Vestkyststien Tag 2: von Højer nach Ribe

Es ist Montag, der 14. Mai. Wir haben heute eine Strecke von ca. 70km vor uns, und die Gangschaltung am Fahrrad meines Lebensgefährten funktioniert nicht, na Prost! Trotzdem ist die Moral ganz gut. Wir packen früh ein und wollen unterwegs frühstücken. Auf dem Weg aus Højer raus sehe ich, dass das ein riesiges Hünengrab ist, und schaue es mir noch an:

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Hünengrab in Højer: ein Steinkreis mit ca. 15m Durchesser, in dem ein grasbewachsener Erdhügel aufgeschüttet ist. Der Eingangsstein ist verschlossen. 

Bei Emmerlev Klev kommen wir dem Meer wieder sehr nahe. Wir fahren zum Strandhotel, das ausgestorben da liegt, und setzen uns auf eine der Bänke am Wanderparkplatz, packen unseren Kocher aus und es gibt Porridge mit Bananen und Schokolade.

Ein Mann mit Gummistiefeln kommt vorbei und wandert am Watt entlang, er wird langsam immer kleiner und kleiner, so flach ist es hier, dass man ihn noch lange sieht.

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Die Bucht von Emmerlev: Hinter einem flachen Deich ist eine feuchte Wiesenlandschaft, die ins Wattenmeer ausläuft (gerade ist das Wasser da und das Watt nicht zu sehen), davor mein Fahrrad. 

Danach geht es nach Hjerpsted und weiter entlang einer Landstrasse, auf der zum Glück wenig Verkehr ist. Aber in Dänemark gibt es einen himmelweiten Unterschied zu Deutschland: Die Leute fahren so viel langsamer. Und sie fahren viel entspannter und rücksichtsvoller. Hier kann ich angstfrei auch mal an einer Landstraße entlangradeln.

In Badsbøl-Ballum geht es dann von der Straße weg und wir stoppen an der Kirche von Vesterende-Ballum, um unsere Wasserflaschen nachzufüllen. Es gibt Vogelhäuschen auf Stelzen, die gestaltet sind wie die Gebäude in der Gegend. Ich habe aber keins fotografiert.

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Flach, flach, flach und grün und Meer. 

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Noch mehr flach, flach und grün und Meer und ein paar Gebäude am Horizont. 

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Im Inneren der Kirche von Vesterende-Ballum sieht es nordisch maritim aus. die Holzbänke sind blau gestrichen, genauso wie die Chorempore, und von der Decke hängt ein kleines Segelschiffs-Modell. 

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weiß gekalkte Gemäuer kann man am Ausgang vom Kirchhof sehen, ein weiß gestrichenes Tor und grüne Hecken geben den Blick auf flache, grüne Wiesen und das Meer frei. Der Himmel ist knallblau. 

Nach der Pause bei der Kirche verläuft der Radweg direkt am dänischen Teil des Nationalparks Wattenmeer. Nur verläuft er an der Innenseite des Deichs, deswegen können wir die ganze Zeit das Meer nicht sehen. Außer, wenn ich auf den Deich klettere.

An den Deichen sind Schafweiden mit vielen, vielen kleinen Lämmchen, die mit hohen Stimmen niedlich blöken. Das bedeutet aber auch, dass der Radweg Dutzende von Zäunen und Gattern kreuzt, und wir oft absteigen müssen, um die Tore zu öffnen und dann wieder zu schließen. Es wird Mittag und immer wärmer.

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Flach, Grün und Meer… nur, dass dieses Foto vom Deich aus aufgenommen wurde. 

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Eines von vielen Gattern, wo wir ein Tor öffnen mussten, um durch zu fahren. Im Hinterland des Deiches sind Teiche mit Schilfwedeln. 

Es wird immer wärmer, beziehungsweise: MIR wird es immer wärmer. Es gibt kaum schattige Stellen, und obwohl ich eine Baseballmütze trage, merke ich langsam, ich bekomme zu viele Sonnenstrahlen ab. Wer hätte gedacht, dass das Wetter SO GUT wird! Der Radweg verlässt den Deich um bei Brøns durchs Dorf zu führen. Dann geht es ein langweiliges, und ebenfalls sehr sonniges Stück an einer geraden Landstrasse entlang. Es herrscht leichter Gegenwind und mein Partner ermüdet, zumal er alles im 4. Gang fährt.

In Rejsby fahren wir endlich von der Landstrasse runter, und kurz nachdem wir das Dorf durchfahren haben, MUSS er an einem Picknicktisch eine Pause machen. Mir ist es dort zu sonnig. Aber er KANN nun mal nicht mehr. Ich hole seufzend das Tarp raus und versuche mir einen Sonnenschutz aufzuspannen, leider ist das nur bedingt von Nutzen.

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Ein Tarp auf einer sonnigen Wiese zwischen Zaunpfählen und dem Fahrrad aufgespannt. Darunter im Schatten sind Fahrradtaschen und was zu essen. 

Ein Sonnenstich ist, wie ich später nachlese, ein Hitzeschaden, und dabei geht es um langwellige Sonnenstrahlung, die vor allem Wärme erzeugt (im Infrarotbereich, wie diese Infrarotlampen). Und unter dem Tarp staut sich die Hitze auch ganz schön. Ich habe noch keinen Sonnenstich, aber ich merke, dass er nicht mehr weit ist. Ich nehme also meine Sachen und beschließe, mich in das unwegsame Gebüsch zu verziehen, das in der Nähe liegt. Es stellt sich heraus, dass in dessen Mitte ein gemütliches kleines Wäldchen ist, und weil Bäume so gut das Licht filtern und kühlen, ist es darin super angenehm!

Keine Ahnung, wieso ich nicht gleich drauf gekommen bin. Der Partner kommt auch noch in das Wäldchen, und wir verbringen eine Stunde im Schatten der niedrigen Bäume und Sträucher mit Lesen und Dösen.

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ein schattiges kleines Buschwäldchen bietet uns einen Platz zum pausieren. 

Dann führt der Radweg wieder runter zum Meer, und es wird wieder heiß. Aber jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis Vester Vedsted. 7 Kilometer, um genau zu sein. Wir kommen am Traktorenshuttle-Service vorbei, wo man sich auf die kleine Insel Mandø fahren lassen kann. Auch das Wattenmeerzentrum lassen wir links liegen, leider.

Ich hätte es mir gerne angesehen, aber die Fahrradreparatur hat Priorität und deshalb wollen wir ohne Zwischenhalte nach Ribe.

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Am Meer steht ein Fahrrad in der grünen Wiese

In Ribe kommen wir gleich zu den “Cykeleksperten”, die Werkstatt, die das Internet empfiehlt. Sie liegt direkt an unserem Weg. Ich bemerke leichte Schwindelgefühle und weiß nicht genau, ob ich zuviel Sonne hatte oder ob ich was essen muss, aber ich fürchte, es war doch zuviel Sonne. Noch bin ich aber fahrtüchtig.

Bei den Cykeleksperten finden wir einen Mechaniker vor, der alle Hände voll zu tun hat und uns wieder wegschickt. Er könne sich das Rad noch nicht mal anschauen, weil er einfach keine Zeit hat. Für mich ist das völlig demoralisierend. Immerhin empfiehlt er uns eine andere Werkstatt, am anderen Ende von Ribe, im Industriegebiet nördlich der Altstadt. Wir rufen da an, und juhu! Sie sagen, wenn wir gleich vorbeikommen, nehmen sie sich sofort Zeit für uns.

Ribe ist eine wunderschöne alte Stadt, aber wir müssen ja zur Werkstatt und haben keine Zeit. Uns fällt noch ein, dass wir ja gar kein dänisches Geld haben, und heben einen Schwung Kronen von einer dänischen Bank ab. Dann geht es zur Werkstatt. Das Industriegebiet ist fast außerhalb, wie eine zweite Stadt, und als wir da sind, stehen wir vor einer großen Verkaufshalle mit angeschlossener Werkstatt: dem Ribe Cykellager. Wir gehen etwas schüchtern rein, und drinnen gibt es drei Reparaturstände, wo drei Menschen gleichzeitig arbeiten. Ein Mechaniker kommt auf uns zu, und sagt, “Hallo, wir haben telefoniert”. Dann nimmt er das Rad, das er gerade repariert, vom Reparaturstand ab, hängt sofort B’s Rad drauf und schaut sich das Malheur an.

Wie wir vermutet hatten, muss der Schalter am Lenker ersetzt werden, einen neuen Schaltzug bekommt das Fahrrad auch. In 20 Minuten ist alles geschafft, wir sind sehr dankbar und 450 Kronen leichter.

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In der Werkstatt des “Ribe Cykellager”.  Fahrräder stehen überall herum, und ein Rad hängt an einem Reparaturstand. 

Wir fahren um einiges entspannter zum Shelterplatz in Ribe, den wir auch ohne Probleme finden. Ich hatte mir schon vor der Reise alles mit dem Satellitenbild von Google maps angeschaut, sonst wäre es wohl nicht so einfach gewesen. Auf dem Platz ist eine große runde Hütte mit Feuerstelle in der Mitte.

 

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Ich sitze am Shelterplatz im Gras und genieße einen Instant-Matcha-Latte im Schatten. 

Wir haben immer noch genug zu kochen von zuhause dabei, heute gibt es Weißkohl mit Tomaten und Bohnen aus der Dose. Dazu gab es dann noch Couscous. Das ist sehr praktisch, weil es so gut wie keine Kochzeit benötigt. Zumindest die Schnellkochvariante nicht. Ob es langsamer kochende Couscous-Sorten gibt? Mir ist noch nie eine untergekommen.

 

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Als die Sonne abends schwächer wird, baut B. das Zelt auf und richtet schon mal alles ein. 

Da wir jetzt heute schon die Reparatur hinter uns gebracht haben, beschließen wir, den dafür geplanten Extra Tag trotzdem zu verwenden, und morgen in Ribe eine Stadtbesichtigung zu machen, und dann in Esbjerg auch nochmal in der Stadt rumzubummeln. Anstatt zum Oksbøl Fjord zu fahren, werden wir dann einen Shelterplatz in der Nähe von Esbjerg ansteuern. Dadurch werden die nächsten zwei  Etappen etwas kürzer werden (und das wird sich noch als sehr günstig für uns herausstellen).

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Die Hütte in Ribe steht auf einer kreisrunden Waldlichtung. 

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Das Solarpanel bekommt auf dieser Tour viel zu tun, denn soviel Sonne hatten wir noch nie. 

