Nordseeradweg Niederlande, Teil 2

Das mit dem Zusammenfassen wird nichts, merke ich. Deshalb schreibe ich jetzt wohl doch Tag für Tag… oder eben, wie es kommt!

Freitag, der 14.6.2019 – der dritte Tourtag. Morgens ist es bewölkt. Wir fahren zuerst nach Camperduin und der Radweg führt entlang der künstlich angelegten Dünen. Sie wurde aufgeschüttet, um vor Überflutungen zu schützen. Hier gibt es viele Badestellen, aber gekennzeichnet werden sie durch geräumige Fahrradparkplätze – wo Holzgeländer installiert wurden, an die Räder gelehnt und angeschlossen werden können. In Deutschland parken am Strand die Autos, in den Niederlanden die Räder. Ich finde es super.

Heute ist allerdings kein Badewetter und alles ist leer. Wir kommen nach Petten und besuchen die Ausstellung “Zand tegen Zee”, die super informativ ist. Die Empfangsdame spricht uns auf deutsch an und ich sage auf Holländisch, dass wir versuchen, etwas holländisch zu lernen. Sie freut sich und spricht gleich holländisch mit uns. Ich verstehe ein wenig und blamiere mich mit völlig falschen Worten, aber na gut.

Wir schauen uns noch einen Film über die Dünen an, leider habe ich die meisten Fakten schon wieder vergessen. Die Klimakatastrophe und die steigenden Meeresspiegel sind in der Ausstellung auch ein grosses Thema. Hier haben die Menschen viel zu verlieren, und sie ziehen die Küstenbefestigungen hoch. Es gibt gratis Kaffee von einem Automaten, was auch sehr schön ist.

Der Radweg führt nun wunderschön durch ein Wäldchen und wir werden alsbald von einem starken Schauer überrascht. Wir stellen uns unter dichten Fichtenbäumen unter, und der Seewind vertreibt nach etwa einer halben Stunde die wirklich sehr schwarzen Wolken und strahlend blauer Himmel öffnet sich.

Wir radeln durch ein wunderschönes Dünengebiet, leider das letzte auf dieser Reise, denn die Noordzeeroute führt jetzt weiter auf die Inseln Texel und Vlieland, und wir fahren die popligere Route nach Den Oever. Das liegt daran, dass die Fähre von Vlieland aus einer Buchung im Voraus bedarf, selten fährt und auch nicht ganz billig ist. Allerdings vernavigiere ich mich und wir fahren nach Callantsoog. In die Bänke am Dorfplatz sind Solarzellen eingelassen und sie besitzen USB Ausgänge, damit die Leute ihre Smartphones laden können. Klasse! Wir haben allerdings das eigene Solarpanel dabei und brauchen es nicht in Anspruch zu nehmen.

Bei der Fahrt Richtung Norden hatten wir wieder wunderbar starken Rückenwind, aber jetzt, wo wir einen Bogen nach Süden schlagen müssen, der uns über Land und weg von der Küste führt, kämpfen wir erst mal ganz schön. Wir kommen an eine Art Schnellstrassenkreuz und die Radwegführung (die immerhin vorhanden ist) ist etwas verwirrend, fast biegen wir falsch ab. Aber dann haben wir’s und fahren an bunten Anemonenfeldern vorbei.

Für die meisten anderen Blumen ist es zu spät, die sind schon abgeerntet. Wir fahren an sehr vielen abgeernteten Tulpenfeldern dabei. Anemonen und Zierzwiebeln blühen noch. Das muss ein imposanter Anblick gewesen sein, als da alles in Blüte stand.

Wir machen eine Pause im Dörfchen Ouidesluis und dann geht es wieder nördlicher und mit Rückenwind an einem mäandernden Fluss entlang. Dann kommen wir am Amstelmeer vorbei, von dem wir leider nichts sehen, denn die Strasse liegt hinter einem Deich und führt durch einen Wald.

Dann biegen wir von der Route ab und fahren über eine kleine Landstrasse zum Campingplatz “Het bos roept”. Schon als wir ankommen, fühlen wir uns wie Zuhause: Alles sieht öko und freundlich aus, und man kann sich selbst in einem niedlichen kleinen Bauwagen “einschreiben”. Der Campingplatzbesitzer ist ein dauergutgelaunter Lockenkopf, der ständig auf dem Platz unterwegs ist und alle neuen Gäste persönlich begrüßt, sobald er ihnen über den Weg läuft. Wir sind die einzigen Deutschen da, und ich bekomme wieder Gelegenheit, ein wenig Niederländisch zu üben.

