Nordseeradweg Niederlande, Teil 2

Das mit dem Zusammenfassen wird nichts, merke ich. Deshalb schreibe ich jetzt wohl doch Tag für Tag… oder eben, wie es kommt!

Freitag, der 14.6.2019 – der dritte Tourtag. Morgens ist es bewölkt. Wir fahren zuerst nach Camperduin und der Radweg führt entlang der künstlich angelegten Dünen. Sie wurde aufgeschüttet, um vor Überflutungen zu schützen. Hier gibt es viele Badestellen, aber gekennzeichnet werden sie durch geräumige Fahrradparkplätze – wo Holzgeländer installiert wurden, an die Räder gelehnt und angeschlossen werden können. In Deutschland parken am Strand die Autos, in den Niederlanden die Räder. Ich finde es super.

Heute ist allerdings kein Badewetter und alles ist leer. Wir kommen nach Petten und besuchen die Ausstellung “Zand tegen Zee”, die super informativ ist. Die Empfangsdame spricht uns auf deutsch an und ich sage auf Holländisch, dass wir versuchen, etwas holländisch zu lernen. Sie freut sich und spricht gleich holländisch mit uns. Ich verstehe ein wenig und blamiere mich mit völlig falschen Worten, aber na gut.

Wir schauen uns noch einen Film über die Dünen an, leider habe ich die meisten Fakten schon wieder vergessen. Die Klimakatastrophe und die steigenden Meeresspiegel sind in der Ausstellung auch ein grosses Thema. Hier haben die Menschen viel zu verlieren, und sie ziehen die Küstenbefestigungen hoch. Es gibt gratis Kaffee von einem Automaten, was auch sehr schön ist.

Der Radweg führt nun wunderschön durch ein Wäldchen und wir werden alsbald von einem starken Schauer überrascht. Wir stellen uns unter dichten Fichtenbäumen unter, und der Seewind vertreibt nach etwa einer halben Stunde die wirklich sehr schwarzen Wolken und strahlend blauer Himmel öffnet sich.

Wir radeln durch ein wunderschönes Dünengebiet, leider das letzte auf dieser Reise, denn die Noordzeeroute führt jetzt weiter auf die Inseln Texel und Vlieland, und wir fahren die popligere Route nach Den Oever. Das liegt daran, dass die Fähre von Vlieland aus einer Buchung im Voraus bedarf, selten fährt und auch nicht ganz billig ist. Allerdings vernavigiere ich mich und wir fahren nach Callantsoog. In die Bänke am Dorfplatz sind Solarzellen eingelassen und sie besitzen USB Ausgänge, damit die Leute ihre Smartphones laden können. Klasse! Wir haben allerdings das eigene Solarpanel dabei und brauchen es nicht in Anspruch zu nehmen.

Bei der Fahrt Richtung Norden hatten wir wieder wunderbar starken Rückenwind, aber jetzt, wo wir einen Bogen nach Süden schlagen müssen, der uns über Land und weg von der Küste führt, kämpfen wir erst mal ganz schön. Wir kommen an eine Art Schnellstrassenkreuz und die Radwegführung (die immerhin vorhanden ist) ist etwas verwirrend, fast biegen wir falsch ab. Aber dann haben wir’s und fahren an bunten Anemonenfeldern vorbei.

Für die meisten anderen Blumen ist es zu spät, die sind schon abgeerntet. Wir fahren an sehr vielen abgeernteten Tulpenfeldern dabei. Anemonen und Zierzwiebeln blühen noch. Das muss ein imposanter Anblick gewesen sein, als da alles in Blüte stand.

Wir machen eine Pause im Dörfchen Ouidesluis und dann geht es wieder nördlicher und mit Rückenwind an einem mäandernden Fluss entlang. Dann kommen wir am Amstelmeer vorbei, von dem wir leider nichts sehen, denn die Strasse liegt hinter einem Deich und führt durch einen Wald.

Dann biegen wir von der Route ab und fahren über eine kleine Landstrasse zum Campingplatz “Het bos roept”. Schon als wir ankommen, fühlen wir uns wie Zuhause: Alles sieht öko und freundlich aus, und man kann sich selbst in einem niedlichen kleinen Bauwagen “einschreiben”. Der Campingplatzbesitzer ist ein dauergutgelaunter Lockenkopf, der ständig auf dem Platz unterwegs ist und alle neuen Gäste persönlich begrüßt, sobald er ihnen über den Weg läuft. Wir sind die einzigen Deutschen da, und ich bekomme wieder Gelegenheit, ein wenig Niederländisch zu üben.

Der Platz hat ein schönes Glashaus mit Induktionsherd, auf dem wir an dem Abend etwas kochen, ganz komfortabel. Nach uns kommt eine grössere holländische Familie und kocht ebenfalls. Die Oma und der Opa sprechen ein ziemlich deutliches Niederländisch, da kann ich sogar ein wenig folgen. Leider verstehe ich bei den meisten anderen wirklich gar nichts. Das ist schon ernüchternd. Gerade wenn die Leute sehr schnell sprechen, bin ich gleich total lost.

Im Glashaus gibt es einen Selbstbedienungskühlschrank, wo eine Flasche kalte Limo 30 Cent kostet, und Kaffee und Tee zum Selber aufbrühen gegen Spende. Es ist so nett da! Und es stehen wunderschöne, imposante Baumwollzelte auf dem Platz. Über die sollte ich später mehr erfahren.

Camperduin - Dünen
Dünen bei Camperduin
Dünen
die künstlich angelegten Hondsbosje Dünen sind zu einer spannenden Naturlandschaft geworden.
Polder
“De Putten” ist ein Vogelparadies, das aus Feuchtwiesen in den Poldern hinter den Dünen besteht. Viel Grün und viel Feucht ist zu sehen.
Zand tegen Zee
An der Ausstellung “Zand tegen Zee” angekommen, der Himmel ist dunkel und schlechtes Wetter kündigt sich an
Dünen
Wunderschöne Farben des Meeres, des Himmels und der grasbewachsenen Dünen.
Abwettern
Statt auf der Bank sitzen wir unter den Bäumen im Wald und warten den Regenschauer ab.
Pause
…und auf einmal scheint strahlend die Sonne.
Anemonen
drei verschiedene Sorten Anemonen werden hier auf Feldern angebaut.

