Zero Waste Challenge, Tag 7: Pack dir was zu Essen ein!

Heute gehts darum, sich etwas zu Essen selbst mitzunehmen, anstatt am Imbiß etwas zu essen, was wieder Müll verursacht. Eigentlich hatte ich gar nichts vor heute, aber dann bin ich doch rausgegangen, um einer Freundin bei ihrer Tattoo-Session Gesellschaft zu leisten.

Also hab ich mir, tadaaa – in meiner Öko-Tiffin-Lunchbox eine Stulle und einen kleingeschnittenen Apfel mitgenommen. Die Box hatte ich mir mal 2016 auf einer Radtour durch das Naturschutzgebiet Dahme-Heideseen gekauft, in einem hübschen Dorf namens Prieros. Der Laden dort ist eigentlich eher ein Online-Shop, aber man kann offenbar auch zufällig in ihren Dorfladen in Prieros rein stolpern, und, wenn man Glück hat und der Laden gerade auf hat, etwas kaufen.

Havelradweg Teil 1
Das ist ein altes Bild von 2016, in dem die Lunchbox mit kleingeschnippeltem Gemüse gefüllt ist. Wenn man unterwegs kocht, ist das sehr praktisch, denn dann kann darin schon mal alles bereitgestellt werden.

Jahaaaa, ich hatte diese Tiffin Box, bevor es cool war. Und sie hält nach 2 Jahren intensiven Gebrauchs noch sehr gut. Sie rostet nicht, ist noch relativ dicht, das einzige, was besser sein könnte: Die Verschlußbügel könnten ein wenig strammer sein. Aber wenn es nur das ist, das lässt sich eigentlich noch einfach beheben, indem einfach irgendeine dünne Scheibe noch auf dem Deckel befestigt wird.

Tour märkische Schweiz 3/17
Hier die selbe Brotbox auf einer Radtour im März 2017, mit Gurke, Aufstrich und Brotscheiben.

Ansonsten habe ich für meine Radtouren immer die Plastikdosen mit den dicht verschließbaren Deckeln benutzt, ich finde Plastik schon okay, wenn es kein Wegwerfplastik ist. (Das hab ich evtl. schon geschrieben)

Guten Appetit #food #outdoorküche #radtour #spree
Hier ist das untere Teil der Lunchbox gefüllt mit frisch gekochtem Essen, auch auf einer Radtour. toll ist dass man dann keinen extra Teller mitnehmen muss.

Das mit dem Essen mitnehmen mache ich grundsätzlich leider viel zu selten. Das liegt zum einen Teil daran, dass ich auf meiner Arbeit Essen verfügbar habe, denn wir sind eine Bäckerei, und zum anderen Teil daran, dass ich leider zu selten kochte.

Inzwischen koche ich öfter und meine Ernährung ist besser geworden, es gibt mehr Obst + Gemüse, und das ist super. Ausser der Tiffinbox habe ich mir letzten Dezember noch einen Thermosbehälter für Essen gekauft. Das ist klasse, um warme Gerichte mitzunehmen. Es wäre Quatsch, eine Brotbox zu benutzen, um Brot in eine Bäckerei zu tragen. Aber ein frisches, heißes Gemüsecurry – da macht es Sinn, das in die Bäckerei zu tragen.

Joghurt selber machen

Was auch gut geht mit diesem Isolierbehälter: Joghurt selber machen. Der Joghurt braucht zum fermentieren Wärme. Dafür kann er in einen Styroporbehälter gestellt werden, oder tatsächlich in so einem Isolier-Essensbehälter angesetzt werden. Dann ist er nach 8-12 Stunden fertig.

Dazu erhitzt man einfach Vollmilch, man kann sie kurz aufkochen, und dann lässt man sie auf 40°C abkühlen. Dann wird 1 gehäufter Eßlöffel Joghurt in die Milch gerührt, als Starter, und das Ganze wird warm in den Thermo-Behälter gefüllt und dieser verschlossen. Der Behälter hält die Wärme und dadurch geht der Fermentationsprozess schnell genug vonstatten. Nach 8 Stunden ist der Joghurt schon stichfest.

Auf meinem Isolierbehälter steht zwar drauf, dass er nicht für Milchprodukte sei, aber das ist mir ehrlich gesagt egal.

Advertisements

ZW Challenge, Tag 6: Plane zu kompostieren

Ich mache die “Zero Waste in 31 days” Challenge, und heute ist Tag 6. Die heutige Aufgabe ist: Plane, wie du kompostieren wirst.

In unserer Stadt Berlin haben wir das Glück, dass es Biotonnen gibt, so dass ich mich nicht selbst um das Kompostieren kümmern muss.

Tour märkische Schweiz 3/17
Auf einer Radtour im März 2017 bin ich am Kompostwerk Trappenfelde vorbeigefahren. Hier sieht man den Eingang und viele Komposthaufen, die nach ganz hübscher Erde aussehen. Ich weiß aber nicht, ob hier auch die Abfälle aus Berlin landen, denn Reterra gehört nicht zur BSR, sondern zu Remondis. Das ist ein ganz schön grosses Geschäft, das Müllgeschäft.

Die BSR hat hier eine Info-Seite über ihre seit 2013 gebaute Biogasanlage. Dort behaupten sie, dass Biogaserzeugung klimafreundlicher ist, als die organischen Abfälle direkt zu kompostieren. Die BSR betreibt ihre Müllabfuhr-Lastwagen mit diesem Biogas. Die Rückstände werden als Dünger verwendet oder kompostiert.

Eine Übersicht darüber, wie das mit dem Bioabfall in Berlin abläuft, gibt die BSR hier auf ihrer Webseite. Biogut: organischer Abfall mit Mehrfach-Nutzen

Wenn ich nicht alles bei der BSR abgeben wollte, könnte ich auch gut sortierten Bioabfall in einem Gemeinschaftsgartenprojekt zum kompostieren abgeben. Leider ist die Gemeinschaftsgartenbewegung in Berlin in den letzten Jahren schwächer geworden, ist mein Eindruck. Es gab mal viele Gärten, aber die Leute mussten viel mit Vandalismus und Spießbürgertum kämpfen, und wenn die Bezirke dann auch noch gemauert haben und den Gärten das Leben schwer gemacht haben, war es kaum noch möglich, das Gärtnern aufrecht zu erhalten.

Ich bin selber aus dem “Rosa Rose Garten” weggegangen, weil ich die ständige Negativität aus der Nachbarschaft, die Ignoranz und das “Verdursten lassen” seitens des Bezirksamtes, und den Vandalismus, dem Jahr für Jahr fast alles Gemüse zum Opfer fiel, nicht mehr ertragen konnte. Mein großer Respekt für Alle, die trotz aller Umstände den Garten am Leben erhalten haben.