Der Platz hat ein schönes Glashaus mit Induktionsherd, auf dem wir an dem Abend etwas kochen, ganz komfortabel. Nach uns kommt eine grössere holländische Familie und kocht ebenfalls. Die Oma und der Opa sprechen ein ziemlich deutliches Niederländisch, da kann ich sogar ein wenig folgen. Leider verstehe ich bei den meisten anderen wirklich gar nichts. Das ist schon ernüchternd. Gerade wenn die Leute sehr schnell sprechen, bin ich gleich total lost.

Im Glashaus gibt es einen Selbstbedienungskühlschrank, wo eine Flasche kalte Limo 30 Cent kostet, und Kaffee und Tee zum Selber aufbrühen gegen Spende. Es ist so nett da! Und es stehen wunderschöne, imposante Baumwollzelte auf dem Platz. Über die sollte ich später mehr erfahren.

Camperduin - Dünen
Dünen bei Camperduin
Dünen
die künstlich angelegten Hondsbosje Dünen sind zu einer spannenden Naturlandschaft geworden.
Polder
“De Putten” ist ein Vogelparadies, das aus Feuchtwiesen in den Poldern hinter den Dünen besteht. Viel Grün und viel Feucht ist zu sehen.
Zand tegen Zee
An der Ausstellung “Zand tegen Zee” angekommen, der Himmel ist dunkel und schlechtes Wetter kündigt sich an
Dünen
Wunderschöne Farben des Meeres, des Himmels und der grasbewachsenen Dünen.
Abwettern
Statt auf der Bank sitzen wir unter den Bäumen im Wald und warten den Regenschauer ab.
Pause
…und auf einmal scheint strahlend die Sonne.
Anemonen
drei verschiedene Sorten Anemonen werden hier auf Feldern angebaut.

Nordseeradweg 2019 – Niederlande (Teil 1)

Ich schaue mal, dass ich alles diesmal etwas komprimierter schreibe, einen eigenen Eintrag für jeden Tag finde ich jetzt doch zu zeitraubend. Alles in allem: Für Radreisende mit Zelt ist der Nordseeradweg in Holland echt empfehlenswert! Es gibt viele Zeltplätze, auch kleinere, die Wege sind super ausgebaut, und die Natur und Kultur sehr interessant.

Angefangen hat Alles leider dramatisch: Ich wurde am Samstag, den 8. Juni, am Vorabend der Tour krank und beschloss, dass wir trotzdem fahren und ich es versuche, trotz Erkältung. Schon im Zug wurde klar: So wird das nix. Wir sind dann, statt in Amsterdam umzusteigen, dort ausgestiegen und haben drei Tage dort gezeltet, in denen ich so halbwegs den grippalen Infekt durchmachte.

Nicht ohne Komplikationen: Der Zug wurde in Bad Bentheim beendet, statt nach Amsterdam durchzufahren, und wir mussten uns drei Stunden lang mit bepackten Rädern durch drei überfüllte Regionalzüge quälen, was mir an dem Tag echt den Rest gab.

Die nächsten Tage lag ich dann mit mehr oder weniger Temperatur und Halsschmerzen im Zelt, trank Tee, inhalierte, und warf Aspirin und Halstabletten ein. Vormittags war jeweils ein kurzer Radausflug in die Parks der Nähe und in die Stadt drin, bevor ich zurück musste, das Bett hüten.

Amsterdam Fahrradstrasse
Beim Ausflug in die Stadt freuten wir uns über die Fahrradinfrastruktur, hier z.B. eine Fahrradstrasse.
Amsterdam
Mein Fahrrad auf einer Brücke in Amsterdam. Echt eine wunderschöne Stadt, von der ich diesmal nicht viel gesehen habe.

Am Montag Abend war ein starkes Gewitter angekündigt, und es blitzte, donnerte und regnete auch ganz schön. Aber drinnen blieb alles trocken und gemütlich.

Zelt
Mein Zuhause für 3 Tage: Das gute Hilleberg-Zelt. Dank Solarpanel und Campingplatz-Wifi habe ich schön Youtube-Filmchen im Bett geguckt.. und viel geschlafen.

Dienstag abend war der erste Tag, wo ich abends ohne Aspirin zu schlucken, fieberfrei war, und somit beschloss ich, dass wir Mittwoch früh losfahren. Zwar hatte ich Dienstag kaum 3km durch den Park radeln geschafft, aber hey, klar fahre ich 45km am nächsten Tag. Zur Sicherheit suchten wir uns aber einen Campingplatz auf der halben Strecke raus, falls ich es doch nicht schaffen würde.

Radweg
am Mittwoch ging es los! Hier der breite und wunderbar gut zu befahrende Radweg von Amsterdam nach Haarlem inmitten eines Strauchwaldgebietes. Am Horizont braute sich schon wieder schlechtes Wetter zusammen.

