Das erste Mal draußen schlafen 2019.

Es wurde schön, es wurde warm, und ich hatte zwei Tage am Stück frei. Nichts wie raus! Während es noch vor 4 Jahren eine Hand voll Biwakplätzen gab, war ich jetzt etwas überschwemmt mit der Fülle von Möglichkeiten, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Ich entschied mich für den Wasserwanderrastplatz Werder (Spree), weil ich letztes Jahr schon dachte, im Spreewald sollte ich öfter sein, ist schön da.

Der Plan war, von Königs Wusterhausen aus zu radeln, nicht gleich eine lange Strecke nach der Winterpause gehen, dem Dahme- und Spreeradweg zu folgen, draußen was zu kochen und am nächsten Tag ein wenig rumzukurven, nach Beeskow zu radeln und mit dem Zug zurück.

Am Bahnsteig
Mein vollgepacktes Rad am Bahnsteig, die Schlange vor dem Aufzug ist eher lang. Aber ich habe Zeit.

Ich musste nochmal zurück nach Hause, weil ich Salz vergessen hatte, und dann nochmal, weil ich mein Portemonnaie hatte liegen lassen, während ich das Salz holen war. Aber irgendwann war ich an der S-Bahn und in Bewegung nach K-W. Dort fuhr ich zunächst meine geplante Strecke, aber dann überkam es mich: Hofjagdweg, schon 2x gefahren, Dahme-Radweg, schon 5x gefahren, ich will mal woanders lang fahren.

Nur geht sowas in Brandenburg nicht, ausser, ich möchte in einer Wanderdüne im Wald versanden. Aber ich hatte eine 20 Jahre alte Fahrradkarte dabei, auf der Radrouten eingezeichnet waren, die gar keine waren. Damals hatten die Leute einfach befahrbare Landwirtschafts- und Waldwege als Radrouten bezeichnet, weil die ganzen heutigen Radwege noch gar nicht gebaut waren.

Zum Teil laufen die heutigen Wege gleich, aber auch zum Teil nicht. Also fuhr ich nach der alten Karte und fand wunderschöne, fast immer befahrbare, einsame Wald- und Wiesenwege. Ich war begeistert.

Am See
Zuerst mal Halt am Zeesener See. Ein Blühender Baum und Schilf und das beste Wetter.
Fahrrad
Brandenburg. Unendliche Weiten. Der Weg zwischen Senzig und Gussow ist 5km lang, man muss nur wenig schieben, und kann die Stille der Natur genießen. (Bild zeigt mein Fahrrad vor einem weitläufigen Feld am Waldrand)

Ich fuhr um den Zeesener See herum und stach dann ins Feld in Senzig, da führte vor 20 Jahren mal der Dahmeweg entlang. (Warum auch immer, denn die Dahme ist dort nicht). Es war inzwischen Mittag und Zeit, sich Sonnenschutz aufzulegen und einen Tee zu trinken.

Sandweg
An dieser Stelle musste ich schieben, denn der Waldweg war zu sandig geworden, das hätte mit einem Sturz enden können. Aber es ging, tief war der Sand nicht.
Frühlingsblüten
Das schönste an Radtouren zu dieser Jahreszeit sind die blühenden Hecken und Bäume. Hier immer noch der Weg nach Gussow, gesäumt von weißblühenden Sträuchern.
Pause
Von Gussow aus erwischte ich einen Weg nach Gräbendorf, und dort ging es in den “Geisterwald”, wo ich am Heidekrautgraben eine Mittagspause machte.

Zwischen Gräbendorf und Dolgenbrodt waren ein paar andere Fahrrad-Touris unterwegs, aber erst in Friedrichsbauhof, wo der offizielle Havelradweg dran war, wurde es richtig belebt. Ich war kurz unsicher, in welche Richtung, aber fand mich dann schnell zurecht. Hier fuhr ich dann denn offiziellen Weg durch Prieros bis zur Hermsdorfer Mühle, und dann bog ich nach Osten ab, statt weiter nach Märkisch Buchholz zu radeln.

Die Wege hier waren durchaus auch mit Radwegweisern ausgestattet, aber gehörten zu keiner viel befahrenen Route. Es ging über kleine Landstrassen, auf denen zum Glück nichts los war. Mich überholten gerade mal 4 Autos, und – ich weiß nicht, was da los war – alle verlangsamten und fuhren entspannt und mit Abstand vorbei.

Was ist das? Sind die Brandenburger_innen so fromm geworden, dass sie am Karfreitag keine Radfahrer_innen umnieten wollen? Sind das alles gastierende Dänen? Hat der fahrradfreundliche Artikel in der Bildzeitung die Bevölkerung über Nacht umgestimmt? Ist mein bepacktes Rad so bemerkenswert, dass ich aus dem Beuteschema “Scheiß-Radfahrer” raus falle und wieder mal, als “Oh, eine Radwandernde, wie romantisch!” besser behandelt werde? Auf jeden Fall war es eine Freude für mich.

Ich fahre über die Dörfer nach Kehrigk, das liegt auf einem Hügel und hat einen großen Aussichtsturm, aber ich fahre direkt nach Süden durch den Wald. Es geht hier auf und ab, und man muss wieder etwas schieben wegen dem Sand, aber alles in allem läuft’s gut! Am Neuendorfer See treffe ich auf den Spreeradweg und bin jetzt nah am Ziel. Im Gasthaus am See tanke ich Wasser für die Nacht und treffe zufällig Bekannte aus Berlin, die gerade da eingekehrt waren.

am Fluß

Dann geht es weiter über den hier sehr wenig befahrenen Radweg nach Werder. Ich mache noch eine Pause an der Spree.

Fluss
Eine kleine Weide spiegelt sich im ruhigen Wasser, ein paar Seerosen gibt es auch.

Als ich in Werder ankomme, stellt sich raus, dass ich hier schon mal letztes Jahr vorbeigefahren bin. Es ist nicht der verschlafene Platz, den ich mir erhofft hatte, sondern er ist sogar recht belebt, und das war auch letztes Jahr schon so.

am Rastplatz
Am Wasserwander-Rastplatz angekommen, schaue ich Kanu-Leuten beim Landen zu.

Insgesamt sind da fünf Autos und ein großes Wohnmobil, ein zum Campervan umgebauter VW Bus, und auf der Wiese parkt überall hier und da wer. Das nervt erst mal. Dann ergibt sich ein Gespräch mit einem der Kanuleute, der in einem PKW übernachten will, und er ist eine richtige Outdoor-Seele. Wir fachsimpeln eine halbe Stunde lang, und dann bin ich mit der Situation versöhnt. Ich mag ja an den Motorisierten nicht, wenn sie einfach mit der Benzinschleuder in den Wald fahren und sich da schlimm benehmen. Es gibt natürlich auch Andere, die zwar motorisiert sind, aber sich respektvoll in der Natur verhalten und dann kommt es auf das Fortbewegungsmittel nicht mehr so ganz an (ok, es war aber auch ein kleiner, alter Kombi und kein SUV!)

Die anderen Leute sind auch ganz freundlich, und verhalten sich zum Großteil entspannt, und vielleicht ist es den meisten im April zu früh um im Zelt zu schlafen, ich weiß nicht. Es heißt, die Anwohner mögen nicht, wenn die Wiese zugeparkt ist, und manche fahren wieder ab, am Ende bleibt nur das Wohnmobil und der einzelne Kanute über Nacht. Der VW Bus bleibt, während die Leute draußen Abendessen kochen, und dann später, verschwindet er.

Die Leute vom Wohnmobil grillen, während sie auf mitgebrachten Campingstühlen am Auto sitzen. Die sind die einzigen, die nerven: Es gibt ne Feuerstelle mit Tischen und Bänken. Warum muss man eigentlich so an seinem Auto kleben? Und kann man damit nicht zu einem der tausenden Wohnmobilstellplätze fahren, anstatt die Plätze für Unmotorisierte, von denen es insgesamt noch immer sehr wenige gibt, auch noch in Beschlag zu nehmen? Schland, ey.

Abendessen
Abendessen: Ich habe die kleine Sitzecke benutzt, um da gemütlich zu kochen.
Zelt an der Spree
Mein Zelt steht direkt am Wasser, ich bin die einzige, die heute ohne Auto hier ist.
Spree
Die Erlen spiegeln sich im Abendlicht in der Spree (Ich hoffe, es sind Erlen)

Als die Sonne weg ist, stelle ich das Zelt auf und packe alles, was zum Schlafen nötig ist, aus. Dann lese ich noch gemütlich und als es zum Lesen zu dunkel wird, gehe ich mich in meinen Schlafsack einkuscheln. Erst halb Neun!

Ich liege so rum, da sehe über der Spree einen imposanten, dicken Vollmond aufgehen:

Vollmond
Der Vollmond im Foto ist selbstverständlich niemals so schön wie in echt.

Ich schlafe auf meiner Iso/Luft-Matte wie auf Wolken, und als Kissen habe ich meine Strickjacke in einen Einkaufs-Stoffbeutel gesteckt, was prima funktioniert. Irgendwann in der Nacht träume ich, dass ich aufwache und die Matte hat ein Loch und ist komplett flach. Aber das war zum Glück nur ein Traum!

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Vestkyststien – dänischer Nordseeradweg Mai 2018 (Inhaltsverzeichnis-Post)

Ich schreibe mal einfach ein Inhaltsverzeichnis zu meinem Tourtagebuch zum dänischen Ostseeradweg, denn ich finde das Blogformat immer etwas anstrengend, wenn man Dinge von vorne nach hinten, von alt nach neu, lesen möchte, und nicht von neu nach alt.

Vestkyststien, Tag 14: von Bunken nach Sæby

Nach einer warmen Nacht packen wir früh unsere Räder am Bunken Campingplatz und kochen uns Porridge in der Campingplatz-Küche zum Frühstück.

Das erste Stück radelt sich sehr schnell runter, ist aber nur an der Hauptstrasse nach Frederikshavn entlang, und recht langweilig zu fahren. Wir haben immerhin das erste Mal auf dieser Tour Rückenwind. In Frederikshavn fahren wir langsam durch die Fußgängerzone und machen eine Pause mit belegten Broten.

Fredericksborg
In Frederiksborg (glaub ich) im autofreien Innenstadtbereich. es gibt eine Pizzeria und einen Bioladen und viele Bummelnde in der Sonne.