Soweit ich das mitbekommen habe, hat das Bezirksamt die Fläche des Gartens kürzlich planiert, und die Gartenhütte abgerissen. Es macht mich unglaublich wütend. Auch der Garten am Wriezener Bahnhof, den es 2011 noch gab, scheint nicht mehr da zu sein. Als ich im Oktober dort spazieren ging, gab es jedenfalls keine Anzeichen von urbaner Gärtnerei mehr. Auch die Webseite des Gartenprojekts dort funktioniert gerade nicht.

Vor 8-10 Jahren wollten alle urban gärtnern. Jetzt vermeiden alle Plastik, und viele Gärten sind verschwunden. Es ist sehr schade, dass alles in kurzfristigen Hypes und Wellen kommt, und die “alten Wellen”, die auch gut waren, so verebben..

ZW Challenge, Tag 5: Auf dem Markt einkaufen

Wir haben uns schon seit November angewöhnt, einmal die Woche auf den Markt zu gehen, daher war die heutige Aufgabe ein Leichtes für uns. Außerdem lustig, dass Samstag auch sowieso immer der Markttag ist. Die Challenge ist sehr gut getaktet!

Ich muß auch sagen, dass es mit der Zeit einfacher geworden ist, vorab zu wissen, was für die Woche so gebraucht wird. Einiges an Gewohnheiten hat sich etabliert und das kostet weniger Energie und Konzentration, denn es ist unglaublich, was der innere Autopilot alles an Kraft einspart, wenn es erstmal Routine geworden ist. Wir haben zum Beispiel in kürzester Zeit unseren Lieblingskäsestand gefunden, und haben diesmal Ziegenkäse und schweizer Bergkäse gekauft. Seit dem plastikfreien Leben wird viel mehr gekocht und daher brauchen wir sowieso weniger Käse und anderen Brotbelag.

Dann haben wir auch schon unseren Lieblings-Gemüsestand, aber bei Gemüse muss man mehr rum gucken, was wer gerade hat und wo es Angebote gibt. Wir waren heute eher gegen Mittag da und der Markt war sehr voll, das hat alles etwas anstrengender gemacht. Vielleicht sollten wir auch mal versuchen, gegen Ende hinzugehen um gute Deals zu kriegen.

Untitled
Mein Einkauf besteht aus Gemüse, Käse, Eiern (die Behälter bzw. den Eierkarton hatten wir dabei), Tee, Erdnussbutter und Unmengen Zucker.

Leider war die eine Zuckerpackung eine Mogelpackung. Von außen wirkte es so, als sei der Zucker in einer Papiertüte, aber innen war noch eine Plastikfolie mit drin. Ich verstehe das nicht, denn der weiße Zucker benötigt doch auch keine Folie. Wieso dann der braune? Haben die Angst, dass die Melasse durchsuppt?

Der Beuteltee ist von meinem Partner, er hat sich auf diese Teesorten eingeschossen und die Packung ist wenigstens, im Unterschied zu den Cupper-Tees z.B., nur aus Papier. Und die Wasabi-Nüsse sind in einer Blechdose mit Plastikdeckel, die hat sich auch mein Partner gegönnt.

Jules hat sich dieses Jahr auch ins Plastikvermeiden eingeschwungen, und hier gibts einen entsprechenden Blogpost dazu: Meine Verpackungsmüll-Vermeidungs-Rangliste

Ich finde die von Jules beschriebene 80:20 Herangehensweise super, und in diesem Sinne blicke ich auf unseren Einkauf und sage trotz der kleinen Ausrutscher: Cool, was dadurch alles an Plastik eingespart worden ist! Und Verpackungsmüll ist auch sonst nicht viel entstanden. Das Glas von der Erdnussbutter und die Wasabinuß-Dose werden wahrscheinlich weiterverwendet, die Eierpackung ist sowieso schon in der Wiederverwendung gewesen, und die Milch ist in Pflandflaschen.

Warum all der Zucker: Weil Süßigkeiten so gut wie immer verpackt sind, mache ich sie selber. Ich backe mich durch alle Cookie-Rezepte, die das Internet so zu bieten hat, haha. Heute habe ich Erdnußbutter-Cookies auf dem Zettel, dafür ist auch die Erdnußbutter vorgesehen.

ZW challenge, Tag 4: Reste-Essen kochen.

Ein leerer Teller und ein Eßlöffel, im Teller sind noch Spuren von Kürbissuppe vorhanden.

Ich wieder. Also, da konnte ich nicht mithalten, denn ich hatte gar keine Reste, dachte ich. Dann fand ich doch noch welche: Ein Flasche Gemüsefond, den ich übrig behielt, als ich Salat aus gekochten Möhren + Sellerie gemacht hatte. Kochend heiß in eine leere Glasflasche gefüllt und nach dem Abkühlen in den Kühlschrank gepackt. Die Brühe war 5 Tage alt und noch gut verwendbar.

Ausserdem hatte ich Kartoffelbrei von gestern übrig. Der sollte auch irgendwie in das Essen integriert werden.

Ich habe Kürbissuppe gekocht und dazu den Kürbis in der Brühe gegart, und den Kartoffelbrei wollte ich dazu als “Herzogin-Kartoffeln” machen. Aber nicht die fancy Spritzbeutel-Backofen-Variante, sondern die profane Version, wo einfach kleine Laibchen geformt werden und in der Pfanne gebraten. Das klappte auch halbwegs.

Was es leider nicht ins Reste-Essen geschafft hat, ist ein Glas mit Kokosmus/die abgesiebten Reste vom Kokosmilch selbst machen. Das Mus stand auch schon ein paar Tage im Kühlschrank, und es roch eigentlich ganz gut, aber schmeckte leicht angesäuert, als ich es probiert habe. Das habe ich dann also sicherheitshalber entsorgt.

Essen wegschmeißen fällt ins Gewicht

Das Kokosmus war das erste Essen seit langem, das ich wegwerfen musste. Ich plage jetzt niemanden mit informativen Links, denn ich mag irgendwie den erhobenen Zeigefinger von Anti-Essen-Wegwerf-Seiten nicht so.

Aber seit einer Weile bin ich ganz gut darin, im Überblick zu haben, was noch da ist, und was verbraucht werden sollte. Ich bin auch gerade ganz gut darin, öfter was frisch zu kochen. Das bringt mir total viel, und ist einer der besten Nebeneffekte vom Müllreduzieren.

No-Buy-Year + No-Waste kombiniert

Was mir echt schon letztes Jahr auffiel, war, dass ich durch die Notwendigkeit, besser zu planen und bewusster Essen einzukaufen viel weniger “sonstige Kauflust” habe. Es ist, als geht die Konsum-Energie schon ins plastikfreiere Leben drauf und ich habe gar kein weitergehendes Interesse mehr, irgendwas anderes auch noch herbeizuschaffen.

Und was das Essen angeht, habe ich das auch schon letztes Jahr gemerkt: Die Dinge, die man unverpackt bekommt, sind meistens qualitativ so viel besser als das in Plastik verpackte Essen. Dadurch fühle ich mich oft, als lebe ich im Luxus und mir fehlt gar nichts. Es ist eine sehr genußvolle Sache!

