10. Tag #Vestkyststien: Von Kollerup nach Blokhus

Heute ist der 22. Mai 2018, ich komme auf der Tour langsam mit der Zeit durcheinander. Ich wache um 6 Uhr von alleine auf, es ist wieder ein sonniger Morgen. Im Shelter kochen wir Porridge, und nach dem Heißgetränk und dem Packen wollen wir losfahren.

dänemark tour 2018
Kaffee kochen am Shelter: Der Trangia Kocher macht das Wasser heiss, und unsere Kaffeedose, eine Trinkflasche und die Tassen stehen auf dem Holzboden.

Im Wald ist eine Schulklasse unterwegs, die eine Schnitzeljagd macht, am Vorabend waren zwei Lehrerinnen unterwegs, die die Spuren ausgelegt hatten. Wir hatten uns kurz unterhalten, überhaupt sehen wir auf der Tour ein paarmal Schulklassen, die im Wald herumlaufen und Abenteuerspiele spielen. Super Sache!

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Die Fahrräder auf einer Waldlichtung, wo wir von der letzten Steigung verschnaufen.

Die erste Strecke ist ganz okay, leider haben wir schon wieder Gegenwind. Einmal müssen wir uns eine miese, grobgeschotterte Strasse einen Hügel hoch plagen, dann geht es wieder bergab zum Strand. Es gibt da ein Sanitärgebäude und eine kalte Stranddusche, wo wir anhalten um ein paar Sachen zu waschen. Ich gebe mir die kalte Dusche, und das ist bei der Hitze sehr erfrischend.

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Klamotten waschen: Das kleine Outdoor-Faltwaschbecken im Gras bei den Dünen, es ist ein so praktischer Gegenstand!

Danach kommt etwas, was wir “Dänemarks schlechteste Schotterstraße” taufen, dazu haben wir noch Gegenwind, es ist sehr ermüdend. Am Strand Pause machen ging auch nicht so gut, weil da Baustelle war und Baufahrzeuge lautstark herumfuhren. Also weiter, jetzt ist da ein Weg in Plattenbauweise, wo ich mich frage, ob die Straße ein deutsches Bauwerk aus der Nazizeit ist.

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Malerisch, der kleine Sandweg am Meer, aber anstrengend, weil wir wieder bei Gegenwind auf und ab über die Dünen müssen.

Wir machen Pause an einem Waldrastplatz, aber die Erholung hielt nicht lange vor, die Wege durch den Wald werden immer schlechter: Nicht nur sind sie grob geschottert, sondern sie wurden von den schweren Panzern und Militärfahrzeugen vom Übungsplatz nebenan ziemlich zugrunde gerichtet. Der Schotter ist lose und zu lauter feinen Rippen aufgeworfen, weil riesige LKW-Räder sich da rein gegraben hatten.

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Ärgerlich: ein militärischer Übungsplatz. Hier das Schild, das ein Weiterfahren verbietet, aber auch die ganzen Wege in der Umgebung sind von den Militärfahrzeugen beschädigt.
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Einer von diesen hübschen Shelterplätzen, aber es ist noch nicht mal mittag und wir wollen weiter.

Mein Tourgefährte fällt in ein mentales Loch und wir kommen nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter, auch als sich der Weg bessert. Wir kommen an eine Schnellstrasse, und ausgerechnet an einer Straßenraststätte, die trostlos wirkt und in der prallen Sonne da liegt, sagt er, dass er nicht mehr kann und eine Pause braucht. Zu allem Überfluss kommt ein Rasenmähtraktor vorbei und mir fliegt ungelogen die Rasenmahd um die Ohren, weil der Landschaftsgärtner nicht aufpasst.