Dann geht es weiter nach Sæby, wo wir am Hafen noch eine Pause machen und uns für 100 Kronen Pommes im Imbiß holen.

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In Sæby fahren wir zum Hafen an gelben und roten Fachwerkäusern vorbei.
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Am Haus der Ruder- und Kayak-Clubs in Sæby stehen zur Deko bunt bemalte Paddel.
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Der Bootshafen mit der Meeres-Dame, eine Betonstatue von einigen Metern Höhe.

Am Abend wollen wir in der Professorens Plantage zelten, und finden sie auch ohne Probleme. Es gibt einen extrem schönen Shelter-Turm mit drei Stockwerken und Hochbett.

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Die Räder von oben gesehen stehen auf der Wiese vor der niedrigen Buschheide der Professorens Plantage.

Bald kommen zwei Familien, die am Wochenende die Natur genießen wollen, ach ja, es ist ja Samstag. Wir einigen uns darauf, dass sie den Shelter benutzen und wir zelten.

Dann kommt noch ein älterer Typ, der mit einer Sackkarre viele Ausrüstungstaschen in den Wald karrt und dann seltsame Konstruktionen zwischen die Bäume spannt. Ich gehe rüber und frage nach, und es stellt sich heraus, dass es Baumzelte sind. Und wir dürfen in einem davon übernachten! Juhu!

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Die Baumzelte im bewaldeten Teil unseres Lagerplatzes.

Später kommen noch mehr Leute und Rolf, der Baumzeltbauer, versammelt alle um sein Lagerfeuer. Er ist super im sozialisieren und bringt uns alle zum lachen. Alle reden dänisch und mit mir auch englisch (die Kinder eher noch nicht) und wir haben einen wunderbaren Abend. Am Ende hängen vier Baumzelte und zwei Bodenzelte stehen da, und der Shelter ist auch belegt.

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Rolf hat ein Dreibein, eine Feuerschale und Brennholz mitgebracht, so dass wir ein Lagerfeuer haben, ohne den Waldboden zu beschädigen. Darüber hängt ein niedlicher Emaille-Wasserkessel.

Am Parkplatz nebenan haben sich zwei ältere Deutsche in ihrem Wohnmobil hingestellt. Sie schütten ihr Chemieklo auf der Waldtoilette aus, und während unsere lustige Runde am Lagerfeuer sitzt, schauen sie hinter ihren Spitzengardinen in ihrem fahrenden Klohäuschen fern. Also, ich weiß ja nicht, aber das vielbeschworene VanLife ist das nicht gerade. Ich schäme mich echt für die Deutschen. die hier in der dänischen Nordseeregion ihr Unwesen treiben. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit denen in Verbindung gebracht wurden. Wir sprechen nämlich dänisch (mein Partner fließend, und ich bemühe mich mit ein paar Brocken) oder englisch (ich) und machen naturnahe Zelt-und Radwander-Ferien, da treffen wir an den Wochenenden oft dänische Gleichgesinnte.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir ausnahmsweise nicht im Zelt, sondern sitzen mit vielen Kerzen und einer Lichterkette um die Feuerschale.

Wir schlafen wirklich in einem der Baumzelte, und es ist ungewohnt, aber auch sehr cool. Die Nacht ist wieder sehr warm, und das luftige Baumzelt ist da genau das Richtige. Bei Bewegungen schaukelt es, und man fühlt sich wie in einer Hängematte, nur weniger gebogen. Unser Baumzelt hängt etwa 1,50m über dem Boden, und wir steigen durch eine Luke mitten im Zeltboden ein und aus.

10. Tag #Vestkyststien: Von Kollerup nach Blokhus

Heute ist der 22. Mai 2018, ich komme auf der Tour langsam mit der Zeit durcheinander. Ich wache um 6 Uhr von alleine auf, es ist wieder ein sonniger Morgen. Im Shelter kochen wir Porridge, und nach dem Heißgetränk und dem Packen wollen wir losfahren.

dänemark tour 2018
Kaffee kochen am Shelter: Der Trangia Kocher macht das Wasser heiss, und unsere Kaffeedose, eine Trinkflasche und die Tassen stehen auf dem Holzboden.

Im Wald ist eine Schulklasse unterwegs, die eine Schnitzeljagd macht, am Vorabend waren zwei Lehrerinnen unterwegs, die die Spuren ausgelegt hatten. Wir hatten uns kurz unterhalten, überhaupt sehen wir auf der Tour ein paarmal Schulklassen, die im Wald herumlaufen und Abenteuerspiele spielen. Super Sache!

dänemark tour 2018
Die Fahrräder auf einer Waldlichtung, wo wir von der letzten Steigung verschnaufen.

Die erste Strecke ist ganz okay, leider haben wir schon wieder Gegenwind. Einmal müssen wir uns eine miese, grobgeschotterte Strasse einen Hügel hoch plagen, dann geht es wieder bergab zum Strand. Es gibt da ein Sanitärgebäude und eine kalte Stranddusche, wo wir anhalten um ein paar Sachen zu waschen. Ich gebe mir die kalte Dusche, und das ist bei der Hitze sehr erfrischend.

dänemark tour 2018
Klamotten waschen: Das kleine Outdoor-Faltwaschbecken im Gras bei den Dünen, es ist ein so praktischer Gegenstand!

Danach kommt etwas, was wir “Dänemarks schlechteste Schotterstraße” taufen, dazu haben wir noch Gegenwind, es ist sehr ermüdend. Am Strand Pause machen ging auch nicht so gut, weil da Baustelle war und Baufahrzeuge lautstark herumfuhren. Also weiter, jetzt ist da ein Weg in Plattenbauweise, wo ich mich frage, ob die Straße ein deutsches Bauwerk aus der Nazizeit ist.

dänemark tour 2018
Malerisch, der kleine Sandweg am Meer, aber anstrengend, weil wir wieder bei Gegenwind auf und ab über die Dünen müssen.

Wir machen Pause an einem Waldrastplatz, aber die Erholung hielt nicht lange vor, die Wege durch den Wald werden immer schlechter: Nicht nur sind sie grob geschottert, sondern sie wurden von den schweren Panzern und Militärfahrzeugen vom Übungsplatz nebenan ziemlich zugrunde gerichtet. Der Schotter ist lose und zu lauter feinen Rippen aufgeworfen, weil riesige LKW-Räder sich da rein gegraben hatten.

dänemark tour 2018
Ärgerlich: ein militärischer Übungsplatz. Hier das Schild, das ein Weiterfahren verbietet, aber auch die ganzen Wege in der Umgebung sind von den Militärfahrzeugen beschädigt.
dänemark tour 2018
Einer von diesen hübschen Shelterplätzen, aber es ist noch nicht mal mittag und wir wollen weiter.

Mein Tourgefährte fällt in ein mentales Loch und wir kommen nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter, auch als sich der Weg bessert. Wir kommen an eine Schnellstrasse, und ausgerechnet an einer Straßenraststätte, die trostlos wirkt und in der prallen Sonne da liegt, sagt er, dass er nicht mehr kann und eine Pause braucht. Zu allem Überfluss kommt ein Rasenmähtraktor vorbei und mir fliegt ungelogen die Rasenmahd um die Ohren, weil der Landschaftsgärtner nicht aufpasst.

Wir fahren weiter, und kommen durch die Blokhus Klitplantage, ein hübscher Wald mit einem großen Lagerplatz darin. Inzwischen ist klar, dass zwischen Blokhus und Løkken – etwa 35 km – keine legalen Lagerplätze mehr liegen werden. Entweder wir bleiben hier, obwohl wir noch nicht weit gekommen sind, oder wir fahren alles, bis Løkken, was insgesamt 70km werden würden. Nachdem die Wege schlecht waren und der Gegenwind nicht ohne war, ist sich mein Partner unsicher, ob er das noch schafft. Ich ärgere mich, dass wir für 35km geschlagene 5 Stunden gebraucht haben, und jetzt eigentlich hier in Blokhus festsitzen. Ich versuche ihn zu überreden, einen regulären, bezahlten Campingplatz anzufahren, um wenigstens noch etwas weiter zu kommen heute. Aber das will er absolut nicht. Ich eigentlich auch nicht, aber noch weniger mag ich es, einen Tourtag schon mittags abzubrechen.

dänemark tour 2018
Der grosse Shelterplatz in Blokhus. Drei schwarz gestrichene Shelter, die sogar Schiebetüren haben, Picknicktische und ein Grillplatz befinden sich dort.

Wir hatten letztes Jahr in Schweden die Situation, dass wir an einem “Schwächeltag” beschlossen hatten, statt noch nach einem Platz a la “Jedermannsrecht” zu suchen, einfach auf einem Campingplatz zu zelten. Das war leider ziemlich schlecht gelaufen. Wir bekamen eine Parzelle unter einer Straßenlaterne, der Platz war vom Wind schlecht abgeschirmt und es pfiff uns ständig um die Ohren, die Küche sah aus wie im Knast, es gab nicht mal Wifi und wir zahlten zu zweit etwa 40 Euro! Naja, das ist unwahrscheinlich, dass es dieses Jahr wieder so läuft.. aber.. egal.

Wir gehen erst mal einkaufen, stadtauswärts gibt es Supermärkte, und entscheiden uns dann doch, in Blokhus zu bleiben. Das beschert uns einen halben Tag Pause. Wir versuchen noch in der Stadt einen Geldautomaten zu finden, aber der Ort ist viel kleiner als gedacht, eigentlich gibt es nur eine große Strasse, und wir finden keinen.

Wir kommen am Blokhus Skulpturenpark vorbei, aber wie das immer so ist: Die Sandskulpturen sind in Parks, mit hohen Wänden umgeben, damit du Eintritt bezahlst, um die Sandbauten zu sehen. Irgendwie sind die auch mit etwas haltbar gemacht, sonst würde das in dem Seeklima ja gar nicht gehen. Und quasi Betonskulpturen in Sandfarbe, das finde ich nicht so spannend wie wirkliche Sandskulpturen. Wir lassen den Skulpturenpark links liegen.

