Vestkyststien – dänischer Nordseeradweg Mai 2018 (Inhaltsverzeichnis-Post)

Ich schreibe mal einfach ein Inhaltsverzeichnis zu meinem Tourtagebuch zum dänischen Ostseeradweg, denn ich finde das Blogformat immer etwas anstrengend, wenn man Dinge von vorne nach hinten, von alt nach neu, lesen möchte, und nicht von neu nach alt.

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Vestkyststien, Tag 15: Von Sæby nach (fast) Aalborg und die Rückreise..

Der letzte richtige Tourtag, es ist der 27. Mai 2018. Geplant ist, an einem Naturlagerplatz ganz nahe bei Aalborg zu zelten, so dass wir morgen rechtzeitig und stressfrei beim Zug nach Hause sind.

Wir waren als erste auf und machten uns Kaffee. Später machten wir noch Kaffee für die Anderen und dann gab es noch genug heißes Restwasser für ein Luxusporridge mit einer ganzen Tafel weißer Schokolade drin. Wir packten dann zusammen und ich tauschte mit Rolf Adressen aus, denn ich habe ihm ein Paar handgestrickte Socken versprochen.

Heute bewölkt sich der Himmel und wir haben erheblichen Rückenwind. Die ersten 20km geht es wieder an der Hauptstrasse entlang, dann schwenkt der Weg ein wenig übers Land. In Asaa gibt es ein Hafenhaus mit einer ausgestatteten Küche, Sofas, und Bibliothek, und wir machen eine Pause, weil es sowieso anfängt, zu regnen.

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nicht so spannend: der Weg nach Süden auf einer geraden Landstrasse

Dann fahren wir weiter nach Hals, wo der dünne östliche Arm des Limfjord überquert werden muss, und erwischen die Fähre wieder haargenau. Sehr gut!

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Blick von der Fähre in Hals zurück an die Anlegestelle mit roten Lagerhäuschen. Es ist graues Wetter.
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Das Fahrrad an die Fährenwand gelehnt, als wir über eine schmale Stelle des Limfjord fahren.

Drüben fahren wir ohne Bikeline Karte, denn wir verlassen den Nordseeküstenradweg (der hier sowieso nicht an der Nordsee entlang führt) und finden uns dank Radwegen und Ausschilderung gut zurecht. Wir fahren nach Sejlflod und finden den Lagerplatz, aber es ist ein Shelterplatz mitten auf einem fein gemähten Rasen im Dorf, bei den Sportplätzen. In Deutschland hätten wir das dankbar genommen, aber in Dänemark sind wir verwöhnt und wollen lieber mehr in die Natur.

Sejlflod Shelterplatz
Der Shelterplatz in Sejlflod und mein bepacktes Rad
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südlich des Limfjord radeln wir an einer Landstrasse, die sich durch Wiesen schlängelt.
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Ein Baum am Fjord mit einer Wiese mit vielen weissen Blütendolden

Es fängt wieder an zu regnen und regnet sich ein, und wir hüllen uns in die Regensachen. Ein ebenfalls naher Platz an Aalborg ist die Lyngby Plantage, die 8.5 km weit entfernt ist von hier. Wir strampeln den steilen “Kirkebakken” hoch, tanken Wasser bei der Kirche und dann schieben wir die Räder einen groben Schotterweg hoch auf eine weitläufige Hochebene. Zwei Rotznasen mit einem Mofa knattern pubertär johlend an uns vorbei.

Als wir dann oben sind, müssen wir quasi für 5km nicht mehr in die Pedale treten, sondern rollen mit super Aussicht auf die Bucht von Aalborg sanft bergab. Dann müssen wir ein Stück auf einer häufiger befahrenen Landstrasse fahren, und selbst hier bleiben die dänischen Motorisierten entspannt und rücksichtsvoll. Ich sehe ja schon immer mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen, wenn ich auf einer Landstrasse von hinten einen Motor höre. Daher könnte ich sowas in Deutschland gar nicht machen, und auch in Schweden ging es schon mal sehr schief, vom Radweg abzuweichen, auch nur für 2 km.

Kirkebakken
Rauf geht es auf den Kirkebakken, der Schotterweg ist nicht der beste.
Rolling
Wir rollen bergab in Richtung Aalborg, 5 km nur rollen.

Wir finden den Lagerplatz ohne Probleme, er liegt in einem hübschen Mischwald und hat eine Feuerstelle und einige Shelter. Das Wetter bessert sich und dann kommt sogar die Sonne raus! Wir kochen Pasta mit Tomatensauce zum Abendessen und hauen uns wieder zeitig ins Bett.

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Abends im Wald bei Aalborg, die Sonne gibt nochmal alles nach einem regnerischen Tag.
Avondeten
Das letzte Mal draußen kochen auf dieser Tour: Zwiebeln und Knoblauch geschnitten, und die Tomaten.

Die Rückreise am nächsten Tag war, “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn”, sehr stressig und wir hatten viel Verspätung, unangemeldete Gleiswechsel und einen kaputten Zug. Daher schreibe ich darüber lieber nichts, höchstens, dass wir mit Müh und Not irgendwie nach Hause kamen.

Und dass wir in Aalborg auf die Reste des Karnevals gestossen sind, der am Vortag stattgefunden hatte.

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Ein rosa bemaltes Krankenhausbett und ein golden Besprühter Kinderwagen, die als Fahrzeuge im Aalborger Karneval benutzt worden waren.

Vestkyststien, Tag 14: von Bunken nach Sæby

Nach einer warmen Nacht packen wir früh unsere Räder am Bunken Campingplatz und kochen uns Porridge in der Campingplatz-Küche zum Frühstück.

Das erste Stück radelt sich sehr schnell runter, ist aber nur an der Hauptstrasse nach Frederikshavn entlang, und recht langweilig zu fahren. Wir haben immerhin das erste Mal auf dieser Tour Rückenwind. In Frederikshavn fahren wir langsam durch die Fußgängerzone und machen eine Pause mit belegten Broten.

Fredericksborg
In Frederiksborg (glaub ich) im autofreien Innenstadtbereich. es gibt eine Pizzeria und einen Bioladen und viele Bummelnde in der Sonne.

Dann geht es weiter nach Sæby, wo wir am Hafen noch eine Pause machen und uns für 100 Kronen Pommes im Imbiß holen.

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In Sæby fahren wir zum Hafen an gelben und roten Fachwerkäusern vorbei.
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Am Haus der Ruder- und Kayak-Clubs in Sæby stehen zur Deko bunt bemalte Paddel.
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Der Bootshafen mit der Meeres-Dame, eine Betonstatue von einigen Metern Höhe.

Am Abend wollen wir in der Professorens Plantage zelten, und finden sie auch ohne Probleme. Es gibt einen extrem schönen Shelter-Turm mit drei Stockwerken und Hochbett.

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Die Räder von oben gesehen stehen auf der Wiese vor der niedrigen Buschheide der Professorens Plantage.

Bald kommen zwei Familien, die am Wochenende die Natur genießen wollen, ach ja, es ist ja Samstag. Wir einigen uns darauf, dass sie den Shelter benutzen und wir zelten.

Dann kommt noch ein älterer Typ, der mit einer Sackkarre viele Ausrüstungstaschen in den Wald karrt und dann seltsame Konstruktionen zwischen die Bäume spannt. Ich gehe rüber und frage nach, und es stellt sich heraus, dass es Baumzelte sind. Und wir dürfen in einem davon übernachten! Juhu!

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Die Baumzelte im bewaldeten Teil unseres Lagerplatzes.

Später kommen noch mehr Leute und Rolf, der Baumzeltbauer, versammelt alle um sein Lagerfeuer. Er ist super im sozialisieren und bringt uns alle zum lachen. Alle reden dänisch und mit mir auch englisch (die Kinder eher noch nicht) und wir haben einen wunderbaren Abend. Am Ende hängen vier Baumzelte und zwei Bodenzelte stehen da, und der Shelter ist auch belegt.