Wir fahren weiter, und kommen durch die Blokhus Klitplantage, ein hübscher Wald mit einem großen Lagerplatz darin. Inzwischen ist klar, dass zwischen Blokhus und Løkken – etwa 35 km – keine legalen Lagerplätze mehr liegen werden. Entweder wir bleiben hier, obwohl wir noch nicht weit gekommen sind, oder wir fahren alles, bis Løkken, was insgesamt 70km werden würden. Nachdem die Wege schlecht waren und der Gegenwind nicht ohne war, ist sich mein Partner unsicher, ob er das noch schafft. Ich ärgere mich, dass wir für 35km geschlagene 5 Stunden gebraucht haben, und jetzt eigentlich hier in Blokhus festsitzen. Ich versuche ihn zu überreden, einen regulären, bezahlten Campingplatz anzufahren, um wenigstens noch etwas weiter zu kommen heute. Aber das will er absolut nicht. Ich eigentlich auch nicht, aber noch weniger mag ich es, einen Tourtag schon mittags abzubrechen.

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Der grosse Shelterplatz in Blokhus. Drei schwarz gestrichene Shelter, die sogar Schiebetüren haben, Picknicktische und ein Grillplatz befinden sich dort.

Wir hatten letztes Jahr in Schweden die Situation, dass wir an einem “Schwächeltag” beschlossen hatten, statt noch nach einem Platz a la “Jedermannsrecht” zu suchen, einfach auf einem Campingplatz zu zelten. Das war leider ziemlich schlecht gelaufen. Wir bekamen eine Parzelle unter einer Straßenlaterne, der Platz war vom Wind schlecht abgeschirmt und es pfiff uns ständig um die Ohren, die Küche sah aus wie im Knast, es gab nicht mal Wifi und wir zahlten zu zweit etwa 40 Euro! Naja, das ist unwahrscheinlich, dass es dieses Jahr wieder so läuft.. aber.. egal.

Wir gehen erst mal einkaufen, stadtauswärts gibt es Supermärkte, und entscheiden uns dann doch, in Blokhus zu bleiben. Das beschert uns einen halben Tag Pause. Wir versuchen noch in der Stadt einen Geldautomaten zu finden, aber der Ort ist viel kleiner als gedacht, eigentlich gibt es nur eine große Strasse, und wir finden keinen.

Wir kommen am Blokhus Skulpturenpark vorbei, aber wie das immer so ist: Die Sandskulpturen sind in Parks, mit hohen Wänden umgeben, damit du Eintritt bezahlst, um die Sandbauten zu sehen. Irgendwie sind die auch mit etwas haltbar gemacht, sonst würde das in dem Seeklima ja gar nicht gehen. Und quasi Betonskulpturen in Sandfarbe, das finde ich nicht so spannend wie wirkliche Sandskulpturen. Wir lassen den Skulpturenpark links liegen.

Wir kaufen uns ein Wienerbrød (Ach, diese leckeren dänischen Plunder!) und fahren zum Lagerplatz im Wald. Er hat alles, was man braucht, auch Trinkwasser. Wir machen uns Instant Matcha Latte, und dann mache ich mir einen gemütlichen Nachmittag mit faulenzen, stricken und Podcasts hören.

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Ich stricke und höre Podcasts an einem der Picknicktische am Lagerplatz.
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Mittagschlaf im Shelter – ich glaube, der Tourgefährte ist vor lauter Ermüdung sofort weggepennt.

Abends kochen wir Couscous mit Zwiebeln, Bohnen, Mais und Zucchini. Dazu reiben wir uns Parmesan mit so einer Winzig-Reibe, die ich aus Fun gekauft hatte, aber sie funktioniert. Ein sehr junger deutscher Typ kommt mit seinem bepackten Rad, er ist in Kolding gestartet und fährt nach Skagen. Er mag nichts von unserem Essen abhaben und demontiert sein halbes Rad und putzt alle Teile.

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Abendsonne am Shelterplatz.

Dann kommen noch zwei Leute, die eine riesige Kühlbox tragen, dann gehen sie wieder weg und kommen mit riesigen Aldi-Tüten voller Zeug wieder. Wir befürchten schon, dass es abends eine laute Grillfete geben wird. Aber statt einer Partygesellschaft kommt niemand, die zwei bauen ein kleines Igluzelt auf. Puh, Erleichterung!

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unser schönes Tunnelzelt, das wir erst aufbauen, als die Bäume genug Schatten werfen. Sonst gibt es UV-Strahlungs Schäden!

Später bauen wir auch ein Zelt auf, denn Heerscharen von Mücken wollen unser Blut. Das wird also wieder nichts mit Sheltern!

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