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Müllvermeidungs-Challenge, Tag 18: Selber Deo machen.

Ich habe es tatsächlich getan: Selbst diese Natron/Stärke/Kokosnussöl-Creme gemacht, die als Deo taugen soll. Obwoooohl Leute mir gesagt haben, dass diese Cremes auch die Haut reizen können und obwoooooohl Leute gesagt haben, dass sowohl die gekauften, als auch die selbstgemachten nicht so dolle sind.

Weil: Die Zutaten sind wirklich ultra billig und ich hatte ein leeres Aufstrich-Glas und alles war sowieso im Haushalt vorhanden. Wenn es jetzt wirklich so gar nicht gut ist, habe ich nichts verloren.

Weil ich mich nicht rasiere, ist meine Haut unter den Armen auch viel weniger empfindlich, ist jedenfalls mein Eindruck. Ich hab mich mal rasiert, und das führte dazu, dass ich ungemein empfindlich wurde.

Diese Deo-Kristalle sollen übrigens genauso Aluminiumhaltig sein wie manche Industrie-Deos, sie bestehen aus Alaun, das nichts anderes ist wie Aluminiumsalze. Also habe ich von der Benutzung meines mehr als 15 Jahre alten Deokristalls, den ich aus Zero-Waste-Gründen ausmottete, nun doch wieder abgesehen.

Ich habe dieses Rezept von dem Blog, das auch die Challenge hostet, benutzt: https://zerowastechef.com/2014/08/27/diy-deodorant/

Ein Gläschen beschriftet mit “Deocreme” und dem Datum, steht auf einer Nähmaschine rum.

Ich habe das Ganze dann zum härten raus auf den Balkon gestellt. Jetzt ist es wirklich sehr, sehr hart. mal sehen, ob es so bleibt, oder bei Zimmertemperatur wieder etwas weicher wird. Der Duft ist ganz okay, er könnte etwas kräuteriger sein, aber er ist ok.

Bei dem Rezept habe ich statt Maisstärke Weizenstärke verwendet, und statt Kokosnussöl habe ich raffinierte Sheabutter genommen. Da stand, man soll nur so lange Öl dazugeben, bis man die Konsistenz mag, und ich fand, die Creme wurde schon fast zu weich. Jetzt ist sie steinhart, na toll, haha. Hm. Ich hätte daraus einen Deo-Stick machen können! Zu spät jetzt.

Lesestoff zu Marie Kondo von Creatrix Tiara

Ich habe heute auf Mastodon diesen Link reingereicht bekommen, es ist ein Google Dokument von Creatrix Tiara, wo sie sich in einem sehr langen Essay mit einer Rezension von Marie Kondos Buch befasst. Ich habe es noch nicht durchgelesen, aber angefangen. (Es ist auf Englisch)

Ich finde es sehr spannend, was sie zu sagen hat zu der Methode, und was diese Methode speziell queeren, marginalisierten Menschen zu geben hat. Sie redet über neurodivergente Menschen und was für Konfrontationen mit sich selbst der Prozess auslösen kann. Sie schreibt von sich selbst, und es ist spannend, ihre eigenen Erfahrungen als queere, marginalisierte Person mit der Konmari-Methode zu lesen.

8. Tag Vestkyststien: Von Lodbjerg Fyr nach Vigsø Bucht

Heute ist der 20. Mai 2018. Wir sind an der dänischen Nordseeküste unterwegs. Gestern sind wir am Lodbjerg Fyr nördlich von Agger gelandet und verbrachten die Nacht auf dem Naturzeltplatz am Leuchtturm.

Ich wache um sieben Uhr erst auf, das heißt, ich habe 9 Stunden durchgeschlafen! Ich mache Kaffee und locke damit meinen Reisegefährten aus dem Schlafsack. Ganz in Ruhe machen wir uns Porridge zum Frühstück und bauen dann alles ab.

dänemark tour 2018

In der Morgensonne steht unser Zelt und ein Paar Packtaschen.

Wir fahren in der Morgensonne durch duftende Heidewälder und pausieren kurz an einem stillen Waldsee. Die Wege sind sandig, aber angenehm zu fahren. Wir können leider nicht direkt durch den Nationalpark Thy fahren, denn der “Redningsvej” ist zu unwegsam für die Fahrräder. Deshalb geht es einen kleinen Umweg über ein paar Dörfer.

dänemark tour 2018

ein kleiner Waldsee umgeben von niedrigen Sträuchern.

Irgendwann sind wir wieder in der offenen Dünenlandschaft. Ich finde das immer noch sehr beeindruckend, da durch zu fahren. Es geht Wind, aber nicht so stark, und nicht so frontal wie neulich. Sehr gut.

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weite Dünenlandschaft mit wilden Strandrosen, Heidekraut, Strandhafer und gelben Blüten, dahinter das Meer.

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Wir sind auf einen kleinen Bunker geklettert und blicken auf unsere Fahrräder hinab.

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Am Fischfangplatz von Stenbjerg

Wir fahren bei Stenbjerg zu einem alten Fischereiplatz. Er ist inzwischen nicht mehr in Betrieb, und ein kleines Museum erinnert an die Küstenfischerei hier. Es gab eine Winde, um die Boote hereinzuziehen, und Hütten, die nicht zum wohnen dienten, sondern nur dazu, die Fische zu verarbeiten und zu verpacken. Warum sich hier die Fischerei nicht mehr lohnt, aber an anderen Stellen der Nordseeküste schon, habe ich nicht ganz verstanden. Auf jeden Fall ein beschauliches Fleckchen, wo man sehen kann, wie es früher abgelaufen ist. Historische Fischerkähne liegen auch am Strand. Wir machen eine Mittagspause und fahren dann weiter.

