Das erste Mal draußen schlafen 2019.

Es wurde schön, es wurde warm, und ich hatte zwei Tage am Stück frei. Nichts wie raus! Während es noch vor 4 Jahren eine Hand voll Biwakplätzen gab, war ich jetzt etwas überschwemmt mit der Fülle von Möglichkeiten, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Ich entschied mich für den Wasserwanderrastplatz Werder (Spree), weil ich letztes Jahr schon dachte, im Spreewald sollte ich öfter sein, ist schön da.

Der Plan war, von Königs Wusterhausen aus zu radeln, nicht gleich eine lange Strecke nach der Winterpause gehen, dem Dahme- und Spreeradweg zu folgen, draußen was zu kochen und am nächsten Tag ein wenig rumzukurven, nach Beeskow zu radeln und mit dem Zug zurück.

Am Bahnsteig
Mein vollgepacktes Rad am Bahnsteig, die Schlange vor dem Aufzug ist eher lang. Aber ich habe Zeit.

Ich musste nochmal zurück nach Hause, weil ich Salz vergessen hatte, und dann nochmal, weil ich mein Portemonnaie hatte liegen lassen, während ich das Salz holen war. Aber irgendwann war ich an der S-Bahn und in Bewegung nach K-W. Dort fuhr ich zunächst meine geplante Strecke, aber dann überkam es mich: Hofjagdweg, schon 2x gefahren, Dahme-Radweg, schon 5x gefahren, ich will mal woanders lang fahren.

Nur geht sowas in Brandenburg nicht, ausser, ich möchte in einer Wanderdüne im Wald versanden. Aber ich hatte eine 20 Jahre alte Fahrradkarte dabei, auf der Radrouten eingezeichnet waren, die gar keine waren. Damals hatten die Leute einfach befahrbare Landwirtschafts- und Waldwege als Radrouten bezeichnet, weil die ganzen heutigen Radwege noch gar nicht gebaut waren.

Zum Teil laufen die heutigen Wege gleich, aber auch zum Teil nicht. Also fuhr ich nach der alten Karte und fand wunderschöne, fast immer befahrbare, einsame Wald- und Wiesenwege. Ich war begeistert.

Am See
Zuerst mal Halt am Zeesener See. Ein Blühender Baum und Schilf und das beste Wetter.
Fahrrad
Brandenburg. Unendliche Weiten. Der Weg zwischen Senzig und Gussow ist 5km lang, man muss nur wenig schieben, und kann die Stille der Natur genießen. (Bild zeigt mein Fahrrad vor einem weitläufigen Feld am Waldrand)

Ich fuhr um den Zeesener See herum und stach dann ins Feld in Senzig, da führte vor 20 Jahren mal der Dahmeweg entlang. (Warum auch immer, denn die Dahme ist dort nicht). Es war inzwischen Mittag und Zeit, sich Sonnenschutz aufzulegen und einen Tee zu trinken.

Sandweg
An dieser Stelle musste ich schieben, denn der Waldweg war zu sandig geworden, das hätte mit einem Sturz enden können. Aber es ging, tief war der Sand nicht.
Frühlingsblüten
Das schönste an Radtouren zu dieser Jahreszeit sind die blühenden Hecken und Bäume. Hier immer noch der Weg nach Gussow, gesäumt von weißblühenden Sträuchern.
Pause
Von Gussow aus erwischte ich einen Weg nach Gräbendorf, und dort ging es in den “Geisterwald”, wo ich am Heidekrautgraben eine Mittagspause machte.

Zwischen Gräbendorf und Dolgenbrodt waren ein paar andere Fahrrad-Touris unterwegs, aber erst in Friedrichsbauhof, wo der offizielle Havelradweg dran war, wurde es richtig belebt. Ich war kurz unsicher, in welche Richtung, aber fand mich dann schnell zurecht. Hier fuhr ich dann denn offiziellen Weg durch Prieros bis zur Hermsdorfer Mühle, und dann bog ich nach Osten ab, statt weiter nach Märkisch Buchholz zu radeln.

Die Wege hier waren durchaus auch mit Radwegweisern ausgestattet, aber gehörten zu keiner viel befahrenen Route. Es ging über kleine Landstrassen, auf denen zum Glück nichts los war. Mich überholten gerade mal 4 Autos, und – ich weiß nicht, was da los war – alle verlangsamten und fuhren entspannt und mit Abstand vorbei.

Was ist das? Sind die Brandenburger_innen so fromm geworden, dass sie am Karfreitag keine Radfahrer_innen umnieten wollen? Sind das alles gastierende Dänen? Hat der fahrradfreundliche Artikel in der Bildzeitung die Bevölkerung über Nacht umgestimmt? Ist mein bepacktes Rad so bemerkenswert, dass ich aus dem Beuteschema “Scheiß-Radfahrer” raus falle und wieder mal, als “Oh, eine Radwandernde, wie romantisch!” besser behandelt werde? Auf jeden Fall war es eine Freude für mich.

Ich fahre über die Dörfer nach Kehrigk, das liegt auf einem Hügel und hat einen großen Aussichtsturm, aber ich fahre direkt nach Süden durch den Wald. Es geht hier auf und ab, und man muss wieder etwas schieben wegen dem Sand, aber alles in allem läuft’s gut! Am Neuendorfer See treffe ich auf den Spreeradweg und bin jetzt nah am Ziel. Im Gasthaus am See tanke ich Wasser für die Nacht und treffe zufällig Bekannte aus Berlin, die gerade da eingekehrt waren.

am Fluß

Dann geht es weiter über den hier sehr wenig befahrenen Radweg nach Werder. Ich mache noch eine Pause an der Spree.

Fluss
Eine kleine Weide spiegelt sich im ruhigen Wasser, ein paar Seerosen gibt es auch.

Als ich in Werder ankomme, stellt sich raus, dass ich hier schon mal letztes Jahr vorbeigefahren bin. Es ist nicht der verschlafene Platz, den ich mir erhofft hatte, sondern er ist sogar recht belebt, und das war auch letztes Jahr schon so.

am Rastplatz
Am Wasserwander-Rastplatz angekommen, schaue ich Kanu-Leuten beim Landen zu.

Insgesamt sind da fünf Autos und ein großes Wohnmobil, ein zum Campervan umgebauter VW Bus, und auf der Wiese parkt überall hier und da wer. Das nervt erst mal. Dann ergibt sich ein Gespräch mit einem der Kanuleute, der in einem PKW übernachten will, und er ist eine richtige Outdoor-Seele. Wir fachsimpeln eine halbe Stunde lang, und dann bin ich mit der Situation versöhnt. Ich mag ja an den Motorisierten nicht, wenn sie einfach mit der Benzinschleuder in den Wald fahren und sich da schlimm benehmen. Es gibt natürlich auch Andere, die zwar motorisiert sind, aber sich respektvoll in der Natur verhalten und dann kommt es auf das Fortbewegungsmittel nicht mehr so ganz an (ok, es war aber auch ein kleiner, alter Kombi und kein SUV!)

Die anderen Leute sind auch ganz freundlich, und verhalten sich zum Großteil entspannt, und vielleicht ist es den meisten im April zu früh um im Zelt zu schlafen, ich weiß nicht. Es heißt, die Anwohner mögen nicht, wenn die Wiese zugeparkt ist, und manche fahren wieder ab, am Ende bleibt nur das Wohnmobil und der einzelne Kanute über Nacht. Der VW Bus bleibt, während die Leute draußen Abendessen kochen, und dann später, verschwindet er.

Die Leute vom Wohnmobil grillen, während sie auf mitgebrachten Campingstühlen am Auto sitzen. Die sind die einzigen, die nerven: Es gibt ne Feuerstelle mit Tischen und Bänken. Warum muss man eigentlich so an seinem Auto kleben? Und kann man damit nicht zu einem der tausenden Wohnmobilstellplätze fahren, anstatt die Plätze für Unmotorisierte, von denen es insgesamt noch immer sehr wenige gibt, auch noch in Beschlag zu nehmen? Schland, ey.