Den Sonnenschutz abzuwaschen stellt echt eine Herausforderung dar. Ich verwende einen physikalischen Sonnenschutz von Alverde, der einen so kalkweiß macht. (Allerdings habe ich später wieder auf Chemie zurückgegriffen). Zum Abwaschen habe ich Lavaerde benutzt, das ist eine Wascherde, die komplett ohne Zusätze auskommt und deswegen kein Problem bei der Verwendung in der Natur ist. Und sie wäscht gut.

Als wir in den Schlafsack kriechen, ist es immer noch hell, das ist schon zu merken, dass wir hier weiter nördlich sind. Ich schlafe ziemlich sofort ein und schlafe auch diese Nacht wieder sehr gut.

 

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Nordseeküstenradweg in Dänemark (Vestkyststien) Teil 1

Jetzt ist wieder ein halber Monat vergangen, seit ich von der Radtour zurück bin. Es wird Zeit fürs Bloggen, sonst vergesse ich noch die Hälfte.

In Dänemark Radfahren und zelten ist für mich ein super praktischer Urlaub, weil es gut zu erreichen ist von Berlin aus, weil es ein sehr fahrradfreundliches Land ist und weil es ein sehr wander- und campingfreundliches Land ist. Und hiermit meine ich nicht nur die motorisierte Variante. Es gibt ein gutes Netz von Naturlagerplätzen, die für Wandernde kostenlos nutzbar sind, bei manchen fällt eine kleine Gebühr an. Und die Radwege sind gut ausgebaut und die Menschen sind freundlich und rücksichtsvoll gegenüber Radfahrenden. Wenn man wirklich alles selber auf dem Feuer oder Campingkocher macht, ist Dänemark auch nicht mal teuer.

Die Hinfahrt soll stressfrei sein, ein Intercity Zug, der ohne Umsteigen nach Niebüll in Nordfriesland durch fährt. Von da aus wollen wir die 30km nach Højer fahren, wo die Tour dann “so richtig” startet. Alles klappt auch ganz gut, ein freundlicher Schaffner zeigt uns unsere Fahrradplätze und hängt die Räder sogar noch in die Halterungen. Die sind so beschaffen, dass das gar nicht so einfach geht, also bin ich ihm schon sehr dankbar. Wir bekommen auch feine Sitzplätze. Und ich bekomme unterwegs Angst, als der Zug auf offener Strecke stehen bleibt und eine Durchsage “technische Probleme” erwähnt. Letztes Jahr mussten wir unsere Tour früher beginnen, weil der Zug komplett kaputt ging. Diesmal haben wir Glück: Sie starten das Computersystem neu (und machen das fortan alle 20 Minuten) und dann fährt der Zug wieder ein Stück weiter. Im nächsten großen Bahnhof hängen sie einen Diesellok davor und wir kommen später als geplant, aber immerhin, in Niebüll an.

Dort plagen wir uns über unausgeschilderte Umleitungen bzw. durch totalgesperrte, sich im Bau befindende Straßen, aber finden dann doch noch auf die Route. Es ist sonnig und heiß, und etwas windig. Wie flach das Land hier ist! Es ist eben wie eine Tischplatte. Der Duft von blühenden Rapsfeldern steigt uns in die Nase und ich kleistere mich brav mit Sonnenschutz ein.

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Unsere bepackten Räder und mein Tourmitfahrer vor dem Bahnhof in Niebüll. Das Wetter ist klasse, und da ist auch schon das Schild, das uns den Weg nach Højer weist.

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Endlich auf dem platten Land! Eine schmale, asphaltierte Strasse führt durch grüne Wiesen, und vorbei an blühenden Hecken. weiter hinten steht ein Fachwerkhaus.

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Es ist wirklich, wirklich flach. Eine Wiese, ein Ortsschild, ein paar Bäume und grüne Wiesen und ein gelbes Rapsfeld liegen vor uns.

Wir fahren ein Stück über Landstrassen, auf denen zum Glück wenig Autoverkehr ist. Denn Autoverkehr in Deutschland bedeutet oft (und das bekommen wir gelegentlich zu spüren) dass jedes 3. Auto wie ein Bolide an dir vorbeiböllert, als wollten die Insassen ein vorzeites Ableben riskieren und dabei noch jemanden mitnehmen. Es ist schon erstaunlich, wieviel Lärm ein Auto bei höheren Geschwindigkeiten erzeugen kann. Da läuft dein ganzes Leben vor dir ab, wenn du sie von hinten heranschießen hörst.

Links von uns sehen wir dann den Nordseedeich, und der Weg kommt ihm immer näher. Dann liegt auch schon die Grenze zu Dänemark vor uns, und wir gönnen uns im alten Zollhaus, das heute ein Cafe ist, große Tassen mit Kaffee und hausgemachte Kuchen. Die sind wirklich gut. Einkehren ist etwas, das in Dänemark unerschwinglich ist, deswegen hauen wir hier noch mal rein.

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In diesem Cafe im früheren Grenzkrug/der Zollstation gibt es mit weißen Tischtüchern bedeckte, gemütliche Tische und eine Bücherwand bis zur Decke hoch. Darauf steht ein Schild “offener Bücherschrank”.

Dann geht es über die Grenze. Früher lag hier ein Bauernhof, der bei der Ziehung dieser Grenze so ungünstig weg kam, dass der Bauer jeden Tag die Grenze übertreten musste, um aus dem Hof zu den Feldern zu kommen. Der war darüber nicht erfreut und ließ öfter mal den Schlagbaum offen stehen. Auf den Wiesen zwischen dem Deich und dem Meer tummeln sich unglaublich viele Schafe und Zugvögel.

 

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Der Deich und dahinter eine grüne Wiesenlandschaft, wo Schafe mit kleinen Lämmchen rumlaufen. Im Hintergrund sind noch Windräder und Büsche.

 

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Ein Asphaltweg führt über den Deich, vorbei an einem großen Bauernhof und vielen Weiden.

Kurz nach Überqueren der dänischen Grenze höre ich vor mir ein Fluchen, und es stellt sich heraus, dass die Gangschaltung meines Reisegefährten sich verabschiedet. Erst schaltet sie nur noch mit viel Glück, dann bleibt sie im 4. Gang stecken. (Immerhin der mittlere Gang). Nun fährt er Single-Speed.

Ich ärgere mich, weil wir die Räder vor der Tour immer zur Inspektion bringen. Trotzdem geht bei ihm jedes Jahr etwas grösseres kaputt, und jedes Mal gleich am ersten Tag. hmpf. Bei mir ist, seit ich die Werkstatt des Vertrauens gefunden habe, auf Tour nie mehr was kaputt gegangen. Gut, da ist natürlich auch Glück dabei, aber in dem Fall ist es einfach auch Vernachlässigung.

Der Wind wird immer stärker, je weiter der Nachmittag fortschreitet. Als wir die Vidå überqueren, bläst mich der Wind fast von der Brücke. Ich habe natürlich meinen Loopschal, den ich mir sonst über die Ohren gezogen hätte, zwar gesucht, aber nicht gefunden, sonst hätte ich ihn eingepackt.

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Der Fluß Vidå bei Højer wird vom Wind gepeitscht.

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Bei der alten Windmühle in Højer finden wir Trinkwasser, denn an unserem heutigen Lagerplatz gibt es keins. Die Mühle ist weiß gekalkt und hat hübsche Fenster mit ganz vielen winzigen Unterteilungen.

In Højer steuern wir erst mal die Kirche an, um Trinkwasser für die Übernachtung zu tanken. Am Lagerplatz gibt es nämlich keins. Doch die Kirchentoiletten sind gerade in Renovierung. Der nächste Versuch: die alte Windmühle von Højer. Die hat geschlossen, aber zwei ältere Damen sehen, wie wir suchend herumlaufen und fragen nach, ob sie helfen können. Wasser? Na klar. Hinten am Nebengebäude gibt es einen Wasserhahn, den zeigen sie uns und wir füllen unseren Wassersack auf.

Den Platz finden wir ohne Probleme, die Ladies beschreiben uns auch nochmal, wie wir am besten hin kommen. Es ist ein richtig schönes Shelterplätzchen am Rande eines großen Pfadfinderlagerplatzes. Der ist aber gerade leer.

Dann zur Diagnose der Gangschaltung: Wir schrauben den Gripshift Schalter am Lenker auf, wo wir schnell sehen, dass darin alles mehr oder weniger Matsch ist. Plastikteile sind verbogen, zernudelt oder verdreht,  und alles sitzt am falschen Platz, es ist auch gar nicht reparierbar.

B. schwört, dass er zur Not die ganze Tour im 4. Gang fährt. Aber weil das nicht so prickelnd ist, suchen wir Werkstätten. Die nächste ernstzunehmende Werkstatt, die auf unserem Weg liegt, ist in Ribe, 70km von hier. Falls es dort nicht klappt, müssen wir in Esbjerg unser Glück versuchen, die größte Stadt in der Gegend, wo es viele Werkstätten gibt.

statt im Shelter zu schlafen wird gezeltet, wegen der Mücken. Als das Zelt steht, machen wir noch einen Spaziergang durch die Wiesen. Dann machen wir ein Lagerfeuer am Shelterplatz und es gibt ein leckeres Abendessen, Nudeln mit Zucchini und Tomatensauce. Ich habe mir aus Spaß eine nur 6cm hohe Parmesanreibe gekauft, und sie funktioniert wirklich. Juhu, Parmesan auf Reisen!

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Abendessen vom Lagerfeuer: Pasta mit Gemüse und Tomatensauce.

Morgen brauchen wir dänisches Geld, mal schauen, ob wir es in Ribe umtauschen können.

Ich schlafe schon in der ersten Nacht wunderbar, was ungewöhnlich ist, weil früher musste ich mich immer ans Zelten 2 Tage gewöhnen. Aber hey, ich will darüber sicher nicht meckern!

 

 

Packing list (in english)

Sleeping

– Tent (I use a Hilleberg Nallo 3, it was expensive but it’s a fantastic tent. I love it and it never let me down.)
– Tarp (although the tent is spacious, I sometimes like to have an outdoor cooking space for bad weather conditions. I don’t like to cook over open flame in the expensive tent, also the cooking smell would stay in the tent overnight.. )
– a few patches to repair the tent (luckily I never needed them).
– sleeping mat
– sleeping bag
– footprint for the tent (we use a cheap one from the “baumarkt”)
– flashlight

Kitchen

– Stove and pots (we have a trangia stove and pots, I love this one very much)
– A bottle of methylated spirit (to fuel the stove)
– Spice roll (a friend made me one)
– Coffee whitener (I like coffee with milk but milk doesn’t work outdoors).
– Spoon (I don’t need any other cutlery)
– Cup
– Bowl
– Water bottles
– Pocket knife
– Coffee
– food
– “Kitchen Sink”, wich is a folding bucket that is the diameter of a CD when packed and 3 cm high. I thought I wouldn’t need it but it’s the best piece of gear ever.
– a water bag for staying overnight at a place without water, it can hold up to 10 litres, but it’s very light and small when rolled up.

