Konmari Update, Juli 2019

Seit Januar mache ich ja einen Durchgang meiner Wohnung nach der Konmari Methode (so nennt Marie Kondo ihre Aufräum-Methode). Es ist aus zwei Gründen ein langer Prozess bei mir:

  1. Ich habe zu wenig Zeit um da so richtig reinzugehen, dieses Jahr stecke ich ganz schön viel in Arbeit und komme nur langsam voran damit, alle Dinge einer Kategorie auszubreiten und durchzugehen.
  2. Ich versuche gleichzeitig, wenig Müll zu erzeugen, und finde – entgegen Kondos expliziten Rates – neue Verwendungen und neue Orte für meine nicht mehr benötigten Dinge. Das Buch ist hier etwas zwiespältig: Einerseits rät sie davon ab, jedem Ding ein neues Zuhause zu suchen, weil es den Fortschritt des Prozesses zum Stillstand bringen könnte, andererseits schreibt sie sehr liebevoll von den Dingen und dass diese “weiterziehen” wollen. Und das spricht für mich nicht von der Müllverbrennungsanlage.

Das letzte Mal habe ich über das Aussortieren meiner Stoffe im März berichtet. Was als nächstes dran kam, war der Papierkram. Marie Kondo rät, nur das Nötige zu behalten, weil Papierkram nicht glücklich macht, insofern würde nur das bleiben, wo man von Staats wegen gezwungen ist, es aufzubewahren. Und das ist in Deutschland recht viel. In Japan scheint es da lockerer zuzugehen. Ich suchte im Internet nach Aufbewahrungspflicht von Dokumenten, und da wird geraten, sämtliche Lohnabrechnungen und Sozialversicherungsunterlagen für immer aufzuheben, wegen der Rente. Weil wenn denen was verloren geht, dann müsste man das selbst beweisen, wieviel man gearbeitet und verdient hat… ugh…

Das hat mich ganz schön abgeturnt. Und ich habe mich wochenlang vor dem Papierkram gedrückt. Die Aussicht, nicht vorgehen zu können, wie Kondo das rät, sondern doch viel viel mehr aufheben zu müssen, aufgrund der deutschen Rechtslage, hat nicht gerade Lust aufs aufräumen gemacht.

Irgendwann kaufte ich dann über ebay Kleinanzeigen einen gebrauchten Schredder und dann ging es doch los. Es wurde sehr interessant: Ich hatte unglaubliche Mengen von Mitschriften aus Uni-Zeiten, die ich nie wieder lesen würde, die aber einen Stehsammler neben dem anderen in meinem Bücherregal belegten. Obwohl ganz offen sichtbar, war mir das gar nicht so klar gewesen.

Handschriftliches habe ich geschreddert, und die Berge von Kopien in schlechter Qualität von unverständlich geschriebenen akademischen Texten habe ich so ins Altpapier getan. Meine Belege von Dingen, deren Garantie abgelaufen war, flogen raus, und auch uralte Kontoauszüge.

Insgesamt waren es doch wieder 15kg Papier, um die ich mich erleichtert hatte.

Nachdem der Papierkram erledigt war, kam der Prozess auch wieder ins Laufen. Ich glaube, danach bin ich an das Hobby-Papier gegangen: Also Zeichenblöcke, Dekopapier, Bastelpapier, und Kleinmaterial fürs Artjournaling.

Allerdings auch an meine schon gefüllten Zeichenblöcke. Da waren Mappen aus den 90er Jahren, mit zum Teil wirklich ganz schön miesen Zeichnungen und Malereien drin. Weil diese die Aura der Einzigartigkeit haben, habe ich nie etwas davon weggeworfen. Es sind eben nicht beliebig ersetzbare Konsumgegenstände. Und dennoch ist nicht alles behaltenswert. Einiges kann, weil es auf gutem Papier gezeichnet wurde, übermalt werden. Anderes war schlecht gezeichnet auf schlechtem Papier, ich habe es geschreddert, weil es so ins Altpapier tun war mir zu intim.

Von den bisher unbenutzten Blöcken und Papieren habe ich alles behalten. Letztes Jahr hatte ich eine grössere Menge gutes Aquarellpapier geschenkt bekommen, weil meine Mutter nicht mehr dazu kommt. Und von einer Strickfreundin einen ganzen Schwung Blöcke mit Aquarell- und Mixed Media Papier, weil sie das Hobby aufgegeben hat. Zwar habe ich derzeit ganz klar mehr Papier als ich benötige, aber ich fahre seit langem gut damit, guten Stash zu erst mal zu lagern.

Sollte wer in meiner Umgebung einen Zeichenblock benötigen, kann ich ihn immer noch weggeben, das ist besser, als jetzt krampfhaft wen zu suchen, der_die einen gebrauchen könnte, vielleicht irgendwann mal.

Ausserdem habe ich jetzt alle meine Blöcke, Skizzenbücher und Papiere an zwei Orten, wo sie sehr gut rein passen. Das macht mich sehr glücklich.

Das Phänomen des frei werdenden Platzes

Ich hatte vorher schon mein Zimmer aufgeräumt. Es war in sich – irgendwie – aufräumbar. Alles hatte einen Platz, und ich war auch schon die Jahre vor “Konmari” an Aufbewahrungslösungen interessiert, habe hier und da mal ein neues Regal angebracht, und alles immer verstaut bekommen.

So habe ich nicht bemerkt, wie sich meine Bude immer mehr füllt. Dass Dinge auf dem Boden in den Ecken zusammengestaucht waren, fiel mir nicht auf, denn es war ja in irgendeinem Winkel zusammengepfercht, und der Boden inmitten des Raums war frei.

Dass in den Regalen alles immer enger und enger zusammengedrückt war, fiel mir nicht auf, weil es so langsam vonstatten ging. Mit der Zeit hatte ich immer mehr begonnen, die ganze Höhe des Regalfachs auszunutzen, indem ich alles eng in Boxen stopfte und die dann in dem Regalfach stapelte.

Dadurch habe ich jetzt zwar tagelang Dinge aus meinem Zimmer geschafft, aber es dauerte Monate, bis wirklich Flächen und Fächer leer wurden. Die Dinge haben sich zunächst einfach etwas mehr ausgebreitet.

Das Phänomen des Dekorativen

Über viele Jahre hatte sich auch etwas anderes ereignet: Meine dekorativen, “magischen” Dinge sind von den funktionalen Dingen ebenfalls verdrängt worden. Ich habe in meinem Zimmer einen Altar, auf dem sich die heiligen und ansonsten nutzlosen magischen Dinge immer mehr drängelten, und was da nicht drauf passt, wurde in Boxen eingelagert und irgendwo in eine dunkle Ecke verbannt.

Nach den Papieren ging ich unter anderem auch an die “magischen und dekorativen Dinge”. Besondere Steine, die ich unterwegs gesammelt hatte, Treibholz, Halbedelsteine, Knochen, Keramikschälchen, Glöckchen, Glasperlen, Murmeln, alles mögliche. Davon flog auch eine ganze Menge raus, Erinnerungen an Zeiten und Orte, die mir inzwischen einfach nicht mehr wichtig waren. Ich konnte die Dinge nicht einfach in den Müll werfen, deshalb machte ich Spaziergänge und dekorierte meine Nachbarschaft mit schönen Steinen und Keramikschälchen.

Und seit ich mehr Platz habe, habe ich jetzt auch tatsächlich die Möglichkeit, meine übrige Deko auch als Deko hinzustellen, und sie nicht in Kisten wegzupacken, weil nirgends Platz ist, und sämtlicher Platz für Funktionales gebraucht wird.