Wir kaufen uns ein Wienerbrød (Ach, diese leckeren dänischen Plunder!) und fahren zum Lagerplatz im Wald. Er hat alles, was man braucht, auch Trinkwasser. Wir machen uns Instant Matcha Latte, und dann mache ich mir einen gemütlichen Nachmittag mit faulenzen, stricken und Podcasts hören.

dänemark tour 2018
Ich stricke und höre Podcasts an einem der Picknicktische am Lagerplatz.
dänemark tour 2018
Mittagschlaf im Shelter – ich glaube, der Tourgefährte ist vor lauter Ermüdung sofort weggepennt.

Abends kochen wir Couscous mit Zwiebeln, Bohnen, Mais und Zucchini. Dazu reiben wir uns Parmesan mit so einer Winzig-Reibe, die ich aus Fun gekauft hatte, aber sie funktioniert. Ein sehr junger deutscher Typ kommt mit seinem bepackten Rad, er ist in Kolding gestartet und fährt nach Skagen. Er mag nichts von unserem Essen abhaben und demontiert sein halbes Rad und putzt alle Teile.

dänemark tour 2018
Abendsonne am Shelterplatz.

Dann kommen noch zwei Leute, die eine riesige Kühlbox tragen, dann gehen sie wieder weg und kommen mit riesigen Aldi-Tüten voller Zeug wieder. Wir befürchten schon, dass es abends eine laute Grillfete geben wird. Aber statt einer Partygesellschaft kommt niemand, die zwei bauen ein kleines Igluzelt auf. Puh, Erleichterung!

dänemark tour 2018
unser schönes Tunnelzelt, das wir erst aufbauen, als die Bäume genug Schatten werfen. Sonst gibt es UV-Strahlungs Schäden!

Später bauen wir auch ein Zelt auf, denn Heerscharen von Mücken wollen unser Blut. Das wird also wieder nichts mit Sheltern!

Zero Waste Challenge, Tag 7: Pack dir was zu Essen ein!

Heute gehts darum, sich etwas zu Essen selbst mitzunehmen, anstatt am Imbiß etwas zu essen, was wieder Müll verursacht. Eigentlich hatte ich gar nichts vor heute, aber dann bin ich doch rausgegangen, um einer Freundin bei ihrer Tattoo-Session Gesellschaft zu leisten.

Also hab ich mir, tadaaa – in meiner Öko-Tiffin-Lunchbox eine Stulle und einen kleingeschnittenen Apfel mitgenommen. Die Box hatte ich mir mal 2016 auf einer Radtour durch das Naturschutzgebiet Dahme-Heideseen gekauft, in einem hübschen Dorf namens Prieros. Der Laden dort ist eigentlich eher ein Online-Shop, aber man kann offenbar auch zufällig in ihren Dorfladen in Prieros rein stolpern, und, wenn man Glück hat und der Laden gerade auf hat, etwas kaufen.

Havelradweg Teil 1
Das ist ein altes Bild von 2016, in dem die Lunchbox mit kleingeschnippeltem Gemüse gefüllt ist. Wenn man unterwegs kocht, ist das sehr praktisch, denn dann kann darin schon mal alles bereitgestellt werden.

Jahaaaa, ich hatte diese Tiffin Box, bevor es cool war. Und sie hält nach 2 Jahren intensiven Gebrauchs noch sehr gut. Sie rostet nicht, ist noch relativ dicht, das einzige, was besser sein könnte: Die Verschlußbügel könnten ein wenig strammer sein. Aber wenn es nur das ist, das lässt sich eigentlich noch einfach beheben, indem einfach irgendeine dünne Scheibe noch auf dem Deckel befestigt wird.

Tour märkische Schweiz 3/17
Hier die selbe Brotbox auf einer Radtour im März 2017, mit Gurke, Aufstrich und Brotscheiben.

Ansonsten habe ich für meine Radtouren immer die Plastikdosen mit den dicht verschließbaren Deckeln benutzt, ich finde Plastik schon okay, wenn es kein Wegwerfplastik ist. (Das hab ich evtl. schon geschrieben)

Guten Appetit #food #outdoorküche #radtour #spree
Hier ist das untere Teil der Lunchbox gefüllt mit frisch gekochtem Essen, auch auf einer Radtour. toll ist dass man dann keinen extra Teller mitnehmen muss.

Das mit dem Essen mitnehmen mache ich grundsätzlich leider viel zu selten. Das liegt zum einen Teil daran, dass ich auf meiner Arbeit Essen verfügbar habe, denn wir sind eine Bäckerei, und zum anderen Teil daran, dass ich leider zu selten kochte.

Inzwischen koche ich öfter und meine Ernährung ist besser geworden, es gibt mehr Obst + Gemüse, und das ist super. Ausser der Tiffinbox habe ich mir letzten Dezember noch einen Thermosbehälter für Essen gekauft. Das ist klasse, um warme Gerichte mitzunehmen. Es wäre Quatsch, eine Brotbox zu benutzen, um Brot in eine Bäckerei zu tragen. Aber ein frisches, heißes Gemüsecurry – da macht es Sinn, das in die Bäckerei zu tragen.

Joghurt selber machen

Was auch gut geht mit diesem Isolierbehälter: Joghurt selber machen. Der Joghurt braucht zum fermentieren Wärme. Dafür kann er in einen Styroporbehälter gestellt werden, oder tatsächlich in so einem Isolier-Essensbehälter angesetzt werden. Dann ist er nach 8-12 Stunden fertig.

Dazu erhitzt man einfach Vollmilch, man kann sie kurz aufkochen, und dann lässt man sie auf 40°C abkühlen. Dann wird 1 gehäufter Eßlöffel Joghurt in die Milch gerührt, als Starter, und das Ganze wird warm in den Thermo-Behälter gefüllt und dieser verschlossen. Der Behälter hält die Wärme und dadurch geht der Fermentationsprozess schnell genug vonstatten. Nach 8 Stunden ist der Joghurt schon stichfest.

Auf meinem Isolierbehälter steht zwar drauf, dass er nicht für Milchprodukte sei, aber das ist mir ehrlich gesagt egal.

8. Tag Vestkyststien: Von Lodbjerg Fyr nach Vigsø Bucht

Heute ist der 20. Mai 2018. Wir sind an der dänischen Nordseeküste unterwegs. Gestern sind wir am Lodbjerg Fyr nördlich von Agger gelandet und verbrachten die Nacht auf dem Naturzeltplatz am Leuchtturm.

Ich wache um sieben Uhr erst auf, das heißt, ich habe 9 Stunden durchgeschlafen! Ich mache Kaffee und locke damit meinen Reisegefährten aus dem Schlafsack. Ganz in Ruhe machen wir uns Porridge zum Frühstück und bauen dann alles ab.

dänemark tour 2018

In der Morgensonne steht unser Zelt und ein Paar Packtaschen.

Wir fahren in der Morgensonne durch duftende Heidewälder und pausieren kurz an einem stillen Waldsee. Die Wege sind sandig, aber angenehm zu fahren. Wir können leider nicht direkt durch den Nationalpark Thy fahren, denn der “Redningsvej” ist zu unwegsam für die Fahrräder. Deshalb geht es einen kleinen Umweg über ein paar Dörfer.

dänemark tour 2018

ein kleiner Waldsee umgeben von niedrigen Sträuchern.

Irgendwann sind wir wieder in der offenen Dünenlandschaft. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend, da durch zu fahren. Es geht Wind, aber nicht so stark, und nicht so frontal wie neulich. Sehr gut.

dänemark tour 2018

weite Dünenlandschaft mit wilden Strandrosen, Heidekraut, Strandhafer und gelben Blüten, dahinter das Meer.

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Wir sind auf einen kleinen Bunker geklettert und blicken auf unsere Fahrräder hinab.

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Am Fischfangplatz von Stenbjerg

Wir fahren bei Stenbjerg zu einem alten Fischereiplatz. Er ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, und ein kleines Museum erinnert an die Küstenfischerei hier. Es gab eine Winde, um die Boote hereinzuziehen, und Hütten, die nicht zum wohnen dienten, sondern nur dazu, die Fische zu verarbeiten und zu verpacken. Warum sich hier die Fischerei nicht mehr lohnt, aber an anderen Stellen der Nordseeküste schon, habe ich nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall ein beschauliches Fleckchen, wo man sehen kann, wie es früher abgelaufen ist. Historische Fischerkähne liegen auch am Strand. Wir machen eine Mittagspause und fahren dann weiter.

Viele Leute hier sind mit Wanderrucksäcken unterwegs. Darauf hätte ich ja auch mal Lust. Wir fahren durch Vorupør und folgen dem “Kystvej” durch eine Dünenlandschaft nach Klitmøller. Diese Gegend nennt sich auch “Cold Hawaii” und ist ein Zentrum des Surfsports. Wir sehen in Klitmøller überall Surfläden, Surfbrettverleihe, und Menschen die mit Surfausrüstung durch die Stadt wandern. Am Strand ist viel los, eine Menge Leute haben es sich gemütlich gemacht und einige andere versuchen sich im Wellenreiten. Wir machen eine Pause und bereiten uns Heißgetränke auf unserem Kocher zu. Dabei schauen wir uns die Surfversuche an, und ich bekomme den Eindruck, Surfen besteht zu 90% daraus, im Wasser zu liegen und auf eine Welle zu warten. Und die restlichen 10% der Zeit versucht man dann, nicht ins Wasser zu fallen. Für mich wär das nix, glaube ich.

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Nicht viel Wellengang in Klitmøller, aber die Surfer warten trotzdem auf eine günstige Welle.

In Klitmøller liebäugelt die Surfszene mit der Verwandtschaft zu Hawaii und auf den Autos sind Aufkleber mit der Aufschrift “Æloha”. Haha.

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kleine Fischerboote liegen auch am Strand, aber sehr kommerziell sieht das nicht aus.

Wir fahren weiter am Kystvej entlang. ein angenehm asphaltierter Radweg neben der Strasse schlängelt sich durch die Dünen. Es ist hügelig, aber immer noch sanft genug, um mit dem Schwung von der Abfahrt das nächste Hügelchen erklimmen zu können.

Dann nähern wir uns Hanstholm, wo es schon wieder Bunker zu sehen gibt. Diesmal liegen sie nicht am Strand, sondern sind in die Hügelkette hinter der Küste eingebaut. Die sogenannte “Batterie Hanstholm” war dazu vorgesehen, das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen abzusperren. Verwendet wurde sie nie, angeblich wurde nur einmal fälschlich ein Schuß auf ein Fischerboot abgefeuert, der zum Glück nicht getroffen hat.  Ich finde für das keine Quelle im Netz, ich meine, ich habe das auf einem Informationsschild bei den Bunkern dort gelesen.