Viele Leute hier sind mit Wanderrucksäcken unterwegs. Darauf hätte ich ja auch mal Lust. Wir fahren durch Vorupør und folgen dem “Kystvej” durch eine Dünenlandschaft nach Klitmøller. Diese Gegend nennt sich auch “Cold Hawaii” und ist ein Zentrum des Surfsports. Wir sehen in Klitmøller überall Surfläden, Surfbrettverleihe, und Menschen die mit Surfausrüstung durch die Stadt wandern. Am Strand ist viel los, eine Menge Leute haben es sich gemütlich gemacht und einige andere versuchen sich im Wellenreiten. Wir machen eine Pause und bereiten uns Heißgetränke auf unserem Kocher zu. Dabei schauen wir uns die Surfversuche an, und ich bekomme den Eindruck, Surfen besteht zu 90% daraus, im Wasser zu liegen und auf eine Welle zu warten. Und die restlichen 10% der Zeit versucht man dann, nicht ins Wasser zu fallen. Für mich wär das nix, glaube ich.

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Nicht viel Wellengang in Klitmøller, aber die Surfer warten trotzdem auf eine günstige Welle.

In Klitmøller liebäugelt die Surfszene mit der Verwandtschaft zu Hawaii und auf den Autos sind Aufkleber mit der Aufschrift “Æloha”. Haha.

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kleine Fischerboote liegen auch am Strand, aber sehr kommerziell sieht das nicht aus.

Wir fahren weiter am Kystvej entlang. ein angenehm asphaltierter Radweg neben der Strasse schlängelt sich durch die Dünen. Es ist hügelig, aber immer noch sanft genug, um mit dem Schwung von der Abfahrt das nächste Hügelchen erklimmen zu können.

Dann nähern wir uns Hanstholm, wo es schon wieder Bunker zu sehen gibt. Diesmal liegen sie nicht am Strand, sondern sind in die Hügelkette hinter der Küste eingebaut. Die sogenannte “Batterie Hanstholm” war dazu vorgesehen, das Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen abzusperren. Verwendet wurde sie nie, angeblich wurde nur einmal fälschlich ein Schuß auf ein Fischerboot abgefeuert, der zum Glück nicht getroffen hat.  Ich finde für das keine Quelle im Netz, ich meine, ich habe das auf einem Informationsschild bei den Bunkern dort gelesen.

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Die grusligen Bunker starren uns hohläugig aus der Hügelkette an.

Wir fahren am Fischereihafen von Hanstholm vorbei. Dass sich die Küstenfischerei hier noch lohnt, lässt sich daran bemessen, dass Hanstholm den grössten Fischereihafen Dänemarks hat, gemessen an der Fischmenge, die hier angelandet wird. Fischfabriken aus allen möglichen Ländern haben ihre Hallen in diesem Hafen aufgebaut.

Unsere Fahrradroute führt von hier in die Stadt hinauf, aber der Nordseeküstenradweg verläuft unten am Meer. Wir haben ja schon am Samstag genug eingekauft, und haben keine Lust den steilen Weg raufzuschieben. Später lese ich im Fahrradbuch, dass es in Hanstholm eine komplette Trennung von Autoverkehr vom unmotorisierten Verkehr gibt, und bedauere ein wenig, dass wir das nicht live gesehen haben.

Stattdessen fahren wir auf einem angenehmen Sandweg am Meer entlang.

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Zwischen Land und Strand schlängelt sich der schmale Radweg, am Fahrrad hängt die Wäsche zum trocknen.

Nach Hanstholm ist es nicht mehr weit nach Vigsø, wo wir einen Zeltplatz am Meer auserkoren haben. Falls dieser besetzt ist, können wir noch in einen nahegelegenen Wald, der zum Zelten freigegeben ist.

Wir treffen einen älteren Schwaben, der von Stuttgart losgeradelt ist und zum Nordkap will. Komisch, wieso alle zum Nordkap wollen? So ambitioniert sind wir nicht, aber wir haben auch nicht so viel Zeit.

Die Wege nach Vigsø sind super schön und malerisch. Im Internet stand, dass es am Zeltplatz kein Wasser gibt, deswegen wollen wir bei der Kirche welches holen. Aber ach, sie liegt auf dem Berg! Wir strampeln also hoch um aufzutanken. Was wir nicht wussten: Es hätte eine Abkürzung gegeben, die unten am Strand lang führt und an einer Toilette mit Trinkwasser für die Badegäste vorbei geführt hätte. Nun ja.

Da, wo der Zeltplatz sein soll, ist wieder alles mit Wohnmobilen zugeschissen, und wir beschließen, in das Zeltwäldchen zu fahren. Dabei biegen wir einen Feldweg zu früh ein, und finden uns in einer Sackgasse wieder. Es ist ein von Bäumen umstandenes Wiesengrundstück, in der einen Ecke stehen zwei Picknickbänke. Als ich mit dem Telefon genau schaue, wo wir uns befinden, zeigt es an, dass wir mitten in einem Bauernhof stehen. Nur ist dieser inzwischen völlig verschwunden.

Erst denke ich, dass uns das Telefon falsch lokalisiert, aber bei genauerem Abschreiten des Grundstücks sieht man noch einzelne Reste: Da war die Güllegrube, und da steht noch der Baum, der sich einst an das Haus gelehnt hat, ganz alleine. Wir beschließen, dass wir einfach hier zelten, es sieht gemütlich aus, und wahrscheinlich stört es niemanden. Dass der Picknicktisch mit Bänken hier herumsteht, ist auch äusserst bequem und praktisch.

Es ist noch nicht so spät und ich will noch mal zum Strand runter fahren. Dabei bemerke ich mit geübten Augen, dass der vermeintliche Zeltplatz eher ein Parkplatz ist, und der Platz ist eigentlich ein Shelterplatz am Waldrand. Aber da sind schon Leute, die sich feine Matratzen mitgebracht und im Shelter ausgerollt haben. Das macht aber nichts, wir sind ja inzwischen auch gut angekommen.

Ich schaue zum Strand runter und dort kann ich einen Haufen Bunker bestaunen, die nach und nach vom Meer überschwemmt werden.

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Ein Bunker versinkt im Meer.

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Mit dem Fahrrad am Strand: Etwas unpraktisch, ich habe aber meinen Fahrradschlüssel vergessen.

