Street Art Walk

Today I took my bike to the best favourite bike shop for a pre-tour-checkup, and because they had to do lots of things with it again, I decided to do some bookkeeping at work. after a few hours I was done with that and took a walk through Kreuzberg, taking pictures of street art.

Street Art: A 3D house installed on a house facade, it has a mouth with teeth and an eyeball and a sun on its tongue.

This is at Kottbusser Tor. I walked here many times, but I never noticed this 3D house sculpture that was installed there. It’s way above eye level, so you have to look up and around yourself to even notice it.
Below the sculpture was another, bigger piece of street art, a face. I had noticed the face earlier, but not the small 3D figures on its side!

a painted face with small white human figures on the side, they are three dimensional

I can’t really see what they are doing, they look like they climb up the facade of that house. the face seems to be “big brother” from the film “1984” made after George Orwell’s novel of the same name? No, I looked it up, it’s not that face.

This one is funny:

the infamous 1up Crew has made a huge piece on a nearby house and wrote on it: -Don't be gentle, it's a rental

at Prinzenstrasse, there is a car rental called “Robben und Wientjes”. It’s one of the most well-known car rental places, especially for moving house, because you can rent small trucks for a few bucks. They are called “‘ne Robbe” in Berlin, which means “seal” and a seal is also the logo of Robben and Wientjes. Now for the street art part: the infamous “1up Crew” has made a huge piece on a nearby house and wrote on it: “Don’t be gentle, it’s a rental”

a street traffic sign covered in lots of stickers

this is a traffic sign in front of “Robben”. Only you can’t see which sign it was, there are so many stickers on it. Stickers seem to be a completely new form of street art now. On this sign, there is even a sticker of a sheep. and a nautilus shell!

another sign full of stickers

a backyard of a modern building, done in concrete, with a large street art poster of a human with a hat, a beard and a textured pullover

more stickers.. one of them reads Fingerboarding ruined my life

Fingerboarding ruined my life!

street art may 2018
I like this picture of my reflection in a door at Aufbau Haus at Moritzplatz. I like the dark tunnel-like passage to the backyard, too.

I went to Modulor, which is an art supplies store at Moritzplatz, to buy a travel notebook for the upcoming cycling tour. I could bind a book myself, but I think I don’t have the time now. So I just bought one. it’s a nice book though, a semikolon notebook.

At Moritzplatz, you can also find the “Prinzessinnengärten”, urban gardens that are semi-professionally organized. they have lots of gardening and art space. And they put up a banner in solidarity with La ZAD:

la ZAD solidarity banner at Prinzessinnengärten

And they have this very artful wooden fence. Lots and lots of discarded wooden planks have been put together into a very textured, sulpted wall. it’s a pleasure to look at it.

sculpted wooden wall at Prinzessinnengärten

This following picture is also taken at Kotti. I don’t know who does these calligraphy like letters, but they show up on several places in berlin. And there are always some words written around the letters, they talk about freedom.

graffiti high up at kottbusser tor

And lastly, there is this artsy fartsy spraycan face on Kottbusser Damm:

street art may 2018

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Mein heutiger Stand zu Spiritualität, Magie und Esoterik

Im Missy Magazin gabs neulich einen Artikel über Spiritualität, den ich erst nicht lesen wollte, aber weil ich mich für Spiritualität erwärme und das in linken Kreisen oft nicht so gern gesehen wird, hab ich den Artikel dann doch gelesen. Er heißt “Mein Horoskop ist wichtiger als Deutschland” und ich fand ihn wirklich schlecht. Deswegen verlinke ich ihn auch nicht, googlen könnt ihr ja selbst.

Stichpunktartig, was ich schlecht fand: Es war einfach super inkonsistent, er ging nicht auf Kritik an Religiosität ein und würfelte dann Gegenargumente zusammen, die gegen was ganz anderes waren, begründete mit den Beispielen, die darin standen, nicht, wieso Spiritualität nun so was subversives sein soll, und stellte fest, dass a) nicht nur wohlhabende weiße Mittelschichts “Bonzen” sich mit Eso-Kram befassen und b) man das ja zum Spaß macht und sowieso nicht wirklich daran glaubt (sollte damit der Kritik entgegnet werden, dass Spiritualität/Esoterik irrational sei? Hm. es ist aber nach bestimmten Kriterien irrational und wissenschaftlich nicht reproduzier- und beweisbar..)

Ich weiß nicht, wieso etwas allein dadurch, dass es Mittelschichts-“Bonzen” tun, jetzt schlümm sein soll, bzw wieso etwas dadurch subversiv wird, dass es Marginalisierte machen. Als linksradikale Spiri-Tante hab ich mich mit Kritik an Esoterik und Spiritualität viel befasst, und mich langweilt es, wenn nur danach gegangen wird, wer’s macht. Das ist ein “Hitler war auch Vegetarier!” Niveau. Genauso langweilig ist es, wenn etwas angepriesen wird mit der Begründung, wer’s macht.

Interessant wird es für mich, wenn es darum geht, was sind denn die Inhalte von dieser und jener Spiritualität, wie sind die Geschichten davon, und was gibt es da auf dem Schirm zu haben. Und klar, kommt bei Inhalten und der Geschichte von Religionen und Ideen immer auch mit rein: wer macht was in welchem Zusammenhang und wie hat das Einfluß genommen?

Und wenn ich mich mit der Geschichte der westlichen Esoterik, ihren Inhalten, den verschiedenen Strömungen darin usw. eingehend beschäftige, muss ich leider sagen: gefühlt 90% davon ist ein bodenloses Faß mit Scheiße drin. Nicht nur sind große Teile gerade der neuheidnischen Gruppen schlicht und einfach Nazis oder rechts-offen, und in ihren Büchern stand schon vor 15 Jahren drin, was die Identitären heute vertreten, sondern z.B. auch eigentlich feministische Strömungen wie die “Neuen Hexen” bauen auf krass antisemitischen Grundannahmen auf, eine Geschichte, die die Szene imo nie wirklich aufgearbeitet hat. Das mag heute vielleicht etwas besser sein, aber ich bin noch mit den Büchern aus den 80er Jahren und “vor dem Internet” ins Thema rein gegangen, und das war sehr unschön.

Westliche Magie und Esoterik fußt größtenteils auf der Theosophie, einer Lehre aus dem 19. Jahrhundert, die sehr einflußreich in der damaligen “Szene” war und aus deren “Theosophischer Gesellschaft” der Orden “Golden Dawn” hervorgegangen ist, der wiederum sehr einflußreich auf magische Gruppen und Hexen war. Die Theosophie ist heute weniger bekannt als ihr Spin-Off, die Anthroposophie von Rudolf Steiner, aber aus ihr kommt die sog. “Wurzelrassenlehre”, die sich auch bei Steiner wiederfindet, und die annimmt, es gäbe verschiedene “Menschenrassen” die auf verschiedenen “spirituellen Entwicklungsstufen” wären. Ein weiteres Spin-Off-Projekt der rassistischen Theosophie war die Ariosophie, die der Nationalsozialistischen Rassen-Ideologie die Grundlage lieferte.

Das soll alles nicht heißen, dass nun sämtliche spirituellen Leute Nazis seien, oder dass alle Ideen, die in der Esoterik vorkommen, problematisch wären. Aber ich finde schon, und das musste ich auch bei dem Missy-Artikel feststellen, dass Viele viel zu sorglos mit der Geschichte und den Inhalten von westlicher Esoterik umgehen. Denn inhaltlich sind die Theosophie und magische Orden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts für esoterisch-magische Strömungen sehr prägend gewesen. zum Beispiel Dinge wie Astrologie oder Tarotlegen. Sie sind zwar viel älter als die moderne westliche Esoterik, aber die zwei bekanntesten Tarots sind von Mitgliedern des Golden Dawn geschaffen worden: Das Rider-Waite Tarot und das Toth Tarot. Die Symbolik in diesen Tarots und die Lehre vom Tarotlegen ist nicht “irgendwie vom Mittelalter her” sondern hat ihre Wurzeln im Golden Dawn und der Theosophie.

Und von Dingen wie biologistisch-essentialistischen Geschlechterbildern, TERF-tum, Verschwörungstheorien und Ausbeutung von indigenen Kulturen hab ich noch gar nicht angefangen.  Ein “klar muß sowas kritisiert werden” reicht mir da nicht so ganz aus. Es ist zuviel, es ist zuviel überall, und es ist zu tief in den Ideen drin. Ich habe mich vor über 10 Jahren aus der “Spiri”Szene (in meinem Fall war das die feministische Spiritualität/Hexen) zurückgezogen, aber selbst in einem “maximal fortschrittlichen” Segment der Spiri-Szene kam ich immer noch in einem derartigen Übermaß mit regelrechten Nazis, rechtsoffenen und reaktionären Leuten, Ethnopluralist_innen und TERFs* in Kontakt, dass es mir heute noch davor graut. Ich war z.B. mal auf der Mailingliste von Zsusanna Budapest, wo sie Strichprobenkontrollen auf “echtes Frau-sein” durchführten.. Eine Frau aus meiner damaligen linksanarchistischen Spiri-Feiergruppe schloß sich später einer Nazi-Siedler-Sekte an und brach mit allem, auch ihrer Familie. Ein Typ, den ich über ein paar Ecken in der Magie-Szene traf, versuchte sich als Zuhälter für die weiblichen Mitglieder seines Ordens, und verkaufte denen das als “Erleuchtung”, aber zum Glück wurde da nichts draus..  bei einem magischen Grüppchen, dem eine Bekannte angehörte, landete mal unerkannt ein Hardcore-Nazi-Kader, also jemand mit wirklich Blut an den Händen.. zum Glück flog sie auf, aber puh…  ach ja, und in meinen Kreisen wurde auch zur Genüge der rechte heidnische Arun-Verlag und sein neurechter Besitzer verharmlost, “der ist doch kein Nazi, das war ne Jugendsünde” etc…  Ach ja, und auf einer feministisch-spirituellen Mailingliste, auf der ich war, flogen einer auch regelmässig Verschwörungstheorien um die Ohren..

Und ich hatte wirklich versucht, mich nur an die “Guten” und die “Linken” zu halten. Und ich traf auch “Gute” und “Linke”, es war ja nicht alles schlecht. Aber es war rein praktisch sehr sehr schwer, sich als dezidiert linke hexisch-magische Gruppe zu halten und abzugrenzen und sich auch ständig mit den Überschneidungen zur rechtsoffenen und “unpolitischen” Szene auseinanderzusetzen.