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Rolf hat ein Dreibein, eine Feuerschale und Brennholz mitgebracht, so dass wir ein Lagerfeuer haben, ohne den Waldboden zu beschädigen. Darüber hängt ein niedlicher Emaille-Wasserkessel.

Am Parkplatz nebenan haben sich zwei ältere Deutsche in ihrem Wohnmobil hingestellt. Sie schütten ihr Chemieklo auf der Waldtoilette aus, und während unsere lustige Runde am Lagerfeuer sitzt, schauen sie hinter ihren Spitzengardinen in ihrem fahrenden Klohäuschen fern. Also, ich weiß ja nicht, aber das vielbeschworene VanLife ist das nicht gerade. Ich schäme mich echt für die Deutschen. die hier in der dänischen Nordseeregion ihr Unwesen treiben. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit denen in Verbindung gebracht wurden. Wir sprechen nämlich dänisch (mein Partner fließend, und ich bemühe mich mit ein paar Brocken) oder englisch (ich) und machen naturnahe Zelt-und Radwander-Ferien, da treffen wir an den Wochenenden oft dänische Gleichgesinnte.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir ausnahmsweise nicht im Zelt, sondern sitzen mit vielen Kerzen und einer Lichterkette um die Feuerschale.

Wir schlafen wirklich in einem der Baumzelte, und es ist ungewohnt, aber auch sehr cool. Die Nacht ist wieder sehr warm, und das luftige Baumzelt ist da genau das Richtige. Bei Bewegungen schaukelt es, und man fühlt sich wie in einer Hängematte, nur weniger gebogen. Unser Baumzelt hängt etwa 1,50m über dem Boden, und wir steigen durch eine Luke mitten im Zeltboden ein und aus.

Dänischer Nordseeküsten-Radweg (Vestkyststien) Tag 13: Nach Skagen und zurück

Es ist der 25. Mai 2018. Wir haben nicht so gut geschlafen, in der Nacht hörten wir ein seltsames Schnarren, das stundenlang in verschiedenen Tonhöhen dauerte, und ich stand irgendwann auf und stakste Barfuß und im Schlafanzug durch den Wald, dem Geräusch hinterher. Es war ein Vogel, der offensichtlich stundenlang ohne Unterbrechung schnarrt.

Dieser Vogel schnarrt anscheinend nur in der Nacht. Später fand ich mit einer beharrlichen Internetrecherche heraus, dass es ein Ziegenmelker war, auf Englisch “Night Jar”. In vielen Gegenden sind sie selten geworden, sie fühlen sich in Heidelandschaften mit vielen Insekten wohl.

Also hier, die ideale Gegend für diesen Vogel! Wir krabbelten morgens aus dem Zelt, und sofort sprangen uns 100 kleine Fliegen ins Gesicht. Selbst Autan half nur kurzzeitig. Wir packten zügig ein und beschlossen, so früh wie möglich beim Campingplatz einzuchecken, wo wir das Gepäck unterbringen wollten, um dann einen Tagesausflug nach Skagen zu machen, und die kommende Nacht dort verbringen. Ausserdem freuten wir uns auf heiß Duschen.

Der Platz war ab 8 Uhr geöffnet und es war kein Problem, dass B. seinen 2017 in Schweden gelösten skandinavischen Campingpass nicht dabei hatte. Alles ist online hinterlegt, und der nette Portier checkte uns ein. Wir wollten das teure Zelt nicht aufstellen wegen der UV-Strahlung, und die Taschen einfach auf die Wiese zu stellen, war uns auch zu riskant, also schlugen wir das Tarp auf und stellten die Taschen dort drunter, das wirkt dann wenigstens nicht so, als stehen die zum Verschenken da.

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Das Tarp ist als Gepäckgarage aufgebaut und die Räder stehen für den Tagesausflug nach Skagen bereit.

Der Platz hatte eine Wiese zum zelten und Parzellen mit Stellplätzen, die aber mit sehr naturnahen Hecken und Bäumen umfriedet waren, und hohes Gras mit Wildblumen gab es auch. Ich hasse ja diese geleckten Stellplätze mit möglichst eckig getrimmten Hecken drumherum. Diese waren schön und urig, und wir suchten uns einen in der Nähe des Küchen- und Sanitärgebäudes, weil dort eine Wifi Antenne stand und wir dann am Zeltplatz Wifi haben würden.

Dann fuhren wir ohne Gepäck nach Skagen. Der Radweg ist hübsch und führt auch noch an einem schönen Shelterplatz vorbei, der gar nicht belegt war. Wir hatten natürlich wie immer Gegenwind, aber der war nicht so stark. Durch den typischen Wald und die typischen Dünen fuhren wir zur “versandeten Kirche”.

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der Kirchturm der versandeten Kirche. er ist das einzige, was erhalten geblieben ist.

Die versandete Kirche wurde 1779 aufgegeben, nachdem die Gemeinde nur noch durch ständiges Sandschaufeln in die Kirche gelangen konnte. Sie sollte abgerissen werden, aber der Turm blieb als Seezeichen erhalten.

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Hier sind wir, ich und mein Fahrrad, in Skagen!
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Die Fußgängerzone in Skagen ist voller touristischer Shops, die Sonne scheint, und viele Leute spazieren herum.

Skagen hat viele Häuser, die am Dachfirst und an den Seiten weiss bemalte Dachziegel haben. Ich habe gelesen, dass das auch als Seezeichen diente und sich einfach erhalten hat. Ausserdem haben sie viele Leuchttürme und einen großen Hafen. Wir gönnten uns einen roten Hotdog in der Innenstadt und fuhren dann weiter nach Grenen raus, der Landspitze, wo Kattegat und die Nordsee zusammenfliessen. Vorher haben wir noch Pizzaschnecken und Schokobrötchen zum Picknicken beim Netto geholt.

Als wir dort ankamen, schlossen wir die Räder am großen Parkplatz an und erwarben Tickets für die “Sandormen”, Traktoren, die Passagieranhänger zum Strand raus ziehen. Das spart 2km Fußweg durch den weichen Sand und ist an sich auch ein cooles Erlebnis. Weil unser Sandwurm noch nicht sofort abfuhr, haben wir uns noch das Museum für moderne Kunst angeschaut.

Sandwurm
Im “Sandwurm” innen sind einfache Holzbänke installiert. Vorne zieht ein großer, moderner Trekker.
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Wir haben uns Tickets für den “Sandwurm” gekauft, ein Traktor mit einem Anhänger, auf dem ein alter Bahnwaggon montiert ist, oder so ähnlich.
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Die Leute tummeln sich an der äussersten Spitze Dänemarks und tauchen ihre Zehen in die Wasser des Skagerak und des Kattegat.

Die Landspitze war etwas unspektakulär, normalerweise soll es ja cool sein, zu beobachten, die die beiden Meere zusammentreffen, aber ich fand den optischen Effekt an diesem Tag nicht so deutlich. Der Lebensgefährte fand’s cool und ich machte Fotos von ihm am Ziel. So wie hundert andere Leute auch. Ich selber fühle dieses “Ha, DAS ist es jetzt, das Ziel” nicht. Für mich ist der Weg das Ziel.

Wir picknickten unsere mitgebrachten Snacks am Strand, schwitzten und nahmen dann den nächsten Sandwurm zurück zum Parkplatz. Auf dem Rückweg endlich mal Rückenwind!

Am Campingplatz machten wir mal Faulenz-Ferien, nahmen heiße Duschen und benutzten das Internet. Ich fand heraus, was für ein komischer schnarrender Vogel uns wach gehalten hatte (siehe oben) und abends gab es nochmal Nudeln mit Pesto. Der Platz hatte eine Küche, aber alle außer uns kamen nur zum Abwaschen dort hin. Es gab wieder viele Mücken und wurde eine warme Nacht.

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Am Abend steht das Zelt in unserer kleinen Parzelle.

Vestkyststien, Tag 12: von Tornby nach Råbjerg Mile

Es ist der 24. Mai 2018. Ich wache früh in unserem Zelt auf, draussen ist nichts zu sehen, denn die Waldlichtung ist voller Nebel. Ich stehe auf und genieße das Schauspiel, während sich der Nebel schnell mehr und mehr verflüchtigt.