Untitled
Das hier – ein kleines Schränkchen, auf dem jetzt ein Kessel mit meinen Spindeln und zwei Schalen mit Steinen und Muscheln stehen – war einmal eine Abstellfläche für meine Teekannen. Was auch irgendwie schön war, aber jetzt, wo meine Kannen erst mal einen anderen Platz haben, kann ich das Schränkchen auch mal für reine Deko verwenden. (Gut, die Spindeln sind keine Deko, sondern auch funktional, aber die Präsentation wirkt für mich sehr dekorativ.
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Nordseeradweg Niederlande, Teil 2

Das mit dem Zusammenfassen wird nichts, merke ich. Deshalb schreibe ich jetzt wohl doch Tag für Tag… oder eben, wie es kommt!

Freitag, der 14.6.2019 – der dritte Tourtag. Morgens ist es bewölkt. Wir fahren zuerst nach Camperduin und der Radweg führt entlang der künstlich angelegten Dünen. Sie wurde aufgeschüttet, um vor Überflutungen zu schützen. Hier gibt es viele Badestellen, aber gekennzeichnet werden sie durch geräumige Fahrradparkplätze – wo Holzgeländer installiert wurden, an die Räder gelehnt und angeschlossen werden können. In Deutschland parken am Strand die Autos, in den Niederlanden die Räder. Ich finde es super.

Heute ist allerdings kein Badewetter und alles ist leer. Wir kommen nach Petten und besuchen die Ausstellung “Zand tegen Zee”, die super informativ ist. Die Empfangsdame spricht uns auf deutsch an und ich sage auf Holländisch, dass wir versuchen, etwas holländisch zu lernen. Sie freut sich und spricht gleich holländisch mit uns. Ich verstehe ein wenig und blamiere mich mit völlig falschen Worten, aber na gut.

Wir schauen uns noch einen Film über die Dünen an, leider habe ich die meisten Fakten schon wieder vergessen. Die Klimakatastrophe und die steigenden Meeresspiegel sind in der Ausstellung auch ein grosses Thema. Hier haben die Menschen viel zu verlieren, und sie ziehen die Küstenbefestigungen hoch. Es gibt gratis Kaffee von einem Automaten, was auch sehr schön ist.

Der Radweg führt nun wunderschön durch ein Wäldchen und wir werden alsbald von einem starken Schauer überrascht. Wir stellen uns unter dichten Fichtenbäumen unter, und der Seewind vertreibt nach etwa einer halben Stunde die wirklich sehr schwarzen Wolken und strahlend blauer Himmel öffnet sich.

Wir radeln durch ein wunderschönes Dünengebiet, leider das letzte auf dieser Reise, denn die Noordzeeroute führt jetzt weiter auf die Inseln Texel und Vlieland, und wir fahren die popligere Route nach Den Oever. Das liegt daran, dass die Fähre von Vlieland aus einer Buchung im Voraus bedarf, selten fährt und auch nicht ganz billig ist. Allerdings vernavigiere ich mich und wir fahren nach Callantsoog. In die Bänke am Dorfplatz sind Solarzellen eingelassen und sie besitzen USB Ausgänge, damit die Leute ihre Smartphones laden können. Klasse! Wir haben allerdings das eigene Solarpanel dabei und brauchen es nicht in Anspruch zu nehmen.

Bei der Fahrt Richtung Norden hatten wir wieder wunderbar starken Rückenwind, aber jetzt, wo wir einen Bogen nach Süden schlagen müssen, der uns über Land und weg von der Küste führt, kämpfen wir erst mal ganz schön. Wir kommen an eine Art Schnellstrassenkreuz und die Radwegführung (die immerhin vorhanden ist) ist etwas verwirrend, fast biegen wir falsch ab. Aber dann haben wir’s und fahren an bunten Anemonenfeldern vorbei.

Für die meisten anderen Blumen ist es zu spät, die sind schon abgeerntet. Wir fahren an sehr vielen abgeernteten Tulpenfeldern dabei. Anemonen und Zierzwiebeln blühen noch. Das muss ein imposanter Anblick gewesen sein, als da alles in Blüte stand.

Wir machen eine Pause im Dörfchen Ouidesluis und dann geht es wieder nördlicher und mit Rückenwind an einem mäandernden Fluss entlang. Dann kommen wir am Amstelmeer vorbei, von dem wir leider nichts sehen, denn die Strasse liegt hinter einem Deich und führt durch einen Wald.

Dann biegen wir von der Route ab und fahren über eine kleine Landstrasse zum Campingplatz “Het bos roept”. Schon als wir ankommen, fühlen wir uns wie Zuhause: Alles sieht öko und freundlich aus, und man kann sich selbst in einem niedlichen kleinen Bauwagen “einschreiben”. Der Campingplatzbesitzer ist ein dauergutgelaunter Lockenkopf, der ständig auf dem Platz unterwegs ist und alle neuen Gäste persönlich begrüßt, sobald er ihnen über den Weg läuft. Wir sind die einzigen Deutschen da, und ich bekomme wieder Gelegenheit, ein wenig Niederländisch zu üben.

Der Platz hat ein schönes Glashaus mit Induktionsherd, auf dem wir an dem Abend etwas kochen, ganz komfortabel. Nach uns kommt eine grössere holländische Familie und kocht ebenfalls. Die Oma und der Opa sprechen ein ziemlich deutliches Niederländisch, da kann ich sogar ein wenig folgen. Leider verstehe ich bei den meisten anderen wirklich gar nichts. Das ist schon ernüchternd. Gerade wenn die Leute sehr schnell sprechen, bin ich gleich total lost.

Im Glashaus gibt es einen Selbstbedienungskühlschrank, wo eine Flasche kalte Limo 30 Cent kostet, und Kaffee und Tee zum Selber aufbrühen gegen Spende. Es ist so nett da! Und es stehen wunderschöne, imposante Baumwollzelte auf dem Platz. Über die sollte ich später mehr erfahren.

Camperduin - Dünen
Dünen bei Camperduin
Dünen
die künstlich angelegten Hondsbosje Dünen sind zu einer spannenden Naturlandschaft geworden.
Polder
“De Putten” ist ein Vogelparadies, das aus Feuchtwiesen in den Poldern hinter den Dünen besteht. Viel Grün und viel Feucht ist zu sehen.
Zand tegen Zee
An der Ausstellung “Zand tegen Zee” angekommen, der Himmel ist dunkel und schlechtes Wetter kündigt sich an
Dünen
Wunderschöne Farben des Meeres, des Himmels und der grasbewachsenen Dünen.
Abwettern
Statt auf der Bank sitzen wir unter den Bäumen im Wald und warten den Regenschauer ab.
Pause
…und auf einmal scheint strahlend die Sonne.
Anemonen
drei verschiedene Sorten Anemonen werden hier auf Feldern angebaut.

Nordseeradweg 2019 – Niederlande (Teil 1)

Ich schaue mal, dass ich alles diesmal etwas komprimierter schreibe, einen eigenen Eintrag für jeden Tag finde ich jetzt doch zu zeitraubend. Alles in allem: Für Radreisende mit Zelt ist der Nordseeradweg in Holland echt empfehlenswert! Es gibt viele Zeltplätze, auch kleinere, die Wege sind super ausgebaut, und die Natur und Kultur sehr interessant.

