Neujahrs-Challenge: Go Zero Waste in 31 days + No-Buy Year

Vor ein paar Tagen hat jemand auf Mastodon mir diesen Link reingereicht:

Go Zero Waste in 31 Days bei “Zero Waste Chef” im Blog.

Dabei handelt es sich um eine Mitmach-Challenge, die im Januar läuft. Ich mache einiges davon schon, aber ich dachte, das ist voll nett, so ein Mitmachkalender, mal sehen ob ich es hinkriege.

Heute ist Tag 1. Und das Motto ist:

“Stash your Trash”.

Dabei geht es darum, dass man einen Monat lang den Plastikmüll aufbewahren soll, um am Ende zu sehen, was man an Plastik weggeworfen hat. Ich habe sowieso einen “gelben Sack” in welchen das ganze Plastik rein kommt, aber das letzte Mal hat es 6 Wochen gedauert, bis der voll war (früher: 1 Woche oder so!) und dann hat manches nicht mehr so doll gerochen. Weil wir die Katzenfutterdosen auch nicht vorher ausspülen, zum Beispiel.. Deshalb möchte ich nicht am Ende des Monats meinen gelben Sack auseinanderpflücken.

Es ist aber auch möglich, die Dinge mitzuschreiben, die ich wegwerfe, oder zu fotografieren. Das werde ich versuchen, zu machen. Und dafür habe ich mir eine Seite in meinem Bulletjournal angelegt:

Ein Bulletjournal-Spread. Auf der einen Seite ist eine Tabelle, was für Müll ich produziere, auf der anderen eine, wo die Ausgaben für Einkäufe aufgelistet werden sollen.

No-Buy-Year 2019

Das andere, was ich wieder machen möchte, ist ein “No Buy Year”, da geht es darum, sich abzugewöhnen, aus Kauflust Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht. Ich habe letztes Jahr erfolgreich ein “No Buy” zu Garn gemacht und das will ich dieses Jahr fortsetzen. Bei Garn hab ich aber eh kein Kauflustproblem mehr, denn ich habe mir die letzten Jahre das Garnshoppen schon abgewöhnt gehabt, ich hab nie was gekauft/bestellt, bis auf 1-2 Garne auf Wollfesten. Weil es immer schade ist, all die schönen Garne zu sehen und nichts als Souvenir mitzunehmen, dachte ich. letztes Jahr war ich dann ganz hart und habe gesagt, es darf wirklich GAR NIX gekauft werden.

Alle machen ihre eigenen Regeln, was das No-Buy-Year angeht, und es geht darum, die dann auch einzuhalten.

Ich bin jetzt erst mal dabei, diese Regeln überhaupt zu finden und zu bestimmen, in welchen Bereichen ich bisher Impulskauf-Probleme hatte und wo ich daher eigentlich genug da habe, und nichts mehr neues kaufen möchte. Garn, klar. Da will ich wieder ganz hart sein und wirklich gar nichts kaufen. Bei Outdoor-Ausrüstung will ich auch nichts kaufen, denn ich habe eigentlich alles, was nötig ist, die letzten Touren haben auch gezeigt, dass die Ausrüstung, so wie sie ist, sehr gut zu mir passt. Eine Ausnahme sind Dinge, die kaputtgehen oder verloren gehen, z.B. das geklaute Solarpanel, das ich ersetzt habe, fällt nicht unter die Regel. Als drittes will ich keine Schreib- und Kunst-Materialien kaufen und nur das verwenden, was schon da ist.

Das ist meine elektrische Zahnbürste. Die hintere Griffbeschichtung ist völlig ramponiert bis abgegriffen, aber sie funktioniert.
Das sind zwei Bürstenaufsätze für die elektrische Zahnbürste, die ich mir gestern gekauft habe.

(Vorsicht, im nächsten Absatz kommt unangenehmer Zahnkram vor)

Hier habe ich schon mal zwei Fotos von meiner Zahnbürste und Bürstenköpfen, die ich gekauft habe. Gestern. Ich weiß, die Plastikvermeidungs-Szene ist begeistert von kompostierbaren Bambus-Zahnbürsten. Ich habe aber Zahnprobleme gehabt und bin sehr froh, dass ich halbwegs eine Mundhygiene erstellt habe, mit der ich nicht noch mehr Zähne an Karies und Entzündungen verliere. Und diese Routine werde ich nicht ändern, ausserdem will ich kein funktionierendes Elektrogerät wegwerfen. Zahnbürstenköpfe und die Plastikverpackungen, in denen sie verkauft werden, sind daher Müll, der auch weiter anfallen wird.

Eigentlich gehört zu meiner elektrischen Zahnbürste auch eine Munddusche. Deren Schlauch ist aber nach 2-3 Jahren spröde geworden und einfach zerbrochen. Ich habe mich damals erkundigt, ob das repariert werden kann, und erfahren, dass sie mir eine neue Munddusche samt Schlauch für 20 Euro in das Gerät einsetzen können. Aber dann hätte ich wieder einen Schlauch, der in 2-3 Jahren zerbröselt, wenn die Weichmacher aus dem Plastik entwichen sind. Und das will ich nicht. Allerdings vermisse ich die Munddusche schon.