Clothes

– 3 of each: Underwear, Socks, Tshirts (one that you wear, one that just got washed and is drying, and one that is dry)
– 1 pullover/Cardigan
– 1 Pants
– 1 Leggings
– 1 Flannel Shirt
– 1 knitted shawl
– 1 rain pants
– 1 rain jacket
– 1 cycling pants
– needles and thread for sewing
– (waterproof) shoes

Body care and cleaning

– ghassoul
– towel
– dishtowel
– toothbrush + toothpaste + dental floss
– Qtips
– tissues
– Bodylotion (my skin dries out a lot when I’m outside all the time!)
– nail clipper

Bike stuff

– tools for simple repairs
– patches for repairing the tube
– spare tube
– lube

for fun

– ebook reader
– charging cables
– solar panel for making your own energy
– powerbank
– camera
– knitting
– swimwear
– travel notebook, pens, and watercolors

first aid

– medications
– anti-tic and mosquito spray
– antiseptic
– some plasters and first aid kit
– sunscreen
– “seam grip” glue

Paperwork

– money
– Passport
– Tickets
– map(s)

Radtour. Sommer im April

Letztes Jahr hatte ich es Ende März und Anfang April geschafft, meine ersten Touren mit draußen schlafen zu machen, dieses Jahr war einfach viel zu tun, und deshalb habe ich bis zum vergangenen Wochenende (21./22.4.) warten müssen. Dafür war das beste Sommerwetter überhaupt! Ich verbrauchte viel Sonnencreme und holte mir am 2. Tag fast noch einen leichten Sonnenstich trotz Kopfbedeckung.

Wie fast immer auf meiner ersten Tour mit Übernachung: Ich vergesse Dinge. Diesmal vergaß ich einen Eßlöffel und ein langärmliges Shirt. Den Löffel bekam ich unterwegs geschenkt, das Shirt habe ich schändlich bei einem Billigbekleidungsriesen erworben. Sogar mit Kapuze.

An der S-Bahnstation nahm der Ticketautomat keine Kartenzahlung an, und was ich nicht wusste: Er nahm Geldscheine nur dann an, wenn man den ganzen Vorgang abbricht und alle Details von vorne eintippt. Also wohin die Reise geht, an welchem Tag, und welche Karte man möchte, und das jeweils einzeln für mich und das Fahrrad. Deswegen tippte ich das alles zwei mal an einem Automaten ein, und dann noch zweimal an dem Nachbarautomaten, der auch die Karte nicht akzeptierte. Somit war ich schon mal spät dran für den Zug und konnte von Glück reden, dass ich ihn gerade noch erreicht habe.

Startpunkt war Fürstenberg/Havel. Es ging in die Nähe von Wittstock/Dosse, zu einem befreundeten Landprojekt. Wen die Route interessiert, hier ist sie zu finden, auf outdooractive.  Allerdings führt diese Route nach Lärz aus Datenschutzgründen, ich bin die letzten km anders gefahren. ;)

Irgendwie versäumte ich, zu frühstücken, aber habe das gleich hinter Fürstenberg an diesem netten Rastplatz nachgeholt:

Eine Sitzbank mit Dächlein an einem kleinen Rastplatz auf einem Hügel über Fürstenberg, im Hintergrund bestellt jemand sein Feld. Seitlich steht noch eine Tafel mit Informationen über das Ruppiner Seenland.

Kann ich mal sagen, dass ich die kleine neue Kamera mag? Es ist eine Sony RX-100. Die sind ja super teuer, deshalb habe ich das erste Modell genommen, das von 2012. Es ist inzwischen im Preis gesunken, kann aber viele Dinge nicht, die die “neuen” können. Aber sie kann Bilder. Und darauf kommt es an!

kleine Waldstrasse hinter Fürstenberg. blühende Sträucher und sonniges Wetter, so soll es sein!

Die Blümchen sind auch schon da. Buschwindröschen sind das, glaube ich.

Bis nach Rheinsberg bin ich dann ohne weitere Pausen durchgefahren, überwiegend auf Waldwegen. Bis nach Menz waren das schöne, asphaltierte Wege, manchmal an der Straße entlang. Manchmal flitzte ich zwischen blühenden Sträuchern nur so dahin. Danach wurde der Weg leider durch viele Baumwurzelaufbrüche sehr holprig, und ich ärgerte mich und fuhr langsam. Sehr langsam. Langsam die Hügel hoch, und langsam die Hügel runter. Eiszeit und Baumwurzeln formten dieses Stück Weg! Später wird es hier bestimmt viele Blaubeeren geben. Sie sind gerade am blühen.

ein sonniger Kiefernwald, auf dessen Boden viele Blaubeersträucher wachsen. Gerade blühen sie und duften nach den späteren Früchten.

Noch mehr Blaubeerblüten aus der Nähe

Durch Rheinsberg selbst bin ich schon öfter durchgefahren, da habe ich nichts spektakuläres gemacht. Ich wollte auch eher in der Natur abhängen, als mir städtische Sehenswürdigkeiten anzusehen. Ich war kurz beim Aldi, wo mir einfiel, dass ich das Öl zum kochen vergessen hatte. Und Öle gab es nur in riesigen Flaschen, viel zu viel für meine zweitägige Tour. Aber ganz ohne wollte ich dann auch nicht.. Gemüse nur kochen, nicht anbraten ist mir zu unaromatisch. Schließlich entschied ich mich für die Aldi-Hausmarke “Pflanzencreme”, was noch den Vorteil hat, dass sie sich außer zum Kochen auch als Brotaufstrich-Grundlage eignet! Dann gab es noch Schokolade und Bananen fürs Frühstück morgen, und ne Tube Tomatenmark. Sowas kann ja nie schaden.

Als ich schon wieder weiterfuhr, fiel mir auf, dass ich noch mehr Wasser hätte brauchen können, bei der Hitze waren meine zwei Trinkflaschen (1,75 Liter) schon bald leer. Ich hielt bei der Touristen-Information an, aber deren Toiletten waren mit Münzeinwurf, und das sah ich dann doch nicht ein. Weiter ging es am Schloß vorbei und wieder in den Wald rein. Bei Linow setzte ich mich an den See und war schon wieder hungrig. Also Mittagspicknick! Ich hatte für die ca. 25km nach Rheinsberg gute 3 Stunden gebraucht, da war mir etwas bange, ob ich bei diesem Schneckentempo eine Chance habe, morgen über 100km zu fahren. Eigentlich nein. Aber wir werden sehen, dachte ich.

Pause an einem kleinen See bei Linow.

Im Flecken Zechlin, das ein echt malerisches Dorf ist, gab es eine kleine Touristen-Info, und ein kleines Bad nebendran, wo ich meine Wasserflaschen nachfüllen und mein Tattoo waschen und eincremen konnte. Dann kam die sonnenschützende Tattoo-Stulpe wieder drauf (abgeschnittener Shirt-Ärmel) und es ging weiter durch wunderschöne Laubwälder.

Frühlingswald ist so schön, wenn es sonnig ist: Alles ist noch so hell, weil das Blätterdach noch nicht geschlossen ist. Aber es ist schon so grün!

Ein sonnendurchfluteter Laubwald mit jungen grünen Blättern und einem Weg, der sich durchschlängelt.

Dafür, dass die Strecke an so vielen Seen vorbeiführt, bekam ich kaum welche zu Gesicht. Dass manchmal mitten auf einem Feldweg ein Hinweisschild “Badestrand” herumstand, wies darauf hin. Vor ein paar Jahren bin ich mal von Fürstenberg nach Wittstock “obenrum” gefahren, und würde das auch eher empfehlen. Wegen besserer Wege und schönerer Gegend und mehr Seen sehen!

 

Um 17 Uhr ungefähr kam ich an, und hatte so noch den Spätnachmittag und Abend Zeit, auszuspannen. Ich besuchte ein Landprojekt, wo ein Kollege mitmacht. Ich hätte im Haus schlafen können, aber im Bett liegen kann ich in der Stadt auch. Deshalb bestand ich darauf, zu zelten. Das kleine Zelt baute ich aber erst in der Abenddämmerung auf, das ist so eine Angewohnheit, nach den letzten 3 Jahren Radtouren.

Dann noch ein wenig am Lagerfeuer sitzen, den Sternenhimmel bewundern, und sich dann ins Zelt zurückziehen. Ich hatte eine ruhige Ecke gesucht, auf einer Wiese neben der Schafsweide, und dank warmem Schlafsack wurde mir nachts auch nicht kalt. Das Einzige, was nervte: Die Thermarest-Matte (eine selbstaufblasende Luftmatratze, die ganz alten noch) war nicht so bequem wie die Luftmatratze, die ich im Sommer nutze, und beim auf-der-Seite-Liegen bekam ich ganz schön Schmerzen an den seitlichen Pomuskeln.. oder Oberschenkel, so ein Zwischending. Auf dem Rücken liegen geht gar nicht, da krieg ich Rückenschmerzen, haha.. Ist die Thermarest-Zeit vorbei? Muss ich jetzt diese neuen High-tech-Luftmatratzen nutzen, um noch zelten gehen zu können? Oder ist es Gewöhnungssache? Trotz allem, und trotz der Tatsache, dass das aufblasbare Kissen ein Riesenleck schlug und unbrauchbar wurde, habe ich insgesamt ganz gut geschlafen. Meine Strickjacke, in einen Packbeutel getan, ist genauso gut als Kissen. Wieder einen Ausrüstungsgegenstand eingespart!

Stay tuned für Teil 2.

Die erste Fahrradtour 2018

Leider ohne draußen schlafen, aber ich musste am nächsten Tag arbeiten, und an Osterwochenende sollte das Wetter sich wieder verschlechtern. Es sollte in den Naturpark Barnim nördlich von Karow/Buch gehen.