Angefangen hat Alles leider dramatisch: Ich wurde am Samstag, den 8. Juni, am Vorabend der Tour krank und beschloss, dass wir trotzdem fahren und ich es versuche, trotz Erkältung. Schon im Zug wurde klar: So wird das nix. Wir sind dann, statt in Amsterdam umzusteigen, dort ausgestiegen und haben drei Tage dort gezeltet, in denen ich so halbwegs den grippalen Infekt durchmachte.

Nicht ohne Komplikationen: Der Zug wurde in Bad Bentheim beendet, statt nach Amsterdam durchzufahren, und wir mussten uns drei Stunden lang mit bepackten Rädern durch drei überfüllte Regionalzüge quälen, was mir an dem Tag echt den Rest gab.

Die nächsten Tage lag ich dann mit mehr oder weniger Temperatur und Halsschmerzen im Zelt, trank Tee, inhalierte, und warf Aspirin und Halstabletten ein. Vormittags war jeweils ein kurzer Radausflug in die Parks der Nähe und in die Stadt drin, bevor ich zurück musste, das Bett hüten.

Amsterdam Fahrradstrasse
Beim Ausflug in die Stadt freuten wir uns über die Fahrradinfrastruktur, hier z.B. eine Fahrradstrasse.
Amsterdam
Mein Fahrrad auf einer Brücke in Amsterdam. Echt eine wunderschöne Stadt, von der ich diesmal nicht viel gesehen habe.

Am Montag Abend war ein starkes Gewitter angekündigt, und es blitzte, donnerte und regnete auch ganz schön. Aber drinnen blieb alles trocken und gemütlich.

Zelt
Mein Zuhause für 3 Tage: Das gute Hilleberg-Zelt. Dank Solarpanel und Campingplatz-Wifi habe ich schön Youtube-Filmchen im Bett geguckt.. und viel geschlafen.

Dienstag abend war der erste Tag, wo ich abends ohne Aspirin zu schlucken, fieberfrei war, und somit beschloss ich, dass wir Mittwoch früh losfahren. Zwar hatte ich Dienstag kaum 3km durch den Park radeln geschafft, aber hey, klar fahre ich 45km am nächsten Tag. Zur Sicherheit suchten wir uns aber einen Campingplatz auf der halben Strecke raus, falls ich es doch nicht schaffen würde.

Radweg
am Mittwoch ging es los! Hier der breite und wunderbar gut zu befahrende Radweg von Amsterdam nach Haarlem inmitten eines Strauchwaldgebietes. Am Horizont braute sich schon wieder schlechtes Wetter zusammen.

Wir packten gemütlich und machten uns auf den Weg. Ich hatte zwar noch ordentlich Schnupfen und fühlte mich etwas schwach, aber ansonsten ging es mir gut, und im Laufe des Tages eigentlich immer besser. Mein Geschmackssinn kehrte zurück, was praktisch war, denn in Haarlem gönnten wir uns gleich eine große Tüte Fritten mit Erdnuss-Sauce.

Haarlem
Haarlem Sky- and Waterline. So eine wunderschöne Altstadt, mit all den zuckerigen Grachtenhäusern. Alles wie in Amsterdam, nur kleiner, kommt mir vor.
Haarlem
Rosentor an der Kathedrale in Haarlem
Frits in Haarlem
Die leckersten Fritten!

Ich habe mich an der Frittenbude überwunden und mein weniges, auf Duolingo erworbenes Niederländisch praktiziert, um auszudrücken, wie lecker die Pommes waren. Und ich bekam so eine liebe und herzliche Reaktion, dass ich gleich ermutigt war, weiter zu lernen, zu üben und zu sprechen.

Haarlem
Imposant: Die Kathedrale von Haarlem. Gotik, wenn mich nicht alles täuscht.
Haarlem
Ich mag die niederländische Fahrradkultur. Hier ein Fahrradständer in Haarlem mit allen möglichen bunten Hollandrädern drauf.
Haarlem
Nasse Strassen in Haarlem: Es regnete sich ein
Zelten
Abends am Zeltplatz: Endlich hörte es auf zu regnen. Eine einfache, ruhige Zeltwiese mit einem Picknicktisch und Bänken, das reicht uns völlig aus.

Der Rest des Tages war leider sehr verregnet, und wir fuhren stundenlang durch mehr oder weniger strömenden Regen zum Zeltplatz in der Nähe von Ijmuiden, wo wir uns erst mal etwas zum Abendessen kochten. Dann machten wir uns Wärmflaschen zurecht, indem wir heißes Wasser in die Trinkflaschen füllten, und zogen uns zum Aufwärmen in die Schlafsäcke zurück. Zum Glück bin ich dadurch nicht wieder zurück in meine Erkältung gerutscht.

Am nächsten Morgen war es gleich wieder bewölkt, und Regen angesagt. Aber es sollte ein zumeist sonniger Tag werden, was wir nicht gedacht hätten. Zunächst ging es über die Ij mit einer kleinen Fähre, und dann folgten wir der Radroute nach Wijk an Zee, wo wir ein paar Lebensmittel einkauften und eine Pause machten. Dann ging es in die Dünenlandschaft hinein.

Fähre
Auf der Fähre in Ijmuiden. Hier mussten wir die Mündung der Ij überqueren.
Dünenlandschaft
Der Dünen-Naturpark wird mit Rindern beweidet, damit die Landschaft offengehalten wird. Die Radwege sind super gepflegt und der Wind kam kräftig von hinten. Nur die Regenwolken drohten etwas am Horizont.
Dünen
Wolkenspiel über der Dünenlandschaft
Dünen

Die Dünengebiete um Alkmaar sind wunderschön, und wenn man weiter nach Norden kommt, werden die Dünen immer imposanter. Die “Schoorlser Dünen” sind zum Teil freiliegender Sand und hier befinden sich auch die größten Dünen der Niederlande. Die Natur ähnelt sehr der an der Nordseeküste in Dänemark, sogar der seltene Nachtschwalm soll hier auch vorkommen. Was uns letztes Jahr in Dänemark nachts wach hielt, war hier aber nicht zu hören – vielleicht, weil wir nicht direkt in den Dünen zelten konnten.

Nordsee
Am Strand war es windig, und wenige Badende da, dafür viele Kitesurfer.
Kitesurfing
Kitesurfende mit ihren Gleitschirmen an der windigen Nordsee
Badeort
Pause an der Strandpromenade im Badeort “Bergen an Zee”. Der Himmel ist teils dunkel bewölkt, teils blau.
Radwanderweg
Wunderschöne Stimmung beim Herausfahren aus dem Wald mit dem Blick auf eine riesige Düne.
Sketching
Zeichnen im Strandcafe bei Schoorl an Zee

Am späten Nachmittag wurden wir doch noch von einem Schauer überrascht. Kurz danach fuhren wir nach Groet, wo wir im “Camping Eldorado” übernachteten. Ein echt netter, kleiner Campingplatz mit Hippie-Flair. Abends sollte es eigentlich nicht mehr regnen, und wir richteten uns auf eine gemütlichen Abend mit draußen Kochen ein – aber das wurde uns von einem rasch heraufziehenden Gewitter mit Starkregen gründlich versaut. Wir rannten mit den Töpfen und dem Kocher fluchend durch den Starkregen und konnten dann im Veranstaltungs-Schuppen des Platzes zu Ende kochen. Das Essen wurde sehr lecker!