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Die grusligen Bunker starren uns hohläugig aus der Hügelkette an.

Wir fahren am Fischereihafen von Hanstholm vorbei. Dass sich die Küstenfischerei hier noch lohnt, lässt sich daran bemessen, dass Hanstholm den grössten Fischereihafen Dänemarks hat, gemessen an der Fischmenge, die hier angelandet wird. Fischfabriken aus allen möglichen Ländern haben ihre Hallen in diesem Hafen aufgebaut.

Unsere Fahrradroute führt von hier in die Stadt hinauf, aber der Nordseeküstenradweg verläuft unten am Meer. Wir haben ja schon am Samstag genug eingekauft, und haben keine Lust den steilen Weg raufzuschieben. Später lese ich im Fahrradbuch, dass es in Hanstholm eine komplette Trennung von Autoverkehr vom unmotorisierten Verkehr gibt, und bedauere ein wenig, dass wir das nicht live gesehen haben.

Stattdessen fahren wir auf einem angenehmen Sandweg am Meer entlang.

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Zwischen Land und Strand schlängelt sich der schmale Radweg, am Fahrrad hängt die Wäsche zum trocknen.

Nach Hanstholm ist es nicht mehr weit nach Vigsø, wo wir einen Zeltplatz am Meer auserkoren haben. Falls dieser besetzt ist, können wir noch in einen nahegelegenen Wald, der zum Zelten freigegeben ist.

Wir treffen einen älteren Schwaben, der von Stuttgart losgeradelt ist und zum Nordkap will. Komisch, wieso alle zum Nordkap wollen? So ambitioniert sind wir nicht, aber wir haben auch nicht so viel Zeit.

Die Wege nach Vigsø sind super schön und malerisch. Im Internet stand, dass es am Zeltplatz kein Wasser gibt, deswegen wollen wir bei der Kirche welches holen. Aber ach, sie liegt auf dem Berg! Wir strampeln also hoch um aufzutanken. Was wir nicht wussten: Es hätte eine Abkürzung gegeben, die unten am Strand lang führt und an einer Toilette mit Trinkwasser für die Badegäste vorbei geführt hätte. Nun ja.

Da, wo der Zeltplatz sein soll, ist wieder alles mit Wohnmobilen zugeschissen, und wir beschließen, in das Zeltwäldchen zu fahren. Dabei biegen wir einen Feldweg zu früh ein, und finden uns in einer Sackgasse wieder. Es ist ein von Bäumen umstandenes Wiesengrundstück, in der einen Ecke stehen zwei Picknickbänke. Als ich mit dem Telefon genau schaue, wo wir uns befinden, zeigt es an, dass wir mitten in einem Bauernhof stehen. Nur ist dieser inzwischen völlig verschwunden.

Erst denke ich, dass uns das Telefon falsch lokalisiert, aber bei genauerem Abschreiten des Grundstücks sieht man noch einzelne Reste: Da war die Güllegrube, und da steht noch der Baum, der sich einst an das Haus gelehnt hat, ganz alleine. Wir beschließen, dass wir einfach hier zelten, es sieht gemütlich aus, und wahrscheinlich stört es niemanden. Dass der Picknicktisch mit Bänken hier herumsteht, ist auch äusserst bequem und praktisch.

Es ist noch nicht so spät und ich will noch mal zum Strand runter fahren. Dabei bemerke ich mit geübten Augen, dass der vermeintliche Zeltplatz eher ein Parkplatz ist, und der Platz ist eigentlich ein Shelterplatz am Waldrand. Aber da sind schon Leute, die sich feine Matratzen mitgebracht und im Shelter ausgerollt haben. Das macht aber nichts, wir sind ja inzwischen auch gut angekommen.

Ich schaue zum Strand runter und dort kann ich einen Haufen Bunker bestaunen, die nach und nach vom Meer überschwemmt werden.

dänemark tour 2018

Ein Bunker versinkt im Meer.

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Mit dem Fahrrad am Strand: Etwas unpraktisch, ich habe aber meinen Fahrradschlüssel vergessen.

Ich schiebe mein Fahrrad über den Strand und mache viele Fotos.

dänemark tour 2018

Noch mehr Bunker, die am Strand verwittern

Es wäre schön, wenn alles Kriegsgerät irgendwann so obsolet wäre wie diese Bunker.

dänemark tour 2018

die Sonne geht hinter der Baumreihe unter, und bald werden wir es uns im Zelt gemütlich machen. 

Ich fahre zurück zum Zeltplatz und wir lassen den Abend mit einem warmen Essen und Tee ausklingen.

7. Tag des Vestkyststien: Von Fjaltring nach Lodbjerg Fyr

Es ist der 19. Mai 2018. Wir wachen erst gegen halb acht auf, es ist wieder mal ein sonniger Morgen in Fjaltring an der Westküste Dänemarks. Leider hat mein Partner starke Kopfschmerzen. Wir beschließen, nicht auf dem Platz zu frühstücken, sondern direkt alles einzupacken und loszufahren. Der deutsche wilde Campingplatz ist auch erwacht und mir ist das alles zu intim. Leute führen ihre Hunde Gassi und spülen Geschirr am Strandklo und es wird alles sehr geschäftig.

Im Kaufmannsladen von Fjaltring kaufen wir Paracetamol und fahren dann gemütlich los. Zuerst verfahre ich mich und führe uns in die falsche Richtung, uns kommt eine Radwanderin entgegen, die, wie ich später feststelle, in die selbe Richtung fährt wie wir. Wir hätten ihr eigentlich hinterher fahren sollen. Aber diese kleinen Verfahrer kommen halt vor. Wir fahren am Dorf Trans vorbei, aber ich vergesse leider, das Ortsschild zu fotografieren.

Wir holen die Radwanderin ein, sie ist aus Amsterdam und will noch zum Nordkap fahren. Sie verwendet auch eine deutsche Bikeline Karte, weil die einfach am besten sind, sagt sie. Sie versteht zwar den Text nicht, aber die Karte ist gut. Wir unterhalten uns ein wenig beim Fahren und trennen uns beim Leuchturm Bovbjerg Fyr.

dänemark tour 2018

Bovbjerg Fyr, ein roter Leuchtturm, kommt am Horizont in Sicht. Davor sind grüne Weiden mit Löwenzahnblumen und einem flachen Teich.

dänemark tour 2018

Bovbjerg Fyr hat neben seinem roten Turm auch rot gestrichene Nebengebäude und kleine, mit roten Klinkern versehene Gebäude. In einem ist ein Cafe untergebracht.

Es ist ein schönes, rot gestrichenes altes Gemäuer mit Cafe im Nebengebäude. Ein Schild hängt am Zaun: Wenn das Cafe nicht geöffnet ist, können Leute gerne die Cafetische zum Rasten und Picknicken verwenden, steht darauf. Wir fühlen uns freundlich eingeladen (gerade hat das Cafe noch nicht geöffnet) und kochen Porridge, was wir im Garten des Leuchtturmcafes frühstücken.

Danach gehen wir zurück an die Steilküste und bewundern die Aussicht. Runterklettern an den Strand wollen wir aber nicht. Wie immer an diesen Steilküsten sind wir dazu zu faul, ich ziehe es dann doch vor, auf Stränden rumzuwandern, für die ich keine hunderte Stufen klettern muss.

dänemark tour 2018

die Steilküste bei Bovbjerg Fyr fällt tief zum Meer ab. Heute ist nicht soviel Wind, und der Himmel knallblau.

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Die Felsen bestehen aus bröckeligem Gestein, aus Kies und Geröll, das während verschiedener Eiszeiten aufgetürmt wurde. daher ist es auch gefährlich, nahe am Rand herumzustehen.

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Einige Leute sind zum Strand heruntergeklettert und sehen sich die Kieselsteine an.

Nach Bovbjerg kommen wir nach Ørum und Ferring, und folgen der Beschilderung auf einen sandigen Weg am westlichen Ufer des Sees entlang. Erst verspätet sehen wir, dass die Bikeline Route uns östlich um den See herum geführt hätte. Weil der Weg sehr, sehr sandig ist (manchmal müssen wir die Räder durch schieben) hatten die sich vermutlich eine asphaltierte Ausweichroute überlegt. Wir sind aber den Schildern nach auf der Originalroute.

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Der Weg ist, abgesehen vom Sand, sehr schön und malerisch, es fahren dort keine Autos, er führt quasi auf der Krone der Dünen zwischen wilden Rosenbüschen durch, und wir können auf der einen Seite auf den See schauen und auf der anderen Seite auf das Meer.

Als wir auf einen kleinen Weg zum Nordseestrand treffen, machen wir eine Pause und ich tauche kurz in den kalten, erfrischenden Wellen unter. Es ist wirklich sehr, sehr kalt und frisch. Ich bin nicht mehr so eine Wasserratte wie früher, und das ist tatsächlich mein einziges Bad in der Nordsee auf der ganzen Reise.

Dann geht es weiter nach Vrist und Harboøre, wo wir im Aldi für heute, Sonntag und Montag einkaufen. Angeblich ist in der Touristengegend auch an Pfingsten alles offen, aber wir wollen sicher gehen. Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen! Dann fahren wir auf die nächste Nehrung in Richtung Thyborøn.

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Inzwischen ist es Mittag geworden und wir machen nochmal eine Pause in den Dünen. Wir haben uns Energy drinks mit Limettengeschmack gekauft, die auch echt ganz lecker sind, und dazu gibt es belegte Brote. Es ist 13 Uhr und wieder sehr sonnig und zum Glück nur mäßig windig. Als wir weiter fahren, merke ich, dass von den zwei Socken, die ich zum Trocknen an den Radtaschen hängen habe, nur noch eine da ist. Die andere habe ich in den Dünen vergessen! Zum Glück muss ich nur 600m zurück fahren und die Socken werden wiedervereint.