Statt mit der S-Bahn raufzufahren und dann loszuradeln, sind wir nach Karow gefahren, denn Bahnfahren ist stressig und teuer. Am Tag davor hatte ich eine Diskussion auf Twitter über die verschiedenen Geschwindigkeiten von Radfahrenden, und wie die geplante Infrastruktur die schnelleren nicht berücksichtigen würde. Die Diskussion war eher unschön, weil sich eine gefühlte Mehrheit von Rennrad-Kerls darüber empörte, dass die Langsamen dann wohl an schlechter Infra “schuld” seien, oder es zumindest versäumten, hohe Geschwindigkeiten in der Stadt als etwas zu betrachten, worauf irgendwer ein Anrecht hätte. Daran musste ich denken, als wir gemütlich durch Weißensee juckelten, am Orankesee und am faulen See vorbei. Und auch, als mein Freund mir zu verstehen gab, dass ihm der Naturpark Barnim doch zu weit sei. Der Arme war von Kopfschmerzen gebeutelt, und daher beschlossen wir, einfach bei Karow etwas durch die Landschaft zu bummeln, die Sonne zu genießen und dann wieder nach Hause zu fahren.

Am Orankesee war einiges los, viele Leute waren unterwegs, um das Wetter zu nutzen. Die Wege waren naß, aber nicht zu matschig. Hinter dem Orankesee führt ein Schleichweg am Faulen See entlang, dann geht es über die Hansastrasse, durch eine Siedlung mit Einfamilienhäuschen, und dann wird’s schon ländlich.

Bei Malchow/Karow oben gibt es einige Parks, den See, und einen kleinen Bach, die Laake. Dort machten wir eine Pause, die Sonne kam raus und wärmte auch schon schön. Wir setzten uns auf den krummen Stamm einer riesigen Weide direkt am Wasser.  Ich hatte direkt vor der Radtour eine Frittata mit Kartoffeln und Zwiebeln gemacht, das ist so eine Art dickes Omelett. Als ich die aus der Fahrradtasche holte, war das Essen sogar noch warm. Ich hatte einen Wollschal um den Henkelmann gewickelt, der hatte es anscheinend gut warm gehalten. Die Gabeln hatten wir zuhause vergessen. Aber das machte nichts, mit dem Taschenmesser schnitzten wir uns schnell Stäbchen zum essen.

Wir folgten dem murmelnden, klaren Bach und kamen zum “Stadtrandpark neue Wiesen”. Auch hier waren Scharen unterwegs, um spazieren zu gehen. Die Hunde tollten über die Wiesen und schüttelten den Winter ab.

Wir fuhren Richtung Ahrensfelde, aber mein kopfschmerzgeplagter Radtourgefährte wollte dann doch nicht das Wuhletal runter fahren, und deshalb bogen wir recht bald wieder Richtung Marzahn ab. Wir fuhren an Grillplätzen vorbei und am Skatepark Wartenberg hatte die Stadt uns schon wieder.

Wir machten noch eine Pause und ich strickte ein wenig in der Sonne. Aber die Beschallung von Hiphop vom Skatepark her war uns dann doch zu stressig, nichts gegen Hiphop, aber wir wollten eigentlich mal raus und nicht die ständige Geräuschkulisse der Stadt um uns haben.

Abends viel mir ein, dass ich mich auf Mastodon  zum “Bike Cleanalong” verabredet hatte, und jetzt hatte mein Fahrrad es wirklich so richtig nötig. Die Ritzel und die Kette waren völlig verdreckt, so dass die Schaltung sogar manchmal etwas schwerfällig war. Also habe ich noch Putzlappen, heißes Wasser, Spüli, Fahrradreiniger und Öl geschnappt und habe mein Rad ein wenig sauber gemacht. Ich kriege das mit dem Antrieb reinigen nie so hin, dass es richtig sauber ist, aber zumindest so, dass der meiste Dreck verschwindet. Ausserdem leuchten jetzt die Reflektoren und Reflektorstreifen an den Reifen wieder.

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Krokusse beim Orankesee

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Radweg hinter Malchow mit Wiesen und noch kahlen Bäumen

 

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Weg nach Karow – ein sandiger Pfad gesäumt mit Bäumen

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die Laake bei Karow, ein Bach mit Weiden und grossen Steinen, auf denen man über den Bach gehen kann.

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Picknick: Wir hatten Kartoffelomelette dabei

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Besteck vergessen kein Problem mit Eßstäbchen aus Zweigen

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Selfie vor dem Bach

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Ich stricke in der Sonne sitzend an meiner Socke

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Tour durchs Ruppiner Seenland Teil 2

Dies ist die Fortsetzung vom Beitrag von gestern, wo ich den ersten Teil gebloggt hatte.

Die Nacht war vollmondig und völlig klar. Ich schlief ganz okay. Die Temperaturen gingen auf ca. 5 Grad runter, was für meinen Schlafsack kein Problem war. Ein wenig wirres Zeug geträumt zwischendurch, ich musste auch mal raus, aber das ging. Ich schlief in einem langärmligen Shirt, langen Leggings und Socken. Dass man splitternackt in einem Daunenschlafsack schlafen soll, ist doch ein Gerücht, oder? Ich habe das früher auch mal gehört und mich entsprechend ausgezogen, als ich meinen ersten Daunenschlafsack hatte. Meiner Erfahrung nach wird es dadurch nicht wärmer, im Gegenteil. Auch dieser Thread im Forum von Outdoorseiten entlarvt das “nackt im Daunenschlafsack schlafen” als Legende. Was dazu kommt: Wenn ich nackt bin, wird der Daunenschlafsack schneller speckig und muss früher gewaschen werden, und das wiederum schadet der Daunenfüllung. Also ziehe ich doch lieber eine dünne Schicht an. Oder im Winter eine wärmere.


Bild: Blick aus dem Zelteingang auf den See, der noch im Halbdunkel der Morgendämmerung da liegt.


Bild: um 7 geht die Sonne über dem Wald am anderen Seeufer auf. im Vordergrund liegt ein abgestorbener Baum und Schilfhalme zeichnen sich als Silhouette ab.

Um acht sollte die Rezeption aufmachen, was insofern eine Rolle spielte, weil wir keinen Toilettenschlüssel hatten und den Kaffee verschieben wollten, bis das der Fall war. Ich schaute um halb acht mal auf gut Glück nach vorne, und siehe da, es waren Leute da. Ich sagte ein Sprüchlein auf “Wir sind gestern gekommen, als schon zu war, und..” “Und jetzt wollen Sie frische Brötchen?” “Also, wenn Sie mich so fragen, dann ja!”

Die Leute waren wirklich nett, ich bekam gleich den Schlüssel und bestellte Brötchen, dann gab es Kaffee vom Spirituskocher und die Sonne kam auch raus.

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Bild: Kaffeetassen vor dem Zelteingang

Später frühstückten wir und packten alles zusammen, das Zelt war nach einer doch eher kühlen Nacht von Kondenswasserbildung betroffen. Es wirkte so trocken von außen (und von innen), aber beim Abbau merkte ich, dass sich zwischen Innenzelt und Außenzelt ganz schön viele Tropfen gesammelt hatten. Ich knöpfte das Innenzelt raus und legte beides getrennt kurz in die Sonne, das Trocknen war eine Sache von wenigen Minuten. Ich bekam das Innenzelt auch wieder reingeknöpft, ohne das Ganze wieder aufzubauen. Zumindest glaube ich das.

Ich wollte mein “Kalt Duschen” Programm weiter durchziehen, aber die Duschen auf dem Platz funktionierten ohne Marke gar nicht, und für kalt duschen hab ich keine Lust, ne Duschmarke zu kaufen. Also egal, wir fuhren los.

Wir überquerten die Brücke nach Zermützel und sahen den schönen Zermützelsee in der Sonne liegen.

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Bild: Zermützelsee

In der Wikipedia las ich, dass es ein “Blumenwunder von Zermützel” gab, die Legende sagt, dass auf dem Friedhof so viele weiße Schneeglöckchen wachsen, seit eine Einwohnerin einem Mann Fluchthilfe geleistet hat, der aus einem Nazi-Konzentrationslager geflohen war.

In Zermützel nahmen wir einen ungünstigen Weg nach Molchow, Es war nur ein sandiger Waldweg, wir mussten oft absteigen und schieben, weil die Räder im Sand wegschwammen. Wir hätten die Strasse nach Krangen nehmen sollen, aber nun ja, wir haben das schon irgendwie geschafft. Nach Krangen ging es auf einer Fahrradstrasse, die von blühenden Bäumen und Sträuchern eingefasst war.

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Bild: eine Fahrradstrasse mit weiß blühenden Sträuchern auf beiden Seiten.

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Bild: kleine Schafe und Lämmchen grasen auf einer eingezäunten Weide

Es ist gerade Lämmerzeit und wir sahen viele süße Lämmchen hier und da.
Wir fuhren weiter nach Zippelsförde. Dort fließt der Rhin, ein kleines Flüsschen, auf dem man im Sommer auch Kanu fahren kann. Wegen der Vogelbrutzeit ist das im Frühling nicht erlaubt. Eine Tafel für Wasserwanderer informiert über die Natur und wo man übernachten kann. Wir spazierten in einen Fischzuchtbetrieb, an dem Leute sich den Fisch selber angeln können, und guckten wohl zu tief in deren Fischbecken rein, weil irgendwann kamen Typen aus dem Gebäude und guckten uns mißtrauisch an. Wir sagten ihnen nicht, dass in einem der Becken ein grosser toter Fisch rumlag, denn wir hatten keine Lust auf unangenme Gespräche, und so fuhren wir lieber weiter.

Der Waldweg nach Rheinsberg war relativ eintönig, leider war er teilweise wieder mit Baumwurzelschäden, und wir hoppelten über die Unebenheiten und ärgerten uns darüber.
Als wir in Rheinsberg waren, pfiff uns ein kalter Wind um die Ohren. Wir kauften uns in einer Bäckerei ein paar süße Gebäcke und fuhren direkt weiter Richtung Menz. Leider war der Radweg immer noch/schon wieder sehr wurzelreich. Kurz sah es nach Regen aus, aber es blieb alles trocken. Hinter Rheinsberg gibt es einige steile Anstiege – die Eiszeitlandschaft..

In Menz wichen wir vom Ruppiner Seenland-Radweg ab und fuhren weiter nach Zernikow und Seilershof. Die Ausschilderung war okay, und die Wege wurden auch besser. Wir machten in Seilershof eine Pause am kleinen Wentowsee, aßen ein Picknick von unserem Proviant und entschieden uns nach Wentow weiterzufahren. Der Weg von Wentow nach Altlüdersdorf war leider sehr räudig. Schadhafte Betonplatten über 3km. Danach ging es auf schönen Radwegen nach Gransee.
Unterwegs kamen wir noch an einer verfallenen Feriensiedlung vorbei. Das sah gespenstisch aus, und wir fragten uns, wieso verrotten diese Hütten direkt am See? Irgendwie sehr schade um die schönen Waldgrundstücke dort.