Das mag heute, nach vielen Jahren, vielleicht besser sein. Ich bezweifle es. Vielleicht kommt man auch um diese Verstrickungen auch zum Teil drum herum, indem man die komplette Esoterik/Magie Szene meidet und sich z.B. als Gleichgesinnte aus der queeren Szene zum Tarotlegen trifft. Möglicherweise ist die hexische/magische Szene z.B. in den USA auch progressiver als hier in Deutschland und dank Web 2.0 oder whatever kommt nun mehr davon rüber als früher.  Und von dem, was ich mitgekriegt habe, gibt es im Black Feminism und bei Queers of Color seit Jahrzehnten eigene, von der weißen westlichen Eso-Hexenszene eher unabhängige Spiritualitäts- und Magiepraxen, wo hoffentlich auch inzwischen mehr in Deutschland läuft als früher. Ich würde es allen, die sich als linke und fortschrittliche Menschen mit Spiritualität, Magie und Hexentum beschäftigen wollen, ehrlich wünschen, dass sie meine Erfahrungen gar nicht erst machen müssen.

Ich ging aus der Szene raus, nachdem ich mich gefühlt am 100.sten Masku-Magier*  abgekämpft, die 1000.ste N-Wort-Diskussion geführt, und die 10.000ste Rechtfertigung dafür geschrieben hatte, wieso ich heterosexuelle Reproduktion nicht als das Grundmotiv meiner Religiosität ansehen möchte (ich weiß sogar noch, wem gegenüber, sie sagte, das sei “unnatürlich”), und nachdem meine Spiri-Feiergruppe daran zerbrochen war, dass sich eine von uns (die später zu den Nazis ging) als TERF entpuppte.  Achja, und ne Wicca-Freundin sich aus starkem Interesse ein antifeministisches Buch bestellte… irgendwann war ich es sehr, sehr leid.

Mir ist meine frühere Spiritualität auch inzwischen fremd geworden, es kam einfach der Tag, da kam ich mit dem zugrundeliegenden Biologismus/Essentialismus von “weiblicher Spiritualität” nicht mehr klar. Jahrelang hatte ich mich daran ab- und drumherum gearbeitet, um mir das passend zu machen, fand auch hier und da mal was, in dem ich mich wiederfand, aber es passte einfach irgendwann immer weniger.

Was geblieben sind, sind ein paar Bruchstücke,  ein Gefühl dafür, dass es mit mir, meinem Leben und der Welt schon einen bestimmten Sinn hat, und etwas, ein bischen, Magie und Kommunikation mit Unsichtbarem. Ich halte das alles ziemlich für meine Privatsache.

Klar, hätte ich manchmal auch Lust, gegen pauschale Abwertungen von Religion und Spiritualität in der Linken zu protestieren. Aber nachdem ich mich in dieser Eso-Szene mal aufgehalten habe, verzichte ich lieber. Auch wenn ich Pauschalisierungen nicht mag, ab einer gewissen Bullshitquote mag ich mich für ein “not all Esos” einfach nicht mehr stark machen. Da gibt es Wichtigeres für mich.

Ansonsten… jedem Tierchen sein Pläsierchen. Wenn dir Spiritualität gut tut und du dich kritisch damit beschäftigst und dich vom rechten Bullshit fernhalten kannst, fein! Mach ich auch so! Cheers!

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* Fußnote – TERF ist eine Abkürzung für “Trans exclusionary radical feminist” und bezeichnet eine Hate group im Feminismus, die transfeindlich ist, trans Frauen nicht als Frauen anerkennt, Frau-Sein an physischen Merkmalen wie z.B. Gebärfähigkeit festmacht, und bis hin zu Gewalt und Terror die Menschenrechte und bürgerlichen Rechte von Trans Personen, vor allem Trans Frauen, negiert

*Masku-Magier: ein Magier, der Anhänger des Maskuli(ni)smus ist, einer antifeministischen Strömung, die zum Großteil aus Männern besteht. Die Maskul(in)isten finden, dass die Gleichberechtigung von Frauen zu weit gegangen sei, denn sie würde die Rechte von Männern, um die es vor 100 Jahren mal besser bestellt war, zuwider laufen.

keine Konsumauszeit, Gadgets, Brafitting, Zines

Manche in meiner Twitter- und Blogosphärenblase machen gerade eine Konsumauszeit. Gestolpert bin ich über das Konzept bei Jademond.

Ich musste nicht lange überlegen: Ich mache das nicht mit.

Warum? Weil ich grade Zeit habe, zu konsumieren.

Dieses Jahr war für mich sehr anstrengend, und ich habe die meiste Zeit nur gearbeitet. Ich hatte wenig Zeit, mich mal um Dinge zu kümmern, die ich gebrauchen könnte oder die ich anschaffen könnte, um meine Bude oder mein Fahrrad oder was auch immer praktischer und besser zu machen. Zum Glück hat es trotzdem gereicht, um z.B. Dinge für die Radwanderung zu besorgen, einen Frontgepäckträger und “Lowrider-Taschen” zu kaufen und anzubauen, ein neues Regal fürs Zimmer zu holen.. aber auch eins auf der Strasse zum weggeben rausgestellt zu sehen und mitzunehmen.

Während ich mich von meiner Operation erhole, hab ich die Zeit, mich mit der Frage zu beschäftigen:

Was müsste dringend mal angeschafft werden? Wie und wo treffe ich eine okaye Wahl für das, was ich brauche?

Und dann habe ich sogar die Zeit, so eine Anschaffung auch zu machen.

Seit Jahren haben wir keinen Drucker, der mit unseren Computern kompatibel ist. Der bisherige Drucker (den wir auch noch behalten) ist ein Farb-Tintenstrahldrucker von hp, der 1998 gekauft wurde und seitdem zwar immer langsamer wurde, aber er funktioniert noch. Um etwas auszudrucken, muss ich aber leider den Aldi-Windows-Rechner starten, der auch wasweißichwiealt ist und der keine Internetverbindung hat, die auszudruckenden Dateien müssen also erst auf einem USB-Datenstick sein..

Also habe ich gestern endlich mal einen Zweitdrucker besorgt:

Es ist ein kleiner s/w Laserdrucker, wir haben so ein Modell im Betrieb, und der druckt eigentlich seit vielen Jahren sehr zuverlässig, obwohl der immer viel drucken muss. Der kleine Laserdrucker ist Wifi-tauglich und kann sich dann (hoffentlich) mit allen Geräten verbinden. Er kommt klar mit Windows, Macs, auch älteren Macs, und mit Linux.

Dabei habe ich noch einen kleinen Lautsprecherwürfel gekauft, das ist so ein Impulskauf nebenbei gewesen:

lauti-wuerfel

Das Ding ist anstatt einer ipod Dockingstation mit Lautsprecher. Es ist kleiner. Und ich bin nicht darauf angewiesen, dass meine Geräte alle den selben Eingangsstecker haben, was sie ja nicht haben. Also ist es viel besser als eine Dockingstation. Es hat einen Audio-Kabel-Eingang und ein Kabel, mit dem im Prinzip alle möglichen Geräte angesteckt werden können, und wenn das Gerät es kann, geht es auch mit Bluetooth. Toll zum Podcast hören!

Dann war ich gestern noch beim Brafitting.

Dadurch, dass ich die letzten Jahre ca. 10kg an Gewicht zugelegt habe, sind meine Brüste auch grösser geworden. Ich hatte nie einen BH benötigt, aber jetzt möchte ich gerne BHs besitzen, die meine Brüste stützen und vor Erschütterungen schützen. Je nachdem, wo ich in meinem Zyklus bin, können die Brüste schon mal schmerzen. Und ich möchte das Bindegewebe nicht noch die ganze Zeit belasten oder durchschütteln.

Hier ist ein toller Artikel zum Thema Bra-Fitting (Bh-Anpassen) mit Links zu vielen wichtigen Ressourcen von Paula Puzzlestücke. und hier ist die Seite der Busenfreundinnen, die Community zum Thema Bra-Fitting und BHs.

Mir wurde – dank Spinntreffen kenne ich die coolsten Leute – von der Handmaid ein guter Laden in Berlin empfohlen, “Change” im Alexa, wo ich einfach reinlatschen konnte und sagen: “Ich habe keine Ahnung von BHs, nie einen besessen, möchte aber jetzt einen und mir den gern anmessen lassen. Und da ist mir dieses Geschäft empfohlen worden.”

Ich wurde dann in eine der Anprobekabinen geleitet, vermessen und dann musste ich nur noch die BHs probieren, die mir reingereicht wurden, und wurde beraten und der Sitz wurde von der Verkäuferin, die Ahnung hatte, geprüft. Der Laden sei “hochpreisig”, sagte meine Spinntreff-Freundin, aber online sah ich die qualitativ hochwertigen BH’s auch nicht billiger. Ich habe aber auch noch gar keine Ahnung, wo es die “Schnäppchen” gibt.

Ich habe einen BH der Hausmarke “Basic” genommen, dessen Schnitt eine “Plunge” Form ist und der gefüttert ist. Er macht, dass die Brüste etwas grösser aussehen als ohne BH, was ich wider Erwarten ganz witzig und cool finde, und er stützt halt perfekt, ohne dass auf den Schultern irgendein Gewicht lastet. Mein Rücken ist sehr entzückt, sag ich mal.

Der andere ist ein Sport-BH, der sehr fest ist, ich habe erst mit den Ohren geschlackert und gedacht, das ist ja wie ein Thrombose-Kompressions-Strumpf, nur an einem anderen Körperteil. Dafür kannst du mit dem Ding auch herumhüpfen und dich wirklich extrem bewegen, ohne dass die Brüste herumschlackern und das Bindegewebe gezerrt wird. Ausserdem werden die Brüste an den Körper gedrückt und zur Seite weggepackt, so dass eine große Armfreiheit für Sport und Arbeit besteht. Im Prinzip ist das fast wie ein kleiner und nicht so enger Binder. (Ich habe keine eigenen Erfahrungen zu richtigen Bindern, ich gehe hier nur von dem Effekt aus, den der Sport-BH macht, den ich von Bindern an anderen Menschen oder von Bindern auf Fotos kenne)

Und tja, was soll ich sagen: Ich habe bei den Busenfreundinnen gelesen, mir ein paar Youtube-Videos zum Brafitting angeschaut, mir eine für mich gute Grösse anmessen lassen, und jetzt würde ich am liebsten losgehen und kreischend alle Geschäfte stürmen und BHs kaufen. Schade, dass meine Mutter jetzt nicht hier ist. Ich glaube, wenn wir uns das nächste Mal sehen, gehe ich mit ihr einen BH für mich kaufen. Denn dieses “Mutter-Tochter-Erlebnis”, auf das sie sich sicher schon jahrelang gefreut hatte, ist damals ziemlich in die Hose gegangen, ich war ein nöliger Teenager, der keine Verwendung für BHs hatte und das BH-Kauf-Ritual nicht zu schätzen wusste und mit Genörgel und Gemoser sich dann einen schnörkellosen Sport-BH ohne jegliche Funktion aufschwatzen ließ, der danach nie getragen wurde.

Ich muss zwar sagen, dass es auch keine gute Idee von meiner lieben Mutti war, mich trotz mangelnder Notwendigkeit und mangelnder Lust in diesen Dessousladen zu schleppen. Insofern hat sie sich die Situation selbst eingebrockt. Aber damals war damals und heute ist heute, und wenn sie jetzt eine wild-auf-BH-Kauf-Tochter möchte, die kann sie haben!

