Gendersternchen*

Über die Verwendung vom Gendersternchen in diesem Blog:

In diesem Artikel hat Fabienne auf etwas wichtiges hingewiesen: Das Gendersternchen, wie es oft verwendet wird, ist eigentlich ganz schön scheisse – wenn es verwendet wird, damit sich Trans-Frauen “mitgemeint” fühlen sollen, und wenn es nicht verwendet wird, soll explizit die “weibliche” oder “männliche” Position gemeint sein. Gleichzeitig soll das Gendersternchen auf die Konstruiertheit der mit dem Sternchen bemalten Begriffe hindeuten. Das geht ja beides nicht gleichzeitig: Entweder es zeigt die Konstruiertheit, dann gilt es für Alle, auch Cis-Personen. Oder es zeigt ob mensch Transmenschen mitmeint oder nicht, dann aber geht man mit der Kategorie “Frau” oder “Mann” einfach wieder voll essentialistisch um – dann ist “Frau” ohne Sternchen wieder “Natur” oder wie? Nein, beides geht irgendwie nicht. Wäre “Frau” ohne Sternchen = “Cisfrau” dann würde man mit dem Sternchen das wiederum total zementieren, wie Fabienne schon schrieb – und das ist ja eigentlich genau das Gegenteil von dem, was mit diesem Gendersternchen beabsichtigt ist, oder bin ich da so schief gewickelt? Ich habe das nur aus dem Internet mitgekriegt und aus feministischen Blogs, ich wüsste auch nicht, wer von uns die Autorität ist, die das definiert.

Was auf jeden Fall ein Problem ist: Das Sternchen wird irgendwie nach Gutdünken verwendet und es wird in 99% der Fälle nicht erklärt, was es bedeuten soll.

Ich persönlich hab das Gendersternchen so verstanden, dass es sich darum dreht, quasi zu sagen “Das ist nicht natürlich,  zu sagen: “Frau” oder “Mann”, sondern eigentlich sind das nur Konstrukte, Annäherungen.” oder es heisst “Frauen unter Vorbehalt, weil ich nix besseres zu schreiben weiss an der Stelle”. Ich finde das Sternchen deshalb gut, weil mensch auch Sternchen an Worte macht, wenn da unter dem Text noch eine Fußnote dazu steht. Und eigentlich dachte ich, es ist genau deshalb ein Sternchen, weil es signalisieren soll “Eigentlich müsste hier eine Fußnote stehen, in der erklärt wird, dass es DIE Frauen so gar nicht gibt.”

Also, ich verwende das Sternchen, wenn, dann als Konstrukt-Markierer.

Ich mache manchmal Sternchen, manchmal nicht, und wenn ich mal keine mache, dann ist das eigentlich nur aus Faulheit.

Ich mag manchmal einfach nicht nur “Frauen” schreiben, als wären Frauen* was naturgegebenes, als wäre eh klar, was Frauen* sind, so wie es klar ist, was Tische, Bäume, Handtücher sind. Ich könnte Frauen auch in Anführungszeichen setzen. Aber das wirkt dann immer irgendwie distanziert und als wäre es peinlich “Frauen” zu schreiben. Das will ich auch wieder nicht.

Dann gibts ja noch mehr Vielfalt in dem Konstrukt Frau, das oft nicht mitgesehen wird, wie z.B. Cisgender oder Trans*.  Ich habe mal gelernt, dass wenn nichts weiter angegeben wird, wenn also z.B. nur “Mensch” gesagt wird, dann ist diese unmarkierte Norm immer ein weißer Mann, zumindest in der deutschen Gesellschaft und in vielen anderen europäischen Gesellschaften und den USA auch. Deshalb mag ich das oft nicht, einfach nur “Leute” oder “Menschen” zu schreiben, weil es dann die Vielfalt ausblendet, also alle, die nicht der Norm entsprechen, die automatisch verstanden wird, wenn nur “Mensch” gesagt wird.
So ähnlich gibt es auch eine nicht ausgesprochene, aber immer mitlaufende Norm, wenn “Frau” geschrieben wird, und die ist auch weiß, cisgender und Mittelklasse. Also nur als Beispiel, wenn die “Frauenbewegung” sagt, dass es nicht sein darf, dass “Frauen” nur am Herd stehen dürfen, sind diejenigen wieder ausgeblendet die schon immer arbeiten gehen mussten, weil sonst das Geld nicht reicht, viele Arbeiterinnen. Oder wenn weisse Cis-Mittelklasse Frauen ein Recht auf Abtreibung wollen, und viele ärmere Frauen of Color gleichzeitig die Erfahrung machen, dass ihnen das Kinder bekommen möglichst unmöglich gemacht werden soll und sie viel eher einen Schutz vor Zwangssterilisationen benötigen. Oder lesbische Frauen, die auch vom Frau-sein ganz oft ausgeschlossen werden, aus dem Begriff “Frau”. Da sind halt so viele Frauen mit drin die alle dem “Frauenbild” was eine “richtige Frau” laut dem Mainstream sein soll, nicht entsprechen, dass ich das eine gute Idee finde, ein Zeichen zu machen, das kurz irritieren soll und daran erinnern soll, dass Frau eben nicht immer das essentialistische, klischeehafte Bild ist, was vor dem inneren Auge (jedenfalls vor meinem, leider) ungebeten erscheint. Und das erinnert, die Seh- und Denkgewohnheiten kurz nachzujustieren.

Das müsste ja nicht unbedingt ein Sternchen sein, aber aufgrund der Ähnlichkeit zu einer Wildcard und zu dem Fußnotenstern wäre es sehr passend.

6 thoughts on “Gendersternchen*

  1. Danke für deine Erläuterung. ich lese nicht so viele blogs mit und war in letzter Zeit immer mal übers * gestolpert, weil ich kein Muster erkennen konnte, was es denn nun eigentlich meint. Finde ich gut so wie du es beschreibst und machst.

  2. Hi, also wenn “Frau” ohne Sternchen explizit oder implizit nur Cisfrauen meint und das Sternchen auch Transfrauen mit einbeziehen soll, dann geht das auf jeden Fall gar nicht – Denn Transfrauen sind natürlich genauso Frauen wie Cisfrauen auch! Sie also aus dem unbesternten Wort “Frau” (und ähnlichen) auszuschließen ist transmisogynistisch. Aber es gibt ja auch viele Geschlechter und Identitäten jenseits von “Frau” und “Mann”, zum Beispiel nicht-binäre Geschlechter (Ich zum Beispiel habe kein Geschlecht). Wenn die bei den Sternchen mitgemeint wären, das finde ich dann eine gute Einsatzmöglichkeit! Ich mag auch den Unterstrich dafür ganz gerne, vielleicht einfach nur, weil ich ihn zufällig (?) vor dem Sternchen kennen gelernt und vor allem erklärt bekommen habe. Der schafft für mich Platz für alle Geschlechtsidentitäten. Wobei das die “Wildcard” * ja auch tut.

    • Danke, ich hab das tatsächlich in dem Text gar nicht so explizit drin, du bringst das in deinem Kommentar viel kürzer und klarer rüber als ich, werde das demnächst mal überarbeiten!

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  4. Pingback: Gendersternchen | aandersfunk

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