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Bild: verfallenes DDR-Ferienlager am See

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Bild: die verfallene ehemalige Post- und Zollstation Seilershof. Hier war früher ein Knotenpunkt auf dem Weg zwischen Preußen und Mecklenburg. Heute führt der Berlin-Kopenhagen-Radweg daran vorbei. Weil hier ein Luisendenkmal steht, dachte ich erst, das wäre die Villa der früheren preußischen Königin Luise gewesen.

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Bild: Blick von oben über den Geronsee bei Gransee. Es gibt dort einen kleinen Aussichtsturm.

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Bild: Die Fahrräder mit Gepäck von oben fotografiert

Gransee stellte sich als interessante Stadt heraus. Es gibt eine super erhaltene mittelalterliche Stadt, die Ringmauer, das alte Kloster, ich war noch nie in dem Teil von Gransee gewesen. Wir wollten nach Hause und deshalb hielten wir uns nicht so lange dort auf, es war aber sehr interessant, durch den alten Teil von Gransee durchzufahren.

Im Zug gab es keine Probleme und genug Platz, so dass der übliche Bahnstress auf der Heimfahrt gar keiner war. Montag nachmittag ist anscheinend keine problematische Zeit, um nach Berlin reinzufahren.

#draussenschlafen: Tour durch das Ruppiner Seenland Teil 1

Anfang April hatte ich eine Woche Urlaub und während diese Woche eher kalt und manchmal auch naß war, gab es einen Lichtblick: Sonntag und Montag sollte es schön und auch etwas wärmer sein. Ich und mein Partner sattelten die Räder und hatten uns vorher eine Tour rausgesucht, die in 2 Tagen zu schaffen sein sollte. Zuerst sollte es von Kremmen nach Gransee gehen, das sind insgesamt 90km. Dann haben wir aber doch gedacht, wir fahren nur nach Hennigsdorf und fahren von dort los. Damit war die erste Etappe 73km lang, aber wenn wir rechtzeitig los kommen, dann sollte das kein Problem sein.

Am Vortag hatte ich noch auf Outdooractive die Route nachgezeichnet. . Das praktische bei Outdooractive ist, dass man die Wegpunkte selber auf die Karte setzen kann, und danach kann die Route als PDF gespeichert oder ausgedruckt werden, so daß man das Kartenmaterial gleich mitnehmen kann. Ich hatte noch eine relativ grobe Fahrradkarte von ganz Brandenburg, und das PDF habe ich dann aufs Tablet geschoben, um an unklaren Stellen in etwas feinerem Maßstab mal draufgucken zu können. Das war wegen der guten Ausschilderung aber meistens unnötig. Ich habe es nur ein einziges Mal gemacht.

Gepackt hatten wir noch gar nichts, das taten wir dann am Morgen auf den letzten Drücker, was eigentlich echt nicht so gut ist. Und ich habe prompt auch die Schokolade und das Obst vergessen, das ich Samstag extra noch eingekauft hatte. Dank Checkliste ist ansonsten alles mit gekommen. Memo an mich selbst: ein kleines Holzbrettchen auf die Checkliste schreiben. Ich vergesse es jedes Mal, weil es nicht drauf steht. am Frühstücksbrettchen sollte ich nicht sparen. Ich koche ganz gerne draussen, und Gemüse schneiden ohne Schneideunterlage ist nicht so die Freude.

Und was hat der Spaß eigentlich gekostet?
S-Bahn-Tickets ABC für 2 Leute und 2 Fahrräder: ca. 11 Euro
Bahntickets zurück von Gransee: ca. 20 Euro
Campingplatz mit Frühstücksbrötchen: auch fast 20 Euro
Das macht zu zweit einen Fuffi allein für Zugtickets und Campingplatz. ganz schön teuer, der Spaß.

Dazu kam noch: fast 10 Euro für Kaffee und Süßkram in Hennigsdorf beim Bäcker
6 Euro gaben wir am Imbißstand in Neuruppin aus
und am Montag nochmal ca. 10 Euro für Snacks unterwegs.

Wir hatten auch Proviant und Gemüse und Nudeln zum Kochen dabei, dafür hatte ich schon am Tag davor eingekauft, aber das war natürlich vergleichsweise günstig und schlägt sich hier kaum nieder. Wenn man das vielleicht mit nochmal 5 Euro beziffert, komme ich auf ca. 80 Euro zu zweit für die Tour. (Die ganze Nascherei unterwegs hätten wir natürlich lassen können. Aber na gut, nächstes Mal vielleicht.. )

Die S-Bahn brachte uns nach Hennigsdorf. Wegen der Kurz vor Knapp Packerei hatte ich keine Zeit mehr zum Frühstücken gehabt. In Hennigsdorf eierten wir also zum Bäcker und holten uns belegte Brötchen (luxus), mit Käse überbackende Brötchen und Kaffee. Danach ging es los, die Ausschilderung war okay. Es gibt in einigen Landkreisen Brandenburgs jetzt ein “Knotenpunktsystem”. Dieses kommt aus Belgien und den Niederlanden und ist gerade in Brandenburg sehr im kommen. Barnim, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, die Uckermark.. (letztere ist glaube ich, noch nicht fertig mit der Implementierung).

knotenpunkt
Bild: Wegweise mit Knotenpunktsystem

Ich persönlich fahre nicht nach den Knotenpunkten, sondern orientiere mich an den herkömmlichen Ausschilderungen, die sich auf die Orte beziehen. Das Problem ist, wenn ich keine Karte mit den Knotenpunkten dabei habe, und es tauchen Schilder auf, die lediglich die Knotenpunktnummern angeben, ist es für mich, als wäre überhaupt keine Ausschilderung vorhanden. Dann kann ich nur nach einer Karte fahren, die ich sowieso dabei habe. Das kam zwar nur einmal vor, in Kremmen, aber mich hat es genervt. Ich hoffe, die Knotenpunktwegweisung gibt es weiterhin paralell zu einer Ortsbezogenen Ausschilderung, und nicht “solo”.
Was am Knotenpunktsystem gut war: an den Knotenpunkten gibt es meistens auch kleine Tafeln mit schönen Fahrradkarten.

Bild: Kaffee am Bahnhof Hennigsdorf trinken
Bild: Am Bahnhof Hennigsdorf – eine Sitzbank, 2 Pappbecher Kaffee und ein bepacktes Fahrrad

Hinter Hennigsdorf ging es über eine flache, weite Landschaft mit blühenden Bäumen und auch vielen Buschwindröschen unter den Bäumen. Die ganze Luft duftete nach Blüten an manchen Stellen.

ruppiner seenland tour: Blumen im Wald
Bild: Buschwindröschen sprießen überall aus dem Laub!

blauer Himmel, Felder, Blühende Sträucher
Bild: Blauer Himmel, Felder, einsame Wege und blühende Sträucher

Wir sind bald in Vehlefanz gewesen, wo wir die erste Pause machten. Einfach auf der Wiese am Weg, es gab eine Anpflanzung mit jungen Bäumen. Pappeln? Ich hatte sowas noch nicht gesehen. Ich postete ein paar Instagram Fotos, machte mir ernsthaft Sorgen, einen Sonnenbrand an den Ohren zu bekommen und schaute mir die weitere Route auf der Karte an.

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Bild: eine Anpflanzung mit jungen Bäumen rechts und links von einem Weg, zwei Menschen und ein Pferd gehen den Weg hinunter und die Sonne scheint


Bild: Die erste Pause – Fahrrad auf einer grünen Wiese

Der weitere Weg nach Kremmen war richtig schön über kleine Dörfer. Wir machten noch eine Pause und aßen die Käsebrötchen aus Hennigsdorf, die wir noch in der Tasche hatten. Wir saßen auf einer kleinen Brücke und schauten in einen Bach mit mini kleinen Fischen. Sie wedelten mit ihren Seitenflossen, und ich fragte mich, was das wohl für Fische sind, und wie groß die werden. B. sagte, dass es bei manchen Dinosaurierfunden unklar ist, ob das eine eigene Art sei oder einfach nur ein Baby einer Saurier-Art, weil sich manche Tiere einfach sehr verändern, wenn sie grösser werden. Wieder was gelernt.

In Kremmen hatten wir die ersten 30 km geradelt. Wir folgten dem Radweg und kamen in das berühmte Scheunenviertel, das wirklich so ein Flair hat. Der Kurfürst verbot irgendwann 1659 das Lagern von Stroh und Getreide in der Stadt, weil die einfach ständig abbrannte. Also mussten vor den Stadttoren Scheunen gebaut werden. In der DDR Zeit verfielen sie ziemlich, da sie landwirtschaftlich unbedeutend geworden waren, und einige, die nicht dem Abriß zum Opfer gefallen waren, wurden wieder saniert und zu Kultureinrichtungen und Gaststätten umgebaut.

Scheunenviertel Kremmen
Bild: Scheunenviertel Kremmen

Als wir dort waren, war alles voller Motorräder. Sonntag und schönes Wetter, da machen die alle ihre Ausfahrten. Die Leute saßen auf ihren Öfen und wirkten möglichst verwegen und guckten uns Radfahrende so von oben herab an. Ich dachte so bei mir: Ach, tut ihr mal nicht so groß auf böse Jungs.. ich bin nicht neidisch auf eure schwere, laute, stinkende Kiste.
Überhaupt laut: manche haben wirklich sehr laute Motoren. Wenn wir manchmal auf der Strasse von den Schwärmen überholt wurden, war das sehr nervig.

Kremmen war ansonsten ganz schön, zumindest die Altstadt: Soviel kann damals nicht abgebrannt sein ;-)

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Bild: Kremmen historischer Stadtkern

ruppiner kanal
Bild: Ruppiner Kanal

Weiter fuhren wir durch Sommerfeld, Beetz und Wall, wo die lokale Golfanlage brechend voll war. Ich musste grinsen bei dem Gedanken, dass ich gerne meine Kette und Ritzel mit der Druckluftanlage auf Golfplätzen sauber puste. Und mir dann manchmal vernichtende Blicke einfange. Im heutigen Fall war meine Kette eher zu ölig, da hätte Druckluft nichts genützt, da musste ich eher nochmal mit dem Lappen drüber gehen um das überschüssige Öl abzuwischen.

