Das erste Mal draußen schlafen 2019.

Es wurde schön, es wurde warm, und ich hatte zwei Tage am Stück frei. Nichts wie raus! Während es noch vor 4 Jahren eine Hand voll Biwakplätzen gab, war ich jetzt etwas überschwemmt mit der Fülle von Möglichkeiten, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Ich entschied mich für den Wasserwanderrastplatz Werder (Spree), weil ich letztes Jahr schon dachte, im Spreewald sollte ich öfter sein, ist schön da.

Der Plan war, von Königs Wusterhausen aus zu radeln, nicht gleich eine lange Strecke nach der Winterpause gehen, dem Dahme- und Spreeradweg zu folgen, draußen was zu kochen und am nächsten Tag ein wenig rumzukurven, nach Beeskow zu radeln und mit dem Zug zurück.

Am Bahnsteig
Mein vollgepacktes Rad am Bahnsteig, die Schlange vor dem Aufzug ist eher lang. Aber ich habe Zeit.

Ich musste nochmal zurück nach Hause, weil ich Salz vergessen hatte, und dann nochmal, weil ich mein Portemonnaie hatte liegen lassen, während ich das Salz holen war. Aber irgendwann war ich an der S-Bahn und in Bewegung nach K-W. Dort fuhr ich zunächst meine geplante Strecke, aber dann überkam es mich: Hofjagdweg, schon 2x gefahren, Dahme-Radweg, schon 5x gefahren, ich will mal woanders lang fahren.

Nur geht sowas in Brandenburg nicht, ausser, ich möchte in einer Wanderdüne im Wald versanden. Aber ich hatte eine 20 Jahre alte Fahrradkarte dabei, auf der Radrouten eingezeichnet waren, die gar keine waren. Damals hatten die Leute einfach befahrbare Landwirtschafts- und Waldwege als Radrouten bezeichnet, weil die ganzen heutigen Radwege noch gar nicht gebaut waren.

Zum Teil laufen die heutigen Wege gleich, aber auch zum Teil nicht. Also fuhr ich nach der alten Karte und fand wunderschöne, fast immer befahrbare, einsame Wald- und Wiesenwege. Ich war begeistert.

Am See
Zuerst mal Halt am Zeesener See. Ein Blühender Baum und Schilf und das beste Wetter.
Fahrrad
Brandenburg. Unendliche Weiten. Der Weg zwischen Senzig und Gussow ist 5km lang, man muss nur wenig schieben, und kann die Stille der Natur genießen. (Bild zeigt mein Fahrrad vor einem weitläufigen Feld am Waldrand)

Ich fuhr um den Zeesener See herum und stach dann ins Feld in Senzig, da führte vor 20 Jahren mal der Dahmeweg entlang. (Warum auch immer, denn die Dahme ist dort nicht). Es war inzwischen Mittag und Zeit, sich Sonnenschutz aufzulegen und einen Tee zu trinken.

Sandweg
An dieser Stelle musste ich schieben, denn der Waldweg war zu sandig geworden, das hätte mit einem Sturz enden können. Aber es ging, tief war der Sand nicht.
Frühlingsblüten
Das schönste an Radtouren zu dieser Jahreszeit sind die blühenden Hecken und Bäume. Hier immer noch der Weg nach Gussow, gesäumt von weißblühenden Sträuchern.
Pause
Von Gussow aus erwischte ich einen Weg nach Gräbendorf, und dort ging es in den “Geisterwald”, wo ich am Heidekrautgraben eine Mittagspause machte.

Zwischen Gräbendorf und Dolgenbrodt waren ein paar andere Fahrrad-Touris unterwegs, aber erst in Friedrichsbauhof, wo der offizielle Havelradweg dran war, wurde es richtig belebt. Ich war kurz unsicher, in welche Richtung, aber fand mich dann schnell zurecht. Hier fuhr ich dann denn offiziellen Weg durch Prieros bis zur Hermsdorfer Mühle, und dann bog ich nach Osten ab, statt weiter nach Märkisch Buchholz zu radeln.

Die Wege hier waren durchaus auch mit Radwegweisern ausgestattet, aber gehörten zu keiner viel befahrenen Route. Es ging über kleine Landstrassen, auf denen zum Glück nichts los war. Mich überholten gerade mal 4 Autos, und – ich weiß nicht, was da los war – alle verlangsamten und fuhren entspannt und mit Abstand vorbei.