Instagram-Leid und Tour De Fleece

ich spinne, trinke Tee und ich habe gestern wieder mal zuviel von Instagram gekriegt. Ich finde Instagram als soziales Medium einfach grässlich. Aber löschen möchte ich es auch nicht, weil ich es gerne nutze, um die Werbung von Tattoo Studios und Tätowierer*innen zu sehen.

Dafür ist Instagram nämlich super: Für Kommerz, und um Produkte oder Dienstleistungen zu präsentieren. Als “Berlin Tattoo Gazette” ist es prima.

Tja, was soll ich noch gross sagen. Mein Lieblings-Haß-Thema ist halt, dass Instagram es nicht anbietet, Links zu setzen, und damit Vernetzung mit anderen Teilen des Internets verhindert. Und somit künstlich die Nutzenden gezwungen werden, ihre Themen irgendwie innerhalb von Postings und Stories zu behandeln. Dann finden hier Diskussionen statt, Texte und Videos werden präsentiert, etc – obwohl diese Plattform Texte und Diskussionen so darstellt, dass sehr viele Leute sie nicht lesen können und von der Diskussion ausgeschlossen sind. Eine Kommentardebatte ist ebenfalls unfassbar mühsam zu lesen und zu verfolgen, selbst für Menschen ohne (Seh-) Behinderungen.

Es gibt ein Internet ausserhalb von Instagram, und ich finde Instagram ja ganz nett für bestimmte Dinge. Aber wenn es für einfach *alles* genutzt wird, wird es ignorant und rücksichtslos. Ich gebe hier niemandem persönlich die Schuld, weil die Plattform so programmiert ist, dass Menchen sich auf ihr so verhalten. Es ist ein Fehler “by Design”.

Aber zu sehen, wie sich Menschen wie Labormäuse nach diesen Beschränkungen richten und eben nicht für Diskussionen oder Präsentation von Texten z.b. auf ein anderes Medium ausweichen, deprimiert mich ganz schön. Ich komme mir vor, wie eine Person auf einer sehr alkoholisierten Party, die als einziges nüchtern ist.

Leckerer “English Breakfast” Tee in einem Glas auf dem ein Herz aus Fahrradkette gedruckt ist, und eine kleine honiggelbe Teekanne.

Das erste Mal draußen schlafen 2019.

Es wurde schön, es wurde warm, und ich hatte zwei Tage am Stück frei. Nichts wie raus! Während es noch vor 4 Jahren eine Hand voll Biwakplätzen gab, war ich jetzt etwas überschwemmt mit der Fülle von Möglichkeiten, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Ich entschied mich für den Wasserwanderrastplatz Werder (Spree), weil ich letztes Jahr schon dachte, im Spreewald sollte ich öfter sein, ist schön da.

Der Plan war, von Königs Wusterhausen aus zu radeln, nicht gleich eine lange Strecke nach der Winterpause gehen, dem Dahme- und Spreeradweg zu folgen, draußen was zu kochen und am nächsten Tag ein wenig rumzukurven, nach Beeskow zu radeln und mit dem Zug zurück.

Am Bahnsteig
Mein vollgepacktes Rad am Bahnsteig, die Schlange vor dem Aufzug ist eher lang. Aber ich habe Zeit.

Ich musste nochmal zurück nach Hause, weil ich Salz vergessen hatte, und dann nochmal, weil ich mein Portemonnaie hatte liegen lassen, während ich das Salz holen war. Aber irgendwann war ich an der S-Bahn und in Bewegung nach K-W. Dort fuhr ich zunächst meine geplante Strecke, aber dann überkam es mich: Hofjagdweg, schon 2x gefahren, Dahme-Radweg, schon 5x gefahren, ich will mal woanders lang fahren.

Nur geht sowas in Brandenburg nicht, ausser, ich möchte in einer Wanderdüne im Wald versanden. Aber ich hatte eine 20 Jahre alte Fahrradkarte dabei, auf der Radrouten eingezeichnet waren, die gar keine waren. Damals hatten die Leute einfach befahrbare Landwirtschafts- und Waldwege als Radrouten bezeichnet, weil die ganzen heutigen Radwege noch gar nicht gebaut waren.

Zum Teil laufen die heutigen Wege gleich, aber auch zum Teil nicht. Also fuhr ich nach der alten Karte und fand wunderschöne, fast immer befahrbare, einsame Wald- und Wiesenwege. Ich war begeistert.

Am See
Zuerst mal Halt am Zeesener See. Ein Blühender Baum und Schilf und das beste Wetter.
Fahrrad
Brandenburg. Unendliche Weiten. Der Weg zwischen Senzig und Gussow ist 5km lang, man muss nur wenig schieben, und kann die Stille der Natur genießen. (Bild zeigt mein Fahrrad vor einem weitläufigen Feld am Waldrand)

Ich fuhr um den Zeesener See herum und stach dann ins Feld in Senzig, da führte vor 20 Jahren mal der Dahmeweg entlang. (Warum auch immer, denn die Dahme ist dort nicht). Es war inzwischen Mittag und Zeit, sich Sonnenschutz aufzulegen und einen Tee zu trinken.

Sandweg
An dieser Stelle musste ich schieben, denn der Waldweg war zu sandig geworden, das hätte mit einem Sturz enden können. Aber es ging, tief war der Sand nicht.
Frühlingsblüten
Das schönste an Radtouren zu dieser Jahreszeit sind die blühenden Hecken und Bäume. Hier immer noch der Weg nach Gussow, gesäumt von weißblühenden Sträuchern.
Pause
Von Gussow aus erwischte ich einen Weg nach Gräbendorf, und dort ging es in den “Geisterwald”, wo ich am Heidekrautgraben eine Mittagspause machte.

Zwischen Gräbendorf und Dolgenbrodt waren ein paar andere Fahrrad-Touris unterwegs, aber erst in Friedrichsbauhof, wo der offizielle Havelradweg dran war, wurde es richtig belebt. Ich war kurz unsicher, in welche Richtung, aber fand mich dann schnell zurecht. Hier fuhr ich dann denn offiziellen Weg durch Prieros bis zur Hermsdorfer Mühle, und dann bog ich nach Osten ab, statt weiter nach Märkisch Buchholz zu radeln.

Die Wege hier waren durchaus auch mit Radwegweisern ausgestattet, aber gehörten zu keiner viel befahrenen Route. Es ging über kleine Landstrassen, auf denen zum Glück nichts los war. Mich überholten gerade mal 4 Autos, und – ich weiß nicht, was da los war – alle verlangsamten und fuhren entspannt und mit Abstand vorbei.

Was ist das? Sind die Brandenburger_innen so fromm geworden, dass sie am Karfreitag keine Radfahrer_innen umnieten wollen? Sind das alles gastierende Dänen? Hat der fahrradfreundliche Artikel in der Bildzeitung die Bevölkerung über Nacht umgestimmt? Ist mein bepacktes Rad so bemerkenswert, dass ich aus dem Beuteschema “Scheiß-Radfahrer” raus falle und wieder mal, als “Oh, eine Radwandernde, wie romantisch!” besser behandelt werde? Auf jeden Fall war es eine Freude für mich.

Ich fahre über die Dörfer nach Kehrigk, das liegt auf einem Hügel und hat einen großen Aussichtsturm, aber ich fahre direkt nach Süden durch den Wald. Es geht hier auf und ab, und man muss wieder etwas schieben wegen dem Sand, aber alles in allem läuft’s gut! Am Neuendorfer See treffe ich auf den Spreeradweg und bin jetzt nah am Ziel. Im Gasthaus am See tanke ich Wasser für die Nacht und treffe zufällig Bekannte aus Berlin, die gerade da eingekehrt waren.

am Fluß

Dann geht es weiter über den hier sehr wenig befahrenen Radweg nach Werder. Ich mache noch eine Pause an der Spree.