Wir verließen den Radweg, um nach Altfriesack zu fahren. Das ging über Wald- und Feldwege, die zum Teil sehr sandig waren. Als ich mich für die Entscheidung, diese Wege zu nehmen, schon verfluchen wollte, kamen wir an eine wunderschöne Badestelle am Bützsee. Dort machten wir eine Pause, aßen was und lagen in der Sonne herum. Es gab Eidechsen und große grüne Frösche. die wahrscheinlich Wasserfrösche sind. Ich sah 6 solcher Frösche auf einmal. Leider lag Müll am Ufer und im Wasser herum. Wir vollbrachten eine gute Tat und sammelten den Müll ein, und entsorgten ihn im nächsten öffentlichen Mülleimer.

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Bild: Badestelle am Bützsee

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Bild: Eine Eidechse sonnt sich am Bützsee

Von der restlichen Strecke habe ich keine Fotos gemacht, das war dann schon die Endspurt-Phase der ersten Etappe. Wir verließen die Badestelle und juckelten über einen sehr, sehr, seeeehr abenteuerlichen Trampfelpfad durch den Wald nach Altfriesack. Es hätte wohl auch einen breiteren Weg gegeben, aber wir wählten den Trampelpfad, weil wir Leute auf Spaziergang von dort hatten kommen sehen und dachten, es müsste also irgendwo hin gehen, wenn man dem Pfad folgt. Es klappte also auch.
Weiter ging es nach Wustrau, wo es Museen und spannende alte Gebäude gibt, aber wir wollten uns nicht aufhalten und fuhren direkt die Fahrradstrasse Richtung Treskow und Neuruppin. Sie fuhr sich sehr gut. Neuruppin fuhren wir zügig durch, bis auf einen kurzen Stop auf einem kleinen Stadtfest, wo ein Clown mit Luftballons und Mikrofon hantierte, sich eine grosse Gruppe Kinder an Land gezogen hatte und mit ihnen “Polonaise von Blankenese” durchexerzierte.

Nach Neuruppin bogen wir in Altruppin in einen Radweg im Wald ein, der leider die letzten 8km bis zu unserem Ziel voller Wurzel-Unebenheiten war. Man hatte sich zwar bemüht, die Unebenheiten abzufräsen, aber neue sind entstanden und die abgefrästen Stellen boten nun auch kein glattes Fahrgefühl. Zudem schien der Weg niemals zu enden und ich zog 2 mal mein Telefon raus, um zu schauen, ob wir uns wirklich zum Ziel hinbewegen. GPS machts möglich.

Wir fanden den Zeltplatz in Stendenitz, er sah klasse aus, und dank Vorsaison war die Fläche für Nicht-Dauercamper fast leer. Da wir zu spät dran waren, die Rezeption war schon zu, bauten wir einfach unser Zelt trotzdem auf und nahmen uns vor, am nächsten Morgen uns “nach-Anzumelden”.

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Bild: Das Zelt steht am Seeufer.

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Bild: Ich habe auf dem Trangia Campingkocher “Pasta e Patate” gekocht, was ich ein super Essen finde, denn es geht schnell und einfach, und man muss keine Nudeln abgiessen.

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Bild: Gute nacht in Stendenitz – das Zelt bei Nacht.

Nach dem Abendessen wurde es bald dunkel und dann schon recht frisch. Wir verzogen uns ins Zelt, ich las noch ein wenig und dann hörten wir uns eine Folge “Dittsche” an, diese TV Sendung gibt es nämlich als Audiopodcast zum mitnehmen.
Von Dittsche bekam ich nur die Hälfte mit, dann schlief ich mittendrin ein.

#Draussenschlafen und Tour durch die märkische Schweiz

Nachdem ich letzten Herbst mal probehalber draussen gezeltet habe (es hatte ca. 5 Grad plus) war eine Grenze für mich weggefallen, die mich immer skeptisch gemacht hatte: Zelten im Frühling und im Herbst. Meinen Schlafsack hatte ich schon im Hinblick darauf angeschafft, aber es jahrelang nicht geschafft. Entweder ich war völlig überarbeitet oder krank, und ich traute mich nie, so was zu tun und dann vielleicht noch mal mehr krank zu werden.

Dieses Jahr bin ich sehr immunstark, und habe auch mal zwei Tage frei, an denen ich mich nicht von irgendeinem Schichtmarathon erholen muss, und damit klappt es nun endlich, juhu!

Mein Problem ist allerdings, dass ich gerne in der Natur übernachten würde, und die meisten Campingplätze sehr auf Dauercampleute eingestellt sind, viele andere kleine Plätze auf Mobile eingestellt sind und ich nur sehr wenige Biwakplätze kenne. Und wild zelten, ja ist in Brandenburg eigentlich erlaubt, allerdings sind überall Naturschutzgebiete und es gibt z.T. nur sehr kleine Inseln, die nicht geschützt sind. Und da wirds dann möglicherweise auch nicht so gut sein, weiss man vorher nicht so.

Deshalb hatte ich die Idee, eine kollektive Landwirtschaft zu fragen, ob ich bei ihnen irgendwo auf einer Wiese zelten darf. Das haben sie mir auch erlaubt. Also ging es von Berlin bis fast nach Müncheberg. Ich wählte die Strecke über den Müggelsee und Erkner, obwohl ich sie ehrlich gesagt unschön finde. D.h. ab Erkner finde ich die Strecke unschön. An stark befahrenen Strassen befindet sich der Radweg seitlich, manchmal sind die Beläge schlecht, und eben dauernd der Verkehrslärm.

Ich machte Pause am Mollensee, dazu bin ich von der Strasse aus zu Fuß zum See runter gegangen.
Im Gebüsch sprangen ein paar grössere Tiere vor mir weg, ich weiss nicht, ob es Rehe waren, nachher sah ich da noch ein niedliches Wildschwein aus der Nähe. :)

Bild: Mittagspause. Ein Behälter für Essen aus Metall, Vollkornbrot, Aufstrich und Gurkenscheiben sind da und mein Opinel Taschenmesser
Bild: Mittagspause. Ein Behälter für Essen aus Metall, Vollkornbrot, Aufstrich und Gurkenscheiben sind da und mein Opinel Taschenmesser

Bild: Das Ufer des Mollensee. Braune Schilfhalme, Bäume noch ohne grüne Blätter, ein ruhiger Wasserspiegel
Bild: Das Ufer des Mollensee. Braune Schilfhalme, Bäume noch ohne grüne Blätter, ein ruhiger Wasserspiegel

Bild: Mollensee im trüben Märzwetter. Am Anderen Ufer sind ein paar Häuser
Bild: Mollensee im trüben Märzwetter. Am Anderen Ufer sind ein paar Häuser

Auf dem Schild war eine “Schutzhütte” angegeben, darunter wird in dieser Region eine Überdachte Bank mit Tisch verstanden. Okeh.

Bild: Ein Weg schlängelt sich durch ein Wäldchen, wegen der frühen Jahreszeit sind die Bäume kahl. Auf dem Boden liegt Laub vom letzten Jahr.
Bild: Ein Weg schlängelt sich durch ein Wäldchen, wegen der frühen Jahreszeit sind die Bäume kahl. Auf dem Boden liegt Laub vom letzten Jahr.

Ich war sehr froh, als ich bei Kagel von der Hauptroute abwich. Auf einmal wurde es ganz ruhig. Ich hörte meinen Ledersattel knarzen, und die Vögel waren viel zu hören. Ansonsten mal ganz selten ein Auto, das hier entlang fuhr. Radfahrende sah ich recht wenige, unter der Woche und mit bedecktem Himmel.

Die Route führte mich dann über teils sandige Waldwege (brava! was habe ich mir dabei gedacht?) und dann kam ich wieder auf einen guten, asphaltierten Weg, der als Radweg ausgeschildert war. Ich wusste, ich muss davon wieder runter, aber als der Weg, den ich wohl hätte nehmen sollen, in Sicht kam, redete ich mir ein, dass ich noch länger dem asphaltierten Weg folgen müsse. Dadurch verfuhr ich mich geringfügig nach Jänickendorf, wo über eine etwas bessere Strasse nach Schönfelde kam: ziemlich breit, und geschottert oder mit festgefahrenem Sand, und sehr vielen Schlaglöchern. Ich fuhr deshalb langsam und Slalom, aber es ging.

An der Strasse kam ich an einem Bio-Hof mit schnuckligen Highland-Rindern vorbei. Die sehen so urig aus, und ihre Hörner erst. Danach sah ich auf dem Feld eine Anlage, mit der irgenwelche flüssigen Dinge aufgebracht werden können. Beeindruckend, wie lang diese Teile sind. Die Anlage war mit einer fest im Boden verlegten Zuleitung verbunden. Das müssen ganz schöne Mengen sein, die da versprüht werden, dass sich so was lohnt.

Bild: an einem Haufen Heu versammeln sich zottlige Highland Rinder mit langen Hörnern, weiter hinten ist ein Teich.
Bild: an einem Haufen Heu versammeln sich zottlige Highland Rinder mit langen Hörnern, weiter hinten ist ein Teich.

Bildbeschreibung: ein weites Feld mit Wald im Hintergrund, eine Berieselungsanlage, die 100 meter lang ist.
Bild: ein weites Feld mit Wald im Hintergrund, eine Berieselungsanlage, die ca. 100 meter lang ist.

Nach Schönfelde musste ich durch den Wald navigieren, die “Strasse” bestand aus diesem furchtbaren Katzenkopfsteinpflaster, die Furchen daneben waren nur so mittelgut befahrbar. Sobald ich konnte, wich ich auf einen Waldweg aus. Das ging besser, dafür war ich aber leider von der geplanten Strecke abgewichen und fuhr mehr so nach Orientierungssinn. Der ist ja ok, aber wenn du genau einen Punkt treffen willst.. Ich verlangte meinem alten Smartphone ein paar Minuten Google Maps GPS Gedöns ab, und dann konnte ich auch schon den richtigen Weg bestimmen, der mich direkt zum Landprojekt führte.

Ein Waldweg mit erdigem Boden, auf beiden Seiten sind Stapel mit 2m langen frisch gesägten Baumstämmen
Ein Waldweg mit erdigem Boden, auf beiden Seiten sind Stapel mit 2m langen frisch gesägten Baumstämmen.