Am Freitag habe ich dann noch einen Podcast aufgenommen, den ich jetzt seit mittlerweile 4 Tagen nicht fertig bekam, und wo ich mich eigentlich gleich mal damit hinsetzen will (mal sehen, wie weit ich komme).

Zu guter Letzt noch mehr Konsum: Ich war auf dem Zinefest Berlin und habe zugeschlagen!

Viele Zines sind in meine Tasche gewandert, und ich bin gerade dabei, ein Fahrrad-Zine selber zu machen. Ich mache das wirklich so Old-School wie früher, so mit Kopierladen, Schnipselcollage und z.T. handgeschrieben, und gezeichnet, und das dauert schon seine Zeit. Wenn ihr mitmachen möchtet, und eine (einfache oder Doppel-) Seite für das Fahrrad-Zine machen (oder zwei)

– Es ist DinA5 und wie schon gesagt, Old-School-Schüler_innenzeitung/Copyshop-Style

– Das Thema ist Fahrrad, Radfahren, Fahrradpolitik, Fahrrad und Gender

– gerne queer_feministische Perspektiven

– ein Traum wäre, wenn DU z.b. ein Handbike hast und darüber was zeichnen oder schreiben willst.

– Beiträge in deutsch und englisch, wenn du beides kannst, wäre Zweisprachig klasse, wenn du nicht beides kannst, reicht in einer Sprache, dann übersetze ich.

deadline ist Ende 2015 und erreichen könnt ihr mich auf twitter @distelfliege oder per Mail distel (at) spiritvoices (punkt) de.

Ihr könnt mit Papier herumwerkeln und es dann einscannen und mir mailen, oder mir auch eine Dina5 Seite oder Doppelseite mit der Post schicken :) (Adresse geb ich euch auf Anfrage).

Hier ist der Zine-Mitmach-Aufruf auch nochmal auf englisch, falls ihr Leute kennt, die kein deutsch können und Interesse haben.

Hier sind ein paar Seiten, die ich schon fertig habe (die eine ist noch nicht übersetzt)

bicycle zine bicycle zine bicycle zine bicycle zine

Body positive Practice Month

Ich wollte eigentlich hier einen Text über meinen aktuellen Stand mit Yoga, kultureller Aneignung und so weiter veröffentlichen. Das wird sich aber noch etwas hinziehen. Ich will zuerst noch was von kompetenter Seite dazu lesen.
Trotzdem möchte ich schon mal zwei Dinge verlinken, die in den ersten Wochen dieses Jahres auf decolonizingyoga.com gepostet worden sind:

https://yogaappropriation.wordpress.com/ – You are here – Exploring Yoga and the Impacts of Cultural Appropriation mit Nisha Ahuja

Decolonize your Yoga Practice – Susanna Barkataki

Besonders der erste Link, ein wunderbarer Film, bringt sehr viele Sachen in einem kurzen Vortrag gut auf den Punkt.

In der Zwischenzeit soll es erst mal um einen anderen Aspekt gehen, nämlich und körperliche Vielfalt und Körperarbeit/Sport/Yoga/Bewegung. Deshalb wollen Joy und ich einladen, im März einen Body Positive Practice Month zu machen und darüber zu bloggen.

Yoga bringt mir so viel, was das Gefühl für meinen Körper und meine persönlichen Einschränkungen und Herausforderungen angeht, was aber auch psychisches zur Ruhe kommen und inneren Frieden angeht. Anna Guest-Jelley von “Curvy Yoga” hat in einem Video mal gesagt, dass Yoga für Menschen mit Behinderungen und für dicke Menschen super ist, weil es beim Yoga nicht darauf ankommt, möglichst sportlich die kompliziertesten Yogahaltungen (Asanas) zu machen, sondern darauf, sich selbst besser wahrzunehmen und zu kennen und mehr in Einklang mit sich zu kommen. Deswegen kann Yoga eine gute Möglichkeit sein, sich mit körperlichen Einschränkungen oder mit einer nicht der Norm entsprechenden Körperform zu bewegen.
Leider ist das bei der modernen Fitness-Asana-Überei keine Selbstverständlichkeit. Nicht nur sind weiße Frauen* im Yoga sehr überrepräsentiert, es sind auch meistens nur sehr schlanke und sportliche Körper, die gefeiert werden, die immer, wenn es um Yoga geht, ausschließlich abgebildet werden, und das ist schade.

Hier gibt es eine tolle Sammlung von wunderbaren Body positiven Yoga-Selfies.

Ich habe für sowas meinen tumblr-Blog, den ich nutzen werde, um meine Gedanken über body positive Yoga zu schreiben und ein wenig Tagebuch über meine Yogapraxis im März zu führen.

practicemonth

Joy hat das so beschrieben, ich kopiere das einfach mal hierher:

In diesem Monat, März, soll es also darum gehen, wie wir mit unseren verschiedenen körperlichen Vorraussetzungen Yoga machen, was dazu für Gedankengänge entstehen- wie Yoga vielleicht auch unsere Sicht auf unseren Körper verändert / hat. Jede_r die_der Lust hat, kann gern mitmachen. Ihr dürft die Grafik gern mitnehmen und auch etwas dazu posten oder sie einfach einbinden und auf diesen Artikel hier verlinken. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid! <3

Wir haben das auf Twitter diskutiert und beschlossen, aus dem “Yoga Month” einen “Practice Month” zu machen, weil einige kein Yoga machen und andere Dinge machen, aber Lust haben, sich über Bewegung, Körperakzeptanz, und Körper-Vielfalt auszutauschen.

Wer also mitmachen möchte schreibe doch bitte einen Kommentar im Blog von Joy!

Zwischenblogeintrag.

Ich habe seit Tagen super viel Lust zu podcasten. Vielleicht schnappe ich mir heute mein Shownotesbuch und bereite eine Episode vor. Am Wochenende ist auch noch Wolle-Fest.

Aber erst mal dachte ich mir, ich blogge zwischendurch – seit ich aufgehört habe zu bloggen und bei Facebook auch nicht allzu viel persönliches schreibe, kann mensch mir, und was so in meinem Leben vorgeht, eigentlich nur noch folgen, indem eins meine Podcasts anhört. Und das ist verständlicherweise nicht jedermenschens Sache, und angesichts deren Länge ein ziemlicher Zeitfresser, vielleicht interessierst du dich auch nicht für Stricken oder für Gelaber über Stricken.

Also. Was läuft derzeit im Hause Distelfliege?

Eine Freundschaft, die in der letzten längeren Zeit etwas gelitten hat unter wenig Kontakt, anderen Lebensproblemen, wenig Zeit und leider auch keine Energie, das anzusprechen, wurde in eine andere Bahn gesetzt, die aus einer (naja, empfind ich halt so) Sackgasse endlich wieder herausführt. Oder auf einen anderen Weg gebracht. Gehen müssen wir den halt schon noch. Aber das hat mich ziemlich in Anspruch genommen und ich bin jetzt sehr froh, wenn Auseinandersetzungen geführt werden, anstatt dass es “ohne Angabe von Gründen” immer mehr abkühlt. Ich bin in der Vergangenheit manchmal (selten, zum Glück) von Freundinnen (und Freunden) ohne Rückmeldung und ohne einen Grund zu erfahren “abserviert” worden, d.h. es war halt einfach aus und ich erfuhr nie, was eigentlich war, ob irgendwas, was ich getan habe, die andere Person verletzt oder enttäuscht hat… und das war immer scheiße. So möchte ich selber nicht sein, zumindest nicht gegenüber Leuten die mir wichtig sind oder es waren.

Ein_e Freund_in von mir hatte sich neulich in eine politische Diskussion verstrickt und sich darüber geärgert, und ich hatte auch neulich eine Debatte darüber, ob polytheistische Heid_innen in Deutschland diskriminiert sind oder nicht. Auch mit leider unerfreulichem Ergebnis: Wir gingen wütend und ohne Verständigung unserer jeweiligen Wege.

Manchmal frage ich mich, ob meine Sensibilität für Diskriminierungsthemen einen Punkt erreicht hat, wo manche einfach nicht mehr mitkommen. Dann frage ich mich, ob ich irgendwie sektiererisch wirke. Vielleicht ist das auch so. Es ist auch nicht mein Job, mir Gedanken zu machen, wie andere Leute damit umgehen, dass es sehr unterschiedliche Perspektiven auf eine Sache geben kann. Ich kann für mich damit umgehen. Wenn Andere dafür einen Weg finden, ist das für mich okay. was nicht okay ist:

Persönlich angegriffen zu werden, als irrational, verblendet und fanatisch abgetan zu werden.

Unterschiedliche Blickwinkel erfordern immer Arbeit. Wenn dann noch ein Machtgefälle reinkommt, d.h. eine Perspektive kommt von einem privilegierten Standpunkt her, dann kann das schon schwierig werden. Weil die Arbeit des Entgegenkommens einer Person oft unsichtbar wird, während ein Nichtentgegenkommen der anderen Seite schon als Bemühen und Toleranz bewertet und honoriert wird. Siehe “Wir sind doch heute soooo tolerant zu Schwulen, immerhin sperren wir sie nicht mehr ein und stecken sie nicht mehr ins KZ wie unter Adolf, das muss doch langsam reichen.” (sinngemäss der Inhalt vieler Kommentare zu der homophoben Petition des schwäbischen Lehrers aus Dingensdingen)

Naja, äh, aber das ist ein Extrembeispiel. Trotzdem ist das spannend sich zu vergegenwärtigen: Ein völlig okayes zwischenmenschliches Verhalten ist schon des Lobes wert, und das Unterlassen von Verbrechen gegen die Menschenrechte ist schon “Toleranz”, und das ist die Meinung eines Teils der Gesellschaft (“bürgerliche Mitte”) in diesem demokratischen Land.

In diesem Klima ist das ein bischen schwierig, sich manchmal auf Augenhöhe entgegenzukommen und gleichermassen sich die Arbeit zu machen, die andere Person zu verstehen.

Da verstehe ich Menschen gut, die politische Diskussionen eher meiden. Und selber würde ich mich gerne auch mehr zurückhalten, nur ist meine Klappe dafür einfach meistens zu groß. Auch das hier zu schreiben, fällt mir schwer. Dieses Herumhinterfragen macht alles schwerer. Nur das Rad der Zeit zurückzudrehen geht nicht und ich wollte auch nichts ungelernt und ungehört und ungesehen machen. Dass etwas schwierig ist, heisst ja nicht, dass es nicht wert wäre, getan zu werden.

Wieder ein anderes Thema:

Eine Person aus meinem Bekanntenkreis ist an Krebs erkrankt und es hat sich herausgestellt, dass es doch ein gefährlicherer Krebs ist, und dass es doch ein fortgeschritteneres Stadium ist. Ich habe gegooglet und die 5-Jahres-Überlebensrate liegt immerhin noch bei über 80%, aber eben leider nicht bei 99% wie bei dem 1. Stadium dieser Krebsart. Ich stricke eine Mütze, weil aufgrund der Chemo bald die Haare ausfallen.

einpflegestau ravelry april 14

Das Mützenmuster ist Excess by Anat Rodan und die Mütze ist aus dünner Wolle, also Sockenwollstärke. Wenn man im Sommer Glatze hat, dann will man bestimmt keine so fette dicke warme Mütze auf dem Kopf haben.