Abendessen
Abendessen: Ich habe die kleine Sitzecke benutzt, um da gemütlich zu kochen.
Zelt an der Spree
Mein Zelt steht direkt am Wasser, ich bin die einzige, die heute ohne Auto hier ist.
Spree
Die Erlen spiegeln sich im Abendlicht in der Spree (Ich hoffe, es sind Erlen)

Als die Sonne weg ist, stelle ich das Zelt auf und packe alles, was zum Schlafen nötig ist, aus. Dann lese ich noch gemütlich und als es zum Lesen zu dunkel wird, gehe ich mich in meinen Schlafsack einkuscheln. Erst halb Neun!

Ich liege so rum, da sehe über der Spree einen imposanten, dicken Vollmond aufgehen:

Vollmond
Der Vollmond im Foto ist selbstverständlich niemals so schön wie in echt.

Ich schlafe auf meiner Iso/Luft-Matte wie auf Wolken, und als Kissen habe ich meine Strickjacke in einen Einkaufs-Stoffbeutel gesteckt, was prima funktioniert. Irgendwann in der Nacht träume ich, dass ich aufwache und die Matte hat ein Loch und ist komplett flach. Aber das war zum Glück nur ein Traum!

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Ich war beim Leipziger Wolle-Fest, ohne Wolle zu kaufen.

Disclaimer: Ich rede hier über Gewerbetreibende, deren ausgestellte Waren auf dem Wollefest ich interessant fand, und ich verlinke auch auf deren Webseiten. Manchmal preise ich die Sachen auch ganz schön an, jedoch: Ich bekomme keine Gegenleistung dafür, daher ist es wenn, dann eher privat betriebene Werbung. Die ich gerne mache, denn das sind alles ganz kleine Selbstständige, die es mehr als verdient haben, dass Leute ihre Dinge kaufen, finde ich.

Nachdem ich letztes Jahr wegen einem anderen wichtigen Termin auf das Leipziger Wollefest verzichtet hatte, bin ich diesmal wieder da gewesen. Und das in meinem NoBuy-Jahr, wo ich mir zumindest Wollkaufverbot erteilt habe.

Lass mich nochmal einen Blick auf meine selbstgewählten Regeln werfen.

Da steht, ich darf kein Garn kaufen (und, zumindest innerlich, ausformuliert habe ich es offenbar nicht, keine Spinnfasern). Daher habe ich mir gesagt: Vielleicht eine schöne Spindel, das wäre okay. Sie vergrössert meinen Stash nicht, sie ist nicht mottenanfällig, und sie ist hübsch zum sich ins Zimmer stellen, wenn sie gerade nicht benutzt wird.

Gleich am Anfang die Auflösung: So ist es dann auch gekommen. Außer der Spindel habe ich noch zwei Spinn-Gadgets gekauft, alles beim selben Mann: Peter Locke, der seine gedrechselten schönen Dinge am Stand von seiner Frau verkauft: Wolle online. (Inzwischen gibt es seine Spindeln auch in ihrem Online-Shop.) Das eine war der Prototyp von einer Fingerkunkel, das ist ein Mini-Spinnrocken, den man sich mit einem Ring an den Finger steckt, und der die Fasern beim Spinnen superbequem ordnet, und das Andere ist ein Schälchen für Supportspindeln, das man sich zwischen die Beine klemmen kann, im Sitzen.

Überhaupt war das sehr fein, die Lockes an ihrem Stand zu besuchen, sie sind einfach super nett. Ich war früher ja nicht so eine potentielle Kundin von gefachten Garnen, wie es sie dort gibt, aber ich muss sagen, die Farbverlaufs-“Bobbel” sind große Klasse, da entstehen auch so richtig sanfte Übergänge. Ich habe ja noch einen, den ich mal woanders bestellt hatte, hier, deshalb reizen mich noch mehr “Bobbel” erst mal nicht, anschauen ist super, aber ich muss gerade nicht mehr davon in meinen Besitz bringen.

So ging es mir mit dem Garn eigentlich auch, da habe ich dank meiner Stashdurchsicht und Stash-Appreciation wirklich das gute Gefühl dabei gehabt, zuhause genug und auch echt schönes Garn zum Stricken zu haben, und auch genügend Fasern zum spinnen. Trotzdem konnte ich die ganze Farbenpracht und auch die spannenden naturfarbenen Garne bewundern. Zum Leidwesen der Anbietenden, aber vielleicht hat es ihnen wenigstens gute Laune gemacht, dass jemand ihre Garne einfach nur bewundert.

Spinn- und Strickgadgets
Zuerst ein Bild der Errungenschaften: Links die Kunkel, dann das Schälchen und die neue Spindel (aus Essigbaum!) und noch zwei Päckchen Stricknadeln, die ich ausprobieren möchte.
Garnset als Zopf
Hier haben die Ladies von “Inclusio” viele kleine Stränge Wolle zu grossen bunten Zöpfen geflochten. Das sieht sehr hübsch aus..!

Schön bunt
Am Stand von “Nordische Wolle” – ich fand die Garne schön bunt und vor allem nicht so nichtssagend-weich. Der Bayerische Laden verkauft Wolle aus einer “kleinen Spinnerei im Baltikum”, wie sie sagen.

Special Yarns
Spannend: eine kleine Fasermühle in Sachsen, die nicht nur Garne von heimischen Schafrassen hat, sondern dort kann man auch Vliese waschen, kardieren oder kämmen lassen. Ihre eigenen Garne kommen von ihnen persönlich bekannten Schafhalter_innen und von ihren eigenen Tieren. Ihre Seite ist: https://www.naturfasermuehle.de/
indisches Ringspinnrad
Das ist ein Ringspinnrad aus Assam. Der Ringspinnkopf ist eigentlich aus der Industrie und wurde von einem Spinnradbauer in Indien in ein Rad für Handspinn-Produktion integriert. Es ist alles kugelgelagert und läuft trotz des rustikalen Äusseren sehr ruhig und leicht.
Wolle-Fest von Oben
Das Wollefest von oben gesehen. Hier der Stand von Zauberwiese und die Nachbarinnen.
Piratenwolle
Die Piratenwolle. Hier hätte ich einiges mitnehmen können, falls meine Wollkisten leer gewesen wären. :)
Dibadu Spinnfasern
Habe ich so auch noch nicht gesehen: Kammzüge mit kleinen Tweed-Nupsies, wie immer wunderschön gefärbt von Dibadu.
Noch mehr Dibadu
Die Farbenpracht beim “Mondschaf”.
Gefilzte Sitzkissen
Super schön: Zitrus-Sitzkissen aus Wollfilz. Aber sie werden aus dem Programm genommen, weil handgemachte Filzkissen halt auch kosten und nicht genug Leute das auch kaufen wollen.. zumal auf dem Wollefest viele Macher_innen sind, die eher Grundmaterial suchen und keine fertigen Produkte.
An unserem Tisch
Pause vom Bummeln haben wir an einem Café – Tisch gemacht, und da trafen sich auch unsere Spindelprojekte.
niedliche Schäfchen und duftende Seife
Niedliche Schäfchen und duftende Seifen.. “Angelikas Naturwaren”.
Filzlinge
Bunte Kammzüge bei “Filzlinge”
Nochmal bunti
Für mich neu, und ich war absolut hingerissen von den Farben von “Coonie’s Wolle” aus Duisburg.
Handgefärbtes Gansey Garn
Bei Wasserwolle war der “Gansey Bear” und es gab einfarbige und handgefärbte Gansey-Garne aus England.
Lütt Marie
Viele bunte Speckles bei “Lütt Marie”, ebenfalls aus Duisburg.