Ich schiebe mein Fahrrad über den Strand und mache viele Fotos.

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Noch mehr Bunker, die am Strand verwittern

Es wäre schön, wenn alles Kriegsgerät irgendwann so obsolet wäre wie diese Bunker.

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die Sonne geht hinter der Baumreihe unter, und bald werden wir es uns im Zelt gemütlich machen. 

Ich fahre zurück zum Zeltplatz und wir lassen den Abend mit einem warmen Essen und Tee ausklingen.

Am See

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Das Bild ist von gestern Abend. Wir sind 20 km bei Gegenwind nachdem Altmühlsee gefahren.  Das war sehr anstrengend, und wir haben uns belohnt, in dem wir lecker essen gegangen sind. Jähr.

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Als wir am See Campingplatz an kamen, fand dort ein open Air Konzert und eine richtige Party statt. Aber es lohnt sich nicht, weiter zu fahren, denn überall woanders fanden auch Partys und Konzerte statt. Wie man hören konnte!  Wir sind trotzdem irgendwann eingeschlafen, und erlebten eine richtig kalte Nacht. Am nächsten Morgen war alles neblig, es war der erste Herbst morgen für mich. Die Sonne ging auf und war ein Orange goldener Fleck im Nebel.

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Weil es so kalt war, machte ich morgens noch ein Lagerfeuer an, bis die Sonne genügend Kraft hatte.

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Wir haben gefrühstückt und sind dann zur Vogelinsel im Altmühlsee gefahren. Dort sind wir auf den Beobachtungsturm geklettert und haben den See gezeichnet. In der Mitte vom See gab es viele Vögel.  im Hintergrund hörte man ein immer größer werden des Rauschen: eine Gruppe von Wander lustigen Rentnern gesellte sich zu uns auf dem Aussichtsturm.

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Das Zeichnen machte uns hungrig, und wir fuhren zu einem schönen Rastplatz, und kochten dort pasta e paTate.

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Nautilus Hugo

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Lecker lecker

 

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Hier ist noch die Auslage eines Steineladens, an dem wir gestern vorbeigefahren sind. Sie hatten viele große Ammoniten zu bewundern.

Sommer im April, Teil 2

Das ist die Fortsetzung von meinem Radtour-Blogeintrag. 

Tag zwei begann um 7 Uhr, als mein Wecker klingelte. Ich dachte, wenn ich mich um 7 Uhr wecke, schaffe ich es, um 9 Uhr auf dem Rad zu sitzen. Der Plan war, von dem Landprojekt in der Nähe von Wittstock in den Bereich des S-Bahn-Netzes von Berlin zu radeln, was laut der Routenplanung von Outdooractive.com eine Strecke von 116 km bedeutet. Erfahrungsgemäss sind die real gefahrenen Strecken etwas länger, bislang hatten wir immer 5 km mehr drauf pro 50km, wenn ein Fahrradcomputer mitloggte. Deswegen schätzte ich mein Pensum auf 120km. Und das ist viel. Sowas habe ich noch nie geschafft.

Deswegen also früh los fahren, damit ich genügend Pausen machen kann und mindestens 10 Stunden Zeit habe, bevor es dunkel wird, um die Strecke zu fahren.

Das Zelt und das Fahrrad stehen im Schatten eines Hügels und allerlei Gestrüpp, auf einer taubedeckten Wiese. weiter hinten scheint schon die Sonne auf die Bäume.

Als ich aus dem Zelt kroch, war die Sonne schon aufgegangen. Nur das Zelt stand im Schatten, was der Trocknung des Stoffes nicht dienlich ist. In kühlen Frühlingsnächten entsteht nicht wenig Kondenswasser innen am Außenzelt. Das ganze Außenzelt hing auch etwas durch, diese leichten Zelte müssten eigentlich bei Feuchtigkeit nachgespannt werden, das hatte ich aber trotz nächtlichen Harndrangs versäumt. Aber schlimm war es nicht, nach innen kam keine Feuchtigkeit.

Als ich in die Gemeinschaftstküche stiefelte, war eine riesen Kanne Espresso und aufgeschäumte Milch schon da. Paradiesisch! Nach dem Kaffee baute ich das Zelt ab, und zog mit allem Krempel und dem Fahrrad zum Seeufer um, von dort konnte ich auch dann starten. Aber vorher wollte ich mir Hirse mit Schokolade und Bananen zum Frühstück kochen.

Die Feuerstelle am See ist gerade etwas unordentlich mit Zweigen und Laub bedeckt. Dort habe ich trotzdem meinen kleinen Holzkocher aufgestellt, es ist ein ALB Wood Stove, den ich mir im lokalen Outdoorladen gekauft hatte. Gerade kocht ein Topf Hirse.

Die Feuerstelle am See war voller Äste und Laub, ich wollte aber nicht die Grasdecke unnötig beschädigen und habe mir daher ein Plätzchen freigeräumt. Dort stellte ich dann meinen Holzkocher auf. Es ist ein fertig gekaufter von ALB, kein Eigenbau. Das Anzünden geht sehr einfach: kleine Zweige und Laub reinstecken, dann ein wenig Papier dazwischen und ein Feuerzeug dran halten. Danach kann der Topf oben drauf, und das Nachlegen ist etwas schwieriger: Ich hatte es früher so gehalten, dass ich Zweige so klein gebrochen habe, dass sie in die winzige Brennkammer passten. Dadurch verstopfte sich diese und der Abzugeffekt des Kochers konnte nicht mehr so gut wirken.

Jetzt steckte ich die Zweige einfach vorne rein, ließ sie aber rausgucken, und wenn sie abgebrannt waren, schob ich sie einfach nach. dadurch blieb der Brennraum immer schön luftig und alles verbrannte ohne Rückstände.

Solche Kocher wurden ursprünglich von den amerikanischen Hobos (Landarbeiter*innen ohne festen Wohnsitz, die oft auf Güterzügen übers Land trampten) aus Dosen gebaut, und es gibt auch Bauanleitungen dafür. Ich habe mir einige durchgelesen und mich dann dafür entschieden, ein fertiges Teil teuer zu kaufen. (Das war allerdings letztes Jahr, als ich nicht so hohe Rechnungen unvorhergesehen auf mich zukommen hatte. Heute hätte ich vielleicht einen gebaut.)

