Dänischer Nordseeküsten-Radweg (Vestkyststien) Tag 13: Nach Skagen und zurück

Es ist der 25. Mai 2018. Wir haben nicht so gut geschlafen, in der Nacht hörten wir ein seltsames Schnarren, das stundenlang in verschiedenen Tonhöhen dauerte, und ich stand irgendwann auf und stakste Barfuß und im Schlafanzug durch den Wald, dem Geräusch hinterher. Es war ein Vogel, der offensichtlich stundenlang ohne Unterbrechung schnarrt.

Dieser Vogel schnarrt anscheinend nur in der Nacht. Später fand ich mit einer beharrlichen Internetrecherche heraus, dass es ein Ziegenmelker war, auf Englisch “Night Jar”. In vielen Gegenden sind sie selten geworden, sie fühlen sich in Heidelandschaften mit vielen Insekten wohl.

Also hier, die ideale Gegend für diesen Vogel! Wir krabbelten morgens aus dem Zelt, und sofort sprangen uns 100 kleine Fliegen ins Gesicht. Selbst Autan half nur kurzzeitig. Wir packten zügig ein und beschlossen, so früh wie möglich beim Campingplatz einzuchecken, wo wir das Gepäck unterbringen wollten, um dann einen Tagesausflug nach Skagen zu machen, und die kommende Nacht dort verbringen. Ausserdem freuten wir uns auf heiß Duschen.

Der Platz war ab 8 Uhr geöffnet und es war kein Problem, dass B. seinen 2017 in Schweden gelösten skandinavischen Campingpass nicht dabei hatte. Alles ist online hinterlegt, und der nette Portier checkte uns ein. Wir wollten das teure Zelt nicht aufstellen wegen der UV-Strahlung, und die Taschen einfach auf die Wiese zu stellen, war uns auch zu riskant, also schlugen wir das Tarp auf und stellten die Taschen dort drunter, das wirkt dann wenigstens nicht so, als stehen die zum Verschenken da.

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Das Tarp ist als Gepäckgarage aufgebaut und die Räder stehen für den Tagesausflug nach Skagen bereit.

Der Platz hatte eine Wiese zum zelten und Parzellen mit Stellplätzen, die aber mit sehr naturnahen Hecken und Bäumen umfriedet waren, und hohes Gras mit Wildblumen gab es auch. Ich hasse ja diese geleckten Stellplätze mit möglichst eckig getrimmten Hecken drumherum. Diese waren schön und urig, und wir suchten uns einen in der Nähe des Küchen- und Sanitärgebäudes, weil dort eine Wifi Antenne stand und wir dann am Zeltplatz Wifi haben würden.

Dann fuhren wir ohne Gepäck nach Skagen. Der Radweg ist hübsch und führt auch noch an einem schönen Shelterplatz vorbei, der gar nicht belegt war. Wir hatten natürlich wie immer Gegenwind, aber der war nicht so stark. Durch den typischen Wald und die typischen Dünen fuhren wir zur “versandeten Kirche”.

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der Kirchturm der versandeten Kirche. er ist das einzige, was erhalten geblieben ist.

Die versandete Kirche wurde 1779 aufgegeben, nachdem die Gemeinde nur noch durch ständiges Sandschaufeln in die Kirche gelangen konnte. Sie sollte abgerissen werden, aber der Turm blieb als Seezeichen erhalten.

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Hier sind wir, ich und mein Fahrrad, in Skagen!
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Die Fußgängerzone in Skagen ist voller touristischer Shops, die Sonne scheint, und viele Leute spazieren herum.

Skagen hat viele Häuser, die am Dachfirst und an den Seiten weiss bemalte Dachziegel haben. Ich habe gelesen, dass das auch als Seezeichen diente und sich einfach erhalten hat. Ausserdem haben sie viele Leuchttürme und einen großen Hafen. Wir gönnten uns einen roten Hotdog in der Innenstadt und fuhren dann weiter nach Grenen raus, der Landspitze, wo Kattegat und die Nordsee zusammenfliessen. Vorher haben wir noch Pizzaschnecken und Schokobrötchen zum Picknicken beim Netto geholt.

Als wir dort ankamen, schlossen wir die Räder am großen Parkplatz an und erwarben Tickets für die “Sandormen”, Traktoren, die Passagieranhänger zum Strand raus ziehen. Das spart 2km Fußweg durch den weichen Sand und ist an sich auch ein cooles Erlebnis. Weil unser Sandwurm noch nicht sofort abfuhr, haben wir uns noch das Museum für moderne Kunst angeschaut.

Sandwurm
Im “Sandwurm” innen sind einfache Holzbänke installiert. Vorne zieht ein großer, moderner Trekker.
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Wir haben uns Tickets für den “Sandwurm” gekauft, ein Traktor mit einem Anhänger, auf dem ein alter Bahnwaggon montiert ist, oder so ähnlich.
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Die Leute tummeln sich an der äussersten Spitze Dänemarks und tauchen ihre Zehen in die Wasser des Skagerak und des Kattegat.

Die Landspitze war etwas unspektakulär, normalerweise soll es ja cool sein, zu beobachten, die die beiden Meere zusammentreffen, aber ich fand den optischen Effekt an diesem Tag nicht so deutlich. Der Lebensgefährte fand’s cool und ich machte Fotos von ihm am Ziel. So wie hundert andere Leute auch. Ich selber fühle dieses “Ha, DAS ist es jetzt, das Ziel” nicht. Für mich ist der Weg das Ziel.

Wir picknickten unsere mitgebrachten Snacks am Strand, schwitzten und nahmen dann den nächsten Sandwurm zurück zum Parkplatz. Auf dem Rückweg endlich mal Rückenwind!

Am Campingplatz machten wir mal Faulenz-Ferien, nahmen heiße Duschen und benutzten das Internet. Ich fand heraus, was für ein komischer schnarrender Vogel uns wach gehalten hatte (siehe oben) und abends gab es nochmal Nudeln mit Pesto. Der Platz hatte eine Küche, aber alle außer uns kamen nur zum Abwaschen dort hin. Es gab wieder viele Mücken und wurde eine warme Nacht.

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Am Abend steht das Zelt in unserer kleinen Parzelle.
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