Ich habe ja Haar-Issues. Also, seit Jahren habe ich eine Stelle an meinem Kopf, wo meine Haare sehr dünn geworden sind. Es wurde dann ein Eisenmangel festgestellt, und dessen Herkunft könnte sein, dass ich aufgrund anderer Probs einen höheren monatlichen Blutverlust habe als früher. Ob das der Grund ist für den Haarausfall, ist aber unklar. Möglicherweise habe ich mir auch durch das zu lange tragen von zu schlecht gepflegten Dreadlocks meine Haarwurzeln an Stellen ruiniert. Jedenfalls brachten Eisentabletten keine Besserung, des Eisenmangels schon, aber nicht des Haarausfalls.

Ich habe eine Weile mal gerne eine Punkerfrisur getragen, wo die Seiten abrasiert waren und man deswegen den Haarausfall an der Seite sowieso nicht so sah, und dann habe ich gedacht, ich steh einfach dazu und so Kurzhaarfrisuren getragen, wo die kahle Seite halt dann aufgefallen ist.

Neulich haben sich mehrere Kollegen und eine Kollegin die Haare ratzekurz geschnitten, und ich habe ja noch meinen Langhaarschneider, und dann habe ich gleich Lust gekriegt auch ganz ganz kurz zu haben, und hab mir die heute abrasiert:

ab

Zum Thema Kreativität, DIY, und “unfuck your Habitat” ging es hier auch etwas weiter. Vor meiner Wohnung im Treppenhaus stapelte sich seit vielen Jahren Zeug, das ich mal irgendwann verbasteln wollte. Namentlich Kartonpappe und ein Spiegel, und ein paar Dinge die zu verschenken waren.

Die Kartons verbastele ich zu maßgeschneiderten Aufbewahrungsboxen, die ich dann mit Decoupagetechnik bzw. Collage und Artjournalingtechniken aufhübsche.

Dem Spiegel habe ich mit den selben Mitteln endlich einen Rahmen verpasst.

einpflegestau ravelry april 14

einpflegestau ravelry april 14

Bei der Gestaltung habe ich einen Tip von Jademond verwendet: Mit Stempeln auf weiße Servietten stempeln und diese dann mit dem Serviettenkleber aufkleben. Ich habe mir hier ein wenig Ordnung in meine Art Journaling Sachen gebracht.

projekt kitschiger spiegel

Der Spiegel ist seit vorhin sogar aufgehangen.

spiegel

Ansonsten so… ich habe meinen Featherweight Cardigan fertig und bin sehr zufrieden damit, Fotos habe ich bei Ravelry eingestellt – dieser Beitrag hat schon genug Fotospam – und ich mache relativ regelmässig Yoga-Asanas und bin damit auch ganz zufrieden. Auf Twitter enstand so eine Aktion namens #50tageyoga, die toll war, sie lief für mich von 5.2. bis Ende März. Danach gab es die Idee, Motto-Tage zu machen und sich gegenseitig damit vollzutwittern, aber das hat nicht geklappt, bzw. nutzt es keine, ich habe ein paar halbseidene Versuche gemacht, aber da ist glaub ich niemand drauf eingestiegen. Das macht aber nichts.

Ich habe gerade nicht das Gefühl, dass ich Motivation von aussen brauche oder durch eine Gruppe, weil das Online-Yoga-Üb-Portal wo ich bin, wirklich sehr motivierende und abwechslungsreiche Programme zum mitmachen anbietet, und jeden Monat ist etwas anderes dort los.

Ich mache nach Lust und Laune Videos die für alle Levels geeignet sind, dh. auch Anfänger_innen, und zwischendurch nehme ich mir eins der “Beginners” Programme durch. Da habe ich neulich mit Anusara Yoga angefangen, weil ich in einem Text las, bei Knieproblemen sollte man das, oder Iyengar Yoga machen. Anusara Yoga basiert auf Iyengar Yoga, und dieses wiederum ist ein System von B.K.S. Iyengar, der selbst eine Wirbelsäulenverletzung hatte und Yoga für alle möglichen Einschränkungen mit Hilfsmitteln entwickelt hat, ausserdem wird bei diesen Richtungen sehr viel Gewicht auf eine korrekte Ausrichtung (Alignment) gelegt, was Gelenke und Rücken vor Verletzungen und falscher Abnutzung schützen soll.

Gerade habe ich auch eine Woche Urlaub, und die ist schon fast halb vorbei, aber ich habe die ersten drei Tage nicht geschafft in meinem Urlaub anzukommen. Bis heute mittag war ich eigentlich in “Bereitschaft”, habe auch organisatorisch was für den Betrieb gemacht, und wenn jetzt nichts weiter schief geht, ist meine Bereitschaft vor ein paar Stunden zu Ende gegangen. Das fühlt sich schon urlaubiger und entspannter an jetzt. Am Wochenende fahre ich ja dann weg. :)

Was leider konstant hinten runter fällt, ist Saxophon spielen. Ich liebe es und es macht mir Spass, aber irgendwie ist es immer auch Druck, vielleicht, weil ich zum Üben nur ein enges Zeitfenster habe, zwischen 15 und 20h jeden Tag. Wenn ich in dieser Zeit Termine habe oder grad was anderes vor, ist das schon schwierig. Die Wochen rauschen dann so an mir vorbei, und ich habe dann wieder eine Stunde und kaum dafür geübt. Seufz.

Trotzdem war die Entscheidung, das Saxophon aus dem Pflichtprogramm rauszunehmen, richtig. Ich fühle mich mental stark und kann mich auf das konzentrieren, was wichtig ist. Ich komme zwar in Verzug mit meinem Projekten, aber weniger als letztes Jahr, und ich habe tatsächlich nur zwei Dinge, die ich machen muss: Die Bäckerei und Yoga. Ersteres weil ich darauf einfach die Priorität gesetzt habe, und zweiteres auch wegen der Bäckerei, als Ausgleich zu einseitig belastenden Bewegungen auf der Arbeit. Im Prinzip ist der Betrieb einfach grade meine einzige Priorität, und das bringt mir eine Klarheit, die mir auch Kraft gibt. Das letzte Jahr habe ich viel gehadert mit nötigen Entwicklungen und meinen Zweifeln, ob das noch etwas wird mit diesen Entwicklungen. Ich habe meine eigene Planung, und meine Perspektiven abhängig gemacht von eventuellen Chancen eventueller Entwicklungen, und das hat mir sehr viel Kraft weggenommen. Jetzt habe ich einfach beschlossen, was ich plane und will und wo ich sein möchte, und dann lass ich das mal auf mich zukommen, welche eventuellen Entwicklungen laufen und welche nicht.

Vielleicht ist das ja auch “Kopf in den Sand” – also, ich kann ja den Kopf in den Sand stecken aus Pessimismus und Angst, oder auch aus Optimismus und verfrühter Freude. Sollte letzteres der Fall sein, fühlt sich das wenigstens gut an.

Tja, also so läuft der Hase!

Selbstfürsorge – I did it my way!

Im Moment werden in der in der deutschsprachigen Bubble meiner Wenigkeit Texte zum Thema Selbstfürsorge/Selfcare geschrieben und diskutiert:

Während ich mich an der Diskussion auch ein bischen beteiligt habe, will ich mal einfach einen neuen Text in die Runde werfen, über Selbstfürsorge, wie sie mir gut tut und warum ich sie benötige. (Und auch versuchen, das Ganze in einen Zusammenhang zu stellen mit sonstigen politischen Verhältnissen.)
Lustigerweise wurde mir auch ein Link reingereicht zu einer Diskussion über Selfcare, die 2012 in der englischsprachigen Blogsophäre geführt wurde:

Zuerst mal ist es mir ganz wichtig zu sagen:
Wann deine Energie zu Ende ist oder wann es dir schlecht geht, oder wenn du meinst, du solltest etwas für dich tun oder dir etwas gönnen, dafür bist du selbst die kompetenteste Person! Selfcare ist, dass ich bestimme, was ich wann benötige, und die Verantwortung übernehme für mich selbst und mein Wohlbefinden.
In diesem Sinne ist Selfcare eine selbstermächtigende, proaktive Praxis.
Die Kompetenz und Verantwortung für mich gebe ich keinen Mediziner_innen ab, die sich um mich kümmern sollen (wobei ich natürlich jederzeit welche zu Rate ziehen kann, wenn ich das möchte). Ich erteile auch nicht anderen (politischen Projekten, den “schlimmen Verhältnissen”, anderen Aktivist_Innen etc) die Berechtigung, über meine Ressourcen zu verfügen und zu bestimmen, wann sie erschöpft sind und wann ich Regeneration brauche, sondern das beurteile ich selbst. (Wobei ich mich natürlich jederzeit mit Freund_innen, Kolleg_innen, Aktivist_innen dazu beraten kann).

Obwohl Selbstfürsorge in dieser Diskussion im Zusammenhang mit Polititk und Aktivismus steht, entstehen Belastungen nicht unbedingt nur durch Aktivismus, oder manchmal auch gar nicht durch Aktivismus. Bei mir ist es z.B. so, dass ich in einer Großstadt lebe, und dadurch Belastungen durch Lärm, Abgase, stressigem Strassenverkehr und so weiter ausgesetzt bin. Dann kommt die Lohnarbeit dazu, die körperlich, und manchmal psychisch auch anstrengend ist. Und dann kommen noch meine sehr, sehr vielen Interessen dazu, von denen ich irgendwie nichts aufgeben möchte. Zeitmanagement wird da zur Herausforderung. Ich mag soziale Netzwerke im Internet deshalb, weil ich da mal schnell mit Leuten kommunizieren kann. Auf der anderen Seite fressen sie total viel Zeit und das Facebook- und Twitter-checken und der ständige Zustrom von Informationen und Aktionen kann eine_n schon einsaugen und nicht so schnell wieder loslassen.
Also ist es eigentlich für mich auch viel das moderne, digitale Stadtleben, das mich manchmal gar nicht zur Ruhe kommen lässt, und es ist ja am Ende egal, wodurch das Bedürfnis nach Entspannung und Auftanken entsteht.
Wichtig ist mir, auf dieses Bedürfnis zu achten und mir selbst das zu geben, was ich in dem Moment brauche.

Dabei helfen mir eine ganze Menge an Selfcare-Methoden. Es gibt akute Methoden (die ich anwende, wenn es mir gerade akut schlecht geht, und sonst eher nicht oder nur nach Lust und Laune) und dauerhafte, durchgehende Gewohnheiten, die ich mir zur Gewohnheit machen musste – weil, würde ich sie unterlassen, das bei mir gradewegs in die Selbstzerstörung führen würde.
Die “Gewohnheitsmässige Selbstfürsorge” würde ich auch “nachhaltigen Aktivismus” nennen, und sie als Teil einer politisch bedeutsamen Praxis ansehen. Nachhaltiger Aktivismus, weil ich dabei nicht von einer Aktion zur nächsten lebe und mich verausgabe, sondern so lebe, dass ich auch in vielen Jahren noch in der Lage bin, mein Leben als politisch interessierte und aktive Person zu leben.