Das einzige, was ich gerade merke, ist, dass ich leere Gläser horte und sammle. Es ist so befriedigend, das Etikett abzumachen und ein glänzendes, sauberes leeres Glas in der Hand zu halten. Ich will im Sommer mal versuchen, Tomaten und Marmelade einzukochen, deshalb ist es nur vernünftig und gut, eine Gläser- und Passata-Flaschen-Sammlung anzulegen. Und ein klein wenig Sammel- und Konsumleidenschaft wird damit nebenher auch noch befriedigt.

Was sehr, sehr praktisch ist. Ich empfehle es!

Ich verbrauche auch Dinge.

Und was ich auch bemerke, ähnlich wie TQ es in ihrem Blog beschrieben hat: Ich verbrauche Dinge. Ich hatte davor gerne mal bei Drogerieketten nach fancy Bodylotions, Hautpflegegedöns, und vor allem fruchtigen und spannend riechenden bunten Duschgelen gesucht. Und ich hatte eine Lippenbalsam-Obsession. Ich brauche mir für die nächsten Wochen und Monate keine Gedanken machen, was ich als Ersatz für Duschgel in der Plastikflasche und Lippenbalsam im Plastikspender verwenden muss.

Aber ich kaufe nichts mehr nach, und das macht sich bemerkbar, weil Dinge langsam aber sicher verbraucht werden. Yay.

Mein “ZW Kit” hat sich schon bewährt

Ich hatte mein gestern beschriebenes “Zero Waste Kit” dabei, das bei mir ja nur aus Stoffbeuteln, 1 Schraubglas und einer Plastikdose besteht. Auf dem Heimweg habe ich spontan losen Räuchertofu und Petersilie gekauft, die ich dann in eben jene Plastikdose und einen Stoffbeutel tun konnte. Hoorraay!

Zero Waste Challenge Tag 3: mach dir ein Zero Waste Kit

Heute war die Aufgabe bei der “Zero Waste Challenge”, sich ein Zero Waste Kit für unterwegs aus Dingen, die man sowieso zuhause hat, zusammenzustellen. Das beinhaltet:

  • Eine Trinkflasche + eine wiederverwendbare Tasse
  • Stoffbeutel, um loses Gemüse, Snacks oder alle möglichen Dinge zu transportieren
  • ein paar Schraubgläser um Flüssigkeiten oder Aufstriche etc. zu transportieren, oder um sich Essen mitzunehmen etc.
  • Metallbesteck oder Essstäbchen
  • Stofftaschentücher
  • Eine Einkaufstasche

Brauch ich sowas überhaupt?

Ich habe so etwas nicht gehabt, und ich habe es bisher auch eigentlich nicht gebraucht. Ich habe vorher schon sehr selten bis nie einen Kaffee zum Mitnehmen irgendwo geholt. Und eine Trinkflasche habe ich (im Sommer zumindest) sowieso immer dabei. Bei Allem anderen habe ich mir angewöhnt, nach Bedarf Dinge mitzunehmen, z.B. wenn ich zum Stricktreff gehe, nehme ich meine Tiffin-Lunchbox mit, weil wir da meistens Essen zum mitnehmen holen, das sonst in Plastiktellern mit Deckel kommen würde. Besteck bekommen wir immer vom freundlichen Café, in dem wir uns treffen.

Auf Arbeit gibt es auch Besteck und Tassen und Teller, es gibt sogar meistens leere Schraubgläser, falls ich selbst nichts dabei habe ;)

Wenn ich gezielt einkaufen gehe, überlege ich immer, was ich brauche und welche Verpackungen ich selbst mitbringen muss. Das klappt so ganz gut, und 1-2 Stoffbeutel packe ich immer mehr ein, falls man doch mehr braucht.

Egal, ich mach es trotzdem, weils Spaß macht!

Aber ja, ich mag mir spaßeshalber ein solches Kit zusammenstellen, damit ich es beim Rausgehen schnappen kann und gerüstet bin für alle spontanen Vorhaben! Besonders haben es mir die Stoffbeutel für Gemüse aus alten Stoffsachen angetan. Also habe ich mir auch einige genäht:

Untitled
Meine Nähmaschine aus den 70er Jahren: Eine Bernina Minimatic 707. Sie näht klasse und es gibt heute noch Zubehör und Ersatzteile dafür.

Stoffbeutel
Die Stoffbeutel sind aus einer alten, bestickten Tischdecke. Weil die blauen Blüten leider mit einer durchbrochenen Stickerei ausgeführt sind, kann ich sehr kleine Körner wie Amaranth darin wohl nicht einfüllen – aber der Stoff war einfach zu schön um ihn nicht zu verwenden.

Ich habe also zur Arbeit ein paar Dinge mitgenommen. Die Lunchbox, einen Stoffbeutel, und meine Thermosflasche. Und siehe da, ich konnte etwas sogar gebrauchen! Weil es bei uns gerade übrige lose Butter gibt, habe ich mir davon etwas abgefüllt und das dann in der Box transportiert.

Ich habe Zitronen-Essig-Allesreiniger angesetzt

Außerdem hatte ich Konditoreischicht und habe Zitronenkuchen gebacken, und auch sonst verbrauchte ich einige Zitronen. Da fiel mir ein, dass ich ja einen Zitronenreiniger selbst ansetzen wollte, aus den Schalen. Aber ich hatte kein Glas mitgenommen, das war dann doch nicht der perfekte Zero-Waste-Kit bisher. Also nahm ich eine leere Milchflasche, die gab es zum Glück auch auf Arbeit, und füllte die ganzen ausgepressten Zitronenschalen da rein. Zuhause habe ich das dann mit Essig aufgefüllt, wie in dieser Anleitung beschrieben. Jetzt muss ich das Ganze noch 3 Wochen circa ziehen lassen.

Jetzt hab ich doch noch keinen Zero-Waste-Kit. Und warum?

Weil es ehrlich gesagt ganz schön nervt, ständig das schwere Glaszeug mitzuschleppen. “A few jars”, nur auf Verdacht, das finde ich nicht so gut. Dann lieber die metallene Tiffinbox, oder eine Plastikdose. Aber die nehmen wiederum ganz schön Platz weg, wenn sie leer durch die Gegend getragen werden. Stoffbeutel können dafür tatsächlich immer mit, die stören ja nicht. Und ich finde es eigentlich eine gute Idee, einen Löffel dabei zu haben. Und ein Taschenmesser habe ich eh dabei. Schon unabhängig vom Zero Waste Gedöns. Gabeln braucht niemand, wenn du mich fragst.

Ich muss die Idee des “Zero Waste Kit” meinen Bedürfnissen anpassen.

Mein persönlicher Zero-Waste-Kit

  • 1-2 kleine selbstgenähte Stoffbeutel
  • 1-2 Stoff-Einkaufsbeutel
  • eine dichte Plastikdose und/oder ein Schraubglas.

