Nordseeradweg Niederlande, Teil 2

Das mit dem Zusammenfassen wird nichts, merke ich. Deshalb schreibe ich jetzt wohl doch Tag für Tag… oder eben, wie es kommt!

Freitag, der 14.6.2019 – der dritte Tourtag. Morgens ist es bewölkt. Wir fahren zuerst nach Camperduin und der Radweg führt entlang der künstlich angelegten Dünen. Sie wurde aufgeschüttet, um vor Überflutungen zu schützen. Hier gibt es viele Badestellen, aber gekennzeichnet werden sie durch geräumige Fahrradparkplätze – wo Holzgeländer installiert wurden, an die Räder gelehnt und angeschlossen werden können. In Deutschland parken am Strand die Autos, in den Niederlanden die Räder. Ich finde es super.

Heute ist allerdings kein Badewetter und alles ist leer. Wir kommen nach Petten und besuchen die Ausstellung “Zand tegen Zee”, die super informativ ist. Die Empfangsdame spricht uns auf deutsch an und ich sage auf Holländisch, dass wir versuchen, etwas holländisch zu lernen. Sie freut sich und spricht gleich holländisch mit uns. Ich verstehe ein wenig und blamiere mich mit völlig falschen Worten, aber na gut.

Wir schauen uns noch einen Film über die Dünen an, leider habe ich die meisten Fakten schon wieder vergessen. Die Klimakatastrophe und die steigenden Meeresspiegel sind in der Ausstellung auch ein grosses Thema. Hier haben die Menschen viel zu verlieren, und sie ziehen die Küstenbefestigungen hoch. Es gibt gratis Kaffee von einem Automaten, was auch sehr schön ist.

Der Radweg führt nun wunderschön durch ein Wäldchen und wir werden alsbald von einem starken Schauer überrascht. Wir stellen uns unter dichten Fichtenbäumen unter, und der Seewind vertreibt nach etwa einer halben Stunde die wirklich sehr schwarzen Wolken und strahlend blauer Himmel öffnet sich.

Wir radeln durch ein wunderschönes Dünengebiet, leider das letzte auf dieser Reise, denn die Noordzeeroute führt jetzt weiter auf die Inseln Texel und Vlieland, und wir fahren die popligere Route nach Den Oever. Das liegt daran, dass die Fähre von Vlieland aus einer Buchung im Voraus bedarf, selten fährt und auch nicht ganz billig ist. Allerdings vernavigiere ich mich und wir fahren nach Callantsoog. In die Bänke am Dorfplatz sind Solarzellen eingelassen und sie besitzen USB Ausgänge, damit die Leute ihre Smartphones laden können. Klasse! Wir haben allerdings das eigene Solarpanel dabei und brauchen es nicht in Anspruch zu nehmen.

Bei der Fahrt Richtung Norden hatten wir wieder wunderbar starken Rückenwind, aber jetzt, wo wir einen Bogen nach Süden schlagen müssen, der uns über Land und weg von der Küste führt, kämpfen wir erst mal ganz schön. Wir kommen an eine Art Schnellstrassenkreuz und die Radwegführung (die immerhin vorhanden ist) ist etwas verwirrend, fast biegen wir falsch ab. Aber dann haben wir’s und fahren an bunten Anemonenfeldern vorbei.

Für die meisten anderen Blumen ist es zu spät, die sind schon abgeerntet. Wir fahren an sehr vielen abgeernteten Tulpenfeldern dabei. Anemonen und Zierzwiebeln blühen noch. Das muss ein imposanter Anblick gewesen sein, als da alles in Blüte stand.

Wir machen eine Pause im Dörfchen Ouidesluis und dann geht es wieder nördlicher und mit Rückenwind an einem mäandernden Fluss entlang. Dann kommen wir am Amstelmeer vorbei, von dem wir leider nichts sehen, denn die Strasse liegt hinter einem Deich und führt durch einen Wald.

Dann biegen wir von der Route ab und fahren über eine kleine Landstrasse zum Campingplatz “Het bos roept”. Schon als wir ankommen, fühlen wir uns wie Zuhause: Alles sieht öko und freundlich aus, und man kann sich selbst in einem niedlichen kleinen Bauwagen “einschreiben”. Der Campingplatzbesitzer ist ein dauergutgelaunter Lockenkopf, der ständig auf dem Platz unterwegs ist und alle neuen Gäste persönlich begrüßt, sobald er ihnen über den Weg läuft. Wir sind die einzigen Deutschen da, und ich bekomme wieder Gelegenheit, ein wenig Niederländisch zu üben.

Der Platz hat ein schönes Glashaus mit Induktionsherd, auf dem wir an dem Abend etwas kochen, ganz komfortabel. Nach uns kommt eine grössere holländische Familie und kocht ebenfalls. Die Oma und der Opa sprechen ein ziemlich deutliches Niederländisch, da kann ich sogar ein wenig folgen. Leider verstehe ich bei den meisten anderen wirklich gar nichts. Das ist schon ernüchternd. Gerade wenn die Leute sehr schnell sprechen, bin ich gleich total lost.

Im Glashaus gibt es einen Selbstbedienungskühlschrank, wo eine Flasche kalte Limo 30 Cent kostet, und Kaffee und Tee zum Selber aufbrühen gegen Spende. Es ist so nett da! Und es stehen wunderschöne, imposante Baumwollzelte auf dem Platz. Über die sollte ich später mehr erfahren.

Camperduin - Dünen
Dünen bei Camperduin
Dünen
die künstlich angelegten Hondsbosje Dünen sind zu einer spannenden Naturlandschaft geworden.
Polder
“De Putten” ist ein Vogelparadies, das aus Feuchtwiesen in den Poldern hinter den Dünen besteht. Viel Grün und viel Feucht ist zu sehen.
Zand tegen Zee
An der Ausstellung “Zand tegen Zee” angekommen, der Himmel ist dunkel und schlechtes Wetter kündigt sich an
Dünen
Wunderschöne Farben des Meeres, des Himmels und der grasbewachsenen Dünen.
Abwettern
Statt auf der Bank sitzen wir unter den Bäumen im Wald und warten den Regenschauer ab.
Pause
…und auf einmal scheint strahlend die Sonne.
Anemonen
drei verschiedene Sorten Anemonen werden hier auf Feldern angebaut.

Nordseeradweg 2019 – Niederlande (Teil 1)

Ich schaue mal, dass ich alles diesmal etwas komprimierter schreibe, einen eigenen Eintrag für jeden Tag finde ich jetzt doch zu zeitraubend. Alles in allem: Für Radreisende mit Zelt ist der Nordseeradweg in Holland echt empfehlenswert! Es gibt viele Zeltplätze, auch kleinere, die Wege sind super ausgebaut, und die Natur und Kultur sehr interessant.

Angefangen hat Alles leider dramatisch: Ich wurde am Samstag, den 8. Juni, am Vorabend der Tour krank und beschloss, dass wir trotzdem fahren und ich es versuche, trotz Erkältung. Schon im Zug wurde klar: So wird das nix. Wir sind dann, statt in Amsterdam umzusteigen, dort ausgestiegen und haben drei Tage dort gezeltet, in denen ich so halbwegs den grippalen Infekt durchmachte.

Nicht ohne Komplikationen: Der Zug wurde in Bad Bentheim beendet, statt nach Amsterdam durchzufahren, und wir mussten uns drei Stunden lang mit bepackten Rädern durch drei überfüllte Regionalzüge quälen, was mir an dem Tag echt den Rest gab.

Die nächsten Tage lag ich dann mit mehr oder weniger Temperatur und Halsschmerzen im Zelt, trank Tee, inhalierte, und warf Aspirin und Halstabletten ein. Vormittags war jeweils ein kurzer Radausflug in die Parks der Nähe und in die Stadt drin, bevor ich zurück musste, das Bett hüten.

Amsterdam Fahrradstrasse
Beim Ausflug in die Stadt freuten wir uns über die Fahrradinfrastruktur, hier z.B. eine Fahrradstrasse.
Amsterdam
Mein Fahrrad auf einer Brücke in Amsterdam. Echt eine wunderschöne Stadt, von der ich diesmal nicht viel gesehen habe.

Am Montag Abend war ein starkes Gewitter angekündigt, und es blitzte, donnerte und regnete auch ganz schön. Aber drinnen blieb alles trocken und gemütlich.

Zelt
Mein Zuhause für 3 Tage: Das gute Hilleberg-Zelt. Dank Solarpanel und Campingplatz-Wifi habe ich schön Youtube-Filmchen im Bett geguckt.. und viel geschlafen.

Dienstag abend war der erste Tag, wo ich abends ohne Aspirin zu schlucken, fieberfrei war, und somit beschloss ich, dass wir Mittwoch früh losfahren. Zwar hatte ich Dienstag kaum 3km durch den Park radeln geschafft, aber hey, klar fahre ich 45km am nächsten Tag. Zur Sicherheit suchten wir uns aber einen Campingplatz auf der halben Strecke raus, falls ich es doch nicht schaffen würde.

Radweg
am Mittwoch ging es los! Hier der breite und wunderbar gut zu befahrende Radweg von Amsterdam nach Haarlem inmitten eines Strauchwaldgebietes. Am Horizont braute sich schon wieder schlechtes Wetter zusammen.