Am Samstag wollten wir einen “Team Yeti” Tisch machen (haben wir auch gemacht), wo sich Leute aus der “Podcasting auf Deutsch” Ravelry Gruppe treffen können. Vielleicht war der Tisch zu wenig sichtbar (wir waren im vorderen Cafe, das eher so seitlich lag und wo viele Leute eher nur vorbei liefen), vielleicht war auch niemand da. Vorab im Forum hatte sich ja auch niemand gemeldet dazu. Aber das war okay, wir waren insgesamt dann doch zeitweise neun Leute und einen Tisch zu haben, wo man sein Zeug lassen kann, ist das Beste auf diesen Wollmärkten.

Ich habe mich gleich an den Tisch gesetzt und die Stellung gehalten, während die Anderen schon mal über den Markt gezogen sind (was mehr als eine Stunde dauerte) und dann traf ich auch schon Lena, mit der ich verabredet war, die einen süßen gestrickten Hasen als Erkennungszeichen dabei hatte, und wir hatten’s ruhig und nett an unserem Tisch während der hektischsten Zeit auf dem Wolle-Fest.

Ich hatte mir am Hauptbahnhof in meiner stapelbaren “Tiffin” Lunchbox indisches Essen gekauft und das mitgebracht. Der Kassierer im indischen Buffet war sehr erfreut, dass ich mit einer indischen Lunchbox ankam. Ich habe Kichererbsencurry und ein Gemüsecurry mit Paneer in die unteren Ebenen eingefüllt, und in der dritten Etage ein buntes Biryani. Er hat mir in einer Papierbox noch extra Reis dazugepackt, und am Ende konnte ich mich sogar zweimal satt essen davon.

Für den Sonntag hätte ich mich gerne mit jemandem treffen wollen, aber sie musste wegen anderer dringender Dinge absagen, und ich entschloß mich, trotzdem auch am Sonntag hinzugehen. Das war aber auch super schön, denn da war einfach mehr Zeit, alles zu sehen und mit den Händler_innen zu reden. Ich habe einiges gesehen, dass ich bei meiner Runde am Samstag überhaupt nicht gesehen hatte, z.b. das oben fotografierte Spinnrad aus Assam.

Am Sonntag war noch Spinntreffen auf dem Wollefest, und ich habe mich dann für die restliche Stunde, die ich noch bis zur Abfahrt des Busses hatte, dazugesetzt. Das war nett und ich bekam sogar ein Stück Kuchen ab. (Danke an die Landfrauen aus Leipzig-Süd) Während ich am Samstag mit Lena am Team Yeti-Tisch über Radtouren fahren geredet hatte, saß ich am Sonntag neben einer Spinnerin, die auch liebend gerne Flußradtouren fährt. So ein Zufall, ich liebe es!

Leider war es kalt, auch in der Glashalle. Am Sonntag hat der Sonnenschein auf dem Dach gefehlt. Mir wurde so richtig fröstelig beim Warten auf dem Fernbus im Nieselregen, und ich glaube, ich versuche es nächstes Jahr wieder mit der Bahn – auf der Hinfahrt hatte ich jemanden neben mir mit massivem Parfum- und Zigarettengestank an den Klamotten, und mir wird eh schnell schlecht in Autos und schaukelnden Bussen. Auf dem Rückweg ging es allerdings gut, da saß ich auch neben einem Raucher, aber der roch nicht so krass nach Rauch und zum Glück gar nicht nach Parfum.

Schön war es, und mein Besuch bei meiner Freundin, die mich netterweise immer zum Wolle-Fest beherbergt, war auch wieder schön. Und jetzt bin ich nicht nur ohne Stashzuwachs wieder zuhause: Ich habe auch eine Menge mehr Lust, meinen Stash zu verarbeiten, nach all der Inspiration, die ich dort aufgeschnappt habe.

Vestkyststien – dänischer Nordseeradweg Mai 2018 (Inhaltsverzeichnis-Post)

Ich schreibe mal einfach ein Inhaltsverzeichnis zu meinem Tourtagebuch zum dänischen Ostseeradweg, denn ich finde das Blogformat immer etwas anstrengend, wenn man Dinge von vorne nach hinten, von alt nach neu, lesen möchte, und nicht von neu nach alt.

Vestkyststien, Tag 15: Von Sæby nach (fast) Aalborg und die Rückreise..

Der letzte richtige Tourtag, es ist der 27. Mai 2018. Geplant ist, an einem Naturlagerplatz ganz nahe bei Aalborg zu zelten, so dass wir morgen rechtzeitig und stressfrei beim Zug nach Hause sind.

Wir waren als erste auf und machten uns Kaffee. Später machten wir noch Kaffee für die Anderen und dann gab es noch genug heißes Restwasser für ein Luxusporridge mit einer ganzen Tafel weißer Schokolade drin. Wir packten dann zusammen und ich tauschte mit Rolf Adressen aus, denn ich habe ihm ein Paar handgestrickte Socken versprochen.

Heute bewölkt sich der Himmel und wir haben erheblichen Rückenwind. Die ersten 20km geht es wieder an der Hauptstrasse entlang, dann schwenkt der Weg ein wenig übers Land. In Asaa gibt es ein Hafenhaus mit einer ausgestatteten Küche, Sofas, und Bibliothek, und wir machen eine Pause, weil es sowieso anfängt, zu regnen.

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nicht so spannend: der Weg nach Süden auf einer geraden Landstrasse

Dann fahren wir weiter nach Hals, wo der dünne östliche Arm des Limfjord überquert werden muss, und erwischen die Fähre wieder haargenau. Sehr gut!

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Blick von der Fähre in Hals zurück an die Anlegestelle mit roten Lagerhäuschen. Es ist graues Wetter.
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Das Fahrrad an die Fährenwand gelehnt, als wir über eine schmale Stelle des Limfjord fahren.

Drüben fahren wir ohne Bikeline Karte, denn wir verlassen den Nordseeküstenradweg (der hier sowieso nicht an der Nordsee entlang führt) und finden uns dank Radwegen und Ausschilderung gut zurecht. Wir fahren nach Sejlflod und finden den Lagerplatz, aber es ist ein Shelterplatz mitten auf einem fein gemähten Rasen im Dorf, bei den Sportplätzen. In Deutschland hätten wir das dankbar genommen, aber in Dänemark sind wir verwöhnt und wollen lieber mehr in die Natur.

Sejlflod Shelterplatz
Der Shelterplatz in Sejlflod und mein bepacktes Rad
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südlich des Limfjord radeln wir an einer Landstrasse, die sich durch Wiesen schlängelt.
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Ein Baum am Fjord mit einer Wiese mit vielen weissen Blütendolden

Es fängt wieder an zu regnen und regnet sich ein, und wir hüllen uns in die Regensachen. Ein ebenfalls naher Platz an Aalborg ist die Lyngby Plantage, die 8.5 km weit entfernt ist von hier. Wir strampeln den steilen “Kirkebakken” hoch, tanken Wasser bei der Kirche und dann schieben wir die Räder einen groben Schotterweg hoch auf eine weitläufige Hochebene. Zwei Rotznasen mit einem Mofa knattern pubertär johlend an uns vorbei.

Als wir dann oben sind, müssen wir quasi für 5km nicht mehr in die Pedale treten, sondern rollen mit super Aussicht auf die Bucht von Aalborg sanft bergab. Dann müssen wir ein Stück auf einer häufiger befahrenen Landstrasse fahren, und selbst hier bleiben die dänischen Motorisierten entspannt und rücksichtsvoll. Ich sehe ja schon immer mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen, wenn ich auf einer Landstrasse von hinten einen Motor höre. Daher könnte ich sowas in Deutschland gar nicht machen, und auch in Schweden ging es schon mal sehr schief, vom Radweg abzuweichen, auch nur für 2 km.

Kirkebakken
Rauf geht es auf den Kirkebakken, der Schotterweg ist nicht der beste.
Rolling
Wir rollen bergab in Richtung Aalborg, 5 km nur rollen.

