Fliegen ist es offenbar wichtiger, das eigene Sandwich mitzunehmen als das verballerte Flugbenzin für die Reisen an sich. Und wenn man in einem Land wie Südafrika, wo 80% der Leute schwarz sind, nur mit Weißen zu tun hat, außer bei einem “Charity”-Event, das irgendwer organisiert hat, sollte man sich auch mal Gedanken machen.

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