Wir packten gemütlich und machten uns auf den Weg. Ich hatte zwar noch ordentlich Schnupfen und fühlte mich etwas schwach, aber ansonsten ging es mir gut, und im Laufe des Tages eigentlich immer besser. Mein Geschmackssinn kehrte zurück, was praktisch war, denn in Haarlem gönnten wir uns gleich eine große Tüte Fritten mit Erdnuss-Sauce.

Haarlem
Haarlem Sky- and Waterline. So eine wunderschöne Altstadt, mit all den zuckerigen Grachtenhäusern. Alles wie in Amsterdam, nur kleiner, kommt mir vor.
Haarlem
Rosentor an der Kathedrale in Haarlem
Frits in Haarlem
Die leckersten Fritten!

Ich habe mich an der Frittenbude überwunden und mein weniges, auf Duolingo erworbenes Niederländisch praktiziert, um auszudrücken, wie lecker die Pommes waren. Und ich bekam so eine liebe und herzliche Reaktion, dass ich gleich ermutigt war, weiter zu lernen, zu üben und zu sprechen.

Haarlem
Imposant: Die Kathedrale von Haarlem. Gotik, wenn mich nicht alles täuscht.
Haarlem
Ich mag die niederländische Fahrradkultur. Hier ein Fahrradständer in Haarlem mit allen möglichen bunten Hollandrädern drauf.
Haarlem
Nasse Strassen in Haarlem: Es regnete sich ein
Zelten
Abends am Zeltplatz: Endlich hörte es auf zu regnen. Eine einfache, ruhige Zeltwiese mit einem Picknicktisch und Bänken, das reicht uns völlig aus.

Der Rest des Tages war leider sehr verregnet, und wir fuhren stundenlang durch mehr oder weniger strömenden Regen zum Zeltplatz in der Nähe von Ijmuiden, wo wir uns erst mal etwas zum Abendessen kochten. Dann machten wir uns Wärmflaschen zurecht, indem wir heißes Wasser in die Trinkflaschen füllten, und zogen uns zum Aufwärmen in die Schlafsäcke zurück. Zum Glück bin ich dadurch nicht wieder zurück in meine Erkältung gerutscht.

Am nächsten Morgen war es gleich wieder bewölkt, und Regen angesagt. Aber es sollte ein zumeist sonniger Tag werden, was wir nicht gedacht hätten. Zunächst ging es über die Ij mit einer kleinen Fähre, und dann folgten wir der Radroute nach Wijk an Zee, wo wir ein paar Lebensmittel einkauften und eine Pause machten. Dann ging es in die Dünenlandschaft hinein.

Fähre
Auf der Fähre in Ijmuiden. Hier mussten wir die Mündung der Ij überqueren.
Dünenlandschaft
Der Dünen-Naturpark wird mit Rindern beweidet, damit die Landschaft offengehalten wird. Die Radwege sind super gepflegt und der Wind kam kräftig von hinten. Nur die Regenwolken drohten etwas am Horizont.
Dünen
Wolkenspiel über der Dünenlandschaft
Dünen

Die Dünengebiete um Alkmaar sind wunderschön, und wenn man weiter nach Norden kommt, werden die Dünen immer imposanter. Die “Schoorlser Dünen” sind zum Teil freiliegender Sand und hier befinden sich auch die größten Dünen der Niederlande. Die Natur ähnelt sehr der an der Nordseeküste in Dänemark, sogar der seltene Nachtschwalm soll hier auch vorkommen. Was uns letztes Jahr in Dänemark nachts wach hielt, war hier aber nicht zu hören – vielleicht, weil wir nicht direkt in den Dünen zelten konnten.

Nordsee
Am Strand war es windig, und wenige Badende da, dafür viele Kitesurfer.
Kitesurfing
Kitesurfende mit ihren Gleitschirmen an der windigen Nordsee
Badeort
Pause an der Strandpromenade im Badeort “Bergen an Zee”. Der Himmel ist teils dunkel bewölkt, teils blau.
Radwanderweg
Wunderschöne Stimmung beim Herausfahren aus dem Wald mit dem Blick auf eine riesige Düne.
Sketching
Zeichnen im Strandcafe bei Schoorl an Zee

Am späten Nachmittag wurden wir doch noch von einem Schauer überrascht. Kurz danach fuhren wir nach Groet, wo wir im “Camping Eldorado” übernachteten. Ein echt netter, kleiner Campingplatz mit Hippie-Flair. Abends sollte es eigentlich nicht mehr regnen, und wir richteten uns auf eine gemütlichen Abend mit draußen Kochen ein – aber das wurde uns von einem rasch heraufziehenden Gewitter mit Starkregen gründlich versaut. Wir rannten mit den Töpfen und dem Kocher fluchend durch den Starkregen und konnten dann im Veranstaltungs-Schuppen des Platzes zu Ende kochen. Das Essen wurde sehr lecker!

Vestkyststien – dänischer Nordseeradweg Mai 2018 (Inhaltsverzeichnis-Post)

Ich schreibe mal einfach ein Inhaltsverzeichnis zu meinem Tourtagebuch zum dänischen Ostseeradweg, denn ich finde das Blogformat immer etwas anstrengend, wenn man Dinge von vorne nach hinten, von alt nach neu, lesen möchte, und nicht von neu nach alt.

Vestkyststien, Tag 15: Von Sæby nach (fast) Aalborg und die Rückreise..

Der letzte richtige Tourtag, es ist der 27. Mai 2018. Geplant ist, an einem Naturlagerplatz ganz nahe bei Aalborg zu zelten, so dass wir morgen rechtzeitig und stressfrei beim Zug nach Hause sind.

Wir waren als erste auf und machten uns Kaffee. Später machten wir noch Kaffee für die Anderen und dann gab es noch genug heißes Restwasser für ein Luxusporridge mit einer ganzen Tafel weißer Schokolade drin. Wir packten dann zusammen und ich tauschte mit Rolf Adressen aus, denn ich habe ihm ein Paar handgestrickte Socken versprochen.

Heute bewölkt sich der Himmel und wir haben erheblichen Rückenwind. Die ersten 20km geht es wieder an der Hauptstrasse entlang, dann schwenkt der Weg ein wenig übers Land. In Asaa gibt es ein Hafenhaus mit einer ausgestatteten Küche, Sofas, und Bibliothek, und wir machen eine Pause, weil es sowieso anfängt, zu regnen.

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nicht so spannend: der Weg nach Süden auf einer geraden Landstrasse

Dann fahren wir weiter nach Hals, wo der dünne östliche Arm des Limfjord überquert werden muss, und erwischen die Fähre wieder haargenau. Sehr gut!

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Blick von der Fähre in Hals zurück an die Anlegestelle mit roten Lagerhäuschen. Es ist graues Wetter.
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Das Fahrrad an die Fährenwand gelehnt, als wir über eine schmale Stelle des Limfjord fahren.

Drüben fahren wir ohne Bikeline Karte, denn wir verlassen den Nordseeküstenradweg (der hier sowieso nicht an der Nordsee entlang führt) und finden uns dank Radwegen und Ausschilderung gut zurecht. Wir fahren nach Sejlflod und finden den Lagerplatz, aber es ist ein Shelterplatz mitten auf einem fein gemähten Rasen im Dorf, bei den Sportplätzen. In Deutschland hätten wir das dankbar genommen, aber in Dänemark sind wir verwöhnt und wollen lieber mehr in die Natur.

Sejlflod Shelterplatz
Der Shelterplatz in Sejlflod und mein bepacktes Rad
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südlich des Limfjord radeln wir an einer Landstrasse, die sich durch Wiesen schlängelt.
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Ein Baum am Fjord mit einer Wiese mit vielen weissen Blütendolden

Es fängt wieder an zu regnen und regnet sich ein, und wir hüllen uns in die Regensachen. Ein ebenfalls naher Platz an Aalborg ist die Lyngby Plantage, die 8.5 km weit entfernt ist von hier. Wir strampeln den steilen “Kirkebakken” hoch, tanken Wasser bei der Kirche und dann schieben wir die Räder einen groben Schotterweg hoch auf eine weitläufige Hochebene. Zwei Rotznasen mit einem Mofa knattern pubertär johlend an uns vorbei.

Als wir dann oben sind, müssen wir quasi für 5km nicht mehr in die Pedale treten, sondern rollen mit super Aussicht auf die Bucht von Aalborg sanft bergab. Dann müssen wir ein Stück auf einer häufiger befahrenen Landstrasse fahren, und selbst hier bleiben die dänischen Motorisierten entspannt und rücksichtsvoll. Ich sehe ja schon immer mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen, wenn ich auf einer Landstrasse von hinten einen Motor höre. Daher könnte ich sowas in Deutschland gar nicht machen, und auch in Schweden ging es schon mal sehr schief, vom Radweg abzuweichen, auch nur für 2 km.

Kirkebakken
Rauf geht es auf den Kirkebakken, der Schotterweg ist nicht der beste.
Rolling
Wir rollen bergab in Richtung Aalborg, 5 km nur rollen.