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Auf dem Foto schwer einzufangen: der Nebel war in Wirklichkeit viel dichter.
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Das Zelt auf der nebligen Lichtung, als die Sonne über die Baumspitzen steigt.
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Nochmal das Zelt auf der nebligen Lichtung. Ich fand es so schön an diesem Platz.

Wir kochen Kaffee und ich stricke in der Morgensonne an meinen Toursocken. Dann packen wir ein und fahren erst mal auf Sandwegen durch den Wald, und später auf glatten Strassen. Unser erster Stop ist Hirtshals, wo am Ortseingang ein grosser, weiß gestrichener Leuchtturm steht. Wir biegen dort ein, eigentlich nur, um das Bad zu benutzen, und bleiben dann eine Weile, denn es gibt Sitzbänke, wunderschönes Wetter und ein offenes Bunkermuseum, das noch viel größer ist, als das vom Vogelfelsen.

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Das Meer bei Hirtshals, mit dem Bunkermuseum

Ich wandere eine Stunde auf den Trampelpfaden an der grün bewachsenen Küste entlang und schaue mir die verwitterten Gebäude an. es gibt Informationstafeln, die einen richtig guten Eindruck vermitteln, nicht nur von diesen Anlagen, sondern von der ganzen Küstenverbauung durch Nazi-Deutschland. Krieg ist so scheiße. Niemand konnte an den Strand, das war alles militärisches Sperrgebiet, und die dänischen Handwerker mussten den Deutschen auch noch diese Bunker hinstellen. Sie sind das grösste Bauwerk Dänemarks, wenn man den Beton zusammenrechnet, der da verbaut worden ist.

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der Leuchtturm von Hirtshals
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Mein Schatten beim Abstieg in einen restaurierten Bunker
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wie ein alter, verwitterter Beton-Pilz liegt die ehemalige Leitstelle am Hang eingegraben.

Wir müssen noch einkaufen und finden den Netto in Hirtshals. Mir fällt ein Glas Pesto runter, und ich will schnell meine Einkäufe zum Fahrrad bringen und mich dann darum kümmern, aber eine dänische Oma denkt, ich will die Bescherung einfach liegen lassen und Einkäuferinnenflucht begehen, und schreitet ein. Nicht, ohne mir immerhin freundlich zu helfen, Plastiktüten aufzutreiben, um das Schlimmste einzusammeln. Ich muss dann nochmal rein, ein neues Pesto kaufen, und die Leute vom Netto sagen, sie kümmern sich drum. Ich finde es spannend, wie das abgelaufen ist, einerseits schon soziale Kontrolle, aber andererseits auch gleich sehr hilfsbereit.

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Am Hafen liegt eine große Schnellfähre, die wahrscheinlich nach Norwegen geht.

Wir kurven um den Hafen in Hirtshals und genehmigen uns einen Hotdog, dann geht es wieder in den den Wald. Irgendwann kommt ein Stück Horror-Schotter-Belag, aber zum Glück ist das nicht von langer Dauer. Über schöne Sandwege gelangen wir zum Meer zurück und machen eine Pause in den Dünen bei Vester Tversted.

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Wir haben die Räder an einen Dünenhang gelehnt und geniessen die Sonne und die Aussicht aufs Meer.

Der Rest der Strecke läuft gut, wir halten an der Råbjerg Kirke an und tanken Wasser, falls es am Shelterplatz keines geben sollte, und machen eine Kaffeepause mit Matcha Latte und Dagmartorte. Wie es auf Tour manchmal ist: Ich fand die Latte-Tütchen nicht, räumte alle meine Packtaschen leer, und dann waren sie am Ende in der Lenkertasche gewesen.. irgendwie kann die Ordnung in Packtaschen noch so gut sein, man kramt doch trotzdem immer in ihnen herum.

Wir fahren mit guter Stimmung zum Lagerplatz am Milevej, dort war auch niemand, und Trinkwasser gab es sogar auch. Wir packen unsere Taschen in den großen Shelter, schliessen die Räder ab, und wandern auf die grösste Wanderdüne in Dänemark. Von hier aus gibt es einen kleinen Trampelpfad, aber man muss eine fast senkrechte Dünenwand auf die Düne hochklettern.

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Unterwegs zur Düne. Von hier sieht es gar nicht so steil aus.

Ich muss auf allen Vieren rauf krabbeln und bei jedem Schritt nach oben rutsche ich mindestens die Hälfte der Schrittlänge wieder runter, während mein schlanker Partner leichtfüssig wie eine Bergziege zum Dünengipfel entschwebt.

Neben mir strampeln sich Käfer ab, die ebenfalls mehr zurückrutschen, als dass sie die Sanddüne hochkommen, aber am Ende schaffe ich es mit hochrotem Kopf doch noch nach oben.

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Juhu, ich habe es geschafft! Ich bin oben!

Vor uns breitet sich die riesige Wanderdüne aus, es ist bis auf einige Vogelstimmen völlig still. Auf dieser Seite der Düne ist kein Mensch, die Touristenfalle ist auf der anderen Seite.

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einsame Dünenlandschaft, und in der Ferne das Meer, sehr beeindruckend!
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ein paar Spuren verraten, dass kurz vor uns ein paar Menschen hier waren.
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ein Käferchen, das auf die Düne will, aber immer seitlich runter rutscht.
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der Zeltplatz am Milevej hat sogar Wasser und einen Mülleimer.

Als wir von der Düne absteigen und am Lagerplatz sind, stellen wir fest, dass es hier unglaublich viele Mücken und winzige Fliegen gibt, die einem in die Ohren krabbeln. Ich ziehe mir die lange mückensichere Hose an und bastele mir ein arabisches Kopftuch aus meinem Handtuch und meiner Schirmmütze, dann habe ich relative Ruhe. Ich stricke meine Toursocken fertig und suche mir dank gutem mobilem Internet ein neues Strickmuster raus, und fange gleich das nächste Sockenprojekt an.

Heute gibt es Nudeln mit Pesto, sehr lecker. Aufgrund der Mückensituation verschwinden wir früh im Zelt. Ich schlafe schon vor 22 Uhr ein.

Vestkyststien, Tag 11: Von Blokhus nach Tornby

23. März 2018

Am 11. Tag habe ich kein Tourtagebuch geschrieben, und auch recht wenige Fotos gemacht. Wir hatten zwischenmenschlichen Stress, nicht so schön.

Wir fuhren nach Løkken in relativer Strandnähe, und es bot sich das übliche Bild der “Dünen-Resorts”, Feriensiedlungen am Meer, das klischeehafte Urlaubsparadies an der Nordsee. Schon schön, das ja, aber es ist irgendwann auch ein wenig eintönig.

Ein Highlight war die Strecke über den Sandstrand. Sie ist ein paar Kilometer lang und der Nordseeküstenradweg führt an den Strand und direkt über den Sand. Hier ist das möglich, weil es ein “Autostrand” ist: Die Leute fahren mit ihren PKW auf den Strand, parken das Auto, und sonnen sich Seite an Seite mit ihrem Blechhaufen. Eigentlich kaum zu fassen, aber es soll ja auch Leute geben, die ihr Auto in sogenannten “Car-Lofts” bis ans Bett mitnehmen. Warum also nicht mit dem Auto an den Strand?

dänemark tour 2018
Ein Mann und sein SUV liegen Seite an Seite am Strand… ich weiss ja auch nicht.

Der Sand ist von den Reifen dermassen komprimiert, dass es möglich ist, darauf Rad zu fahren. Nur an manchen Stellen versinkt man doch noch im Sand, und ich habe mich auch einmal flach gelegt – an der Stelle bin ich allerdings auch weich in den Sand gefallen.

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Mein Rad mit den Packtaschen an einem kleinen, trägen Bach, der ins Meer fliesst am Strand.

