Ich war beim Leipziger Wolle-Fest, ohne Wolle zu kaufen.

Disclaimer: Ich rede hier über Gewerbetreibende, deren ausgestellte Waren auf dem Wollefest ich interessant fand, und ich verlinke auch auf deren Webseiten. Manchmal preise ich die Sachen auch ganz schön an, jedoch: Ich bekomme keine Gegenleistung dafür, daher ist es wenn, dann eher privat betriebene Werbung. Die ich gerne mache, denn das sind alles ganz kleine Selbstständige, die es mehr als verdient haben, dass Leute ihre Dinge kaufen, finde ich.

Nachdem ich letztes Jahr wegen einem anderen wichtigen Termin auf das Leipziger Wollefest verzichtet hatte, bin ich diesmal wieder da gewesen. Und das in meinem NoBuy-Jahr, wo ich mir zumindest Wollkaufverbot erteilt habe.

Lass mich nochmal einen Blick auf meine selbstgewählten Regeln werfen.

Da steht, ich darf kein Garn kaufen (und, zumindest innerlich, ausformuliert habe ich es offenbar nicht, keine Spinnfasern). Daher habe ich mir gesagt: Vielleicht eine schöne Spindel, das wäre okay. Sie vergrössert meinen Stash nicht, sie ist nicht mottenanfällig, und sie ist hübsch zum sich ins Zimmer stellen, wenn sie gerade nicht benutzt wird.

Gleich am Anfang die Auflösung: So ist es dann auch gekommen. Außer der Spindel habe ich noch zwei Spinn-Gadgets gekauft, alles beim selben Mann: Peter Locke, der seine gedrechselten schönen Dinge am Stand von seiner Frau verkauft: Wolle online. (Inzwischen gibt es seine Spindeln auch in ihrem Online-Shop.) Das eine war der Prototyp von einer Fingerkunkel, das ist ein Mini-Spinnrocken, den man sich mit einem Ring an den Finger steckt, und der die Fasern beim Spinnen superbequem ordnet, und das Andere ist ein Schälchen für Supportspindeln, das man sich zwischen die Beine klemmen kann, im Sitzen.

Überhaupt war das sehr fein, die Lockes an ihrem Stand zu besuchen, sie sind einfach super nett. Ich war früher ja nicht so eine potentielle Kundin von gefachten Garnen, wie es sie dort gibt, aber ich muss sagen, die Farbverlaufs-“Bobbel” sind große Klasse, da entstehen auch so richtig sanfte Übergänge. Ich habe ja noch einen, den ich mal woanders bestellt hatte, hier, deshalb reizen mich noch mehr “Bobbel” erst mal nicht, anschauen ist super, aber ich muss gerade nicht mehr davon in meinen Besitz bringen.

So ging es mir mit dem Garn eigentlich auch, da habe ich dank meiner Stashdurchsicht und Stash-Appreciation wirklich das gute Gefühl dabei gehabt, zuhause genug und auch echt schönes Garn zum Stricken zu haben, und auch genügend Fasern zum spinnen. Trotzdem konnte ich die ganze Farbenpracht und auch die spannenden naturfarbenen Garne bewundern. Zum Leidwesen der Anbietenden, aber vielleicht hat es ihnen wenigstens gute Laune gemacht, dass jemand ihre Garne einfach nur bewundert.

Spinn- und Strickgadgets
Zuerst ein Bild der Errungenschaften: Links die Kunkel, dann das Schälchen und die neue Spindel (aus Essigbaum!) und noch zwei Päckchen Stricknadeln, die ich ausprobieren möchte.
Garnset als Zopf
Hier haben die Ladies von “Inclusio” viele kleine Stränge Wolle zu grossen bunten Zöpfen geflochten. Das sieht sehr hübsch aus..!

Schön bunt
Am Stand von “Nordische Wolle” – ich fand die Garne schön bunt und vor allem nicht so nichtssagend-weich. Der Bayerische Laden verkauft Wolle aus einer “kleinen Spinnerei im Baltikum”, wie sie sagen.