Wir finden den Lagerplatz ohne Probleme, er liegt in einem hübschen Mischwald und hat eine Feuerstelle und einige Shelter. Das Wetter bessert sich und dann kommt sogar die Sonne raus! Wir kochen Pasta mit Tomatensauce zum Abendessen und hauen uns wieder zeitig ins Bett.

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Abends im Wald bei Aalborg, die Sonne gibt nochmal alles nach einem regnerischen Tag.
Avondeten
Das letzte Mal draußen kochen auf dieser Tour: Zwiebeln und Knoblauch geschnitten, und die Tomaten.

Die Rückreise am nächsten Tag war, “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn”, sehr stressig und wir hatten viel Verspätung, unangemeldete Gleiswechsel und einen kaputten Zug. Daher schreibe ich darüber lieber nichts, höchstens, dass wir mit Müh und Not irgendwie nach Hause kamen.

Und dass wir in Aalborg auf die Reste des Karnevals gestossen sind, der am Vortag stattgefunden hatte.

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Ein rosa bemaltes Krankenhausbett und ein golden Besprühter Kinderwagen, die als Fahrzeuge im Aalborger Karneval benutzt worden waren.

Vestkyststien, Tag 11: Von Blokhus nach Tornby

23. März 2018

Am 11. Tag habe ich kein Tourtagebuch geschrieben, und auch recht wenige Fotos gemacht. Wir hatten zwischenmenschlichen Stress, nicht so schön.

Wir fuhren nach Løkken in relativer Strandnähe, und es bot sich das übliche Bild der “Dünen-Resorts”, Feriensiedlungen am Meer, das klischeehafte Urlaubsparadies an der Nordsee. Schon schön, das ja, aber es ist irgendwann auch ein wenig eintönig.

Ein Highlight war die Strecke über den Sandstrand. Sie ist ein paar Kilometer lang und der Nordseeküstenradweg führt an den Strand und direkt über den Sand. Hier ist das möglich, weil es ein “Autostrand” ist: Die Leute fahren mit ihren PKW auf den Strand, parken das Auto, und sonnen sich Seite an Seite mit ihrem Blechhaufen. Eigentlich kaum zu fassen, aber es soll ja auch Leute geben, die ihr Auto in sogenannten “Car-Lofts” bis ans Bett mitnehmen. Warum also nicht mit dem Auto an den Strand?

dänemark tour 2018
Ein Mann und sein SUV liegen Seite an Seite am Strand… ich weiss ja auch nicht.

Der Sand ist von den Reifen dermassen komprimiert, dass es möglich ist, darauf Rad zu fahren. Nur an manchen Stellen versinkt man doch noch im Sand, und ich habe mich auch einmal flach gelegt – an der Stelle bin ich allerdings auch weich in den Sand gefallen.

dänemark tour 2018
Mein Rad mit den Packtaschen an einem kleinen, trägen Bach, der ins Meer fliesst am Strand.

Ich war trotzdem froh, als das Abenteuer “Autostrand” hinter uns lag, und es in Løkken hoch in den Ort ging. Am Strandcamping von Løkken haben wir ein zweites Frühstück zu uns genommen. Hier gibt es eine Semi-Steilküste, wo man mit Treppen zum Strand runtergehen kann.

Danach erinnere ich mich, wie wir weiter im Landinneren auf einer Landstrasse gefahren sind, die gerade frisch asphaltiert war, und wo der Belag ganz seltsam an den Reifen klebte, beim Fahren gab es immer komische Schmatzgeräusche. Das war bei Rubjerg, wo es eine grosse Düne gibt. Sie ist die höchste wandernde Düne Europa, und der Leuchtturm, der dort steht, wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich ins Meer stürzen, denn die Küste in seiner Nähe bricht immer mehr ab. Laut Wikipedia hat die dänische Regierung im Herbst 2018 einen Etat bereitgestellt, damit der Leuchtturm 80 Meter ins Landesinnere versetzt werden kann.

dänemark tour 2018
Eine frisch asphaltierte Strasse führt durch grüne Wiesen, im Hintergrund sieht man eine hohe, gelbe Sanddüne.

Unscheinbar neben der Strasse liegt ein alter Friedhof, der einmal zu einem Dorf gehörte, das durch das Sandtreiben aufgegeben werden musste. Hier in Norddänemark gab es früher viele Probleme mit dem Sandtreiben, denn für Brennholz wurde die Dünenvegetation abgeholzt.. An der ganzen Nordseeküste mussten die Dünen wieder mit Strandhafer und Strandrosen bepflanzt werden, um die Versandung etwas mehr in den Griff zu bekommen.

dänemark tour 2018
ein Grabstein auf dem verlassenen Kirchhof bei Rubjerg

dänemark tour 2018
noch mehr Dünen-Action
dänemark tour 2018
Pause in Lønstrup am Meer, es gibt Sitzbänke auf einer Terrasse in der Stadt.

In Lønstrup sind wir dann nochmal ans Meer gekommen, und dann ging es hügelig wieder ins Land, auf eine Heidelandschaft, wo ein paar Bauernhöfe und ein schöner Wander- und Radweg sich durch den Wald schlängelten. Wir hatten unsere Route etwas umgeplant. Statt im Rubjerg Skov zu zelten, fuhren wir noch ein gutes Stück weiter nach Tornby, wo es einen Lagerplatz im nahen Waldstück gab. wir sind in Tornby noch zur Kirche gefahren um Wasser aufzutanken, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, denn auf dem echt schönen Waldzeltplatz gibt es einen Wasserhahn.

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Der Zeltplatz in Tornby. Es gibt auch einen Shelter, einen Grillplatz und eine tofte Holzspaltmaschine.
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Am Shelter befindet sich der Wasserhahn. Er kann aktiviert werden, indem einfach so ein Stab zur seite gedrückt wird. Ein Plumpsklo gab es nicht, dafür standen Spaten bereit, um die Hinterlassenschaften selbst zu verbuddeln.

Am Abend auf dem Lagerplatz kamen wir dann zur Ruhe und entspannten uns, kochten Essen und widmeten uns dem Campingleben. Wir hatten auch wunderbares, sonniges Wetter.

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Das Fahrrad steht in der frühen Abendsonne am Waldzeltplatz

Später, als wir schon das Zelt aufgebaut hatten, zog Nebel auf. Ich ging einen Spaziergang machen und sah, dass hinter uns auf der Lichtung ein kleiner Waldsee lag, von dem der Nebel aufstieg. Es gab auch einige Rehe, die über unsere neblige Lichtung sprangen. So endete ein anfangs stressiger Tag noch sehr schön und sehr entspannt.

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Abends hüllt der Nebel alles ein.

8. Tag Vestkyststien: Von Lodbjerg Fyr nach Vigsø Bucht

Heute ist der 20. Mai 2018. Wir sind an der dänischen Nordseeküste unterwegs. Gestern sind wir am Lodbjerg Fyr nördlich von Agger gelandet und verbrachten die Nacht auf dem Naturzeltplatz am Leuchtturm.

Ich wache um sieben Uhr erst auf, das heißt, ich habe 9 Stunden durchgeschlafen! Ich mache Kaffee und locke damit meinen Reisegefährten aus dem Schlafsack. Ganz in Ruhe machen wir uns Porridge zum Frühstück und bauen dann alles ab.

dänemark tour 2018

In der Morgensonne steht unser Zelt und ein Paar Packtaschen.

Wir fahren in der Morgensonne durch duftende Heidewälder und pausieren kurz an einem stillen Waldsee. Die Wege sind sandig, aber angenehm zu fahren. Wir können leider nicht direkt durch den Nationalpark Thy fahren, denn der “Redningsvej” ist zu unwegsam für die Fahrräder. Deshalb geht es einen kleinen Umweg über ein paar Dörfer.

dänemark tour 2018

ein kleiner Waldsee umgeben von niedrigen Sträuchern.

Irgendwann sind wir wieder in der offenen Dünenlandschaft. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend, da durch zu fahren. Es geht Wind, aber nicht so stark, und nicht so frontal wie neulich. Sehr gut.

dänemark tour 2018

weite Dünenlandschaft mit wilden Strandrosen, Heidekraut, Strandhafer und gelben Blüten, dahinter das Meer.

dänemark tour 2018

Wir sind auf einen kleinen Bunker geklettert und blicken auf unsere Fahrräder hinab.

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Am Fischfangplatz von Stenbjerg

Wir fahren bei Stenbjerg zu einem alten Fischereiplatz. Er ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, und ein kleines Museum erinnert an die Küstenfischerei hier. Es gab eine Winde, um die Boote hereinzuziehen, und Hütten, die nicht zum wohnen dienten, sondern nur dazu, die Fische zu verarbeiten und zu verpacken. Warum sich hier die Fischerei nicht mehr lohnt, aber an anderen Stellen der Nordseeküste schon, habe ich nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall ein beschauliches Fleckchen, wo man sehen kann, wie es früher abgelaufen ist. Historische Fischerkähne liegen auch am Strand. Wir machen eine Mittagspause und fahren dann weiter.