Ich war trotzdem froh, als das Abenteuer “Autostrand” hinter uns lag, und es in Løkken hoch in den Ort ging. Am Strandcamping von Løkken haben wir ein zweites Frühstück zu uns genommen. Hier gibt es eine Semi-Steilküste, wo man mit Treppen zum Strand runtergehen kann.

Danach erinnere ich mich, wie wir weiter im Landinneren auf einer Landstrasse gefahren sind, die gerade frisch asphaltiert war, und wo der Belag ganz seltsam an den Reifen klebte, beim Fahren gab es immer komische Schmatzgeräusche. Das war bei Rubjerg, wo es eine grosse Düne gibt. Sie ist die höchste wandernde Düne Europa, und der Leuchtturm, der dort steht, wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich ins Meer stürzen, denn die Küste in seiner Nähe bricht immer mehr ab. Laut Wikipedia hat die dänische Regierung im Herbst 2018 einen Etat bereitgestellt, damit der Leuchtturm 80 Meter ins Landesinnere versetzt werden kann.

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Eine frisch asphaltierte Strasse führt durch grüne Wiesen, im Hintergrund sieht man eine hohe, gelbe Sanddüne.

Unscheinbar neben der Strasse liegt ein alter Friedhof, der einmal zu einem Dorf gehörte, das durch das Sandtreiben aufgegeben werden musste. Hier in Norddänemark gab es früher viele Probleme mit dem Sandtreiben, denn für Brennholz wurde die Dünenvegetation abgeholzt.. An der ganzen Nordseeküste mussten die Dünen wieder mit Strandhafer und Strandrosen bepflanzt werden, um die Versandung etwas mehr in den Griff zu bekommen.

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ein Grabstein auf dem verlassenen Kirchhof bei Rubjerg

dänemark tour 2018
noch mehr Dünen-Action
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Pause in Lønstrup am Meer, es gibt Sitzbänke auf einer Terrasse in der Stadt.

In Lønstrup sind wir dann nochmal ans Meer gekommen, und dann ging es hügelig wieder ins Land, auf eine Heidelandschaft, wo ein paar Bauernhöfe und ein schöner Wander- und Radweg sich durch den Wald schlängelten. Wir hatten unsere Route etwas umgeplant. Statt im Rubjerg Skov zu zelten, fuhren wir noch ein gutes Stück weiter nach Tornby, wo es einen Lagerplatz im nahen Waldstück gab. wir sind in Tornby noch zur Kirche gefahren um Wasser aufzutanken, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, denn auf dem echt schönen Waldzeltplatz gibt es einen Wasserhahn.

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Der Zeltplatz in Tornby. Es gibt auch einen Shelter, einen Grillplatz und eine tofte Holzspaltmaschine.
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Am Shelter befindet sich der Wasserhahn. Er kann aktiviert werden, indem einfach so ein Stab zur seite gedrückt wird. Ein Plumpsklo gab es nicht, dafür standen Spaten bereit, um die Hinterlassenschaften selbst zu verbuddeln.

Am Abend auf dem Lagerplatz kamen wir dann zur Ruhe und entspannten uns, kochten Essen und widmeten uns dem Campingleben. Wir hatten auch wunderbares, sonniges Wetter.

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Das Fahrrad steht in der frühen Abendsonne am Waldzeltplatz

Später, als wir schon das Zelt aufgebaut hatten, zog Nebel auf. Ich ging einen Spaziergang machen und sah, dass hinter uns auf der Lichtung ein kleiner Waldsee lag, von dem der Nebel aufstieg. Es gab auch einige Rehe, die über unsere neblige Lichtung sprangen. So endete ein anfangs stressiger Tag noch sehr schön und sehr entspannt.

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Abends hüllt der Nebel alles ein.

10. Tag #Vestkyststien: Von Kollerup nach Blokhus

Heute ist der 22. Mai 2018, ich komme auf der Tour langsam mit der Zeit durcheinander. Ich wache um 6 Uhr von alleine auf, es ist wieder ein sonniger Morgen. Im Shelter kochen wir Porridge, und nach dem Heißgetränk und dem Packen wollen wir losfahren.

dänemark tour 2018
Kaffee kochen am Shelter: Der Trangia Kocher macht das Wasser heiss, und unsere Kaffeedose, eine Trinkflasche und die Tassen stehen auf dem Holzboden.

Im Wald ist eine Schulklasse unterwegs, die eine Schnitzeljagd macht, am Vorabend waren zwei Lehrerinnen unterwegs, die die Spuren ausgelegt hatten. Wir hatten uns kurz unterhalten, überhaupt sehen wir auf der Tour ein paarmal Schulklassen, die im Wald herumlaufen und Abenteuerspiele spielen. Super Sache!

dänemark tour 2018
Die Fahrräder auf einer Waldlichtung, wo wir von der letzten Steigung verschnaufen.

Die erste Strecke ist ganz okay, leider haben wir schon wieder Gegenwind. Einmal müssen wir uns eine miese, grobgeschotterte Strasse einen Hügel hoch plagen, dann geht es wieder bergab zum Strand. Es gibt da ein Sanitärgebäude und eine kalte Stranddusche, wo wir anhalten um ein paar Sachen zu waschen. Ich gebe mir die kalte Dusche, und das ist bei der Hitze sehr erfrischend.

dänemark tour 2018
Klamotten waschen: Das kleine Outdoor-Faltwaschbecken im Gras bei den Dünen, es ist ein so praktischer Gegenstand!

Danach kommt etwas, was wir “Dänemarks schlechteste Schotterstraße” taufen, dazu haben wir noch Gegenwind, es ist sehr ermüdend. Am Strand Pause machen ging auch nicht so gut, weil da Baustelle war und Baufahrzeuge lautstark herumfuhren. Also weiter, jetzt ist da ein Weg in Plattenbauweise, wo ich mich frage, ob die Straße ein deutsches Bauwerk aus der Nazizeit ist.

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Malerisch, der kleine Sandweg am Meer, aber anstrengend, weil wir wieder bei Gegenwind auf und ab über die Dünen müssen.

Wir machen Pause an einem Waldrastplatz, aber die Erholung hielt nicht lange vor, die Wege durch den Wald werden immer schlechter: Nicht nur sind sie grob geschottert, sondern sie wurden von den schweren Panzern und Militärfahrzeugen vom Übungsplatz nebenan ziemlich zugrunde gerichtet. Der Schotter ist lose und zu lauter feinen Rippen aufgeworfen, weil riesige LKW-Räder sich da rein gegraben hatten.

dänemark tour 2018
Ärgerlich: ein militärischer Übungsplatz. Hier das Schild, das ein Weiterfahren verbietet, aber auch die ganzen Wege in der Umgebung sind von den Militärfahrzeugen beschädigt.
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Einer von diesen hübschen Shelterplätzen, aber es ist noch nicht mal mittag und wir wollen weiter.

Mein Tourgefährte fällt in ein mentales Loch und wir kommen nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter, auch als sich der Weg bessert. Wir kommen an eine Schnellstrasse, und ausgerechnet an einer Straßenraststätte, die trostlos wirkt und in der prallen Sonne da liegt, sagt er, dass er nicht mehr kann und eine Pause braucht. Zu allem Überfluss kommt ein Rasenmähtraktor vorbei und mir fliegt ungelogen die Rasenmahd um die Ohren, weil der Landschaftsgärtner nicht aufpasst.

Wir fahren weiter, und kommen durch die Blokhus Klitplantage, ein hübscher Wald mit einem großen Lagerplatz darin. Inzwischen ist klar, dass zwischen Blokhus und Løkken – etwa 35 km – keine legalen Lagerplätze mehr liegen werden. Entweder wir bleiben hier, obwohl wir noch nicht weit gekommen sind, oder wir fahren alles, bis Løkken, was insgesamt 70km werden würden. Nachdem die Wege schlecht waren und der Gegenwind nicht ohne war, ist sich mein Partner unsicher, ob er das noch schafft. Ich ärgere mich, dass wir für 35km geschlagene 5 Stunden gebraucht haben, und jetzt eigentlich hier in Blokhus festsitzen. Ich versuche ihn zu überreden, einen regulären, bezahlten Campingplatz anzufahren, um wenigstens noch etwas weiter zu kommen heute. Aber das will er absolut nicht. Ich eigentlich auch nicht, aber noch weniger mag ich es, einen Tourtag schon mittags abzubrechen.