Special Yarns
Spannend: eine kleine Fasermühle in Sachsen, die nicht nur Garne von heimischen Schafrassen hat, sondern dort kann man auch Vliese waschen, kardieren oder kämmen lassen. Ihre eigenen Garne kommen von ihnen persönlich bekannten Schafhalter_innen und von ihren eigenen Tieren. Ihre Seite ist: https://www.naturfasermuehle.de/
indisches Ringspinnrad
Das ist ein Ringspinnrad aus Assam. Der Ringspinnkopf ist eigentlich aus der Industrie und wurde von einem Spinnradbauer in Indien in ein Rad für Handspinn-Produktion integriert. Es ist alles kugelgelagert und läuft trotz des rustikalen Äusseren sehr ruhig und leicht.
Wolle-Fest von Oben
Das Wollefest von oben gesehen. Hier der Stand von Zauberwiese und die Nachbarinnen.
Piratenwolle
Die Piratenwolle. Hier hätte ich einiges mitnehmen können, falls meine Wollkisten leer gewesen wären. :)
Dibadu Spinnfasern
Habe ich so auch noch nicht gesehen: Kammzüge mit kleinen Tweed-Nupsies, wie immer wunderschön gefärbt von Dibadu.
Noch mehr Dibadu
Die Farbenpracht beim “Mondschaf”.
Gefilzte Sitzkissen
Super schön: Zitrus-Sitzkissen aus Wollfilz. Aber sie werden aus dem Programm genommen, weil handgemachte Filzkissen halt auch kosten und nicht genug Leute das auch kaufen wollen.. zumal auf dem Wollefest viele Macher_innen sind, die eher Grundmaterial suchen und keine fertigen Produkte.
An unserem Tisch
Pause vom Bummeln haben wir an einem Café – Tisch gemacht, und da trafen sich auch unsere Spindelprojekte.
niedliche Schäfchen und duftende Seife
Niedliche Schäfchen und duftende Seifen.. “Angelikas Naturwaren”.
Filzlinge
Bunte Kammzüge bei “Filzlinge”
Nochmal bunti
Für mich neu, und ich war absolut hingerissen von den Farben von “Coonie’s Wolle” aus Duisburg.
Handgefärbtes Gansey Garn
Bei Wasserwolle war der “Gansey Bear” und es gab einfarbige und handgefärbte Gansey-Garne aus England.
Lütt Marie
Viele bunte Speckles bei “Lütt Marie”, ebenfalls aus Duisburg.

Am Samstag wollten wir einen “Team Yeti” Tisch machen (haben wir auch gemacht), wo sich Leute aus der “Podcasting auf Deutsch” Ravelry Gruppe treffen können. Vielleicht war der Tisch zu wenig sichtbar (wir waren im vorderen Cafe, das eher so seitlich lag und wo viele Leute eher nur vorbei liefen), vielleicht war auch niemand da. Vorab im Forum hatte sich ja auch niemand gemeldet dazu. Aber das war okay, wir waren insgesamt dann doch zeitweise neun Leute und einen Tisch zu haben, wo man sein Zeug lassen kann, ist das Beste auf diesen Wollmärkten.

Ich habe mich gleich an den Tisch gesetzt und die Stellung gehalten, während die Anderen schon mal über den Markt gezogen sind (was mehr als eine Stunde dauerte) und dann traf ich auch schon Lena, mit der ich verabredet war, die einen süßen gestrickten Hasen als Erkennungszeichen dabei hatte, und wir hatten’s ruhig und nett an unserem Tisch während der hektischsten Zeit auf dem Wolle-Fest.

Ich hatte mir am Hauptbahnhof in meiner stapelbaren “Tiffin” Lunchbox indisches Essen gekauft und das mitgebracht. Der Kassierer im indischen Buffet war sehr erfreut, dass ich mit einer indischen Lunchbox ankam. Ich habe Kichererbsencurry und ein Gemüsecurry mit Paneer in die unteren Ebenen eingefüllt, und in der dritten Etage ein buntes Biryani. Er hat mir in einer Papierbox noch extra Reis dazugepackt, und am Ende konnte ich mich sogar zweimal satt essen davon.

Für den Sonntag hätte ich mich gerne mit jemandem treffen wollen, aber sie musste wegen anderer dringender Dinge absagen, und ich entschloß mich, trotzdem auch am Sonntag hinzugehen. Das war aber auch super schön, denn da war einfach mehr Zeit, alles zu sehen und mit den Händler_innen zu reden. Ich habe einiges gesehen, dass ich bei meiner Runde am Samstag überhaupt nicht gesehen hatte, z.b. das oben fotografierte Spinnrad aus Assam.

Am Sonntag war noch Spinntreffen auf dem Wollefest, und ich habe mich dann für die restliche Stunde, die ich noch bis zur Abfahrt des Busses hatte, dazugesetzt. Das war nett und ich bekam sogar ein Stück Kuchen ab. (Danke an die Landfrauen aus Leipzig-Süd) Während ich am Samstag mit Lena am Team Yeti-Tisch über Radtouren fahren geredet hatte, saß ich am Sonntag neben einer Spinnerin, die auch liebend gerne Flußradtouren fährt. So ein Zufall, ich liebe es!

Leider war es kalt, auch in der Glashalle. Am Sonntag hat der Sonnenschein auf dem Dach gefehlt. Mir wurde so richtig fröstelig beim Warten auf dem Fernbus im Nieselregen, und ich glaube, ich versuche es nächstes Jahr wieder mit der Bahn – auf der Hinfahrt hatte ich jemanden neben mir mit massivem Parfum- und Zigarettengestank an den Klamotten, und mir wird eh schnell schlecht in Autos und schaukelnden Bussen. Auf dem Rückweg ging es allerdings gut, da saß ich auch neben einem Raucher, aber der roch nicht so krass nach Rauch und zum Glück gar nicht nach Parfum.

Schön war es, und mein Besuch bei meiner Freundin, die mich netterweise immer zum Wolle-Fest beherbergt, war auch wieder schön. Und jetzt bin ich nicht nur ohne Stashzuwachs wieder zuhause: Ich habe auch eine Menge mehr Lust, meinen Stash zu verarbeiten, nach all der Inspiration, die ich dort aufgeschnappt habe.

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