Ständige Selbstfürsorge/Gewohnheiten:

Die allerwichtigste: Sei nicht alleine!
Du bist niemals allein. Auch wenn es so aussieht. Es sind bei den meisten politischen Themen noch andere am selben Thema am arbeiten. Du bist nicht allein, und du kannst dich mit Anderen zusammenschliessen, denen es so ähnlich geht wie dir. Wenn es nicht möglich ist, dass in deiner Community, deinem Wohnort, oder in deiner Region live mit Menschen zu tun, dann kann das Internet helfen, dich mit Menschen zusammenzutun, und ihr könnt euch gegenseitig bestärken und euch weiterhelfen.
Politisch aktiv und weiterdenkend zu sein, ist für mich auch immer nur möglich, weil ich genügend Menschen um mich habe, die mich darin bestärken und mit mir unterwegs sind. Beste Freund_innen, Kolleg_innen, die feministische Blogosphäre, die Twitteria.. <3

goodies
Nicht allein: Als ich mich mal tagelang in einer ermüdenden Rassismusdiskussion (erfolgreich btw, yay!) abgekämpft hatte, hatte Fröken von Horst mir dieses Päckchen geschickt und einen ermutigenden Brief. <3

Kontext: Die Held_in, die völlig alleine gegen das Böse auf der Welt sich märtyrer_innenhaft aufreibt, ist nicht nur ein super ungesundes Bild, sondern schliesst sich meiner Meinung nach an so einen weißen Held_innenkomplex dran. In dem weiße Menschen als Individuen behandelt werden, und Schwarze oder People of Color als Kollektiv. Es gibt so viele Erzählungen und Mythen über den weißen, einsamen Helden, während People of Color den Preis dafür zahlen, die gesichtslose, zu rettende “Masse” im Hintergrund zu sein. Ich habe selber Probleme damit, weil in meiner politischen Sozialisation oft von “Zivilcourage” die Rede war, und damit war meist gemeint, dass eine Person in ihrem Inneren mit sich ausmacht, gegen Unrecht einzuschreiten, und das dann auch ohne Rücksicht auf Gefahren heldenhaft tut. Auf den Gedanken zu kommen, dass ich vielleicht Hilfe gebrauchen könnte, um überhaupt festzustellen, dass etwas nicht stimmt und mensch was machen sollte, is nicht. Das musste alles so im Inneren mit der inneren Gerechtigkeitsintanz abgemacht werden. Und dann zu denken, sich zusammenzutun mit Anderen und sich gegenseitig zu helfen und Kraft zu geben? Wurde mir so nie vorgelebt oder beigebracht. Währenddessen feiern die Medien weiter die einsamen Held_innen, die sich im Alleingang opfern. Es gäbe viel Nützliches zu lernen von Communities (of color; oder Arbeiter_innen/Arbeitslosencommunities), die kollektives Handeln und gegenseitige Unterstützung höher bewerten und vorleben. Ich hatte einmal das Glück, mit einer Überlebenden des KZ Ravensbrück zu sprechen, und bei den Kommunistinnen dort gab es keine Einzelkämpferinnen-Kultur, und deshalb, erzählte sie, war sie damals in der Lage, selbst im Lager noch Widerstand zu leisten.

Slacktivism: Mit Vorsicht zu geniessen!
Slacktivism kommt von Slacker und Activism. (Slacker: Drückeberger/Faulpelz) Es bedeutet, nutzlose und kleine Handlungen zu vollziehen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, wenn mensch von schlimmen Zuständen oder Ungerechtigkeiten erfährt. Ich finde die Kritik an Slacktivism teils übertrieben, aber was ich schädlich für mich finde, ist: Informationen “reinkriegen” (über soziale Netzwerke im Internet, aber auch in den Nachrichtenmedien) die von schrecklichen Zuständen und Ungerechtigkeiten berichten, aber den Eindruck machen, niemand könne dagegen etwas ausrichten. Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung sind die Folge. Maria Mies schreibt in “Globalisierung von unten” über das Internet als potentieller Motor von emanzipatorischen Bewegungen:

“Wer die geistige Gesundheit der Menschen erhalten will, muss ihre politische Handlungsfähigkeit erhalten. Sie müssen das Gefühl behalten, dass sie selbst etwas verändern können, dass sie nicht hilflose Opfer sind, dass es eine Alternative gibt. Das heisst, mit den neuen Informationen und Erkenntnissen muss eine Handlungsperspektive eröffnet werden. Diese Handlungsperspektive muss so gestaltet sein, dass sie Erfolg haben kann. Nichts motiviert mehr als Erfolg.
Das setzt ausserdem voraus, dass die Vermittlung von Informationen und Wissen gleichzeitig eine oder mehrere soziale Beziehungen herstellt oder reaktiviert. (..)
Wenn zu solchen positiven Beziehungen elektronische Kommunikationsmittel als Instrumente hinzukommen, können sie tatsächlich mit Gewinn in einer Bewegung genutzt werden. Die Instrumente und die Masse an Informationen allein bewegen jedoch noch nichts. Im Gegenteil, sie können zu Ohnmachtsgefühlen und Apathie führen.” (Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne. Maria Mies 2002, S. 45)

Message
Informationen, die übers Netz verteilt werden allein sind nicht unbedingt hilfreich.

Mit welcher Art von Information ich es zu tun habe, und ob sie Handlungsperspektiven eröffnet oder nicht, kriege ich ziemlich schnell mit, wenn ich auf meine Gefühle achte. Wenn z.B. Aktivist_innen und Blogger_innen über schlimme Zustände schreiben, ist das für mich meist empowerend und nicht kräftezehrend. Denn ich sehe: Da sind Menschen präsent, die dem etwas entgegensetzen – und ich kann das möglicherweise auch tun.
Artikel, die in Richtung “Verschwörungstheorie” und Panikmache gehen, empfinde ich dagegen ganz klar als kräftezehrend und mir bringt es auch gefühlsmässig nix, mich dann zur “wissenden Elite” zählen zu dürfen – das elitäre Denken, das hinter Verschwörungstheorien steckt, bedeutet ja auch, dass die Vereinzelung und das allein sein gefeiert wird. Und genau das ist es ja, was mich eher entmutigt. Daher versuche ich, mich so weit als möglich von Verschwörungstheorien und Panikmache fern zu halten.

Körperarbeit und Bewegung

In einem Text, der Self Care kritisiert, nämlich “An End to Self Care” von B. Loewe, wurde z.B. gesagt, dass es ein Privileg sei, Zeit für beispielsweise Yoga zu haben. Dazu sage ich: So können nur Leute denken, deren Körper es ihnen verzeiht, mit Bewegungsmangel und Energieraubbau längere Zeit zu funktionieren. Sei es, weil sie noch jung sind. Sei es, weil sie keine langen, monotonen oder einseitig belastenden Tätigkeiten ausführen müssen. Oder wenn sie nicht lange sitzen oder nicht körperliche Schwerstarbeit leisten müssen.

Für mich kommt Bewegungsmangel nicht in Frage. Und es reicht auch nicht, irgendeine Art von Bewegung zu machen – ich muss zu dem, was ich für meinen Broterwerb mache, einen Ausgleich schaffen. Ich muss. Wenn ich dafür eigentlich keine Zeit habe, dann präsentiert sich mir 2-3 Wochen später die Rechnung in Form von Rückenschmerzen und Muskelverspannungen bis hin zu chronischen Entzündungen. Muskeln verhärten derartig, dass sie mir das Rückgrat verziehen. Also muss ich mir Zeit dafür eben nehmen, auch wenn das heisst, dass ich auf andere Dinge, die ich lieber gemacht hätte, verzichten muss.

Das vorweg. Dessen ungeachtet finde ich Körperarbeit und Bewegung auch deshalb soooo super, weil es eigentlich nur ganz wenige Einschränkungen gibt, und sich so gut wie alle Personen in allen möglichen Lebenslagen ihre Vorzüge erschliessen können. Es gibt gerade in bestimmten Sportszenen zwar viele Ausschlüsse, wie z.B. Fatshaming, schädliches Leistungsdenken, und kulturelle Aneignung, (Decolonizing Yoga ist z.B. eine Webseite, die sich mit diesen Themen beschäftigt) aber Körperarbeit ist am Ende etwas, was meine ganz eigene Sache ist. Mein Körper gehört mir (oder bin ich, je nachdem), und ich kann mich durch Bewegung und Körperarbeit mit meinen Selbstheilungskräften verbinden und auch ganz profan Körperkräfte/Beweglichkeit/Geschick aufbauen und mobilisieren. Das macht mir Spass und gibt mir auch ein gutes Gefühl.

Körperarbeit deshalb einer reichen, esoterisch interessierten, weißen Mittelklasse zu überlassen, weil einige Leute das für sich so angeeignet und kommerzialisiert haben, ist für mich selbstschädigend.

Für mich gibt es die Schwierigkeit, dass das, was ich mache, gelenkschonend sein muss, es darf nicht viel Geld kosten, und es darf nicht zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb habe ich z.B. mit dem Schwimmen gehen aufgehört. Regelmässig kann ich mir das nur leisten, wenn ich in das verbilligte “Früh- und Spätschwimmen” in der Schwimmhalle gehe, Zeiten, zu denen ich in der Regel arbeite oder schlafe. Und selbst dann ist das Hinfahren, das Umziehen, das Schwimmen, das Trockenfönen und dann wieder umziehen und Heimfahren ein Zeitaufwand, der sich als unpraktikabel erwiesen hat. Im Sommer fahre ich zum nächsten Badesee auch eine halbe Stunde mit dem Rad, (Öffis sind zu teuer und brauchen eh genauso lang) und dann sind mit Umziehen/Abtrocknen und Fahrt eineinhalb Stunden schon mal weg, ohne dass ich einen Zug geschwommen bin. Ein anderes Problem ist, dass ich nur Rückenschwimmen oder Kraul machen sollte, wegen der Knie (und dem Rücken), ich aber Kraul nicht kann und in den vollen Bädern und Seen Rückenschwimmen dauernd zu Kollisionen führt. Bisher hatte ich einfach das Zeitfenster nicht, mir einen Erwachsenenschwimmkurs zu gönnen, um Kraulen zu lernen, und meine Versuche, es selber zu lernen, zogen sich etwas hin (einmal hat ein anderer Schwimmer sich erbarmt, der mein Gestrampel mit ansah, und mir ein paar hilfreiche Tips gegeben).