Die Leute sind super nett und wussten auch Bescheid, dass ich komme, und ich durfte mein Zelt auf einer großen Wiese oder am Waldrand bei der Wiese aufbauen und wurde noch zum Abendessen eingeladen. Das war sehr lecker und ich musste meinen Kocher gar nicht auspacken. Die dadurch gewonnene Zeit nutzte ich, um einen Spaziergang am Wald entlang zu machen, und zurück über die Pferdeweide. Es gab Kartoffeln, Gulasch und Salat, und dazu hausgemachten Apfelsaft. Sehr lecker. Ich hatte ein kleines Schlafdefizit, und deshalb zog es mich schnell ins Zelt.

Bild: ein wasserdichter Ortlieb Packbeutel, ein verpacktes Nordisk Telemark 2 LW Zelt.
Bild: ein wasserdichter Ortlieb Packbeutel, ein verpacktes Nordisk Telemark 2 LW Zelt.

Bild: Eine Wiese im Abendlicht, zwei Pferde weiden darauf.
Bild: Eine Wiese im Abendlicht, zwei Pferde weiden darauf.

Ich mag das kleine Telemark Zelt sehr, aber für zwei wäre es zu klein. Letzten Herbst habe ich mir einen Footprint aus Baumarktplane dafür geschneidert, und ihn jetzt zum ersten Mal ausprobiert: er passt perfekt, und die eine Bogenstange rastet genau in die zwei Ösen ein, die ich dafür eingesetzt habe. Super. Der Boden des Zeltes ist schon sehr dünn, wohl, um Gewicht zu sparen.

Ich hängte meine Zeltlaterne auf und las noch ein bischen, aber wurde doch ganz schön fix müde. kurz vor neun schlief ich schon ein. Ich wachte gegen 22 Uhr auf, und stellte fest, dass der Hund, der Nachbarn, der schon den ganzen Abend gebellt hatte, immer noch bellte. Diesmal klappte das mit dem Ausblenden nicht so gut, und ich war froh, dass ich Ohropax dabei hatte. Ich wachte in der Nacht 2-3 mal auf und musste auch mal raus, aber insgesamt habe ich ganz gut geschlafen. Und lang. Ich wachte um kurz nach 6 auf, und räkelte mich bis kurz vor 7 im Schlafsack, weil ich unmotiviert war, in der Kälte aufzustehen.

Bild: Sonnenaufgang, ein Fahrrad und das aufgebaute Zelt
Bild: Sonnenaufgang am Zelt, das Fahrrad steht auch dabei.

Aber irgendwann musste ich ja doch hoch. Vor dem Zelt kochte ich mir Kaffee und sass im Zelteingang mit dem Heißgetränk, es war sehr gemütlich. Die Leute vom Hof fingen mit dem Arbeiten an, ließen die Pferde auf die Wiese, und der Trecker drehte die ersten Runden.

Bild: Das Zelt und die Wiese im Hintergrund
Bild: Das Zelt und die Wiese im Hintergrund

Bild: Zelt mit offenem Eingang, Schlafsack und Luftmatratze
Bild: Zelt mit offenem Eingang, Schlafsack und Luftmatratze

Ich packte dann in Ruhe ein, hängte das tau- und kondenswasser-nasse Zelt in einen Baum und ging in die Küche, um noch etwas mit den Leuten zu reden, und als ich wiederkam, war das Zelt schon trocken. In der Nacht war eine nicht ganz so dichte Wasserflasche, die ich meist im Flaschenhalter am Fahrrad habe, im Zelt ausgelaufen. Ein bischen. Es stand eine Lache Wasser neben dem Schlafsack, bäh..

Ich habe mit meinem Outdoorhandtuch nachts schnell alles aufgesaugt und das Handtuch dann ins Vorzelt geworfen. Morgens habe ich es aufgehängt, und es war wirklich auch in kürzester Zeit trocken! Ich stehe sehr auf dieses Handtuch.
Beim sich abtrocknen ist es vom Gefühl her gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert einfach sehr gut.

Der Rückweg sollte über die Märkische Schweiz gehen, dazu fuhr ich nach Müncheberg rein und von dort Richtung Waldsieversdorf. Der Radweg dort hin ist wirklich nett, er geht von Dahmsdorf ab durch den Wald. In Müncheberg hatte ich mir beim Netto Brötchen geholt. Als ich im Wald war, schien sogar ein wenig die Sonne und ich machte Pause mit Waldfrühstück.

Bild: ein asphaltierter Weg zwischen Dahmsdorf und Waldsieversdorf im Wald
Bild: ein asphaltierter Weg zwischen Dahmsdorf und Waldsieversdorf im Wald

Bild: Das bepackte Fahrrad auf einem Waldweg mit etwas Sonnenschein
Bild: Das bepackte Fahrrad auf einem Waldweg mit etwas Sonnenschein

Bild: Das Fahrrad lehnt an einem Baum, auf dem Waldboden liegt eine Regenjacke, der Proviantbeutel und Frühstückskram
Bild: Das Fahrrad lehnt an einem Baum, auf dem Waldboden liegt eine Regenjacke, der Proviantbeutel und Frühstückskram

Als ich da saß, erwischte ich eine Zecke, die über meine Hand kroch. Die frühe Jahreszeit schreckt manche Spinnentiere offenbar nicht ab. Natürlich kribbelte es dann überall, dieses Phantomkribbeln das man hat, wenn man sich fragt, ob..?

Die Strecke von Waldsieversdorf zurück nach Berlin war ich schon zweimal gefahren, allerdings noch nicht zu dieser Jahreszeit. Die noch braunen Wälder, aber die schon wärmeren Temperaturen und die Vogelstimmen bildeten eine nette Kulisse. Leider hatte ich den ganzen Rückweg Gegenwind. Allerdings hat es nicht, wie angekündigt, geregnet, und das ist ganz schön was wert!

Bild: Altersschwache Scheune in Liebenberg
altersschwache Scheune in Liebenberg

Bild: Ruheforst. Bäume und das Fahrrad stehen auf einem Abhang, dahinter ist ein See.
Bild: Ruheforst. Bäume und das Fahrrad stehen auf einem Abhang, dahinter ist ein See.

“Ruheforst”. ich weiss nicht, was der Name soll. Der Wald lag neben einer stark befahrenen Strasse in der nähe von Strausberg und war nicht wirklich ruhig.

Bild: Grünland mit großen Pappeln, auf denen eine Menge Misteln wachsen.
Bild: Grünland mit großen Pappeln, auf denen eine Menge Misteln wachsen.

es grünt so grün der Reifenberg
Bild: ein Haufen alter Auto- und Traktorenreifen, die Moos angesetzt haben, hinter Altlandsberg
Bild: ein Haufen alter Auto- und Traktorenreifen, die Moos angesetzt haben, hinter Altlandsberg

Bild: Das Fahrrad in einer Allee mit grossen, unbelaubten Bäumen zwischen frisch bestellten grünen Feldern
Bild: Das Fahrrad in einer Allee mit grossen, unbelaubten Bäumen zwischen frisch bestellten grünen Feldern

Bild: Ein sandiger Weg mit einer kahlen Hecke
Bild: Ein sandiger Weg mit einer kahlen Hecke

Als ich hinter Altlandsberg auf dem ZR1 fuhr, nahm ich doch nicht die Abzweigung nach Hönow, sondern wollte nach Ahrensfelde und auf dem Wuhletal-Wanderweg bis Hellersdorf fahren, und dann über die Allee der Kosmonauten. Ausgeschildert war es nach dem “Knotenpunktsystem Barnim”. Das war ja schön und gut, aber wenn zwischen den Knotenpunkten die Wege schlecht ausgeschildert sind.. ich verfuhr mich nach Blumberg, zum falschen Knotenpunkt, und dann kam ich statt in Ahrensfelde in Mehrow raus. Das war aber okay, denn am Knotenpunkt in Eiche war ich fast schon auf dem von mir angepeilten Wuhletal-Wanderweg.

Der Rest der Tour war unspektakulär. Ich war dann aber doch ganz froh, die 75km Gegenwind hinter mir zu haben.
Das ging mir ganz schön auf die Knie. Die machen mir gerade etwas mehr Probleme als gewohnt und ich frage mich, ob es einfach das älter werden ist, das meine doch ziemlich deutliche Arthrose bemerkbarer werden lässt. Möglicherweise muss ich einfach das Tempo und das Pensum runter fahren. Aber Radtouren machen werde ich weiterhin, so.

Fazit: Gut, dass ich mich aufgerafft habe! Draußen sein 2017! Yay!

PS: Ich habe mich entschlossen, die Bildbeschreibung ausser im Alternativtext zu den Bildern noch zusätzlich darunter zu setzen. Ich entschuldige mich bei allen, die die Bildbeschreibung jetzt doppelt haben.

Ostseeradweg Dänemark, Tag 13: Nakkebølle Fjord – Assens

Heutige Strecke: 78km

Gesamtstrecke: 671km

Morgens ist das Wetter immer noch durchwachsen, aber es hat immerhin aufgehört zu regnen. Zeit für einen leckeren Kaffee im Luxusshelter und noch ein bisschen lesen, bevor es los geht. Unsere Kaffeegewohnheiten haben sich ja ganz schön entwickelt. Früher nahmen wir immer alles mit, um wie zu Hause Filterkaffee zu kochen. Einen Filteraufsatz. Filter. Eine Edelstahl-Thermoskanne. Was für ein Aufriss! Um Gepäck zu sparen, kaufte Björn 2015 einen zusammenfaltbaren Filteraufsatz, der kam aber nie zum Einsatz, weil ich bei einem Besuch bei einer Freundin in Leipzig das vorgesetzt bekam, was sie “Räuberkaffee” nannte. Einfach Pulver in die Tasse, heisses Wasser rauf und fertig. Das kannte ich auch von ganz früher bei Hausbesetzers, aber wir haben einfach nicht an diese Möglichkeit gedacht. Wie gut, nur noch Tassen und das Kaffeepulver mitzunehmen, und weil wir den Kaffee nicht schwarz trinken, nehmen wir mit diesem Kaffeeweißer vorlieb. Ist nicht so lecker wie richtige Milch, aber leichter und es verdirbt vor allem nicht so schnell.

Ostsee Radweg Dänemark

Als wir die Räder gesattelt haben und den Kiesweg zurück zur Strasse rauf schieben, treffen wir eine Nachbarin, deren kleiner Kläffer uns schon am Vorabend nicht mochte. Auch jetzt bellt er uns hastig voll. Die Dame ist aber im Gegensatz zu gestern ganz freundlich und quatscht uns auf das Gewitter an, wie doll das war. “Ungemütlich, oder? Der Hund hatte Angst!” In Faaborg erzählt uns später jemand, dass in Svendborg die Strasse zum Teil 20 cm unter Wasser gestanden hätte, die Gullydeckel hoch gedrückt worden waren und alles im Chaos versunken sei.