Ich kochte gleich genug Hirse für 2 Mahlzeiten, so konnte ich noch auf der Fahrt etwas davon essen. Mein Frühstücksrezept ist ziemlich einfach: Hirse in Salzwasser gar kochen, dann Zartbitter Schokolade darin schmelzen und nach belieben Nüsse, Rosinen und Obst dazu werfen. Für mich war es “nur” ne Banane, sehr lecker, das.

Die Kochaktion dauerte dann doch etwas länger, und bis ich wirklich los kam, war es 10 Uhr. Gut, also insgesamt 10 Stunden Zeit, um die 120km zu fahren. Ich hatte eigentlich geplant, wenn ich nicht mehr konnte, in den Zug umzusteigen, aber mein Kollege erklärte mir, dass gerade auf dem entscheidenden letzten Stück am Wochenende immer gebaut wird und es Ersatzverkehr in Bussen gibt. Na Prost, also alles oder nichts!

Der Wald zwischen Wittstock und Rheinsberg

Mir wurde auf der Rückfahrt klar, wieso ich gestern so mühsam das letzte Stück gestrampelt hatte. Es war die ganze Zeit bergauf gegangen, obwohl der Weg optisch nicht so aussah. Jetzt sah es auch nicht so aus, als würde es bergab gehen, aber ich flitzte nur so durch den Wald und musste öfter sogar bremsen. Das brachte mich allerdings auch gut voran. Im Flecken Zechlin kaufte ich mir ein Stück Pflaumenkuchen für später, und stieg direkt wieder aufs Fahrrad. Kurz vor Rheinsberg machte ich dann noch eine Pause, ich hatte 25km diesmal in 1,5 Stunden geschafft. Schon wieder Hunger! Diesmal gab es Stullen mit Auberginen-Aufstrich und frischem Löwenzahn vom Wegrand.

Radtour-Essen

sommer im april-radtour: Brandenburg - unendliche Weiten. (Flachland)

In Rheinsberg fuhr ich diesmal gar nicht in die Stadt rein, sondern bog gleich wieder ab in Richtung Zechow. Am Flüsschen Rhin entlang führt ein Weg durch den Wald (allerdings sieht man den Fluß nie, und der Weg ist relativ langweilig), der mit nur wenigen Baumwurzelschäden befallen war. Ich war bis Zippelsförde in Gedanken versunken und machte dort eine Pause, um zu sinnieren, ob ich wirklich über Neuruppin und Kremmen fahren konnte, oder ob ich lieber über Lindow nach Oranienburg fahren sollte, was ca. 20km kürzer war. Mich etwas tollkühn fühlend entschied ich mich dann für Neuruppin.

Was ich nicht wußte: Rhin heißen hier viele Flüsse, es ist anscheinend ein ganzes Flußsystem, das so heißt. Ich war dem Rheinsberger Rhin gefolgt, und überquerte dann schon bald den Fluß Lindower Rhin, der mir bei Neuruppin wieder begegnen sollte, und dem ich bis Altfriesack folgen sollte, dann wurde er zum Kremmener Rhin und verlor sich dann im Ruppiner Kanal, der zur Havel bei Oranienburg führt. Wasser ist schon was faszinierendes! Wahrscheinlich habe ich jetzt die Hälfte falsch, ich habe das nur so von der Karte abgelesen..

Im Wald bei Zechow

Von Zippelsförde geht es dann eine Weile leicht bergauf nach Krangen und weiter nach Molchow. Die Sträucher am Wegrand hatten letztes Jahr, als wir schon mal hier geradelt waren, noch geblüht, dieses Jahr war ich ein klein wenig zu spät. Die Blüten waren schon abgefallen. In Molchow war die Brücke über den Fluß noch immer gesperrt, aber auf dem Dorfplatz hing eine Information, dass es einen privaten, kostenlosen Ruderboot-Service gibt. Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich das machen, vielleicht kostet das viel Wartezeit, oder soll ich einfach über Altruppin ausweichen, denn der Weg ist ja noch weit?

Ich entschloß mich, dort anzurufen, schon allein wegen des coolen Erlebnisses. Am anderen Ende meldete sich das “River-Cafe” und leider, sagte ein freundlicher Mann, hätten sie gerade so viel zu tun, dass sie keine Zeit hätten, mich rüberzurudern. Okay, macht nichts, dafür werde ich dann schneller nach Neuruppin kommen. Hinter mir kamen noch zwei Spaziergänger*innen an, die zum Rivercafe wollten, aber wegen der zerstörten Brücke nicht konnten. Sie versuchten es auch nochmal telefonisch, vielleicht wären sie für Kundschaft dann doch gefahren (und hätten mich zusätzlich mitgenommen) aber die beiden hatten kein Netz. Es ist wirklich komisch, wie schlecht die Mobilfunk-Abdeckung in Brandenburg ist. Ich dachte, O2 wäre so schlecht, und Vodafone etwas besser, aber hier hatte ich mal mit o2 Netz und die mit Vodafone keines.

Der alternative Weg über Altruppin lief problemlos, und ich kam an einem riesigen Gelände mit riesigen Wohnkasernen vorbei, von dem die Hälfte leer stand. Die andere Hälfte wird als Schule genutzt. Auf der Webseite des OSZ fand ich folgende Info:

Die heute genutzten Gebäude in der Alt Ruppiner Allee sind Teil eines großen Gebäudekomplexes, welcher in den Jahren 1935/36 für die deutsche Wehrmacht als Panzerkaserne erbaut wurde. Diese Bestimmung behielt er bis 1945.

Nach der Zerschlagung des Faschismus wurde der Komplex durch die Rote Armee bezogen und war für die Bevölkerung nicht zugänglich. Mit der Wende wurde neben der Schließung des Flugplatzes auch die Räumung der Panzerkasernen zügig betrieben. Erste Überlegungen, die Kasernen als Wohnraum umzuwidmen, scheiterten an der Architektur der Unterkünfte.