Die Landschaft auf der Nehrung ist wunderschön, es sind fast alles naturnahe Feuchtgebiete, mit einer Vielzahl von Pflanzen und Vögeln. Der Radweg entfernt sich von der Straße und führt als schmaler Pfad mitten durch das Naturschutzgebiet. Wir sind jetzt auf dem Gebiet der Kommune Thisted und fahren zwischen dem Meer und dem Limfjord.

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Das Sneglehuset (Schneckenhaus) in Thyborøn. Die Wände außen sind mit tausenden Muscheln und Schneckenhäusern dekoriert, und innen soll es ähnlich aussehen.

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Auf einem kleinen Torbogen des “Sneglehuset” sind nicht nur Muscheln angeklebt, sondern auch runde Deko Kugeln aus grünem Glas.

Wir kommen nach Thyborøn und fahren durch den Ort. Wir folgen den Schildern zum “Sneglehuset”, einer Sehenswürdigkeit, wo ein malerisches Haus mit Türmchen mit tausdenden von Muscheln und Schnecken bestückt worden ist. Außer uns sind noch andere Touris dort, und wir müssen etwas warten, bis wir Fotos knipsen können, auf denen keine anderen Touris drauf sind. Dann fahren wir auf einem Fußweg am Strand entlang und gehen kurz ein paar Blicke auf die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg erhaschen. Wir wollen uns nicht so lange damit aufhalten.

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Mein Tourbegleiter klettert auf einem Bunker herum. Ich glaube, er bindet sich den einen Schuh.

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Bunker am Strand von Thyborøn. Sie verwittern langsam und versinken im Sand.

Weil damals Nazideutschland sehr viele Bunker die ganze nördliche dänische Küste entlang gebaut hat, ist es auch nicht schlimm, dass wir nicht so lange damit zugebracht haben, denn es wird noch genügend Gelegenheiten geben. Wir drehen danach eine Runde durch die Ortsmitte, und fahren dann zur Fähre, die uns zur Landzunge von Agger rüberfahren soll, durch eine eher langweilige Neubausiedlung. Dann überqueren wir die große Straße, und bingo – Glück gehabt! Die stündlich fahrende Fähre kommt genau passend und wir können fast ohne zum Stillstand zu kommen an Bord rollen.

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eine kleine Auffahrt führt zu Fähre. Sie kommt gerade herein und sieht sehr klein aus, aber alle wartenden Autos, ein LKW und wir passen drauf.

Die Überfahrt ist kurz, und auf der anderen Seite gibt es ein kleines Naturcenter mit einer Ausstellung über die Tiere und Pflanzen auf der Agger Landzunge. Hier kann man Seehunde sehen, aber leider kann ich keine erspähen. Das ziemlich neue Mini-Naturcenter ist schön eingerichtet, es gibt Toiletten, einen Tisch und Bänke, Wifi und Windschutz. Aber niemand muss darauf aufpassen, anscheinend gibt es in Dänemark kein Vandalismusproblem.

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Unser Kaffeetisch am Naturcenter: Das Solarpanel versorgt die Telefone, bald gibt’s heißes Wasser aus dem Kocher und die Tassen und die Plundertorte stehen schon bereit.

Wir kochen uns einen Instant-Matcha-Latte und essen eine dänische Plundertorte (sie nennt sich “Dagmartorte”), die ich für 25 Kronen beim Aldi in Harboøre mitgenommen hatte. Sie ist super lecker. Eine Gruppe älterer dänischer Sportradler__innen kommt vorbei und wartet auf die Fähre. Sie bewundern unser Solarpanel, mit dem wir gerade die Telefone nachladen. Normalerweise laden wir die Telefone nicht direkt am Panel, sondern laden eine Powerbank, aber die ist dank viel Sonne schon wieder voll geladen und während der Pause kann man dann gut noch ein wenig die Endgeräte dran hängen.

Ich kleistere mich voll mit physikalischem Sonnenschutz, was dazu führt, dass ich auf alles abfärbe. Alles wird vollgekalkt, meine Hose, meine Taschen… suboptimal.

Die Fahrt über die Agger Landzunge ist etwas langweilig, der Radweg führt schnurgerade an einer schnurgeraden Straße entlang, und wir können gar nicht auf die Landschaft achten, weil es auf dem Radweg ganz viele kleine Aufbrüche gibt. Irgendwelche Sträucher brechen da durch, und die Aufwölbungen sind ganz schön hoch und kreisrund. Es ist, anders als bei Wurzelaufbrüchen, einfach, dazwischen durch zu fahren, aber man muss halt gucken.

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Ein schnurgerader Radweg auf der Agger Landzunge.

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Hinter der Landzunge liegen Dörfer und gelbe Rapsfelder leuchten in der Sonne.

Dann geht es weiter durch das Dorf Agger, am See vorbei, und dann sind es nur noch 3km zum Leuchtturm, wo wir übernachten wollen. Wir holpern über eine der dänischen Schotterstraßen durch eine Heidelandschaft und fluchen darüber. Dann führt ein schöner Sandweg in den Wald hinein zum Leuchtturm, und wir checken den Platz dort. Er ist sehr leicht zu finden. Es ist ein wunderschöner Platz, mit mehreren Feuerstellen, Zeltmöglichkeit und einem Shelter. Der ist schon besetzt, auch sonst sind einige Leute da. Es ist ja Wochenende. Zwei Jungs aus Süddänemark haben ein Tipi aufgestellt und schnitzen, ein Pärchen mit dem Motorrad hat den Shelter in Beschlag genommen, und zwei ältere Herren mit einem winzigen Tunnelzelt machen eine Wanderung.

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Der Naturzeltplatz mit dem Leuchtturm.

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ein sonniger, milder Abend im Wald von Lodbjerg.

Wir sind relativ früh da, ich möchte noch nicht das Zelt aufbauen, damit es nicht in der Sonne steht. Wir relaxen ein wenig auf dem Platz, kochen uns ein leckeres Abendessen und bauen das Zelt erst auf, als unser Plätzchen im Schatten liegt.

Als ich mir den physikalischen Sonnenschutz abwaschen will (Am Leuchtturm gibt es ein kleines Bad, das man kostenlos benutzen darf) gestaltet sich das schwierig und mein Handtuch ist voller weißer Titandioxid Partikel. Macht nichts, dann wasche ich das Handtuch eben schnell durch.

Am späten Abend kommt noch eine einzelne Radlerin und spricht uns in einer Sprache an, die wir nicht verstehen. Es stellt sich heraus, dass sie Deutsche ist und dänisch mit einem so harten deutschen Akzent spricht, dass mein dänischsprachiger Reisegefährte es schlicht nicht als Dänisch erkannt hat. Sie ist ein sehr quirliger Typ und erzählt uns ihre Route, sie ist von Trelleborg nach Göteborg geradelt und dann mit der Fähre nach Frederiksborg gefahren, und folgte der Nordseeküste bis hierher. Dann kommentiert sie, dass wir ja ein riesiges Zelt dabei hätten. Auf die Art, in der Outdoorfreaks zu erkennen geben, dass sie finden, man hätte unnötig viel Gepäck dabei. Da hatte sie bei mir dann verloren. Ich mag das große Zelt, und ich mag die Bequemlichkeit, die es auf Reisen zu zweit bietet. Sie baut ein “Vaude Power Lizard” auf. Ja, ja. Poserin.

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Der Shelter, das Tipi, die Dackelgarage und unser Zelt stehen schon.

Wir legen uns schon um 22 Uhr hin, es ist noch hell. Aber wir schlafen sofort ein. Nachts muss ich einmal raus und sehe das beeindruckende goldene Licht des Leuchtturms über uns strahlen.

6 Tag Vestkyststien: Von Hvide Sande nach Fjaltring

Es ist Freitag, der 18. Mai 2018

Wir wachen um halb sieben auf und bleiben noch ein wenig im Schlafsack liegen, dann machen wir Kaffee im Shelter. Später schenkt uns der nette Wanderer von gestern seinen restlichen Sprit zum Kochen. Er hat eine Gaskartusche für seinen Trangia Kocher, und hat den Sprit “zur Sicherheit” mitgenommen, und dann gemerkt, dass er den nutzlos herumschleppt.

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Morgensonne vor unserem Shelter in Hvide Sande: Ich habe rausfotografiert, als wir noch im Schlafsack liegen und auf den Fjord schauen.

Zum Frühstück gibt’s wieder das übliche Porridge. Wir packen alles ein und fahren los. Der Wanderer wünscht uns zum Abschied eine gute Tour und einen guten Sommer! Das gefällt mir sehr gut, weil ich verstehe, was er meint. Sommer ist einfach die Jahreszeit, in der ich versuche, so viel wie möglich raus in die Natur zu kommen.

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Das Hafen-Sanitärhäuschen in Hvide Sande. Warm duschen für 10 Kronen und Unisex Toiletten.

Wir kaufen beim Spar in Hvide Sande ein paar Dinge ein. Eigentlich brauchen wir heute wenig, aber wir brauchen Kleingeld: wir fahren zur Hafendusche. Super angenehm, eine warme Dusche zu nutzen. Und wieder stelle ich fest, dass die Abschließriegel (das sind die Dinger zum drehen) nicht funktionieren. Später kommt eine Frau und geht auf die Toiletten nebenan, und bei ihr funktioniert’s. Schon wieder. Irgendwas habe ich bei den dänischen Verriegelmechanismen nicht verstanden.

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Luftpumpe und “Pflegestation” fürs Fahrrad, dahinter führt die Treppe auf den Bunkerberg hoch, der mit Hagebutten bewachsen ist.

Wir klettern als nächstes auf die Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die am Hafen herumstehen. In einen kann man sogar rein gehen. Am Fuß des Hügels ist wieder eine Luftpumpe und sogar eine Säule, an der Fahrradwerkzeug hängt. Das ist wirklich ein Traumland fürs Radfahren.

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Einer von zwei Bunkern auf dem “Trollberg” von Hvide Sande, er sieht aus wie ein U-Boot und hat eine rostige Eisenhaube oben drauf.

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Die Aussicht vom Trollberg: Am Hafen stehen Menschen aufgereiht und angeln, es ist blauer Himmel und es geht wenig Wind.

Wir haben heute wieder Gegenwind, aber er ist unter 15km/h, das geht ja noch. Wir kommen an einem schönen Leuchtturm in den Dünen vorbei und erreichen bald Søndervig. An einem gemütlichen Platz gibt es free Wifi und noch so eine Luft- und Werkzeugstation fürs Fahrrad.