Wir finden den Lagerplatz ohne Probleme, er liegt in einem hübschen Mischwald und hat eine Feuerstelle und einige Shelter. Das Wetter bessert sich und dann kommt sogar die Sonne raus! Wir kochen Pasta mit Tomatensauce zum Abendessen und hauen uns wieder zeitig ins Bett.

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Abends im Wald bei Aalborg, die Sonne gibt nochmal alles nach einem regnerischen Tag.
Avondeten
Das letzte Mal draußen kochen auf dieser Tour: Zwiebeln und Knoblauch geschnitten, und die Tomaten.

Die Rückreise am nächsten Tag war, “Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn”, sehr stressig und wir hatten viel Verspätung, unangemeldete Gleiswechsel und einen kaputten Zug. Daher schreibe ich darüber lieber nichts, höchstens, dass wir mit Müh und Not irgendwie nach Hause kamen.

Und dass wir in Aalborg auf die Reste des Karnevals gestossen sind, der am Vortag stattgefunden hatte.

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Ein rosa bemaltes Krankenhausbett und ein golden Besprühter Kinderwagen, die als Fahrzeuge im Aalborger Karneval benutzt worden waren.

Vestkyststien, Tag 14: von Bunken nach Sæby

Nach einer warmen Nacht packen wir früh unsere Räder am Bunken Campingplatz und kochen uns Porridge in der Campingplatz-Küche zum Frühstück.

Das erste Stück radelt sich sehr schnell runter, ist aber nur an der Hauptstrasse nach Frederikshavn entlang, und recht langweilig zu fahren. Wir haben immerhin das erste Mal auf dieser Tour Rückenwind. In Frederikshavn fahren wir langsam durch die Fußgängerzone und machen eine Pause mit belegten Broten.

Fredericksborg
In Frederiksborg (glaub ich) im autofreien Innenstadtbereich. es gibt eine Pizzeria und einen Bioladen und viele Bummelnde in der Sonne.

Dann geht es weiter nach Sæby, wo wir am Hafen noch eine Pause machen und uns für 100 Kronen Pommes im Imbiß holen.

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In Sæby fahren wir zum Hafen an gelben und roten Fachwerkäusern vorbei.
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Am Haus der Ruder- und Kayak-Clubs in Sæby stehen zur Deko bunt bemalte Paddel.
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Der Bootshafen mit der Meeres-Dame, eine Betonstatue von einigen Metern Höhe.

Am Abend wollen wir in der Professorens Plantage zelten, und finden sie auch ohne Probleme. Es gibt einen extrem schönen Shelter-Turm mit drei Stockwerken und Hochbett.

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Die Räder von oben gesehen stehen auf der Wiese vor der niedrigen Buschheide der Professorens Plantage.

Bald kommen zwei Familien, die am Wochenende die Natur genießen wollen, ach ja, es ist ja Samstag. Wir einigen uns darauf, dass sie den Shelter benutzen und wir zelten.

Dann kommt noch ein älterer Typ, der mit einer Sackkarre viele Ausrüstungstaschen in den Wald karrt und dann seltsame Konstruktionen zwischen die Bäume spannt. Ich gehe rüber und frage nach, und es stellt sich heraus, dass es Baumzelte sind. Und wir dürfen in einem davon übernachten! Juhu!

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Die Baumzelte im bewaldeten Teil unseres Lagerplatzes.

Später kommen noch mehr Leute und Rolf, der Baumzeltbauer, versammelt alle um sein Lagerfeuer. Er ist super im sozialisieren und bringt uns alle zum lachen. Alle reden dänisch und mit mir auch englisch (die Kinder eher noch nicht) und wir haben einen wunderbaren Abend. Am Ende hängen vier Baumzelte und zwei Bodenzelte stehen da, und der Shelter ist auch belegt.

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Rolf hat ein Dreibein, eine Feuerschale und Brennholz mitgebracht, so dass wir ein Lagerfeuer haben, ohne den Waldboden zu beschädigen. Darüber hängt ein niedlicher Emaille-Wasserkessel.

Am Parkplatz nebenan haben sich zwei ältere Deutsche in ihrem Wohnmobil hingestellt. Sie schütten ihr Chemieklo auf der Waldtoilette aus, und während unsere lustige Runde am Lagerfeuer sitzt, schauen sie hinter ihren Spitzengardinen in ihrem fahrenden Klohäuschen fern. Also, ich weiß ja nicht, aber das vielbeschworene VanLife ist das nicht gerade. Ich schäme mich echt für die Deutschen. die hier in der dänischen Nordseeregion ihr Unwesen treiben. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mit denen in Verbindung gebracht wurden. Wir sprechen nämlich dänisch (mein Partner fließend, und ich bemühe mich mit ein paar Brocken) oder englisch (ich) und machen naturnahe Zelt-und Radwander-Ferien, da treffen wir an den Wochenenden oft dänische Gleichgesinnte.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir ausnahmsweise nicht im Zelt, sondern sitzen mit vielen Kerzen und einer Lichterkette um die Feuerschale.

Wir schlafen wirklich in einem der Baumzelte, und es ist ungewohnt, aber auch sehr cool. Die Nacht ist wieder sehr warm, und das luftige Baumzelt ist da genau das Richtige. Bei Bewegungen schaukelt es, und man fühlt sich wie in einer Hängematte, nur weniger gebogen. Unser Baumzelt hängt etwa 1,50m über dem Boden, und wir steigen durch eine Luke mitten im Zeltboden ein und aus.

Dänischer Nordseeküsten-Radweg (Vestkyststien) Tag 13: Nach Skagen und zurück

Es ist der 25. Mai 2018. Wir haben nicht so gut geschlafen, in der Nacht hörten wir ein seltsames Schnarren, das stundenlang in verschiedenen Tonhöhen dauerte, und ich stand irgendwann auf und stakste Barfuß und im Schlafanzug durch den Wald, dem Geräusch hinterher. Es war ein Vogel, der offensichtlich stundenlang ohne Unterbrechung schnarrt.

Dieser Vogel schnarrt anscheinend nur in der Nacht. Später fand ich mit einer beharrlichen Internetrecherche heraus, dass es ein Ziegenmelker war, auf Englisch “Night Jar”. In vielen Gegenden sind sie selten geworden, sie fühlen sich in Heidelandschaften mit vielen Insekten wohl.

Also hier, die ideale Gegend für diesen Vogel! Wir krabbelten morgens aus dem Zelt, und sofort sprangen uns 100 kleine Fliegen ins Gesicht. Selbst Autan half nur kurzzeitig. Wir packten zügig ein und beschlossen, so früh wie möglich beim Campingplatz einzuchecken, wo wir das Gepäck unterbringen wollten, um dann einen Tagesausflug nach Skagen zu machen, und die kommende Nacht dort verbringen. Ausserdem freuten wir uns auf heiß Duschen.

Der Platz war ab 8 Uhr geöffnet und es war kein Problem, dass B. seinen 2017 in Schweden gelösten skandinavischen Campingpass nicht dabei hatte. Alles ist online hinterlegt, und der nette Portier checkte uns ein. Wir wollten das teure Zelt nicht aufstellen wegen der UV-Strahlung, und die Taschen einfach auf die Wiese zu stellen, war uns auch zu riskant, also schlugen wir das Tarp auf und stellten die Taschen dort drunter, das wirkt dann wenigstens nicht so, als stehen die zum Verschenken da.

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Das Tarp ist als Gepäckgarage aufgebaut und die Räder stehen für den Tagesausflug nach Skagen bereit.

Der Platz hatte eine Wiese zum zelten und Parzellen mit Stellplätzen, die aber mit sehr naturnahen Hecken und Bäumen umfriedet waren, und hohes Gras mit Wildblumen gab es auch. Ich hasse ja diese geleckten Stellplätze mit möglichst eckig getrimmten Hecken drumherum. Diese waren schön und urig, und wir suchten uns einen in der Nähe des Küchen- und Sanitärgebäudes, weil dort eine Wifi Antenne stand und wir dann am Zeltplatz Wifi haben würden.