Was ist das? Sind die Brandenburger_innen so fromm geworden, dass sie am Karfreitag keine Radfahrer_innen umnieten wollen? Sind das alles gastierende Dänen? Hat der fahrradfreundliche Artikel in der Bildzeitung die Bevölkerung über Nacht umgestimmt? Ist mein bepacktes Rad so bemerkenswert, dass ich aus dem Beuteschema “Scheiß-Radfahrer” raus falle und wieder mal, als “Oh, eine Radwandernde, wie romantisch!” besser behandelt werde? Auf jeden Fall war es eine Freude für mich.

Ich fahre über die Dörfer nach Kehrigk, das liegt auf einem Hügel und hat einen großen Aussichtsturm, aber ich fahre direkt nach Süden durch den Wald. Es geht hier auf und ab, und man muss wieder etwas schieben wegen dem Sand, aber alles in allem läuft’s gut! Am Neuendorfer See treffe ich auf den Spreeradweg und bin jetzt nah am Ziel. Im Gasthaus am See tanke ich Wasser für die Nacht und treffe zufällig Bekannte aus Berlin, die gerade da eingekehrt waren.

am Fluß

Dann geht es weiter über den hier sehr wenig befahrenen Radweg nach Werder. Ich mache noch eine Pause an der Spree.

Fluss
Eine kleine Weide spiegelt sich im ruhigen Wasser, ein paar Seerosen gibt es auch.

Als ich in Werder ankomme, stellt sich raus, dass ich hier schon mal letztes Jahr vorbeigefahren bin. Es ist nicht der verschlafene Platz, den ich mir erhofft hatte, sondern er ist sogar recht belebt, und das war auch letztes Jahr schon so.

am Rastplatz
Am Wasserwander-Rastplatz angekommen, schaue ich Kanu-Leuten beim Landen zu.

Insgesamt sind da fünf Autos und ein großes Wohnmobil, ein zum Campervan umgebauter VW Bus, und auf der Wiese parkt überall hier und da wer. Das nervt erst mal. Dann ergibt sich ein Gespräch mit einem der Kanuleute, der in einem PKW übernachten will, und er ist eine richtige Outdoor-Seele. Wir fachsimpeln eine halbe Stunde lang, und dann bin ich mit der Situation versöhnt. Ich mag ja an den Motorisierten nicht, wenn sie einfach mit der Benzinschleuder in den Wald fahren und sich da schlimm benehmen. Es gibt natürlich auch Andere, die zwar motorisiert sind, aber sich respektvoll in der Natur verhalten und dann kommt es auf das Fortbewegungsmittel nicht mehr so ganz an (ok, es war aber auch ein kleiner, alter Kombi und kein SUV!)

Die anderen Leute sind auch ganz freundlich, und verhalten sich zum Großteil entspannt, und vielleicht ist es den meisten im April zu früh um im Zelt zu schlafen, ich weiß nicht. Es heißt, die Anwohner mögen nicht, wenn die Wiese zugeparkt ist, und manche fahren wieder ab, am Ende bleibt nur das Wohnmobil und der einzelne Kanute über Nacht. Der VW Bus bleibt, während die Leute draußen Abendessen kochen, und dann später, verschwindet er.

Die Leute vom Wohnmobil grillen, während sie auf mitgebrachten Campingstühlen am Auto sitzen. Die sind die einzigen, die nerven: Es gibt ne Feuerstelle mit Tischen und Bänken. Warum muss man eigentlich so an seinem Auto kleben? Und kann man damit nicht zu einem der tausenden Wohnmobilstellplätze fahren, anstatt die Plätze für Unmotorisierte, von denen es insgesamt noch immer sehr wenige gibt, auch noch in Beschlag zu nehmen? Schland, ey.

Abendessen
Abendessen: Ich habe die kleine Sitzecke benutzt, um da gemütlich zu kochen.
Zelt an der Spree
Mein Zelt steht direkt am Wasser, ich bin die einzige, die heute ohne Auto hier ist.
Spree
Die Erlen spiegeln sich im Abendlicht in der Spree (Ich hoffe, es sind Erlen)

Als die Sonne weg ist, stelle ich das Zelt auf und packe alles, was zum Schlafen nötig ist, aus. Dann lese ich noch gemütlich und als es zum Lesen zu dunkel wird, gehe ich mich in meinen Schlafsack einkuscheln. Erst halb Neun!

Ich liege so rum, da sehe über der Spree einen imposanten, dicken Vollmond aufgehen:

Vollmond
Der Vollmond im Foto ist selbstverständlich niemals so schön wie in echt.