Fluss
Eine kleine Weide spiegelt sich im ruhigen Wasser, ein paar Seerosen gibt es auch.

Als ich in Werder ankomme, stellt sich raus, dass ich hier schon mal letztes Jahr vorbeigefahren bin. Es ist nicht der verschlafene Platz, den ich mir erhofft hatte, sondern er ist sogar recht belebt, und das war auch letztes Jahr schon so.

am Rastplatz
Am Wasserwander-Rastplatz angekommen, schaue ich Kanu-Leuten beim Landen zu.

Insgesamt sind da fünf Autos und ein großes Wohnmobil, ein zum Campervan umgebauter VW Bus, und auf der Wiese parkt überall hier und da wer. Das nervt erst mal. Dann ergibt sich ein Gespräch mit einem der Kanuleute, der in einem PKW übernachten will, und er ist eine richtige Outdoor-Seele. Wir fachsimpeln eine halbe Stunde lang, und dann bin ich mit der Situation versöhnt. Ich mag ja an den Motorisierten nicht, wenn sie einfach mit der Benzinschleuder in den Wald fahren und sich da schlimm benehmen. Es gibt natürlich auch Andere, die zwar motorisiert sind, aber sich respektvoll in der Natur verhalten und dann kommt es auf das Fortbewegungsmittel nicht mehr so ganz an (ok, es war aber auch ein kleiner, alter Kombi und kein SUV!)

Die anderen Leute sind auch ganz freundlich, und verhalten sich zum Großteil entspannt, und vielleicht ist es den meisten im April zu früh um im Zelt zu schlafen, ich weiß nicht. Es heißt, die Anwohner mögen nicht, wenn die Wiese zugeparkt ist, und manche fahren wieder ab, am Ende bleibt nur das Wohnmobil und der einzelne Kanute über Nacht. Der VW Bus bleibt, während die Leute draußen Abendessen kochen, und dann später, verschwindet er.

Die Leute vom Wohnmobil grillen, während sie auf mitgebrachten Campingstühlen am Auto sitzen. Die sind die einzigen, die nerven: Es gibt ne Feuerstelle mit Tischen und Bänken. Warum muss man eigentlich so an seinem Auto kleben? Und kann man damit nicht zu einem der tausenden Wohnmobilstellplätze fahren, anstatt die Plätze für Unmotorisierte, von denen es insgesamt noch immer sehr wenige gibt, auch noch in Beschlag zu nehmen? Schland, ey.

Abendessen
Abendessen: Ich habe die kleine Sitzecke benutzt, um da gemütlich zu kochen.
Zelt an der Spree
Mein Zelt steht direkt am Wasser, ich bin die einzige, die heute ohne Auto hier ist.
Spree
Die Erlen spiegeln sich im Abendlicht in der Spree (Ich hoffe, es sind Erlen)

Als die Sonne weg ist, stelle ich das Zelt auf und packe alles, was zum Schlafen nötig ist, aus. Dann lese ich noch gemütlich und als es zum Lesen zu dunkel wird, gehe ich mich in meinen Schlafsack einkuscheln. Erst halb Neun!

Ich liege so rum, da sehe über der Spree einen imposanten, dicken Vollmond aufgehen:

Vollmond
Der Vollmond im Foto ist selbstverständlich niemals so schön wie in echt.

Ich schlafe auf meiner Iso/Luft-Matte wie auf Wolken, und als Kissen habe ich meine Strickjacke in einen Einkaufs-Stoffbeutel gesteckt, was prima funktioniert. Irgendwann in der Nacht träume ich, dass ich aufwache und die Matte hat ein Loch und ist komplett flach. Aber das war zum Glück nur ein Traum!

Ich war beim Leipziger Wolle-Fest, ohne Wolle zu kaufen.

Disclaimer: Ich rede hier über Gewerbetreibende, deren ausgestellte Waren auf dem Wollefest ich interessant fand, und ich verlinke auch auf deren Webseiten. Manchmal preise ich die Sachen auch ganz schön an, jedoch: Ich bekomme keine Gegenleistung dafür, daher ist es wenn, dann eher privat betriebene Werbung. Die ich gerne mache, denn das sind alles ganz kleine Selbstständige, die es mehr als verdient haben, dass Leute ihre Dinge kaufen, finde ich.

Nachdem ich letztes Jahr wegen einem anderen wichtigen Termin auf das Leipziger Wollefest verzichtet hatte, bin ich diesmal wieder da gewesen. Und das in meinem NoBuy-Jahr, wo ich mir zumindest Wollkaufverbot erteilt habe.

Lass mich nochmal einen Blick auf meine selbstgewählten Regeln werfen.

Da steht, ich darf kein Garn kaufen (und, zumindest innerlich, ausformuliert habe ich es offenbar nicht, keine Spinnfasern). Daher habe ich mir gesagt: Vielleicht eine schöne Spindel, das wäre okay. Sie vergrössert meinen Stash nicht, sie ist nicht mottenanfällig, und sie ist hübsch zum sich ins Zimmer stellen, wenn sie gerade nicht benutzt wird.

Gleich am Anfang die Auflösung: So ist es dann auch gekommen. Außer der Spindel habe ich noch zwei Spinn-Gadgets gekauft, alles beim selben Mann: Peter Locke, der seine gedrechselten schönen Dinge am Stand von seiner Frau verkauft: Wolle online. (Inzwischen gibt es seine Spindeln auch in ihrem Online-Shop.) Das eine war der Prototyp von einer Fingerkunkel, das ist ein Mini-Spinnrocken, den man sich mit einem Ring an den Finger steckt, und der die Fasern beim Spinnen superbequem ordnet, und das Andere ist ein Schälchen für Supportspindeln, das man sich zwischen die Beine klemmen kann, im Sitzen.

Überhaupt war das sehr fein, die Lockes an ihrem Stand zu besuchen, sie sind einfach super nett. Ich war früher ja nicht so eine potentielle Kundin von gefachten Garnen, wie es sie dort gibt, aber ich muss sagen, die Farbverlaufs-“Bobbel” sind große Klasse, da entstehen auch so richtig sanfte Übergänge. Ich habe ja noch einen, den ich mal woanders bestellt hatte, hier, deshalb reizen mich noch mehr “Bobbel” erst mal nicht, anschauen ist super, aber ich muss gerade nicht mehr davon in meinen Besitz bringen.

So ging es mir mit dem Garn eigentlich auch, da habe ich dank meiner Stashdurchsicht und Stash-Appreciation wirklich das gute Gefühl dabei gehabt, zuhause genug und auch echt schönes Garn zum Stricken zu haben, und auch genügend Fasern zum spinnen. Trotzdem konnte ich die ganze Farbenpracht und auch die spannenden naturfarbenen Garne bewundern. Zum Leidwesen der Anbietenden, aber vielleicht hat es ihnen wenigstens gute Laune gemacht, dass jemand ihre Garne einfach nur bewundert.

Spinn- und Strickgadgets
Zuerst ein Bild der Errungenschaften: Links die Kunkel, dann das Schälchen und die neue Spindel (aus Essigbaum!) und noch zwei Päckchen Stricknadeln, die ich ausprobieren möchte.
Garnset als Zopf
Hier haben die Ladies von “Inclusio” viele kleine Stränge Wolle zu grossen bunten Zöpfen geflochten. Das sieht sehr hübsch aus..!