Viele Leute hier sind mit Wanderrucksäcken unterwegs. Darauf hätte ich ja auch mal Lust. Wir fahren durch Vorupør und folgen dem “Kystvej” durch eine Dünenlandschaft nach Klitmøller. Diese Gegend nennt sich auch “Cold Hawaii” und ist ein Zentrum des Surfsports. Wir sehen in Klitmøller überall Surfläden, Surfbrettverleihe, und Menschen die mit Surfausrüstung durch die Stadt wandern. Am Strand ist viel los, eine Menge Leute haben es sich gemütlich gemacht und einige andere versuchen sich im Wellenreiten. Wir machen eine Pause und bereiten uns Heißgetränke auf unserem Kocher zu. Dabei schauen wir uns die Surfversuche an, und ich bekomme den Eindruck, Surfen besteht zu 90% daraus, im Wasser zu liegen und auf eine Welle zu warten. Und die restlichen 10% der Zeit versucht man dann, nicht ins Wasser zu fallen. Für mich wär das nix, glaube ich.

dänemark tour 2018

Nicht viel Wellengang in Klitmøller, aber die Surfer warten trotzdem auf eine günstige Welle.

In Klitmøller liebäugelt die Surfszene mit der Verwandtschaft zu Hawaii und auf den Autos sind Aufkleber mit der Aufschrift “Æloha”. Haha.

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kleine Fischerboote liegen auch am Strand, aber sehr kommerziell sieht das nicht aus.

Wir fahren weiter am Kystvej entlang. ein angenehm asphaltierter Radweg neben der Strasse schlängelt sich durch die Dünen. Es ist hügelig, aber immer noch sanft genug, um mit dem Schwung von der Abfahrt das nächste Hügelchen erklimmen zu können.

Dann nähern wir uns Hanstholm, wo es schon wieder Bunker zu sehen gibt. Diesmal liegen sie nicht am Strand, sondern sind in die Hügelkette hinter der Küste eingebaut. Die sogenannte “Batterie Hanstholm” war dazu vorgesehen, das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen abzusperren. Verwendet wurde sie nie, angeblich wurde nur einmal fälschlich ein Schuß auf ein Fischerboot abgefeuert, der zum Glück nicht getroffen hat.  Ich finde für das keine Quelle im Netz, ich meine, ich habe das auf einem Informationsschild bei den Bunkern dort gelesen.

dänemark tour 2018

Die grusligen Bunker starren uns hohläugig aus der Hügelkette an.

Wir fahren am Fischereihafen von Hanstholm vorbei. Dass sich die Küstenfischerei hier noch lohnt, lässt sich daran bemessen, dass Hanstholm den grössten Fischereihafen Dänemarks hat, gemessen an der Fischmenge, die hier angelandet wird. Fischfabriken aus allen möglichen Ländern haben ihre Hallen in diesem Hafen aufgebaut.

Unsere Fahrradroute führt von hier in die Stadt hinauf, aber der Nordseeküstenradweg verläuft unten am Meer. Wir haben ja schon am Samstag genug eingekauft, und haben keine Lust den steilen Weg raufzuschieben. Später lese ich im Fahrradbuch, dass es in Hanstholm eine komplette Trennung von Autoverkehr vom unmotorisierten Verkehr gibt, und bedauere ein wenig, dass wir das nicht live gesehen haben.

Stattdessen fahren wir auf einem angenehmen Sandweg am Meer entlang.

dänemark tour 2018

Zwischen Land und Strand schlängelt sich der schmale Radweg, am Fahrrad hängt die Wäsche zum trocknen.

Nach Hanstholm ist es nicht mehr weit nach Vigsø, wo wir einen Zeltplatz am Meer auserkoren haben. Falls dieser besetzt ist, können wir noch in einen nahegelegenen Wald, der zum Zelten freigegeben ist.

Wir treffen einen älteren Schwaben, der von Stuttgart losgeradelt ist und zum Nordkap will. Komisch, wieso alle zum Nordkap wollen? So ambitioniert sind wir nicht, aber wir haben auch nicht so viel Zeit.

Die Wege nach Vigsø sind super schön und malerisch. Im Internet stand, dass es am Zeltplatz kein Wasser gibt, deswegen wollen wir bei der Kirche welches holen. Aber ach, sie liegt auf dem Berg! Wir strampeln also hoch um aufzutanken. Was wir nicht wussten: Es hätte eine Abkürzung gegeben, die unten am Strand lang führt und an einer Toilette mit Trinkwasser für die Badegäste vorbei geführt hätte. Nun ja.

Da, wo der Zeltplatz sein soll, ist wieder alles mit Wohnmobilen zugeschissen, und wir beschließen, in das Zeltwäldchen zu fahren. Dabei biegen wir einen Feldweg zu früh ein, und finden uns in einer Sackgasse wieder. Es ist ein von Bäumen umstandenes Wiesengrundstück, in der einen Ecke stehen zwei Picknickbänke. Als ich mit dem Telefon genau schaue, wo wir uns befinden, zeigt es an, dass wir mitten in einem Bauernhof stehen. Nur ist dieser inzwischen völlig verschwunden.

Erst denke ich, dass uns das Telefon falsch lokalisiert, aber bei genauerem Abschreiten des Grundstücks sieht man noch einzelne Reste: Da war die Güllegrube, und da steht noch der Baum, der sich einst an das Haus gelehnt hat, ganz alleine. Wir beschließen, dass wir einfach hier zelten, es sieht gemütlich aus, und wahrscheinlich stört es niemanden. Dass der Picknicktisch mit Bänken hier herumsteht, ist auch äusserst bequem und praktisch.

Es ist noch nicht so spät und ich will noch mal zum Strand runter fahren. Dabei bemerke ich mit geübten Augen, dass der vermeintliche Zeltplatz eher ein Parkplatz ist, und der Platz ist eigentlich ein Shelterplatz am Waldrand. Aber da sind schon Leute, die sich feine Matratzen mitgebracht und im Shelter ausgerollt haben. Das macht aber nichts, wir sind ja inzwischen auch gut angekommen.

Ich schaue zum Strand runter und dort kann ich einen Haufen Bunker bestaunen, die nach und nach vom Meer überschwemmt werden.

dänemark tour 2018

Ein Bunker versinkt im Meer.

dänemark tour 2018

Mit dem Fahrrad am Strand: Etwas unpraktisch, ich habe aber meinen Fahrradschlüssel vergessen.

Ich schiebe mein Fahrrad über den Strand und mache viele Fotos.

dänemark tour 2018

Noch mehr Bunker, die am Strand verwittern

Es wäre schön, wenn alles Kriegsgerät irgendwann so obsolet wäre wie diese Bunker.

dänemark tour 2018

die Sonne geht hinter der Baumreihe unter, und bald werden wir es uns im Zelt gemütlich machen. 

Ich fahre zurück zum Zeltplatz und wir lassen den Abend mit einem warmen Essen und Tee ausklingen.

7. Tag des Vestkyststien: Von Fjaltring nach Lodbjerg Fyr

Es ist der 19. Mai 2018. Wir wachen erst gegen halb acht auf, es ist wieder mal ein sonniger Morgen in Fjaltring an der Westküste Dänemarks. Leider hat mein Partner starke Kopfschmerzen. Wir beschließen, nicht auf dem Platz zu frühstücken, sondern direkt alles einzupacken und loszufahren. Der deutsche wilde Campingplatz ist auch erwacht und mir ist das alles zu intim. Leute führen ihre Hunde Gassi und spülen Geschirr am Strandklo und es wird alles sehr geschäftig.

Im Kaufmannsladen von Fjaltring kaufen wir Paracetamol und fahren dann gemütlich los. Zuerst verfahre ich mich und führe uns in die falsche Richtung, uns kommt eine Radwanderin entgegen, die, wie ich später feststelle, in die selbe Richtung fährt wie wir. Wir hätten ihr eigentlich hinterher fahren sollen. Aber diese kleinen Verfahrer kommen halt vor. Wir fahren am Dorf Trans vorbei, aber ich vergesse leider, das Ortsschild zu fotografieren.

Wir holen die Radwanderin ein, sie ist aus Amsterdam und will noch zum Nordkap fahren. Sie verwendet auch eine deutsche Bikeline Karte, weil die einfach am besten sind, sagt sie. Sie versteht zwar den Text nicht, aber die Karte ist gut. Wir unterhalten uns ein wenig beim Fahren und trennen uns beim Leuchturm Bovbjerg Fyr.

dänemark tour 2018

Bovbjerg Fyr, ein roter Leuchtturm, kommt am Horizont in Sicht. Davor sind grüne Weiden mit Löwenzahnblumen und einem flachen Teich.

dänemark tour 2018

Bovbjerg Fyr hat neben seinem roten Turm auch rot gestrichene Nebengebäude und kleine, mit roten Klinkern versehene Gebäude. In einem ist ein Cafe untergebracht.

Es ist ein schönes, rot gestrichenes altes Gemäuer mit Cafe im Nebengebäude. Ein Schild hängt am Zaun: Wenn das Cafe nicht geöffnet ist, können Leute gerne die Cafetische zum Rasten und Picknicken verwenden, steht darauf. Wir fühlen uns freundlich eingeladen (gerade hat das Cafe noch nicht geöffnet) und kochen Porridge, was wir im Garten des Leuchtturmcafes frühstücken.