Ich schlafe auf meiner Iso/Luft-Matte wie auf Wolken, und als Kissen habe ich meine Strickjacke in einen Einkaufs-Stoffbeutel gesteckt, was prima funktioniert. Irgendwann in der Nacht träume ich, dass ich aufwache und die Matte hat ein Loch und ist komplett flach. Aber das war zum Glück nur ein Traum!

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Radtour. Sommer im April

Letztes Jahr hatte ich es Ende März und Anfang April geschafft, meine ersten Touren mit draußen schlafen zu machen, dieses Jahr war einfach viel zu tun, und deshalb habe ich bis zum vergangenen Wochenende (21./22.4.) warten müssen. Dafür war das beste Sommerwetter überhaupt! Ich verbrauchte viel Sonnencreme und holte mir am 2. Tag fast noch einen leichten Sonnenstich trotz Kopfbedeckung.

Wie fast immer auf meiner ersten Tour mit Übernachung: Ich vergesse Dinge. Diesmal vergaß ich einen Eßlöffel und ein langärmliges Shirt. Den Löffel bekam ich unterwegs geschenkt, das Shirt habe ich schändlich bei einem Billigbekleidungsriesen erworben. Sogar mit Kapuze.

An der S-Bahnstation nahm der Ticketautomat keine Kartenzahlung an, und was ich nicht wusste: Er nahm Geldscheine nur dann an, wenn man den ganzen Vorgang abbricht und alle Details von vorne eintippt. Also wohin die Reise geht, an welchem Tag, und welche Karte man möchte, und das jeweils einzeln für mich und das Fahrrad. Deswegen tippte ich das alles zwei mal an einem Automaten ein, und dann noch zweimal an dem Nachbarautomaten, der auch die Karte nicht akzeptierte. Somit war ich schon mal spät dran für den Zug und konnte von Glück reden, dass ich ihn gerade noch erreicht habe.

Startpunkt war Fürstenberg/Havel. Es ging in die Nähe von Wittstock/Dosse, zu einem befreundeten Landprojekt. Wen die Route interessiert, hier ist sie zu finden, auf outdooractive.  Allerdings führt diese Route nach Lärz aus Datenschutzgründen, ich bin die letzten km anders gefahren. ;)

Irgendwie versäumte ich, zu frühstücken, aber habe das gleich hinter Fürstenberg an diesem netten Rastplatz nachgeholt:

Eine Sitzbank mit Dächlein an einem kleinen Rastplatz auf einem Hügel über Fürstenberg, im Hintergrund bestellt jemand sein Feld. Seitlich steht noch eine Tafel mit Informationen über das Ruppiner Seenland.

Kann ich mal sagen, dass ich die kleine neue Kamera mag? Es ist eine Sony RX-100. Die sind ja super teuer, deshalb habe ich das erste Modell genommen, das von 2012. Es ist inzwischen im Preis gesunken, kann aber viele Dinge nicht, die die “neuen” können. Aber sie kann Bilder. Und darauf kommt es an!

kleine Waldstrasse hinter Fürstenberg. blühende Sträucher und sonniges Wetter, so soll es sein!

Die Blümchen sind auch schon da. Buschwindröschen sind das, glaube ich.

Bis nach Rheinsberg bin ich dann ohne weitere Pausen durchgefahren, überwiegend auf Waldwegen. Bis nach Menz waren das schöne, asphaltierte Wege, manchmal an der Straße entlang. Manchmal flitzte ich zwischen blühenden Sträuchern nur so dahin. Danach wurde der Weg leider durch viele Baumwurzelaufbrüche sehr holprig, und ich ärgerte mich und fuhr langsam. Sehr langsam. Langsam die Hügel hoch, und langsam die Hügel runter. Eiszeit und Baumwurzeln formten dieses Stück Weg! Später wird es hier bestimmt viele Blaubeeren geben. Sie sind gerade am blühen.

ein sonniger Kiefernwald, auf dessen Boden viele Blaubeersträucher wachsen. Gerade blühen sie und duften nach den späteren Früchten.