Das Andere Zeugs, also die Trinkflasche, Tasse, Besteck, Taschentücher… das sind eher so Dinge, die ich sowieso mitnehmen würde, wenn ich mich länger draußen aufhalte und Hunger + Durst bekommen würde. Deshalb lasse ich sie aussen vor und beschränke mich auf Behälter und Taschen, um z.B. auf dem Arbeitsweg noch spontan ein paar Besorgungen machen zu können.

Ein Kit ist kein Alleskönner

Auch wenn man so eine “Kleinsammlung” hat, beim “richtigen” Einkaufen wird trotzdem Vorplanung nötig sein: Was krieg ich wo, was muss ich an Verpackungen selbst mitbringen, Reihenfolge, etc.

Jetzt im Winter hänge ich sowieso weniger draussen herum, deshalb muss ich mich da später im Jahr mal beobachten, ob ich Dinge wie eine Mitnehmtasse, Besteck, usw. überhaupt brauche, und vielleicht ein zweites Set zusammenstellen.

Neujahrs-Challenge Tag 2: “Buy nothing new”. Die Regeln!

Das passt ja auch sehr zu meinem No-Buy-Year. ;D Deswegen wäre heute eigentlich ein guter Tag, um die Regeln für das Jahr zu formulieren.

Meine No-Buy-Year-Regeln

  • Es wird kein Garn gekauft. Und möglichst auch keins ertauscht, ausser, ich tausche es ebenfalls gegen Garn. Ich möchte am Ende des Jahres wieder weniger Garn-Stash haben als am Anfang.
  • Keine Outdoorausrüstung wird gekauft. Ausnahme: Wenn etwas essentielles kaputt geht, darf es ersetzt werden. Und ich darf Reparieren (und dafür nötiges Material kaufen) und reparieren lassen, falls ich nicht selbst reparieren kann.
  • Ich kaufe keine Kunstmaterialien, ich möchte mit dem malen, was ich da habe, und das ist genug. Ausnahme: Wenn ich für ein Projekt/Eine Technik eine Kleinigkeit brauche, und echt keine Alternative zuhause habe, darf ich das dazu kaufen.
  • Ich will möglichst viel selber machen, das wird vielleicht mein DIY Jahr!

Zero Waste Tee kaufen

Heute werden wir losgehen und ein paar Vorräte nachkaufen. Ich steige wieder komplett auf losen Tee um, nachdem ich gesehen habe, wieviele Teebeutel in Papiertüten mit innen verborgener Plastikfolie sind. Gerade die schicken, leckeren Mischungen wie die von Pukka oder Cupper fallen damit aus, die hatte ich mir “lifestylemässig” ab und zu gegönnt. Tee kaufe ich bei Bohea, der lokalen Teehandlung in meinem Kiez. Dort haben sie schon lange Jahre, bevor es in war, mir den Tee direkt in meine mitgebrachten Dosen gefüllt. Die werden dann auf einer echt schönen, altertümlichen Waage mit diesen kleinen Eisengewichten austariert. Und die Leute zogen dabei nie ein Gesicht, sondern sind immer sehr nett! Ich hatte mir auch mal Tee online bestellt, aber da kommt dann doch immer alles in diesen Tee-Tüten, die von außen Papier und von innen Plastik sind.

Nachtrag: Jetzt war ich da und der Teeladenmensch war wieder super nett und hat meine Dosen auf der alten Waage austariert, und erzählt, dass das Eichamt diese Waage immer suspekt findet, aber dann auch zugeben muss, dass sie sehr gut und genau wiegt. Ich habe eine Dose Ostfriesenmischung, dann einen “Sommerwiesen” Früchtetee, einen Birne-Kaktusfeige-Früchtetee, und einen Tulsi-Tee “Blütenzauber” mitgenommen. Yummie!

Kokosmilch selber machen

Was ich auch wieder brauche, ist eine Kokosnuß. Seit ich Kokosmilch selber machen kann, bin ich endlich unabhängig von den Dosen/Tetrapacks aus dem Geschäft. Man kann Kokosmilch auch aus getrockneten Raspeln machen, oder aus Kokosmus. Aber Kokosnüsse finde ich am einfachsten unverpackt, die haben ja ihre eigene Schale als Verpackung. Nur – wohin dann mit der Schale? Es ist ja eigentlich Kompost. Aber braucht sie nicht zu lange zum verrotten?

Spülmittel – da verzichte ich nicht drauf!

Das Spülmittel wird gerade auch alle. Deswegen besuchen wir den Unverpacktladen und haben eine Glasflasche mit Pumpspender dafür vorgesehen, in der war mal Handseife, und jetzt steht sie schon seit Tagen gespült bereit zur Wiederbefüllung. Eigentlich schade, dass es diese Kanister nicht mehr in jedem noch so kleinen Bioladen gibt! Oder gibt es das noch? Ich habe in Friedrichshain ausser einem kleinen Bioladen, der sich tapfer gegen die Supermärkte behauptet, keinen Bio-Einzelhandel mehr. Die Ketten haben alle “Kleinen” platt gemacht, aber wir hatten eh nie eine nennenswerte Bio-Infrastruktur hier gehabt. Und in den Ketten gibt es keine Nachfüllkultur. Und offen gestanden, ich mache mir kein Spüli aus Kernseife selbst. Durch meine Fahrradreisen habe ich schon Spüli-Alternativen (und Dr. Bronners-Seife etc) ausprobiert, und ich möchte nicht mit Seife spülen. Ich hab das Gefühl, es hinterlässt überall einen Film.

Nachtrag: Ich war im Unverpacktladen und habe mir gezielt beim Spüli-Kanister mein kleines Pumpspender-Fläschchen aufgefüllt und 1,13€ dafür bezahlt. Cool. Weiter hab ich gar nichts gekauft, der Laden war nämlich packevoll und ich wollte so schnell wie möglich wieder raus sein.

Sonnenblumenöl aus dem Kanister

Gestern habe ich in unserer Bäckerei noch etwas von dem Sonnenblumenöl, das wir zum Einfetten der Backformen nehmen, (kaltgepresst, aus dem großen Kanister) in eine mitgebrachte Flasche gefüllt, und mit Geduld das alte Etikett abgepult und sie mit einem Posca Pen (quasi ein Lackmarker) beschriftet. Ich finde, das sieht absolut schick aus! mal schauen, wie’s schmeckt. Ich hatte ja schon mal den Plan, Öl + Essig bei “von Faß” (eine Kette, die vom Faß abfüllt) zu kaufen, aber ehrlich gesagt, das geht gar nicht, denn die sind ultra teuer. Bei “vom Faß” geht es um Gourmetgedöns, Luxus + Geschenke, und für das einfache Öl und den einfachen Essig ist der Unverpacktladen weitaus billiger. Schade, weil “vom Faß” ist bei mir um die Ecke.