Danach gehen wir zurück an die Steilküste und bewundern die Aussicht. Runterklettern an den Strand wollen wir aber nicht. Wie immer an diesen Steilküsten sind wir dazu zu faul, ich ziehe es dann doch vor, auf Stränden rumzuwandern, für die ich keine hunderte Stufen klettern muss.

dänemark tour 2018

die Steilküste bei Bovbjerg Fyr fällt tief zum Meer ab. Heute ist nicht soviel Wind, und der Himmel knallblau.

dänemark tour 2018

Die Felsen bestehen aus bröckeligem Gestein, aus Kies und Geröll, das während verschiedener Eiszeiten aufgetürmt wurde. daher ist es auch gefährlich, nahe am Rand herumzustehen.

dänemark tour 2018

Einige Leute sind zum Strand heruntergeklettert und sehen sich die Kieselsteine an.

Nach Bovbjerg kommen wir nach Ørum und Ferring, und folgen der Beschilderung auf einen sandigen Weg am westlichen Ufer des Sees entlang. Erst verspätet sehen wir, dass die Bikeline Route uns östlich um den See herum geführt hätte. Weil der Weg sehr, sehr sandig ist (manchmal müssen wir die Räder durch schieben) hatten die sich vermutlich eine asphaltierte Ausweichroute überlegt. Wir sind aber den Schildern nach auf der Originalroute.

dänemark tour 2018

Der Weg ist, abgesehen vom Sand, sehr schön und malerisch, es fahren dort keine Autos, er führt quasi auf der Krone der Dünen zwischen wilden Rosenbüschen durch, und wir können auf der einen Seite auf den See schauen und auf der anderen Seite auf das Meer.

Als wir auf einen kleinen Weg zum Nordseestrand treffen, machen wir eine Pause und ich tauche kurz in den kalten, erfrischenden Wellen unter. Es ist wirklich sehr, sehr kalt und frisch. Ich bin nicht mehr so eine Wasserratte wie früher, und das ist tatsächlich mein einziges Bad in der Nordsee auf der ganzen Reise.

Dann geht es weiter nach Vrist und Harboøre, wo wir im Aldi für heute, Sonntag und Montag einkaufen. Angeblich ist in der Touristengegend auch an Pfingsten alles offen, aber wir wollen sicher gehen. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen! Dann fahren wir auf die nächste Nehrung in Richtung Thyborøn.

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Inzwischen ist es Mittag geworden und wir machen nochmal eine Pause in den Dünen. Wir haben uns Energy drinks mit Limettengeschmack gekauft, die auch echt ganz lecker sind, und dazu gibt es belegte Brote. Es ist 13 Uhr und wieder sehr sonnig und zum Glück nur mäßig windig. Als wir weiter fahren, merke ich, dass von den zwei Socken, die ich zum Trocknen an den Radtaschen hängen habe, nur noch eine da ist. Die andere habe ich in den Dünen vergessen! Zum Glück muss ich nur 600m zurück fahren und die Socken werden wiedervereint.

Die Landschaft auf der Nehrung ist wunderschön, es sind fast alles naturnahe Feuchtgebiete, mit einer Vielzahl von Pflanzen und Vögeln. Der Radweg entfernt sich von der Straße und führt als schmaler Pfad mitten durch das Naturschutzgebiet. Wir sind jetzt auf dem Gebiet der Kommune Thisted und fahren zwischen dem Meer und dem Limfjord.

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Das Sneglehuset (Schneckenhaus) in Thyborøn. Die Wände außen sind mit tausenden Muscheln und Schneckenhäusern dekoriert, und innen soll es ähnlich aussehen.

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Auf einem kleinen Torbogen des “Sneglehuset” sind nicht nur Muscheln angeklebt, sondern auch runde Deko Kugeln aus grünem Glas.

Wir kommen nach Thyborøn und fahren durch den Ort. Wir folgen den Schildern zum “Sneglehuset”, einer Sehenswürdigkeit, wo ein malerisches Haus mit Türmchen mit tausdenden von Muscheln und Schnecken bestückt worden ist. Außer uns sind noch andere Touris dort, und wir müssen etwas warten, bis wir Fotos knipsen können, auf denen keine anderen Touris drauf sind. Dann fahren wir auf einem Fußweg am Strand entlang und gehen kurz ein paar Blicke auf die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg erhaschen. Wir wollen uns nicht so lange damit aufhalten.

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Mein Tourbegleiter klettert auf einem Bunker herum. Ich glaube, er bindet sich den einen Schuh.

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Bunker am Strand von Thyborøn. Sie verwittern langsam und versinken im Sand.

Weil damals Nazideutschland sehr viele Bunker die ganze nördliche dänische Küste entlang gebaut hat, ist es auch nicht schlimm, dass wir nicht so lange damit zugebracht haben, denn es wird noch genügend Gelegenheiten geben. Wir drehen danach eine Runde durch die Ortsmitte, und fahren dann zur Fähre, die uns zur Landzunge von Agger rüberfahren soll, durch eine eher langweilige Neubausiedlung. Dann überqueren wir die große Straße, und bingo – Glück gehabt! Die stündlich fahrende Fähre kommt genau passend und wir können fast ohne zum Stillstand zu kommen an Bord rollen.

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eine kleine Auffahrt führt zu Fähre. Sie kommt gerade herein und sieht sehr klein aus, aber alle wartenden Autos, ein LKW und wir passen drauf.

Die Überfahrt ist kurz, und auf der anderen Seite gibt es ein kleines Naturcenter mit einer Ausstellung über die Tiere und Pflanzen auf der Agger Landzunge. Hier kann man Seehunde sehen, aber leider kann ich keine erspähen. Das ziemlich neue Mini-Naturcenter ist schön eingerichtet, es gibt Toiletten, einen Tisch und Bänke, Wifi und Windschutz. Aber niemand muss darauf aufpassen, anscheinend gibt es in Dänemark kein Vandalismusproblem.

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Unser Kaffeetisch am Naturcenter: Das Solarpanel versorgt die Telefone, bald gibt’s heißes Wasser aus dem Kocher und die Tassen und die Plundertorte stehen schon bereit.

Wir kochen uns einen Instant-Matcha-Latte und essen eine dänische Plundertorte (sie nennt sich “Dagmartorte”), die ich für 25 Kronen beim Aldi in Harboøre mitgenommen hatte. Sie ist super lecker. Eine Gruppe älterer dänischer Sportradler__innen kommt vorbei und wartet auf die Fähre. Sie bewundern unser Solarpanel, mit dem wir gerade die Telefone nachladen. Normalerweise laden wir die Telefone nicht direkt am Panel, sondern laden eine Powerbank, aber die ist dank viel Sonne schon wieder voll geladen und während der Pause kann man dann gut noch ein wenig die Endgeräte dran hängen.

Ich kleistere mich voll mit physikalischem Sonnenschutz, was dazu führt, dass ich auf alles abfärbe. Alles wird vollgekalkt, meine Hose, meine Taschen… suboptimal.

Die Fahrt über die Agger Landzunge ist etwas langweilig, der Radweg führt schnurgerade an einer schnurgeraden Straße entlang, und wir können gar nicht auf die Landschaft achten, weil es auf dem Radweg ganz viele kleine Aufbrüche gibt. Irgendwelche Sträucher brechen da durch, und die Aufwölbungen sind ganz schön hoch und kreisrund. Es ist, anders als bei Wurzelaufbrüchen, einfach, dazwischen durch zu fahren, aber man muss halt gucken.

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Ein schnurgerader Radweg auf der Agger Landzunge.

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Hinter der Landzunge liegen Dörfer und gelbe Rapsfelder leuchten in der Sonne.

Dann geht es weiter durch das Dorf Agger, am See vorbei, und dann sind es nur noch 3km zum Leuchtturm, wo wir übernachten wollen. Wir holpern über eine der dänischen Schotterstraßen durch eine Heidelandschaft und fluchen darüber. Dann führt ein schöner Sandweg in den Wald hinein zum Leuchtturm, und wir checken den Platz dort. Er ist sehr leicht zu finden. Es ist ein wunderschöner Platz, mit mehreren Feuerstellen, Zeltmöglichkeit und einem Shelter. Der ist schon besetzt, auch sonst sind einige Leute da. Es ist ja Wochenende. Zwei Jungs aus Süddänemark haben ein Tipi aufgestellt und schnitzen, ein Pärchen mit dem Motorrad hat den Shelter in Beschlag genommen, und zwei ältere Herren mit einem winzigen Tunnelzelt machen eine Wanderung.

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Der Naturzeltplatz mit dem Leuchtturm.

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ein sonniger, milder Abend im Wald von Lodbjerg.

Wir sind relativ früh da, ich möchte noch nicht das Zelt aufbauen, damit es nicht in der Sonne steht. Wir relaxen ein wenig auf dem Platz, kochen uns ein leckeres Abendessen und bauen das Zelt erst auf, als unser Plätzchen im Schatten liegt.

Als ich mir den physikalischen Sonnenschutz abwaschen will (Am Leuchtturm gibt es ein kleines Bad, das man kostenlos benutzen darf) gestaltet sich das schwierig und mein Handtuch ist voller weißer Titandioxid Partikel. Macht nichts, dann wasche ich das Handtuch eben schnell durch.