Wir überqueren auf einer kleinen Strasse den hübschen Nakkebølle Fjord. Auf der anderen Seite befindet sich wieder eins dieser prächtigen Fachwerkhaus-Anwesen, von denen mein Mitreisender immer schwärmt, wie schön das wäre, dieses Haus zu besitzen und dort zu wohnen. Zwischendurch war mal die Arbeitshypothese, dass es weniger Zeit in Anspruch nehmen würde, von den hässlichen Häusern in Dänemark zu sprechen. Weil an so einem kommt man eher selten vorbei. Aber wer möchte schon von hässlichen Häusern sprechen? Das wäre ja richtig die Zeitverschwendung.

Ostsee Radweg Dänemark

Bis Faaborg passiert nichts spektakuläres. Es ist auch nicht weit. Zuerst kaufen wir Brötchen und frühstücken am Hafen, dann soll eingekauft werden. Wir wollen zum Netto, aber da, wo ich ihn in der Bikeline-Karte eingezeichnet habe, ist er offensichtlich nicht. Ein herumfragen ergibt auch nicht viel. Die Leute sagen “ist gleich da hinten” und dann ist da nichts. Wir fahren drei mal um den Pudding und verstehen die Anweisungen der Einheimischen nicht, und schon sind wir wieder völlig abgenervt. Irgendwann gehen wir verzweifelt in die Turist Information, und der Kerl dort drin hat die pferfekte Lösung. Er gibt mir ein kopiertes Blatt mit dem Stadtplan von Faaborg, und zeichnet den Lidl und den Netto darauf ein. Netto und Lidl sind innerhalb Faaborgs umgezogen, sie sind jetzt stadtauswärts am westlichen Ende des Ortes, da, wo wir eigentlich her gekommen sind. Nur hat der Radweg uns hinten-unten rum durch eine kleine Strasse geführt, sonst hätten wir die Läden schon beim Durchfahren gesehen. Als ich zum Lidl rein gehe, fängt es wieder zu regnen an. Als Nervennahrung gibt es Schokolade. Insgesamt werde ich 180 kronen los..

Ostsee Radweg Dänemark

Eigentlich ist Faaborg eine schöne Stadt. Warum verfahren wir uns eigentlich immer? Das trübt den Städte-Spaß beträchtlich!

Wir fahren nochmal zum Hafen, um auf dem Hafenklo unsere Wasserflaschen zu füllen. Ich kaufe mir in einem Schreibwarenladen einen Fineliner, eine Sorte, die ich in Deutschland noch nicht gesehen habe. Und einen weißen Gel-Pen. Von Stiften kann ich ja nicht genug haben. Danach verlassen wir die Stadt, was recht glatt geht.

Ostsee Radweg Dänemark

Es ist wieder regenfrei, aber es herrscht sehr drückend warme, feuchte Luft und der Himmel ist bezogen. Wir fahren in die Svanninge Bakker, die “Fyn’schen Alpen”. Sie sind beachtlicher als die “Lolländischen Alpen”. Hügel hoch schnaufen, Hügel runter sausen, yeah. Bald kommen wir zu einem gut erhaltenen Ganggrab, dem Skjærninge Hoj (oder so ähnlich). Es wäre auch möglich gewesen, rein zu gehen, aber der Gang ist so eng und niedrig, dass ich auf den Knien hätte rein rutschen müssen. Durch den Regen von gestern nacht ist der Boden ausserdem feucht. Ich fotografiere in den Gang hinein und bekomme eine ungefähre Ahnung von den Ausmaßen der erhaltenen Kammer dahinter, denn die leuchtet vom Kamerablitz kurz auf. Ausserdem stehts auf der Infotafel :)

Ostsee Radweg Dänemark

Diese unscheinbare Infotafel ist leicht zu übersehen, die auf das Ganggrab hinweist.

Ostsee Radweg Dänemark

come in and find out

Ostsee Radweg Dänemark

Doch nicht weiter als hier hin..

Ostsee Radweg Dänemark

Das könnte Flachs/Leinsaat sein mit diesen blauen Blüten.

Ostsee Radweg Dänemark

Rollen lassen… ich bin froh über meinen Loop

Die Landschaft ist wirklich schön und es fährt sich trotz des auf und abs ganz gut. Manchmal kommt sogar die Sonne raus. Wir sehen mitten in Nældemose, einem kleinen Ort, einen Dorfteich mit Picknickbänken und einem nagelneuen Shelter dabei. Erst mal gibt es eine Pause. Auf der Wiese am Dorfteich erzählt ein halb abgebranntes Feuer von der regnerischen Störung des St. Hans Festes. Dann bullert die Sonne sehr, und ich stelle mein Rad in den Schatten, damit die Lebensmittel nicht so heiss werden. Ich setze mich in den Shelter, um Reisetagebuch zu schreiben, und mein Begleiter macht ein Mittagsschläfchen. Er schläft auf den harten Planken ein, das muss man auch erstmal hinkriegen.

Ostsee Radweg Dänemark

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Insel Helnæs, was sowas wie “heilige Insel” heisst, und es gibt auch einige Altertümer dort. Der Plan ist, an der Helnæs Mühle zu zelten, und vielleicht auch zu duschen, denn das ist ein privat betriebener Naturlagerplatz. Die Strasse nach Helnæs ist sehr malerisch, Möven fliegen umher und vor uns sehen wir den steilen Anstieg auf die Insel. Wir haben aber Rückenwind und werden auf dem Weg nach oben etwas angeschoben.

Ostsee Radweg Dänemark

Fahrt nach Helnæs

Nachdem die erste Steigung geschafft ist, geht es nur noch bergab, und wir rollen an grossen, einzelnen Höfen vorbei nach Helnæs By. Unterwegs passieren wir eine Mühle, die offenbar gerade Schauplatz eines grossen, sehr lauten Jugendzeltlagers ist. Gröhlende Halbstarke frequentieren die Strasse auf Rädern. Im Ort dann der Schock: Diese Mühle war der Platz gewesen, an dem wir hätten übernachten wollen. Im Bikeline Führer ist die Stelle im Ort eingezeichnet, aber das ist falsch, der Naturlagerplatz ist eindeutig an der Mühle. Ich ärgere mich, weil ich gerne ein wenig Zeit gehabt hätte, mir die Insel anzusehen, aber jetzt wissen wir nicht, wo wir übernachten sollen und wie lange es dauert, dort hin zu gelangen, daher haben wir nicht wirklich Zeit, etwas zu erkunden. Wenigstens geht der Rückweg schneller und leichter, als ich dachte.

Zunächst kommen wir an eine Steilküste, die auf der Karte “Den Fanske Riviera” heisst. Infotafeln loben die Landschaft für ihre einzigartige Flora und Fauna. Es ist ein beliebtes Angelgebiet. Nach einer kurzen Strecke kommen wir zu einem Haus, das auf der Karte der Naturzeltplätze als privater Zeltplatz angegeben ist. Da ist auch jemand zuhause. Als wir klingeln, macht eine ältere Dame auf, die sagt, sie hätten das früher mit dem Übernachtungen anbieten gemacht, aber jetzt würden sie das nicht mehr machen. Wir fragen, ob sie einen guten Tip hätte, wo wir zelten können, und nee, im grossen Garten geht es nicht, aber sie meinte, wir sollten uns einfach am Strand hin packen, da stört es doch keinen.

Ostsee Radweg Dänemark

den Franske Riviera

Als wir unten ankommen, sind da zwei Sommerhäuser, wo auch Leute sind, und am ganzen Strand sieht man Spaziergänger. Wir finden, das ist zu sehr auf dem Präsentierteller. Wir sind schon eine ganze Weile gefahren und Björn hat eigentlich keine Lust mehr, aber der nächste Ort ist nicht mehr weit. Ein Shelterplatz bei Assens. Dort ist auch Trinkwasser vorhanden, habe ich mir auf der Karte eingezeichnet. Wir fahren nach Saltofte und kürzen ab, anstatt nach Torø Huse fahren wir direkt nördlich weiter, und dank der GPS-Funktion der Shelter App von udinaturen.dk können wir den Platz gezielt ansteuern.

Ostsee Radweg Dänemark

Als wir hin kommen, steigt Rauch auf und ein freundlicher Vagabund heisst uns am Feuer willkommen. Wir fühlen uns gleich wohl und eingeladen und unterhalten uns. Es stellt sich raus, dass er uns auf den Brücken zwischen Langeland und Tåsinge vor 10 Tagen entgegen gekommen ist, ich kann mich noch deutlich an ihn erinnern. Er ist mit einem Kinderwagen unterwegs, wo die Ausrüstung Platz hat. Er macht Waschtag und ich finde das auch eine gute Idee. Auf dem Platz gibt es wirklich einen Trinkwasseranschluss, und wir erhitzen Wasser auf dem Feuer und füllen unsere Waschbecken mit warmem Wasser. Brian hat einen grossen Plastikeimer und wir haben unseren faltbaren Kitchen Sink. DIY Duschen erfrischt eigentlich genauso wie Badezimmer-Duschen, fast sogar noch mehr.

Wir richten uns in einem der zwei Shelter ein, den anderen hat Brian bezogen. Brian leiht uns sein Radio, weil er findet, wir müssten doch up to date sein, und erzählt, dass UK sich tatsächlich aus der EU rausgestimmt hat. Im deutschen Radio läuft irgendeine christliche Messe.

Brian fragt uns, ob er uns fotografieren darf, und Björn fragt zurück, ob er ihn fotografieren darf, und wir schreiben gegenseitig über uns in unsere Reisetagebücher.

Brian kennt ein deutschsprachiges Lied von einem Hamster, der sexuell sehr aktiv ist und am Ende kastriert wird und versucht mit eher schlechtem Erfolg, es uns beizubringen.

Am Abend gibt es bei uns Bulgur und Blumenkohlcurry mit Kokosmilch.

Wir schlafen im Shelter, was leider dazu führt, dass mich wieder Mücken plagen. Wir haben zwar Autan dabei, aber das hält nicht die ganze Nacht. Im Schlafsack ist es zu warm, um ihn ganz zuzumachen, und deshalb pieksen mich Mücken in meine Schultern.

Gute Nacht am 24.6. #østersøruten #dktour16 #twi #fb

faaborg - assens

Die Strecke auf Outdooractive.com: http://out.ac/aZcO4