Heute war es ein seltsames Wetter auf meiner Einkaufstour. Die Sonne stand tief und es war stürmisch, und dann schneite es ganz kurz und graupelig. Das Bild ist an der Wiener Strasse, vor dem Erlebnisbad aufgenommen und zeigt den Platz, die Häuser an der Wiener, ein paar Fahrräder und Schneeflocken mit Sonnenstrahlen.

Neujahrs-Challenge: Go Zero Waste in 31 days + No-Buy Year

Vor ein paar Tagen hat jemand auf Mastodon mir diesen Link reingereicht:

Go Zero Waste in 31 Days bei “Zero Waste Chef” im Blog.

Dabei handelt es sich um eine Mitmach-Challenge, die im Januar läuft. Ich mache einiges davon schon, aber ich dachte, das ist voll nett, so ein Mitmachkalender, mal sehen ob ich es hinkriege.

Heute ist Tag 1. Und das Motto ist:

“Stash your Trash”.

Dabei geht es darum, dass man einen Monat lang den Plastikmüll aufbewahren soll, um am Ende zu sehen, was man an Plastik weggeworfen hat. Ich habe sowieso einen “gelben Sack” in welchen das ganze Plastik rein kommt, aber das letzte Mal hat es 6 Wochen gedauert, bis der voll war (früher: 1 Woche oder so!) und dann hat manches nicht mehr so doll gerochen. Weil wir die Katzenfutterdosen auch nicht vorher ausspülen, zum Beispiel.. Deshalb möchte ich nicht am Ende des Monats meinen gelben Sack auseinanderpflücken.

Es ist aber auch möglich, die Dinge mitzuschreiben, die ich wegwerfe, oder zu fotografieren. Das werde ich versuchen, zu machen. Und dafür habe ich mir eine Seite in meinem Bulletjournal angelegt:

Ein Bulletjournal-Spread. Auf der einen Seite ist eine Tabelle, was für Müll ich produziere, auf der anderen eine, wo die Ausgaben für Einkäufe aufgelistet werden sollen.

No-Buy-Year 2019

Das andere, was ich wieder machen möchte, ist ein “No Buy Year”, da geht es darum, sich abzugewöhnen, aus Kauflust Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht. Ich habe letztes Jahr erfolgreich ein “No Buy” zu Garn gemacht und das will ich dieses Jahr fortsetzen. Bei Garn hab ich aber eh kein Kauflustproblem mehr, denn ich habe mir die letzten Jahre das Garnshoppen schon abgewöhnt gehabt, ich hab nie was gekauft/bestellt, bis auf 1-2 Garne auf Wollfesten. Weil es immer schade ist, all die schönen Garne zu sehen und nichts als Souvenir mitzunehmen, dachte ich. letztes Jahr war ich dann ganz hart und habe gesagt, es darf wirklich GAR NIX gekauft werden.

Alle machen ihre eigenen Regeln, was das No-Buy-Year angeht, und es geht darum, die dann auch einzuhalten.

Ich bin jetzt erst mal dabei, diese Regeln überhaupt zu finden und zu bestimmen, in welchen Bereichen ich bisher Impulskauf-Probleme hatte und wo ich daher eigentlich genug da habe, und nichts mehr neues kaufen möchte. Garn, klar. Da will ich wieder ganz hart sein und wirklich gar nichts kaufen. Bei Outdoor-Ausrüstung will ich auch nichts kaufen, denn ich habe eigentlich alles, was nötig ist, die letzten Touren haben auch gezeigt, dass die Ausrüstung, so wie sie ist, sehr gut zu mir passt. Eine Ausnahme sind Dinge, die kaputtgehen oder verloren gehen, z.B. das geklaute Solarpanel, das ich ersetzt habe, fällt nicht unter die Regel. Als drittes will ich keine Schreib- und Kunst-Materialien kaufen und nur das verwenden, was schon da ist.

Das ist meine elektrische Zahnbürste. Die hintere Griffbeschichtung ist völlig ramponiert bis abgegriffen, aber sie funktioniert.
Das sind zwei Bürstenaufsätze für die elektrische Zahnbürste, die ich mir gestern gekauft habe.

(Vorsicht, im nächsten Absatz kommt unangenehmer Zahnkram vor)

Hier habe ich schon mal zwei Fotos von meiner Zahnbürste und Bürstenköpfen, die ich gekauft habe. Gestern. Ich weiß, die Plastikvermeidungs-Szene ist begeistert von kompostierbaren Bambus-Zahnbürsten. Ich habe aber Zahnprobleme gehabt und bin sehr froh, dass ich halbwegs eine Mundhygiene erstellt habe, mit der ich nicht noch mehr Zähne an Karies und Entzündungen verliere. Und diese Routine werde ich nicht ändern, ausserdem will ich kein funktionierendes Elektrogerät wegwerfen. Zahnbürstenköpfe und die Plastikverpackungen, in denen sie verkauft werden, sind daher Müll, der auch weiter anfallen wird.

Eigentlich gehört zu meiner elektrischen Zahnbürste auch eine Munddusche. Deren Schlauch ist aber nach 2-3 Jahren spröde geworden und einfach zerbrochen. Ich habe mich damals erkundigt, ob das repariert werden kann, und erfahren, dass sie mir eine neue Munddusche samt Schlauch für 20 Euro in das Gerät einsetzen können. Aber dann hätte ich wieder einen Schlauch, der in 2-3 Jahren zerbröselt, wenn die Weichmacher aus dem Plastik entwichen sind. Und das will ich nicht. Allerdings vermisse ich die Munddusche schon.

So, das wars vom heutigen Blog/Tagebuch/Bericht. Wer bei der Challenge mitmachen möchte, melde sich gern bei mir!

Was ist dieses BDS und wieso ist es keine unterstützenswerte Initiative?

Im November 2018 hat das “American Jewish Committee” in Berlin eine Broschüre herausgegeben, die argumentiert, wieso die Initiative “BDS” (Boycott, Divestment, Sanctions) gegen Israel nicht die gewaltlose, zivilgesellschaftliche Bewegung ist, als die sich sich darstellt. Wobei “gewaltlos” nicht das selbe ist wie “friedlich”, das hatte Gandhi schon klargestellt. Er hatte sogar mal gesagt, es sei Krieg mit anderen Methoden.

Gewaltlos ist die Bewegung aber auch nicht, sonst würden Vertreter_innen sich nicht nur nicht verharmlosend zu Anschlägen gegen zivile Opfer äussern, sondern diese Anschläge hart verurteilen und sogar versuchen, auf Gewalt anwendende Gruppen einzuwirken, damit diese damit aufhören.

Das Hauptproblem mit BDS, das die Broschüre auch thematisiert, ist, dass sie von einer Zweistaatenlösung abrückt und eine Einstaatenlösung vorschlägt, deren Konditionen so sind, dass Israel als jüdischer Staat verschwindet und ein anderer, religionsneutraler (?) Staat für Alle an seine Stelle tritt. Erst mal eine scheinbar gute Idee, aber nicht in diesem historischen/sozialen Kontext und in dieser lokalen Konstellation: Wie dann ein friedliches Zusammenleben der jüdischen und arabischen Bevölkerung sichergestellt werden soll, ist kein Thema. Das sieht die BDS-Bewegung nicht als ihr Problem an, und das ist ein großes Problem.

Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dann die jüdische Bevölkerung, die in der Konsequenz zu einer Minderheit in der Region werden würde, vertrieben oder massakriert werden würde. So zu tun, als wäre das kein Thema, ist ein in-Kauf-nehmen davon, nichts anderes.

In den Diskussionen, die ich bisher so geführt hatte, gab es an der Stelle oft ein Schulterzucken und ein “Selbst schuld”-Denken: “Hätte es den Zionismus nicht gegeben, hätte es kein Israel gegeben.” oder so. Hätte, hätte, Fahrradkette; so kommt aber niemand weiter. Für mich ist die “BDS-Einstaatenlösung” damit klar vom Tisch. Weil es keine Lösung ist.

Selbst wenn ich jetzt das Thema der antisemitischen Unterdrückung über Jahrhunderte in Europa und Russland gar nicht aufmache, muss ich mich als ehemalige Hausbesetzerin fragen, was eigentlich mit dem Gewohnheitsrecht ist, nach Otto Waalkes: Ich geh da, ich wohn da, ich heiz da: Geh-Wohn-Heiz-Recht. Man kann doch nicht nach 70 Jahren noch sagen “Geht mal da wieder weg”. Das ist gegenüber all den Menschen, die da einfach nur leben und zuhause sind, ungerecht.

Auch das “Rückkehrrecht” für vor 70 Jahren Vertriebene finde ich bizarr. Wo ich wohne, in Deutschland, sind die “Vertriebenenverbände” ziemlich gestrige Rechtsextremisten, und ich verstehe nicht, was ihnen genau heute noch ein praktisches Anrecht gibt auf das Land, das ihre UrUrgroßeltern bewohnt haben. Ideell, meinetwegen. Und klar ist Vertreibung Unrecht. Aber wenn dafür, dass ich zurückkommen kann, halt wieder jemand anderes vertrieben wird, der_die genauso wenig dafür kann, ist das doch auch keine Lösung.

Und die jüdische Bevölkerung ist ja ebenfalls historisch Opfer von Vertreibungen geworden, allein die sogenannte “Nakba” (Das bedeutet Katastrophe, und bezeichnet die Vertreibung arabischer Menschen aus Palästina/dem heutigen Israel) gab es in zwei Richtungen: Die jüdische Bevölkerung in den arabischen Staaten wurde nach der Gründung Israels ebenfalls vertrieben und musste nach Israel fliehen. Und da sind auch all diejenigen, die nach Israel ausgewandert sind, weil sie in anderen Regionen der Welt antisemitisch bedroht wurden.

Zum Gewohnheitsrecht und Rückkehrrecht muss niemand meiner Meinung sein, ich habe ja auch keine Idee für eine Lösung, aber ich finde es unstrittig, dass Lösungsvorschläge, die nichts zu bieten haben für die Frage “Wie sollen jüdische Menschen in dieser Region mit einer Einstaatenlösung im BDS-Style überhaupt überleben?” gar keine Lösungsvorschläge sind.

Deswegen ist die BDS-Bewegung nicht nur “Anti-Besatzung”, was ja noch ein anderer Schnack wäre, sie ist komplett Anti-Israel und antisemitisch.

Hier ist der Link zur Broschüre: https://ajcberlin.org/sites/default/files/downloads/ajcbdsbroschure2018online.pdf

und auf englisch gibt es noch das Zine von April Rosenblum “The Past did not go anywhere. Making Resistance to Antisemitism Part of All Our Movements”.

Aus Gründen werden Kommentare zu diesem Artikel hart moderiert oder gar nicht veröffentlicht werden (Ich blogge in meiner Freizeit und kann nicht 24/7 Kommentare moderieren, lesen und freischalten, falls ihr also Diskussionsbedarf habt, müsst ihr den unter Umständen auf euren eigenen Blogs ausleben, oder falls ihr keine Blogs habt: es gibt zahllose kostenlose Services, um die eigene Meinung ins Internet zu schreiben.)

Ich selbst habe dazu gerade keinen Diskussionsbedarf. Ich habe nur selbst Probleme gehabt, Texte zum Einstieg zu finden, die begründen und belegen, was die Probleme mit der BDS-Initiative sind, habe daraus nützliche Infos für mich bekommen und wollte das einfach nur weitergeben. Ich bin nicht durchgängig der selben Meinung wie die Autor_innen der Broschüren, aber ich finde die Beiträge nützlich und wichtig, und kritisches Lesen lege ich sowieso allen ans Herz.

Über noch mehr Infos oder Hinweise, wenn ich etwas falsch dargestellt habe, freue ich mich trotzdem immer.

9. Tag des Vestkyststien: von Vigsø in die Kollerup Plantage

Es ist Montag, der 21. Mai 2018. Wieder ein wunderschöner Morgen. Ich wache um halb sechs schon auf und sehe Nebel über die Wiesen ziehen. Wir stehen auf, trinken einen Kaffee und dann fährt mein Partner sich noch die Bunker am Strand anschauen, und macht einen Ausflug zum Strandklo. So lange packe ich die Sachen zusammen.

dänemark tour 2018
Morgennebel an unserem Zeltplatz

Später wollen wir gerade frühstücken, da fährt ein Auto auf das Wiesengrundstück, wo jetzt kein Bauernhof mehr steht. Oweh, nicht dass wir jetzt Ärger bekommen, dass wir einfach hier zelten. Aber das Auto fährt eine Runde, dann parkt der Typ etwas abseits von uns und lässt einen kleinen Yorkshire Terrier Hund aus dem Auto, der dann mit sich selbst Gassi geht. Irgendwann kehrt der Hund zum Auto zurück, steigt ein, und dann fahren die beiden wieder weg. Beim Rausfahren winkt der Typ noch einen Gruß zu uns herüber. Gut, das war also eine distanzierte, aber freundliche Begegnung.

Als wir losfahren, kommt der Wind aus Ostsüdost, ausgerechnet.. wieder den ganzen Tag Gegenwind. Wieso kann er nicht mal aus Nordwestern kommen, wie vor ein paar Tagen, als wir in nördliche Richtung unterwegs waren, hä?

dänemark tour 2018
Wieder geht es durch eine Dünenlandschaft, vor uns liegt der Rücken vom Bulbjerg.

Dafür ist es durchgehend sonnig, was ja auch sehr wertvoll ist. Wir fahren heute viel auf Schotterwegen, aber die meisten sind okay, und nicht mit dem nervigen, losen groben Schotter belegt. Diese groben Schotterwege sind eigentlich das einzige, was ich an dieser Route nicht mag.