Dann fuhren wir ohne Gepäck nach Skagen. Der Radweg ist hübsch und führt auch noch an einem schönen Shelterplatz vorbei, der gar nicht belegt war. Wir hatten natürlich wie immer Gegenwind, aber der war nicht so stark. Durch den typischen Wald und die typischen Dünen fuhren wir zur “versandeten Kirche”.

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der Kirchturm der versandeten Kirche. er ist das einzige, was erhalten geblieben ist.

Die versandete Kirche wurde 1779 aufgegeben, nachdem die Gemeinde nur noch durch ständiges Sandschaufeln in die Kirche gelangen konnte. Sie sollte abgerissen werden, aber der Turm blieb als Seezeichen erhalten.

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Hier sind wir, ich und mein Fahrrad, in Skagen!
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Die Fußgängerzone in Skagen ist voller touristischer Shops, die Sonne scheint, und viele Leute spazieren herum.

Skagen hat viele Häuser, die am Dachfirst und an den Seiten weiss bemalte Dachziegel haben. Ich habe gelesen, dass das auch als Seezeichen diente und sich einfach erhalten hat. Ausserdem haben sie viele Leuchttürme und einen großen Hafen. Wir gönnten uns einen roten Hotdog in der Innenstadt und fuhren dann weiter nach Grenen raus, der Landspitze, wo Kattegat und die Nordsee zusammenfliessen. Vorher haben wir noch Pizzaschnecken und Schokobrötchen zum Picknicken beim Netto geholt.

Als wir dort ankamen, schlossen wir die Räder am großen Parkplatz an und erwarben Tickets für die “Sandormen”, Traktoren, die Passagieranhänger zum Strand raus ziehen. Das spart 2km Fußweg durch den weichen Sand und ist an sich auch ein cooles Erlebnis. Weil unser Sandwurm noch nicht sofort abfuhr, haben wir uns noch das Museum für moderne Kunst angeschaut.

Sandwurm
Im “Sandwurm” innen sind einfache Holzbänke installiert. Vorne zieht ein großer, moderner Trekker.
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Wir haben uns Tickets für den “Sandwurm” gekauft, ein Traktor mit einem Anhänger, auf dem ein alter Bahnwaggon montiert ist, oder so ähnlich.
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Die Leute tummeln sich an der äussersten Spitze Dänemarks und tauchen ihre Zehen in die Wasser des Skagerak und des Kattegat.

Die Landspitze war etwas unspektakulär, normalerweise soll es ja cool sein, zu beobachten, die die beiden Meere zusammentreffen, aber ich fand den optischen Effekt an diesem Tag nicht so deutlich. Der Lebensgefährte fand’s cool und ich machte Fotos von ihm am Ziel. So wie hundert andere Leute auch. Ich selber fühle dieses “Ha, DAS ist es jetzt, das Ziel” nicht. Für mich ist der Weg das Ziel.

Wir picknickten unsere mitgebrachten Snacks am Strand, schwitzten und nahmen dann den nächsten Sandwurm zurück zum Parkplatz. Auf dem Rückweg endlich mal Rückenwind!

Am Campingplatz machten wir mal Faulenz-Ferien, nahmen heiße Duschen und benutzten das Internet. Ich fand heraus, was für ein komischer schnarrender Vogel uns wach gehalten hatte (siehe oben) und abends gab es nochmal Nudeln mit Pesto. Der Platz hatte eine Küche, aber alle außer uns kamen nur zum Abwaschen dort hin. Es gab wieder viele Mücken und wurde eine warme Nacht.

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Am Abend steht das Zelt in unserer kleinen Parzelle.

Vestkyststien, Tag 12: von Tornby nach Råbjerg Mile

Es ist der 24. Mai 2018. Ich wache früh in unserem Zelt auf, draussen ist nichts zu sehen, denn die Waldlichtung ist voller Nebel. Ich stehe auf und genieße das Schauspiel, während sich der Nebel schnell mehr und mehr verflüchtigt.

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Auf dem Foto schwer einzufangen: der Nebel war in Wirklichkeit viel dichter.
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Das Zelt auf der nebligen Lichtung, als die Sonne über die Baumspitzen steigt.
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Nochmal das Zelt auf der nebligen Lichtung. Ich fand es so schön an diesem Platz.

Wir kochen Kaffee und ich stricke in der Morgensonne an meinen Toursocken. Dann packen wir ein und fahren erst mal auf Sandwegen durch den Wald, und später auf glatten Strassen. Unser erster Stop ist Hirtshals, wo am Ortseingang ein grosser, weiß gestrichener Leuchtturm steht. Wir biegen dort ein, eigentlich nur, um das Bad zu benutzen, und bleiben dann eine Weile, denn es gibt Sitzbänke, wunderschönes Wetter und ein offenes Bunkermuseum, das noch viel größer ist, als das vom Vogelfelsen.

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Das Meer bei Hirtshals, mit dem Bunkermuseum

Ich wandere eine Stunde auf den Trampelpfaden an der grün bewachsenen Küste entlang und schaue mir die verwitterten Gebäude an. es gibt Informationstafeln, die einen richtig guten Eindruck vermitteln, nicht nur von diesen Anlagen, sondern von der ganzen Küstenverbauung durch Nazi-Deutschland. Krieg ist so scheiße. Niemand konnte an den Strand, das war alles militärisches Sperrgebiet, und die dänischen Handwerker mussten den Deutschen auch noch diese Bunker hinstellen. Sie sind das grösste Bauwerk Dänemarks, wenn man den Beton zusammenrechnet, der da verbaut worden ist.

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der Leuchtturm von Hirtshals
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Mein Schatten beim Abstieg in einen restaurierten Bunker
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wie ein alter, verwitterter Beton-Pilz liegt die ehemalige Leitstelle am Hang eingegraben.

Wir müssen noch einkaufen und finden den Netto in Hirtshals. Mir fällt ein Glas Pesto runter, und ich will schnell meine Einkäufe zum Fahrrad bringen und mich dann darum kümmern, aber eine dänische Oma denkt, ich will die Bescherung einfach liegen lassen und Einkäuferinnenflucht begehen, und schreitet ein. Nicht, ohne mir immerhin freundlich zu helfen, Plastiktüten aufzutreiben, um das Schlimmste einzusammeln. Ich muss dann nochmal rein, ein neues Pesto kaufen, und die Leute vom Netto sagen, sie kümmern sich drum. Ich finde es spannend, wie das abgelaufen ist, einerseits schon soziale Kontrolle, aber andererseits auch gleich sehr hilfsbereit.

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Am Hafen liegt eine große Schnellfähre, die wahrscheinlich nach Norwegen geht.

Wir kurven um den Hafen in Hirtshals und genehmigen uns einen Hotdog, dann geht es wieder in den den Wald. Irgendwann kommt ein Stück Horror-Schotter-Belag, aber zum Glück ist das nicht von langer Dauer. Über schöne Sandwege gelangen wir zum Meer zurück und machen eine Pause in den Dünen bei Vester Tversted.

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Wir haben die Räder an einen Dünenhang gelehnt und geniessen die Sonne und die Aussicht aufs Meer.

Der Rest der Strecke läuft gut, wir halten an der Råbjerg Kirke an und tanken Wasser, falls es am Shelterplatz keines geben sollte, und machen eine Kaffeepause mit Matcha Latte und Dagmartorte. Wie es auf Tour manchmal ist: Ich fand die Latte-Tütchen nicht, räumte alle meine Packtaschen leer, und dann waren sie am Ende in der Lenkertasche gewesen.. irgendwie kann die Ordnung in Packtaschen noch so gut sein, man kramt doch trotzdem immer in ihnen herum.

Wir fahren mit guter Stimmung zum Lagerplatz am Milevej, dort war auch niemand, und Trinkwasser gab es sogar auch. Wir packen unsere Taschen in den großen Shelter, schliessen die Räder ab, und wandern auf die grösste Wanderdüne in Dänemark. Von hier aus gibt es einen kleinen Trampelpfad, aber man muss eine fast senkrechte Dünenwand auf die Düne hochklettern.