So, das wars vom heutigen Blog/Tagebuch/Bericht. Wer bei der Challenge mitmachen möchte, melde sich gern bei mir!

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Zero Waste ist hip und ich bins jetzt auch

Seit einem Monat mache ich wieder in Müllvermeidung. Und es klappt ganz gut. Ich glaube, ich hatte 2011 oder 2012 schon mal versucht, plastikfreier zu leben, aber damals habe ich irgendwann wieder aufgegeben, weil es einfach nicht ging. Oder genauer, es war zu beschwerlich. Inzwischen ist “Zero Waste” im Trend, es gibt Unverpackt-Läden, in unserer Stadt sogar zwei, und einige Geschäfte und Marktstände sind es gewohnt, wenn Leute ihre eigenen Behälter hinstellen. 

Eine Arbeitskollegin hat mich inspiriert, denn sie macht das schon länger. Es hatte mich in der letzten Zeit zunehmend genervt, wie schnell der Verpackungsmüll schon wieder voll war. Besonders Tetra Packs und Plastikverpackungen für Brotbelag waren inflationär vorhanden. Es kam mir vor, als würde ich täglich 10 Stück davon wegwerfen. 

Dem Tetrapack stehe ich sowieso skeptisch gegenüber, weil er aus so vielen verschiedenen Stoffen besteht. Verbundmaterialien. Klar, ist der hygienisch und praktisch, stapelbar etc – ABER er kann entgegen der Behauptungen des Herstellers, nicht recycelt werden. Was die “Recycling” nennen, ist eigentlich keines: Das Ganze wird eingeweicht, dann werden die Papierfasern rausgefischt und der Rest, die Plastik- und Alufolienschichten mit dem, was daran noch klebt, wird in der Zementindustrie verklappt, also in irgendwelche Bauzemente mit rein gemischt. 

Ich habe mal eine Doku gesehen über ein Recyclingwerk in Brasilien, das tatsächlich Getränkekartons recyclen kann, samt Rückgewinnung der Aluminium- und Plastikfolien. Ich schaffe es nicht, Informationen darüber im Netz zu finden, und ich kann nur hoffen, dass sich mein Gehirn noch richtig erinnert, dass es in Brasilien war. Aber es war richtig aufwändig und es wird hierzulande nicht gemacht.  Schon mein Biolehrer hat vor Verbundmaterialien gewarnt, weil die nachher schwer zu trennen sind. Coladosen z.B. sind nicht aus reinem Aluminium, da sind noch andere Metalle dabei, und das erschwert das Recycling sehr, obwohl Aluminium ein gern recycleter Rohstoff ist. 

Reines Plastik wäre dann vielleicht noch recyclebar, aber es gibt einfach viel zuviel davon. So gut wie alles ist darin eingepackt. Und seitdem Käse in diesen “wiederverschließbar” Packungen ist, sind die Packungen noch dickwandiger und noch mehr Plastik wird dafür verbraucht. Plastik ist zumeist aus Erdöl, also was ist der Sinn darin, aufs Autofahren zu verzichten, wenn man dann das ganze Öl als Plastik verbraucht? 

Meinen Partner habe ich sofort für die Idee gewonnen, und wir beschlossen zwei Sofortmaßnahmen: Wir kaufen Käse und Brotbelag nur noch lose mit eigenen Behältern ein, auch wenn’s schwer fällt. Und wir kaufen keine Getränkekartons mehr, die Milch gibt es ab jetzt in Pfandflaschen, regional  aus dem Bioladen. Damit haben wir einen Anfang gemacht und bei allem Anderen schauen wir mal. 

Was ich auch immer in Plastik gekauft hatte, waren Nudeln. Also habe ich mir vorgenommen, Nudeln mal öfter selbst zu machen. Es gibt zwar welche in Kartons oder im Unverpackt-Laden, aber selbstgemachte Nudeln sind doch super und schmecken genial! Bei Ebay Kleinanzeigen fand ich schnell und günstig eine gebrauchte Nudelmaschine. Als Bäckerin habe ich mit dem Teig machen auch gar kein Problem. Voilà! 

Tortellini mit Spinat und Ricotta Füllung
Das ist meine neue Nudelmaschine, und auf dem Küchentisch findet eine Tortellini Produktion statt! 

Es ging los. An einem Samstag im November, es war der 10. 11. um genau zu sein, zog ich los, um Zero Waste u.A. für Lasagne einzukaufen, und begab mich auf den Wochenmarkt am Boxhagener Platz. Schon der erste Käsestand, den ich ansteuerte, hatte den ganzen Käse lose und der Verkäufer füllte freundlich meine Dosen damit. Er gab mir auch den Tip, den Deckel nur lose drauf zu legen, denn Käse muss atmen. 