Mitten in der Dünenlandschaft liegt eine Hügelkette, die in einem der seltenen Vogelfelsen Dänemarks endet, dem Bulbjerg. Der imposante Felsen wurde im zweiten Weltkrieg ebenfalls mit deutschen Bunkern verschandelt, die heute ein kleines Museum sind: Über den Vogelfelsen, die Natur und die Bunker. Am Bulbjerg gibt es einen Parkplatz, aber als wir kommen, ist es noch früh und niemand ist dort. Wir machen eine Pause und genießen die Aussicht, ich wandere noch zur Spitze des Bulbjergs und schaue mir das Museum an.

dänemark tour 2018
Blick vom Bulbjerg auf eine Mondsichelförmige Bucht 
dänemark tour 2018
Wir haben die Räder an einen Picknicktisch gelehnt und genießen die Aussicht aufs Meer. 
dänemark tour 2018
Der Vogelfelsen, von oben leider nicht so gut erkennbar.

Danach kommen wir nach Thorup Strand, ein Fischerdorf, wo im Gegensatz zur Westküste noch die Küstenfischerei läuft. Mir ist unklar, wieso sich das hier lohnt und dort nicht, aber dafür gibt es wahrscheinlich einleuchtende Gründe. Obwohl wir noch nicht lange unterwegs sind, hauen wir uns aus reinem Appetit ein Hotdog rein.

dänemark tour 2018
Die Fischerboote vom Thorup Strand. Sie werden mit Seilwinden an Land gezogen. 

Nach Thorup kommt lange nichts und wir folgen einer langen, etwas eintönigen Strasse. Wir machen einen Abstecher nach Fjerritslev, der Weg dahin ist leider noch viel eintöniger, und wir haben immer noch Gegenwind. Heute tut mir der Hintern weh und meine Tagesform ist grundsätzlich sehr schlecht. Manchmal gibt es so Tage. Aber ich lebe im Moment und irgendwann ist die Strecke doch noch bewältigt. Wir wollen Wasser auftanken für den Shelterplatz und kaufen Joghurt, Energy Drinks und Bananen ein, eigentlich haben wir noch genug Lebensmittel dabei. Als wir in der Stadt kein Wasser finden, fällt Björn ein, dass wir am Waldparkplatz, wo der Weg zu unserem auserkorenen Zeltplatz abzweigt, ein Wasserhahn gewesen ist.

WIE BITTE? Und ich musste trotz meiner Tagesschwäche sinnlos nach Fjerritslev strampeln, oh mann. Wir fahren also wieder zurück und tanken am Waldparkplatz auf. Von dort aus ist es nicht mehr weit zum Shelter. Der liegt wunderschön auf einer Anhöhe, wo wir auf den Waldweg herunterschauen können. Wegen der Mücken bauen wir unser Zelt direkt daneben auf, obwohl ich sehr gern in dem hübschen Shelter gepennt hätte. Wir brauchen halt eine Art Moskitonetz.

dänemark tour 2018
Wunderschön liegt der Shelter im Wald. 

Es ist erst 17 Uhr und wir verbringen einen entspannten Abend im Wald, spazieren herum, ich stricke was, wir lesen und machen ein Nickerchen.

dänemark tour 2018
Bei einem Waldspaziergang fotografiere ich junge Zweige 
dänemark tour 2018
..und einen abgestorbenen Nadelbaum, der mit grauen Flechten überzogen ist. 
dänemark tour 2018
Das Chili schmurgelt auf dem Feuer 

Am Abend kochen wir Chili con Soja auf dem Lagerfeuer, aber irgendwas machen wir falsch: Es gibt hier kaum Holz, das einzige, was wir finden, ist Kiefer und Fichte, das nicht heiß genug verbrannt wird, und unsere zwei Töpfe sind danach mit einer dicken, klebrigen, widerspenstigen Schicht Teer/Ruß/Bitumen überzogen. Wir schrubben eine halbe Stunde mit Sand und harten Gräsern, bis die Schicht wieder ab ist, es ist ein Horror. Aber das Essen wird sehr lecker.

dänemark tour 2018
Am Lagerfeuer in der Dämmerung sitzen, so schön. 

Nachdem die Dunkelheit hereingebrochen ist, flüchten wir vor den Mücken ins Zelt und schlafen auch bald ein.

dänemark tour 2018
Das Zelt neben dem Shelter im Morgengrauen..

Zero Waste ist hip und ich bins jetzt auch

Seit einem Monat mache ich wieder in Müllvermeidung. Und es klappt ganz gut. Ich glaube, ich hatte 2011 oder 2012 schon mal versucht, plastikfreier zu leben, aber damals habe ich irgendwann wieder aufgegeben, weil es einfach nicht ging. Oder genauer, es war zu beschwerlich. Inzwischen ist “Zero Waste” im Trend, es gibt Unverpackt-Läden, in unserer Stadt sogar zwei, und einige Geschäfte und Marktstände sind es gewohnt, wenn Leute ihre eigenen Behälter hinstellen. 

Eine Arbeitskollegin hat mich inspiriert, denn sie macht das schon länger. Es hatte mich in der letzten Zeit zunehmend genervt, wie schnell der Verpackungsmüll schon wieder voll war. Besonders Tetra Packs und Plastikverpackungen für Brotbelag waren inflationär vorhanden. Es kam mir vor, als würde ich täglich 10 Stück davon wegwerfen. 

Dem Tetrapack stehe ich sowieso skeptisch gegenüber, weil er aus so vielen verschiedenen Stoffen besteht. Verbundmaterialien. Klar, ist der hygienisch und praktisch, stapelbar etc – ABER er kann entgegen der Behauptungen des Herstellers, nicht recycelt werden. Was die “Recycling” nennen, ist eigentlich keines: Das Ganze wird eingeweicht, dann werden die Papierfasern rausgefischt und der Rest, die Plastik- und Alufolienschichten mit dem, was daran noch klebt, wird in der Zementindustrie verklappt, also in irgendwelche Bauzemente mit rein gemischt. 

Ich habe mal eine Doku gesehen über ein Recyclingwerk in Brasilien, das tatsächlich Getränkekartons recyclen kann, samt Rückgewinnung der Aluminium- und Plastikfolien. Ich schaffe es nicht, Informationen darüber im Netz zu finden, und ich kann nur hoffen, dass sich mein Gehirn noch richtig erinnert, dass es in Brasilien war. Aber es war richtig aufwändig und es wird hierzulande nicht gemacht.  Schon mein Biolehrer hat vor Verbundmaterialien gewarnt, weil die nachher schwer zu trennen sind. Coladosen z.B. sind nicht aus reinem Aluminium, da sind noch andere Metalle dabei, und das erschwert das Recycling sehr, obwohl Aluminium ein gern recycleter Rohstoff ist. 

Reines Plastik wäre dann vielleicht noch recyclebar, aber es gibt einfach viel zuviel davon. So gut wie alles ist darin eingepackt. Und seitdem Käse in diesen “wiederverschließbar” Packungen ist, sind die Packungen noch dickwandiger und noch mehr Plastik wird dafür verbraucht. Plastik ist zumeist aus Erdöl, also was ist der Sinn darin, aufs Autofahren zu verzichten, wenn man dann das ganze Öl als Plastik verbraucht? 