Praktikabel für mich: Walken/Laufen/Radfahren und Yoga/Rückensport. Letzteres habe ich 1.5 Jahre von der Kasse bezahlt bekommen, jetzt mache ich es zuhause und nutze ein Online-Yoga-Programm. Es ist zwar nicht kostenlos, aber ich finde, sehr gut gemacht, und ich kann mir das noch eher leisten als einen Live-Yoga-Kurs. Zumal die Yogakurse, die ausserhalb meiner Arbeitszeiten stattfinden, durch die Bank für Schwangere oder Mütter mit Kleinkindern konzipiert sind. Ausserdem bin ich gut darin, mir Dinge mit Hilfe von Lehrmaterial selber beizubringen.

Wie für den Punkt “Ernährung” gilt: Ich verschenke unglaublich viel an Kraft, Energie und Potential, wenn ich hier keine Selbstfürsorge betreibe. Es heisst nicht umsonst “use it or lose it”, was z.B. die Muskulatur angeht. (deutsch: Benutz es oder verlier es). Wenn du diesen Überschuss an Energie und Kraft sowieso hast, dein Körper in der Lage ist, deine Versäumnisse auszugleichen: Gut für dich! Wenn du mit deinen Kräften haushalten musst, willst die sie wahrscheinlich nicht verlieren, und dafür Schmerzen kassieren. Und solange es geht, ist Bewegung und Körperarbeit im Vergleich zu Krankenstand, Medikamenten und Operationen zugänglich, billig, unschädlich und heilend.

scheissegal mudra
Wohltuend für Körper und Geist: Spazieren gehen an der frischen Luft und Yoga. Hier das “Scheiss drauf Mudra” – diese Handhaltung hilft, Gedanken an unangenehme Zeitgenoss_innen in die Bahnen zu lenken, in die sie gehören.

Nein sagen, Klartext reden, Grenzen setzen.
…fällt mir auch schwer. Angst haben, anzuecken, dass Leute eine_n dann nicht mehr mögen könnten, oder beleidigt sind. Die meisten Lügen, die ich erzähle, sind nicht, weil ich anderen eine reinhauen will, sondern weil ich Streit vermeiden will oder Angst habe, dass andere durch unangenehme Wahrheiten beleidigt werden.
Nein sagen, und zu sich selbst zu stehen, ist für mich eine Selbstfürsorge, die erstmal anstrengend ist und Mut braucht, aber hinterher weniger Kraft verbraucht und sehr erleichternd ist. Und dies ist vielleicht die privilegierteste Praxis von Allen, aber ich weiss nicht, ob “Nein sagen” überhaupt so ein wichtiger Punkt für Leute ist, die das ohne weiteres können. Menschen, die es nicht ohne weiteres können, gerade wenn sie in marginalisierten Positionen stecken, wo ihnen “Neins” und deutliche Worte übel ausgelegt werden, sind die Menschen, von denen ich am meisten und das Beste über das Nein sagen gelesen und gehört habe.
Meine Wahrheit auszusprechen, bringt mir Selbstachtung und Selbstliebe, mich nicht verstellen zu müssen oder wenigstens nicht in allen Dingen verstellen zu müssen. Es wird immer Dinge geben, die ich nicht gefahrlos offen sagen kann, und da möchte ich nachsichtig und verzeihlich mit mir selber umgehen. Und es da eben tun, wo ich es schaffen kann – und mich darüber freuen, wenn es gelingt.

Ich habe eine Inspiration zum Nein-sagen:
Falls ihr Star Trek nicht kennt: Vulkanier sind so spitzohrige Aliens in einem Sci-Fi-Universum, denen man nachsagt, nicht lügen zu können. Spock redet Klartext und stellt sich notfalls auch vor Vorgesetzte hin und sagt “Nein”.

Eine andere Methode, Klartext zu reden, ist für mich, einzugestehen: “Ich habe einen Fehler gemacht; Ich habe meine Meinung geändert; Ich habe mich anders entschieden.” Das habe ich aus Dr. Zimbardos “Guide for resisting influence”. Zimbardo hat ein Buch geschrieben, das “der Lucifer Effect” heisst, (ich habe es nicht gelesen) und darin geht es um das Stanford Prison Experiment. Darin wurde erforscht, wie Gruppendruck und Machtgefälle in Gruppen aus Menschen Täter_ machen können, die anderen Menschen Gewalt antun. Bei “Resisting Influence” oder auf deutsch: “Beinflussung abwehren” geht es tatsächlich um die Held_innennummer – sich zur Not allein gegen die Mehrheit stellen, und die eigene Wahrheit auszusprechen.
Zwar siehe oben, der “weiße Helden_komplex” und so, aber manchmal kommt man um die Held_innennummer nicht drum herum.

Und bei dem Abwehren von Beeinflussung kann es wichtig sein, zum einen meiner eigenen Wahrheit treu zu bleiben, aber zum anderen durchaus meinen Standpunkt auch zu ändern: Es gibt Strategien der Beeinflussung, nachdem du zunächst von einer Position überzeugt wirst, und danach ein konsistentes Weiterführen des Weges, den du dann schon mal eingeschlagen hast, von dir verlangt wird – obwohl der eigentlich nicht mehr dem entspricht, was anfangs noch okay erschienen war. Und das ist dann der Moment, an dem es genauso gut und stark ist, zu sagen: “Ich habe einen Fehler gemacht/meine Meinung geändert” und aus dem Konstrukt auszusteigen.

Für mich war es wichtig zu verstehen, dass Klartext zu reden und Nein zu sagen eine nützliche und liebevolle Sache ist. Ich bin ziemlich harmoniesüchtig und möchte Leute nicht verletzen, aber wir kommen nirgendwo hin, wenn wir uns und anderen nicht die Chance geben, dass wir uns kennen lernen. Und anderen Grenzen zu setzen ist zwar furchtbar anstrengend, aber es ist am Ende freundlich, die anderen wissen zu lassen, wo ich selber stehe und wie sie mit mir umgehen sollen. Für mich ist es auch einfacher und weniger anstrengend, wenn andere sich trauen, ihren Standpunkt zu benennen und ihre Grenzen zu setzen.
Also übe ich das…

Was typischerweise passiert, ist, dass ich eine Grenze zunächst nicht setzen kann oder mich unklar verhalte, oder zu oft “Ja” sage, und dann später irgendwann merke, das tut mir gar nicht gut, da hab ich mich in etwas reinmanövriert. Danach Grenzen zu setzen wird immer schwerer, weil Leute von eine_r verlangen, konsistent zu handeln (siehe oben). “Warum hast du denn nicht früher/gleich etwas gesagt?”; “Jetzt ist es zu spät”, usw.
Dann klar zu sagen: “Ich habe meine Meinung geändert. Ich möchte das jetzt nicht mehr.” finde ich sehr, sehr empowernd. Überhaupt habe ich es in den letzten Monaten und Jahren sehr bekräftigend gefunden, Nein zu sagen, sich klarer zu positionieren und zu erleben, dass andere Menschen darauf positiv reagiert haben. Und wenn nicht, dass es immer gleichzeitig auch Leute gab, die das okay fanden und die mich okay fanden.

Vulcan_(3261574671)
In Ermangelung eines legal benutzbaren Bildes aus der Star Trek Filmindustrie: Dieser freundliche, mir unbekannte Vulkanier wurde von istolethetv aus Hong Kong fotografiert und unter einer cc-by 2.0 lizenz ins Netz gestellt.

Ernährung
Das ist das Gebiet, wo im Moment das meiste bei mir im Argen liegt. Gerade ist es zeitlich aber nicht drin, auch noch öfter leckere Dinge zu kochen, und viele Tage sehen so aus: Arbeit, heimkommen, Takeaway/Imbiss/oder schnell eine Stulle schmieren, essen, vor dem Internet absacken, pennen gehen.
Ich glaube aber daran, dass es auch sehr wichtig ist als Selfcare, sich zu verzeihen, wenn mensch nicht alles schafft. Sich nicht als schlecht oder ungenügend zu verurteilen, wenn ich nicht die perfekte, auf allen Gebieten punktende Feministin bin. Gerade beim Thema Ernährung gibt es viele, schon ins fanatische gehende Überzeugungen. Wie du es machen sollst, wird dir vorgeschrieben, und wenn du es nicht so machst, darfst du nicht mit Mitgefühl rechnen, wenn es dir dann schlecht geht. Und dadurch wird Ernährung ein Gebiet auf dem viele Menschen eher entkräftet und gegängelt werden, statt ermächtigt und geheilt. Trotzdem bietet gerade Essen (was ich ja sowieso machen muss) mir die Möglichkeit, mich relativ billig und effektiv zu stärken und zu heilen.

Ich würde, was Ernährung angeht, empfehlen, sich Konzepte von “Health at Every Size” anzusehen, die auf intuitives, genussvolles Essen und das Nutzen der Weisheit des eigenen Körpers setzen. Denn Druck auf sich selbst auszuüben empfinde ich als entkräftend und anstrengend, und ausserdem haben wissenschaftliche Studien ergeben, dass eingeschränktes, genussloses Essen aus rein gesundheitlichen Gründen bewirkt, dass ganz viele Nährstoffe gar nicht richtig aufgenommen werden. Wenns nicht schmeckt, tut’s auch nicht gut. (Info habe ich aus dem Buch “Health at Every Size” von Linda Bacon)
Noch 3 Links:
Bodylovewellness
Dances with Fat
Riotmango (Körper/Fett-positives Blog auf deutsch)

gemues1
Wenn ich doch mal koche, dann meist sehr gerne. Ich hab mir vorgenommen, wenigstens 1x im Monat Freund_innen einzuladen, damit wir uns gemeinsam bekochen. Das ist super schön und es ist einfach was Anderes, als sich nur übers Internet zu kontakten. Leider ist der Grund, warum wir uns meist übers Internet kontakten, der, dass wir dann keinen Aufwand haben und es vom heimischen Rechner aus geht. Und es ist nicht einfach, immer Termine zu finden, wo jede_r Zeit hat… sonst würde ich das bestimmt öfter machen.

Aktivismus und Spass dabei: Die “richtige” Politgruppe für mich.
Nicht immer war das so, aber in den letzten Politgruppen, in denen ich war, gab es eine lockere -vieles kann, nicht alles muss-Atmosphäre, es gab Spass und Gemeinschaft, und es machte auch Spass, etwas zu organisieren. Das war nicht immer so. Ich war auch mal in einer Antifa, wo sich die Leute gegenseitig ihre Zugänge zerredet haben, und so manche Diskussion in einem “es bringt ja alles nichts, aber wir machen aus Pflichtgefühl trotzdem weiter” endete. Dazu kam so ein Konkurrenzdenken wie “ich bin politischer als du/ich bin aktivistischer als du..”

Die Verhältnisse sind scheisse. Aber es endet nicht gut, wenn eine Gruppe sich die Schuld dafür gibt, dass die Verhältnisse sich nicht oder nicht schnell genug ändern. Ich wurde glücklicherweise von den meisten spassbefreiten Politmärtyrer_innen als “zu unpolitisch” abgelehnt und habe nie Zugang zu deren Gruppen bekommen. So blieb mir einiges erspart. Die schönsten Sachen, die ich mit machen durfte, waren Spassguerillasachen, oder mit Leuten auf Demos gehen, die nicht so verbissen und berufstraurig waren. (Nichts dagegen, wenn du traurig bist! Aber dir jede Freude verbieten, solange es Menschen auf dieser Welt schlecht geht, hilft niemandem!)