Im November Zero Waste Tomaten zu bekommen, ist nicht möglich, bzw. sind die Gewächshaustomaten wirklich teuer auf dem Markt gewesen. Gehackte gibt es nur in Dosen. Aber Weißblechdosen lassen sich wohl ganz gut recyclen. Ich habe trotzdem die teuren Gewächshaustomaten genommen. Und passierte in der Glasflasche. 

Für den Nudelteig habe ich Hartweizengrieß, Eier und Weizenmehl lose in unserer Kollektivbäckerei bekommen, das habe ich mir dann in eigene Schraubgläser bzw einen wiederverwendeten Eierkarton gefüllt. Nur Mozzarella habe ich keinen gekriegt, im Unverpacktladen dürfen sie keinen losen Käse verkaufen, und der lose, in Lake schwimmende Mozzarella auf dem Markt hätte mich 6 Euro für so ein Kügelchen gekostet, das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten. Die Lasagne hat auch ohne geschmeckt. 

Seit diesem Tag haben wir unser Vorhaben mit den Müllfreien Milchprodukten umgesetzt, und auch sonst haben wir versucht, Plastik möglichst zu vermeiden. Wir haben viel mehr frisch gekocht, viel weniger “Zusatzkram” gekauft und obwohl alles ziemlich teuer ist, haben wir erst mal nicht mehr Geld ausgeben müssen als davor. Ich kann es mir nicht erklären, denn ich dachte, ich tätige doch eh kaum Impulskäufe. Aber ich hatte sie halt doch getätigt. Dadurch, dass plastikfrei einkaufen aufwändiger und bewusster ist, wird irgendwie die Konsumlust, die sonst in irgendwelchen Gimmicks ausgelebt worden wäre, besser befriedigt. 

Eigentlich krass, dass es so etwas wie Konsumlust gibt, und “retail therapy” ist nicht umsonst ein Begriff im englischsprachigen Raum (es heißt sowas wie Einkaufs-Therapie). Aber unsere Gesellschaft, in der sich Individuen über den Konsum definieren, ist da auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Im Prinzip ist auch das Zero Waste Leben ein sich selbst durch eine bestimmte Art von (Nicht-)Konsum definieren. Ich weiß nicht, ob sich da irgendwer von frei sprechen kann. Ich jedenfalls nicht. 

Mich hat überrascht, dass ich eigentlich kaum den Unverpackt-Laden nutzen musste. Das meiste ging irgendwie anders plastikfrei. Allerdings verbrauchen wir noch einiges an Vorräten, z.B. habe ich eine umfangreiche Duschgelsammlung, so dass die plastikfreie Körperpflege zunächst mal noch kein Thema für mich ist. Danach werde ich wohl auf irgendeine leckere Seife umsteigen. Waschmittel haben wir z.B. im ganz normalen Drogeriemarkt im Pappkarton bekommen. Andererseits mussten wir uns für bestimmte Dinge, wie z.B. Datteln, echt die Hacken ablaufen. Unser kleiner Bioladen drei Ecken weiter ist die einzige Quelle für lose Datteln. In den Supermärkten, auch in den Bio-Supermärkten, sind sie immer in Plastik verpackt gewesen. 

Und Selbermachen! Das hat mir die letzte Zeit richtig viel Spaß gemacht. Neben dem oben erwähnten Nudelteig gab es selbstgemachten Ricotta für die oben gezeigten Tortellini, Joghurt habe ich selbst gemacht (gibt es zwar im Pfandglas, aber selbstgemacht spart Geld und macht Spaß), und weil es Süßigkeiten fast nur verpackt gibt, haben wir Kekse, Energiebällchen, Kuchen und Apple Crumble gemacht. Vegan habe ich auch rumexperimentiert: Kokosmilch und Mandelmilch haben ganz gut geklappt. Die Kokosmilch hatte ich allerdings aus einer frischen Kokosnuß gemacht, und die sind nicht immer verfügbar. Ich muss mal die Variante aus Kokosmus ausprobieren.. 

Nach einem Monat kann ich schon eine grosse Veränderung feststellen: Wo wir sonst den Plastikmüll (“gelber Sack”) jede Woche mindestens einmal runter tragen mussten, ist er jetzt nach einem Monat immer noch nicht voll. Und wir brauchen ja noch Plastikverpacktes auf! Auch der Restmüllpegelstand ändert sich nicht sehr. Beim Restmüll muss ich mal zusehen, dass wir ihn trotzdem einmal im Monat runtertragen, sonst fängt der an, im Eimer zu verrotten, und weil wir keine Kompostieranlage haben, stinkt das dann. Dafür ist der Kompost ziemlich oft voll (wir haben zum Glück eine Biotonne, und die Stadt kompostiert den Biomüll auch). Und beim Papiermüll haben wir auch noch relativ viel. 

Aber das ist okay! Denn der Anfang ist gemacht und das läuft sehr gut für uns! Aus der örtlichen Bücherei habe ich mir auch ein paar entsprechende Bücher geliehen, das eine war relativ kurz, und hatte ganz gute Tips. “Noch besser leben ohne Plastik”. Das Andere habe ich gerade erst angefangen, ich halte euch, wenn ich Zeit habe, auf dem Laufenden..