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In der Dünenlandschaft auf der Nehrung steht ein weiß gestrichener Leuchtturm.

Auf dem Rausweg hole ich noch Zimtschnecken für die Pause vom Supermarkt, die haben wir in Hvide Sande vergessen, und kaufe mir eine scharfe Chilisauce, auf der “250 000 Scoville” steht. Dann verlassen wir die Stadt. Auf dem Rausweg fahren wir an einem Golfplatz vorbei, und ich nutze deren Druckluftanlage, um meinen Antrieb von all dem Sand und Staub freizupusten. Ein Platzwart kommt vorbei, aber er findet das okay. Mein Fahrrad auch!

Wir fahren am Stadil Fjord entlang, während sich der Himmel zuzieht. Für heute ist Regen angesagt gewesen, aber es bleibt trocken. Hier am Fjord gibt es ein riesiges Feuchtgebiet, in dem viele Vögel brüten. Der Weg verläuft auf Schotter auf einem ehemaligen Bahndamm.

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Die Fahrräder stehen bei einem Picknicktisch an einer Hecke und der Himmel ist mit dunklen Wolken bedeckt. Die Sonne scheint trotzdem.

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Der Himmel ist wieder heller geworden, und wir blicken über die weitläufigen Feuchtwiesen des Vest Stadil Fjord.

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Ein schnurgerader Schotterweg führt auf einem alten Bahndamm durch das Feuchtgebiet.

Wir erreichen am Mittag Vedersø Klit und machen ein Mittagspicknick. Dann geht es weiter durch die Husby Klitplantage, alles auf Schotter. Und nicht so guter Schotter, sondern der, auf dem es sich anstrengend fährt. Davon gibt es auf dem Vestkyststien viel. Als wir den Wald verlassen und auf dem nächsten schmalen Landstreifen radeln, kommt ein Aufschrei von hinten: Der Partner vermißt seine Fleecejacke! Wir hadern und hadern, und dann kann er sich erinnern, dass er sie am Anfang der Klitplantage, also 8km von hier, noch in der Hand hatte. Wahrscheinlich hatte er sie aufs Gepäck gelegt, anstatt sie mit dem Spanngurt festzumachen, und dann ist sie durch das Geruckel einfach runtergefallen.

Wir fahren zurück, denn ohne die Fleecejacke ist es abends auch zu kalt. Nutzlose Zusatzklamotten haben wir nicht eingepackt. Kurz vor dem Wald ist ein Pausenplatz am Meer, und ich schlage vor, dass wir hier stehen bleiben, und ich mein Fahrrad ablade und ohne Gepäck alleine den Weg absuchen fahre. Er hätte das auch gemacht, aber traut sich nicht zu, den Weg im Wald genau wiederzufinden, wie wir ihn gefahren sind.

Ich heize ohne Gepäck ganz schön über den Weg. Leider muss ich fast alles zurück fahren, aber da liegt wirklich mitten auf dem Weg die Fleecejacke, sie ist wirklich runtergefallen, wie er es schon vermutet hatte. Als ich zurück bin, ist die Freude groß und wir können unseren Weg fortsetzen. Vorher gehe ich noch aufs Klo an dem Rastplatz und finde heraus, wie man die verriegelt! Beim zudrehen des Verschlusses muss nämlich die Türklinke gleichzeitig nach oben gedrückt gehalten werden. Ironischerweise ist diese Toilette die letzte auf der Tour, die genau diesen Mechanismus hat, und ich werde mein neu erworbenes Wissen gar nicht mehr anwenden können.

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Der Rastplatz nach der Klitplantage, die Straße führt auf die Nehrung nach Thorsminde.

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In Thorsminde gibt es eine rot gestrichene “Fahrradpausenhütte”,  in der man auch grillen kann, aber gerade ist da nicht viel los, nur ein paar Leute angeln am Hafen.

Wir radeln nach Thorsminde, wo wir einen sehr beliebten Imbiß besuchen, jedenfalls ist alles voll und alles voller Einheimischer. Wir essen Hot Dogs und fahren dann über die Nehrung weiter. Es zieht sich etwas, wir sind auch schon etwas müde vom fahren, wir haben heute schon über 70km geschafft.

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Hinter Thorsminde klettern wir auf die Dünen und machen noch eine Pause mit Blick aufs Meer. Die Wolken haben sich verzogen.

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Hier auf der Nehrung sind die Dünen mit einem rauhen Gras bewachsen, ein Bewuchs, durch den der Sand schimmert.

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Der abendliche Strand, ein paar Leute haben ein Surfbrett dabei, sonst ist kein Mensch da.

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Das letzte Stück auf der Nehrung ist grün und auf der Fjordseite flach.

In Fjaltring finden wir den Shelterplatz erst nicht, er ist in der Nähe der Kirche eingezeichnet, doch dort ist absolut nichts. In Richtung des Strandes sehen wir Wohnmobile stehen, vielleicht ein Campingplatz. Wir grübeln und grübeln und gucken aufs Mobiltelefon und unser GPS Punkt sagt, wir sind genau da. Aber da ist nichts.

Bei den Wohnmobilen sehen wir etwas hüttenartiges, und fahren da hin, um zu schauen, ob dort der Shelterplatz ist. Tatsächlich ist er es – aber auch um die 35 Wohnmobile und Transporter. Der ganze Strandparkplatz ist angefüllt mit Wohnmobilen. Wir schieben unsere Räder auf den Shelterplatz, der von den Wohnmobil-Leuten in Beschlag genommen ist: Er wird als Grillhütte genutzt, aber auch, um mal woanders zu schlafen als im rollenden Klohäuschen.

Zwei haben sich ein Luftbett von 2x2m Grösse aufgebaut. Es sieht etwas lustig aus, denn der Shelter ist im Innenraum nur wenig höher als ein Meter, und das Luftbett ist einen halben Meter hoch, so dass kaum noch Platz ist, sich als Person drauf zu legen. Es wird deutsch gesprochen und die Wohnmobil-Leute finden gar nichts dabei, sich wie Platzhirsche aufzuführen. Sie sind durchaus nette Platzhirsche, aber eben Platzhirsche. Der Platz ist ihr “Geheimtip” und sie kommen immer hierher, und der Shelterplatz ist quasi schon ihre Grillhütte, und jovial wollen sie uns in ihre Geheimtip-Camping-Community aufnehmen.

Wir sind vergrätzt, weil so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wenn wir zu einem Platz kommen, wo schon Leute sind, haben wir es bisher immer erlebt, dass alle sich begrüßen und dann schauen, ob alle einen Platz finden, was doch immer geklappt hat. Aber ich habe es oft erlebt, dass Motorisierte auf uns als Radwanderer viel Rücksicht genommen haben, denn wir können nicht mal eben so 30km weiter zu einem anderen Shelterplatz fahren, sie schon.

Auf den Plätzen gilt, “wer zuerst kommt, mahlt zuerst”, und die grillenden Camperinnen erklärten uns, dass bis spät in die Nacht noch Leute ankommen werden und falls jemand in unserem Shelter schlafen möchte, müssten wir dann eben etwas rüberrrücken. Ich hab ihr gesagt, dass ich das gern mache, wenn Leute mit dem Rad oder zu Fuß noch kommen, aber nicht, wenn Leute nur mal Lust haben, mal aus Spaß woanders als in ihrem Wohnmobil zu schlafen. Ich bin 86km geradelt und erschöpft.

Zack, Stimmung im Keller, sie nahmen ihre Sachen und zogen davon, hin und wieder kam jemand, das Grillgut umzudrehen. Ich fühlte mich ein klein wenig mies. Das war eine klare Abstimmung mit den Füßen. Aber ich fand es auch nicht okay, wie wenig Rücksicht sie auf uns nehmen wollten, und es grade mal gönnerhaft geduldet wurde, wenn wir ihren DIY Wohnmobilgrillplatz halt auch noch nutzen. Leider gab es in der Nähe keine anderen Plätze, auf die wir schnell mal hätten ausweichen können.

Wir bekommen Bedenken, ob wir womöglich spätabends noch mit Wohnmobilleuten über Schlafplätze diskutieren müssen. Daher beschließen wir, unser Zelt neben den Sheltern aufzustellen und den Shelter nun doch links liegen zu lassen.

Ich mag es ehrlich gesagt auch nicht, wenn sich Leute mit ihren Wohnmobilen öffentliche Strände und Shelterplätze aneignen, sich “geheimtipmässig” breit machen und die Landschaft mit ihren Karren verschandeln. Das liegt aber auch daran, dass ich aus Deutschland komme, wo Camping mit Wohnmobilnutzung gleichgesetzt wird und fast sämtliche Camping-Infrastruktur auf Wohnmobile ausgerichtet ist, wo wir fürs Zelten fast gleichviel bezahlen wie für einen Stellplatz für so ein Riesenmobil und wo ich kaum etwas finde, wo ich mal ohne Autos mit Fernsehern und Satellitenschüsseln um mich rum draußen schlafen kann.

Aber es wird auch in Deutschland besser, es gibt immer mehr Wanderzeltplätze, manche sind sogar nur fürs Zelten, und nicht für Wohnmobile freigegeben.  Zum Glück!

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Meine Outdoor-Küche mit dem Trangia-Kocher, vielen Zutaten und Behältern.

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Das Fahrrad lehnt am Shelter in der Abendsonne.

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Sonnenuntergang an der Mole am Strand von Fjaltring, am Himmel steht eine dünne Mondsichel.

 

Wir machen Pasta mit Gemüse zum Abendessen. Ich kippe mir einen guten Schuß der Chilisauce über mein Essen, und äh ups.. oweh.. .die Fresse brennt ganz schön. Aber ich kann es noch essen. Ab jetzt nenne ich das Zeug nur noch “Scoville Sauce” und dosiere es tropfenweise. Die Flasche hat gar keinen Tropfverschluß, Humbug!