Auch mit meiner alten Amnestygruppe hatte ich eine gute Zeit, obwohl wir uns mit der Todesstrafe, mit Diktatur und Diktatoren usw. auseinandergesetzt haben, haben wir uns nicht runterziehen lassen, sondern halt unsere Aktionen gemacht und beim Aktiv sein miteinander Spass gehabt. Oder uns zusammen geärgert. Auf jeden Fall war es gut.

Ich kann mir jedoch nicht alle politischen Zusammenhänge aussuchen, z.B. wenn ich in einem Wohnprojekt lebe oder in einem selbstorganisierten Betrieb arbeite, hängen mein Dach über dem Kopf und mein Geld zum Leben davon ab. Das sind in meinem Leben auch die Bereiche, wo ich erschöpft werde und auch Auszeiten brauche. Ich glaube, bei der Kritik an Selbstfürsorge, wo sowohl in der englischsprachigen als auch in der deutschsprachigen Diskussion argumentiert wurde, dass mensch keine Pause vom Aktivismus braucht, sondern dass Aktivismus und Gemeinschaftssinn einer_einem Empowerment geben sollte, von dem man bittschön nie genug kriegen sollte, fällt eines unter den Tisch: Wenn du Abhängigkeiten von deinen politischen Zusammenhängen hast, oder dein Wohnen/Essen/Geldverdienen ins Spiel kommen, ist ein ganz anderes Konflitkpotential da. Da sind Ängste im Spiel. Menschen arbeiten sich aneinander ab, wenn es um “mehr” geht, wenn sie was zu verlieren haben. Manchmal erfordert das dann viel Arbeit und Nerven und Angst aushalten, es ist Mediation nötig, es sind Gruppendynamiken auszuhalten. Zwar ist es nicht der Aktivismus selbst, der schadet und erschöpft, aber Menschen verletzen und bekämpfen sich eben manchmal, auch in alternativen/politischen Zusammenhängen, und besonders, wenn dies Zusammenleben und Zusammenarbeiten beinhaltet. Das ist nicht schlimm und wohl überall so, aber es ist Selbstfürsorge, diese Anstregungen als solche anzuerkennen. So zu tun, als gäbe es solche Probleme im Aktivismus und in politischen Zusammenhängen nicht, halte ich für naiv.

Ausserdem kommen natürlich in allen Gruppen bestimmte *-Ismen vor. (Sexismus, Rassismus, usw.) Ich komme damit relativ gut klar, weil ich bestimmte Themen aus bestimmten Gruppen raus halte oder ausblende, sprich: Ich komme mit Verletzlichkeiten meistens dort an, wo ich erwarten kann, damit ernstgenommen zu werden. In meiner Amnestygruppe gab es z.B. eine sehr geringe Awareness zum Thema Sexismus und Homophobie. (Fand ich) Wir haben eine Kampagne gegen häusliche Gewalt nicht mitgemacht, weil die Gruppenmitglieder fanden, das sei eigentlich kein Menschenrechtsthema/kein Amnesty-Thema. Was ich sehr schade fand, aber ich konnte das auch nicht richtig vermitteln, warum es doch sehr wichtig und ein Amnestythema meiner Ansicht nach ist. Da merke ich, dass verdrängen/ausblenden auch eine ganz nützliche Eigenschaft ist, und ich merke, es ist toll, so eine Kombi zu haben aus Zusammenhängen, wo alle “Bedürfnisse” irgendwie abgedeckt sind. Wenn die Amnestygruppe meine einzige Kontaktmöglichkeit zu anderen Aktivist_innen gewesen wäre, dann hätte ich nämlich ganz schön viel alleinsein und Ärger verdauen müssen. Ich bin da als Bewohnerin einer Großstadt auch beglückt und beschenkt, da kann ich mir im Prinzip für jedes Interesse ein eigenes Grüppchen “halten”, aber auch da wirds dann zeitlich eng. Für Kontakt zu Leuten die viel Selbstreflektion und Bewusstsein über eigene Privilegien und Diskriminierung haben, nutze ich zur Zeit hauptsächlich das Internet.

Wenn es die Möglichkeit gibt, eine Aktivist_innengruppe zu haben, die du, wenn es dir nix taugt, auch wieder verlassen kannst (ohne dass gleich deine Lebensgrundlage wackelt) würde ich auf jeden Fall lustige, bestärkende Gruppen empfehlen. Wo es mehr ums Machen und ums gemeinsame Organisieren geht, als ums sich-runterziehen an der Schlechtigkeit der Verhältnisse oder die Demonstration, wer am meisten macht und am meisten Bewusstsein hat. Ich finde es wichtig, dass die Gruppe ihren Erfolg an Dingen misst, die sie auch selbst beeinflussen kann: Wir ist die Demo/Veranstaltung gelaufen, wie haben wir unser Anliegen rübergebracht? Und nicht: Wieso haben wir das System immer noch nicht umgekippt bekommen?

Rosa Rose Garten: Bau einer Kräuterschnecke
Auch wenn ich letztes Jahr gar keine Zeit dafür erübrigt habe: Rosa Rose, die politische urban Gardening Truppe meiner Träume! Es gibt bei Rosa Rose keinen Druck, so und so viel politisch zu “leisten”, mensch kann jederzeit auch “nur” ein bischen mitgärtnern, aber es gab immer gegenseitige Unterstützung bei Frust und es gab schöne gemeinsame Aktionen, Demos… <3
Ich fand es super, was die Rosen trotz dieses entspannten, drucklosen Umgangs miteinander immer wieder hinkriegen und veranstalten!

Meditation und Entspannung

Ich habe das bei der “ständigen Praxis/Gewohnheiten” aufgeführt, obwohl ich es leider nicht regelmässig mache, weil es mir im Akutfall nicht so gut hilft. Ich habe gehört, um sich mit Meditation entspannen und vom Gedankenkreiseln befreien zu können, benötigt es etwas Übung. Und die habe ich (noch) nicht.

Durch das regelmässige Yoga komme ich immer am Ende in den Genuss einer Kurzmeditation. Ich merke auch, dass es mir sehr gut tut, alle paar Tage eine Zeitspanne einfach nicht für irgendwas zu “nutzen” und sie mit “gar nichts” zu verbringen. Spazieren gehen finde ich z.B. sehr hilfreich, oder sich eine “Rückenentspannung” gönnen: Sich ca. eine halbe Stunde hinlegen, und die Beine so hochlagern, dass sie im rechten Winkel zum Körper sind und die Knie rechtwinklig gebeugt. Das soll bewirken, dass die Bandscheiben sich mit Flüssigkeit vollsaugen und wieder aufpumpen, weil sie jeden Tag in der aufrechten Haltung zusammengequetscht werden. Ich lege mich dann auf den Boden auf einen weichen Teppich und lege die Beine auf einen Stuhl.

Meditation finde ich auch deswegen gut, weil es eine Technik ist, die nichts an Zubehör benötigt und die überhaupt nichts kostet. Es gibt religiöse und völlig unreligiöse Formen zu meditieren. Ich persönlich verwende lieber diejenigen, die einen spirituellen Touch haben, und folge damit auch meinem Bedürfnis nach einer Verbindung mit etwas, das grösser und bedeutsamer ist als ich selbst. (das Universum, die Welt, ein kollektives Bewusstsein, ein höheres Wesen, für mich z.B. die Göttin… ) Aber das ist absolut kein Muss.

Was ich gerne als Entspannung/Meditation mache, und ganz gut tut, wenn ich nicht deprimiert bin, ist, mit einer Kamera rauszugehen und irgendwas festzuhalten, was mich gerade anspricht, anspringt, oder mir auffällt.

flickrunde
Gutes Wetter trägt für mich ja ungemein zu Achtsamkeit und Entspannung bei ;-)

Spiritualität
Ooooooooohweia. Ein ganz verrufenes Thema in der linken Szene. Spiritualität ist ja gleich Esoterik und das ist ja genau das selbe wie Faschismus ;)

Ich glaube, ich habe mir das nicht unbedingt ausgesucht, ob ich Spiritualität praktizieren will oder nicht. In meinem Leben hatte ich atheistische Phasen, in denen ich versuchte, davon auszugehen, dass es “nichts” gibt, was irgendwie als Göttlichkeit oder umfassendere Kraft anzusehen wäre, und es hat sich für mich als nicht machbar heraus gestellt. Vielleicht gibt es spirituelle und a-spirituelle Leute, so wie es sexuelle und a-sexuelle Leute gibt, und ich habe gemerkt, dass ich halt ein Bedürfnis nach Spiritualität habe und ich denke, es ist ok, dem nachzugehen. Ich habe oben geschrieben, dass ich zurechtkomme mit Politgruppen, die einige Sachen, die mir wichtig sind, nicht wichtig finden oder sogar dagegen sind. Vielleicht habe ich das dadurch gelernt, dass ich die spirituellen Bedürfnisse in Politgruppen schon immer ausblenden und verdrängen musste. Erst seit wenigen Jahren habe ich das Gefühl, dass ich beides miteinander verbinden kann – und dass die Leute dafür ein wenig offener sind und eine_ nicht sofort dafür auslachen oder rauswerfen. Trotzdem bin ich sehr zurückhaltend mit religiösen Themen, weil ich denke, sie sind eigentlich Privatsache, und ich möchte keine Person mit meinen Ansichten belasten oder ihnen etwas überstülpen.

In diesem Selfcare Text von Leah Lakshmi Piepzna-Samarashina erzählt sie zum Beispiel, dass sie zusammen zu einer Gerichtsverhandlung gingen und für die Person, die Repressionen ausgesetzt war, öffentlich gebetet haben und sich gegenseitig gestärkt haben. Das fand ich sehr schön. So etwas kann ich mir hier in Deutschland ganz schlecht vorstellen.

Für mich ist Spiritualität eine Kraftquelle, und sie hat für mich vor allem mit Verbundenheit zu tun.