Am späten Abend kommt noch eine einzelne Radlerin und spricht uns in einer Sprache an, die wir nicht verstehen. Es stellt sich heraus, dass sie Deutsche ist und dänisch mit einem so harten deutschen Akzent spricht, dass mein dänischsprachiger Reisegefährte es schlicht nicht als Dänisch erkannt hat. Sie ist ein sehr quirliger Typ und erzählt uns ihre Route, sie ist von Trelleborg nach Göteborg geradelt und dann mit der Fähre nach Frederiksborg gefahren, und folgte der Nordseeküste bis hierher. Dann kommentiert sie, dass wir ja ein riesiges Zelt dabei hätten. Auf die Art, in der Outdoorfreaks zu erkennen geben, dass sie finden, man hätte unnötig viel Gepäck dabei. Da hatte sie bei mir dann verloren. Ich mag das große Zelt, und ich mag die Bequemlichkeit, die es auf Reisen zu zweit bietet. Sie baut ein “Vaude Power Lizard” auf. Ja, ja. Poserin.

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Der Shelter, das Tipi, die Dackelgarage und unser Zelt stehen schon.

Wir legen uns schon um 22 Uhr hin, es ist noch hell. Aber wir schlafen sofort ein. Nachts muss ich einmal raus und sehe das beeindruckende goldene Licht des Leuchtturms über uns strahlen.

6 Tag Vestkyststien: Von Hvide Sande nach Fjaltring

Es ist Freitag, der 18. Mai 2018

Wir wachen um halb sieben auf und bleiben noch ein wenig im Schlafsack liegen, dann machen wir Kaffee im Shelter. Später schenkt uns der nette Wanderer von gestern seinen restlichen Sprit zum Kochen. Er hat eine Gaskartusche für seinen Trangia Kocher, und hat den Sprit “zur Sicherheit” mitgenommen, und dann gemerkt, dass er den nutzlos herumschleppt.

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Morgensonne vor unserem Shelter in Hvide Sande: Ich habe rausfotografiert, als wir noch im Schlafsack liegen und auf den Fjord schauen.

Zum Frühstück gibt’s wieder das übliche Porridge. Wir packen alles ein und fahren los. Der Wanderer wünscht uns zum Abschied eine gute Tour und einen guten Sommer! Das gefällt mir sehr gut, weil ich verstehe, was er meint. Sommer ist einfach die Jahreszeit, in der ich versuche, so viel wie möglich raus in die Natur zu kommen.

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Das Hafen-Sanitärhäuschen in Hvide Sande. Warm duschen für 10 Kronen und Unisex Toiletten.

Wir kaufen beim Spar in Hvide Sande ein paar Dinge ein. Eigentlich brauchen wir heute wenig, aber wir brauchen Kleingeld: wir fahren zur Hafendusche. Super angenehm, eine warme Dusche zu nutzen. Und wieder stelle ich fest, dass die Abschließriegel (das sind die Dinger zum drehen) nicht funktionieren. Später kommt eine Frau und geht auf die Toiletten nebenan, und bei ihr funktioniert’s. Schon wieder. Irgendwas habe ich bei den dänischen Verriegelmechanismen nicht verstanden.

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Luftpumpe und “Pflegestation” fürs Fahrrad, dahinter führt die Treppe auf den Bunkerberg hoch, der mit Hagebutten bewachsen ist.

Wir klettern als nächstes auf die Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die am Hafen herumstehen. In einen kann man sogar rein gehen. Am Fuß des Hügels ist wieder eine Luftpumpe und sogar eine Säule, an der Fahrradwerkzeug hängt. Das ist wirklich ein Traumland fürs Radfahren.

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Einer von zwei Bunkern auf dem “Trollberg” von Hvide Sande, er sieht aus wie ein U-Boot und hat eine rostige Eisenhaube oben drauf.

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Die Aussicht vom Trollberg: Am Hafen stehen Menschen aufgereiht und angeln, es ist blauer Himmel und es geht wenig Wind.

Wir haben heute wieder Gegenwind, aber er ist unter 15km/h, das geht ja noch. Wir kommen an einem schönen Leuchtturm in den Dünen vorbei und erreichen bald Søndervig. An einem gemütlichen Platz gibt es free Wifi und noch so eine Luft- und Werkzeugstation fürs Fahrrad.

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In der Dünenlandschaft auf der Nehrung steht ein weiß gestrichener Leuchtturm.

Auf dem Rausweg hole ich noch Zimtschnecken für die Pause vom Supermarkt, die haben wir in Hvide Sande vergessen, und kaufe mir eine scharfe Chilisauce, auf der “250 000 Scoville” steht. Dann verlassen wir die Stadt. Auf dem Rausweg fahren wir an einem Golfplatz vorbei, und ich nutze deren Druckluftanlage, um meinen Antrieb von all dem Sand und Staub freizupusten. Ein Platzwart kommt vorbei, aber er findet das okay. Mein Fahrrad auch!

Wir fahren am Stadil Fjord entlang, während sich der Himmel zuzieht. Für heute ist Regen angesagt gewesen, aber es bleibt trocken. Hier am Fjord gibt es ein riesiges Feuchtgebiet, in dem viele Vögel brüten. Der Weg verläuft auf Schotter auf einem ehemaligen Bahndamm.

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Die Fahrräder stehen bei einem Picknicktisch an einer Hecke und der Himmel ist mit dunklen Wolken bedeckt. Die Sonne scheint trotzdem.

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Der Himmel ist wieder heller geworden, und wir blicken über die weitläufigen Feuchtwiesen des Vest Stadil Fjord.

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Ein schnurgerader Schotterweg führt auf einem alten Bahndamm durch das Feuchtgebiet.

Wir erreichen am Mittag Vedersø Klit und machen ein Mittagspicknick. Dann geht es weiter durch die Husby Klitplantage, alles auf Schotter. Und nicht so guter Schotter, sondern der, auf dem es sich anstrengend fährt. Davon gibt es auf dem Vestkyststien viel. Als wir den Wald verlassen und auf dem nächsten schmalen Landstreifen radeln, kommt ein Aufschrei von hinten: Der Partner vermißt seine Fleecejacke! Wir hadern und hadern, und dann kann er sich erinnern, dass er sie am Anfang der Klitplantage, also 8km von hier, noch in der Hand hatte. Wahrscheinlich hatte er sie aufs Gepäck gelegt, anstatt sie mit dem Spanngurt festzumachen, und dann ist sie durch das Geruckel einfach runtergefallen.

Wir fahren zurück, denn ohne die Fleecejacke ist es abends auch zu kalt. Nutzlose Zusatzklamotten haben wir nicht eingepackt. Kurz vor dem Wald ist ein Pausenplatz am Meer, und ich schlage vor, dass wir hier stehen bleiben, und ich mein Fahrrad ablade und ohne Gepäck alleine den Weg absuchen fahre. Er hätte das auch gemacht, aber traut sich nicht zu, den Weg im Wald genau wiederzufinden, wie wir ihn gefahren sind.

Ich heize ohne Gepäck ganz schön über den Weg. Leider muss ich fast alles zurück fahren, aber da liegt wirklich mitten auf dem Weg die Fleecejacke, sie ist wirklich runtergefallen, wie er es schon vermutet hatte. Als ich zurück bin, ist die Freude groß und wir können unseren Weg fortsetzen. Vorher gehe ich noch aufs Klo an dem Rastplatz und finde heraus, wie man die verriegelt! Beim zudrehen des Verschlusses muss nämlich die Türklinke gleichzeitig nach oben gedrückt gehalten werden. Ironischerweise ist diese Toilette die letzte auf der Tour, die genau diesen Mechanismus hat, und ich werde mein neu erworbenes Wissen gar nicht mehr anwenden können.

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Der Rastplatz nach der Klitplantage, die Straße führt auf die Nehrung nach Thorsminde.

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In Thorsminde gibt es eine rot gestrichene “Fahrradpausenhütte”,  in der man auch grillen kann, aber gerade ist da nicht viel los, nur ein paar Leute angeln am Hafen.

Wir radeln nach Thorsminde, wo wir einen sehr beliebten Imbiß besuchen, jedenfalls ist alles voll und alles voller Einheimischer. Wir essen Hot Dogs und fahren dann über die Nehrung weiter. Es zieht sich etwas, wir sind auch schon etwas müde vom fahren, wir haben heute schon über 70km geschafft.

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Hinter Thorsminde klettern wir auf die Dünen und machen noch eine Pause mit Blick aufs Meer. Die Wolken haben sich verzogen.

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Hier auf der Nehrung sind die Dünen mit einem rauhen Gras bewachsen, ein Bewuchs, durch den der Sand schimmert.

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Der abendliche Strand, ein paar Leute haben ein Surfbrett dabei, sonst ist kein Mensch da.

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Das letzte Stück auf der Nehrung ist grün und auf der Fjordseite flach.

In Fjaltring finden wir den Shelterplatz erst nicht, er ist in der Nähe der Kirche eingezeichnet, doch dort ist absolut nichts. In Richtung des Strandes sehen wir Wohnmobile stehen, vielleicht ein Campingplatz. Wir grübeln und grübeln und gucken aufs Mobiltelefon und unser GPS Punkt sagt, wir sind genau da. Aber da ist nichts.