Schön bunt
Am Stand von “Nordische Wolle” – ich fand die Garne schön bunt und vor allem nicht so nichtssagend-weich. Der Bayerische Laden verkauft Wolle aus einer “kleinen Spinnerei im Baltikum”, wie sie sagen.

Special Yarns
Spannend: eine kleine Fasermühle in Sachsen, die nicht nur Garne von heimischen Schafrassen hat, sondern dort kann man auch Vliese waschen, kardieren oder kämmen lassen. Ihre eigenen Garne kommen von ihnen persönlich bekannten Schafhalter_innen und von ihren eigenen Tieren. Ihre Seite ist: https://www.naturfasermuehle.de/
indisches Ringspinnrad
Das ist ein Ringspinnrad aus Assam. Der Ringspinnkopf ist eigentlich aus der Industrie und wurde von einem Spinnradbauer in Indien in ein Rad für Handspinn-Produktion integriert. Es ist alles kugelgelagert und läuft trotz des rustikalen Äusseren sehr ruhig und leicht.
Wolle-Fest von Oben
Das Wollefest von oben gesehen. Hier der Stand von Zauberwiese und die Nachbarinnen.
Piratenwolle
Die Piratenwolle. Hier hätte ich einiges mitnehmen können, falls meine Wollkisten leer gewesen wären. :)
Dibadu Spinnfasern
Habe ich so auch noch nicht gesehen: Kammzüge mit kleinen Tweed-Nupsies, wie immer wunderschön gefärbt von Dibadu.
Noch mehr Dibadu
Die Farbenpracht beim “Mondschaf”.
Gefilzte Sitzkissen
Super schön: Zitrus-Sitzkissen aus Wollfilz. Aber sie werden aus dem Programm genommen, weil handgemachte Filzkissen halt auch kosten und nicht genug Leute das auch kaufen wollen.. zumal auf dem Wollefest viele Macher_innen sind, die eher Grundmaterial suchen und keine fertigen Produkte.
An unserem Tisch
Pause vom Bummeln haben wir an einem Café – Tisch gemacht, und da trafen sich auch unsere Spindelprojekte.
niedliche Schäfchen und duftende Seife
Niedliche Schäfchen und duftende Seifen.. “Angelikas Naturwaren”.
Filzlinge
Bunte Kammzüge bei “Filzlinge”
Nochmal bunti
Für mich neu, und ich war absolut hingerissen von den Farben von “Coonie’s Wolle” aus Duisburg.
Handgefärbtes Gansey Garn
Bei Wasserwolle war der “Gansey Bear” und es gab einfarbige und handgefärbte Gansey-Garne aus England.
Lütt Marie
Viele bunte Speckles bei “Lütt Marie”, ebenfalls aus Duisburg.

Am Samstag wollten wir einen “Team Yeti” Tisch machen (haben wir auch gemacht), wo sich Leute aus der “Podcasting auf Deutsch” Ravelry Gruppe treffen können. Vielleicht war der Tisch zu wenig sichtbar (wir waren im vorderen Cafe, das eher so seitlich lag und wo viele Leute eher nur vorbei liefen), vielleicht war auch niemand da. Vorab im Forum hatte sich ja auch niemand gemeldet dazu. Aber das war okay, wir waren insgesamt dann doch zeitweise neun Leute und einen Tisch zu haben, wo man sein Zeug lassen kann, ist das Beste auf diesen Wollmärkten.

Ich habe mich gleich an den Tisch gesetzt und die Stellung gehalten, während die Anderen schon mal über den Markt gezogen sind (was mehr als eine Stunde dauerte) und dann traf ich auch schon Lena, mit der ich verabredet war, die einen süßen gestrickten Hasen als Erkennungszeichen dabei hatte, und wir hatten’s ruhig und nett an unserem Tisch während der hektischsten Zeit auf dem Wolle-Fest.

Ich hatte mir am Hauptbahnhof in meiner stapelbaren “Tiffin” Lunchbox indisches Essen gekauft und das mitgebracht. Der Kassierer im indischen Buffet war sehr erfreut, dass ich mit einer indischen Lunchbox ankam. Ich habe Kichererbsencurry und ein Gemüsecurry mit Paneer in die unteren Ebenen eingefüllt, und in der dritten Etage ein buntes Biryani. Er hat mir in einer Papierbox noch extra Reis dazugepackt, und am Ende konnte ich mich sogar zweimal satt essen davon.

Für den Sonntag hätte ich mich gerne mit jemandem treffen wollen, aber sie musste wegen anderer dringender Dinge absagen, und ich entschloß mich, trotzdem auch am Sonntag hinzugehen. Das war aber auch super schön, denn da war einfach mehr Zeit, alles zu sehen und mit den Händler_innen zu reden. Ich habe einiges gesehen, dass ich bei meiner Runde am Samstag überhaupt nicht gesehen hatte, z.b. das oben fotografierte Spinnrad aus Assam.

Am Sonntag war noch Spinntreffen auf dem Wollefest, und ich habe mich dann für die restliche Stunde, die ich noch bis zur Abfahrt des Busses hatte, dazugesetzt. Das war nett und ich bekam sogar ein Stück Kuchen ab. (Danke an die Landfrauen aus Leipzig-Süd) Während ich am Samstag mit Lena am Team Yeti-Tisch über Radtouren fahren geredet hatte, saß ich am Sonntag neben einer Spinnerin, die auch liebend gerne Flußradtouren fährt. So ein Zufall, ich liebe es!

Leider war es kalt, auch in der Glashalle. Am Sonntag hat der Sonnenschein auf dem Dach gefehlt. Mir wurde so richtig fröstelig beim Warten auf dem Fernbus im Nieselregen, und ich glaube, ich versuche es nächstes Jahr wieder mit der Bahn – auf der Hinfahrt hatte ich jemanden neben mir mit massivem Parfum- und Zigarettengestank an den Klamotten, und mir wird eh schnell schlecht in Autos und schaukelnden Bussen. Auf dem Rückweg ging es allerdings gut, da saß ich auch neben einem Raucher, aber der roch nicht so krass nach Rauch und zum Glück gar nicht nach Parfum.

Schön war es, und mein Besuch bei meiner Freundin, die mich netterweise immer zum Wolle-Fest beherbergt, war auch wieder schön. Und jetzt bin ich nicht nur ohne Stashzuwachs wieder zuhause: Ich habe auch eine Menge mehr Lust, meinen Stash zu verarbeiten, nach all der Inspiration, die ich dort aufgeschnappt habe.

Vestkyststien – dänischer Nordseeradweg Mai 2018 (Inhaltsverzeichnis-Post)

Ich schreibe mal einfach ein Inhaltsverzeichnis zu meinem Tourtagebuch zum dänischen Ostseeradweg, denn ich finde das Blogformat immer etwas anstrengend, wenn man Dinge von vorne nach hinten, von alt nach neu, lesen möchte, und nicht von neu nach alt.

Vestkyststien, Tag 15: Von Sæby nach (fast) Aalborg und die Rückreise..

Der letzte richtige Tourtag, es ist der 27. Mai 2018. Geplant ist, an einem Naturlagerplatz ganz nahe bei Aalborg zu zelten, so dass wir morgen rechtzeitig und stressfrei beim Zug nach Hause sind.