  • Verbundenheit mit einer weiblichen Identität, die mir hilft damit klarzukommen, dass Weiblichkeit und Frau*sein in der Gesellschaft oft abgewertet und missachtet wird; ich personifiziere dies als Göttin, und als einzelne spezifische Göttinnen.
  • Verbundenheit mit anderen Lebewesen, Menschen, Tieren und Pflanzen, was ökologisches Engagement nicht zu einer Handlung aus Betroffenheit und Pflichtgefühl heraus macht, sondern zu einem Akt der Liebe meiner “Familie” aus Mitwesen gegenüber. Ich habe das Gefühl von einem Geben und Nehmen, dass ich nur zurückgebe, was mir an energetischer Unterstützung und Liebe gegeben wird.
  • Verbundenheit mit den Ahn_innen, und zwar sind das die familiären und die geistigen Ahn_innen. “Ahnen” klingt oft so faschomässig, und ich glaube, das ist auch ein Gebiet, das völlig zu Recht kritisch angegangen wird in Deutschland, wo unsere Altvorderen zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen und einen beispiellosen Völkermord verübt haben. Trotzdem oder gerade deshalb gehört für mich ein verantwortungsbewusstes Verbunden sein mit Ahn_innen zur Spiritualität dazu, und das heisst, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Die nichtfamiliären Ahn_innen sind die Menschen, die das geschaffen haben, was mich heute umgibt, und was mich heute ausmacht. Wenn mensch so möchte, sind das die Ahn_innen, die mir nicht meine Gene weitergegeben haben, sondern nur die Ideen und das Wissen, was mir zur Verfügung steht. Diese Verbundenheit hilft mir, mein Leben in einem Zusammenhang von Geschichte zu sehen, mich einerseits klein zu fühlen im Vergleich zu all dem, was schon war, aber mich auch als Teil eines grösseren Ganzen zu fühlen, und mit dem, was wir haben, verantwortungsvoll umzugehen.

In der Praxis drückt sich Spiritualität für mich ganz verschieden aus. Meditation, Gebet, Gesang, Musik machen (vor allem Musik machen!), ritualisieren, und Feste mit anderen zusammen feiern. (Letzteres, seit ich meine Frauenritualgruppe nicht mehr habe, leider sehr sporadisch und selten, aber wenn, dann ist das immer schön).
Das ist auch etwas, was bei vielen Interessen und wenig Zeit eher wegfällt und ich merke immer dann, wenn ich mich doch mal entscheide, abends bei Kerzenschein ein leises, musikalisches Ritual zu machen, dass es mich total auftankt und mir super gut tut, mit meinen Geistern, der Göttin und dem ganzen Rest mal wieder kommuniziert zu haben.

Allein, dass ich das hier in diesen Text überhaupt reinschreibe, find ich schon erstaunlich und ein wenig abstrus. So getrennt habe ich früher das politische und das spirituelle gehalten.

wollefest201316
Mein Altar. Eine kleine Göttin habe ich aus Erde gemacht, die andere eine liebe Freundin aus Speckstein in ihrer Ergoteraphie.

Auseinandersetzung mit Kritik

Selfcare und Klassismus.

Ich habe mein Leben so eingerichtet, dass ich genug Geld habe, aber eben nur dadurch, dass ich wenig Kosten habe, die ich andauernd bezahlen muss. (Also bis auf Miete, Telefon/Internet, Saxophonunterricht und die Online-Yoga-Videos.) Das spiegelt sich auch in meinen Selfcaresachen wieder. Ich kann das meiste davon mit wenig oder gar keinem Geld betreiben. Ich mache Yoga auf einer alten, billigen Gymnastikmatte in einer alten, schlabberigen Jogginghose, die ich mal *hüstel* bei jemandem ausgeliehen und vergessen hab zurückzugeben. Politgruppen gibt es in Fahrradreichweite genug und die Linken treffen sich ja wenn, dann meistens da, wo Getränke günstig sind oder wo es gar keinen Konsumzwang gibt. Internetkommunikation ist auch günstig und mein Spirikram kostet mich auch nichts, weil ich keiner Eso-Psycho-Gruppe angehöre, wo mensch teure Dinge oder Seminare kaufen muss. Hähä. Tatsächlich waren in meiner Ritualgruppe fast nur Frauen* die in prekären Verhältnissen lebten und heute noch kenne ich kaum Menschen, die es “dicke” haben..

Selfcare und Privilegien.

Ich weiss nicht genau, warum ich so empfindlich darauf reagiere, wenn das Thema auf Selfcare und Privilegien kommt. In den letzten Tagen habe ich darüber nachgedacht. Ich finde es als vielfach privilegierte Person wichtig, sich Unbequemlichkeiten auszusetzen, sich zurückzunehmen, die anderen reden zu lassen, den anderen zuzuhören, und sich nach dem zu richten, was die Leute, die weniger Privilegien haben, in politischen Kämpfen vormachen oder vorgeben.
Selfcare dreht sich aber nicht um sich zurücknehmen, sondern um sich wichtig nehmen. Es geht dabei um sich selbst zuhören. Die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Sich von Unbequemlichkeiten mal zu erholen. Diese Dinge sind für mich kein Gegensatz, sondern eine gleichzeitige Sache. Wenn ich mich selber nicht pflege, kann ich auch nicht andere Menschen unterstützen und ein_e Verbündete sein.
Deswegen habe ich so grosse Widerstände, wenn ich beim Thema Selbstfürsorge ein “check your privilege” zu hören kriege.
Vielleicht sollte ich das auch besser trennen können, das Reden über Selbstfürsorge und die Praxis der Selbstfürsorge an sich; aber wenn aus dem Diskutieren irgendwann praktische Konsequenzen gezogen werden, was wären denn die praktischen Konsequenzen aus der Selfcarekritik?
Also mache ich das (ist vielleicht auch totaler Quatsch) so, dass ich das Bewusstmachen von Privilegien als wichtigen Teil vom politischen Aktivismus sehe, aber nicht in meiner Selbstfürsorgepraxis haben will. Denn Selbstfürsorge = Empowerment und Privilegien-Awareness ist für mich absichtlich kein Empowerment, sondern soll vielmehr in der ungerechtfertigt zugestandenen Machtposition verunsichern und hinterfragen und Macht abgeben.

Selfcare und Pathologisierung
Ich habe mich mit dem Gesundheitsdiskurs nicht so befasst. Es gibt aber, das seh ich ein, problematische Teile dessen – wie Steinmädchen auf Identitätskritik in einigen Texten schrieb, dass Menschen darin in Gesund/Krank, Abweichend/”Normal” eingeteilt werden.
Ich habe mal über Gesundheit ein tolles Buch gelesen. (Rückblickend gesagt ist es halt 1970er Spiri-Feminismus, mit allem, was das mit sich bringt!) Es heisst “HeilWeise” von Susun Weed. Darin beschreibt sie 3 Paradigmen von Gesundheit/Medizin. Die Wissenschaftliche Tradition, die Heroische Tradition und die Tradition der Weisen Frau. Die wissenschaftliche Tradition ist quasi das, was wir als “Schulmedizin” kennen, die heroische Tradition ist das, was viele als “Alternativmedizin” kennen. Ja, right – Weed beschreitet einen dritten Weg jenseits von Schul- UND Alternativmedizin. Ich würde Weeds “Tradition der Weisen Frau” als Selbstfürsorge-Tradition begreifen. Sie beschreibt diese Art des Heilens als unspektakulär, alltäglich, unsichtbar und lustig/spassig.
Was ich spannend an ihrem Angang fand: Sie kommt völlig ohne Pathologisierung aus. Selbst der Tod kann ein “Heilungserfolg” sein. Sie beschreibt auch ganz treffend die Normierungen und Abweichungen der wissenschaftlichen Tradition: “vertrau auf die Laborwerte!” und die Schuld/Sühne Muster der heroischen Tradition: “Ich bin krank, weil ich mich falsch verhalten habe, ich muss gereinigt und bestraft werden.”
Die (Selbst)fürsorge”tradition der Weisen Frau” könnte man zusammenfassen unter “ernähren, bemuttern, trösten, unterstützen”. “Krankheiten” sind keine Probleme, sondern gehören selbstverständlich zum Leben dazu und zu jeder einzigartigen Person.

Mir sympathisch: Weed bezeichnet _ihre_ Tradition nicht als DAS Ding, was “gegen alles” hilft. (sie sieht ihre Tradition überhaupt nicht als eine, die “gegen etwas” ist, sie kämpft auch nicht “gegen Krankheiten” und sieht überhaupt nichts als “Krankheit” an.) Weed sagt, es kann Sinn machen, Heilmethoden der wissenschaftlichen und heroischen Traditionen zu verwenden oder sich deren Heilmethoden zu unterziehen. Hätte ich z.B. Krebs, wäre es mir lieb, wenn mir jemand/ein Arzt (wiss. Tradition) Laborwerte abnehmen könnte, um festzustellen, ob die Therapie angeschlagen hat. Was meinen Rückensport angeht, sehe ich auch, dass ich für das Vernachlässigen dieser Dinge “bestraft” werde mit “Krankheit”(heroische Trad.), dass ich mich nach “Regeln” verhalten kann (also, z.B. Yoga machen) und dann bleibe ich “gesund” (also schmerzfrei).
Trotzdem ist mir die “Tradition der Weisen Frau” am symphatischsten, weil sie überhaupt nicht pathologisiert und weil sie so “stinknormal” ist, dass sie gar nicht als “Heilen” wahrgenommen wird. Selbstfürsorge eben. Es ist hier leider nicht genug Platz, um das alles auszubreiten und klar zu machen, was sie meint.
Nicht/nie jemanden als “krank” zu bezeichnen, gelingt mir ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich möchte zu einer Selbstfürsorge finden, die nicht pathologisiert, und die offensiv zu den fürsorglichen/nährenden/mütterlichen Qualtitäten steht, die die “Tradition der Weisen Frau” ausmachen. Ja, diese Dinge wurden abgewertet. Ja, Menschen, denen ein weibliches Geschlecht zugewiesen wurde, wurden in diese Rollen hineingezwungen. Gesteh ich zu. Aber ich verzichte trotzdem nicht darauf, sondern versuche gleichzeitig im Kopf zu behalten, dass kein Mensch in diese Verhaltensweisen hineingepresst werden darf. Ohne jedoch die Verhaltensweisen selber aus dem Fenster zu werfen, abzuwerten oder als nicht-anwendbar zu verurteilen.

Fazit
It’s my Selfcare, and I cry if I want to.

Tour de Fleece Day 4
Die letzte_ kehrt die Flusen weg.

Die tägliche Entschleunigung

Ich habe dieses Jahr eigentlich generell zu wenig Zeit, zu viel zu tun und hier und da Druck im Nacken. Nicht, daß es nicht gut laufen würde. Nicht, daß die viele Arbeit keinen Spass machen würde. Es ist aber einfach so viel, dass ich reduzieren muss, und gerade diesen Frühsommer stelle ich fest..: Sonne und Frischluftaktivitäten laden dazu ein, dauernd aktiv zu sein, der Schlaf kommt zu kurz und das zehrt dann auf Dauer an der Substanz.

Deshalb mache ich jetzt eine tägliche Entschleunigung. Ich werde nicht täglich hier darüber berichten, weil sie soll ja Druck wegnehmen und nicht noch zusätzliche To-Do’s erzeugen, aber wenn ich Zeit und Lust habe, tue ich das einfach.

Meine Entschleunigung gestern: Im Garten gewesen, unterm Baum gelegen, und als ich keine Lust mehr hatte, sofort mit der Gartenarbeit aufgehört, obwohl es noch so einiges zu tun gegeben hätte. Und Wolkengestalten geguckt.
dailyzen1

Abhängen
dailyzen2

Wolken gucken
dailyzen3

Kräuter pflücken