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Unterwegs zur Düne. Von hier sieht es gar nicht so steil aus.

Ich muss auf allen Vieren rauf krabbeln und bei jedem Schritt nach oben rutsche ich mindestens die Hälfte der Schrittlänge wieder runter, während mein schlanker Partner leichtfüssig wie eine Bergziege zum Dünengipfel entschwebt.

Neben mir strampeln sich Käfer ab, die ebenfalls mehr zurückrutschen, als dass sie die Sanddüne hochkommen, aber am Ende schaffe ich es mit hochrotem Kopf doch noch nach oben.

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Juhu, ich habe es geschafft! Ich bin oben!

Vor uns breitet sich die riesige Wanderdüne aus, es ist bis auf einige Vogelstimmen völlig still. Auf dieser Seite der Düne ist kein Mensch, die Touristenfalle ist auf der anderen Seite.

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einsame Dünenlandschaft, und in der Ferne das Meer, sehr beeindruckend!
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ein paar Spuren verraten, dass kurz vor uns ein paar Menschen hier waren.
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ein Käferchen, das auf die Düne will, aber immer seitlich runter rutscht.
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der Zeltplatz am Milevej hat sogar Wasser und einen Mülleimer.

Als wir von der Düne absteigen und am Lagerplatz sind, stellen wir fest, dass es hier unglaublich viele Mücken und winzige Fliegen gibt, die einem in die Ohren krabbeln. Ich ziehe mir die lange mückensichere Hose an und bastele mir ein arabisches Kopftuch aus meinem Handtuch und meiner Schirmmütze, dann habe ich relative Ruhe. Ich stricke meine Toursocken fertig und suche mir dank gutem mobilem Internet ein neues Strickmuster raus, und fange gleich das nächste Sockenprojekt an.

Heute gibt es Nudeln mit Pesto, sehr lecker. Aufgrund der Mückensituation verschwinden wir früh im Zelt. Ich schlafe schon vor 22 Uhr ein.

Vestkyststien, Tag 11: Von Blokhus nach Tornby

23. März 2018

Am 11. Tag habe ich kein Tourtagebuch geschrieben, und auch recht wenige Fotos gemacht. Wir hatten zwischenmenschlichen Stress, nicht so schön.

Wir fuhren nach Løkken in relativer Strandnähe, und es bot sich das übliche Bild der “Dünen-Resorts”, Feriensiedlungen am Meer, das klischeehafte Urlaubsparadies an der Nordsee. Schon schön, das ja, aber es ist irgendwann auch ein wenig eintönig.

Ein Highlight war die Strecke über den Sandstrand. Sie ist ein paar Kilometer lang und der Nordseeküstenradweg führt an den Strand und direkt über den Sand. Hier ist das möglich, weil es ein “Autostrand” ist: Die Leute fahren mit ihren PKW auf den Strand, parken das Auto, und sonnen sich Seite an Seite mit ihrem Blechhaufen. Eigentlich kaum zu fassen, aber es soll ja auch Leute geben, die ihr Auto in sogenannten “Car-Lofts” bis ans Bett mitnehmen. Warum also nicht mit dem Auto an den Strand?

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Ein Mann und sein SUV liegen Seite an Seite am Strand… ich weiss ja auch nicht.

Der Sand ist von den Reifen dermassen komprimiert, dass es möglich ist, darauf Rad zu fahren. Nur an manchen Stellen versinkt man doch noch im Sand, und ich habe mich auch einmal flach gelegt – an der Stelle bin ich allerdings auch weich in den Sand gefallen.

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Mein Rad mit den Packtaschen an einem kleinen, trägen Bach, der ins Meer fliesst am Strand.

Ich war trotzdem froh, als das Abenteuer “Autostrand” hinter uns lag, und es in Løkken hoch in den Ort ging. Am Strandcamping von Løkken haben wir ein zweites Frühstück zu uns genommen. Hier gibt es eine Semi-Steilküste, wo man mit Treppen zum Strand runtergehen kann.

Danach erinnere ich mich, wie wir weiter im Landinneren auf einer Landstrasse gefahren sind, die gerade frisch asphaltiert war, und wo der Belag ganz seltsam an den Reifen klebte, beim Fahren gab es immer komische Schmatzgeräusche. Das war bei Rubjerg, wo es eine grosse Düne gibt. Sie ist die höchste wandernde Düne Europa, und der Leuchtturm, der dort steht, wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich ins Meer stürzen, denn die Küste in seiner Nähe bricht immer mehr ab. Laut Wikipedia hat die dänische Regierung im Herbst 2018 einen Etat bereitgestellt, damit der Leuchtturm 80 Meter ins Landesinnere versetzt werden kann.

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Eine frisch asphaltierte Strasse führt durch grüne Wiesen, im Hintergrund sieht man eine hohe, gelbe Sanddüne.

Unscheinbar neben der Strasse liegt ein alter Friedhof, der einmal zu einem Dorf gehörte, das durch das Sandtreiben aufgegeben werden musste. Hier in Norddänemark gab es früher viele Probleme mit dem Sandtreiben, denn für Brennholz wurde die Dünenvegetation abgeholzt.. An der ganzen Nordseeküste mussten die Dünen wieder mit Strandhafer und Strandrosen bepflanzt werden, um die Versandung etwas mehr in den Griff zu bekommen.

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ein Grabstein auf dem verlassenen Kirchhof bei Rubjerg

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noch mehr Dünen-Action
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Pause in Lønstrup am Meer, es gibt Sitzbänke auf einer Terrasse in der Stadt.

In Lønstrup sind wir dann nochmal ans Meer gekommen, und dann ging es hügelig wieder ins Land, auf eine Heidelandschaft, wo ein paar Bauernhöfe und ein schöner Wander- und Radweg sich durch den Wald schlängelten. Wir hatten unsere Route etwas umgeplant. Statt im Rubjerg Skov zu zelten, fuhren wir noch ein gutes Stück weiter nach Tornby, wo es einen Lagerplatz im nahen Waldstück gab. wir sind in Tornby noch zur Kirche gefahren um Wasser aufzutanken, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, denn auf dem echt schönen Waldzeltplatz gibt es einen Wasserhahn.

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Der Zeltplatz in Tornby. Es gibt auch einen Shelter, einen Grillplatz und eine tofte Holzspaltmaschine.
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Am Shelter befindet sich der Wasserhahn. Er kann aktiviert werden, indem einfach so ein Stab zur seite gedrückt wird. Ein Plumpsklo gab es nicht, dafür standen Spaten bereit, um die Hinterlassenschaften selbst zu verbuddeln.

Am Abend auf dem Lagerplatz kamen wir dann zur Ruhe und entspannten uns, kochten Essen und widmeten uns dem Campingleben. Wir hatten auch wunderbares, sonniges Wetter.

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Das Fahrrad steht in der frühen Abendsonne am Waldzeltplatz

Später, als wir schon das Zelt aufgebaut hatten, zog Nebel auf. Ich ging einen Spaziergang machen und sah, dass hinter uns auf der Lichtung ein kleiner Waldsee lag, von dem der Nebel aufstieg. Es gab auch einige Rehe, die über unsere neblige Lichtung sprangen. So endete ein anfangs stressiger Tag noch sehr schön und sehr entspannt.

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Abends hüllt der Nebel alles ein.

10. Tag #Vestkyststien: Von Kollerup nach Blokhus

Heute ist der 22. Mai 2018, ich komme auf der Tour langsam mit der Zeit durcheinander. Ich wache um 6 Uhr von alleine auf, es ist wieder ein sonniger Morgen. Im Shelter kochen wir Porridge, und nach dem Heißgetränk und dem Packen wollen wir losfahren.

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Kaffee kochen am Shelter: Der Trangia Kocher macht das Wasser heiss, und unsere Kaffeedose, eine Trinkflasche und die Tassen stehen auf dem Holzboden.