Bei den Wohnmobilen sehen wir etwas hüttenartiges, und fahren da hin, um zu schauen, ob dort der Shelterplatz ist. Tatsächlich ist er es – aber auch um die 35 Wohnmobile und Transporter. Der ganze Strandparkplatz ist angefüllt mit Wohnmobilen. Wir schieben unsere Räder auf den Shelterplatz, der von den Wohnmobil-Leuten in Beschlag genommen ist: Er wird als Grillhütte genutzt, aber auch, um mal woanders zu schlafen als im rollenden Klohäuschen.

Zwei haben sich ein Luftbett von 2x2m Grösse aufgebaut. Es sieht etwas lustig aus, denn der Shelter ist im Innenraum nur wenig höher als ein Meter, und das Luftbett ist einen halben Meter hoch, so dass kaum noch Platz ist, sich als Person drauf zu legen. Es wird deutsch gesprochen und die Wohnmobil-Leute finden gar nichts dabei, sich wie Platzhirsche aufzuführen. Sie sind durchaus nette Platzhirsche, aber eben Platzhirsche. Der Platz ist ihr “Geheimtip” und sie kommen immer hierher, und der Shelterplatz ist quasi schon ihre Grillhütte, und jovial wollen sie uns in ihre Geheimtip-Camping-Community aufnehmen.

Wir sind vergrätzt, weil so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wenn wir zu einem Platz kommen, wo schon Leute sind, haben wir es bisher immer erlebt, dass alle sich begrüßen und dann schauen, ob alle einen Platz finden, was doch immer geklappt hat. Aber ich habe es oft erlebt, dass Motorisierte auf uns als Radwanderer viel Rücksicht genommen haben, denn wir können nicht mal eben so 30km weiter zu einem anderen Shelterplatz fahren, sie schon.

Auf den Plätzen gilt, “wer zuerst kommt, mahlt zuerst”, und die grillenden Camperinnen erklärten uns, dass bis spät in die Nacht noch Leute ankommen werden und falls jemand in unserem Shelter schlafen möchte, müssten wir dann eben etwas rüberrrücken. Ich hab ihr gesagt, dass ich das gern mache, wenn Leute mit dem Rad oder zu Fuß noch kommen, aber nicht, wenn Leute nur mal Lust haben, mal aus Spaß woanders als in ihrem Wohnmobil zu schlafen. Ich bin 86km geradelt und erschöpft.

Zack, Stimmung im Keller, sie nahmen ihre Sachen und zogen davon, hin und wieder kam jemand, das Grillgut umzudrehen. Ich fühlte mich ein klein wenig mies. Das war eine klare Abstimmung mit den Füßen. Aber ich fand es auch nicht okay, wie wenig Rücksicht sie auf uns nehmen wollten, und es grade mal gönnerhaft geduldet wurde, wenn wir ihren DIY Wohnmobilgrillplatz halt auch noch nutzen. Leider gab es in der Nähe keine anderen Plätze, auf die wir schnell mal hätten ausweichen können.

Wir bekommen Bedenken, ob wir womöglich spätabends noch mit Wohnmobilleuten über Schlafplätze diskutieren müssen. Daher beschließen wir, unser Zelt neben den Sheltern aufzustellen und den Shelter nun doch links liegen zu lassen.

Ich mag es ehrlich gesagt auch nicht, wenn sich Leute mit ihren Wohnmobilen öffentliche Strände und Shelterplätze aneignen, sich “geheimtipmässig” breit machen und die Landschaft mit ihren Karren verschandeln. Das liegt aber auch daran, dass ich aus Deutschland komme, wo Camping mit Wohnmobilnutzung gleichgesetzt wird und fast sämtliche Camping-Infrastruktur auf Wohnmobile ausgerichtet ist, wo wir fürs Zelten fast gleichviel bezahlen wie für einen Stellplatz für so ein Riesenmobil und wo ich kaum etwas finde, wo ich mal ohne Autos mit Fernsehern und Satellitenschüsseln um mich rum draußen schlafen kann.

Aber es wird auch in Deutschland besser, es gibt immer mehr Wanderzeltplätze, manche sind sogar nur fürs Zelten, und nicht für Wohnmobile freigegeben.  Zum Glück!

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Meine Outdoor-Küche mit dem Trangia-Kocher, vielen Zutaten und Behältern.

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Das Fahrrad lehnt am Shelter in der Abendsonne.

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Sonnenuntergang an der Mole am Strand von Fjaltring, am Himmel steht eine dünne Mondsichel.

 

Wir machen Pasta mit Gemüse zum Abendessen. Ich kippe mir einen guten Schuß der Chilisauce über mein Essen, und äh ups.. oweh.. .die Fresse brennt ganz schön. Aber ich kann es noch essen. Ab jetzt nenne ich das Zeug nur noch “Scoville Sauce” und dosiere es tropfenweise. Die Flasche hat gar keinen Tropfverschluß, Humbug!

Als es dämmert, spazieren wir zum Strand und schauen uns die Mondsichel an. Auf dem Meer versuchen ein paar Leute, zu surfen, und vor einigen Wohnmobilen wird gegrillt oder gekocht. Eigentlich sind da viele alternative Leute, und vielleicht die Hälfte so “konservative Campingmobile”. Ein wenig schade, dass gerade die alternativen Leute  wenig Bewußtsein für andere Arten zu reisen haben. Wie vorhergesagt, kommen bis spät in die Nacht noch Wohnmobile an. Sie wollen wohl diskret sein, aber die Ansammlung ist weithin sichtbar und alles andere als diskret. Am Strand von Fjaltring darf man nachts eigentlich nicht parken, aber die Gemeinde Lemvig ist da wohl sehr tolerant, und die Wagenburg wächst an, zwischen 40 und 50 Autos sind es schon geworden.

Heute sind wir relativ spät im Bett, es ist schon richtig dunkel, als wir ins Zelt kriechen. Wir hören uns, als wir im Schlafsack liegen, noch einen Podcast an, von dem ich nach 5 Minuten nichts mehr mitkriege, weil ich dabei so wunderbar einschlafe.

Vestkyststien Tag 5: Kærgård – Hvide Sande

Es ist Donnerstag, der 17. Mai.  Wir haben unglaublich lange 10 Stunden geschlafen, so lange schlafe ich zuhause nie.

Morgens treffe ich zwei Dänen an der Grillhütte nebenan, die spazieren gehen und draußen frühstücken. Wir reden über die Landschaft und das Wetter, und sie geben mir Tips, welche Plätze schön sind, und machen mich auf das herannahende Pfingsten aufmerksam, wo wahrscheinlich viele Leute draussen an den Naturlagerplätzen sein werden. Wir überlegen, ob wir zu diesem Zweck nicht in einen der zum Zelten freigegebenen Wälder ausweichen sollen.

Zum Frühstück gibt es wieder Porridge mit weißer Schokolade, Mango und Bananen (wir haben noch getrocknete Mangostreifen dabei gehabt). Um 10 Uhr kommen wir los, der Himmel ist wieder knallblau, und das erste, was uns begegnet, ist ein knorriger Dünenwald, durch den sich ein hübscher Sandweg windet.

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Ein Sandweg führt durch den sonnigen Dünenwald, vor mir fährt B.

 

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Der Damm, der über den See führt. 

 

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Auf der höchsten Düne Dänemarks. Eigentlich nur zwei Räder im Wald.

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Am Aussichtspunkt sehen wir nur grüne Wipfel und weit weit hinten das Meer. 

Dann kommen wir an den Filsø, einen künstlichen See, und fahren über den Damm und um den See herum. Dazu plagen wir uns über eine Schotterstraße, und danach kommen wir zur höchsten Düne Dänemarks, die inzwischen bewaldet ist. Wir strampeln die Waldwege hoch, klettern auf die Aussichtsplattform, von der wir leider nichts wirklich sehen, und fahren dann wieder runter. Eigentlich unterscheidet sich die Düne in nichts von einem bewaldeten Hügel. Tjanun.

Schöne Sandwege führen weiter durch den Wald und durch Heidelandschaften. Dann geht es wieder in offenes Dünenland und der Wind wird immer stärker. Wir haben Nymindegab hinter uns gelassen und plagen uns mit 7 km/h vorwärts. Hier sind unglaublich viele deutsche Touristen, die alle Leute auf der Straße einfach auf deutsch ansprechen.

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Die Dünenlandschaft hinter Nymindegab: Die Dünen zum Meer hin sind haushoch, und überall wachsen Büsche und Heidekraut. 

Wir kommen wieder ans Meer, und die Dünen dort sind haushoch. Wir parken die Räder an einem kleinen See und setzen uns in den Windschatten von Hagebuttenbüschen, und ich klettere auf die Dünen und sehe das windgepeitschte Meer und einen menschenleeren, weißen Sandstrand. Der Wind pfeift in meinen Ohren und ich ziehe mir den Loopschal bis über die Nase.

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Auf den Dünen, wo der Wind pfeift, sehe ich aufs Meer. 