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Der grosse Shelterplatz in Blokhus. Drei schwarz gestrichene Shelter, die sogar Schiebetüren haben, Picknicktische und ein Grillplatz befinden sich dort.

Wir hatten letztes Jahr in Schweden die Situation, dass wir an einem “Schwächeltag” beschlossen hatten, statt noch nach einem Platz a la “Jedermannsrecht” zu suchen, einfach auf einem Campingplatz zu zelten. Das war leider ziemlich schlecht gelaufen. Wir bekamen eine Parzelle unter einer Straßenlaterne, der Platz war vom Wind schlecht abgeschirmt und es pfiff uns ständig um die Ohren, die Küche sah aus wie im Knast, es gab nicht mal Wifi und wir zahlten zu zweit etwa 40 Euro! Naja, das ist unwahrscheinlich, dass es dieses Jahr wieder so läuft.. aber.. egal.

Wir gehen erst mal einkaufen, stadtauswärts gibt es Supermärkte, und entscheiden uns dann doch, in Blokhus zu bleiben. Das beschert uns einen halben Tag Pause. Wir versuchen noch in der Stadt einen Geldautomaten zu finden, aber der Ort ist viel kleiner als gedacht, eigentlich gibt es nur eine große Strasse, und wir finden keinen.

Wir kommen am Blokhus Skulpturenpark vorbei, aber wie das immer so ist: Die Sandskulpturen sind in Parks, mit hohen Wänden umgeben, damit du Eintritt bezahlst, um die Sandbauten zu sehen. Irgendwie sind die auch mit etwas haltbar gemacht, sonst würde das in dem Seeklima ja gar nicht gehen. Und quasi Betonskulpturen in Sandfarbe, das finde ich nicht so spannend wie wirkliche Sandskulpturen. Wir lassen den Skulpturenpark links liegen.

Wir kaufen uns ein Wienerbrød (Ach, diese leckeren dänischen Plunder!) und fahren zum Lagerplatz im Wald. Er hat alles, was man braucht, auch Trinkwasser. Wir machen uns Instant Matcha Latte, und dann mache ich mir einen gemütlichen Nachmittag mit faulenzen, stricken und Podcasts hören.

dänemark tour 2018
Ich stricke und höre Podcasts an einem der Picknicktische am Lagerplatz.
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Mittagschlaf im Shelter – ich glaube, der Tourgefährte ist vor lauter Ermüdung sofort weggepennt.

Abends kochen wir Couscous mit Zwiebeln, Bohnen, Mais und Zucchini. Dazu reiben wir uns Parmesan mit so einer Winzig-Reibe, die ich aus Fun gekauft hatte, aber sie funktioniert. Ein sehr junger deutscher Typ kommt mit seinem bepackten Rad, er ist in Kolding gestartet und fährt nach Skagen. Er mag nichts von unserem Essen abhaben und demontiert sein halbes Rad und putzt alle Teile.

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Abendsonne am Shelterplatz.

Dann kommen noch zwei Leute, die eine riesige Kühlbox tragen, dann gehen sie wieder weg und kommen mit riesigen Aldi-Tüten voller Zeug wieder. Wir befürchten schon, dass es abends eine laute Grillfete geben wird. Aber statt einer Partygesellschaft kommt niemand, die zwei bauen ein kleines Igluzelt auf. Puh, Erleichterung!

dänemark tour 2018
unser schönes Tunnelzelt, das wir erst aufbauen, als die Bäume genug Schatten werfen. Sonst gibt es UV-Strahlungs Schäden!

Später bauen wir auch ein Zelt auf, denn Heerscharen von Mücken wollen unser Blut. Das wird also wieder nichts mit Sheltern!

9. Tag des Vestkyststien: von Vigsø in die Kollerup Plantage

Es ist Montag, der 21. Mai 2018. Wieder ein wunderschöner Morgen. Ich wache um halb sechs schon auf und sehe Nebel über die Wiesen ziehen. Wir stehen auf, trinken einen Kaffee und dann fährt mein Partner sich noch die Bunker am Strand anschauen, und macht einen Ausflug zum Strandklo. So lange packe ich die Sachen zusammen.

dänemark tour 2018
Morgennebel an unserem Zeltplatz

Später wollen wir gerade frühstücken, da fährt ein Auto auf das Wiesengrundstück, wo jetzt kein Bauernhof mehr steht. Oweh, nicht dass wir jetzt Ärger bekommen, dass wir einfach hier zelten. Aber das Auto fährt eine Runde, dann parkt der Typ etwas abseits von uns und lässt einen kleinen Yorkshire Terrier Hund aus dem Auto, der dann mit sich selbst Gassi geht. Irgendwann kehrt der Hund zum Auto zurück, steigt ein, und dann fahren die beiden wieder weg. Beim Rausfahren winkt der Typ noch einen Gruß zu uns herüber. Gut, das war also eine distanzierte, aber freundliche Begegnung.

Als wir losfahren, kommt der Wind aus Ostsüdost, ausgerechnet.. wieder den ganzen Tag Gegenwind. Wieso kann er nicht mal aus Nordwestern kommen, wie vor ein paar Tagen, als wir in nördliche Richtung unterwegs waren, hä?

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Wieder geht es durch eine Dünenlandschaft, vor uns liegt der Rücken vom Bulbjerg.

Dafür ist es durchgehend sonnig, was ja auch sehr wertvoll ist. Wir fahren heute viel auf Schotterwegen, aber die meisten sind okay, und nicht mit dem nervigen, losen groben Schotter belegt. Diese groben Schotterwege sind eigentlich das einzige, was ich an dieser Route nicht mag.

Mitten in der Dünenlandschaft liegt eine Hügelkette, die in einem der seltenen Vogelfelsen Dänemarks endet, dem Bulbjerg. Der imposante Felsen wurde im zweiten Weltkrieg ebenfalls mit deutschen Bunkern verschandelt, die heute ein kleines Museum sind: Über den Vogelfelsen, die Natur und die Bunker. Am Bulbjerg gibt es einen Parkplatz, aber als wir kommen, ist es noch früh und niemand ist dort. Wir machen eine Pause und genießen die Aussicht, ich wandere noch zur Spitze des Bulbjergs und schaue mir das Museum an.

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Blick vom Bulbjerg auf eine Mondsichelförmige Bucht 
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Wir haben die Räder an einen Picknicktisch gelehnt und genießen die Aussicht aufs Meer. 
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Der Vogelfelsen, von oben leider nicht so gut erkennbar.

Danach kommen wir nach Thorup Strand, ein Fischerdorf, wo im Gegensatz zur Westküste noch die Küstenfischerei läuft. Mir ist unklar, wieso sich das hier lohnt und dort nicht, aber dafür gibt es wahrscheinlich einleuchtende Gründe. Obwohl wir noch nicht lange unterwegs sind, hauen wir uns aus reinem Appetit ein Hotdog rein.

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Die Fischerboote vom Thorup Strand. Sie werden mit Seilwinden an Land gezogen. 

Nach Thorup kommt lange nichts und wir folgen einer langen, etwas eintönigen Strasse. Wir machen einen Abstecher nach Fjerritslev, der Weg dahin ist leider noch viel eintöniger, und wir haben immer noch Gegenwind. Heute tut mir der Hintern weh und meine Tagesform ist grundsätzlich sehr schlecht. Manchmal gibt es so Tage. Aber ich lebe im Moment und irgendwann ist die Strecke doch noch bewältigt. Wir wollen Wasser auftanken für den Shelterplatz und kaufen Joghurt, Energy Drinks und Bananen ein, eigentlich haben wir noch genug Lebensmittel dabei. Als wir in der Stadt kein Wasser finden, fällt Björn ein, dass wir am Waldparkplatz, wo der Weg zu unserem auserkorenen Zeltplatz abzweigt, ein Wasserhahn gewesen ist.