Wir waren als erste auf und machten uns Kaffee. Später machten wir noch Kaffee für die Anderen und dann gab es noch genug heißes Restwasser für ein Luxusporridge mit einer ganzen Tafel weißer Schokolade drin. Wir packten dann zusammen und ich tauschte mit Rolf Adressen aus, denn ich habe ihm ein Paar handgestrickte Socken versprochen.

Heute bewölkt sich der Himmel und wir haben erheblichen Rückenwind. Die ersten 20km geht es wieder an der Hauptstrasse entlang, dann schwenkt der Weg ein wenig übers Land. In Asaa gibt es ein Hafenhaus mit einer ausgestatteten Küche, Sofas, und Bibliothek, und wir machen eine Pause, weil es sowieso anfängt, zu regnen.

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nicht so spannend: der Weg nach Süden auf einer geraden Landstrasse

Dann fahren wir weiter nach Hals, wo der dünne östliche Arm des Limfjord überquert werden muss, und erwischen die Fähre wieder haargenau. Sehr gut!

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Blick von der Fähre in Hals zurück an die Anlegestelle mit roten Lagerhäuschen. Es ist graues Wetter.
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Das Fahrrad an die Fährenwand gelehnt, als wir über eine schmale Stelle des Limfjord fahren.

Drüben fahren wir ohne Bikeline Karte, denn wir verlassen den Nordseeküstenradweg (der hier sowieso nicht an der Nordsee entlang führt) und finden uns dank Radwegen und Ausschilderung gut zurecht. Wir fahren nach Sejlflod und finden den Lagerplatz, aber es ist ein Shelterplatz mitten auf einem fein gemähten Rasen im Dorf, bei den Sportplätzen. In Deutschland hätten wir das dankbar genommen, aber in Dänemark sind wir verwöhnt und wollen lieber mehr in die Natur.

Sejlflod Shelterplatz
Der Shelterplatz in Sejlflod und mein bepacktes Rad
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südlich des Limfjord radeln wir an einer Landstrasse, die sich durch Wiesen schlängelt.
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Ein Baum am Fjord mit einer Wiese mit vielen weissen Blütendolden

Es fängt wieder an zu regnen und regnet sich ein, und wir hüllen uns in die Regensachen. Ein ebenfalls naher Platz an Aalborg ist die Lyngby Plantage, die 8.5 km weit entfernt ist von hier. Wir strampeln den steilen “Kirkebakken” hoch, tanken Wasser bei der Kirche und dann schieben wir die Räder einen groben Schotterweg hoch auf eine weitläufige Hochebene. Zwei Rotznasen mit einem Mofa knattern pubertär johlend an uns vorbei.

Als wir dann oben sind, müssen wir quasi für 5km nicht mehr in die Pedale treten, sondern rollen mit super Aussicht auf die Bucht von Aalborg sanft bergab. Dann müssen wir ein Stück auf einer häufiger befahrenen Landstrasse fahren, und selbst hier bleiben die dänischen Motorisierten entspannt und rücksichtsvoll. Ich sehe ja schon immer mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen, wenn ich auf einer Landstrasse von hinten einen Motor höre. Daher könnte ich sowas in Deutschland gar nicht machen, und auch in Schweden ging es schon mal sehr schief, vom Radweg abzuweichen, auch nur für 2 km.

Kirkebakken
Rauf geht es auf den Kirkebakken, der Schotterweg ist nicht der beste.
Rolling
Wir rollen bergab in Richtung Aalborg, 5 km nur rollen.

Wir finden den Lagerplatz ohne Probleme, er liegt in einem hübschen Mischwald und hat eine Feuerstelle und einige Shelter. Das Wetter bessert sich und dann kommt sogar die Sonne raus! Wir kochen Pasta mit Tomatensauce zum Abendessen und hauen uns wieder zeitig ins Bett.

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Abends im Wald bei Aalborg, die Sonne gibt nochmal alles nach einem regnerischen Tag.
Avondeten
Das letzte Mal draußen kochen auf dieser Tour: Zwiebeln und Knoblauch geschnitten, und die Tomaten.

Die Rückreise am nächsten Tag war, “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn”, sehr stressig und wir hatten viel Verspätung, unangemeldete Gleiswechsel und einen kaputten Zug. Daher schreibe ich darüber lieber nichts, höchstens, dass wir mit Müh und Not irgendwie nach Hause kamen.

Und dass wir in Aalborg auf die Reste des Karnevals gestossen sind, der am Vortag stattgefunden hatte.

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Ein rosa bemaltes Krankenhausbett und ein golden Besprühter Kinderwagen, die als Fahrzeuge im Aalborger Karneval benutzt worden waren.

Vestkyststien, Tag 14: von Bunken nach Sæby

Nach einer warmen Nacht packen wir früh unsere Räder am Bunken Campingplatz und kochen uns Porridge in der Campingplatz-Küche zum Frühstück.

Das erste Stück radelt sich sehr schnell runter, ist aber nur an der Hauptstrasse nach Frederikshavn entlang, und recht langweilig zu fahren. Wir haben immerhin das erste Mal auf dieser Tour Rückenwind. In Frederikshavn fahren wir langsam durch die Fußgängerzone und machen eine Pause mit belegten Broten.

Fredericksborg
In Frederiksborg (glaub ich) im autofreien Innenstadtbereich. es gibt eine Pizzeria und einen Bioladen und viele Bummelnde in der Sonne.

Dann geht es weiter nach Sæby, wo wir am Hafen noch eine Pause machen und uns für 100 Kronen Pommes im Imbiß holen.

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In Sæby fahren wir zum Hafen an gelben und roten Fachwerkäusern vorbei.
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Am Haus der Ruder- und Kayak-Clubs in Sæby stehen zur Deko bunt bemalte Paddel.
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Der Bootshafen mit der Meeres-Dame, eine Betonstatue von einigen Metern Höhe.

Am Abend wollen wir in der Professorens Plantage zelten, und finden sie auch ohne Probleme. Es gibt einen extrem schönen Shelter-Turm mit drei Stockwerken und Hochbett.

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Die Räder von oben gesehen stehen auf der Wiese vor der niedrigen Buschheide der Professorens Plantage.

Bald kommen zwei Familien, die am Wochenende die Natur genießen wollen, ach ja, es ist ja Samstag. Wir einigen uns darauf, dass sie den Shelter benutzen und wir zelten.

Dann kommt noch ein älterer Typ, der mit einer Sackkarre viele Ausrüstungstaschen in den Wald karrt und dann seltsame Konstruktionen zwischen die Bäume spannt. Ich gehe rüber und frage nach, und es stellt sich heraus, dass es Baumzelte sind. Und wir dürfen in einem davon übernachten! Juhu!

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Die Baumzelte im bewaldeten Teil unseres Lagerplatzes.

Später kommen noch mehr Leute und Rolf, der Baumzeltbauer, versammelt alle um sein Lagerfeuer. Er ist super im sozialisieren und bringt uns alle zum lachen. Alle reden dänisch und mit mir auch englisch (die Kinder eher noch nicht) und wir haben einen wunderbaren Abend. Am Ende hängen vier Baumzelte und zwei Bodenzelte stehen da, und der Shelter ist auch belegt.

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Rolf hat ein Dreibein, eine Feuerschale und Brennholz mitgebracht, so dass wir ein Lagerfeuer haben, ohne den Waldboden zu beschädigen. Darüber hängt ein niedlicher Emaille-Wasserkessel.