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Der Strand ist windgepeitscht und komplett leer.

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Noch ein Bild von der Düne aufs Meer. 

Dann fahren wir weiter, inzwischen windet sich ein Sandweg auf und ab durch die Dünen. Ich bekomme Sand ins Gesicht geblasen und es geht sehr, sehr langsam voran. Meine Kette und alle Ritzel sind schnell mit einer weißgrauen Staubschicht bedeckt.

Bald entscheiden wir uns, ein Stück auf der Landstraße zu fahren, weil es mit dem auf und ab UND dem Gegenwind doch sehr anstrengend ist. Wir finden noch eine Einkaufsmöglichkeit in Bjerregårds Købmandshandel. Hier sind fast nur deutsche Touris und alle sprechen deutsch. Ich bemühe mich trotzdem mit ein paar Brocken dänisch im Laden und der Kassierer freut sich darüber. Und dann geht es weiter die schmale Landzunge nach Hvide Sande hoch. Wir wechseln wieder zum Dünenweg, denn die Landstrasse nervt auch, und brauchen noch eine Pause im Windschatten einer Düne.

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Zwischen den Dünen führen manchmal auch nervige Schotterstrassen, statt den gut befahrbaren Sandwegen. 

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In den Dünen, reetgedeckte Häuser. 

Ich habe mit meiner Wind- und Regenjacke zu viel zu schwitzen, und ohne sie ist es ziemlich stürmisch und kalt, irgendwie finde ich keine richtige Lösung. Der Wind kommt mit über 35km/h uns direkt entgegen, sagt die Wetter-App. Aber die Landschaft ist schon atemberaubend schön. Wir teilen uns einen Energy Drink, den wir schon im Netto von Ribe aufgesammelt hatten.

Dann besuchen wir Vesterled, ein Schullandheim, in dem mein Partner in seiner Schulzeit mal eine Woche verbracht hatte, und ich lasse mir alte Geschichten erzählen. Zum Glück läßt der Wind nun ganz leicht nach und wir müssen uns nicht mehr ganz so plagen. Ich habe vom starken in die Pedale treten tatsächlich eine Blase am Zeh bekommen!

In Hvide Sande gibt es eine Hafentoilette, wo man für 10 Kronen warm duschen kann! Klasse! Das heben wir uns aber für morgen auf und finden unseren Shelterplatz. Ein Wanderer ist schon dort, ein richtiger Bushcrafter. Wir unterhalten uns ein wenig und finden, dass wir sehr ähnliche Ansichten über Outdoor und in der Natur sein haben..

Heute abend kochen wir nicht, sondern essen nur belegte Brote. Ich stricke an meinen Reisesocken und mache einen Hafenspaziergang. Weil es hier gar keine Mücken gibt bei dem Wind, schlafen wir mal in einem der Shelter, sie sind wirklich ur gemütlich.

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Kuschlig ist es abends im Shelter, wir wollen noch nicht schlafen, aber in den Schlafsäcken ist es so schön warm. 

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Der Hafen von Hvide Sande im Abendlicht.. einige Hausboote der Luxusklasse ankern hier. 

Vestkyststien Tag 4: Esbjerg -> Kærgård

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Die grasbewachsenen Shelter am Morgen an “Knudsens Plads” in Esbjerg, wir packen alles ein. 

Es ist Mittwoch, der 16. Mai 2018.  Wir schlafen wieder relativ lang und fahren ohne anzuhalten durch Esbjerg und freuen uns über die dänischen Motorisierten, die super rücksichtsvoll fahren. Wie warten lieber, als sich noch vorbei zu quetschen. Und es gibt Luftpumpen einfach so am Strassenrand!

Kurz nach Esbjerg halten wir bei den Skulpturen “Mensch am Meer” an, und gehen ans Watt und sehen Wattwurm-Spuren. Es ist gerade Ebbe. Das ist auch das einzige Mal auf dieser Tour, dass wir wirklich dem Watt so nahe kommen. Davor führte der Weg zwar am Meer entlang, aber um wirklich dran zu kommen ans Meer hätten wir über weitläufige Wiesen gehen und über Deiche klettern müssen, und zumindest mir geht es an Küstenradwegen so, dass ich denke: “Ach, das kann ich ja immer noch nachher/morgen machen.” Und dann ist nachher und man hat es noch immer nicht gemacht.

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Watt und weiter hinten ist ein Schiff zu sehen, das aussieht, als fährt es durch den Schlick.

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Die Skulpturen “Mensch am Meer” bei Esjberg sind vier weiße, sitzende, steinerne Gestalten, die in der Sonne leuchten. 

Wir haben es nun gemacht und das war auch gut so, denn wir fahren heute die Küste weiter hoch und verlassen das Wattenmeer, und kommen zu dem Teil der Westküste, der aus Sandstränden und Dünenlandschaften besteht. Oder alternativ: Die deutsche Touri-Hölle.

Leider haben wir heute konstant Gegenwind. Der Morgen war eigentlich etwas wolkig und wir freuten uns über die leicht kühlere Luft, aber gegen Mittag ist alles wieder sonnig und heiß. Nachdem wir eine Weile den Strandvej entlang gefahren sind, halten wir in Hjerting an und machen Pause an einer Strandhütte mit einer Statue für die Fischer.

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Eine schwarz gestrichene Hütte, Boote, und Picknicktische am Meer, wo wir unser Essen ausgepackt haben.

Danach geht es vom Meer weg und mit viel Gegenwind durch Dörfer. Wir sehen süße Esel und kurven um die Bucht von Ho herum. Da gibt es einen Parkplatz mit Aussicht, und wir setzen uns in den Windschatten einer Hecke, um ein wenig zu pausieren, dann geht es weiter. Ich merke nach wenigen Metern, dass ich eine Trinkflasche an der Stelle vergessen habe, und muss nur ein kleines Stück zurückfahren, zum Glück.

 

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Ein hellgrauer und ein brauner Esel stehen dösend in der Sonne.

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Fahrräder an einem kleinen See, der Wind schlägt Wellen auf dem Wasser. 

Kurz vor Oksbøl kommen wir an die Fischteiche, wo es auch einen Lagerplatz gibt, den hätten wir eigentlich gestern erreicht, wenn wir nicht umgeplant hätten. Jetzt sehen wir, dass er geschlossen worden ist, weil es kein Trinkwasser am Platz gibt. Komisch, es gibt doch mehrere Plätze, wo es kein Trinkwasser gibt, und das hat im Internet ja auch so gestanden, dass dort kein Wasser am Platz vorhanden ist. Naja, schade. Die Teiche liegen in einer hügeligen Landschaft, die mir sehr gefällt.

Danach geht es nach Oksbøl rein, wo wir beim Brugsen etwas einkaufen. Dann geht’s mit immer stärkerem Gegenwind nach Vejer, ein Stranddorf, das fast nur aus Ferienhäusern und Campingplätzen besteht. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch ein großes Militärgelände, das man nicht betreten darf, und das auch recht gruselig aussieht. Es gibt zum Beispiel Häuser, die nur als Attrappen gebaut sind, um damit Krieg zu spielen. Ich sehe die Kriegsattrappen an und bin wieder mal dankbar, dass ich keinen Krieg in meiner Gegend erleben musste.

In Vejer verfehlen wir den Abzweig der Vestkystroute und landen am Strand unten. Mein Tourpartner ist erschöpft und ächzt, dass wir uns das von der Backe putzen können, Skagen in der gegebenen Zeit zu erreichen. Aber da das nächste Stück durch den Wald führt, sind wir vor dem Gegenwind etwas geschützter, und bei der nächsten Pause mit Kaffee und Kanelsnegle regenerieren sich auch die Kräfte wieder.

Wir kommen jetzt wirklich zum ersten Mal in Dünenlandschaften, und ich klettere auf Dünen rauf und bewundere sie. Die Dünen sind bewachsen, daher sieht es nicht wie eine Wüste aus, sondern eher wie eine bizarre Mondlandschaft aus Heidekraut und Strandhafer, aber spektakulär finde ich das alles schon.

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bizarre Dünenlandschaft, darin verstecken sich Ferienhäuser 

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Noch mehr kleine Seen in den Dünen 

 

Wir finden dank google maps ganz zügig unseren für heute ausgesuchten Lagerplatz. Es ist ein einfacher Zeltplatz im Wald bei Kærgård, in dessen Nähe es wieder eine große, runde Grillhütte gibt. Außer uns ist niemand da, und trotz der Lage im Wald ist es etwas windig und kühlt zum Abend hin auch ziemlich ab. Ich hole meine Strickjacke raus und mache es mir kuschlig warm damit.

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Am Zeltplatz angekommen, finden wir Tisch und Bänke, an die wir die Fahrräder lehnen können. 

Durch die Planänderung müssen wir morgen nur 47km fahren.  Eigentlich wollten wir bei den Fischteichen oder der Landzunge in Skillinge übernachten, und jetzt sind wir schon ein Stück Richtung Hvide Sande vorangekommen. Wir trinken am Lagerplatz Instant-Matcha-Latte und später koche ich Nudeln mit Sauce Sojabolognese.

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Unser Zeltplatz heute abend liegt geschützt in einer Waldlichtung.