Im Wald ist eine Schulklasse unterwegs, die eine Schnitzeljagd macht, am Vorabend waren zwei Lehrerinnen unterwegs, die die Spuren ausgelegt hatten. Wir hatten uns kurz unterhalten, überhaupt sehen wir auf der Tour ein paarmal Schulklassen, die im Wald herumlaufen und Abenteuerspiele spielen. Super Sache!

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Die Fahrräder auf einer Waldlichtung, wo wir von der letzten Steigung verschnaufen.

Die erste Strecke ist ganz okay, leider haben wir schon wieder Gegenwind. Einmal müssen wir uns eine miese, grobgeschotterte Strasse einen Hügel hoch plagen, dann geht es wieder bergab zum Strand. Es gibt da ein Sanitärgebäude und eine kalte Stranddusche, wo wir anhalten um ein paar Sachen zu waschen. Ich gebe mir die kalte Dusche, und das ist bei der Hitze sehr erfrischend.

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Klamotten waschen: Das kleine Outdoor-Faltwaschbecken im Gras bei den Dünen, es ist ein so praktischer Gegenstand!

Danach kommt etwas, was wir “Dänemarks schlechteste Schotterstraße” taufen, dazu haben wir noch Gegenwind, es ist sehr ermüdend. Am Strand Pause machen ging auch nicht so gut, weil da Baustelle war und Baufahrzeuge lautstark herumfuhren. Also weiter, jetzt ist da ein Weg in Plattenbauweise, wo ich mich frage, ob die Straße ein deutsches Bauwerk aus der Nazizeit ist.

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Malerisch, der kleine Sandweg am Meer, aber anstrengend, weil wir wieder bei Gegenwind auf und ab über die Dünen müssen.

Wir machen Pause an einem Waldrastplatz, aber die Erholung hielt nicht lange vor, die Wege durch den Wald werden immer schlechter: Nicht nur sind sie grob geschottert, sondern sie wurden von den schweren Panzern und Militärfahrzeugen vom Übungsplatz nebenan ziemlich zugrunde gerichtet. Der Schotter ist lose und zu lauter feinen Rippen aufgeworfen, weil riesige LKW-Räder sich da rein gegraben hatten.

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Ärgerlich: ein militärischer Übungsplatz. Hier das Schild, das ein Weiterfahren verbietet, aber auch die ganzen Wege in der Umgebung sind von den Militärfahrzeugen beschädigt.
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Einer von diesen hübschen Shelterplätzen, aber es ist noch nicht mal mittag und wir wollen weiter.

Mein Tourgefährte fällt in ein mentales Loch und wir kommen nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter, auch als sich der Weg bessert. Wir kommen an eine Schnellstrasse, und ausgerechnet an einer Straßenraststätte, die trostlos wirkt und in der prallen Sonne da liegt, sagt er, dass er nicht mehr kann und eine Pause braucht. Zu allem Überfluss kommt ein Rasenmähtraktor vorbei und mir fliegt ungelogen die Rasenmahd um die Ohren, weil der Landschaftsgärtner nicht aufpasst.

Wir fahren weiter, und kommen durch die Blokhus Klitplantage, ein hübscher Wald mit einem großen Lagerplatz darin. Inzwischen ist klar, dass zwischen Blokhus und Løkken – etwa 35 km – keine legalen Lagerplätze mehr liegen werden. Entweder wir bleiben hier, obwohl wir noch nicht weit gekommen sind, oder wir fahren alles, bis Løkken, was insgesamt 70km werden würden. Nachdem die Wege schlecht waren und der Gegenwind nicht ohne war, ist sich mein Partner unsicher, ob er das noch schafft. Ich ärgere mich, dass wir für 35km geschlagene 5 Stunden gebraucht haben, und jetzt eigentlich hier in Blokhus festsitzen. Ich versuche ihn zu überreden, einen regulären, bezahlten Campingplatz anzufahren, um wenigstens noch etwas weiter zu kommen heute. Aber das will er absolut nicht. Ich eigentlich auch nicht, aber noch weniger mag ich es, einen Tourtag schon mittags abzubrechen.

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Der grosse Shelterplatz in Blokhus. Drei schwarz gestrichene Shelter, die sogar Schiebetüren haben, Picknicktische und ein Grillplatz befinden sich dort.

Wir hatten letztes Jahr in Schweden die Situation, dass wir an einem “Schwächeltag” beschlossen hatten, statt noch nach einem Platz a la “Jedermannsrecht” zu suchen, einfach auf einem Campingplatz zu zelten. Das war leider ziemlich schlecht gelaufen. Wir bekamen eine Parzelle unter einer Straßenlaterne, der Platz war vom Wind schlecht abgeschirmt und es pfiff uns ständig um die Ohren, die Küche sah aus wie im Knast, es gab nicht mal Wifi und wir zahlten zu zweit etwa 40 Euro! Naja, das ist unwahrscheinlich, dass es dieses Jahr wieder so läuft.. aber.. egal.

Wir gehen erst mal einkaufen, stadtauswärts gibt es Supermärkte, und entscheiden uns dann doch, in Blokhus zu bleiben. Das beschert uns einen halben Tag Pause. Wir versuchen noch in der Stadt einen Geldautomaten zu finden, aber der Ort ist viel kleiner als gedacht, eigentlich gibt es nur eine große Strasse, und wir finden keinen.

Wir kommen am Blokhus Skulpturenpark vorbei, aber wie das immer so ist: Die Sandskulpturen sind in Parks, mit hohen Wänden umgeben, damit du Eintritt bezahlst, um die Sandbauten zu sehen. Irgendwie sind die auch mit etwas haltbar gemacht, sonst würde das in dem Seeklima ja gar nicht gehen. Und quasi Betonskulpturen in Sandfarbe, das finde ich nicht so spannend wie wirkliche Sandskulpturen. Wir lassen den Skulpturenpark links liegen.

Wir kaufen uns ein Wienerbrød (Ach, diese leckeren dänischen Plunder!) und fahren zum Lagerplatz im Wald. Er hat alles, was man braucht, auch Trinkwasser. Wir machen uns Instant Matcha Latte, und dann mache ich mir einen gemütlichen Nachmittag mit faulenzen, stricken und Podcasts hören.

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Ich stricke und höre Podcasts an einem der Picknicktische am Lagerplatz.
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Mittagschlaf im Shelter – ich glaube, der Tourgefährte ist vor lauter Ermüdung sofort weggepennt.

Abends kochen wir Couscous mit Zwiebeln, Bohnen, Mais und Zucchini. Dazu reiben wir uns Parmesan mit so einer Winzig-Reibe, die ich aus Fun gekauft hatte, aber sie funktioniert. Ein sehr junger deutscher Typ kommt mit seinem bepackten Rad, er ist in Kolding gestartet und fährt nach Skagen. Er mag nichts von unserem Essen abhaben und demontiert sein halbes Rad und putzt alle Teile.

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Abendsonne am Shelterplatz.

Dann kommen noch zwei Leute, die eine riesige Kühlbox tragen, dann gehen sie wieder weg und kommen mit riesigen Aldi-Tüten voller Zeug wieder. Wir befürchten schon, dass es abends eine laute Grillfete geben wird. Aber statt einer Partygesellschaft kommt niemand, die zwei bauen ein kleines Igluzelt auf. Puh, Erleichterung!

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unser schönes Tunnelzelt, das wir erst aufbauen, als die Bäume genug Schatten werfen. Sonst gibt es UV-Strahlungs Schäden!

Später bauen wir auch ein Zelt auf, denn Heerscharen von Mücken wollen unser Blut. Das wird also wieder nichts mit Sheltern!

Kaufnix + Kondo Update

Ich mache ja dieses Jahr ein #noBuy – Jahr, zusammen mit ein paar anderen Leuten, die ich durch das Internet kenne. Manche bloggen auch dazu, und so habe ich gerade diesen Artikel von TQ über den Frühling, Mode und noBuy gelesen.