In Neuruppin angekommen, verfuhr ich mich ein wenig und musste erst mal wieder auf den Radweg finden. Am Ruppiner See machte ich eine Pause mit Essen und Mastodon checken, und um ein paar Tourfotos zu posten.

Nachdem ich früher meine Radtouren auf Instagram gepostet und von dort automatisch nach Twitter weitergeschickt hatte, bin ich jetzt komplett zu Mastodon umgeschwenkt. Das ist ein Open-Source dezentrales Social Media Netzwerk, das ähnlich wie Twitter ein “Mikroblogging Service” ist. Hier findet ihr ein kleines Youtube-Video, was Mastodon ist. Klar, die “Großen” wie Instagram, Twitter und Facebook ignorieren solche kleinen, “DIY” Projekte standhaft, deshalb gibt es auch keinen Instagram-Mastodon-Crossposter.

Wegen des in Brandenburg kaum vorhandenen mobilen Internets musste ich meine Updates in Städten wie Rheinsberg und Neuruppin machen. Meine “Pocket Friends” auf Mastodon haben mich so super angefeuert auf diesem 120km-Tag!

Zwischen Neuruppin und Wustrau geht es über eine einsame Straße an schönen Alleen entlang.

Das erste Dorf nach Neuruppin war Wustrau, wo es eigentlich viel Kultur zu sehen gibt, aber ich war um 15 Uhr erst die Hälfte der Strecke gefahren, deshalb hielt ich nicht an, sondern fuhr durch. Aber vorher noch schnell ein Foto von den Bärlauchkolonien am Dorfeingang geknipst. Hier handelt es sich eigentlich nicht um Bärlauch, sondern um “Queerlauch” (Allium paradoxum), der schmale Blätter hat, aber auch ganz gut schmeckt. Ich hätte mir jetzt welchen für die nächste Pause pflücken können, aber wollte wirklich den Flow nutzen, in dem ich gerade war.

Am Ortseingang von Wustrau riecht es sehr lecker nach Knoblauch. Der Grund sind die Bärlauchfelder, die den ganzen Waldboden bedecken.

Von Wustrau nach Altfriesack war es dann nur noch ein Katzensprung. Nichtsahnend fuhr ich durchs Dorf und erfreute mich an den malerischen Häusern und der Schleuse, und dann stellte ich fest: Ich hatte den Radweg irgendwo verloren. Auf die Karte geguckt: Ah, eine Abkürzung durch den Wald. Die nehme ich.

Ja. tolle Idee.

Wirklich gut.

Fantastisch hast du das gemacht.

Ganz klasse.

Brandenburg besteht nämlich aus Sand. Es gibt im Wald sogar Wanderdünen. Oder überhaupt Dünen. Es kann sein, dass sandige Wege zu knietiefen Sandflächen werden. Und ich hatte das Vergnügen, nachdem ich ca. 1,5 km auf einem halbwegs befahrbaren Sandweg verbracht hatte, mein Fahrrad ca. 300 Meter durch eine Sanddüne zu zerren. Leider bewegen sich die Räder in so einem Sand kaum noch, und du ziehst das Rad eher durch den Sand als dass du es schiebst. Ja. Herrlich!
Und ohne Scheiss: Ich kann den Sand sogar auf dem Sattelitenbild von Google Maps sehen.

Ach, ach, eine Sanddüne mitten im Wald

Als ich auf der anderen Seite ankam, traf ich zwei andere Menschen, die einen hoffentlich besseren Weg gekommen waren, aber die auch Schwierigkeiten mit den sandigen Wegen hatten. Da ich diese Strecke 2017 schon mal gefahren war (Dieses Teilstück jedoch erfolgreich verdrängt hatte), konnte ich sie beruhigen, es sei gleich vorbei. Sie atmeten auf und folgten mir zu dieser netten, gepflasterten Fahrradstraße:

Ich war bei der Dünen-Aktion ziemlich ins Schwitzen gekommen, und meine Wasserflaschen waren fast leer. Aber zum Glück gab es das schicke “Golf in Wall”. ich fuhr als einziges unmotorisiertes Fahrzeug auf dem Parkplatz vor, stellte mich frech direkt vor den Club und steuerte auf zwei Golfende zu, die ihre Schläger an einem Wasserbecken abwuschen. Ich fragte, ob man das Wasser am Becken auch trinken könnte, und sie wußten das nicht, aber sagten mir dafür, dass die Toilette gleich hinter der Eingangstür zum Clubhaus gelegen ist. Dann ging es aufgetankt weiter über die Dörfer.

Am Goldclub in Wall habe ich meine Wasserflaschen aufgefüllt.

Achja. Was rein geht, muss auch wieder raus. Ich bin inzwischen auf Radtouren so froh, dass ich eine Stehpinkel-Hilfe habe. Für Menschen, deren Harnröhre nicht gerade in einem Penis endet, super cool – denn es ist bei uns gesellschaftlich akzeptiert, dass Menschen im Stehen völlig öffentlich pinkeln. Andere Methoden gehören weniger an die Öffentlichkeit. Ganz schön sexistisch. Aber ja, das kleine Pinkelstöckchen aus Plastik macht’s möglich, dass ich zwischen den Dörfern knallhart am Gebüsch am Strassenrand mich erleichtern kann und noch nicht mal eine Stelle meines Körpers entblößen muß.

radtour 21./22.4.2018kurz vor Kremmen überquerte ich den Ruppiner Kanal, an dessen Ufern viele Weidenbäume stehen.