Noch mehr Blaubeerblüten aus der Nähe

Durch Rheinsberg selbst bin ich schon öfter durchgefahren, da habe ich nichts spektakuläres gemacht. Ich wollte auch eher in der Natur abhängen, als mir städtische Sehenswürdigkeiten anzusehen. Ich war kurz beim Aldi, wo mir einfiel, dass ich das Öl zum kochen vergessen hatte. Und Öle gab es nur in riesigen Flaschen, viel zu viel für meine zweitägige Tour. Aber ganz ohne wollte ich dann auch nicht.. Gemüse nur kochen, nicht anbraten ist mir zu unaromatisch. Schließlich entschied ich mich für die Aldi-Hausmarke “Pflanzencreme”, was noch den Vorteil hat, dass sie sich außer zum Kochen auch als Brotaufstrich-Grundlage eignet! Dann gab es noch Schokolade und Bananen fürs Frühstück morgen, und ne Tube Tomatenmark. Sowas kann ja nie schaden.

Als ich schon wieder weiterfuhr, fiel mir auf, dass ich noch mehr Wasser hätte brauchen können, bei der Hitze waren meine zwei Trinkflaschen (1,75 Liter) schon bald leer. Ich hielt bei der Touristen-Information an, aber deren Toiletten waren mit Münzeinwurf, und das sah ich dann doch nicht ein. Weiter ging es am Schloß vorbei und wieder in den Wald rein. Bei Linow setzte ich mich an den See und war schon wieder hungrig. Also Mittagspicknick! Ich hatte für die ca. 25km nach Rheinsberg gute 3 Stunden gebraucht, da war mir etwas bange, ob ich bei diesem Schneckentempo eine Chance habe, morgen über 100km zu fahren. Eigentlich nein. Aber wir werden sehen, dachte ich.

Pause an einem kleinen See bei Linow.

Im Flecken Zechlin, das ein echt malerisches Dorf ist, gab es eine kleine Touristen-Info, und ein kleines Bad nebendran, wo ich meine Wasserflaschen nachfüllen und mein Tattoo waschen und eincremen konnte. Dann kam die sonnenschützende Tattoo-Stulpe wieder drauf (abgeschnittener Shirt-Ärmel) und es ging weiter durch wunderschöne Laubwälder.

Frühlingswald ist so schön, wenn es sonnig ist: Alles ist noch so hell, weil das Blätterdach noch nicht geschlossen ist. Aber es ist schon so grün!

Ein sonnendurchfluteter Laubwald mit jungen grünen Blättern und einem Weg, der sich durchschlängelt.

Dafür, dass die Strecke an so vielen Seen vorbeiführt, bekam ich kaum welche zu Gesicht. Dass manchmal mitten auf einem Feldweg ein Hinweisschild “Badestrand” herumstand, wies darauf hin. Vor ein paar Jahren bin ich mal von Fürstenberg nach Wittstock “obenrum” gefahren, und würde das auch eher empfehlen. Wegen besserer Wege und schönerer Gegend und mehr Seen sehen!

 

Um 17 Uhr ungefähr kam ich an, und hatte so noch den Spätnachmittag und Abend Zeit, auszuspannen. Ich besuchte ein Landprojekt, wo ein Kollege mitmacht. Ich hätte im Haus schlafen können, aber im Bett liegen kann ich in der Stadt auch. Deshalb bestand ich darauf, zu zelten. Das kleine Zelt baute ich aber erst in der Abenddämmerung auf, das ist so eine Angewohnheit, nach den letzten 3 Jahren Radtouren.

Dann noch ein wenig am Lagerfeuer sitzen, den Sternenhimmel bewundern, und sich dann ins Zelt zurückziehen. Ich hatte eine ruhige Ecke gesucht, auf einer Wiese neben der Schafsweide, und dank warmem Schlafsack wurde mir nachts auch nicht kalt. Das Einzige, was nervte: Die Thermarest-Matte (eine selbstaufblasende Luftmatratze, die ganz alten noch) war nicht so bequem wie die Luftmatratze, die ich im Sommer nutze, und beim auf-der-Seite-Liegen bekam ich ganz schön Schmerzen an den seitlichen Pomuskeln.. oder Oberschenkel, so ein Zwischending. Auf dem Rücken liegen geht gar nicht, da krieg ich Rückenschmerzen, haha.. Ist die Thermarest-Zeit vorbei? Muss ich jetzt diese neuen High-tech-Luftmatratzen nutzen, um noch zelten gehen zu können? Oder ist es Gewöhnungssache? Trotz allem, und trotz der Tatsache, dass das aufblasbare Kissen ein Riesenleck schlug und unbrauchbar wurde, habe ich insgesamt ganz gut geschlafen. Meine Strickjacke, in einen Packbeutel getan, ist genauso gut als Kissen. Wieder einen Ausrüstungsgegenstand eingespart!

Stay tuned für Teil 2.