Als es dämmert, spazieren wir zum Strand und schauen uns die Mondsichel an. Auf dem Meer versuchen ein paar Leute, zu surfen, und vor einigen Wohnmobilen wird gegrillt oder gekocht. Eigentlich sind da viele alternative Leute, und vielleicht die Hälfte so “konservative Campingmobile”. Ein wenig schade, dass gerade die alternativen Leute  wenig Bewußtsein für andere Arten zu reisen haben. Wie vorhergesagt, kommen bis spät in die Nacht noch Wohnmobile an. Sie wollen wohl diskret sein, aber die Ansammlung ist weithin sichtbar und alles andere als diskret. Am Strand von Fjaltring darf man nachts eigentlich nicht parken, aber die Gemeinde Lemvig ist da wohl sehr tolerant, und die Wagenburg wächst an, zwischen 40 und 50 Autos sind es schon geworden.

Heute sind wir relativ spät im Bett, es ist schon richtig dunkel, als wir ins Zelt kriechen. Wir hören uns, als wir im Schlafsack liegen, noch einen Podcast an, von dem ich nach 5 Minuten nichts mehr mitkriege, weil ich dabei so wunderbar einschlafe.

Vestkyststien Tag 3: Von Ribe nach Esbjerg

Die Nacht war etwas unruhig, meinem Partner war schlecht und er hatte Kopfschmerzen, vielleicht war ich nicht die einzige, die zuviel Sonne abbekommen hatte. Aber am Morgen ist alles wieder gut, ein Glück.

Das Zelt ist wie jeden Morgen feucht vor lauter Kondensation, und die Morgenluft ist auch noch feucht, so dass es auch nicht schnell trocknet. Wir hängen das Zelt an den großzügig geschnittenen Shelter und packen den Rest unserer Sachen zusammen. Zum Frühstück gibt es wieder Porridge. Dann fahren wir nach Ribe, denn gestern hatten wir keine Zeit, die Stadt anzusehen.

Eigentlich wollten wir wenig Zeit mit Städten verbringen und heute noch zum Oksbøl Fjord fahren, aber wir haben umgeplant und einen der zwei “Extra Tage” verwenden wir jetzt, um Ribe und Esbjerg anzusehen. Dafür wird die heutige Etappe kürzer.

Unser Schlafplatz liegt im Nordwesten von Ribe, ziemlich ausserhalb in einem Wald, und wir müssen erst mal wieder ein paar km zurückfahren. Es gibt einen Parkplatz an einem Einkaufszentrum, wo es auch Toiletten mit Wasser gibt auf dem Weg, und ganz nette Plätze unter Bäumen zum entspannen. Ich nutze das Waschbecken, um ein paar Klamotten zu waschen, und dann geht es weiter in die Altstadt.

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Die Altstadt von Ribe: Eine Kathedrale mit Türmen, davor noch eine andere Kirche, und Fachwerkhäuser mit schwarzen Balken, roten Ziegeln und mit weiß gestrichenen Fenstern sind zu sehen. 

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An der Kathedrale von Ribe gibt es verschiedene Türmchen, dieses hat eine lustige spitze Form mit einem Rettungsring-Bauch. 

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Unsere Fahrräder stehen auf dem Platz vor der Kathedrale, dahinter sind alte, rot gestrichene Fachwerkhäuser und die Sonne scheint ganz schön.

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Eins der Gewölbe in der Kathedrale. Ich habe im Kunstunterricht eigentlich mal gelernt, wie das heißt, aber ich habe es wieder vergessen. 

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geschnitzte Verzierungen an der Kanzel in der Kathedrale, ein Engelskopf und eine Bordüre, zum Bemalen wurde blaue und goldene Metallic Farbe verwendet. 

Alles ist super schön und malerisch in der ältesten Stadt Dänemarks. Sie haben auch irgend so ein archäologisches Museum, wo ein Wikingerschiff restauriert wird, aber da gehen wir nicht rein. Die Kathedrale sieht sehenswert aus und ist es auch. Alt ist sie, und alles ist kunstvoll geschnitzt und gemauert.

Touristenbusladungen gehen ein und aus, und wir leisten uns bei einem Bäcker eine Plunderstange mit Vanille- und Apfelpudding und Krokant obendrauf. Ah, dänische Plunder! Direkt nebenan ist ein sehr einladend aussehendes Wollgeschäft. Aber ich habe meinen Wollvorrat so vermehrt, dass ich mir für dieses Jahr striktes Wollkaufverbot gegeben haben. Außerdem kann ich keinen Stauraum für Unnötiges verbrauchen, wir sind schließlich auf Fahrradtour. Ich gehe nicht mal rein, aber allein die ganzen bunten Knäule in den Sonderangebots-Körben vor der Tür sind schon sehr schön. Wie heißt es? Wolle kommt doch von wollen.

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Unsere leckere Wiener Stange auf einer braunen Papiertüte. 

Nach dem Stadtbummel geht es wieder auf die Route, auf dem Rausweg holen wir noch beim dänischen Discounter etwas fürs Abendessen, denn jetzt sind die mitgebrachten Vorräte aufgebraucht.

Die Strasse Richtung Esbjerg ist zuerst eher langweilig, wir fahren an einer grösseren Landstrasse entlang, aber mit seitlichem Radweg. Aber dann geht es wieder an die Nordsee und wir treffen wieder hunderte von niedlichen Schafen und Lämmern am Deich. Die Sonne brennt wieder auf uns nieder.

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flaches Land – sehr, sehr flach, ohne Bäume, nur grüne Wiesen, ein Asphaltweg und ein bepacktes Fahrrad. 

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Schafweiden (hier mal leer) und dahinter das Meer. 

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Mutter und Lämmchen auf dem Deich.

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An einer Durchflutungsöffnung im Deich führt eine Rinne zum Meer, und Schafe weiden auf der Wiese. 

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in dem spärlichen Schatten der Hütte gibt es Mittagessen, das ist hier das, was noch von gestern abend übrig war, in einer Lock Lock Dose. 

An einer kleinen Steinhütte an einem Flut-durchlauf-Tor setzen wir uns in den Schatten. Das ist auch der einzige Schatten, den es gibt. Wir machen Mittagspicknick und B. lockt Schafe an, die neugierig zum Zaun kommen und an seiner Hand schnuppern.

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Der Partner und die Schafe sagen sich Hallo

Dann geht es über einige kleine Dörfer rein nach Esbjerg. Die Stadt ist nicht ganz so hübsch wie Ribe, und um einiges größer. Schon vorab hatte ich mir einen Spejder Sport rausgepickt, um mir ein Loop-Hals-Kopftuch zu kaufen, denn meins ist ja irgendwo hin verschwunden vor der Reise. Und bei dem windigen Klima an der Küste brauche ich sowas schon. Mich nervt Wind, der mir ständig in den Ohren braust, da ist es super, eine Schutzschicht drüber ziehen zu können. Die Teile von Buff sind entsprechend teuer (wieso habe ich mir eigentlich nicht einfach selbst einen genäht?), aber im hinteren Teil des Ladens gibt es welche mit dem Logo der dänischen Pfadfinder, die kosten nur die Hälfte von einem Buff Loop.

Dazu erwerbe ich noch ein Sitzkissen, denn mein schwedisches, das wir letztes Jahr an der Straße in Skåne gefunden haben, hab ich glorreicherweise zuhause vergessen. Da ich schlecht knien kann, und auch eine anfällige Blase habe, ist so ein Sitzkissen super komfortabel. Das muss gar nichts großes sein, das Neue ist einfach ein 25x35cm grosses Stück Schaumstoff.

Auch in Esbjerg gibt es schöne Wollgeschäfte, und Stoffläden! Ach ach, skandinavische Handarbeitsläden, sie sind so attraktiv. Diesmal geh ich gar nicht erst rein, und das ist auch besser so.

In Esbjerg ist unser ausgesuchter Lagerplatz östlich der Stadt, im “Ost-Wald”. Er heißt “Knudsens Plads”. Da ist eine große Wiese, eine überdachte Aufenthaltsterrasse mit Sitzbänken, eine Feuerstelle mit Bänken drumherum und vier Shelter. Direkt nebenan gibt es eine große Grillhütte, in der eine grössere Gruppe gerade den Abend verbringt, und da gibt es auch Wasser und sanitäre Einrichtungen. Wir stellen fest, dass das Abschließen an beiden Toiletten nicht funktioniert. Die Einheimischen scheinen das Problem aber nicht zu haben. Komisch. Wir probieren und probieren herum, aber es geht einfach nicht und wir geben es dann auch auf.  Später, als die Leute nach Hause gehen, ist der Platz sowieso leer und wir sind ungestört, da können wir auch offen lassen.

Ich sehe eine große Zecke herumkrabbeln, aber ich habe Glück, auf der ganzen Tour fange ich mir keine ein. In Dänemark gibt es sehr wenig FSME, aber Borreliose, und die kann ich ganz gut vermeiden, wenn ich Zecken innerhalb von 12 Stunden finde und entferne.

Es gibt Letscho aus frischen Paprika, Tomaten und Couscous zum Abendessen, und wie relativ immer gehen wir früh schlafen. Faszinierend, wieviel länger es im Norden hell ist, dabei ist noch nicht mal Sommersonnenwende.

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Auf der Bank am Lagerfeuer in Esbjerg habe ich Paprika und Zwiebeln geschnippelt zum Kochen 

 

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Am Lagerplatz in Esbjerg: eine Lagerfeuerrunde (ohne Feuer) und Bänke und dahinter haben wir das Zelt aufgestellt. 

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Der Shelterplatz mit unserem Zelt in der Dämmerung. Wir schlafen nicht in den Hütten, weil wir kein Mückennetz dabei haben. 

Vestkyststien Tag 2: von Højer nach Ribe

Es ist Montag, der 14. Mai. Wir haben heute eine Strecke von ca. 70km vor uns, und die Gangschaltung am Fahrrad meines Lebensgefährten funktioniert nicht, na Prost! Trotzdem ist die Moral ganz gut. Wir packen früh ein und wollen unterwegs frühstücken. Auf dem Weg aus Højer raus sehe ich, dass das ein riesiges Hünengrab ist, und schaue es mir noch an:

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Hünengrab in Højer: ein Steinkreis mit ca. 15m Durchesser, in dem ein grasbewachsener Erdhügel aufgeschüttet ist. Der Eingangsstein ist verschlossen. 

Bei Emmerlev Klev kommen wir dem Meer wieder sehr nahe. Wir fahren zum Strandhotel, das ausgestorben da liegt, und setzen uns auf eine der Bänke am Wanderparkplatz, packen unseren Kocher aus und es gibt Porridge mit Bananen und Schokolade.