Als nächstes kam ich nach Kremmen. Am Marktplatz machte ich noch eine kleine Pause und aß Schokolade und die restliche Hirse auf. Jetzt war ich nahe an der 100km-Marke. Und ich fing an, es zu merken. Der Hintern tat ein wenig weh, und die Beine waren ein wenig müde. Aber es ging. Ich verließ Kremmen durchs historische Scheunenviertel, das wie wahrscheinlich jeden Sonntag mit schönem Wetter, ein Treffpunkt für Biker geworden war. Dann radelte ich ohne viele Vorkomnisse durch die Dörfer und irgendwann tauchte Hennigsdorf, mein Ziel, auf der Radwegbeschilderung auf.

sommer im april-radtour

Ich machte noch eine letzte Pause etwa 5km vor Hennigsdorf, und erreichte die S-Bahn gerade, als die Sonne unterging, irgendwie so um 19 Uhr irgendwas. Also ungefähr 9 Stunden für 120km. Ich war ganz schön müde, aber auch stolz auf mich.

Mein Fazit ist trotz allem: Mehr als 100km am Tag zu fahren ist nichts für mich. Ich fahre, wenn ich auch mal anhalten und Fotos machen möchte, oder auch mal etwas in dieses Internet schreiben will, einfach nicht schnell genug. Und den kompletten Tag mit dem Zurücklegen der Strecke zu verbringen ist nichts für mich. Ich mag in der Sonne liegen, mir unterwegs einen Kaffee selber kochen, abends ein schönes Essen kochen, in Ruhe das Zeltlager auf- und abbauen, unterwegs vielleicht was ansehen, Ausstellungen und Infotafeln lesen… das geht bei diesem Pensum einfach nicht.

Ich kann mir vorstellen, dass ich mit etwas Übung das auch ohne den Muskelkater danach schaffen könnte – sich das vorher gut einteilen und wie bei jeder längeren Strecke mit den Kräften haushalten kann ich offenbar – aber wozu sollte ich. Ich bin mit 60km am Tag ganz zufrieden!

Sonnenuntergang, mein Fahrrad in der S-Bahn

Ein freier Tag zuhause

Heute hätte ich einiges vorgehabt, aber nachdem die letzten paar Tage eher arbeitsreich waren, wollte ich den Morgen langsam angehen. Ich habe mir Kaffee mit meiner neuen Bialetti-Kaffeemaschine gekocht, die ich von einer Freundin zu treuen Händen geschenkt bekam – sie ist klasse!

Irgendwie vertrödelte ich dann den ganzen Morgen und frühen Nachmittag, ich wollte zu Globetrotter, einen Gutschein einlösen, ich wollte zu einem feministischen Sexshop und mir den mal anschauen (sämtliche Berlinbesuchende, die ich kenne, suchen den auf, und ich wohne hier und war noch nie drin..) ich wollte malen, Yoga machen, aufnehmen…

Stattdessen schaute ich Vlogs auf Youtube und stopfte meine Handschuhe. Ich habe mir vor Jahren Dreifingerhandschuhe gestrickt, die ich zum Radfahren im Winter benutze, und damit sie richtig warm sind, haben sie unter dem Gestrick noch ein Futter aus dünnem Fleece.

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Bild: So sahen die Handschuhe aus, als sie neu gestrickt waren

 

Ein Jahr später habe ich einen Handschuh verloren, und von dem grünen Garn (es war handgesponnen und handgefärbt von mir) war nichts mehr da. Also habe ich mir einen Handschuh aus einem völlig anderen Garn nachgemacht. Und fahre mit zwei verschiedenen Handschuhen herum, kein Problem!

Inzwischen haben sie schon viele Flickstellen, einfach von der Abnutzung, und das Futter musste ich auch nähen, da waren an einigen Stellen die Nähte aufgegangen.

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Ich stopfe meine Sachen gerne so, dass man das Verbesserte sieht. Ich finde es nämlich cool, sichtbare Ausbesserungen zu sehen.

Ansonsten habe ich einiges an meiner komplizierten Zopfsocke weitergestrickt, ein wenig Selfcareprogramm gemacht, etwas nicht soooo leckeres nach einer eigentlich gut klingenden Idee von dieser unsäglichen Chefkoch-Plattform gekocht, (leider auch Kommentare dazu gelesen.. aaargh dieser Lingo dort..) und widerwillig ein wenig Haushalt gemacht.

Aber das Beste ist: Morgen habe ich ja auch frei!

Juhu!

Schnödes Daily Geschwafel

Heute morgen war es wunderschön draußen. So sonnig! Meine Bude war in Wintersonne getaucht, ich konnte mich nur schwer aufraffen, zur Arbeit zu fahren.

Weil ich gerade alleine den Laden (zuhause) schmeiße, habe ich davor noch feststellen müssen, dass mein Mülleimer in der Küche ein biologischer Reaktor geworden ist, und Wärme und Dunst produziert. Klingt eklig, ist es auch. Im Alltag tragen wir den Müll regelmässig runter und es kommt gar nicht so weit, das Prozesse des Verrottens von Müll stattfinden, die dann aus dem Eimer ein kleines Kraftwerk machen. Aber weil ich selbst zu wenig Müll produziere, wird der Eimer ewig nicht voll und zack, Zustände wie im Kompostwerk! Less Waste hat auch so seine Tücken!

nach einem langen Tag ging ich auf dem Heimweg dann noch Aquarellblöcke für meinen Kunstkurs shoppen, und machte mir zuhause was zu Essen.

Die Katze ist außerdem nicht amüsiert davon, dass es lediglich Grünzeug gibt.

Warum kochst du so ein grünzeug?? #catsofinstagram #kadse #mastobubble #faserfriends

“Pfui! Nur Gemüse!”

Tagebuch: Ich lerne was über chronische Krankheiten

Blog-Reaktivierung die Hundertste bzw der Xte Versuch…

Ich habe viel zu tun und wenig Zeit, vieles hat sich nach Social Media verlagert, und das ist schade. Weil Bloggen dezentraler ist. Ich mag dezentrales eigentlich viel mehr als die “Riesen” wie Facebook, Google, Twitter und Co.