WIE BITTE? Und ich musste trotz meiner Tagesschwäche sinnlos nach Fjerritslev strampeln, oh mann. Wir fahren also wieder zurück und tanken am Waldparkplatz auf. Von dort aus ist es nicht mehr weit zum Shelter. Der liegt wunderschön auf einer Anhöhe, wo wir auf den Waldweg herunterschauen können. Wegen der Mücken bauen wir unser Zelt direkt daneben auf, obwohl ich sehr gern in dem hübschen Shelter gepennt hätte. Wir brauchen halt eine Art Moskitonetz.

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Wunderschön liegt der Shelter im Wald. 

Es ist erst 17 Uhr und wir verbringen einen entspannten Abend im Wald, spazieren herum, ich stricke was, wir lesen und machen ein Nickerchen.

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Bei einem Waldspaziergang fotografiere ich junge Zweige 
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..und einen abgestorbenen Nadelbaum, der mit grauen Flechten überzogen ist. 
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Das Chili schmurgelt auf dem Feuer 

Am Abend kochen wir Chili con Soja auf dem Lagerfeuer, aber irgendwas machen wir falsch: Es gibt hier kaum Holz, das einzige, was wir finden, ist Kiefer und Fichte, das nicht heiß genug verbrannt wird, und unsere zwei Töpfe sind danach mit einer dicken, klebrigen, widerspenstigen Schicht Teer/Ruß/Bitumen überzogen. Wir schrubben eine halbe Stunde mit Sand und harten Gräsern, bis die Schicht wieder ab ist, es ist ein Horror. Aber das Essen wird sehr lecker.

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Am Lagerfeuer in der Dämmerung sitzen, so schön. 

Nachdem die Dunkelheit hereingebrochen ist, flüchten wir vor den Mücken ins Zelt und schlafen auch bald ein.

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Das Zelt neben dem Shelter im Morgengrauen..

8. Tag Vestkyststien: Von Lodbjerg Fyr nach Vigsø Bucht

Heute ist der 20. Mai 2018. Wir sind an der dänischen Nordseeküste unterwegs. Gestern sind wir am Lodbjerg Fyr nördlich von Agger gelandet und verbrachten die Nacht auf dem Naturzeltplatz am Leuchtturm.

Ich wache um sieben Uhr erst auf, das heißt, ich habe 9 Stunden durchgeschlafen! Ich mache Kaffee und locke damit meinen Reisegefährten aus dem Schlafsack. Ganz in Ruhe machen wir uns Porridge zum Frühstück und bauen dann alles ab.

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In der Morgensonne steht unser Zelt und ein Paar Packtaschen.

Wir fahren in der Morgensonne durch duftende Heidewälder und pausieren kurz an einem stillen Waldsee. Die Wege sind sandig, aber angenehm zu fahren. Wir können leider nicht direkt durch den Nationalpark Thy fahren, denn der “Redningsvej” ist zu unwegsam für die Fahrräder. Deshalb geht es einen kleinen Umweg über ein paar Dörfer.

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ein kleiner Waldsee umgeben von niedrigen Sträuchern.

Irgendwann sind wir wieder in der offenen Dünenlandschaft. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend, da durch zu fahren. Es geht Wind, aber nicht so stark, und nicht so frontal wie neulich. Sehr gut.

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weite Dünenlandschaft mit wilden Strandrosen, Heidekraut, Strandhafer und gelben Blüten, dahinter das Meer.

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Wir sind auf einen kleinen Bunker geklettert und blicken auf unsere Fahrräder hinab.

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Am Fischfangplatz von Stenbjerg

Wir fahren bei Stenbjerg zu einem alten Fischereiplatz. Er ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, und ein kleines Museum erinnert an die Küstenfischerei hier. Es gab eine Winde, um die Boote hereinzuziehen, und Hütten, die nicht zum wohnen dienten, sondern nur dazu, die Fische zu verarbeiten und zu verpacken. Warum sich hier die Fischerei nicht mehr lohnt, aber an anderen Stellen der Nordseeküste schon, habe ich nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall ein beschauliches Fleckchen, wo man sehen kann, wie es früher abgelaufen ist. Historische Fischerkähne liegen auch am Strand. Wir machen eine Mittagspause und fahren dann weiter.

Viele Leute hier sind mit Wanderrucksäcken unterwegs. Darauf hätte ich ja auch mal Lust. Wir fahren durch Vorupør und folgen dem “Kystvej” durch eine Dünenlandschaft nach Klitmøller. Diese Gegend nennt sich auch “Cold Hawaii” und ist ein Zentrum des Surfsports. Wir sehen in Klitmøller überall Surfläden, Surfbrettverleihe, und Menschen die mit Surfausrüstung durch die Stadt wandern. Am Strand ist viel los, eine Menge Leute haben es sich gemütlich gemacht und einige andere versuchen sich im Wellenreiten. Wir machen eine Pause und bereiten uns Heißgetränke auf unserem Kocher zu. Dabei schauen wir uns die Surfversuche an, und ich bekomme den Eindruck, Surfen besteht zu 90% daraus, im Wasser zu liegen und auf eine Welle zu warten. Und die restlichen 10% der Zeit versucht man dann, nicht ins Wasser zu fallen. Für mich wär das nix, glaube ich.

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Nicht viel Wellengang in Klitmøller, aber die Surfer warten trotzdem auf eine günstige Welle.

In Klitmøller liebäugelt die Surfszene mit der Verwandtschaft zu Hawaii und auf den Autos sind Aufkleber mit der Aufschrift “Æloha”. Haha.

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kleine Fischerboote liegen auch am Strand, aber sehr kommerziell sieht das nicht aus.

Wir fahren weiter am Kystvej entlang. ein angenehm asphaltierter Radweg neben der Strasse schlängelt sich durch die Dünen. Es ist hügelig, aber immer noch sanft genug, um mit dem Schwung von der Abfahrt das nächste Hügelchen erklimmen zu können.

Dann nähern wir uns Hanstholm, wo es schon wieder Bunker zu sehen gibt. Diesmal liegen sie nicht am Strand, sondern sind in die Hügelkette hinter der Küste eingebaut. Die sogenannte “Batterie Hanstholm” war dazu vorgesehen, das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen abzusperren. Verwendet wurde sie nie, angeblich wurde nur einmal fälschlich ein Schuß auf ein Fischerboot abgefeuert, der zum Glück nicht getroffen hat.  Ich finde für das keine Quelle im Netz, ich meine, ich habe das auf einem Informationsschild bei den Bunkern dort gelesen.

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Die grusligen Bunker starren uns hohläugig aus der Hügelkette an.

Wir fahren am Fischereihafen von Hanstholm vorbei. Dass sich die Küstenfischerei hier noch lohnt, lässt sich daran bemessen, dass Hanstholm den grössten Fischereihafen Dänemarks hat, gemessen an der Fischmenge, die hier angelandet wird. Fischfabriken aus allen möglichen Ländern haben ihre Hallen in diesem Hafen aufgebaut.

Unsere Fahrradroute führt von hier in die Stadt hinauf, aber der Nordseeküstenradweg verläuft unten am Meer. Wir haben ja schon am Samstag genug eingekauft, und haben keine Lust den steilen Weg raufzuschieben. Später lese ich im Fahrradbuch, dass es in Hanstholm eine komplette Trennung von Autoverkehr vom unmotorisierten Verkehr gibt, und bedauere ein wenig, dass wir das nicht live gesehen haben.

Stattdessen fahren wir auf einem angenehmen Sandweg am Meer entlang.

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Zwischen Land und Strand schlängelt sich der schmale Radweg, am Fahrrad hängt die Wäsche zum trocknen.

Nach Hanstholm ist es nicht mehr weit nach Vigsø, wo wir einen Zeltplatz am Meer auserkoren haben. Falls dieser besetzt ist, können wir noch in einen nahegelegenen Wald, der zum Zelten freigegeben ist.