Meinen Partner habe ich sofort für die Idee gewonnen, und wir beschlossen zwei Sofortmaßnahmen: Wir kaufen Käse und Brotbelag nur noch lose mit eigenen Behältern ein, auch wenn’s schwer fällt. Und wir kaufen keine Getränkekartons mehr, die Milch gibt es ab jetzt in Pfandflaschen, regional  aus dem Bioladen. Damit haben wir einen Anfang gemacht und bei allem Anderen schauen wir mal. 

Was ich auch immer in Plastik gekauft hatte, waren Nudeln. Also habe ich mir vorgenommen, Nudeln mal öfter selbst zu machen. Es gibt zwar welche in Kartons oder im Unverpackt-Laden, aber selbstgemachte Nudeln sind doch super und schmecken genial! Bei Ebay Kleinanzeigen fand ich schnell und günstig eine gebrauchte Nudelmaschine. Als Bäckerin habe ich mit dem Teig machen auch gar kein Problem. Voilà! 

Tortellini mit Spinat und Ricotta Füllung
Das ist meine neue Nudelmaschine, und auf dem Küchentisch findet eine Tortellini Produktion statt! 

Es ging los. An einem Samstag im November, es war der 10. 11. um genau zu sein, zog ich los, um Zero Waste u.A. für Lasagne einzukaufen, und begab mich auf den Wochenmarkt am Boxhagener Platz. Schon der erste Käsestand, den ich ansteuerte, hatte den ganzen Käse lose und der Verkäufer füllte freundlich meine Dosen damit. Er gab mir auch den Tip, den Deckel nur lose drauf zu legen, denn Käse muss atmen. 

Im November Zero Waste Tomaten zu bekommen, ist nicht möglich, bzw. sind die Gewächshaustomaten wirklich teuer auf dem Markt gewesen. Gehackte gibt es nur in Dosen. Aber Weißblechdosen lassen sich wohl ganz gut recyclen. Ich habe trotzdem die teuren Gewächshaustomaten genommen. Und passierte in der Glasflasche. 

Für den Nudelteig habe ich Hartweizengrieß, Eier und Weizenmehl lose in unserer Kollektivbäckerei bekommen, das habe ich mir dann in eigene Schraubgläser bzw einen wiederverwendeten Eierkarton gefüllt. Nur Mozzarella habe ich keinen gekriegt, im Unverpacktladen dürfen sie keinen losen Käse verkaufen, und der lose, in Lake schwimmende Mozzarella auf dem Markt hätte mich 6 Euro für so ein Kügelchen gekostet, das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten. Die Lasagne hat auch ohne geschmeckt. 

Seit diesem Tag haben wir unser Vorhaben mit den Müllfreien Milchprodukten umgesetzt, und auch sonst haben wir versucht, Plastik möglichst zu vermeiden. Wir haben viel mehr frisch gekocht, viel weniger “Zusatzkram” gekauft und obwohl alles ziemlich teuer ist, haben wir erst mal nicht mehr Geld ausgeben müssen als davor. Ich kann es mir nicht erklären, denn ich dachte, ich tätige doch eh kaum Impulskäufe. Aber ich hatte sie halt doch getätigt. Dadurch, dass plastikfrei einkaufen aufwändiger und bewusster ist, wird irgendwie die Konsumlust, die sonst in irgendwelchen Gimmicks ausgelebt worden wäre, besser befriedigt. 

Eigentlich krass, dass es so etwas wie Konsumlust gibt, und “retail therapy” ist nicht umsonst ein Begriff im englischsprachigen Raum (es heißt sowas wie Einkaufs-Therapie). Aber unsere Gesellschaft, in der sich Individuen über den Konsum definieren, ist da auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Im Prinzip ist auch das Zero Waste Leben ein sich selbst durch eine bestimmte Art von (Nicht-)Konsum definieren. Ich weiß nicht, ob sich da irgendwer von frei sprechen kann. Ich jedenfalls nicht. 

Mich hat überrascht, dass ich eigentlich kaum den Unverpackt-Laden nutzen musste. Das meiste ging irgendwie anders plastikfrei. Allerdings verbrauchen wir noch einiges an Vorräten, z.B. habe ich eine umfangreiche Duschgelsammlung, so dass die plastikfreie Körperpflege zunächst mal noch kein Thema für mich ist. Danach werde ich wohl auf irgendeine leckere Seife umsteigen. Waschmittel haben wir z.B. im ganz normalen Drogeriemarkt im Pappkarton bekommen. Andererseits mussten wir uns für bestimmte Dinge, wie z.B. Datteln, echt die Hacken ablaufen. Unser kleiner Bioladen drei Ecken weiter ist die einzige Quelle für lose Datteln. In den Supermärkten, auch in den Bio-Supermärkten, sind sie immer in Plastik verpackt gewesen. 

Und Selbermachen! Das hat mir die letzte Zeit richtig viel Spaß gemacht. Neben dem oben erwähnten Nudelteig gab es selbstgemachten Ricotta für die oben gezeigten Tortellini, Joghurt habe ich selbst gemacht (gibt es zwar im Pfandglas, aber selbstgemacht spart Geld und macht Spaß), und weil es Süßigkeiten fast nur verpackt gibt, haben wir Kekse, Energiebällchen, Kuchen und Apple Crumble gemacht. Vegan habe ich auch rumexperimentiert: Kokosmilch und Mandelmilch haben ganz gut geklappt. Die Kokosmilch hatte ich allerdings aus einer frischen Kokosnuß gemacht, und die sind nicht immer verfügbar. Ich muss mal die Variante aus Kokosmus ausprobieren.. 

Nach einem Monat kann ich schon eine grosse Veränderung feststellen: Wo wir sonst den Plastikmüll (“gelber Sack”) jede Woche mindestens einmal runter tragen mussten, ist er jetzt nach einem Monat immer noch nicht voll. Und wir brauchen ja noch Plastikverpacktes auf! Auch der Restmüllpegelstand ändert sich nicht sehr. Beim Restmüll muss ich mal zusehen, dass wir ihn trotzdem einmal im Monat runtertragen, sonst fängt der an, im Eimer zu verrotten, und weil wir keine Kompostieranlage haben, stinkt das dann. Dafür ist der Kompost ziemlich oft voll (wir haben zum Glück eine Biotonne, und die Stadt kompostiert den Biomüll auch). Und beim Papiermüll haben wir auch noch relativ viel. 

Aber das ist okay! Denn der Anfang ist gemacht und das läuft sehr gut für uns! Aus der örtlichen Bücherei habe ich mir auch ein paar entsprechende Bücher geliehen, das eine war relativ kurz, und hatte ganz gute Tips. “Noch besser leben ohne Plastik”. Das Andere habe ich gerade erst angefangen, ich halte euch, wenn ich Zeit habe, auf dem Laufenden..