Deshalb bin ich auch fast nur noch auf Mastodon zu finden, eine Social Media Plattform, die dezentral ist und sich mit anderen dezentralen Open Source Plattformen wie Diaspora, Quitter und Socialhome vernetzen kann. Ich bin dort distelfliege @ witches.town und wer auf dieser queer-anarchistischen französisch gehosteten Instanz ebenfalls zuhause sein möchte, schaut mal hier nach: https://witches.town/

Auf Mastodon war es dann auch, dass mir ein Link reingereicht wurde zu einer Dokumentation über eine verbreitete, aber dafür relativ unbekannte chronische Krankheit: CFS/ME (Chronic Fatigue Syndrome/Myalgische Enzephalomyelitis). Die Dokumentation wurde von einer daran erkrankten Filmemacherin gedreht, und ganz viel davon hat sie aus dem Bett heraus gefilmt. Es ist ein spannender, politischer und sehr persönlicher Film und er heißt “Unrest”. Ich habe ihn mir für einen Euro auf einem  Mediendienst  ausgeliehen, im Januar wurde der Film auf Netflix gestreamed (ich weiß nicht, ob er dort noch läuft, wenn ja, und ihr das habt, gucken!) Die Webseite zum Film:

https://www.unrest.film/

Eine andere, seltenere chronische Krankheit, die mich seit einer Weile interessiert, weil ich selbst auf “dem Spektrum” bin, ist das Ehlers-Danlos-Syndrom. Das ist eine Bindegewebsstörung, die angeboren ist, und sich im Lauf der Zeit verschlimmert. Durch die eingeschränkte Funktion des Bindegewebes können die Gelenke überbeweglich sein, aber auch viele Organe betroffen sein, so vieles im Körper hängt vom Bindegewebe ab. Ich bin selbst hypermobil und erfülle oder erfüllte mal im Leben so ziemlich alle Punkte auf dieser Skala, die ermitteln soll, ob man hypermobil ist. (Dabei konnte ich dennoch nie einen Spagat machen ;)

Nicht alle Menschen, die hypermobil sind, bekommen dadurch Probleme, und nicht alle, die dadurch gesundheitliche Probleme haben, haben dadurch Ehlers-Danlos-Syndrom. Ich habe ein paar Probleme, die auf die Hypermobilität zurückgehen, zb viele Kniegelenksverletzungen, Arthrose, schnell überlastete Finger, Ellenbögen, Schultern (ich kann meine Schultergelenke auskugeln, wenn ich das möchte). Auch ein Schwachpunkt meines ehrenwerten Körpers ist die Verdauung, und das kann, so habe ich gelesen, mit der Hypermobilität zu tun haben.

Die hypermobile Form des Ehlers-Danlos-Syndrom ist allerdings am Ende des Spektrums von Hypermobilitätsproblemen, und Betroffene haben oft mit viel mehr zu tun als mit Arthrose und der Verdauung. Um mich über EDS zu informieren, habe ich mir ein paar Texte durchgelesen und auch Videos geschaut, und bin bei den Videotagebüchern von Christina Doherty hängen geblieben. Jetzt muss ich sie von vorne bis hinten durchgucken und fiebere immer mit, wie es ihr geht.. ihr Kanal auf Youtube ist hier:

Christina – Living with EDS auf Youtube

Ansonsten sind gerade die Ravellenics – die früheren “Knitting Olympics”   und ich versuche, in den zwei Wochen und paar Tagen, die das geht, eine Socke zu stricken. Ja, eine einzelne Socke. Sie hat ein Zopfmuster und viele Maschen, das dauert sehr sehr lang.

Außerdem mache ich ja dieses Jahr endlich wieder bei Lifebook mit, einem Online-Kunst-Kurs, und es macht mir großen Spaß.

#lifebook2018 hat heute wieder #quirkybirds im Gepäck!

Buchbinden: Das neue Hobby und ein paar nützliche Tutorials

Seit Anfang des Jahres habe ich ein neues Hobby. Buchbinden!
Ich fing sehr einfach an (hier ein Blogeintrag auf englisch zu meinem ersten Projekt) und dank etwas ausgefeilteren Youtube-Tutorials habe ich bald eine andere Methode verwendet und mich darin ein bischen geübt.

junk journal aus recycleten materialien mit einem einband aus einer Mehlverpackung

junk journal bild: ein selbst gebundenes notizbuch, das aufgefächert auf holzdielen steht.

Hier ist der Link zum Junk Journal Tutorial auf Youtube:
Junk Journal Tutorial Kyra Pace
Nach meinem ersten Junkjournal habe ich auf Twitter den Tip bekommen, mir die zwei Buchbinde-Tutorials von Victörtchen anzuschauen:
1. Victörtchen: Fadenbindung Grundtechnik und Buchbinden Teil 1
2. Victörtchen: Buchcover binden Anleitung

Mit dem Buchcover war ich nicht so zufrieden, oft wurden meine Bücher dann nicht so wie ich wollte. Bei Ryuu habe ich dann auf Instagram ein super selbstgebundenes Buch gesehen, und wurde auf weitere gute Tutorials verwiesen:
1. Sea Lemon DIY Bookbinding Methods and Stitches (ganze Playlist)
2. Case binding a hardcover book – dieses Tutorial habe ich benutzt und super Ergebnisse bekommen. Ich habe mit Papier und nicht mit Stoff bezogen.
3. DIY Text Block Tutorial auch das habe ich benutzt, es ist aber weitgehend identisch mit dem Tutorial von Victörtchen. Ich habe allerdings das mit dem Teppichmesser und dem schleifen am Ende nicht erfolgreich hinbekommen: Es wurde eher grauslig und ich verschnitt meine Textblöcke Stück für Stück.

Was ich daher stattdessen mache: Ich schneide jede Signatur am Ende gerade, bevor ich den Textblock binde. Das führt zwar auch zu keiner perfekten Kante, aber einer, die sich gut durchblättern lässt. Und das reicht mir schon. Denn wenn eine Signatur aus 4 Blättern zusammengelegt wird, ragen die innersten Blätter immer ein wenig weiter aus dem Textblock als die äussersten Blätter. Das, finde ich, erschwert schönes Blättern. Wenn die Blätter immerhin dann alle gleichlang geschnitten sind, geht es besser.

Das war es eigentlich schon, ich habe noch ein Buchbinde-Lernbuch von Jules bekommen, welches ich aber noch nicht so weit durchgelesen habe :)

buchbinden: ein gelb-grünes selbstgebundenes Notizbuch