Wir packten gemütlich und machten uns auf den Weg. Ich hatte zwar noch ordentlich Schnupfen und fühlte mich etwas schwach, aber ansonsten ging es mir gut, und im Laufe des Tages eigentlich immer besser. Mein Geschmackssinn kehrte zurück, was praktisch war, denn in Haarlem gönnten wir uns gleich eine große Tüte Fritten mit Erdnuss-Sauce.

Haarlem
Haarlem Sky- and Waterline. So eine wunderschöne Altstadt, mit all den zuckerigen Grachtenhäusern. Alles wie in Amsterdam, nur kleiner, kommt mir vor.
Haarlem
Rosentor an der Kathedrale in Haarlem
Frits in Haarlem
Die leckersten Fritten!

Ich habe mich an der Frittenbude überwunden und mein weniges, auf Duolingo erworbenes Niederländisch praktiziert, um auszudrücken, wie lecker die Pommes waren. Und ich bekam so eine liebe und herzliche Reaktion, dass ich gleich ermutigt war, weiter zu lernen, zu üben und zu sprechen.

Haarlem
Imposant: Die Kathedrale von Haarlem. Gotik, wenn mich nicht alles täuscht.
Haarlem
Ich mag die niederländische Fahrradkultur. Hier ein Fahrradständer in Haarlem mit allen möglichen bunten Hollandrädern drauf.
Haarlem
Nasse Strassen in Haarlem: Es regnete sich ein
Zelten
Abends am Zeltplatz: Endlich hörte es auf zu regnen. Eine einfache, ruhige Zeltwiese mit einem Picknicktisch und Bänken, das reicht uns völlig aus.

Der Rest des Tages war leider sehr verregnet, und wir fuhren stundenlang durch mehr oder weniger strömenden Regen zum Zeltplatz in der Nähe von Ijmuiden, wo wir uns erst mal etwas zum Abendessen kochten. Dann machten wir uns Wärmflaschen zurecht, indem wir heißes Wasser in die Trinkflaschen füllten, und zogen uns zum Aufwärmen in die Schlafsäcke zurück. Zum Glück bin ich dadurch nicht wieder zurück in meine Erkältung gerutscht.

Am nächsten Morgen war es gleich wieder bewölkt, und Regen angesagt. Aber es sollte ein zumeist sonniger Tag werden, was wir nicht gedacht hätten. Zunächst ging es über die Ij mit einer kleinen Fähre, und dann folgten wir der Radroute nach Wijk an Zee, wo wir ein paar Lebensmittel einkauften und eine Pause machten. Dann ging es in die Dünenlandschaft hinein.

Fähre
Auf der Fähre in Ijmuiden. Hier mussten wir die Mündung der Ij überqueren.
Dünenlandschaft
Der Dünen-Naturpark wird mit Rindern beweidet, damit die Landschaft offengehalten wird. Die Radwege sind super gepflegt und der Wind kam kräftig von hinten. Nur die Regenwolken drohten etwas am Horizont.
Dünen
Wolkenspiel über der Dünenlandschaft
Dünen

Die Dünengebiete um Alkmaar sind wunderschön, und wenn man weiter nach Norden kommt, werden die Dünen immer imposanter. Die “Schoorlser Dünen” sind zum Teil freiliegender Sand und hier befinden sich auch die größten Dünen der Niederlande. Die Natur ähnelt sehr der an der Nordseeküste in Dänemark, sogar der seltene Nachtschwalm soll hier auch vorkommen. Was uns letztes Jahr in Dänemark nachts wach hielt, war hier aber nicht zu hören – vielleicht, weil wir nicht direkt in den Dünen zelten konnten.

Nordsee
Am Strand war es windig, und wenige Badende da, dafür viele Kitesurfer.
Kitesurfing
Kitesurfende mit ihren Gleitschirmen an der windigen Nordsee
Badeort
Pause an der Strandpromenade im Badeort “Bergen an Zee”. Der Himmel ist teils dunkel bewölkt, teils blau.
Radwanderweg
Wunderschöne Stimmung beim Herausfahren aus dem Wald mit dem Blick auf eine riesige Düne.
Sketching
Zeichnen im Strandcafe bei Schoorl an Zee

Am späten Nachmittag wurden wir doch noch von einem Schauer überrascht. Kurz danach fuhren wir nach Groet, wo wir im “Camping Eldorado” übernachteten. Ein echt netter, kleiner Campingplatz mit Hippie-Flair. Abends sollte es eigentlich nicht mehr regnen, und wir richteten uns auf eine gemütlichen Abend mit draußen Kochen ein – aber das wurde uns von einem rasch heraufziehenden Gewitter mit Starkregen gründlich versaut. Wir rannten mit den Töpfen und dem Kocher fluchend durch den Starkregen und konnten dann im Veranstaltungs-Schuppen des Platzes zu Ende kochen. Das Essen wurde sehr lecker!