Wir treffen einen älteren Schwaben, der von Stuttgart losgeradelt ist und zum Nordkap will. Komisch, wieso alle zum Nordkap wollen? So ambitioniert sind wir nicht, aber wir haben auch nicht so viel Zeit.

Die Wege nach Vigsø sind super schön und malerisch. Im Internet stand, dass es am Zeltplatz kein Wasser gibt, deswegen wollen wir bei der Kirche welches holen. Aber ach, sie liegt auf dem Berg! Wir strampeln also hoch um aufzutanken. Was wir nicht wussten: Es hätte eine Abkürzung gegeben, die unten am Strand lang führt und an einer Toilette mit Trinkwasser für die Badegäste vorbei geführt hätte. Nun ja.

Da, wo der Zeltplatz sein soll, ist wieder alles mit Wohnmobilen zugeschissen, und wir beschließen, in das Zeltwäldchen zu fahren. Dabei biegen wir einen Feldweg zu früh ein, und finden uns in einer Sackgasse wieder. Es ist ein von Bäumen umstandenes Wiesengrundstück, in der einen Ecke stehen zwei Picknickbänke. Als ich mit dem Telefon genau schaue, wo wir uns befinden, zeigt es an, dass wir mitten in einem Bauernhof stehen. Nur ist dieser inzwischen völlig verschwunden.

Erst denke ich, dass uns das Telefon falsch lokalisiert, aber bei genauerem Abschreiten des Grundstücks sieht man noch einzelne Reste: Da war die Güllegrube, und da steht noch der Baum, der sich einst an das Haus gelehnt hat, ganz alleine. Wir beschließen, dass wir einfach hier zelten, es sieht gemütlich aus, und wahrscheinlich stört es niemanden. Dass der Picknicktisch mit Bänken hier herumsteht, ist auch äusserst bequem und praktisch.

Es ist noch nicht so spät und ich will noch mal zum Strand runter fahren. Dabei bemerke ich mit geübten Augen, dass der vermeintliche Zeltplatz eher ein Parkplatz ist, und der Platz ist eigentlich ein Shelterplatz am Waldrand. Aber da sind schon Leute, die sich feine Matratzen mitgebracht und im Shelter ausgerollt haben. Das macht aber nichts, wir sind ja inzwischen auch gut angekommen.

Ich schaue zum Strand runter und dort kann ich einen Haufen Bunker bestaunen, die nach und nach vom Meer überschwemmt werden.

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Ein Bunker versinkt im Meer.

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Mit dem Fahrrad am Strand: Etwas unpraktisch, ich habe aber meinen Fahrradschlüssel vergessen.

Ich schiebe mein Fahrrad über den Strand und mache viele Fotos.

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Noch mehr Bunker, die am Strand verwittern

Es wäre schön, wenn alles Kriegsgerät irgendwann so obsolet wäre wie diese Bunker.

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die Sonne geht hinter der Baumreihe unter, und bald werden wir es uns im Zelt gemütlich machen. 

Ich fahre zurück zum Zeltplatz und wir lassen den Abend mit einem warmen Essen und Tee ausklingen.

7. Tag des Vestkyststien: Von Fjaltring nach Lodbjerg Fyr

Es ist der 19. Mai 2018. Wir wachen erst gegen halb acht auf, es ist wieder mal ein sonniger Morgen in Fjaltring an der Westküste Dänemarks. Leider hat mein Partner starke Kopfschmerzen. Wir beschließen, nicht auf dem Platz zu frühstücken, sondern direkt alles einzupacken und loszufahren. Der deutsche wilde Campingplatz ist auch erwacht und mir ist das alles zu intim. Leute führen ihre Hunde Gassi und spülen Geschirr am Strandklo und es wird alles sehr geschäftig.

Im Kaufmannsladen von Fjaltring kaufen wir Paracetamol und fahren dann gemütlich los. Zuerst verfahre ich mich und führe uns in die falsche Richtung, uns kommt eine Radwanderin entgegen, die, wie ich später feststelle, in die selbe Richtung fährt wie wir. Wir hätten ihr eigentlich hinterher fahren sollen. Aber diese kleinen Verfahrer kommen halt vor. Wir fahren am Dorf Trans vorbei, aber ich vergesse leider, das Ortsschild zu fotografieren.

Wir holen die Radwanderin ein, sie ist aus Amsterdam und will noch zum Nordkap fahren. Sie verwendet auch eine deutsche Bikeline Karte, weil die einfach am besten sind, sagt sie. Sie versteht zwar den Text nicht, aber die Karte ist gut. Wir unterhalten uns ein wenig beim Fahren und trennen uns beim Leuchturm Bovbjerg Fyr.

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Bovbjerg Fyr, ein roter Leuchtturm, kommt am Horizont in Sicht. Davor sind grüne Weiden mit Löwenzahnblumen und einem flachen Teich.

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Bovbjerg Fyr hat neben seinem roten Turm auch rot gestrichene Nebengebäude und kleine, mit roten Klinkern versehene Gebäude. In einem ist ein Cafe untergebracht.

Es ist ein schönes, rot gestrichenes altes Gemäuer mit Cafe im Nebengebäude. Ein Schild hängt am Zaun: Wenn das Cafe nicht geöffnet ist, können Leute gerne die Cafetische zum Rasten und Picknicken verwenden, steht darauf. Wir fühlen uns freundlich eingeladen (gerade hat das Cafe noch nicht geöffnet) und kochen Porridge, was wir im Garten des Leuchtturmcafes frühstücken.

Danach gehen wir zurück an die Steilküste und bewundern die Aussicht. Runterklettern an den Strand wollen wir aber nicht. Wie immer an diesen Steilküsten sind wir dazu zu faul, ich ziehe es dann doch vor, auf Stränden rumzuwandern, für die ich keine hunderte Stufen klettern muss.

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die Steilküste bei Bovbjerg Fyr fällt tief zum Meer ab. Heute ist nicht soviel Wind, und der Himmel knallblau.

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Die Felsen bestehen aus bröckeligem Gestein, aus Kies und Geröll, das während verschiedener Eiszeiten aufgetürmt wurde. daher ist es auch gefährlich, nahe am Rand herumzustehen.

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Einige Leute sind zum Strand heruntergeklettert und sehen sich die Kieselsteine an.

Nach Bovbjerg kommen wir nach Ørum und Ferring, und folgen der Beschilderung auf einen sandigen Weg am westlichen Ufer des Sees entlang. Erst verspätet sehen wir, dass die Bikeline Route uns östlich um den See herum geführt hätte. Weil der Weg sehr, sehr sandig ist (manchmal müssen wir die Räder durch schieben) hatten die sich vermutlich eine asphaltierte Ausweichroute überlegt. Wir sind aber den Schildern nach auf der Originalroute.

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Der Weg ist, abgesehen vom Sand, sehr schön und malerisch, es fahren dort keine Autos, er führt quasi auf der Krone der Dünen zwischen wilden Rosenbüschen durch, und wir können auf der einen Seite auf den See schauen und auf der anderen Seite auf das Meer.

Als wir auf einen kleinen Weg zum Nordseestrand treffen, machen wir eine Pause und ich tauche kurz in den kalten, erfrischenden Wellen unter. Es ist wirklich sehr, sehr kalt und frisch. Ich bin nicht mehr so eine Wasserratte wie früher, und das ist tatsächlich mein einziges Bad in der Nordsee auf der ganzen Reise.

Dann geht es weiter nach Vrist und Harboøre, wo wir im Aldi für heute, Sonntag und Montag einkaufen. Angeblich ist in der Touristengegend auch an Pfingsten alles offen, aber wir wollen sicher gehen. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen! Dann fahren wir auf die nächste Nehrung in Richtung Thyborøn.