Ein Mann mit Gummistiefeln kommt vorbei und wandert am Watt entlang, er wird langsam immer kleiner und kleiner, so flach ist es hier, dass man ihn noch lange sieht.

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Die Bucht von Emmerlev: Hinter einem flachen Deich ist eine feuchte Wiesenlandschaft, die ins Wattenmeer ausläuft (gerade ist das Wasser da und das Watt nicht zu sehen), davor mein Fahrrad. 

Danach geht es nach Hjerpsted und weiter entlang einer Landstrasse, auf der zum Glück wenig Verkehr ist. Aber in Dänemark gibt es einen himmelweiten Unterschied zu Deutschland: Die Leute fahren so viel langsamer. Und sie fahren viel entspannter und rücksichtsvoller. Hier kann ich angstfrei auch mal an einer Landstraße entlangradeln.

In Badsbøl-Ballum geht es dann von der Straße weg und wir stoppen an der Kirche von Vesterende-Ballum, um unsere Wasserflaschen nachzufüllen. Es gibt Vogelhäuschen auf Stelzen, die gestaltet sind wie die Gebäude in der Gegend. Ich habe aber keins fotografiert.

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Flach, flach, flach und grün und Meer. 

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Noch mehr flach, flach und grün und Meer und ein paar Gebäude am Horizont. 

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Im Inneren der Kirche von Vesterende-Ballum sieht es nordisch maritim aus. die Holzbänke sind blau gestrichen, genauso wie die Chorempore, und von der Decke hängt ein kleines Segelschiffs-Modell. 

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weiß gekalkte Gemäuer kann man am Ausgang vom Kirchhof sehen, ein weiß gestrichenes Tor und grüne Hecken geben den Blick auf flache, grüne Wiesen und das Meer frei. Der Himmel ist knallblau. 

Nach der Pause bei der Kirche verläuft der Radweg direkt am dänischen Teil des Nationalparks Wattenmeer. Nur verläuft er an der Innenseite des Deichs, deswegen können wir die ganze Zeit das Meer nicht sehen. Außer, wenn ich auf den Deich klettere.

An den Deichen sind Schafweiden mit vielen, vielen kleinen Lämmchen, die mit hohen Stimmen niedlich blöken. Das bedeutet aber auch, dass der Radweg Dutzende von Zäunen und Gattern kreuzt, und wir oft absteigen müssen, um die Tore zu öffnen und dann wieder zu schließen. Es wird Mittag und immer wärmer.

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Flach, Grün und Meer… nur, dass dieses Foto vom Deich aus aufgenommen wurde. 

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Eines von vielen Gattern, wo wir ein Tor öffnen mussten, um durch zu fahren. Im Hinterland des Deiches sind Teiche mit Schilfwedeln. 

Es wird immer wärmer, beziehungsweise: MIR wird es immer wärmer. Es gibt kaum schattige Stellen, und obwohl ich eine Baseballmütze trage, merke ich langsam, ich bekomme zu viele Sonnenstrahlen ab. Wer hätte gedacht, dass das Wetter SO GUT wird! Der Radweg verlässt den Deich um bei Brøns durchs Dorf zu führen. Dann geht es ein langweiliges, und ebenfalls sehr sonniges Stück an einer geraden Landstrasse entlang. Es herrscht leichter Gegenwind und mein Partner ermüdet, zumal er alles im 4. Gang fährt.

In Rejsby fahren wir endlich von der Landstrasse runter, und kurz nachdem wir das Dorf durchfahren haben, MUSS er an einem Picknicktisch eine Pause machen. Mir ist es dort zu sonnig. Aber er KANN nun mal nicht mehr. Ich hole seufzend das Tarp raus und versuche mir einen Sonnenschutz aufzuspannen, leider ist das nur bedingt von Nutzen.

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Ein Tarp auf einer sonnigen Wiese zwischen Zaunpfählen und dem Fahrrad aufgespannt. Darunter im Schatten sind Fahrradtaschen und was zu essen. 

Ein Sonnenstich ist, wie ich später nachlese, ein Hitzeschaden, und dabei geht es um langwellige Sonnenstrahlung, die vor allem Wärme erzeugt (im Infrarotbereich, wie diese Infrarotlampen). Und unter dem Tarp staut sich die Hitze auch ganz schön. Ich habe noch keinen Sonnenstich, aber ich merke, dass er nicht mehr weit ist. Ich nehme also meine Sachen und beschließe, mich in das unwegsame Gebüsch zu verziehen, das in der Nähe liegt. Es stellt sich heraus, dass in dessen Mitte ein gemütliches kleines Wäldchen ist, und weil Bäume so gut das Licht filtern und kühlen, ist es darin super angenehm!

Keine Ahnung, wieso ich nicht gleich drauf gekommen bin. Der Partner kommt auch noch in das Wäldchen, und wir verbringen eine Stunde im Schatten der niedrigen Bäume und Sträucher mit Lesen und Dösen.

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ein schattiges kleines Buschwäldchen bietet uns einen Platz zum pausieren. 

Dann führt der Radweg wieder runter zum Meer, und es wird wieder heiß. Aber jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis Vester Vedsted. 7 Kilometer, um genau zu sein. Wir kommen am Traktorenshuttle-Service vorbei, wo man sich auf die kleine Insel Mandø fahren lassen kann. Auch das Wattenmeerzentrum lassen wir links liegen, leider.

Ich hätte es mir gerne angesehen, aber die Fahrradreparatur hat Priorität und deshalb wollen wir ohne Zwischenhalte nach Ribe.

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Am Meer steht ein Fahrrad in der grünen Wiese

In Ribe kommen wir gleich zu den “Cykeleksperten”, die Werkstatt, die das Internet empfiehlt. Sie liegt direkt an unserem Weg. Ich bemerke leichte Schwindelgefühle und weiß nicht genau, ob ich zuviel Sonne hatte oder ob ich was essen muss, aber ich fürchte, es war doch zuviel Sonne. Noch bin ich aber fahrtüchtig.

Bei den Cykeleksperten finden wir einen Mechaniker vor, der alle Hände voll zu tun hat und uns wieder wegschickt. Er könne sich das Rad noch nicht mal anschauen, weil er einfach keine Zeit hat. Für mich ist das völlig demoralisierend. Immerhin empfiehlt er uns eine andere Werkstatt, am anderen Ende von Ribe, im Industriegebiet nördlich der Altstadt. Wir rufen da an, und juhu! Sie sagen, wenn wir gleich vorbeikommen, nehmen sie sich sofort Zeit für uns.

Ribe ist eine wunderschöne alte Stadt, aber wir müssen ja zur Werkstatt und haben keine Zeit. Uns fällt noch ein, dass wir ja gar kein dänisches Geld haben, und heben einen Schwung Kronen von einer dänischen Bank ab. Dann geht es zur Werkstatt. Das Industriegebiet ist fast außerhalb, wie eine zweite Stadt, und als wir da sind, stehen wir vor einer großen Verkaufshalle mit angeschlossener Werkstatt: dem Ribe Cykellager. Wir gehen etwas schüchtern rein, und drinnen gibt es drei Reparaturstände, wo drei Menschen gleichzeitig arbeiten. Ein Mechaniker kommt auf uns zu, und sagt, “Hallo, wir haben telefoniert”. Dann nimmt er das Rad, das er gerade repariert, vom Reparaturstand ab, hängt sofort B’s Rad drauf und schaut sich das Malheur an.

Wie wir vermutet hatten, muss der Schalter am Lenker ersetzt werden, einen neuen Schaltzug bekommt das Fahrrad auch. In 20 Minuten ist alles geschafft, wir sind sehr dankbar und 450 Kronen leichter.

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In der Werkstatt des “Ribe Cykellager”.  Fahrräder stehen überall herum, und ein Rad hängt an einem Reparaturstand. 

Wir fahren um einiges entspannter zum Shelterplatz in Ribe, den wir auch ohne Probleme finden. Ich hatte mir schon vor der Reise alles mit dem Satellitenbild von Google maps angeschaut, sonst wäre es wohl nicht so einfach gewesen. Auf dem Platz ist eine große runde Hütte mit Feuerstelle in der Mitte.

 

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Ich sitze am Shelterplatz im Gras und genieße einen Instant-Matcha-Latte im Schatten. 

Wir haben immer noch genug zu kochen von zuhause dabei, heute gibt es Weißkohl mit Tomaten und Bohnen aus der Dose. Dazu gab es dann noch Couscous. Das ist sehr praktisch, weil es so gut wie keine Kochzeit benötigt. Zumindest die Schnellkochvariante nicht. Ob es langsamer kochende Couscous-Sorten gibt? Mir ist noch nie eine untergekommen.

 

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Als die Sonne abends schwächer wird, baut B. das Zelt auf und richtet schon mal alles ein. 

Da wir jetzt heute schon die Reparatur hinter uns gebracht haben, beschließen wir, den dafür geplanten Extra Tag trotzdem zu verwenden, und morgen in Ribe eine Stadtbesichtigung zu machen, und dann in Esbjerg auch nochmal in der Stadt rumzubummeln. Anstatt zum Oksbøl Fjord zu fahren, werden wir dann einen Shelterplatz in der Nähe von Esbjerg ansteuern. Dadurch werden die nächsten zwei  Etappen etwas kürzer werden (und das wird sich noch als sehr günstig für uns herausstellen).

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Die Hütte in Ribe steht auf einer kreisrunden Waldlichtung. 

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Das Solarpanel bekommt auf dieser Tour viel zu tun, denn soviel Sonne hatten wir noch nie. 

Den Sonnenschutz abzuwaschen stellt echt eine Herausforderung dar. Ich verwende einen physikalischen Sonnenschutz von Alverde, der einen so kalkweiß macht. (Allerdings habe ich später wieder auf Chemie zurückgegriffen). Zum Abwaschen habe ich Lavaerde benutzt, das ist eine Wascherde, die komplett ohne Zusätze auskommt und deswegen kein Problem bei der Verwendung in der Natur ist. Und sie wäscht gut.

Als wir in den Schlafsack kriechen, ist es immer noch hell, das ist schon zu merken, dass wir hier weiter nördlich sind. Ich schlafe ziemlich sofort ein und schlafe auch diese Nacht wieder sehr gut.