Am Parkplatz nebenan haben sich zwei ältere Deutsche in ihrem Wohnmobil hingestellt. Sie schütten ihr Chemieklo auf der Waldtoilette aus, und während unsere lustige Runde am Lagerfeuer sitzt, schauen sie hinter ihren Spitzengardinen in ihrem fahrenden Klohäuschen fern. Also, ich weiß ja nicht, aber das vielbeschworene VanLife ist das nicht gerade. Ich schäme mich echt für die Deutschen. die hier in der dänischen Nordseeregion ihr Unwesen treiben. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit denen in Verbindung gebracht wurden. Wir sprechen nämlich dänisch (mein Partner fließend, und ich bemühe mich mit ein paar Brocken) oder englisch (ich) und machen naturnahe Zelt-und Radwander-Ferien, da treffen wir an den Wochenenden oft dänische Gleichgesinnte.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir ausnahmsweise nicht im Zelt, sondern sitzen mit vielen Kerzen und einer Lichterkette um die Feuerschale.

Wir schlafen wirklich in einem der Baumzelte, und es ist ungewohnt, aber auch sehr cool. Die Nacht ist wieder sehr warm, und das luftige Baumzelt ist da genau das Richtige. Bei Bewegungen schaukelt es, und man fühlt sich wie in einer Hängematte, nur weniger gebogen. Unser Baumzelt hängt etwa 1,50m über dem Boden, und wir steigen durch eine Luke mitten im Zeltboden ein und aus.

Dänischer Nordseeküsten-Radweg (Vestkyststien) Tag 13: Nach Skagen und zurück

Es ist der 25. Mai 2018. Wir haben nicht so gut geschlafen, in der Nacht hörten wir ein seltsames Schnarren, das stundenlang in verschiedenen Tonhöhen dauerte, und ich stand irgendwann auf und stakste Barfuß und im Schlafanzug durch den Wald, dem Geräusch hinterher. Es war ein Vogel, der offensichtlich stundenlang ohne Unterbrechung schnarrt.

Dieser Vogel schnarrt anscheinend nur in der Nacht. Später fand ich mit einer beharrlichen Internetrecherche heraus, dass es ein Ziegenmelker war, auf Englisch “Night Jar”. In vielen Gegenden sind sie selten geworden, sie fühlen sich in Heidelandschaften mit vielen Insekten wohl.

Also hier, die ideale Gegend für diesen Vogel! Wir krabbelten morgens aus dem Zelt, und sofort sprangen uns 100 kleine Fliegen ins Gesicht. Selbst Autan half nur kurzzeitig. Wir packten zügig ein und beschlossen, so früh wie möglich beim Campingplatz einzuchecken, wo wir das Gepäck unterbringen wollten, um dann einen Tagesausflug nach Skagen zu machen, und die kommende Nacht dort verbringen. Ausserdem freuten wir uns auf heiß Duschen.

Der Platz war ab 8 Uhr geöffnet und es war kein Problem, dass B. seinen 2017 in Schweden gelösten skandinavischen Campingpass nicht dabei hatte. Alles ist online hinterlegt, und der nette Portier checkte uns ein. Wir wollten das teure Zelt nicht aufstellen wegen der UV-Strahlung, und die Taschen einfach auf die Wiese zu stellen, war uns auch zu riskant, also schlugen wir das Tarp auf und stellten die Taschen dort drunter, das wirkt dann wenigstens nicht so, als stehen die zum Verschenken da.

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Das Tarp ist als Gepäckgarage aufgebaut und die Räder stehen für den Tagesausflug nach Skagen bereit.

Der Platz hatte eine Wiese zum zelten und Parzellen mit Stellplätzen, die aber mit sehr naturnahen Hecken und Bäumen umfriedet waren, und hohes Gras mit Wildblumen gab es auch. Ich hasse ja diese geleckten Stellplätze mit möglichst eckig getrimmten Hecken drumherum. Diese waren schön und urig, und wir suchten uns einen in der Nähe des Küchen- und Sanitärgebäudes, weil dort eine Wifi Antenne stand und wir dann am Zeltplatz Wifi haben würden.

Dann fuhren wir ohne Gepäck nach Skagen. Der Radweg ist hübsch und führt auch noch an einem schönen Shelterplatz vorbei, der gar nicht belegt war. Wir hatten natürlich wie immer Gegenwind, aber der war nicht so stark. Durch den typischen Wald und die typischen Dünen fuhren wir zur “versandeten Kirche”.

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der Kirchturm der versandeten Kirche. er ist das einzige, was erhalten geblieben ist.

Die versandete Kirche wurde 1779 aufgegeben, nachdem die Gemeinde nur noch durch ständiges Sandschaufeln in die Kirche gelangen konnte. Sie sollte abgerissen werden, aber der Turm blieb als Seezeichen erhalten.

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Hier sind wir, ich und mein Fahrrad, in Skagen!
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Die Fußgängerzone in Skagen ist voller touristischer Shops, die Sonne scheint, und viele Leute spazieren herum.

Skagen hat viele Häuser, die am Dachfirst und an den Seiten weiss bemalte Dachziegel haben. Ich habe gelesen, dass das auch als Seezeichen diente und sich einfach erhalten hat. Ausserdem haben sie viele Leuchttürme und einen großen Hafen. Wir gönnten uns einen roten Hotdog in der Innenstadt und fuhren dann weiter nach Grenen raus, der Landspitze, wo Kattegat und die Nordsee zusammenfliessen. Vorher haben wir noch Pizzaschnecken und Schokobrötchen zum Picknicken beim Netto geholt.

Als wir dort ankamen, schlossen wir die Räder am großen Parkplatz an und erwarben Tickets für die “Sandormen”, Traktoren, die Passagieranhänger zum Strand raus ziehen. Das spart 2km Fußweg durch den weichen Sand und ist an sich auch ein cooles Erlebnis. Weil unser Sandwurm noch nicht sofort abfuhr, haben wir uns noch das Museum für moderne Kunst angeschaut.

Sandwurm
Im “Sandwurm” innen sind einfache Holzbänke installiert. Vorne zieht ein großer, moderner Trekker.
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Wir haben uns Tickets für den “Sandwurm” gekauft, ein Traktor mit einem Anhänger, auf dem ein alter Bahnwaggon montiert ist, oder so ähnlich.
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Die Leute tummeln sich an der äussersten Spitze Dänemarks und tauchen ihre Zehen in die Wasser des Skagerak und des Kattegat.

Die Landspitze war etwas unspektakulär, normalerweise soll es ja cool sein, zu beobachten, die die beiden Meere zusammentreffen, aber ich fand den optischen Effekt an diesem Tag nicht so deutlich. Der Lebensgefährte fand’s cool und ich machte Fotos von ihm am Ziel. So wie hundert andere Leute auch. Ich selber fühle dieses “Ha, DAS ist es jetzt, das Ziel” nicht. Für mich ist der Weg das Ziel.

Wir picknickten unsere mitgebrachten Snacks am Strand, schwitzten und nahmen dann den nächsten Sandwurm zurück zum Parkplatz. Auf dem Rückweg endlich mal Rückenwind!

Am Campingplatz machten wir mal Faulenz-Ferien, nahmen heiße Duschen und benutzten das Internet. Ich fand heraus, was für ein komischer schnarrender Vogel uns wach gehalten hatte (siehe oben) und abends gab es nochmal Nudeln mit Pesto. Der Platz hatte eine Küche, aber alle außer uns kamen nur zum Abwaschen dort hin. Es gab wieder viele Mücken und wurde eine warme Nacht.

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Am Abend steht das Zelt in unserer kleinen Parzelle.