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Inzwischen ist es Mittag geworden und wir machen nochmal eine Pause in den Dünen. Wir haben uns Energy drinks mit Limettengeschmack gekauft, die auch echt ganz lecker sind, und dazu gibt es belegte Brote. Es ist 13 Uhr und wieder sehr sonnig und zum Glück nur mäßig windig. Als wir weiter fahren, merke ich, dass von den zwei Socken, die ich zum Trocknen an den Radtaschen hängen habe, nur noch eine da ist. Die andere habe ich in den Dünen vergessen! Zum Glück muss ich nur 600m zurück fahren und die Socken werden wiedervereint.

Die Landschaft auf der Nehrung ist wunderschön, es sind fast alles naturnahe Feuchtgebiete, mit einer Vielzahl von Pflanzen und Vögeln. Der Radweg entfernt sich von der Straße und führt als schmaler Pfad mitten durch das Naturschutzgebiet. Wir sind jetzt auf dem Gebiet der Kommune Thisted und fahren zwischen dem Meer und dem Limfjord.

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Das Sneglehuset (Schneckenhaus) in Thyborøn. Die Wände außen sind mit tausenden Muscheln und Schneckenhäusern dekoriert, und innen soll es ähnlich aussehen.

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Auf einem kleinen Torbogen des “Sneglehuset” sind nicht nur Muscheln angeklebt, sondern auch runde Deko Kugeln aus grünem Glas.

Wir kommen nach Thyborøn und fahren durch den Ort. Wir folgen den Schildern zum “Sneglehuset”, einer Sehenswürdigkeit, wo ein malerisches Haus mit Türmchen mit tausdenden von Muscheln und Schnecken bestückt worden ist. Außer uns sind noch andere Touris dort, und wir müssen etwas warten, bis wir Fotos knipsen können, auf denen keine anderen Touris drauf sind. Dann fahren wir auf einem Fußweg am Strand entlang und gehen kurz ein paar Blicke auf die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg erhaschen. Wir wollen uns nicht so lange damit aufhalten.

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Mein Tourbegleiter klettert auf einem Bunker herum. Ich glaube, er bindet sich den einen Schuh.

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Bunker am Strand von Thyborøn. Sie verwittern langsam und versinken im Sand.

Weil damals Nazideutschland sehr viele Bunker die ganze nördliche dänische Küste entlang gebaut hat, ist es auch nicht schlimm, dass wir nicht so lange damit zugebracht haben, denn es wird noch genügend Gelegenheiten geben. Wir drehen danach eine Runde durch die Ortsmitte, und fahren dann zur Fähre, die uns zur Landzunge von Agger rüberfahren soll, durch eine eher langweilige Neubausiedlung. Dann überqueren wir die große Straße, und bingo – Glück gehabt! Die stündlich fahrende Fähre kommt genau passend und wir können fast ohne zum Stillstand zu kommen an Bord rollen.

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eine kleine Auffahrt führt zu Fähre. Sie kommt gerade herein und sieht sehr klein aus, aber alle wartenden Autos, ein LKW und wir passen drauf.

Die Überfahrt ist kurz, und auf der anderen Seite gibt es ein kleines Naturcenter mit einer Ausstellung über die Tiere und Pflanzen auf der Agger Landzunge. Hier kann man Seehunde sehen, aber leider kann ich keine erspähen. Das ziemlich neue Mini-Naturcenter ist schön eingerichtet, es gibt Toiletten, einen Tisch und Bänke, Wifi und Windschutz. Aber niemand muss darauf aufpassen, anscheinend gibt es in Dänemark kein Vandalismusproblem.

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Unser Kaffeetisch am Naturcenter: Das Solarpanel versorgt die Telefone, bald gibt’s heißes Wasser aus dem Kocher und die Tassen und die Plundertorte stehen schon bereit.

Wir kochen uns einen Instant-Matcha-Latte und essen eine dänische Plundertorte (sie nennt sich “Dagmartorte”), die ich für 25 Kronen beim Aldi in Harboøre mitgenommen hatte. Sie ist super lecker. Eine Gruppe älterer dänischer Sportradler__innen kommt vorbei und wartet auf die Fähre. Sie bewundern unser Solarpanel, mit dem wir gerade die Telefone nachladen. Normalerweise laden wir die Telefone nicht direkt am Panel, sondern laden eine Powerbank, aber die ist dank viel Sonne schon wieder voll geladen und während der Pause kann man dann gut noch ein wenig die Endgeräte dran hängen.

Ich kleistere mich voll mit physikalischem Sonnenschutz, was dazu führt, dass ich auf alles abfärbe. Alles wird vollgekalkt, meine Hose, meine Taschen… suboptimal.

Die Fahrt über die Agger Landzunge ist etwas langweilig, der Radweg führt schnurgerade an einer schnurgeraden Straße entlang, und wir können gar nicht auf die Landschaft achten, weil es auf dem Radweg ganz viele kleine Aufbrüche gibt. Irgendwelche Sträucher brechen da durch, und die Aufwölbungen sind ganz schön hoch und kreisrund. Es ist, anders als bei Wurzelaufbrüchen, einfach, dazwischen durch zu fahren, aber man muss halt gucken.

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Ein schnurgerader Radweg auf der Agger Landzunge.

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Hinter der Landzunge liegen Dörfer und gelbe Rapsfelder leuchten in der Sonne.

Dann geht es weiter durch das Dorf Agger, am See vorbei, und dann sind es nur noch 3km zum Leuchtturm, wo wir übernachten wollen. Wir holpern über eine der dänischen Schotterstraßen durch eine Heidelandschaft und fluchen darüber. Dann führt ein schöner Sandweg in den Wald hinein zum Leuchtturm, und wir checken den Platz dort. Er ist sehr leicht zu finden. Es ist ein wunderschöner Platz, mit mehreren Feuerstellen, Zeltmöglichkeit und einem Shelter. Der ist schon besetzt, auch sonst sind einige Leute da. Es ist ja Wochenende. Zwei Jungs aus Süddänemark haben ein Tipi aufgestellt und schnitzen, ein Pärchen mit dem Motorrad hat den Shelter in Beschlag genommen, und zwei ältere Herren mit einem winzigen Tunnelzelt machen eine Wanderung.

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Der Naturzeltplatz mit dem Leuchtturm.

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ein sonniger, milder Abend im Wald von Lodbjerg.

Wir sind relativ früh da, ich möchte noch nicht das Zelt aufbauen, damit es nicht in der Sonne steht. Wir relaxen ein wenig auf dem Platz, kochen uns ein leckeres Abendessen und bauen das Zelt erst auf, als unser Plätzchen im Schatten liegt.

Als ich mir den physikalischen Sonnenschutz abwaschen will (Am Leuchtturm gibt es ein kleines Bad, das man kostenlos benutzen darf) gestaltet sich das schwierig und mein Handtuch ist voller weißer Titandioxid Partikel. Macht nichts, dann wasche ich das Handtuch eben schnell durch.

Am späten Abend kommt noch eine einzelne Radlerin und spricht uns in einer Sprache an, die wir nicht verstehen. Es stellt sich heraus, dass sie Deutsche ist und dänisch mit einem so harten deutschen Akzent spricht, dass mein dänischsprachiger Reisegefährte es schlicht nicht als Dänisch erkannt hat. Sie ist ein sehr quirliger Typ und erzählt uns ihre Route, sie ist von Trelleborg nach Göteborg geradelt und dann mit der Fähre nach Frederiksborg gefahren, und folgte der Nordseeküste bis hierher. Dann kommentiert sie, dass wir ja ein riesiges Zelt dabei hätten. Auf die Art, in der Outdoorfreaks zu erkennen geben, dass sie finden, man hätte unnötig viel Gepäck dabei. Da hatte sie bei mir dann verloren. Ich mag das große Zelt, und ich mag die Bequemlichkeit, die es auf Reisen zu zweit bietet. Sie baut ein “Vaude Power Lizard” auf. Ja, ja. Poserin.

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Der Shelter, das Tipi, die Dackelgarage und unser Zelt stehen schon.

Wir legen uns schon um 22 Uhr hin, es ist noch hell. Aber wir schlafen sofort ein. Nachts muss ich einmal raus und sehe das beeindruckende goldene Licht des Leuchtturms über uns strahlen.