Jetzt regt mich das an, über mein Verhältnis zu Mode zu reden.

Ich bin ja ein Modemuffel und lebe nach dem Motto: Es gibt Frauenklamotten, Männerklamotten und Outdoorklamotten. Und Letztere sind meins! Dazu kamen noch ein paar Metalshirts die letzten Jahre, und selbstgestrickte Oberteile, Tadaaa! Es muss vor allem funktional sein.

Ich trage eigentlich auch oft die Sachen von anderen Leuten auf, und wenn ich mir mal etwas kaufe, dann ist es eine Cargo-Hose oder eine Outdoor-Hose oder etwas, das beides in sich vereint. Seit ich meine Kleidung “Konmarit” habe, bin ich noch viel zufriedener mit dem, was ich schon habe. Denn jetzt ist es schön sortiert und liegt nicht zwischen lauter Altkleidern im Schrank, die mir nicht mehr passen. Ich habe nur noch Lieblingsteile!

Zum Beispiel zwei Winter-Cargo-Hosen und zwei Sommer-Trekking Hosen. Wobei ich noch eine Fahrrad-City-Hose habe, die aber trotz sauteurer Outdoor-Marke nach 3 Monaten kaputt ging. Und ratet mal, wer den Kassenzettel verloren hatte? Hmpf! Ich hatte sie repariert, aber das eingesetzte Stück Stoff ging auch schnell kaputt. Vielleicht ist der Schnitt einfach Schrott. Einmal werde ich noch ein neues Stück Stoff einsetzen und sehen, was dann passiert.

Gerade ist ja flicken total hip. (Mal nach dem Hashtag #visiblemending auf Instagram suchen, z.B.) Hoffentlich motiviert mich das, endlich diese Hose zu reparieren.

Irgendwie würde ich diese Art, mich mit immer den gleichen Klamotten einzuhüllen, nicht als unstylish abtun. Ich mag den funktionalen Look von Outdoor- und Funktionsklamotten einfach. Ich mag bequeme Tshirts, Hosen mit vielen, vielen, VIELEN Taschen, karierte Hemden, kuschlige Strickjacken, Wollsocken und Schuhe, in denen ich bequem laufen kann, und ich mag, wie ich damit aussehe. Ich frage mich, ob es konservativ ist, wenn man seinen Stil nicht so sehr verändert. Aber ich glaube, für mich ist das, wie ich jetzt rumlaufe, schon eine Veränderung. Ich trage gerne mehr maskuline Sachen, eher so in Richtung Holzfäller als Richtung Büroheini, und früher habe ich viel mehr Hippie-kram gemocht und hatte auch einige lange Röcke aus gebatiktem, bestickten Baumwollstoff.

Ich denke ja, dass es sowas wie “Meta-Style” gibt. z.B. eine Person, die halt neue Fashion-Teile ausprobiert, und gerne modebewusst herumläuft, hätte für mich eben dies als “Meta-Style”. So wie mein “Meta-Style” in die Richtung funktional/outdoor/maskulin/unisex geht.

Für mich ist das gar nicht so experimentell, sondern ich sehe eher das gleichbleibende, nämlich, dass die Person gerne modische, schicke, stylische Sachen trägt. Ich kann aber auch die neueste Mode von der von vor ein paar Jahren nicht unterscheiden. Was ich schon bemerke, ist, wenn Schnitte und Stoffe nicht nur rein funktional sind, sondern dann schon ins künstlerische gehen. Das ist für mich eigentlich das bemerkenswerte an einem modebewussten Meta-Stil: Dass die Kleidung ein bewusst künstlerisches Design hat. Egal von wann das Design jetzt genau ist, oder ob man wirklich den “letzten Schrei” trägt. Klar, kann man jetzt wieder sagen: “Alles ist ja irgendwie Kunst”, aber das meine ich nicht.

Mein Konmari Prozess läuft gut

Stoffe

Ich habe inzwischen meinen Stoff-Stash mit der Konmari Methode entrümpelt, und es dauerte eine Woche, bis ich fertig war. Anders als der Garnstash habe ich mich die letzten 15 Jahre eigentlich nie um das Durchsehen der Stoffe gekümmert, und immer nur mal hier und mal da ein schönes Stöffchen gekauft. Das wirkt sich aus. Ich habe eine große Ikea-Tasche mit wirklich unbrauchbaren Sachen aussortiert, und eine kleine Tüte mit neuwertigen Stoffen, die ich halt niemals mehr verwenden werde.

Letztere werde ich demnächst mal versuchen, über ebay Kleinanzeigen loszuwerden. Der Rest geht zum Recyclinghof, schätze ich, denn die meisten Kleidungs-Sammelbehälter nehmen nur noch Kleidung an, die noch verkauft werden könnte. Ich habe die alten (aber sauberen) Lumpen immer trotzdem reingeworfen, weil ich gelesen habe, die müssen das dann recyceln. Aber wenn der Recyclinghof das auch offiziell annimmt, gehe ich doch lieber da hin.

Bücher und Papierkram

Außerdem habe ich meine Bücher durchgesehen, und einen Großteil meines Papierkrams. Ich habe 22kg Bücher gespendet und ich glaube, auch nochmal 20kg Papiere in den Altpapiercontainer gebracht. Unglaublich, wieviel Platz in den Regalen frei geworden ist! Ich hatte sogar drei Bücher doppelt. Und ich hatte es nicht gewusst. Ich dachte immer, diese Stories stehen in den Anekdoten von Aufräum-Coaches, aber mir passiert das doch niemals. Tja!

Und das, obwohl ich noch im Dezember Bücher aussortiert hatte, und wir da schon eine große Tasche ins Antiquariatscafe gespendet hatten. Das hat mich von der Marie-Kondo-Methode wirklich überzeugt. So, wie ich aussortieren und aufräumen vorher angepackt hatte, war es einfach zu ineffektiv.

Als nächstes muss ich nochmal zum Papierkram gehen, da bin ich noch nicht fertig gewesen. Also zu Belegen, Dokumenten, und dem ganzen Bürokratie-Mist. Da kann ich mal die Dinge, die endgültig verjährt sind, wegwerfen. Dazu gehört auch, sich zu erkundigen, welche Papiere wie lang aufbewahrt werden müssen und ob überhaupt.

Ich will gerade echt nichts kaufen, aber meine Handcreme ist alle!

Ob es am Konmari-Prozess liegt, weiß ich nicht. Aber im Moment habe ich wirklich null Lust, mir irgendwelche Dinge anzuschaffen. Wobei ich jetzt doch eine Verwendung für meinen Outdoorladen-Gutschein gefunden habe: Ich habe meine Handcreme aufgebraucht, und ich HASSE es, dass ich gerade keine mehr habe. Aufgrund meiner Plastikmüllvermeidung kaufe ich gerade keine Creme nach, sondern versuche Alternativen.

Gerade brauche ich eine Massage-Bar von Lush auf, die ich vor Ewigkeiten gekauft hatte und deren Duft komplett verflogen ist. Sie ist zu fettig und zieht eigentlich nicht ein, so dass meine Hände sich anfühlen, als würde die Haut unter einem Fettfilm weiter nach Feuchtigkeit schreien.

Von mehreren Leuten habe ich inzwischen die Lotion-Bar “Climb on” empfohlen bekommen, das ist eine feste Handlotion, die für angegriffene Kletter-Hände sehr wohltuend sein soll. Und beanspruchte Hände, die auch noch ständig mit Magnesia bepudert werden, sind ja schon die Königsklasse.

Die Lotionbar kommt in einem Metalldöschen, und wenn das leer ist, kann ich mir ja auch selbst gemachte feste Lotion da rein tun. Daher klingt das schon sehr nach Zero Waste! Weil mein Outdoorladen das führt, kann ich dafür ja meinen Gutschein verbraten, yes!

Eine kleine Schublade voller regenbogenbunter Batikstoffe, nachdem ich sie sortiert und neu geordnet hatte.